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Mit Volldampf durch China – Vier Wochen in den letzten Dampfparadiesen des Fernen Osten

Teil 13a: Strafe in der Nacht, Belohnung am Morgen – Vom zweiten Versuch, einen Dampfzug in der Wüste zu fotografieren



Wir sind noch immer auf dem Streifzug durch die letzten Dampfparadiese Chinas. Im letzten Bericht hatten wir einen relativ erfolglosen Tag in Yamansu auf der Jagd nach der Dampflok Fata Morgana verbracht. Außer Standbildern aus dem Depot und einer Notschlachtung gab es nichts zu fotografieren. Jetzt werdet ihr erfahren, was wir am zweiten Tag in Yamansu erlebt hatten. Soviel sei schon mal gesagt, wir sollten mehr Erfolg wie am vorherigen Tag haben. Viel Spaß beim Lesen!

Zur besseren Übersicht wie immer zunächst eine Karte:

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Bild 1: Die Minenbahn von Yamansu zweigt am Bahnhof Shankou von der Staatsbahnlinie Ürümqi – Hami – Lanzhou ab. Der Bahnhof Shankou ist lediglich ein kleiner Betriebsbahnhof inmitten der Wüste ohne jegliches, weiteres Anzeichen von Zivilisation. Die Strecke führt in südwestlicher Richtung durch hügeliges Gelände. Nach ca. 9 km Streckenlänge muss ein Tal durchquert werden. Die Strecke fällt in das Tal hinab, überquert es auf einer Brücke und führt anschließend in stetiger Steigung wieder aus dem Tal heraus direkt in südwestlicher Richtung auf Yamansu zu. Kurz vor Yamansu wird der Scheitelpunkt erreicht, die Strecke macht einen Schwenk nach Westen und führt hinab nach Yamansu. Dort befinden sich neben der Erzgrube auch eine kleine Bergarbeitersiedlung, ein kleines BW samt angeschlossener Werkstatt und ein Gleisdreieck.
Die Loks der Minenbahn holen die leeren Waggons in Shankou ab und ziehen sie Schornstein voraus nach Yamansu. Die beladenen Waggons werden dagegen Tender voraus nach Shankou gezogen.



15.11.2010
Wer aufgrund der Überschrift Schilderungen von nächtlichen SM-Orgien erwartet, den muss/kann ich leider/glücklicherweise enttäuschen/entwarnen. Die Nacht in der „Zwei-Loch-Kategorie“-Unterkunft von Yamansu war zwar hart (fehlende Matratze), kalt (fehlende Heizung und Decken bei -10° Außentemperatur und defekten Fenstern), endete zum Glück aber schon morgens um sieben Uhr. Dank der narkotisierenden Getränke, die ich am Vorabend in der Uiguren-Kaschemme zu mir genommen hatte, fand ich sogar ein paar Stunden Schlaf, der aber alles andere als erholsam war. Erst wurden wir am Tag mit zahllos entgangenen Fotomotiven psychisch gepeinigt, dann wurden wir in der Nacht auch noch physisch gefoltert. Warum tut man sich sowas nur an? Wegen einer Dampflok in der Wüste, die man nicht einmal vor die Linse bekommt! Wie bescheuert kann man eigentlich nur sein?

Jetzt hatten wir am frühen Morgen aber erst einmal andere Probleme. Es schmerzte nicht nur der Kopf, sondern der gesamte Körper. Eine weitere Narkosedosis wäre zum Frühstück absolut angebracht gewesen, aber dafür blieb (mal wieder) keine Zeit. Denn auf dem Weg zum Frühstück erfuhren wir über Funk, dass die Dampflok schon wieder in Shankou sei, um dort Leerwagen abzuholen. Hatten wir das nicht schon mal? Richtig, gestern früh war das genauso. Allerdings waren wir jetzt näher am Ort des Geschehens. Der schlagartige Adrenalinausstoß ließ jegliche Schmerzen vergessen, jegliche Trägheit wich aufgeregter Anspannung.

Ohne Frühstück hetzten wir zu unseren Kleinbussen, da plötzlich die vermeintliche Meldung kam, dass der Zug mit Leerwaggons bereits den Staatsbahnhof in Shankou verlassen habe. Im Bus stärkten wir uns auf der Fahrt in die Wüste noch mit Kaffee und Keksen. Schon wieder so viel Stress am Morgen. Ständig ging der Blick aus den rechten Busfenstern. Sind auf der ca. 300m parallel zur Straße verlaufenden Bahnstrecke Dampfwolken im frühen Morgenlicht zu sehen? Zum Glück nicht. Wir überquerten die Bahnstrecke und fuhren in das ausgetrocknete Flusstal hinab. Jetzt gingen die bangen Blicke zu den linken Busfenstern hinaus. Das Herz pochte wie verrückt, die holprige Staubpiste weckte auch den letzten auf. Sollte jetzt ein Zug kommen, wäre nicht einmal eine Notschlachtung möglich.

Als wir das Ziel in der Wüste erreicht hatten, war der Zug zum Glück noch nicht in Sichtweite. Zum Glück, denn bis zum Sonnenaufgang sollte es noch ein bisschen dauern. Daher war eine Gegenlichtaufnahme die einzig sinnvolle Variante. Also bestieg ich im Laufschritt in der Nähe der Brücke einen Hügel oberhalb der Strecke. Die Videographen entschieden sich größtenteils für die gegenüberliegende Seite des Tales. Vollkommen ausgepumpt erreichte ich mit der Reiseleitung die Hügelspitze. Der Zug kündigte sich immer noch nicht an, die Anspannung sank, dafür meldete sich der gequälte Körper wieder. Und ausgerechnet jetzt hatte ich den flüssigen Proviant im Bus vergessen. So ein Mist!

Wir warteten und warteten, die Sonne ging auf, aber von einem Zug war weit und breit nichts zu sehen. War der Zug vielleicht doch schon durchgefahren? Eigentlich konnte das nicht sein, das hätten wir sehen müssen. Aber sicher ist sicher. Die Nachfrage per Funk ergab, dass der Zug noch immer in Shankou stehen würde, man aber in fünf Minuten losfahren würde. Aber inzwischen wussten wir ja, dass die Uhren hier komplett anders ticken. Nach einer weiteren Viertelstunde Wartezeit war von einem Zug noch immer weit und breit nichts zu sehen. Die erneute Nachfrage per Funk ergab, dass der Zug noch immer in Shankou stehen würde, man aber in fünf Minuten losfahren würde (und viertelstündlich grüßt das Fünf-Minuten-Murmeltier). Die Sonne stieg immer höher, eigentlich schon zu hoch für Gegenlichtaufnahmen. Jetzt stand ich vor einer schwerwiegenden Entscheidung: weiter an der Position warten bei minütlich schlechter werdenden Lichtverhältnissen oder Wechsel auf die andere Talseite mit der Gefahr, dass genau während diesem Standortwechsel der Zug kommen würde.

Immer diese schweren Entscheidungen am frühen Morgen. Mein gequälter Körper sagte: „Bleib einfach hier und lass mich ein bisschen ausruhen. Ist doch vollkommen egal, wie das Licht steht“. Mein gequälter Geist sagte: „Leg dich hin, schlaf ein bisschen. Ist doch vollkommen egal, wenn da so eine olle Dampflok durch die Wüste rollt.“. Welche tief verborgenen Synapsen dann dennoch den Impuls gaben, dass ich mich in Bewegung setzte? Ich kann es euch nicht sagen. Jedenfalls kann ich mich noch daran erinnern, wie ich in einer Staubwolke den Hang hinabkullerte, die Gleise überquerte, durch das Tal sprintete und auf einen Hügel auf der anderen Talseite stieg. Dabei ging der bange Blick immer wieder in Richtung Nordosten, von wo aus der Zug kommen sollte.

Schwer keuchend und schnaufend wie eine altersschwache Dampflok erreichte ich die Hügelspitze auf der gegenüberliegenden Seite. Bin ich wirklich schon so alt? Ich pfiff wirklich aus dem allerletzten Loch, eine sofortige z-Stellung wäre dringend angebracht gewesen. Aber da keucht und schnauft doch noch was anderes. Richtig, zwischen den Hügeln zeichnete sich eine Dampfwolke ab. Halluzinationen? Fata Morgana? Nein, die anderen Gruppenmitglieder auf dem Hügel riefen aufgeregt und brachten ihre Kameras in Stellung. Ich hätte keine Sekunde später auf der anderen Bergseite loslaufen dürfen!

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Bild 2: Einfach perfektes Timing. Im ersten Morgenlicht hat JS 8152 soeben auf der Brücke das ausgetrocknete Flusstal überquert, jetzt macht sie sich mit Volldampf und vielen leeren Waggons am Haken auf die Steigung in Richtung Yamansu.


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Bild 3: Was will man mehr. Perfektes Licht, schöne Dampfwolke und atemberaubende Umgebung.


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Bild 4: Nicht nur der Zug, auch die Holzschwellenschutzwand neben den Gleisen glänzten golden in den allerersten Morgenstrahlen.


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Bild 5: Wenige Minuten zuvor stand ich noch auf einer der Hügelspitzen im Hintergrund. Der Stellungswechsel hatte sich trotz der Anstrengungen aber auf alle Fälle mehr als gelohnt.


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Bild 6: Links oben kann man auf einer der Hügelspitzen die Reiseleitung erkennen, die sich nicht zu einem Stellungswechsel entscheiden konnte. Herr Seiler packt seine Sachen bereits zusammen und macht sich auf den Abstieg, wir …


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Bild 7: … genießen auf der anderen Talseite aber weiterhin die Fahrt des Zuges bei allerbestem Morgenlicht.


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Bild 8: Langsam aber stetig nimmt der Zug die Steigung Richtung Yamansu auf.


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Bild 9: Im Weitwinkelformat kommt auch mal die gesamte Zuglänge zur Geltung.


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Bild 10: Das Morgenlicht taucht die schwarze Wüstenlandschaft in warme Brauntöne.


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Bild 11: An einem verfallenen Gebäude vorbei geht es hinein in die Hügellandschaft.


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Bild 12: Ein letzter Nachschuss, bevor der Zug nach Yamansu entschwindet. Aber halt!



Nachdem am Vortag trotz vorheriger Vereinbarung die Abfahrt zu früh erfolgte, hatten wir für den heutigen Tag vorgebeugt. Bereits am Vortag hatte die Reiseleitung das Lokpersonal über Funk darüber informiert, dass für den Fall der rechtzeitigen Informierung über die Abfahrt in Shankou an der Steigung unsere chinesische Dolmetscherin mit einer kleinen Belohnung warten würde. Der Lokführer hielt tatsächlich an, und auch wir hielten uns selbstverständlich an die Vereinbarung (auch wenn eine etwas genauere Information über Funk natürlich besser gewesen wäre). Die Wartezeit sollte uns zwischenzeitlich genügend Zeit für einen Stellungswechsel per Bus ermöglichen. So ergab sich ein durchaus lohnendes Geschäft für beide Seiten, wie die folgenden Bilder zeigen.

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Bild 13: Der Zug steht in der Steigung. Das Lokpersonal hat die Lok verlassen und regelt die finanziellen Angelegenheiten mit unserer Dolmetscherin.


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Bild 14: Es dauert noch ein bisschen, bis die Langnasen die passende Fotoposition eingenommen haben. Also wartet das Personal noch immer im Freien. Am Bahndamm liegen jede Menge alte Betonschwellen, die man beim Austauschen einfach den Damm hinuntergeworfen hat. So langsam wird es aber Zeit für die Abfahrt, daher …


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Bild 15: … bläst das Lokpersonal nochmal ordentlich die Ventile und Rohre durch, bevor …


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Bild 16: … der Zug sich in Bewegung setzt. Die Anfahrt in der Steigung verlangt der Lok alles ab.


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Bild 17: Langsam nimmt die Lok aber Fahrt auf und nähert sich schwer stampfend unserem Fotostandpunkt.


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Bild 18: Im warmen Morgenlicht dampft JS 8152 durch die schwarze Steinwüste.


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Bild 19: Die perfekte Kulisse: eingerahmt von den schwarzen Bergen im Hintergrund und der Telegrafenleitung im Vordergrund nähert sich der Zug unserem Fotostandpunkt.


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Bild 20: Die Lok hat unseren Standpunkt passiert. Ein vorletzter Anvisieren sei uns noch gegönnt, gefolgt …


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Bild 21: … von einem allerletzten Schuss. Das war jetzt einfach traumhaft. Perfektes Licht, perfekte Landschaft, fast perfekte Dampfentwicklung. Damit wurden wir für den gestrigen, verkorksten Tag mehr als entschädigt. Der Lokführer schließt langsam den Regler, das hat gute Gründe...



… denn weil das so gut geklappt hatte, wiederholten wir das Ganze einfach nochmal ein paar hundert Meter weiter. Schon wieder eine Win-Win-Situation, wie das auf Neudeutsch gerne genannt wird.

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Bild 22: Volldampf voraus! Der Lokführer bemüht sich, den in der Steigung angehaltenen Zug wieder in Fahrt zu bringen.


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Bild 23: Das gelingt ihm ganz gut und schwer stampfend nähert sich der Zug mit den leeren Waggons unserem Fotostandpunkt.


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Bild 24: Nachdem der Zug erst einmal ans Rollen gekommen ist, nähert er sich unserem Fotostandpunkt immer schneller und …


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Bild 25: … passiert ihn schließlich. Sehr schnell …


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Bild 26: … verschwindet der Zug dann auf dem Weg Richtung Yamansu hinauf zur Hochebene zwischen den Hügeln in der Wüste.



Was für ein Morgen! Der Frust vom Vortag war damit mehr als ausgeglichen. Eigentlich hätte man sich jetzt den Rest des Tages einfach zum Schlafen in den Bus legen können, mehr als am heutigen Morgen wäre eigentlich nicht möglich gewesen. Andererseits war der Jagdinstinkt jetzt erst recht geweckt. Die Lokmannschaft wollten wir nach zweimaligem Halt in der Steigung nicht weiter behelligen, aber durch die Fotohalte konnte der Zug keinen Schwung mit in die Steigung nach Yamansu nehmen und würde wohl entsprechend langsam die restliche Strecke unterwegs sein. Im weiteren Verlauf ist der Zugang von der Straße an die Strecke schwierig und in der Kürze der verfügbaren Zeit nicht machbar. Allerdings mussten wir ja auf dem Weg aus dem Tal heraus mit unseren Bussen die Bahnstrecke überqueren und kurz vor Yamansu gibt es noch einen weiteren, recht fotogenen Bahnübergang. Das könnte ja vielleicht noch klappen. Wenn wir schnell genug mit unseren Kleinbussen wären, hätten wir also vielleicht noch die Chance auf zwei weitere Fotomotive. Also husch, husch ab in die Busse und in Walther-Röhrl-Manier über die Staubpiste aus dem ausgetrockneten Flusstal hinaus. Wir konnten tatsächlich einen Vorsprung herausfahren. Der war allerdings so klein, dass am ersten Bahnübergang die Suche nach einem optimalen Fotostandpunkt nicht mehr möglich war. Aber es war auch nicht unbedingt eine Notschlachtung, wie die folgenden Bilder zeigen.

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Bild 27: Der Zug durchfährt zunächst einen Einschnitt, bevor …


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Bild 28: … er auf einen wiederum mit Betonschwellen übersäten Damm fährt. Links neben der Dampfwolke kann man am Horizont noch die schneebedeckten Himmelsberge (Tian Shan) erkennen, die uns die vorherigen Tage in Sandaoling so manches nette Fotomotiv ermöglicht haben. In Sandaoling ist der Vorteil, dass die Berge nicht so weit entfernt sind wie in Yamansu, da bekommt man sie besser auf das Bild.


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Bild 29: Der Zug ist auf der Hochebene angekommen, wie dieses Bild eindrücklich beweist. Die Hochebene fällt langsam in Richtung Hintergrund ab, bis die Staatsbahnstrecke und der Bahnhof Shankou erreicht sind. Von dort geht es wieder bergauf in Richtung der über 4.000m hohen Himmelsberge, die man auch in diesem Bild am Horizont erkennen kann.


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Bild 30: Einen Bahnübergang gibt es für die Staubpiste nicht. Da die Strecke hier aber eine kleine Senke passiert, sind zum Schutz vor Sandverwehungen alte Holzschwellen in den Wüstenboden gerammt worden.


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Bild 31: Der Zug poltert an uns vorbei in Richtung Yamansu. Ob wir wohl nochmals eine Chance bekommen, diesen Zug abzulichten?



Der erste Bahnübergang war also im Kasten, jetzt war die Frage, ob es auch für den zweiten reichen würde. Wir mussten zuerst auf die etwas abseits liegende Hauptstraße in Richtung Yamansu und verloren den Zug so zunächst aus den Augen. Also gaben wir den Kleinbussen die Sporen und feuerten die Fahrer an, damit sie in einem Affenzahn über die nur teilweise grob geteerte Staub- und Schlaglochpiste Richtung Yamansu bretterten. Irgendwann kam die Dampfwolke in Sicht und wir näherten uns langsam dem Zug, der aber mittlerweile wieder recht flott unterwegs war. Ob das noch reicht? Alle Businsassen feuerten den Fahrer an, der das Gaspedal komplett durchdrückte. Unser Bus flog fast schon über die staubige Schlaglochpiste.

Die Geschwindigkeit reichte zwar, um den Zug zu überholen, allerdings waren wir jetzt auch so schnell, dass wir zunächst die Abzweigung zum Bahnübergang verpassten. Trotz des Malheurs schafften wir es rechtzeitig und kamen so zum letzten Fotomotiv vor der Ankunft in Yamansu. Die Umwandlung eines Planzuges in einen Fotogüterzug war absolut erfolgreich. Besser hätte der Tag jetzt wirklich nicht laufen können, das entschädigte für so manche Enttäuschung vom Vortag.

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Bild 32: Das Bild hatte ich euch ja schon im Rätsel zur Einleitung dieser Berichtsreihe gezeigt, Es gefällt mir aber so gut, dass ihr es ein zweites Mal ertragen müsst.


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Bild 33: Der Zug hat den Bahnübergang passiert und macht sich auf zum letzten Kilometer in Richtung Endbahnhof.


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Bild 34: Beim Nachschuss hat die Lok den Scheitelpunkt schon fast erreicht, und wir haben damit auch das Ende der äußerst ergiebigen Verfolgungsfahrt erreicht. Bis zum Endbahnhof in Yamansu können wir den Zug definitiv nicht mehr einholen.



Damit war die Hatz aber noch nicht zu Ende. Schnell ging es mit dem Bus nach Yamansu, schließlich sollten die Rangiermanöver der Dampflok an der Verladeanlage auch noch auf Chip gebannt werden. Als wir uns aber den Endbahnhof in Yamansu erreicht hatten und uns endlich in Position gebracht hatten, war das Rangiermanöver fast schon abgeschlossen.

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Bild 35: JS 8152 hat die leeren Waggons bereits in den Bahnhof Yamansu gezogen. Ein Teil der Wagen wurde bereits abgekuppelt, die restlichen Wagen werden nun auf das Abstellgleis neben der Erzverladeanlage verschoben.


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Bild 36: Dazu dampft die Lok zunächst an der Erzverladerampe vorbei, wo wir unsere Fotoposition bezogen haben.


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Bild 37: An der Verladeanlage schließt der Lokführer den Regler, schließlich endet die Strecke gute hundert Meter weiter. Ganz rechts kann man das Mao-Denkmal erkennen, das bereits Teil des Rätsels zu Beginn der Berichtsreihe war. Und ein Bild einer chinesischen Industriebahn ohne Kabel und Masten ist kein Bild einer chinesischen Industriebahn.


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Bild 38: Nachdem die Waggons auf das Gleis neben der Verladeanlage geschoben wurden, macht sich die Lok auf den Weg ins Depot. Die restlichen Wagen, die die Lok aus Shankou gebracht hatte, blieben einfach auf dem Bahnhofsgleis stehen. So richtig erschlossen hat sich mir der Sinn der Rangiermanöver nicht. Aber wer sich bemüht, chinesische Logik zu verstehen, ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt.



Die Lok hatte am heutigen Morgen bereits viel geleistet und auch wir hatten und ein bisschen Ruhe verdient. So ging es für alle nach der Fotohatz zum Ausspannen ins Depot, wo die Zuglok der morgendlichen Zuges Wasser und Kohle fasste, während wir uns endlich am ersten Morgenbier labten. Dabei entstanden auch wieder einige Bilder, die den Umfang dieses Beitrags aber sprengen würden. Daher dürft ihr auch erst einmal wieder ein bisschen ausspannen, bevor es dann mit dem nächsten Bericht weiter geht. Es folgt dann noch ein kleiner Abschiedsbericht mit dem restlichen Tagesverlauf, bevor wir Yamansu auf dem Weg ins nächste Dampfparadies verlassen. So spektakulär wie am heutigen Morgen wird es zwar nicht mehr, aber wir sollten JS 8152 nochmals in voller Fahrt erleben. Daher hoffe ich, dass ihr auch beim nächsten Mal wieder mit einsteigt. Bis dahin viel Spaß beim Ostereiersuchen.





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Rätsel: Was gehört hier zusammen? Und wo? Und überhaupt…
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Teil 1: „Das ist normal in China“ - Ein Abstecher in die Touristenhölle der chinesischen Alpen
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Teil 2: Von der Hochzeit zur Schmalspurbahn – Die Schmalspurbahn von Shibanxi stellt sich vor
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Teil 3a: Eine Zeitreise zurück ins 19. Jahrhundert – Minenbetrieb wie vor 200 Jahren
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Teil 3b: Eine Zeitreise zurück ins 19. Jahrhundert – Schnapsproduktion wie vor 200 Jahren
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Teil 4a: Motorrad vs. Dampflok – Auf eine Kollision im Tunnel folgt Sonnenschein
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Teil 4b: Dampfzüge bis der Arzt kommt – Nachtwanderung entlang der Schienen zum Onkel Doc
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Teil 5a: Verpasste Chancen gefolgt von einer Schlammschlacht - Ein ganzer Morgen voll Pleiten, Pech und Pannen
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Teil 5b: Vom Fotomotiv zum Biergarten und zurück – Eine ethanol-getriebene Wanderung entlang der Schienen
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Teil 6: Total vernebelt, und das ohne Droge (Dampf) – Ob die Reise trotzdem (weiter)geht?
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Teil 7: Es gibt (ausgerechnet am 11.11.) kein Bier mehr in Xinjiang – dafür aber jede Menge Dampf
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Teil 8: Tief im Westen, wo die Sonne mit Dampf untergeht – Ein Tag im Kohletagebau von Sandaoling
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Teil 9a: Von oben nach unten und zurück – Ein Morgen zwischen Abraum- und Kohlehalden
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Teil 9b: Werkstatt statt Essen – Mit leerem Magen durch die Lokwerkstatt
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Teil 9c: Blitz mit Dampf aber ohne Donner – Ein sehr langer Abend im Tagebau
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Teil 10a: Zum Abschluss drehen wir uns im Kreis – Morgenstund hat Gold und Dampf im Mund
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Teil 10b: Gegen Ende drehen wir uns im Kreis – Kunterbuntes rund um den Tagebau
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Einschub 1: Nachwuchsgewinnung für DSO – Familien-Trainspotting in Thailand und Taiwan
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Einschub 2a: Willkommen im Jahr des Brathähnchens – Gedämpfte Züge zwischen Feuer-Affe und Feuer-Hahn
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Einschub 2b: Willkommen im Jahr des Brathähnchens – Gedämpfte Züge zwischen Feuer-Affe und Feuer-Hahn
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Teil 10c: Der Kreis schließt sich – Dampfgesättigter Sundowner an den Abraumhalden von Xibolizhan
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Teil 11: Yamansu, was bist du? - Steinreiche Wüste, aber mit oder ohne Dampf?
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Teil 12: Wie eine Fata Morgana, so nah und doch so fern – Vom ersten Versuch, einen Dampfzug in der Wüste zu fotografieren
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Teil 13a: Strafe in der Nacht, Belohnung am Morgen – Vom zweiten Versuch, einen Dampfzug in der Wüste zu fotografieren
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Zugliste
Datum Zugnummer Von Nach km Traktion Spurweite
07.11. Zug 2 Shixi Huangcunjing 18 Dampf 762mm
07.11. Zug 4 Jioba Yuejin 10,3 Dampf 762mm
08.11. Zug 1 Yuejin Bagou 12,1 Dampf 762mm
08.11. Zug 4 Caiziba Mifengyan 1,9 Dampf 762mm
10./11.11. K9782 Ürümqi Hami 556 Diesel 1.435mm






1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:04:13:10:31:49.
Hallo,

beeindruckende Aufnahmen in Verbindung mit lesenswerten Begleittexten. Ich habe immer viel Freude an Deinen Beiträgen. Vielen Dank dafür.

Viele Grüße
Patrick

Juhuuuu! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 13.04.17 13:44

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen: [www.drehscheibe-online.de]
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Re: Juhuuuu! :-)

geschrieben von: qj7141

Datum: 16.04.17 16:10

Die Nacht im Dreibettzimmer auf Holzbrett ohne Matratze werde ich so schnell nicht vergessen.
Ich hatte zudem den Schnarcher Ben Kletzer im Zimmer ;-).
LG qj