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Hallo Forum,

Nachdem ich im ersten Teil meines Urlaubs in Dalmatien herumfotografiert habe (siehe [url= [www.drehscheibe-online.de][/url], setze ich meine Reise nun spurgebunden in Richtung Norden fort. Da ich ab diesem Zeitpunkt mit dem Zug unterwegs war, entstand der Großteil der Aufnahmen recht spontan. Meisterwerke der Fotografie habe ich wohl nicht impetto, aber hoffentlich einen ganz angenehmen Reisebericht. Wer nun noch Lust hat: Einsteigen! Los geht’s!

Donnerstag, 03.11.2016

Der heutige Reiseplan:
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Meine Unterkunft in Split lag zwar straßenverkehrstechnisch optimal, aber nicht ganz im Stadtzentrum. Die zwanzig Minuten auf Schusters Rappen wollte ich mir mit Rucksack, Fototasche und Stativ bepackt nicht wirklich antun. Ich war ohnehin schon recht zeitig wach, weshalb den Regionalzug aus Kastel Stari nahm, um einmal durch den Stadttunnel an den Bahnhof Split gefahren zu werden. Dunkle Wolken und eine fast schon apokalyptisch anmutende Stimmung verkündeten baldigen Starkregen und ließen mich von meinem ursprünglichen Plan, irgendwo in der Stadt ein Café aufzusuchen, Abstand nehmen. Stattdessen gerät eine Parkbank in meinen Fokus und wurde als Lokus zur Wetterbeobachtung und Frühstückskonsumation auserwählt. Dunkelste Wolken schoben sich aus dem Hinterland gen Meer und ließen die Szene beinahe apokalyptisch anmuten.


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Bild 1: Guten Morgen, Split!

Es dauerte nicht lange, bis Starkregen inklusive eines Gewitters über die Stadt hereinbrach. Leider war ich ein bisschen zu langsam bei der Beschaffung eines weiteren koffeinhaltigen Heißgetränks, sodass sich in den 20 Metern vom Kiosk auf den Bahnsteig etliche Liter Wasser über mich ergossen. Gründlich durchnässt betrete ich den Triebwagen und bekomme reichlich freie Plätze zur Auswahl, denn mehr als 15 Leute waren es nicht, die von Split in Richtung Zagreb verreisen wollten. Das nun folgende Bild, das den Blick aus dem Triebwagen nach draußen zeigt, habe ich in meinem vorherigen Post ja schon eingebunden:


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Bild 2: Nass. Mit Kaffee.

Wir verließen nun im nach wie vor anhaltenden Gewitterregen Split. Schon kurz vor Labin war vom Niedergang größerer Wassermassen nichts mehr zu erahnen, die tiefhängenden Wolken hielten ihre Fracht hier noch zurück. Mir gefiel die ungewöhnliche Stimmung dennoch ziemlich gut.

Wer in den „Adria-612“ noch nicht mitgefahren sein sollte: Der Unterschied zum deutschen Pendant liegt im Fahrgastraum lediglich darin, dass zwei stille Örtchen mitfahren, um dem Ansturm an Fahrgästen gewachsen zu sein. Ebenfalls sind in der dunklen Ecke zwischen Klo und Abteiltür in einer Fahrzeughälfte (die, bei der sich in Deutschland der Mehrzweckbereich befindet) ein paar Blechschränke verbaut, aus welchen die Zugbegleiterin bei Bedarf ein paar kleinere Sandwiches und Getränke veräußert.
Auf der weiteren Fahrt geschah nichts Außerordentliches. Gut, man könnte erwähnen, dass sowohl mein Intercity als auch der Gegenzug pünktlich waren (hier nicht unbedingt Usus). So kam es in Gračac zum planmäßigen Fernverkehrstreffen mit Raucherpause:


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Bild 3: Intercity trifft Intercity in der Metropole Gračac

Im Frühjahr 2014 sah das bei Sonne so aus:


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Bild 4: ICN 520 verlässt Gračac auf dem Weg von Zagreb nach Split

Auf dem letzen Pass vor der Einfädelung in die Rijekabahn war verstärkte Bautätigkeit zu beobachten, entsprechend ging es recht langsam voran. Die Infrastruktur ist hier auch besonders reudig…
Bis Zagreb „füllte“ sich das Beförderungsmittel auf maximal 30 Mitreisende. Landschaftlich passierte nicht mehr viel Nennenswertes, sodass ich mich für die restliche Zeit mit mitgeführtem Papierkram beschäftigte. Pünktlich um 14:30 Uhr kam ich in Zagreb bei vergleichsweise wunderbaren Wetterverhältnissen an und nutzte die nach Nahrungsaufnahme verbliebene Restzeit für einen kleinen Rundgang.


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Bild 5: Hostel

Für knapp 20 Euro kann man an der ehemaligen Postverladerampe in einem Liegewagen nächtigen. Eine nette Idee, die die Betreiber laut ihrer Homepage [url=http:\\www.adriatictrainhostels.com]siehe hier[/url] auch noch in weitere touristische Ziele erweitern möchten. Das wäre doch durchaus was für unsereinen! Ich wende mich aber wieder dem fahrenden Material zu:


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Bild 6: 6112 110 auf der Fahrt als 8048 von Dugo Selo nach Harmica. Ganz rechts eine andere S-Bahn und mittig der Brzi nach Vinkovci.

Stellvertretend für den Nahverkehr im Raum Zagreb sei hier 6112 110 gezeigt, der sichtbar neueren Datums ist: Končar & TŽV Gredelj setzten diese Kisten, von denen es 47 Stück gibt, ab 2011 auf Drehgestelle. Drinnen ist mindestens bei der S-Bahn-Version recht hartes Gestühl verbaut, das auch bei Modernisierungen z.B. der 7121er zum Einsatz kam (und kommt?). Der technische Hauptunterschied zu den für Regionalverkehr konzipierten Exemplare besteht in einer zusätzlichen Tür pro Fahrzeughälfte (also insgesamt 8 statt 4 Türen pro Seite). Äußerlich unterscheiden sie sich in der Lackierung (blau beziehungsweise rot).
Am rechten Bildrand steht mein Nagibni-IC aus Split, auf Gleis drei eine weitere S-Bahn und auf Gleis zwei der Brzi in Richtung Vinkovci, den ich für meine weitere Fahrt nutzen werde.
Pünktlich auf die Minute setzt sich dieser auch in Bewegung und es geht in wunderbarer Abendstimmung ostwärts:

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Bild 7: Im B 745 unterwegs nach Osten. Triebfahrzeug ist eine kroatische 1142.



Mal schneller und mal langsamer ging es vorwärts. Bei den etwa 100 Stundenkilometern gibt es nichts Schöneres, als bei geöffnetem Fenster im Fahrtwind den Untergang der Leuchtmurmel zu genießen. Fürs Foto habe ich den mal kurz verdoppelt:


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Bild 8: Sonnenuntergang in der Pampa


Nach Einbruch der Dunkelheit machte ich mich an die Planung des nächsten Tages. Wie geplant kam man in Strizivojna-Vrpolje pünktlich an. Dort stand auch schon mein Weiterbeförderungsmittel bereit, ein Diesel-VT 7121 brummelte vor sich hin. Durch die (un)geschickte Platzwahl im Motorwagen bot dieser in den 58 Minuten Reisezeit für die zu überbrückenden 48 Kilometer Strecke eine imposante Geräuschkulisse auf, die ich vielleicht im Motorraum einer auf Fahrstufe 10 laufenden V160 erwartet hätte. Unterhaltungen wären hier keine möglich gewesen, selbst wenn ich nicht allein im Abteil gesessen wäre.
Pünktlich kam ich im Bahnhof der viertgrößten Stadt Kroatiens an und mir drängte sich die Frage auf, wann ich zuletzt 700 Kilometer ohne Verspätung in Deutschland auf Spurkränzen herumgefahren bin. Bevor der Triebwagen als 6329 ein letztes Mal für heute nach Strizi-ihr-wisst-schon-was aufbrach, entstand ein Beweisfoto.

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Bild 9: 7121 026 in Osijek


Osijek (dt. Essegg) hat etwas mehr als 100.000 Einwohner. Die Stadt an der Drau ist Zentrum und Verwaltungssitz Slawoniens und verfügt neben zahlreichen Theatern und Kulturstätten sogar über eine Universität. An jenem Donnerstagabend war in der Innenstadt auch ordentlich was los. Im Vergleich zu den Küstenkroaten geht es hier ziemlich gesittet zu, nirgends liegt Unrat herum und alles macht einen gepflegten Eindruck. Morgens um sieben fuhr die Straßenreinigung im Konvoi vor, um herabgefallenem Laub den Kampf anzusagen.
Trotzdem Osijek keine wirkliche Must-See-Metropole ist, gefällt’s mir hier im Nordosten des Landes. Die Stadt lässt sich geografisch grob in die Unterstadt, die Oberstadt und das historische Zentrum der Tvrda (Festung) gliedern. Während letztere bereits im 8. Jahrhundert erstmals als Erwähnung fand, entstanden die zwei weiteren heutigen Stadtteile deutlich später als zunächst unabhängige Siedlungen, die sich erst 1789 vereinigten. Touristisch von Wert ist die Festung mit ihren verwinkelten Gassen und Resten der Befestigungsanlagen, die sich über die um 1900 entstandene Prachtstraße (Evropska avenia) bequem binnen 10 Minuten vom Zentrum der Oberstadt oder wahlweise am Drauufer erlaufen lässt.

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Bild 10: Die Kathedrale Peter und Paul am Trg Ante Starcevica, der das Zentrum der Oberstadt bildet. Hier fahren beide Straßenbahnlinien der örtlichen Verkehrsbetriebe ab


Meine Unterkunft, eine gewisse „Bar Dubioza“ in der Tvrda, hielt, was der Name versprach. Gleich zum Anfang flog die Sicherung, als ich das Handyladekabel in die Dose steckte. Ein überflüssiger Heizkörper parkte im Schrank, aber ich wollte hier ja nur schlafen. Und dafür war die Matratze perfekt. Der Wirt selbst war wirklich freundlich, und abends lädt das Lokal partyfreudiges Volk zum Verweilen ein. Ich erhielt eine Einladung für die Feier irgendwelcher Erstsemestler der hiesigen Uni für den folgenden Abend, naja – warum nicht? Osječko und Slavonsko sind durchaus trinkbare Essenzen.

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Bild 11: Straßenzug in der Tvrda. Rechts beim schwarzen Schild liegt auch mein dubioses Nächtigungsgebäude.


Damit wurde dem Tag auch recht schnell ein Ende gesetzt. Am darauffolgenden Freitag wollte ich einige Nebenbahnen im Umland befahren.

Freitag, 04.11.2016
Ich hatte mir verschiedene Szenarien ausgedacht, am Ende wurde es spontan doch wieder anders.
Der heutige Reiseplan:
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Den Anfang machte ein Abstecher an die ungarische Grenze. Bis zum Ausbruch der Flüchtlingsproblematik konnte man bis zum 17. Oktober 2015 von Beli Manastir ein paar Mal täglich nach Magyarboly über die Gulaschlandgrenze (und weiter in Richtung Balaton) fahren, aus der Ecke Kroatiens wäre dies auch der schnellste spurgebundene Weg nach Budapest. Seitens der MÁV wurde dieser Zugverkehr allerdings eingestellt und scheinbar beabsichtigt auch keiner eine Wiedereröffnung, Anfragen über den Grund der dauerhaften Einstellung wurden stets mit Belanglosem quittiert. Im Kursbuch für 2017 hat man Fakten geschaffen und die Verbindungen aus dem Kursbuch gestrichen, die ungarische KBS 66 endet nun in Mohács. So wechseln hier in Zukunft wohl nur noch ein paar Güterzüge den Staat, durch den sie rollen. Wer per Bahn nach Ungarn will, dem ist nun noch (oder wieder) der Grenzübergang Gyékényes/Koprivnica weiter westlich offen, dessen Zugangebot auch mehr als dürftig ist. Bleiben wir aber im Osten und werfen einen Blick auf Bahnhof und Empfangsgebäude:

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Bild 12: 7121 024 in Beli Manastir. Der kroatische Grenzer guckt nach wie vor bei jeder Zugbewegung zu.

Da dieser Ort nicht besonders vielversprechend erschien, entschied ich mich zur prompten Rückfahrt. Zurück in Osijek fuhr ich auf der Strecke nach Stizivojna weiter, auf der ich gestern bei Finsternis kam. Das Wetter sollte meinem Wunsch nach einem Ausblick in die slawonische Landschaft aber nicht stattgeben – diesmal herrschte dichter Nebel. Vielleicht hätte ich doch ins nahe Weinstädtchen Erdut fahren sollen und mich ebenfalls benebeln…?

In Strizivojna angekommen, begann sich der Nebel gerade aufzulösen. 1141 007 wartete noch die hundertprozentige Erleuchtung (und einen vorausfahrenden Personenzug) ab, ehe sie mit ihrem Zug aus Serbien in Richtung Zagreb davonfuhr.

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Bild 13: 1141 007 in Strizivojna-Vrpolje. Mit dem herumstehenden Triebwagen bin ich angekommen.


Die Erkundung der Ortschaft zur Überbrückung der Wartezeit bis zu meiner Weiterfahrt nach Vinkovci brachte nichts Unerwartetes. Eine Lokalität, in der Alkohol und/oder Koffein ausgeschenkt wird, ein Gemischtwarenladen, eine Autowaschanlage und – ja, das war’s eigentlich. Ein paar wildgewordene Gänse in einem Vorgarten machten aus meiner Passage ein größeres Hallo, als mir das eigentlich recht gewesen wäre.
In Vinkovci angekommen, wählte wählte ich die Verbindung ins an der Donau liegende Vukovar. Hierfür befährt der Schwede zunächst die Nebenbahn in Richtung Erdut und zweigt von dieser in in Vukovar – Borovo Naselje für die drei verbliebenen Kilometer nach Vukovar ab.
Für die insgesamt 18 Kilometer beansprucht die Bahn eine stolze Fahrzeit von 42 Minuten, weshalb ich zum Streckenzustand wohl keine weiteren Kommentare abgeben muss. Das Stück von Borovo Naselje bis Vukovar indes ist durchaus interessant, denn hier geht es mehr oder weniger direkt durch das Betriebsgelände des Donauhafens (Luka Vukovar d.o.o.). Nach Betriebsschluss wird hier wohl auch das Werkstor zugemacht, und dann kommt auch kein Personenzug mehr durch. Direkt an der Donau entlangrumpelnd blicke ich aus dem Exil-Schweden italienischer Produktion von kroatischem Boden nach Serbien:

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Bild 14: Blick über die Donau nach Serbien kurz vor Vukovar.

Vukovar selbst wurde im Kroatienkrieg 1991-1995 schwer getroffen und war v.a. 1991 Zentrum schwerer Kampfhandlungen [...]. Nach Kriegsende stand das Gebiet etwa zwei Jahre unter UN-Verwaltung (siehe hierzu der "Vertrag von Erdut") und wurde erst 1998 wieder vollständig in Kroatien reintegriert. Das ist noch keine zwanzig Jahre her!

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Bild 15: Das ehemalige Empfangsgebäude Vukovars zeugt von der Vergangenheit.


Züge enden und beginnen etwa 50 Meter vom alten EG entfernt an diesem Blechschuppen, in dem auch Fahrdienstleiter und Schalter untergebracht sind. Im Hintergrund die Hafenanlagen.


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Bild 16: 7122 030 in Vukovar


Nach der üblichen Erkundung des 200-Meter-Radius um den Halteplatz des Triebwagens herum begab ich mich wieder in selbigen und lasse mich nach Vinkovci zurückschaukeln. Die Sonne knallte nochmals richtig kräftig durch die Fenster, sodass ich den Großteil der Strecke vor mich hindöste.
Dort wechselte ich nun abermals den Schweden (nicht die Schwedin! Das wäre ein gaaanz anderes Thema!) und wählte den Zug nach Županja. Dort schaue ich mich ebenfalls um und stieß auf einen Weinhandel gegenüber des Bahnhofs, wo aber keiner auszumachen war, der mir eine Flasche der Essenz verkaufen hätte wollen. Schade eigentlich. Wirklich ideal für ein Foto war das Ganze hier nicht, ich drücke aber trotzdem mal auf den Auslöser (und lösche es wieder aus dem Beitrag, wenn es keinen interessiert). Eine Mieze posierte in der untergehenden Sonne vor einem verfallenen Getränkehandel.

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Bild 17: 7122 035 in Županja


Zurück in Vinkovci erschien es mir sinnvoll, in diesem Bahnhof auch mal ein Foto zu machen. 1142 015 wartete mit dem B 748 auf die Abfahrt nach Zagreb, als ich sie mit ins Bild nahm.

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Bild 18: 1142 015 in Vinkovci


Ich wählte nun die direkte Verbindung nach Osijek, um dort in der Dubioza die letzte Nacht zu verbringen. Am nächsten Tag sollte es spontan zu einem Treffen nach Budapest weitergehen, was aufgrund der bereits thematisierten Einstellung des weißklösterlichen Grenzverkehrs ein schwieriges Unterfangen war. Per Bahn bestand nur die Möglichkeit, zwischen Koprivnica und Gyékényes nach Ungarn einzureisen. Diese Verbindung wäre derart bescheuert, dass die 300 Kilometer auf der Straße ganze 11 Stunden Zugfahrtinklusive Abfahrt um 5:30 Uhrbedingten, und danach war mir überhaupt nicht. Ich betrieb noch etwas Recherche bezüglich alternativer Beförderungswege, wurde aber nicht wirklich fündig. Kein Bus, keine Carsharing, nichts schien in die Richtung zu fahren. Irgendwann hatte ich keine Lust mehrund begab mich einen Stock tiefer. Die angekündigte Studentenfete war ganz nett, sodass sich der Abend etwas in die Länge zog.


Samstag, 05.11.2016

Entsprechend war an den Zug um halb sechs in der Früh nicht mehr zu denken. Der war nämlich schon halb in Zagreb, als ich mal aus den Federn kam. Ich recherchierte nochmal im Internet und machte mich eigentlich schon mit einer direkten Heimfahrt nach Ljubljana vertraut, als dann tatsächlich auf einem kroatischen Portal eine Mitfahrgelegenheit nach Budapest auftauchte und sich das Ganze auch schnell fixieren ließ. Jawoll! Treffer! Bis es am Nachmittag in Richtung Ungarn gehen sollte, begab ich mich nochmal ins Städtchen und lichtete trotz trostlosen Wetters auch ein paar spurgebundene Verkehrsmittel ab.


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Bild 19: Eine Straßenbahn der Linie 2 fährt gerade am Trg Ante Starcevica auf ihrem Rundkurs durchs Stadtgebiet los. Ich stand etwa an dem Eckhaus rechts der Kathedrale von Bild 10. Wie man sieht, ist der Samstagmorgen recht belebt.

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Auf dem lokalen Marktplatz gibt es fast alles. Herrlich, dieser Trubel! Schade, dass ich nur über beschränkte Ladekapazitäten verfüge…

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Bild 20: Geschäftiges Treiben auf der Trznica Osijek


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Bild 21: Ebenfalls auf der Linie 2 ist dieser Werbeträger eines deutschen Konzerns unweit des Bahnhofs unterwegs.


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Bild 22: Mein letztes kroatisches Bahnbild dieser Woche: 2044 013 verlässt mit B 702 (Osijek - Rijeka) den Bahnhof Osijek.


Gegen 14 Uhr fand ich mich an einem lokalen Einkaufszentrum ein und genoss die Beförderung im Individualverkehr in die ungarische Hauptstadt, die auch in knapp drei Stunden erledigt war. Ein freundlicher Bosniake, der über Kroatien, Ungarn und die Slowakei nach Polen fuhr, nahm den Exil-Deutschen mit. Wenn das nicht international ist…
Was sich in den folgenden zwei Tagen und Nächten in Budapest tat, ist für dieses Forum weder thematisch passend noch einer Niederschrift bedürftig. Schon erst recht nicht, wenn der Beitrag eigentlich das kroatische Länderkürzel trägt. Außerdem bin ich der Annahme, dass hier schon eine hinreichende Zahl an Nachtaufnahmen aus Budapest publiziert wurde. Ich beschränke mich auf diese Straßenbahn, die an der Haltestelle Deák Ferenc tér auf Arbeit wartete.


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Bild 23: Wagen 1363 der Budapester Verkehrsbetriebe am Deák Ferenc tér


Montag, 07.11.2016

Heutiger Reiseplan:
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Die Fahrkarte, eine ungarische „Sparschiene“, erwarb ich laut Anschlag zu „19 Euro“. Da die MÀV aber in Forint kassiert, wird aufgrund der Preisangabe in Euro mehrmals zwischen Euro und Forint hin- und hergerechnet, was entsprechend des tatsächlichen Wechselkurses am Ende zu Differenzen führen kann. Die "19 Euro" wurden nämlich zunächst über den MÁV-Fixkurs von 315 Forint zu 5850 Forint, die mir dann so in Rechnung gestellt wurden. Die Bank machte zum jeweils tagesaktuellen Wechselkurs dann wieder Euro draus: Am Ende standen am Kontoauszug etwa 70 Cent mehr auf der Rechnung – verkraftbar.
Meine Heimreise nach Laibach trete ich nicht wie Reisende der die Alpenrepublik ansteuernden Züge am Bahnhof Keleti an. Der EC 246 (Citadella) beginnt am Bahnhof Déli und besteht an diesem Tag aus 431 337, vier Halberstädtern und zwei Wagen der SZ.


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Bild 24: EC 246 in Budapest-Déli


Die seltsame Wagenreihung war einer Baustelle geschuldet, weswegen ich im Fahrtverlauf auch für eine halbe Stunde mit einem Kraftomnibus vorliebnehmen musste. Einziger Wehrmutstropfen des Ganzen war die Ermangelung des Speisewagens, in welchen ich eigentlich ein frühes Stück einnehmen wollte. Nun ja, so habe ich eben noch die Bahnhofskioske der Hauptstadt mit Konsumation beglückt.
In Kelenföld brummte dieser Bzmot ein paar Minuten neben mir her.


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Bild 25: 117 369 im Bahnhofsbereich Kelenföld

Irgendwo in der Pampa kamen beim Richtungswechsel die vier Halberstädter abhanden, sodass der ruhmreiche Schnellzug nun mit zwei Wagerln durch die öde Pusztalandschaft zuckelte. Jedoch hieß es auch für die verbliebenen Reisenden im Bahnhof Zalaegerszeg: Endstation! Ab hier fährt man Bus. Die Organisation des SEV kann ich jedoch nur loben: Im Zug stellte man die Anzahl der Fahrgäste für den Kraftomnibus fest, die Schaffnerin brachte die kleine Menschentraube zum Bus und zählte drinnen nochmal nach, ob auch alle da waren (erinnert an lang vergangene Tage auf Klassenfahrt…). Auf deutscher Gemarkung habe ich das schon überaus chaotischer erlebt. Bis Zalalövő brachte uns der Bus, dort stand dann allerdings auch noch kein Eurocity. Für die 17 Kilometer bis zur slowenischen Grenze bot die MÁV ihr prachtvollstes Fernreisefahrzeug auf: Ein einzelner Bzmot stand da vor sich hin brummelnd am Bahnsteig, der bei den ganzen neun (!) internationalen Reisenden, allesamt junges Publikum aus verschiedener Herren Länder, für skurrile Blicke sorgte.
Ich hoffe indes, dass der Zug ohne Baustelle eine größere Kundenanzahl für sich gewinnen kann. Denn in der von den nationalen Bahnen empfohlenen DB-Reiseauskunft für internationale Reisen tauchte diese Verbindung mit SEV gar nicht erst auf. Lediglich die ungarische Elvira wusste über den tatsächlichen Betrieb Bescheid. Hat da etwa eine gewisse blau-gelbe Staatsbahn bei der Datenübertragung nach Straßburg geschlampert…?! ;-)
Auf slowenischem Staatsgebiet stand sogleich die nächste Überraschung bereit: Trotzdem man hier im Juni die Elektrifizierung der Strecke Pragersko – Hodoš feierlich in Betrieb nahm, feierte hier ein Ami-Diesel seine Betriebszeit ab, indem er bis Pragersko für Lärm und Traktion sorgte. Ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, dass im ersten Wagen ein Fenster auf war…


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Bild 26: Wie lange es das noch gibt? 664 111 mit Zitadelle in Hodoš

Pünktlich auf die Minute erreiche ich um 16:43 Uhr bei einsetzender Finsternis das finale Ziel. Eine Rangierlok schnappt sich gleich die drei Wagen.


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Bld 27: 642 203 stellt die Garnitur aus EC 246 beiseite


8 spannende und erlebnisreiche Tage mit allein knapp 1.500 Schienenkilometern gehen damit zu Ende. Rechne ich benutzte Automobile und Kraftomnibusse dazu, lande ich irgendwo knapp unter 2700 Kilometern. Bei meiner Davonfahrt im Teil 1 hatte ich keine Ahnung, wo und wie lange ich am Ende unterwegs sein werde - Spontanität zahlte sich wieder einmal wunderbar aus. Mir hat’s Spaß gemacht. Der Leserschaft hoffentlich auch. Danke fürs Mitlesen und Durchhalten!

Viele Grüße
Leander

Sehr schön und interessant, danke! (o.w.T)

geschrieben von: S-Transport

Datum: 22.11.16 14:44

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Herzliche Grüße
Simon

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Übersicht: [www.drehscheibe-online.de]

Sehr schön! (o.w.T)

geschrieben von: Andi=Ravensburg

Datum: 22.11.16 16:27

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Sehr interessant

geschrieben von: D 2027

Datum: 22.11.16 17:09

Vielen Dank für den Bericht.

Erik

Wer in Deutschland das öffentliche Eisenbahnwesen benutzt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. (Karl Lagerfeld, 1933 - 2019, ehem. Modeschöpfer)
Bei HŽ 7121.0 Triebwagen sind unter Wagenboden 2 Stuck 210kW MAN Dieselmotoren, 2 Stuck Voith Hydraulische Getrieben und Knorr Kompressor. Genug fur entsprechende Gerauschkulisse. Beiwagen ist leise.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2016:11:22:17:52:47.

Sehr nett, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 22.11.16 20:25

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de]
https://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Alter Schwede! Oder Kroate. Oder Ungar.

geschrieben von: Der Zeuge Desiros

Datum: 23.11.16 16:19

Also,

ein Rundkurs mit Ecken, Kanten und Verschlafen, mit Individual-SEV, Schienenbussen als Eurocity und, wenn schon keinen böhmischen, dann doch wenigstens kroatischen Dörfern. Auf dem Bahn-Globus erfordert das geistige Nachvollziehen dieser Tour dann doch einige geografische Klimmzüge. Der heimischen Fa. Grube wären solche Hin-, Rund-, Rück- und Sichelfahrten mit Zügen aller Herren Produkte jedenfalls ein langer Dorn im Auge, weil ohne Zugbindung und ohne mehrwöchige Vorplanung durchgeführt. Andererseits deuten deine Berichte darauf hin, dass es das Problem überfüllter und damit Yield-auslastungsgesteuerter Züge in jenen Breitengraden ohnehin nicht zu geben scheint.

So genießen wir, völlig ungebunden, die Bilder dieser Reise durch Post-Jugoland, freuen uns an einer lebendigen, wenngleich mitunter vielleicht auch unfreiwilligen Bahn-Kultur mit dem oftmals latenten Hauch des Morbiden und lassen uns auf den Fotos von Sonnenstrahlen wärmen, die in Teutonien schon längst dem Herbstregen Platz machen mussten. Bäh! Aber immerhin: in einem Monat werden die Tage wieder länger. Schön!

"Spontanität zahlte sich wieder einmal wunderbar aus."
Wie gesagt: das lass´ nicht den Grube hören, der schafft dann womöglich auch noch den letzten Rest des Flexpreises ab...

"Meisterwerke der Fotografie habe ich wohl nicht impetto"
...und stell´ dein Licht nicht immer runter den Scheffel!

Viele Grüße nach Slowenien oder Slawonien

Heiko (was ist eigentlich ein Scheffel?)

https://www.desiro.net/Signatur-Elektromobil1.jpg
Danke!
Vor einigen Jahren fuhr ich noch über Osijek von Budapest im direkten Zug nach Sarajevo.