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http://img257.imageshack.us/img257/8461/dsc0858w.jpg



Hallo zusammen,

im September war ich für knapp drei Wochen mit einem Kumpel auf „großer“ Kaukasusreise durch Georgien, Armenien und Aserbaidschan.
Den kompletten Reisebericht findet ihr auf:



[www.m-hesse.com]



Doch ein sehr großer Teil des Reiseberichts ist offtopic, deshalb möchte ich hier mal die Eisenbahnrelevanten Teile der Reise vorstellen. Wer sich darüber hinaus für diese tolle Region interessiert, kann gerne den kompletten Reisebericht auf unserer Seite nachschlagen.

Wir reisten aus Zeitgründen mit dem Flugzeug direkt von München nach Tiflis. Die Hauptstadt Georgiens stellte während der Reise eine Art Hub da. Wir kreuzten nach einer jeweiligen Rundreise durch Georgien, Armenien und Aserbaidschan immer Tiflis.

Unser Reiseplan sah so aus:
Tilfis (mit Ausflügen nach Kasbegi und Gori)-Zugdidi-Mestia-Zugdidi-Batumi-Tiflis
Tiflis-Jerewan (mit Ausflügen nach Khor Virap, Noravank, Garni....)-Dilijan-Tiflis
Tiflis-Baku-Sheki-Telawi-Tiflis

Georgien:

Derzeit wird der Hauptbahnhof von Tiflis kernsaniert. Bei unserem Besuch im September war dieser schon fast fertig. So eröffneten nach und nach neue Geschäfte wie zum Beispiel Mavi Jeans, Gmart (Lebensmitteleinzelhandel) und weitere Boutiquen.
Das Iluminationskonzept des Einkaufszentrums ist ganz interessant, denn es gibt ein großes farblich wechselndes Beleuchtungskonzept. Ein dunkler Holzfußboden lässt alles sehr gediegen erscheinen. So wird der Bahnhof aufgewertet und erhält mehr Gäste, die nicht nur Bahn fahren würden. Ein Aufenthalt hier ist schon sehr angenehm. Neben einem Foodcourt (mit einheimischen Essen, weiteren Bistros mit chinesischer,türkischer,syrischer und griechischer Küche). Vom Foodcourt gab es Plätze mit Blick auf die Stadt und auf das Gleisvorfeld. Ein Güterzug nach dem anderen transportierte Öl durch den Bahnhof. Direkt neben den Fahrkartenschaltern gab es die Jacobs-Kaffee-Lounge. Hier konnten wir entspannen bis am Fahrkartenschalter für den Zug Tiflis-Baku keine Menschen mehr waren. Jener befindet sich unmittelbar neben dem Fahrkartenschalter.
150 Meter weiter gibt es eine weitere Shoppingmall mit Gmart und weiteren Geschäften. Hier waren noch nicht mal alle Geschäfte vermietet. Anscheinend ist es der gleiche Investor. Wieso aber Gmart seine einzigen zwei Filialen in laufweite entfernt hat, bleibt für mich bis heute eine Rätsel.
Weiterhin bietet Gmart alle gängigen Produkte von REWE und EDEKA an. So muss man auf die Ja-Knabberbox oder auf die Gut und Günstig Saure Gurken auch in Georgien nicht verzichten.

Leider wurden weder die Bahnsteige, noch der Fußgängertunnel erneuert. Hoffentlich wird nicht, wie Helmut angekündigt hatte, der Bahnhof abgerissen und verlegt. Die Gepäckabgabe ist eine Zumutung und es war ein Wunder, dass wir unser Gepäck zurückbekommen hatten. Erst einmal ist die Gepäckabgabe sehr transparent und zweitens ist einer der Männer ziemlich verwirrt und wollte uns ein essentielles Gepäckstück nicht zusprechen. Für den Preis von 8 GEL ist das eher eine Zumutung.



http://img218.imageshack.us/img218/8798/dsc0167e.jpg
Nach Ankunft nutzten wir gerne die Metro. Hier die Metrostation Tavisuplebis Moedani, die unweigerlich an die Rosenrevolution erinnert.



http://img840.imageshack.us/img840/4756/dsc0178v.jpg
Die tolle Ilumination im Hauptbahnhof Tiflis lässt die Mall gediegen erscheinen. Das ist schon westliches Niveau.


http://img826.imageshack.us/img826/9429/dsc01882f.jpg
Die unterhalb des Foodcourt befindliche Jacobs-Kaffee-Lounge


http://img841.imageshack.us/img841/232/dsc01902ml.jpg
Das Essen im Foodcourt, wir entschieden uns für eine typisches georgisches Gericht, welches sehr lecker war.



http://img156.imageshack.us/img156/6864/dsc0581yf.jpg
Das georgische Transportministerium in Tilfis ist wohl eines der interessantesten Gebäuden aus der Sowjetzeit. Leider konnten wir mit dem Taxi nicht direkt auf der Schnellstraße anhalten.


http://img577.imageshack.us/img577/3345/dsc0195ed.jpg
Blick über die Dächer des Hautbahnhofs.


http://img717.imageshack.us/img717/8706/dsc0591o.jpg
Ein neuer Zug am Bahnsteig in Tiflis


http://img405.imageshack.us/img405/4599/dsc0586cj.jpg


http://img209.imageshack.us/img209/2928/dsc0582v.jpg


http://img148.imageshack.us/img148/5641/dsc0601v.jpg
Suchbild ☺


Gerade als wir diesen fotografieren wollten, fuhr er ohne Fahrgäste von Gleis eins ab. Was ist das für ein neuer Zug? Auch schon hier im Forum habe ich rudimentäre Informationen dazu gefunden. Überall standen Plakate mit der anvisierten Fahrzeit von 3,5 Stunden zwischen Tiflis und Batumi in den nächsten Jahren.


Zug 602:
Tiflis-Zugdidi(22:30/6:23)

http://img442.imageshack.us/img442/1897/dsc0838v.jpg
morgens im Zug nach Zugdidi


„Die Anreise erfolgte chillig mit dem Nachtzug um 22:30 Uhr ab Tiflis bis nach Zugdidi, welches direkt an der Grenze zu Abscharien liegt. Derzeit kostet eine Fahrkarte im 2er Schlafwagen 15 Lari pro Person. Die paar zusätzlichen Euro für ein eigenes Abteil lohnen sich allemal. Die Wagen sind alt, die Toiletten wurden vermutlich seit dem Mauerfall in Deutschland nicht mehr geputzt. Auch wenn der Wagen sehr angenehm war, so machte die Zugfahrt trotzdem zu schaffen. Die Gleise sind schon so alt, dass der Zug nach etwa 90 Minuten (kurz hinter Gori) nur noch 40 km/h fährt. Zusätzlich gibt es grässliche Schienenstöße, deren Geräusch sich in unseren Knochen verewigte. Der Wagen schleuderte mehrmals von rechts nach links und schaukelte sich wie ein Trampolin auf. Eine geruhsame Nacht war nur mit Ohropax möglich. Für die letzten 10 Kilometer benötigten wir gut 30 Minuten und hatten dann insgesamt 45 Minuten Verspätung am Ziel. “
Auf jeden Fall war dann die anschließende ein Höllenritt im Vergleich zur Nachtzugfahrt.


Zug 851:
Makhinjauri-Tiflis (9:00/15:45)
http://img228.imageshack.us/img228/9083/dsc01072g.jpg
Fahrplan des Zuges im Sommer

„Etwas abgemäkelt von der Touristenkrankheit entschlossen wir uns den durchgehenden Zug 851 von Batumi nach Tiflis zu nutzen und Kutaisi (inkl. UNESCO) ausfallen zu lassen. Da Batumi keinen eigenen Bahnhof hat, muss man vom Vorortbahnhof Makhinjauri losfahren. Terminiert war die Abfahrt auf 9:15 Uhr. Doch als wir ankamen bekamen wir am Schalter kein Ticket und der Zug fuhr aus unerfindlichen Gründen schon 9:00 Uhr los. Wir kauften uns direkt beim Schaffner noch zwei Fahrkarten im Wagen 13. Leider bekamen wir keine Bestätigung für unsere Fahrkarten, also war das ganze „eher inoffiziell“. Dafür bekamen wir ein ganzes Kupe-Abteil für uns alleine. Der Zug war nicht gerade ausgelastet. Wir genossen die Fahrt entlang des Schwarzen Meers und legten uns hin. Der Wagen war sehr gut klimatisiert und am Ende des Ganges gab es auch ein paar zu öffnende Fenster. Das eben das Tolle an den Zugmaterial aus Russland. Mit etwa fünf Minuten "Verspätung" erreichten der Zug fast pünktlich Tiflis Hauptbahnhof.“



http://img816.imageshack.us/img816/2429/dsc0057kd.jpg
Unterwegs: ein verlassenes Bahnhofsgebäude zwischen Kutaisi und Gori.


http://img337.imageshack.us/img337/9293/dsc00342gl.jpg
Noch ein verlassener Bahnhof


http://img341.imageshack.us/img341/3827/dsc0010fq.jpg
Güterwagen bei Kutaisi


http://img607.imageshack.us/img607/292/dsc0026n.jpg


http://img502.imageshack.us/img502/5640/dsc00402.jpg
Impressionen rund um die Bahntrasse Kutaisi-Gori


http://img211.imageshack.us/img211/2892/dsc0015ph.jpg


http://img214.imageshack.us/img214/8422/dsc00732s.jpg
unser Zug auf den Weg nach Tiflis, kurz vor Tilfis - da waren nicht mehr so viele Kurven.


http://img411.imageshack.us/img411/9774/dsc01092wp.jpg
angekommen in Tiflis, Blick durch unser Abteil auf das Gleisvorfeld


http://img88.imageshack.us/img88/8643/dsc01103f.jpg
Blick Richtung Bahnhofsgebäude


http://img5.imageshack.us/img5/3258/dsc01143qg.jpg
Blick Richtung Postamt


Wie man auf den letzten Foto sieht waren die anderen Wagen teilweise sehr gut ausgelastet. Ich verstehe nicht wieso die Züge nicht öfter fahren? Dafür werden die Züge ökonomisch gesehen sehr gut genutzt. So gibt es nur wenig Standzeit in den Bahnhöfen.


Armenien:

Das Zugangebot ist eine Zumutung in Armenien. So nutzten wir ausschließlich die Metro von Jerewan zur Fortbewegung. Es war schon beeindruckend wie dicht das Schienennetz in Armenien war. So gibt es Gleise direkt am Sevansee und in Dilijan. Dann fährt man ein paar Kilometer an der Strecke entlang und dann sind die Oberleitungen heruntergerissen oder das Gleisbett wurde vollständig von einem Müllberg begraben. Schon die Strecke von Vandzor bis zur georgischen Grenze ist eine einzige Zumutung. Die Gleise sind in einem erbärmlichen Zustand. Ich fahre wirklich sehr gerne Zug. Aber wieso braucht der Zug 14 Stunden wenn man mit dem Taxi gerade einmal vier Stunden braucht. Ganz zu schweigen vom Flugzeug. Die alte Metro leistete gute Dienste...

Aserbaidschan:

Zug 37:
Tiflis-Baku(17:50/10:20)

„Schon beim Kauf der Fahrkarten für den Zug Tbilisi - Baku konnten wir erahnen, das Aserbaidschan kein gewöhnliches Reiseziel ist. Nach zwei Besuchen des Fahrkartenschalters und mindestens einer Stunde Geduld konnten wir unsere Fahrkarten von Georgien in das erste turksprachige Reiseziel auf unserer Reise durch den Kaukasus erhalten. Der Zug 37 um 17:15 Uhr stand planmäßig auf Plattform zwei bereit und wir statteten uns schon vorher im Bahnhofs Gmart mit einigen Nahrungsmitteln und Getränken aus. Weise hatten wir für diesen Zug die Kategorie „Lux“ (1.Klasse, 2 Betten pro Abteil) gebucht. Dann rollte der Zug pünktlich in Richtung georgischen Grenzpunk Gardabani. Die Strecke war karg und wurde von vielen Industrieruinen gesäumt. Ein paar Elektrischkas und Ölzüge kamen uns entgegen.
Aserbaidschan fing in unserem Wagen schon viel früher an, als wir es wollten. Denn direkt neben dem Fenster auf dem Gang hing schon das erste Bild vom verstorbenen Landesvater Heydar Aliyev.
Wir wussten nicht was uns erwartete in diesem doch eher verschlossenen Land. Auf der einen Seite waren wir schon sehr auf die „Attraktionen“ gespannt. Auf der anderen Seite konnten wir uns bis dato nicht vorstellen wie sich das Leben in der Hauptstadt im Kontrast zum Umland gestaltet.
Dennoch ist Aserbaidschan nicht das übliche Reiseziel und die Touristenströme mit denen wir in den anderen Kaukasusstaaten konfrontiert wurden, waren jedenfalls schon im Zug nicht vorhanden.
Das etwas asketisch aussehende Visum erhielten wir ohne Probleme und ohne Einladung bei der aserischen Botschaft in Berlin. Zurück zur Strecke, wir fuhren dann endlich in Gardabani los und erreichten nach 20 Minuten den aserischen Grenzposten Böyük Käsik. Die Grenze war nicht stärker bewacht als andere vergleichbare Grenzen. Schnell enterten Zöllner den Zug und richteten mit einem Koffer eine ambulante Zollstation ein. Nach und nach wurde jeder Fahrgaste zu dem provisorisch umgebauten Abteil geführt und konnte sich dort mittels gültigen Pass oder Visa verifizieren. Mit unseren rudimentären Russischkenntnissen plauderten wir kurz mit den Zöllnern. Hingegen war die Zollkontrolle an sich etwas ernster und tiefgreifender. Erstaunlich war, dass unser Gepäck und unsere Mitbringsel aus verfeindeten Staaten nicht kontrolliert wurden. Ganz im Gegenteil verlief die Rückreise über Balaken.“


http://img830.imageshack.us/img830/7053/dsc01692u.jpg
Heydar Aliyev im Zug


http://img535.imageshack.us/img535/1231/dsc01762un.jpg
Unser Abteil im Zug nach Baku


„Es war bewölkt und der Zug fuhr gefühlte 30 km/h. Wir waren nicht mal so schnell wie die Autos auf der benachbarten Straße. Wir bemerkten aber sofort, dass in Aserbaidschan der Umweltschutz nicht groß geschrieben wird. Überall an der Bahntrasse lag Müll und die Flüsse und Seen waren grau bis rot. Es war etwas trist. Jedenfalls sollten wir bald in der Vorzeigestadt Baku ankommen. Pünktlich erreichten wir den Bahnhof und machten uns mit der Metro auf zu unserem Hotel. Doch das war schwieriger als gedacht. Denn das Metronetz ist nicht so übersichtlich wie auf der restlichen Welt. Zuerst fuhren wir komplett in die falsche Richtung. Polizisten halfen uns dann den richtigen Zug zu nehmen. Die Ausschilderung würde beim ADAC jedenfalls die Note „mangelhaft“ erreichen. Denn wie in Deutschland fahren zwar verschiedene Metrolinien am gleichen Bahnsteig ab, doch es gibt nur eine kleine Anzeige am Anfang des Zuges sowie eine Durchsage. Wenn man nicht mit der Metro vertraut ist, fährt man sofort falsch. Hinweisschilder gibt es so gut wie nicht. Auf Touristen ist das System nicht ausgelegt. Irgendwie erreichten wir dann die Haltestelle Sahil an der roten Linie.“



Baku-Sheki[b]

Wie in allen Kaukasusländern waren die Gleise in einem fürchterlichen Zustand. Wir fuhren immer nur so zwischen 10 bis 40 km/h. Wir hatten ein Kupe gebucht und diesmal war der nationale Zug auch sauber. Wir teilten uns ein Abteil mit einem Fußballfan. Ich liebe es, wenn ich mit meinen rudimentären Russischkenntnissen versuche über die Bundesliga und die Nationalmannschaft zu schwafeln. Das Problem ist, die meisten Leute der GUS sind irgendwo im Millennium mit ihrem Wissen stehen geblieben. Die letzten Kilometer bis Sheki legten wir mit Dieselvorspann zurück. Da es noch so früh war, hatten wir keine Lust auf Bilder. Der Zug soweit ich weiß war pünktlich. Den Weg vom Bahnhof Sheki bis zur Stadt Sheki absolvierten wir mit einem Taxi für ca. 6 AZN.
Somit war unsere letzte Zugfahrt zu Ende.

Es war eine tolle Reise und ich konnte mir einen Traum erfüllen! Es war eine tolle Zeit und diese Reise ist eingeschränkt empfehlenswert.

Ich hoffe euch hat auch der Reisebericht gefallen!

Direktlinks auf unsere Seite:
Georgien: [www.m-hesse.com]
Armenien: [www.m-hesse.com]
Aserbaidschan: [www.m-hesse.com]

Gruß 411



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:01:19:22:07:31.
Allerhand! Hattet Ihr keine Schwierigkeiten mit der georgischen und armenischen Schrift? Oder ist dort auch viel Russisch beschriftet? Reden kann man dort ja wohl noch viel auf Russisch, oder?

Re: [GE][AM][AZ] Reisebericht Kaukasus Herbst 2010, Georgien, Armenien, Aserbaidschan

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 20.01.11 07:21

Toller Bericht! Was dem "neuen" georgischen Zugmaterial angeht, sieht es folgendermassen aus:

http://img717.imageshack.us/img717/8706/dsc0591o.jpg

Dieser Zug ist kein neuer, sondern eine "facegeliftete" alte gute sowjetische ER2 (Quelle: train-photo):

http://train-photo.ru/data/media/96/agura-014.jpg

Und dieser Zugmaterial ist nicht aus Russsland, sondern aus der Ukraine:

http://img88.imageshack.us/img88/8643/dsc01103f.jpg

Es hadelt sich um umgebaute Ammendorfer-Wagen (Quelle: train-photo):

http://train-photo.ru/data/media/15/_606.jpg
Russischer Spion schrieb:
-------------------------------------------------------

> Und dieser Zugmaterial ist nicht aus Russsland,
> sondern aus der Ukraine:
> Es hadelt sich um umgebaute Ammendorfer-Wagen

Aber die Lackierung in blau-weiß ist doch eindeutig eine eher neuere russische Lackierung!! Ich staunte nicht schlecht, daß da oben "Georgian Railwas" draufsteht. Die wurden nicht umlackiert auf irgendeine georgische Norm (falls es die gibt).

Re: [GE][AM][AZ] Reisebericht Kaukasus Herbst 2010, Georgien, Armenien, Aserbaidschan

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 20.01.11 09:35

tokkyuu schrieb:
-------------------------------------------------------
> Aber die Lackierung in blau-weiß ist doch
> eindeutig eine eher neuere russische Lackierung!!

Nein! Blau-weiss-rot ist nur die Lackierung des Schnellzuges "Rossiya". Alle anderen Wagen haben jetzt die s.g. "PID-Lackierung" (Quelle: train-photo):

http://train-photo.ru/data/media/15/3342_s.jpg



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:01:20:09:35:59.
Russischer Spion schrieb:
-------------------------------------------------------
> tokkyuu schrieb:
> --------------------------------------------------
> -----
> > Aber die Lackierung in blau-weiß ist doch
> > eindeutig eine eher neuere russische
> Lackierung!!
>
> Nein! Blau-weiss-rot ist nur die Lackierung des
> Schnellzuges "Rossiya". Alle anderen Wagen haben
> jetzt die s.g. "PID-Lackierung" (Quelle:
> train-photo):

Jaja, ich weiß schon, aber in Berlin sah ich etliche Züge mit diesen blau/weißen (ohne Rot!) Wagen. Und das waren keine ukrainischen Wagen, sondern eben russische. Und ich wollte mich dagegen wehren, daß behauptet wurde, das seien ukrainische Wagen...

Toller Bericht, aber

geschrieben von: MichaelM

Datum: 20.01.11 10:26

den Verzicht auf Kutaisi würde ich mal als fahrlässig bezeichnen wollen und zwar wegen der WL 22.

Die Verständigung in den drei Ländern ist durchaus mit russisch möglich, im Falle von Georgien sollte
man aber vorher kurz fragen, ob der Gesprächspartner gewillt ist, russisch zu sprechen.

Ach ja, häufiger als man meinen mag, trifft man im Kaukasus Leute, die ihren Wehrdienst in Deutschland
abgeleistet haben, die kennen dann zwar nicht die großen Städte, dafür aber Wünsdorf oder Altengrabow.

MM

Re: [GE][AM][AZ] Reisebericht Kaukasus Herbst 2010, Georgien, Armenien, Aserbaidschan

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 20.01.11 10:36

tokkyuu schrieb:
-------------------------------------------------------
Und ich wollte mich
> dagegen wehren, daß behauptet wurde, das seien
> ukrainische Wagen...


Vielleicht verstehen wir uns falsch: Wagen im georgischen Zug wurden in der Ukraine hergestellt und zwar in Dnepropetrowsk. Was du aber in Berlin gesehen hast, handelt es sich um RIC-Wagen (Quelle: train-photo):

http://train-photo.ru/data/media/15/vagon_pass_23.jpg


Aehnliche Lackierung gibt es auch beim "Hauptstadt-Express" (Moskau - Kiew):

http://train-photo.ru/data/media/15/P1000577.jpg

Quelle: train-photo
Russischer Spion schrieb:
-------------------------------------------------------
> Vielleicht verstehen wir uns falsch: Wagen im
> georgischen Zug wurden in der Ukraine hergestellt
> und zwar in Dnepropetrowsk. Was du aber in Berlin
> gesehen hast, handelt es sich um RIC-Wagen

Ah, danke, das war dann ein Mißverständnis.
Ich dachte nicht an die Herstellen, ich dachte an die Lackierung....

Nach der Lackierung zu schließen, handelt es sich bei den blau-weißen Wagen im Bericht jedenfalls um offenbar aus Rußland übernommene Wagen, die nicht umlackiert wurden, sondern nur die neuen georgischen Aufschriften bekommen haben.

Re: [GE][AM][AZ] Reisebericht Kaukasus Herbst 2010, Georgien, Armenien, Aserbaidschan

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 20.01.11 12:39

tokkyuu schrieb:
-------------------------------------------------------
> Nach der Lackierung zu schließen, handelt es sich
> bei den blau-weißen Wagen im Bericht jedenfalls um
> offenbar aus Rußland übernommene Wagen, die nicht
> umlackiert wurden, sondern nur die neuen
> georgischen Aufschriften bekommen haben.


Koennte sein. Der Firmenzug "Iwan Paristy" (Moskau - Brjansk) z.B. hat sehr aehnliche Lackierung. Aber er besteht aus neuen TVZ-Wagen.

Re: Toller Bericht, aber

geschrieben von: AP

Datum: 20.01.11 13:10

Interessanter Bericht zu seiner schönen Route

MichaelM schrieb:
-------------------------------------------------------
> den Verzicht auf Kutaisi würde ich mal als fahrlässig bezeichnen wollen und zwar wegen der WL 22.

Fahren die (oder das eine Exemplar) noch?
Und dann hätte es vielleicht ein Bild gegeben, wie der rekonstruierte Bahnhof aussieht. Btw: was ist eigentlich aus dem Plan geworden, das Parlament nach Kutaisi auszulagern?


> Ach ja, häufiger als man meinen mag, trifft man im Kaukasus Leute, die ihren Wehrdienst in Deutschland abgeleistet haben, die kennen dann zwar nicht die großen Städte, dafür aber Wünsdorf oder Altengrabow.

oder die Verwandte in D. haben. Mir ist es in Yerevan zwei mal auf offener straße passiert, dass Leute laut auf deutsch fluchten.

Re: Toller Bericht, aber

geschrieben von: MichaelM

Datum: 20.01.11 13:14

na ja, vor ca. 1 Jahr wurde noch nach Tkibuli und/oder im "Ortsgüterverkehr " gefahren,
außerdem sind die Kurswagen für den kurzen Weg zur Haupstrecke immer ein heißer Kandidat ...

Re: Toller Bericht, aber

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 20.01.11 13:43

Russischer Spion schrieb:
-------------------------------------------------------
> Dieser Zug ist kein neuer, sondern eine
> "facegeliftete" alte gute sowjetische ER2

Die gefacelifteten Züge aus ER2 waren bisher üblich, die Herkunft war von außen am Fensterband zu erkennen. Selbst diese Züge waren im Innern aber absolutzeit gemäß und fernverkehrstauglich ausgestattet. Ich vermute zwar auch, dass die neuen Züge (wie auf dem Bild) ebenfalls aus ER2 entstanden sind, aber dann muss sogar das Fensterband ausgetauscht worden sein. Das ist schon etwas mehr als nur Facelifting.

tokkyuu schrieb:
-------------------------------------------------------
> Nach der Lackierung zu schließen, handelt es sich
> bei den blau-weißen Wagen im Bericht jedenfalls um
> offenbar aus Rußland übernommene Wagen, die nicht
> umlackiert wurden, sondern nur die neuen
> georgischen Aufschriften bekommen haben.

Diese Schlussfolgerung halte ich für fragwürdig. Allein aus der Ähnlichkeit der Lackierung ist wenig abzuleiten (siehe auch Obusse ex Lausanne in Kutaissi und Üstra-Busse in Toshkent).

MichaelM schrieb:
-------------------------------------------------------
> den Verzicht auf Kutaisi würde ich mal als
> fahrlässig bezeichnen wollen und zwar wegen der WL
> 22.

Diese Reise war offensichtlich wenig bahntouristisch orientiert. Bordschomi-Bakuriani fehlt ja auch.

> Die Verständigung in den drei Ländern ist durchaus
> mit russisch möglich, im Falle von Georgien sollte
> man aber vorher kurz fragen, ob der
> Gesprächspartner gewillt ist, russisch zu
> sprechen.

Da man eher von den Georgiern angesprochen wird, hat man dazu kaum Gelegenheit. Ich bin mit Russisch nie auch nur ansatzweise auf Widerwillen gestoßen. Die Probleme zwischen Georgiern und Russen (als Menschen, nicht auf die Staaten bezogen!) liegen ganz offensichtlich weit überwiegend auf russischer Seite.

AP schrieb:
-------------------------------------------------------
> Fahren die (oder das eine Exemplar) noch?

Nach letztem Kenntnisstand ja, allerdings nur noch mit Personenzügen.

> Btw: was ist
> eigentlich aus dem Plan geworden, das Parlament
> nach Kutaisi auszulagern?

Das sollte nur eine Außenstelle werden. Mehr weiß ich davon aber auch nicht.

MichaelM schrieb:
-------------------------------------------------------
> na ja, vor ca. 1 Jahr wurde noch nach Tkibuli
> und/oder im "Ortsgüterverkehr " gefahren,
> außerdem sind die Kurswagen für den kurzen Weg zur
> Haupstrecke immer ein heißer Kandidat ...

Ich war zum letzten Mal zum Jahreswechsel 2009/10 dort. Die Einsätze im Güterverkehr nach Tkibuli sind offensichtlich an WL10 übergegangen, die Einsätze im Fernverkehr ("Kurswagen"-Zubringer nach Rioni) wurden mit Kutaissi-Zchaltubo getauscht. D. h. die 4E1-001 fuhr damals nach Rioni, eine WL22 nach Zchaltubo. Offensichtlich im Zuge der Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs Kutaissi-1 wurden später alle Züge von und nach Kutaissi (mit Ausnahme der Strecke nach Zchaltubo) nach Kutaissi-1 verlegt. Das Zugpaar Kutaissi-1-Kutaissi-2, das bisher mit einem Zugpaar nach Samtredia verknüpft war, dient jetzt als Zubringer der Zuggarnitur für Zchaltubo.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:01:20:13:44:05.
Russischer Spion schrieb:
-------------------------------------------------------
> tokkyuu schrieb:
> --------------------------------------------------
> -----
> Und ich wollte mich
> > dagegen wehren, daß behauptet wurde, das seien
> > ukrainische Wagen...
>
> Vielleicht verstehen wir uns falsch: Wagen im
> georgischen Zug wurden in der Ukraine hergestellt
> und zwar in Dnepropetrowsk. Was du aber in Berlin
> gesehen hast, handelt es sich um RIC-Wagen
> (Quelle: train-photo):

Beides nicht richtig. Die blau-weiße Lackierung mit Ecken war eigentlich nie eine offizielle Lackierung der RZD, aber viele RIC-Schlafwagen haben sie bekommen. Angefangen hat das mit einem RIC-Bm der Kalinigrader Bahn, der bei Dneprovagonremstroj (Ukraine) für den Zug Kaliningrad-Gdynia aus einem WLABm umgebaut wurde, sowie weiteren dort modernisierten WLABm. Später hat man den Zug Saratov-Berlin inkl. Weitstreckenwagen auf diese einheitlichen Farben umgestellt, was zur Folge hatte, dass auch in Russland modernisierte Wagen blau-weiß wurden. Auch der Kurswagen Astana-Berlin hat sie getragen. Nun fand die Georgische Bahn, als sie Wagen bei Dneprovagonremstroj modernisieren ließ, irgendwie daran gefallen. Es gibt aber auch neuere rot-weiße Variante. Hersteller ist natürlich Ammendorf und teilweise Twer (Platzkartny-Wagen).

Der Triebzug ist auch kein ex-ER2, sondern ein Neubau aus China (CSR Nanjing), Endmontage erfolgte allerdings in Georgien.

[findarticles.com]

Viele Grüße, Taras
http://www.ljplus.ru/img4/j/a/jazzkosch/Borki.gif

Re: [GE][AM][AZ] Reisebericht Kaukasus Herbst 2010, Georgien, Armenien, Aserbaidschan

geschrieben von: ehemaliger Nutzer

Datum: 20.01.11 19:27

Der Professor jazzkosch hat es wieder allen gezeigt :) Respekt!
Bei Parovoz gibts es auch Bilder von diesem Triebwagen aus China: drei Stück wurden geliefert, Bezeichnung: BMK-001 bis 003.

[www.parovoz.com]

Und bei Railfaneurope ist der Typ auch eingetragen.

Re: Toller Bericht, aber

geschrieben von: 411

Datum: 20.01.11 20:38

Hallo,

vielen Dank für die Informationen rund um die kaukasische Eisenbahn. Es gibt doch jetzt einen super Beitragsbaum dazu....

>MichaelM schrieb:
>-------------------------------------------------------
>> den Verzicht auf Kutaisi würde ich mal als
>> fahrlässig bezeichnen wollen und zwar wegen der WL
>> 22.

>Diese Reise war offensichtlich wenig bahntouristisch orientiert. Bordschomi-Bakuriani fehlt ja auch.

Ja das ist wohl wahr und wurde bewusst so gewählt. Wir hatten nur drei Wochen für den Aufenthalt Zeit. Da wurde jedenfalls mit zuerst an der Eisenbahn gespart. Wir sind sehr froh, wenn wir im Urlaub den Zug nutzen können, doch leider lässt sich aufgrund eines engen Zeitkorsetts nicht alles möglich machen. Wir genossen die Zeit im Zug und auch die Abende in den Hauptstädten... Von allem etwas eben :)


>> Die Verständigung in den drei Ländern ist durchaus
>> mit russisch möglich, im Falle von Georgien sollte
>> man aber vorher kurz fragen, ob der
>> Gesprächspartner gewillt ist, russisch zu
>> sprechen.

>Da man eher von den Georgiern angesprochen wird, hat man dazu kaum Gelegenheit. Ich bin mit Russisch nie auch nur ansatzweise auf Widerwillen gestoßen. Die >Probleme zwischen Georgiern und Russen (als Menschen, nicht auf die Staaten bezogen!) liegen ganz offensichtlich weit überwiegend auf russischer Seite.

Ja das kann ich bestätigen. Wir fragten zuerst immer höflich, ob wir russisch sprechen dürfen und dann war es immer möglich! Nur in Aserbaidschan waren anscheinend nicht mehr so gut in Russisch. Insbesondere in Georgien kann man mit Jugendlichen durchaus Englisch sprechen, die freuten sich unheimlich. Wie gesagt russisch war immer möglich...

>Jazzkosch schrieb:
>-------------------------------------------------------
>Beides nicht richtig. Die blau-weiße Lackierung mit Ecken war eigentlich nie eine offizielle Lackierung der RZD, aber viele RIC-Schlafwagen haben sie >bekommen. Angefangen hat das mit einem RIC-Bm der Kalinigrader Bahn, der bei Dneprovagonremstroj (Ukraine) für den Zug Kaliningrad-Gdynia aus einem WLABm >umgebaut wurde, sowie weiteren dort modernisierten WLABm. Später hat man den Zug Saratov-Berlin inkl. Weitstreckenwagen auf diese einheitlichen Farben >umgestellt, was zur Folge hatte, dass auch in Russland modernisierte Wagen blau-weiß wurden. Auch der Kurswagen Astana-Berlin hat sie getragen. Nun fand die >Georgische Bahn, als sie Wagen bei Dneprovagonremstroj modernisieren ließ, irgendwie daran gefallen. Es gibt aber auch neuere rot-weiße Variante. Hersteller >ist natürlich Ammendorf und teilweise Twer (Platzkartny-Wagen).

>Der Triebzug ist auch kein ex-ER2, sondern ein Neubau aus China (CSR Nanjing), Endmontage erfolgte allerdings in Georgien.

Hey Jazzkosch, echt tolle Hintergrundinfos! Vielen Dank für die sehr gute Ergänzung....

Gruß
411



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:01:20:20:45:10.