Hallo zusammen,
hier mal kurzer Bericht von meinem diesjährigen Urlaub in Tunesien und Algerien.
Anreise nach Tunesien erfolgte via Genua mit der Fähre von GNV. Die Überfahrt empfand ich sehr angenehm.
In Tunis kommt die Fähre im Hafen La Goulette an, in die Stadt kommt per Taxi ( Preis Verhandlungssache!!) oder mit der TGM-Bahn ab Goulette Neuve. Fährt aber mitunter unregelmäßig, aber fährt!
Die geplante Tour war dann weiter von Tunis nach Sousse und Tozeur - mit dem Zug, eigentlich.
Wie auch hier schon geschrieben, ist das mitunter ein Ding der Unmöglichkeit. Die Züge entweder im Ausfall oder verspätet, hier dann meist mehrere Stunden.
Die SNTF unterrichtet aber inzwischen relativ zuverlässig über das aktuelle Geschehen, aktuelle Ausfälle (
Echtzeitinfo SNTF ). Die Ausfälle werden aber immer erst am Verkehrstag bekannt gegeben.
Erste Ziel nach Tunis war Sousse, wie befürchtet "Zug fällt aus" - nächster Bus wäre erst um 15:00 Uhr gewesen, dann blieb also nur Sammeltaxi (Louage). Funktionierte aber besser als gedacht. Preise für die Strecke sind fix und in Tunis wurde nicht beim Fahrer bezahlt, sondern Ticket am Schalter holen und beim Fahrer abgeben. Auch musste man sich nicht groß durchfragen, sondern die Abfahrten sind in der Halle gekennzeichtet. Also diese Reihe nach Sousse, jene nach Bizerte etc.
Nach Sousse sollte es weiter in die Wüste nach Tozeur gehen. Nach Rücksprache mit dem Hotel dort, fiel die Wahl dann gleich wieder auf das Louage, mit "Umstieg" in Gafsa. Zug zu riskant, zumal im Nachgang richtige Entscheidung -> der Zug Tunis-Tozeur mal wieder im Ausfall.
Nach Tunis zurück ging es mit dem Bus, der Zug war im Ausfall (zu der Zeit fuhr immer entgegengesetzt zu meiner Richtung).
Die einzigen Fahrten in Tunesien per Bahn waren Sousse - Monastir - Mahdia ("Sahel- Metro) und in Tunis einmal TGM, Strassenbahn und Tunis mit der S-Bahn in Richtung Erriadh.
Hier kann man aber sagen, fuhren zuverlässig.
Also Bahnfahren in Tunesien erfordert demnach Spontanität/Flexibilität und Ausdauer und aufgrund der Fahrzeiten+Verspätungen wohl inzwischen das langsamste Verkehrsmittel, wie auch mal gesagt wurde "selbst mit dem Kamel ist man schneller unterwegs".....
Zu Louage und Bus kann/muss man sagen - "zuverlässiges, funktionierendes Verkehrsmittel" in Tunesien
Anschließend ging es von Tunesien nach Algerien mit dem Zug (Tunis<->Annaba).
Der Zug bestand aus sieben Wagen (1x Generatorenwagen - 2x 1.Klasse - 1x Bistro - 3x 2. Klasse). Der Zug war zu rund 75-80% ausgelastet, meine aber fast nur Algerier.
Die Grenzkontrollen auf Seiten der Tunesier liefen recht zügig, dauerte 1h20min - also im Prinzip wurde die Zeit eingehalten, welche im Fahrplan angegeben ist.
Anders in Algerien - lt. Fahrplan 55min / tatsächlich über 2h bis man wieder in Zug konnte. Daraus und aus weiteren La-Stellen resultierte letztlich eine Fahrzeit von knapp 12h.
Die Kontrollen selber aber wirklich ruhig und Ausländern ggü. sehr freundlich - gefühlte 10-15mal hieß es zu mir "Welcome to Algeria" "Welcome to Algeria"......
Auch bzgl. des Visums gab es keine Fragen (ich hatte für Visa-Bestellung Flug nach Algier gebucht, welchen ich nach Visumserhalt wiederum storniert hatte). Man wollte lediglich nochmal Wissen, wo ich übernachte und was ich arbeite. Und entsprechende "Einreisekarte" musste ausgefüllt werden. Die Strecke nach Annaba wird aktuell gerade zum Teil zweigleisig ausgebaut und an einigen Stellen neu trassiert.
Von Annaba nach Constantine ging es aber dann mit dem Bus, da hier nur ein Nachtzug verkehrt und dieser Annaba erst um 21:30 Annaba verlässt, zudem aktuell nur dreimal in der Woche (vmtl. wegen Ferienzeit). Die Busfahrt war angenehm, die Busbahnhöfe in Annaba und Constantine, wo die Busse fuhren, liegen aber weit draußen.
Nach Besichtigung von Constantine (eine sehr schöne Stadt) sollte es weiter nach Algier mit dem Zug gehen. Seit letztem Jahr gibt es dreimal in der Woche eine Tagesverbindung Constantine <-> Algier, zusätzlich zum Nachtzug.
Am Schalter aber dann die Ernüchterung, Zug fällt aus - "sei doch normal, es ist Juli (so verstand ich es jedenfalls vom Schalterbeamten). Demnach im Sommer die Städte Algier, Constantine und Annaba nur dreimal in der Woche per Nachtzug verbunden....
Ein Algerier (ich meine aber im Ausland lebend), dem es ebenso erging, hatte erkannt, dass ich das gleiche Problem hatte. Kurzes Gespräch mit ihm (fließend englisch) und es wurde Taxi organisiert, welches uns zur Sammeltaxistation brachte. Und somit hieß es dann wieder Sammeltaxi statt Zug.
Letzte Bahnfahrt in Algerien war dann Algier <-> Oran, hinzu Coradia (Achtung reservierungspflichtig, evtl. am Tag vorher schon Ticket holen!), zurück ging mit klasssichem Lok-Wagenzug ("GrandeLigne" im Fahrplan genannt).
An der Strecke nach Oran wird (gefühlt eher wurde) kräftig gebaut - zweigleiger Ausbau, Neutrassierungen etc. - aber keine Bautätigkeiten erkennbar und so wie es aussieht schon länger nicht mehr.
Was auch nicht stimmt, sind die Fahrzeiten - also Abfahrten in Oran und Algier passen, Rest Makulatur!
Bsp. der Zug "AM" um 08:00 aber Algier soll um 12:38 Uhr lt. sämtlichen Veröffentlichungen in Oran ankommen - tatsächlich (wenn alles glatt läuft) Ankunft frühestens 14:30 Uhr. Auch auf der Rückfahrt waren es 7h Fahrzeit, statt angegebner 6 Stunden.
Anschließend noch zwei Tage Algier (hier empfand ich übrigens das Wetter als am unerträglichsten, 32 Grad zwar nur, aber Luftfeuchtigkeit zwischen 70-80%....)
Von Algier ging es per Fähre nach Marseille und dann mit TGV/ICE via Paris wieder zurück nach Hause.
Zu Algerien bleibt letztlich nur zu sagen, als Tourist wird man in Ruhe gelassen und ich fühlte mich immer sicher. Und wenn man frägt, es wird irgendwie immer geholfen, freundlich. Auch wenn es wenig touristische Infrastruktur gibt, kann ich nur empfehlen. Es gibt aber auch für Individual-Touristen inzwishen Stadführungen via der Portale "freeTour" oder "GuruWalk".
Auch die Unterkünfte (egal ob "B&B" oder 3-4 Sterne Hotel) alle tip/top, in Ordnung. Dort eigentlich auch immer englisch-sprachiges Personal vorhanden, die auf alle Fälle auch immer geholfen haben, Auskünfte geben konnten.
Zwar für mich als passionierter Bahnfahrer etwas wenig "Bahn" gewesen, gerade Tunesien, aber schöne 3,5 Wochen waren es trotzdem.
Falls Anmerkungen / Fragen etc, melden.
MfG
Tobi K.