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Mit Volldampf durch China – Vier Wochen in den letzten Dampfparadiesen des Fernen Osten

Teil 11: Yamansu, was bist du? - Steinreiche Wüste, aber mit oder ohne Dampf?



Und weiter geht es mit dem Streifzug durch die letzten Dampfparadiese Chinas. Im letzten Bericht waren wir im Hotel in Hami gelandet, nachdem wir unseren Besuch von Dampfparadieses Nummer zwei in Sandaoling beendet hatten. Jetzt folgen die nächste Etappe und das dritte Dampfparadies. Viel Spaß beim Lesen!


14.11.2010
Ein Erholungsurlaub wird das nicht mehr! Schon wieder klingelte der Wecker am frühen Morgen, diesmal war es halb sieben. Draußen war es stockdunkel (schließlich sollte die Sonne hier im tiefen Westen Chinas erst um neun Uhr aufgehen) und wieder verließen wir das Hotel ohne Frühstück. Da unser heutiges Ziel mit einem normalen Reisebus aufgrund der teilweise nicht vorhandenen Straße nicht erreichbar gewesen wäre, verteilte sich unsere Gruppe auf zwei geländegängigere Kleinbusse. Damit war aber das Chaos schon vorprogrammiert, schließlich befinden wir uns ja in China. Man hätte jetzt schön als Kolonne hintereinander fahren können. Das klappte auch die ersten 500m auf den zu so frühen Morgenstunden noch komplett leeren Straßen Hamis. Aber schon an der zweiten Kreuzung in Hami bog unser Bus links ab, der andere Kleinbus fuhr geradeaus weiter.

Zunächst dachten wir uns nichts dabei, vielleicht muss der eine ja noch tanken oder so. Schließlich hatten wir dann aber ohne Zwischenstopp die Autobahn erreicht. Nach kurzer Fahrt und dem Passieren der ersten Mautstelle hielten wir dann schließlich auf dem Standstreifen, da unser Fahrer der Meinung war, dass der andere Bus hinter uns sein müsste, weil er den schnelleren Weg gefahren wäre. Dummerweise war der andere Kleinbus aber vor uns und wartete auf uns. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber nicht. Erst nach einer halben Stunde rief der eine Fahrer den anderen endlich auf dem Handy an. Es dauerte noch zehn Minuten, bis die beiden sich gegenseitig erklärt hatten, wo sie gerade stehen, dann brauste unser Fahrer endlich los. Super, eine ganze Stunde sinnlos vertrödelt. Und ausgerechnet jetzt platzte die Nachricht herein, dass der Dampfzug, den wir eigentlich abpassen wollten, gerade losfahren würde. So ein Mist, denn Züge verkehren an unserem heutigen Tagesziel nur sehr unregelmäßig, oft herrscht für mehrere Tage Betriebsruhe. Trotzdem setzten wir die Fahrt erst einmal fort. Aber was war eigentlich unser Tagesziel?

Unser Ziel war die Erzmine von Yamansu, die ca. 120km südlich von Hami liegt. Die Mine liegt inmitten einer gottverlassenen Wüstenregion runde 30km von der Staatsbahnlinie Lanzhou – Hami – Ürümqi entfernt. Die Mine hat einen ca. 36km langen Bahnanschluss zum Staatsbahnhof in Shankou, der Bahnanschluss gehört der Minengesellschaft und wird von dieser auch betrieben. Im Weiteren folgt nun eine ausführliche Antwort auf die Frage im Betreff: Yamansu, was bist du?


Streckenbeschreibung
Zur besseren Übersicht wie immer zunächst eine Übersichtskarte:

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Bild 1: Streckenkarte der Minenbahn von Yamansu. Die Bahn zweigt am Bahnhof Shankou an der Staatsbahn von Lanzhou über Kumul (Hami) nach Ürümqi ab und führt in südwestlicher Richtung über 36km zur Erzgrube in Yamansu. Shankou liegt auf ca. 868m.ü.d.M, von dort verläuft die Strecke in stetiger Steigung bis auf 930m.ü.d.M.b bis sie wieder in ein ausgetrocknetes Flusstal auf ca. 900m.ü.d.M. abfällt. Nachdem die Strecke das Flusstal auf einer Brücke überquert hat, steigt die Strecke wieder stetig bis zum Bahnhof Yashan (980m.ü.d.M) auf halber Strecke an. Am Bahnhof Yashan können Züge kreuzen. Von dort aus steigt die Strecke weiter bis auf fast 1.100m an, bevor sie dann ganz zum Schluss wieder nach Yamansu auf 1.088m abfällt. In Yamansu befinden sich neben den Erzverladeanlagen auch das Depot, eine kleine Werkstatt und ein Gleisdreieck.



Die gesamte Infrastruktur ist auf das Einfachste und absolut Notwendigste reduziert. In Shankou gibt es drei Abstellgleise, auf denen die Staatsbahn Leerwaggons anliefert bzw. voll beladene Erzwaggons abholt. Dazu kommen noch ein kleiner Wasserturm und ein paar Wasserkräne. Shankou selbst ist nur ein Betriebsbahnhof an der Staatsbahnlinie von Lanzhou nach Ürümqi, es gibt keinerlei Siedlung oder sonstige Art von Zivilisation in der Nähe.

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Bild 2: Blick aus dem Zug auf der Staatsbahnstrecke kurz vor Shankou. Im Hintergrund kann man die Gleise der abzweigenden Minenbahn nach Yamansu erkennen.



Von Shankou (868m.ü.d.M) aus zweigt die Strecke südwestlich ab und führt mit Steigungen in eine felsige Hügellandschaft hinein. Nach etwa 8km führt die Strecke dann wieder bergab, quert ein ausgetrocknetes Flusstal und steigt bis zum Bahnhof Yashan bei Streckenkilometer 18 auf ca. halber Strecke von Shankou nach Yamansu wieder auf 980m.ü.d.M. an. Der Bahnhof Yashan ist ein reiner Betriebsbahnhof auf halber Strecke, der Zugkreuzungen ermöglicht. Allerdings ist er aufgrund des geringen Zugverkehrs eigentlich obsolet.

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Bild 3: Aus Richtung Shankou kommend läuft die Strecke in das ausgetrocknete Flusstal hinab. JS 8152 zieht einen Zug mit Erzwagen die Steigung hinauf nach Shankou. Im Hintergrund erkennt man die schneebedeckten Berge des über 4.000m hohen Tian Shan.


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Bild 4: In Form eines gespiegelten „S“ durchquert die Strecke das ausgetrocknete Flusstal. Links und rechts bilden die mit schwarzen Steinen bedeckten Hügel die perfekte Kulisse, als JS 8152 einen Erzzug Richtung Shankou zieht.

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Bild 5: Das ausgetrocknete Flusstal wird auf einem hohen Damm überquert, der zwischendurch nur durch eine Betonbrücke unterbrochen wird.

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Bild 6: Nachdem die Strecke das ausgetrocknete Flusstal durchquert hat, steigt sie wieder am Fuße der Hügel auf der anderen Talseite Richtung Yamansu wieder hinauf. Der im Hintergrund erkennbare Zug kommt gerade aus Yamansu und wird gleich das Flusstal überqueren (siehe vorherige Fotos).


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Bild 7: Das ausgetrocknete Flusstal, im Hintergrund die Brücke, auf der die Bahnstrecke das Tal quert. Links geht es nach Yamansu, gerade aus Richtung Shankou.

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Bild 8: Auf freier Strecke ist die Bahnlinie häufig von aufgestellten Holz- und Betonschwellen flankiert, um Sandverwehungen vorzubeugen. Sieht immerhin besser aus wie die bei uns inzwischen obligatorischen Lärmschutzwände. Die Strecke selbst ist wie praktisch alle Eisenbahnstrecken Chinas mit Betonschwellen ausgestattet.


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Bild 9: Das ausgetrocknete Flusstal, im Vordergrund die Bahnstrecke. Rechts geht es nach Yamansu, links hinten überquert die Strecke das Tal auf der Brücke und steigt wieder hinauf in die Hügellandschaft in Richtung Shankou.


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Bild 10: Im ersten Morgenlicht hat JS 8152 leere Waggons am Staatsbahnhof in Shankou abgeholt und soeben das ausgetrocknete Flusstal auf der Brücke überquert. Jetzt macht sie sich auf die lange Steigung in Richtung Yamansu. Wenige Minuten zuvor stand ich noch auf einer der Hügelspitzen im Hintergrund. Die Gründe dafür erfahrt ihr im übernächsten Bericht.


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Bild 11: Auf einer der Hügelspitzen kann man einen Strich erkennen. Es handelt sich um die Reiseleitung, die sich im Gegensatz zu mir nicht zu einem Stellungswechsel entscheiden konnte.


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Bild 12: Lok JS 8152 zieht die leeren Waggons weiter in Richtung Yamansu. Was sich einst in der Häuserruine unterhalb des Bahndamms befand, kann ich euch leider nicht sagen. Der Ort hieß wohl einst Shannan.


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Bild 13: Langsam steigt der Bahndamm aus dem ausgetrockneten Flusstal in Richtung Hochebene. Am Bahndamm liegen jede Menge alte Betonschwellen, die man nach dem Auswechseln einfach auf den Damm geworfen hat.


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Bild 14: Wenige hundert Meter weiter verlässt die Strecke langsam das ausgetrocknete Flusstal.

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Bild 15: Der Zug hat das ausgetrocknete Flusstal verlassen und macht sich nun durch die Hügel hinauf zu Hochebene Richtung Yamansu.



Anschließend führt die Strecke auf einer Art Hochebene Richtung Yamansu, dabei werden zwei Staubpisten gekreuzt. Kurz vor Yamansu wird am Scheitelpunkt der Strecke auf knapp 1.100m.ü.d.M. eine kleine Hügelkette mittels eines Einschnitts durchquert, anschließend fällt die Strecke zur Eisenerzgrube von Yamansu ab.

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Bild 16: Der Zug hat soeben die Hochebene auf dem Weg Richtung Yamansu erreicht.


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Bild 17: JS 8152 passiert mit ihrem Zug den Bahnübergang in der Nähe von Yamansu. In Kürze hat sie den Scheitelpunkt der Strecke erreicht, von dort ist es nicht mehr weit bis zum Endbahnhof in Yamansu. Dort wird die Lok die leeren Waggons direkt an die Erzverladeanlage rangieren.


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Bild 18: JS 8152 hat soeben den Scheitelpunkt der Strecke kurz nach dem Bahnhof Yamansu passiert und rollt jetzt in Richtung Tal hinab.



Der Endbahnhof in Yamansu auf ca. 1.088m.ü.d.M ist auch auf das Geringste reduziert. Es gibt vier Lade- bzw. Abstellgleise, ein kleines BW mit einem Lokschuppen, der auch für kleinere Reparaturen verwendet wird sowie ein Gleisdreieck zum Drehen der Lokomotiven, das aber praktisch nie benutzt wird. Der Bahnhof selbst ist sogar mit Formsignalen abgesichert.

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Bild 19: Karte des Bahnhofs von Yamansu.


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Bild 20: Die Bahnhofseinfahrt von Yamansu. Vom linken Bildrand her verläuft die Strecke in einer leichten Rechtskurve in den Bahnhof. Im Hintergrund sieht man Erzverladeanlagen.


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Bild 21: Der Bahnhof Yamansu ist sogar noch über Formsignale abgesichert. Im Hintergrund sind die Erzverladeanlagen zu sehen. Dort sollte JS 8152 eigentlich gerade einen voll beladenen Zug abholen und Richtung Shankou ziehen. Aufgrund eines Defekts rückt sie aber zunächst wieder ins BW ein.


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Bild 22: Eigentlich hätte JS 8152 längst einen Erzzug nach Shankou ziehen sollen. Aufgrund eines Defekts musste sie allerdings in die Werkstatt zur Reparatur einrücken. Das war nur eines von zahlreichen Hindernissen, die uns das Erstellen von Betriebsaufnahmen aus Yamansu erschwerten.


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Bild 23: Nach erfolgter Reparatur hat JS 8152 soeben die Werkstatthalle verlassen und passiert ihre ältere Schwester JS 6495.


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Bild 24: JS 8152 hat gerade Nachschub an leeren Waggons in den Bahnhof Yamansu gezogen. Ganz im Hintergrund kann man noch die Ausfahrtsignale Richtung Shankou sehen. Hinter den Bäumen befindet sich das BW samt Werkstatthalle. Im Vordergrund kann man die Verladerampe erkennen.


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Bild 25: Die Erzverladeanlage in Yamansu. Gute 100 Meter hinter der Verladeanlage endet die Strecke am Prellbock.


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Bild 26: JS 8152 steht an der Bekohlungsanlage im BW von Yamansu.


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Bild 27: Die Bekohlung wird in Yamansu größtenteils manuell durchgeführt. Die Kohle wird in Hunte geschaufelt...


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Bild 28: ... und dann in Richtung Kohleverladung geschoben, wo die Hunte ....


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Bild 29: … dann immerhin per Aufzug nach oben gehoben und ausgeleert werden.


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Bild 30: Klassische chinesische Arbeitsteilung im BW. Einer arbeitet und drei schauen zu.


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Bild 31: Neben Bahnhof und Erzgrube samt Verladeanlagen gibt es in Yamansu nur ein paar Unterkünfte für die Angestellten samt einem Wasserbehälter auf dem Bild im Hintergrund sowie ...


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Bild 32: ... einen sehenswerten Volkspark samt Mao-Denkmal.



Betriebsführung im Jahre 2010
Die Strecke vom Staatsbahnhof in Shankou bis zur Erzmine in Yamansu sowie der gesamte Betrieb lagen in den Händen der Minengesellschaft. Der Betrieb erfolgte 2010 noch komplett mit Dampfloks der Baureihe JS. Die Dampfloks holten die leeren Waggons im Staatsbahnhof von Shankou ab und zogen sie Schornstein voraus nach Yamansu. Ein Leerzug umfasste dabei meist 23 Waggons. In Yamansu wurden die Waggons dann mit Erz beladen und von den Loks Tender voraus nach Shankou gezogen, eine Drehung der Loks erfolgte nicht. Die voll beladenen Züge umfassten ebenfalls meist 23 Waggons, hier kommt die Streckenführung dem Betrieb entgegen, da die Strecke von Yamansu nach Shankou mit Ausnahme von zwei kurzen Zwischensteigungen von 10m bzw. 30m größtenteils bergab verläuft (nämlich 220 Höhenmeter). Die Taktung der Züge richtete sich nach der Anlieferung von Leerwaggons durch die Staatsbahn. Hatte die Staatsbahn Leerwaggons angeliefert, wurden diese meist unverzüglich abgeholt, nach Yamansu gebracht, beladen und anschließend sofort nach Shankou gefahren. Die Anlieferung der Leerwaggons durch die Staatsbahn erfolgte sehr unregelmäßig, da die Staatsbahnstrecke heillos überlastet war und die Staatsbahn einen akuten Mangel an Leerwaggons hatte. So konnte es sein, dass für mehrere Tage oder gar Wochen Betriebsruhe herrschte, an anderen Tagen verkehrten dafür gleich mehrere Züge.

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Bild 33: JS 8152 zieht einen Zug mit leeren Waggons durch die schwarze Steinwüste in Richtung Yamansu. Das Bild entstand kurz nachdem der Zug das ausgetrocknete Flusstal über die Brücke überquert hatte.


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Bild 34: JS 8152 zieht einen Zug mit leeren Waggons über die Hochebene in Richtung Yamansu. Das Bild entstand an der Stelle, wo die von der Hauptstraße abzweigende Staubpiste hinab in das getrocknete Flusstal die Strecke überquert.


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Bild 35: Am Ziel in Yamansu angekommen rangiert die Lok die leeren Waggons unter die Erzverladeanlage.



Personenzüge gab es wenn überhaupt nur vor langer Zeit. Es existieren keinerlei Einrichtungen für Personenverkehr, weder Bahnsteige noch Personenwaggons. Die Arbeiter der Mine arbeiteten oft mehrere Wochen am Stück, bevor sie dann für mehrere Wochen zu ihren Familien zurückkehrten. Dauerhaft wohnen nur sehr wenige Menschen in Yamansu. Für Streckenbereisungen und kleinere Arbeitseinsätze stand ein kleiner Schienenbus zur Verfügung.

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Bild 36: Auf dem nicht zugänglichen Gelände der Bahnmeisterei stand dieser Schienenbus, der nur für Streckenbereisungen und Arbeitseinsätze genutzt wird. Sieht irgendwie nach einer Buskarosserie aus, die man wohl auf Drehgestelle gesetzt hat. So kenne ich das jedenfalls auch aus Myanmar.



Im Jahre 2012 endete dann der Dampfbetrieb, da die Minengesellschaft neue Dieselloks beschafft hatte. Deren Einsatz währte allerdings nur kurz. War Shankou bis vor kurzem nur ein kleiner Abzweige- und Betriebsbahnhof für die Anbindung der Mine in Yamansu, ist es mittlerweile eine Großbaustelle. Parallel zur bestehenden Staatsbahnlinie Lanzhou – Hami – Ürümqi wurde bereits 2010 an einer Hochgeschwindigkeitsstrecke gebaut. Als ich 2013 den Bahnhof Shankou mit dem Zug durchfuhr, war die kreuzungsfreie Abzweigung einer weiteren Strecke Richtung Norden sowie einer Abzweigung Richtung Nordwesten bereits fast fertiggestellt. Aus dem verschlafenen Abzweigebahnhof mitten im Nirgendwo der Wüste wurde ein Bahnknoten im Hochgeschwindigkeitsnetz. Im Rahmen der Bauarbeiten ist der Anschluss nach Yamansu aber komplett abgeklemmt worden, d.h. im März 2013 konnte man Yamansu auf der Schiene gar nicht erreichen. Ob der Anschluss nach Yamansu wieder an das Streckennetz der Staatsbahn angeschlossen wurde und ob die Mine in Yamansu noch in Betrieb ist, weiß ich nicht. Das Kapitel Dampf ist aber in Yamansu definitiv für immer beendet.

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Bild 37: So sah der Anschluss der Minenbahn von Yamansu im Bahnhofhof Shankou im Jahre 2013 aus. Die Minenbahn war vom Netz der Staatsbahn abgetrennt worden. Ob das nur aufgrund von großen Umbauarbeiten im Bahnhof Shankou oder dauerhaft erfolgte, kann ich euch nicht sagen.



Bei einer Bereisung 2016 konnte ich dann feststellen, dass die Richtung Norden abzweigende Strecke nur eine neue Trassierung der herkömmlichen Strecke Richtung Lanzhou ist. Südlich von Shankou verläuft eine Felsformation, die von der Altstrecke und der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke gerade durchschnitten wird. Die Neutrassierung der Altstrecke verläuft nun in Fragezeichenform über die Felsformation.

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Bild 38: Während sich die letzten Jahre in Yamansu eisenbahntechnisch überhaupt nichts getan hat, kann man das von der näheren Umgebung nicht behaupten. Mitten in der Wüste haben die Chinesen mal wieder geklotzt und nicht gekleckert. 2010 gab es nur die (alte) Staatsbahnstrecke (blau) sowie die Minenbahn nach Yamansu (schwarz). 2013 kam die parallele Hochgeschwindigkeitsstrecke (pink) dazu. Seit 2015 gibt es auch noch eine (neue) Staatsbahnstrecke (grün). Eigentlich versucht man ja bei Neutrassierungen von Strecken auf umständliche, kurvenreiche Streckenführungen zu verzichten. Hier hat man genau das Gegenteil gemacht. Vermutlich wollte man so die Steigung für die schweren Güterzüge reduzieren. Aktuell in Bau ist noch eine Stichstrecke von Longgang nach Naomaohu an der Grenze zur Mongolei. Was diese Strecke inmitten einer menschenleeren Wüste wohl für einen Zweck hat?



Rollendes Material
Im November 2013 trafen wir die folgenden Dampfloks in Yamansu an:

Nr.Anmerkung
JS 6495abgestellt
JS 8023abgestellt
JS 8152in Betrieb
JS 8423 die letzte gebaute JS (1988), leider nur in Reparatur


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Bild 39: JS 8152 steht an der Bekohlungsanlage in Yamansu. Hinter ihr steht ihre ältere Schwester JS 6495 kalt abgestellt und wartet auf ihre nächsten Einsätze.


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Bild 40: Seitenansicht der kalt abgestellten JS 6495. Sie gehört im Gegensatz zu den anderen JS-Maschinen, die allesamt in der dritten Bauserie zwischen 1986 und 1988 entstanden, zur zweiten Bauserie, die zwischen 1981 und 1986 gebaut wurde.


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Bild 41: JS 8152 zieht einen Zug mit leeren Waggons in Richtung Yamansu. Dank der kalten Temperaturen am Morgen und der Steigung gibt es eine schöne Dampfwolke, die sich scharf vor der schwarzen Steinwüste abzeichnet.


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Bild 42: Im Bahnhof rangiert JS 8152 leere Waggons der Staatsbahn an die Erzverladeanlage.


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Bild 43: Im BW von Yamansu bekommt JS 8152 eine liebevolle Fußpflege verabreicht.



Außer dem bereits erwähnten und gezeigten Schienenbus trafen wir in Yamansu keine weiteren Fahrzeuge an. Den Bahnhof Shankou konnten wir 2010 wegen Bauarbeiten an der Hochgeschwindigkeitsstrecke leider nicht per Bus erreichen.

Die offenen Güterwaggons zum Transport des Erzes werden von der Staatsbahn gestellt. Soweit mir bekannt, besitzt die Minenbahn von Yamansu keinen eigenen Wagenpark.




Ich hoffe, dass diese kleine Einführung wieder euren Appetit geweckt hat. In den nächsten Berichten gehen wir dann der spannenden Frage nach, ob und wenn ja wie viele Güterzüge wir aufgrund des äußerst unregelmäßigen Fahrplans antreffen würden. Ich gehe also davon aus, dass Ihr alle wieder dabei seid.




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Rätsel: Was gehört hier zusammen? Und wo? Und überhaupt…
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Teil 1: „Das ist normal in China“ - Ein Abstecher in die Touristenhölle der chinesischen Alpen
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Teil 2: Von der Hochzeit zur Schmalspurbahn – Die Schmalspurbahn von Shibanxi stellt sich vor
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Teil 3a: Eine Zeitreise zurück ins 19. Jahrhundert – Minenbetrieb wie vor 200 Jahren
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Teil 3b: Eine Zeitreise zurück ins 19. Jahrhundert – Schnapsproduktion wie vor 200 Jahren
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Teil 4a: Motorrad vs. Dampflok – Auf eine Kollision im Tunnel folgt Sonnenschein
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Teil 4b: Dampfzüge bis der Arzt kommt – Nachtwanderung entlang der Schienen zum Onkel Doc
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Teil 5a: Verpasste Chancen gefolgt von einer Schlammschlacht - Ein ganzer Morgen voll Pleiten, Pech und Pannen
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Teil 5b: Vom Fotomotiv zum Biergarten und zurück – Eine ethanol-getriebene Wanderung entlang der Schienen
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Teil 6: Total vernebelt, und das ohne Droge (Dampf) – Ob die Reise trotzdem (weiter)geht?
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Teil 7: Es gibt (ausgerechnet am 11.11.) kein Bier mehr in Xinjiang – dafür aber jede Menge Dampf
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Teil 8: Tief im Westen, wo die Sonne mit Dampf untergeht – Ein Tag im Kohletagebau von Sandaoling
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Teil 9a: Von oben nach unten und zurück – Ein Morgen zwischen Abraum- und Kohlehalden
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Teil 9b: Werkstatt statt Essen – Mit leerem Magen durch die Lokwerkstatt
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Teil 9c: Blitz mit Dampf aber ohne Donner – Ein sehr langer Abend im Tagebau
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Teil 10a: Zum Abschluss drehen wir uns im Kreis – Morgenstund hat Gold und Dampf im Mund
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Teil 10b: Gegen Ende drehen wir uns im Kreis – Kunterbuntes rund um den Tagebau
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Einschub 1: Nachwuchsgewinnung für DSO – Familien-Trainspotting in Thailand und Taiwan
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Einschub 2a: Willkommen im Jahr des Brathähnchens – Gedämpfte Züge zwischen Feuer-Affe und Feuer-Hahn
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Einschub 2b: Willkommen im Jahr des Brathähnchens – Gedämpfte Züge zwischen Feuer-Affe und Feuer-Hahn
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Teil 10c: Der Kreis schließt sich – Dampfgesättigter Sundowner an den Abraumhalden von Xibolizhan
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Teil 11: Yamansu, was bist du? - Steinreiche Wüste, aber mit oder ohne Dampf?
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Zugliste
Datum Zugnummer Von Nach km Traktion Spurweite
07.11. Zug 2 Shixi Huangcunjing 18 Dampf 762mm
07.11. Zug 4 Jioba Yuejin 10,3 Dampf 762mm
08.11. Zug 1 Yuejin Bagou 12,1 Dampf 762mm
08.11. Zug 4 Caiziba Mifengyan 1,9 Dampf 762mm
10./11.11. K9782 Ürümqi Hami 556 Diesel 1.435mm






1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:03:30:11:47:48.
Gefällt mir sehr gut der Bericht! Zwar ein starker Kontrast zu Sandaoling, dafür aber fast beschaulich dieser "Nebenbahnbetrieb" :)

Tolle Wüstenbilder! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 30.03.17 14:29

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
http://raildata.info/raildatabanner1.jpg
Ja, das war schon schön!
Im Januar 2012 waren wir mit Bernd ja noch ein 2. und letztes Mal dort:

[www.drehscheibe-online.de]

lg qj



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:03:31:04:23:59.

Zur JS 8423

geschrieben von: 03 1008

Datum: 31.03.17 08:41

Hallo Florian,

besten Dank für den klasse Bericht!

Eine Anmerkung zur JS 8423: Laut Robin Gibbons: "Locomotives of China - The JF 1 and JS Classes" war die 8423 "nur" die JS mit der höchsten Nummer. Sie wurde bereits 1987 gebaut und war zunächst mit der Nummer 9999 als Rangierlok in der Lokfabrik Datong im Einsatz, bevor sie später im Anschluss an die 1988 zuletzt gebaute # 8422 als # 8423 eingenummert wurde.

Viele Grüße, Helmut