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Hallo zusammen!

Weiter geht die Reise durch Marokko mit einem Tag um Meknes und der Weiterfahrt in den Norden. Die ersten beiden Teile können hier noch einmal nachgelesen werden

Teil 1: [www.drehscheibe-foren.de]
Teil 2: [www.drehscheibe-foren.de]


Freitag, 29.03.2013

Heute heißt es wieder früh aufstehen. Die Sonne scheint und den letzten Tag mit dem Mietwagen will ich für einen Fototag rund um Meknes nutzen. Dabei will ich vor allem die Züge der Relation Tanger-Fes so gut es geht erwischen, da diese noch einheitlich aus altem Material gebildet werden, während bei den Zügen zwischen Casablanca und Fes meist neue Prima II oder modernisierte Wagen zum Einsatz kommen. Der erste der "alten" Züge startet am Morgen kurz nach 7 Uhr in Fes und ich suche mir dafür eine Fotostelle in einer Kehre bei Meknes, in der sich die Bahnstrecke in ein Tal hinabwindet. Zuerst kommt dort aber noch ein Zug nach Marrakesch, der wie erwartet mit einer Prima II bespannt ist, sich in einer Kurve aber gut fotografieren lässt. Der Zug nach Tanger folgt kurz darauf mit einer der klassischen Alstom-Loks.

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Meknes liegt auf einer Hochfläche über einem Tal. Die letzten Häuser der Stadt reichen gerade so bis an den Talrand.

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Schnellzug Nr. 110/607 von Fes nach Marrakesch windet sich in den Talgrund hinab. Wie die meisten Züge der Relation Marrakesch – Fes besteht er aus alten Wagen und ist mit einer Prima II bespannt.

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Im Talgrund wird mit einer 180°-Kehre wieder der Weg in Richtung Westen eingeschlagen. Dazu wird der Zug gleich in einen Tunnel einfahren.

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Dem Schnellzug nach Marrakesch folgt noch einer nach Tanger. Dieser ist aber mit einer der Loks der Reihe 1300 bespannt, die Anfang der 1990er Jahre als Alstom-Lizenz in Marokko selbst gefertigt wurden.

Nach diesem ordentlichen Auftakt fahre ich ein Stück in Richtung Fes, an das Streckenstück zwischen den Bahnhöfen Sebaa Ayoun und Ain Taoujdate. Im Rahmen des Streckenaus- bzw. -neubaus wurde hier eine ganze Reihe von Brücken errichtet, die eine Vielzahl von Fotomöglichkeiten bieten. Etwas ausserhalb von Sebaa Ayoun gelingen mir zunächst Fotos eines Zuges nach Casablanca und eines nach Fes, direkt am Ortsrand dann eines von einem Casablanca-Fes-Zug. Alle drei sind mit einer Prima bespannt, bestehen aber aus unterschiedlichem Wagenmaterial.

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E 1416 befördert den Zug Nr. 114/609 von Fes nach Marrakesch zwischen Ain Taoujdate und Sebaa Ayoun. Neubaustrecke, eine Prima II und moderne Wagen – so sieht der Bahnbetrieb im Marokko des 21. Jhd. aus.

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In die Gegenrichtung bringt E 1414 den Zug Nr. 105/205 nach Fes. Im Bild links ist das Planum der alten Strecke zu sehen, die hier zur Umfahrung eines Hügelzuges nach rechts abbog. Die Neubaustrecke geht durch diesen in einem Einschnitt mitten durch. Der Ort im Hintergrund ist Sebaa Ayoun.

http://abload.de/img/marokko-307j5zgm.jpg

Noch im Stadtgebiet von Sebaa Ayoun befindet sich der nachfolgende Zug Nr. 109 von Casablanca nach Fes.

Danach müsste aus Fes ein weiterer Zug nach Tanger kommen, für den ich zu einer Brücke im Stadtgebiet von Meknes will. Schnell finde ich einen schönen Blick auf den Viadukt, aber selbst nach einer Viertel Stunde Warten ist von dem Zug nichts zu sehen. Dafür höre ich ein ständiges Pfeifen, das ziemlich eindeutig von einem Zug stammt. Plötzlich fährt dann fährt ein Güterzug mit einer grünen DF über die Brücke, durch die grün-graue Lok, graue Wagen und eine hohe Brüstung ist er aber leider völlig unfotogen und in der Landschaft kaum zu sehen. Ich warte deshalb noch auf den nächsten Zug nach Marrakesch, der kurz darauf kommt, und beende den Aufenthalt mit einem gelungenen Foto. (Und warum kam der Zug nun nicht? Weil mich der Fahrplan vera... hat! Das Fahrplanheft weist für die Strecke Fes -Casablanca einen Zug aus, der exakt zur gleichen Zeit wie der Zug nach Tanger in Fes abfährt und nur bis Sidi Kacem verkehrt. Er kommt aber ein paar Minuten später in Meknes an, und danach habe ich mich gerichtet... Was das aber tatsächlich für ein Zug ist, das ist mir bis heute nicht klar.)

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Marokkanisch bunt sind auch die Häuser von Meknes.

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Am östlichen Stadtrand von Meknes überquert die Bahn auf einer großen Brücke ein Flusstal. Beim Streckenausbau wurde die alte Brücke durch einen Neubau ersetzt, aber nicht abgerissen, sondern einfach stehen gelassen. Zug Nr. 120/611 ist auf dem Neubau von Fes nach Marrakesch unterwegs.

Als nächstes steht der erste Zug von Tanger nach Fes auf dem Plan. Gut im Licht ist dieser aber nur nördlich von Meknes, wohin es ein gutes Stück zufahren ist. Ich muss einmal quer durch das Zentrum von Meknes durch, was bei dem chaotischen marokkanischen Straßenverkehr wahrlich kein Vergnügen ist. Die Straßen sind voll mit allerlei Fahrzeugen, häufig sind Spurwechsel nötig, es wird "auf Maß" gefahren und überall sind Fußgänger, die plötzlich vor einem die Straße überqueren. Gestresst, aber ohne ernbsthafte Probleme erreiche ich den Stadtrand von Meknes, wo die Straße auf ein mal wieder fast leer ist. Die Fahrt durch die Stadt hat aber trotzdem zu lang gedauert, so dass ich den Zug an der geplanten Stelle nur noch durchfahren sehe. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als wieder auf den nächsten Zug zu warten. Ich will gerade meinen Proviant für die Mittagspause auspacken, da höre ich etwas Pfeifen. Ein Güterzug?! Da mein Warteplatz etwas abseits der Strecke ist, muss ich nun vor den Augen zweier Jugendlicher aus einem nahen Dorf zur Fotostelle rennen. Es ist zwar sehr knapp, aber das Foto gelingt. Danach heisst es wieder auf die Personenzüge warten. Zunächst fährt wieder ein Doppel aus einem Zug der Relation Marrakesch-Fes und einem in die Gegenrichtung. Nach diesen Fotos gesellt sich ein Hirtenjunge zu mir, der wohl neugierig ist, was der Ausländer da so treibt. Ich versuche, mich ein wenig mit ihm zu unterhalten, was aufgrund der Sprachbarriere aber nicht ganz einfach ist (er spricht kein Französisch und ich natürlich kein Arabisch). Nach Fotos von zwei weiteren Zügen von und nach Tanger verabschiede ich mich und fahre wieder zurück in Richtung Meknes. Die Zeit bis zur Rückgabe des Mietwagens um 18 Uhr will ich noch im Abschnitt zwischen Meknes und Fes verbringen.

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Der überraschende Güterzug. E 1118 mit einer bunten Mischung von Wagen bei Ain Karma.

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Dicht ist der Personenverkehr zwischen Sidi Kacem und Fes. Ungefähr im Stundentakt fahren Züge von bzw. nach Casablanca, wobei jeder zweite Zug nach Marrakesch verlängert ist. Dazu kommen zweistündlich mit einigen Lücken Züge von bzw. nach Tanger. Zug Nr. 602/117 ist der erste Zug des Tages, der aus Marrakesch kommt.

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Auch westlich von Meknes wurde die Bahnstrecke vor einigen Jahren ausgebaut und teilweise neu trassiert, wobei die alte Trasse oftmals noch gut sichtbar ist. Ein Schnellzug nach Marrakesch passiert hier eine solche Stelle bei Ain Karma.

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Schafherden sind in Marokko allgegenwärtig. Jeder grüne Fleck selbst in Großstädten und an Straßenrändern wird zum Weiden der Tiere genutzt.

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Noch einmal der Blick auf Ain Karma, dieses Mal aber mit dem Zug von Tanger nach Oujda, den wir vom Streckenstück östlich von Fes schon kennen. Auf seinem Laufweg wechselt er zweimal die Zugnummer und ist offziell als "Train rapide climatisée" Nr. 303/183/207 unterwegs.

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Aus Oujda kommt und nach Tanger fährt der Gegenzug Nr. 202/182/302. Seit der Abfahrt in Meknes sind bereits fast 20 Minuten vergangen, trotzdem sind durch die gewundene Streckenführung noch die Häuser der Stadt sichtbar.

Auf einer Brücke nehme ich den nächsten Schnellzug nach Marrakesch mit. Zu meiner freudigen Überraschung ist er anstatt mit einer Prima II sogar mit einer Hitachi-Lok bespannt. Für den nachfolgenden Zug fahre ich anschließend noch einmal zur Brücke zwischen Sebaa Ayoun und Ain Taoujdate mit dem "Abzweig" der alten Strecke, die am Nachmittag einen schönen Landschaftsblick bietet. Für das letzte Foto des Tages habe ich mir schließlich eine Brücke in der Ausfahrt des Bahnhof Fes vorgenommen. Inzwischen sind aber leider ein paar hohe Wolken aufgezogen, die mir die Ausfahrt des Abendzuges nach Tanger verdunkeln.

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Der Blick in die lange Gerade lud zu einer etwas anderen Perspektive ein: E 1258 mit einem Schnellzug nach Marrakesch.

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Der Zug noch einmal in Groß. Ungewöhnlich ist die Bespannung mit einer der Hitachi-Loks der Reihe 1250.

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Meistens fahren diese Loks eher die zusätzlichen Züge zwischen Fes und Casablanca und kommen dabei zusammen mit modernisierten Wagen zum Einsatz. Zug Nr. 132 ist hier zwischen Ain Taoujdate und Sebaa Ayoun unterwegs, im Hintergrund ist die Hügelkette sichtbar, die früher umfahren werden musste.

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Außerhalb der Städte macht das Autofahren in Marokko Spass. Die Straßen sind meist leer und die Landschaft wunderschön.

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Es war der "Hitachi-Abend". Auch am 184/304 nach Tanger hing eine E 1250, genau genommen die Nr. 7, E 1257. Mit etwas Verspätung verlässt der Zug hier den Bahnhof Fes.

Die Rückgabe des Mietwagens verläuft dann ohne Probleme (wenn man vom Finden eines Parkplatzes in der Nähe der Station absieht), und den Abend verbringe ich in einem Restaurants names Restaurant "Chicken Mac" in der Neustadt von Fes, das gute und günstige Grillgerichte bietet und auch immer gut von Einheimischen frequentiert ist.


Samstag, 30.03.2013

Heute heisst es Abschied von Fes nehmen, mit dem Bus will ich durch das Rif-Gebirge mit einem Zwischenstopp in Tetouan nach Tanger fahren. Die Wahl zugunsten des Busses fiel dabei vor allem wegen der landschaftlich wesentlich schöneren Strecke, aber auch wegen der fehlenden Möglichkeit einer echten Rundreise ohne doppeltes Befahren von Strecken mit dem Zug.

Der Bus startet bereits um 8 Uhr am Morgen vom Busbahnhof in der Ville Nouvelle. Die Fahrt dorthin mit dem Taxi geht abermals exakt nach Tarif. Also gegen die Taxifahrer in Fes kann ich nichts sagen... Bereits wenige Kilometer hinter Fes wird die Fahrt interessant, in vielen Kurven geht es durch eine schöne Hügellandschaft, die im morgendlichen Sonnenschein in allen Grüntönen leuchtet. Die Sonne hält aber nicht lang an, recht schnell fährt der Bus in eine Wolkenfront hinein. Auch die Strecke ist jetzt weniger interessant, eine eher flache Weidenlandschaft, die kaum besiedelt ist. Dies ändert sich aber nach der Durchfahrt des Städtchens Ouezzane, jetzt geht es in der Berge hinein! Während ich bisher in Marokko eher sanfter gewellte Berglandschaften kennengelernt habe, haben die Berge hier einen Charakter, wie man ihn eher aus Europa gewohnt ist. Steile, teilweise bewaldete Hänge, tiefe Täler und verstreut liegende Dörfer oder einzelne Bauernhäuser. Leider dauert es aber auch nicht lang und es fängt (wieder einmal) an zu regnen. Dies lässt die Landschaft zwar noch europäischer wirken, macht das Fotografieren durch das Fenster des Busses aber fast unmöglich. Nach ungefähr vierstündiger Fahrt tauchen zum ersten Mal die blauen Häuser von Chefchaouen hoch oben an einem Hang auf. Die Stadt ist der Hauptort des Rif und “Must-have” jeder konventionellen Marokko-Reise. Der Bus nimmt die Steigung dorthin in Angriff und am Busbahnhof findet ein reger Fahrgastwechsel statt. Danach geht es weiter in Richtung Tetouan, wieder durch eine Landschaft, die schon fast unnatürlich grün wirkt. Die Fahrt führt ziemlich weit oben am Hang eines Tales entlang und auf der gegenüberliegenden Seite sind hohe Berge und sich weit die Hänge hochziehende Dörfer zu sehen. Es sieht aus wie Alpentäler in Österreich oder der Schweiz, nur dass es hier keine Kirchen, sondern Moscheen gibt. Schon kurz vor Tetouan sehe ich auch zwei Viadukte, die zu einer ehemaligen Schmalspurbahn gehören, die von Tetouan aus zu einer Mine in den Bergen führte. Nur wenige Minuten später rücken die weißen Häuser von Tetouan in das Blickfeld, wo der Bus schließlich in den in einer Halle angelegten Busbahnhof einfährt.

http://abload.de/img/marokko-321wplhe.jpg

Im Umland von Fes ist die Landschaft noch hügelig und hellgrün.

http://abload.de/img/marokko-3226sx2g.jpg

Im Rif dagegen finden sich viele Wälder und eine Landschaft, die an (süd-)europäische Bergländer erinnert.

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Hoch oben an einem Hang liegt Chefchaouen.

Bis zu meiner Weiterfahrt nach Tanger habe ich nun ca. drei Stunden Zeit, um mir die Stadt und deren ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Medina anzusehen. Auch wenn ich nun schon einige Städte und Medinas Marokkos kennen gelernt habe, so ist Tetouan doch wieder anders. Alles ist weiß, die Medina nicht groß und übersichtlich, und in der Architektur der Neustadt ein deutlicher Einfluss der spanischen Herrschaftszeit sichtbar. Allerdings scheinen hier auch die Fremdenführer und Schlepper etwas aufdringlicher zu sein als anderswo, ich muss mich weit mehr Anfragen erwehren als zum Beispiel in Fes. Trotzdem ist der Aufenthalt sehr angenehm und die Zeit schnell vorbei.

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Die Neustadt von Tetouan wurde von den Spaniern errichtet, was sich auch deren Architektur widerspiegelt.

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Aber auch die Medina selbst ist sehenswert. Schmucke weiße Häuser, ...

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... die sich an einem Hang hochziehen.

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Von oben hat man einen schönen Blick über die Stadt.

Am späten Nachmittag fahr ich noch das letzte Stück bis Tanger. Die Landschaft ist zwar immer noch schön, aber nicht mehr so spektakulär wie auf der Fahrt nach Tetouan. In Tanger brauche ich erst einmal eine ganze Weile, um mein Hotel zu finden, da es in der Karte falsch eingzeichnet ist. Da es inzwischen dunkel ist und wieder regnet, spare ich mir weitere Aktivitäten und verbringe den Abend im Hotel mit dem Schreiben meines Reiseberichtes.

Am nächsten Morgen... Aber nein, das hebe ich mir lieber für den nächsten Teil in ein paar Tagen auf. ;-)

Bis dahin viele Grüße
Gunar



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2014:05:02:17:15:45.
Es gab ja schon mehrere Berichte über Marokko, aber eins fällt mir immer wieder auf: Das Bahnsystem ist sauber, die Strecken scheinen es auch zu sein, die Züge sehen europäisch aus, vermutlich ist das Reisen in Marokko auch so einfach wie in Europa.
Ich frage mich nur: warum ist das nur in Marokko so? Tunesien und Algerien sind deutlich anders (von Ägypten ganz zu schweigen). Warum hat sich das Bahnsystem ausgerechnet in Marokko so entwickelt, daß man es (wenn man keine Städte auf den Bildern sähe) nicht für Nordafrika halten würde?
Weiß jemand eine Antwort?

Wunderschöne Bilder übrigens! Ich vermute, das saftige Grün ist im Sommer wohl nicht mehr so saftig, oder? Viele Felder sehen so aus, als würde man nie vermuten, daß man sich in (Nord)Afrika befindet! Auch hier drängt sich die gleiche Frage auf: wieso ausgerechnet in Marokko und nicht auch in anderen Ländern im Maghreb?

LG Gustav
HIER sind meine Reiseberichte zu finden!
Erstmal Danke für den Bericht. Die Landschaft zwischen Sidi Kacem und Tanger ist zum Teil auch sehr schön. Ev stelle ich mal noch ein Bild auf DSO ein.

Eine zentrale Rolle spielt sicherlich der König von Marokko. Der setzt alles daran, das Land wirtschaftlich voranzubringen. Sehr Interessant sind in Marokko die enormen Unterschiede, sowohl im sozialen wie auch im religiösen Umfeld. Da triffst du auf dem Land oder in kleineren Städten wie vor 30 Jahren Eselkarren, Werkstätten an und auf der Strasse, (sehr) viele Schafhirte sowie nur arabisch sprechende Leute an. In grösseren Städten das Kehrbild mit modernen Autos, westlicheren Umgangsformen und perfekt französisch sprechenden Einwohnern.


Zum grünen Landschaftsbild. Dieses Jahr ist die Vegetation ganz besonders üppig, da es in letzter Zeit auch in Marokko sehr viel öfters regnet und das Klima letzten Sommer etwas kühler als normal war. Der letzte März brachte die meisten Regenfälle seit ca 20 Jahren. Und ja, abgesehen vielleicht von wenigen Gebieten im Norden ist im Herbst alles braun.



Zur Bahn ev noch interessant zu erwähnen. Französisch ist Pflicht, das Reglement entspricht weitgehend demjenigen der SNCF und die Sicherungseinrichtungen (Telefonblock etc) 1:1 die gleichen Geräte wie in Frankreich. Im Bahnhof von Sebaa Ayoun sah ich sogar, wie der Block von Hand im Bahnhof freigegeben wurde! Moderne und Vergangenheit friedlich vereint könnte man fast sagen.




Gruss Pascal



5-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:05:20:22:10:00.

Sehr schön, danke! :-) (o.w.T)

geschrieben von: Roni

Datum: 20.05.13 22:10

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
lg, Roni - [raildata.info] - Folge auf Twitter: [twitter.com] - Meine DSO-Reportagen Teil 2 (neueste): [www.drehscheibe-online.de] - Teil 1 (2005 bis 06/2019): [www.drehscheibe-online.de]
http://raildata.info/raildatabanner1.jpg

Hallo!

> Es gab ja schon mehrere Berichte über Marokko,
> aber eins fällt mir immer wieder auf: Das
> Bahnsystem ist sauber, die Strecken scheinen es
> auch zu sein, die Züge sehen europäisch aus,
> vermutlich ist das Reisen in Marokko auch so
> einfach wie in Europa.

Das ist tatsächlich so. Das Bahnsystem in Marokko ist auf einem guten (west-)europäischen Standard und lässt einen schnell vergessen, in einem Entwicklungsland zu sein, in dem große Teile der Bevölkerung in sehr ärmlichen Verhältnissen leben. Man geht als Reisender in einer der großen Städte zu einem sauberen und modernen Bahnhof, holt sich ein Ticket am Automaten und schaut auf einer elektronischen Anzeigetafel noch einmal nach der Abfahrtszeit. In einem sauberen und klimatisierten Zug fährt man dann entspannt und schnell zu seinem Zielort. Das ist wirklich wie in Europa, nur dass die Mitreisenden etwas exotischer sind. ;-) Diese Qualität des Bahnsystems spiegelt sich auch in der Akzeptanz bei der Bevölkerung wieder, die Züge sind meist lang und gut belegt. Und es ist augenscheinlich vor allem die Mittelschicht, die die Züge nutzt, den Bauer vom Land auf dem Weg in die Stadt sieht man eher selten.

> Ich frage mich nur: warum ist das nur in Marokko
> so? Tunesien und Algerien sind deutlich anders
> (von Ägypten ganz zu schweigen). Warum hat sich
> das Bahnsystem ausgerechnet in Marokko so
> entwickelt, daß man es (wenn man keine Städte auf
> den Bildern sähe) nicht für Nordafrika halten
> würde?
> Weiß jemand eine Antwort?

Das hängt sicherlich mit der Politik der jeweiligen Länder zusammen. Wie Pascal schon geschrieben hat, der aktuelle König von Marokko ist genau wie sein Vorgänger sehr um die Entwicklung des Landes bemüht, was sich sich auch in großen Investitionen in die Infrastruktur widerspiegelt. Davon profitiert die Bahn sehr stark, praktisch alle Strecken haben in den letzten Jahren Modernisierungen und Ausbauten gesehen oder werden diese in den nächsten Jahren erfahren. Aber auch das Straßennetz wird kontinuierlich ausgebaut, alle großen Städte Marokkos sind inzwischen durch ein Autobahnnetz verbunden, das ebenfalls auf europäischem Niveau ist.

> Wunderschöne Bilder übrigens! Ich vermute, das
> saftige Grün ist im Sommer wohl nicht mehr so
> saftig, oder? Viele Felder sehen so aus, als würde
> man nie vermuten, daß man sich in (Nord)Afrika
> befindet! Auch hier drängt sich die gleiche Frage
> auf: wieso ausgerechnet in Marokko und nicht auch
> in anderen Ländern im Maghreb?

Diese Frage lässt sich mit einem Blick auf die Geographie des Landes beantworten. Der Norden Marokkos ist die niederschlagsreichste Region Nordafrikas. Das hängt einerseits mit dem nahen Atlantik zusammen, andererseits mit der Stauwirkung der Gebirge. Die jährlichen Niederschlagssummen sind fast wie in Mitteleuropa, allerdings ist die Verteilung ganz anders. Der Regen fällt fast ausschließlich im Winter und Frühjahr, der Sommer ist praktisch trocken. Dann sieht die Landschaft tatsächlich ganz anders aus. ;-)

Viele Grüße
Gunar
> Wunderschöne Bilder übrigens! Ich vermute, das saftige Grün ist im Sommer wohl nicht mehr so saftig, oder?

Grün...? Ok das war Oktober, aber im Hochsommer siehts auch nicht anders aus.

http://www.bahnbilder.ch/pictures/large/9391.jpg

http://www.bahnbilder.ch/pictures/large/9369.jpg

;)


@Gunar:
Sehr schöner Bericht mit tollen Bildern auch vom drumherum, vielen Dank! Das Tram ist auch interessant zu sehen, bei unserem letzten Besuch war alles noch nur eine Baustelle...





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:05:25:11:09:26.
Moin,

siegfriedp schrieb:
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> Da
> triffst du auf dem Land oder in kleineren Städten
> wie vor 30 Jahren Eselkarren, Werkstätten an und
> auf der Strasse, (sehr) viele Schafhirte sowie nur
> arabisch sprechende Leute an.

Im Zweifel auch Leute, die mit dem Arabischen ihre liebe Mühe haben.

Gruß, ULF

Tunesien habe ich genauso erlebt. (o.w.T)

geschrieben von: Michael Kelter

Datum: 28.05.13 01:50

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)