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Der Viadukt über den Fluss Tarn in Albi ist ein Klassiker unter den Fotomotiven und findet sich auch in mehreren Versionen in der DSO-Galerie: drei von Urs Renninger aus den Jahren 2013/15 (hier, hier und hier) und eine von 2016 von Ingmar Weidig (hier). Als mich Mitte Juli diesen Jahres eine Dienstreise nach Albi führte, wollte ich natürlich auch die Freizeit nutzen, um dieses Motiv einzufangen, was allerdings nur teilweise von Erfolg gekrönt war. Ich möchte daher hier für andere, die mit dem Gedanken einer Fototour nach Albi spielen, meine Erfahrungen zusammenfassen.

Der berühmte Viadukt liegt zwischen den Bahnhöfen Albi-Ville und Albi-Madeleine bzw. zwischen der Altstadt um die Kathedrale Ste-Cécile und dem Viertel Madeleine, wie die nachfolgende Karte zeigt (Kartengrundlage: opentopomap.org, © OpenStreetMap-Mitwirkende):

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/24_Albi_2017/Albi_2017_1.jpg

Das klassische Motiv ist der Blick von Westen auf Brücke und Kathedrale vom südlichen (linken) Tarn-Ufer. Um den passenden Zugang zu bekommen, ist auf den meisten Stadtplänen (auch den aktuellen und bei Google Maps) ein Weg eingezeichnet, der (auf der Karte oben als 'Rue de la Filature' bezeichnet) hinunter zu einer alten, verfallenden Mühle, dem Moulin de Gardès, und anschließend als Chemin de Gardès wieder hinauf zur Rue de Gardès führt. Aber: die Rue de la Filature, einst Hauptzufahrt zur Mühle, endet nach wenigen Metern an einem die Straße querenden Zaun, hinter dem sich ein Privatgrundstück befindet, und ist, soweit ich sehen konnte, nach diesem Grundstück völlig überwuchert. Dieser Weg verläuft auf einem kleinen Hangviadukt, und Ende der 1990er Jahre rutschten Bögen dieses Viadukts ab, weswegen der Weg gesperrt wurde. Bleibt also noch der Chemin de Gardès, einst Zugang zu einer in der alten Mühle eingerichteten Diskothek – aber auch hier Pustekuchen: er ist gleich zu Beginn, am Abzweig von der Rue de Gardès mit einem mannshohen, neu aussehenden Gittertor versperrt. Das Gittertor kann man zwar in Richtung Mühle übersteigen, aber das Überklettern in die andere Richtung schien mir wegen der Höhe (der Weg ist abschüssig) problematisch, wenn man nicht mindestens zu zweit ist und sich Kletterhilfe geben kann. Grund für die Verbarrikadierung des Wegs ist wohl ein Unfall vor ein paar Jahren mit einem Squatter, der sich in der Mühlenruine eingerichtet hatte. Also was tun?

Um den Klassiker doch noch in den Kasten zu kriegen, gibt es die Möglichkeit, einem Pfad am Tarnufer zu folgen, der zu der in der Karte mit (1) bezeichneten Stelle führt. Der Weg wird rasch zum Trampelpfad und führt unter die Bögen des oben erwähnten Hangviadukts, wo einige Obdachlose ihre Nachtlager eingerichtet haben. Von dort sieht der Blick auf Brücke und Kathedrale wie folgt aus (Aufnahme vom 11.7.2017):

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/24_Albi_2017/Albi_2017_2.JPG

Naja, geht gerade noch so... Eigentlich müsste man hier noch zwei Meter nach links treten – geht aber nicht, denn da ist an diesem erosionsgebeutelten Prallhang kein Erdreich mehr. Der Trampelpfad endet nach ein paar Metern im Dickicht und führt nicht, wie die OpenTopomap-Karte suggeriert, bis zur Mühle.

Eine Alternative findet sich an der oben am Hang verlaufenden Rue de Gardès bei Punkt (2) auf der Karte, wo die Stadt Albi einen Aussichtspunkt angelegt hat, von dem man den nachfolgenden Blick auf Brücke und Kathedrale hat (Aufnahme vom 11.07.2017):

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/24_Albi_2017/Albi_2017_3.JPG

Vorteil: man steht höher. Nachteil: Stromleitungen laufen quer übers Viadukt, und die Vegetation (die für die Mitarbeiter des Gartenbauamts hier zugegebenermaßen kaum erreichbar und kürzbar ist) "knabbert" den Blick auch schon ganz schön an. Sehr gut kann man von hier aber den Viadukt ohne Kathedrale und dafür mit Blick auf den Stadtteil Madeleine und die gleichnamige Kirche aufnehmen (Aufnahme vom 15.07.2017):

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/24_Albi_2017/Albi_2017_4.JPG

Der Viadukt setzt sich auf der Altstadt-Seite fort, die Bahnstrecke führt hier in einem Bogen Richtung Bahnhof Albi-Ville. Eigentlich wäre nun an Punkt (3) auf der Karte eine attraktive Fotostelle, denn vor der Kathedrale und dem Bahnviadukt überquert eine jüngst renovierte Straßenbrücke, der Pont de la République, ein Tal, in dem ein Parkplatz und der Schlachthof von Albi (heute eine Kunstschule) liegen. Doch auch hier kamen bei mir keine Freudentränen auf, denn das Motiv stellt sich im Moment so dar (Aufnahme vom 12.7.2017):

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/24_Albi_2017/Albi_2017_5.JPG

Wegen Bauarbeiten am anderen Brückenkopf, zu denen ich gleich noch komme, wurde nämlich nach erfolgter Renovierung des Pont de la République dieser gleich wieder gesperrt, um als Zufahrtsstraße zur Baustelle zu dienen, und eine Treppe zu den Büro- und Wohncontainern des Bautrupps, die sich am Fuß der Brücke befinden, errichtet. Für Fußgänger wurde ein schmaler Durchgang belassen, aber dieser akkurat mit einem nicht zu übersehenden Bauzaun abgesichert. Man muss also an dieser Stelle ganz schön tricksen, wenn man ein einigermaßen brauchbares Foto ohne störendes Baustellen-Mobiliar machen will, und der sich so ergebende freie Abschnitt des Bahnviadukts ist für alle hier verkehrenden Triebwageneinheiten leider zu kurz (Aufnahme vom 15.7.2017):

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/24_Albi_2017/Albi_2017_6.JPG

Die Nachmittags-/Abendmotive mit dem Tarn-Viadukt von Westen sind also nur unter Schwierigkeiten umzusetzen. Aber es bleibt ja noch der Blick von Osten, der morgens / vormittags im rechten Licht ist (Aufnahme vom 15.7.2017):

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/24_Albi_2017/Albi_2017_7.JPG

Allerdings droht auch hier Ungemach, mit dem die oben erwähnten Bauarbeiten zu tun haben: an der Ostseite des Bahnviadukts wird nämlich ein Fußgänger- und Fahrradsteg angebracht, der eine bessere Verbindung zwischen der Altstadt und dem Madeleine-Stadtteil (mit der Freizeitanlage Pratgraussals) herstellen soll. Wie diese 'Passerelle' aussehen soll, kann man auf der Webseite der Stadt Albi sehen. Möglicherweise steht dieser Steg dem Viadukt gar nicht so schlecht – aber während der Bauphase dürfte der Blick von Osten doch deutlich beeinträchtigt sein. Die Bauarbeiten haben sich verzögert, sie beginnen gerade jetzt und sollen Anfang 2019 abgeschlossen sein.

Meine Fotoausbeute nach doch immerhin 6 Tagen Aufenthalt war also durchwachsen. Nun ist Albi ein Ort, der soviel Sehenswertes zu bieten hat, dass sich die Reise immer lohnt. Wer aber vor allem wegen der Zugfotos in diese Stadt fahren würde, der ist wohl besser beraten, bis 2019 zu warten, bis alle Bauarbeiten abgeschlossen sind. Ob sich irgendwann eine Lösung für den immer mehr verfallenden Moulin de Gardès und damit für die Zugänglichkeit des Parade-Fotopunkts ergibt, steht in den Sternen.

Abgesehen davon gibt es noch etwas, was einem die Freude an der Eisenbahnfotographie in und um Albi verhageln kann, nämlich die vielen Graffiti-ver(un)zierten Fahrzeuge. Vor allem die "Baleine"-Triebwagen sind betroffen und kommen gern als rollende Street-Art-Galerien daher (Aufnahme vom 14.7.2017 vom Punkt (4)):

http://www.romanistik.uni-freiburg.de/pusch/fotos/alben/24_Albi_2017/Albi_2017_8.JPG

aber auch andere Baureihen sind getaggt; durchgängig sauber waren während meines Aufenthalts nur die Régiolis-Züge. Dazu noch ein Hinweis: An Werktagen führen diese Régiolis Verstärkungszüge zwischen Toulouse und Albi-Ville; die Einheiten fahren aber kurz nach Ankunft in Albi-Ville leer nach Carmaux weiter, wo sie am nächsten Morgen als Rush-hour-Züge starten. Das führt zu ein paar mehr Fahrten auf dem Viadukt in den lichtmäßig interessanten Abendstunden.

Einen erfolgreichen Foto-Sommer und viele Grüße
Claus

Liste meiner Forenbeiträge auf DSO: [www.claus-pusch.de]

Grandios! (o.w.T)

geschrieben von: NVB

Datum: 03.08.17 18:24

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Schöne Motive - schade um die Züge !

geschrieben von: Ae4/7

Datum: 03.08.17 19:50

am Besten den nächsten Dampfsonderzug dort Fuzzen, denn diese hässliche fahrende Zäpchen - dazu z.T. mit Graffiti - sind für mich keine Reise dorthin wert...

VG von Alex

Meine Bahnwelt :

[www.flickr.com]
Moin Claus,

ich finde es echt super, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, Deine Fotostandorte auf der Karte einzuzeichnen und die pros und cons zu beschreiben.

Das ist nämlich eine große Hilfe, wenn man an einen solchen Ort auch einmal fährt.

lg RhB WR 3811

Kann man die Kirche nicht besteigen?

geschrieben von: Der Zeuge Desiros

Datum: 03.08.17 22:23

...das wäre dann ja mal der Blick von oben. Mitunter sind derartige Gebäude ja bisweilen zur Besichtigung freigegeben.

Viele Grüße, interessanter Bericht

Heiko

http://www.desiro.net/Signatur-Leserfahrt-ausverkauft.jpg
Vielen Dank für den Beitrag!

Ich war vor fast genau zwei Jahren dort, auch damals war es schon nicht einfach, einen Fotostandpunkt zu finden.

Letztendlich habe ich mich für diese Variante ohne die (in meinen Augen) ohnehin recht hässliche Kirche entschieden, dafür mit allen drei Brücken.

http://yannick-hauser.de/host/2017-07-14/SNCF%20X21xx%20bei%20Albi%20Ville%2002082015%20TER%20870017%20Rodez%20-%20Toulouse%201000px.JPG

Damals fuhren auch noch die X 2100...

Gruß
Yannick
Super hilfreicher Beitrag mit tollen Photos, Chapeau!

Ich erlaube mir noch den Klassiker von der rue de Gardès aus anzufügen (Edit: Tour im Juli 2016 mit iw):

https://s2.imagebanana.com/file/170804/78SIZa4E.jpg

67424+496 mit dem Nachtzug Albi-Paris am 10.7.16

Gruß, D 895 (SSH-SPSN-RLA-RK-MH)




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:08:04:02:08:15.

Sehr hübsch, danke! (o.w.T)

geschrieben von: S-Transport

Datum: 04.08.17 15:00

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Grüße aus Wangen im Allgäu

Simon Scharfenberger

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Übersicht: [www.drehscheibe-online.de]

Re: Kann man die Kirche nicht besteigen?

geschrieben von: claus_pusch

Datum: 04.08.17 23:47

Hallo Heiko, das hatte ich auch gehofft. Leider gibt es keine reguläre Besteigungsoption - eventuell könnte man im Rahmen einer Kirchenführung so etwas organisieren. Der Blick vom Turm auf den Viadukt am späten Vormittag müsste grandios sein!
Viele Grüße, Claus

Liste meiner Forenbeiträge auf DSO: [www.claus-pusch.de]
Hallo Claus,

danke für diesen Lagebericht. Das Tor am Weg runter zur Mühle ist neu, 2016 konnte ich den Weg für das verlinkte Bild noch ganz bequem und legal betreten. Allerdings bin ich für das Bild auf den Ruinen eines oberhalb der Mühle liegenden Hauses etwas rumgeklettert. Das von D 895 gezeigt Bild ließ bequem von der Straße aus aufnehmen - allerdings natürlich ohne Kathedrale.

Grüße iw
http://abload.de/img/singaturkopiey2u56.jpg
Meine Bildbeiträge bei DSO: [www.drehscheibe-online.de], meine Bilder in der DSO-Galerie: [www.drehscheibe-online.de]