DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 08/01 - Auslandsforum 

Hier sind alle Beiträge über die Eisenbahnen im Ausland (außer AT und CH) willkommen. Ein separates Forum gibt es für die Alpenländer Österreich und Schweiz, das » Alpenlandforum.
Zur besseren Übersicht und für die Suche sind » Länderkennzeichen nach ISO 3166 Alpha-2 in [eckigen Klammern] zu verwenden!
Verlinkungen zu Beiträgen im Historischen Forum, Straßenbahnforum und Wagenforum sind gestattet.
Hauptverantwortliche Moderatoren: Heiko Focken - Jan vdBk - Sören Heise

Neu bei Drehscheibe Online? » Hier registrieren!  Zum Ausprobieren und Üben steht das » Testforum zur Verfügung!
Hallo zusammen,

hier mal kurzer Bericht von meinem diesjährigen Urlaub in Tunesien und Algerien.
Anreise nach Tunesien erfolgte via Genua mit der Fähre von GNV. Die Überfahrt empfand ich sehr angenehm.

In Tunis kommt die Fähre im Hafen La Goulette an, in die Stadt kommt per Taxi ( Preis Verhandlungssache!!) oder mit der TGM-Bahn ab Goulette Neuve. Fährt aber mitunter unregelmäßig, aber fährt!

Die geplante Tour war dann weiter von Tunis nach Sousse und Tozeur - mit dem Zug, eigentlich.
Wie auch hier schon geschrieben, ist das mitunter ein Ding der Unmöglichkeit. Die Züge entweder im Ausfall oder verspätet, hier dann meist mehrere Stunden.
Die SNTF unterrichtet aber inzwischen relativ zuverlässig über das aktuelle Geschehen, aktuelle Ausfälle (Echtzeitinfo SNTF ). Die Ausfälle werden aber immer erst am Verkehrstag bekannt gegeben.

Erste Ziel nach Tunis war Sousse, wie befürchtet "Zug fällt aus" - nächster Bus wäre erst um 15:00 Uhr gewesen, dann blieb also nur Sammeltaxi (Louage). Funktionierte aber besser als gedacht. Preise für die Strecke sind fix und in Tunis wurde nicht beim Fahrer bezahlt, sondern Ticket am Schalter holen und beim Fahrer abgeben. Auch musste man sich nicht groß durchfragen, sondern die Abfahrten sind in der Halle gekennzeichtet. Also diese Reihe nach Sousse, jene nach Bizerte etc.

Nach Sousse sollte es weiter in die Wüste nach Tozeur gehen. Nach Rücksprache mit dem Hotel dort, fiel die Wahl dann gleich wieder auf das Louage, mit "Umstieg" in Gafsa. Zug zu riskant, zumal im Nachgang richtige Entscheidung -> der Zug Tunis-Tozeur mal wieder im Ausfall.

Nach Tunis zurück ging es mit dem Bus, der Zug war im Ausfall (zu der Zeit fuhr immer entgegengesetzt zu meiner Richtung).
Die einzigen Fahrten in Tunesien per Bahn waren Sousse - Monastir - Mahdia ("Sahel- Metro) und in Tunis einmal TGM, Strassenbahn und Tunis mit der S-Bahn in Richtung Erriadh.
Hier kann man aber sagen, fuhren zuverlässig.

Also Bahnfahren in Tunesien erfordert demnach Spontanität/Flexibilität und Ausdauer und aufgrund der Fahrzeiten+Verspätungen wohl inzwischen das langsamste Verkehrsmittel, wie auch mal gesagt wurde "selbst mit dem Kamel ist man schneller unterwegs".....
Zu Louage und Bus kann/muss man sagen - "zuverlässiges, funktionierendes Verkehrsmittel" in Tunesien

Anschließend ging es von Tunesien nach Algerien mit dem Zug (Tunis<->Annaba).

Der Zug bestand aus sieben Wagen (1x Generatorenwagen - 2x 1.Klasse - 1x Bistro - 3x 2. Klasse). Der Zug war zu rund 75-80% ausgelastet, meine aber fast nur Algerier.
Die Grenzkontrollen auf Seiten der Tunesier liefen recht zügig, dauerte 1h20min - also im Prinzip wurde die Zeit eingehalten, welche im Fahrplan angegeben ist.
Anders in Algerien - lt. Fahrplan 55min / tatsächlich über 2h bis man wieder in Zug konnte. Daraus und aus weiteren La-Stellen resultierte letztlich eine Fahrzeit von knapp 12h.
Die Kontrollen selber aber wirklich ruhig und Ausländern ggü. sehr freundlich - gefühlte 10-15mal hieß es zu mir "Welcome to Algeria" "Welcome to Algeria"......
Auch bzgl. des Visums gab es keine Fragen (ich hatte für Visa-Bestellung Flug nach Algier gebucht, welchen ich nach Visumserhalt wiederum storniert hatte). Man wollte lediglich nochmal Wissen, wo ich übernachte und was ich arbeite. Und entsprechende "Einreisekarte" musste ausgefüllt werden. Die Strecke nach Annaba wird aktuell gerade zum Teil zweigleisig ausgebaut und an einigen Stellen neu trassiert.

Von Annaba nach Constantine ging es aber dann mit dem Bus, da hier nur ein Nachtzug verkehrt und dieser Annaba erst um 21:30 Annaba verlässt, zudem aktuell nur dreimal in der Woche (vmtl. wegen Ferienzeit). Die Busfahrt war angenehm, die Busbahnhöfe in Annaba und Constantine, wo die Busse fuhren, liegen aber weit draußen.

Nach Besichtigung von Constantine (eine sehr schöne Stadt) sollte es weiter nach Algier mit dem Zug gehen. Seit letztem Jahr gibt es dreimal in der Woche eine Tagesverbindung Constantine <-> Algier, zusätzlich zum Nachtzug.
Am Schalter aber dann die Ernüchterung, Zug fällt aus - "sei doch normal, es ist Juli (so verstand ich es jedenfalls vom Schalterbeamten). Demnach im Sommer die Städte Algier, Constantine und Annaba nur dreimal in der Woche per Nachtzug verbunden....
Ein Algerier (ich meine aber im Ausland lebend), dem es ebenso erging, hatte erkannt, dass ich das gleiche Problem hatte. Kurzes Gespräch mit ihm (fließend englisch) und es wurde Taxi organisiert, welches uns zur Sammeltaxistation brachte. Und somit hieß es dann wieder Sammeltaxi statt Zug.

Letzte Bahnfahrt in Algerien war dann Algier <-> Oran, hinzu Coradia (Achtung reservierungspflichtig, evtl. am Tag vorher schon Ticket holen!), zurück ging mit klasssichem Lok-Wagenzug ("GrandeLigne" im Fahrplan genannt).
An der Strecke nach Oran wird (gefühlt eher wurde) kräftig gebaut - zweigleiger Ausbau, Neutrassierungen etc. - aber keine Bautätigkeiten erkennbar und so wie es aussieht schon länger nicht mehr.
Was auch nicht stimmt, sind die Fahrzeiten - also Abfahrten in Oran und Algier passen, Rest Makulatur!
Bsp. der Zug "AM" um 08:00 aber Algier soll um 12:38 Uhr lt. sämtlichen Veröffentlichungen in Oran ankommen - tatsächlich (wenn alles glatt läuft) Ankunft frühestens 14:30 Uhr. Auch auf der Rückfahrt waren es 7h Fahrzeit, statt angegebner 6 Stunden.

Anschließend noch zwei Tage Algier (hier empfand ich übrigens das Wetter als am unerträglichsten, 32 Grad zwar nur, aber Luftfeuchtigkeit zwischen 70-80%....)
Von Algier ging es per Fähre nach Marseille und dann mit TGV/ICE via Paris wieder zurück nach Hause.

Zu Algerien bleibt letztlich nur zu sagen, als Tourist wird man in Ruhe gelassen und ich fühlte mich immer sicher. Und wenn man frägt, es wird irgendwie immer geholfen, freundlich. Auch wenn es wenig touristische Infrastruktur gibt, kann ich nur empfehlen. Es gibt aber auch für Individual-Touristen inzwishen Stadführungen via der Portale "freeTour" oder "GuruWalk".
Auch die Unterkünfte (egal ob "B&B" oder 3-4 Sterne Hotel) alle tip/top, in Ordnung. Dort eigentlich auch immer englisch-sprachiges Personal vorhanden, die auf alle Fälle auch immer geholfen haben, Auskünfte geben konnten.

Zwar für mich als passionierter Bahnfahrer etwas wenig "Bahn" gewesen, gerade Tunesien, aber schöne 3,5 Wochen waren es trotzdem.

Falls Anmerkungen / Fragen etc, melden.
MfG
Tobi K.
Danke für den Bericht. Eine Frage: Ist der Lézard Rouge wieder in Betrieb ?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 29.07.26 21:57.
Zitat:
Danke für den Bericht. Eine Frage: Ist der Lézard Rouge wieder in Betrieb ?
ad Tunesien: Wir waren an Ostern in Tozeur. Der Lézard Rouge war leider nicht in Betrieb und es würde mich wundern, wenn der Zug in der Zwischenzeit wieder in Betrieb genommen worden wäre. Seat 61 scheint mir auf diesen Zug bezogen nicht aktuell zu sein. Wir konnten jedoch auf dieser und anderen Strecken im Süden Tunesiens mehrmals täglich (und auch nachts) erheblichen Frachtverkehr auf der Schiene beobachten (Transport von Phosphat). Ich konnte überall Industrie- und Eisenbahn-Infrastruktur beobachten, fotografieren und ich durfte mich, nach freundlichen Unterhaltungen mit den örtlichen Sicherheits-Menschen, immer und auf allen Betriebsgeländen frei bewegen.

ad Algeria: Vielen Dank für Deinen interessanten Bericht! @Tobi K. Algerien ist ein wunderbares Reiseland. Die Menschen sind freundlich, entgegenkommend, warmherzig und gastfreundlich, das Klima ist warm und südlich des Atlas angenehm trocken und die Landschaften unglaublich beeindruckend. Wer seine Reise richtig plant, kann sich überall sicher bewegen (wenngleich dies in vielen Wüstegegenden nur mit Begleitung möglich und mit ortskundigem Fahrer sinnvoll ist). Wir haben uns nur in Algier ohne Guide bewegt. Ansonsten hatten wir immer einen Fahrer und einen Guide. Die extreme Militarisierung und hohe Präsenz von bewaffnetem Personal an den Check Points geben Sicherheit. Wir haben vergangenes Jahr fast den gesamten Trans-Sahara-Highway bis in den tiefen Süden bereist und hatten nicht ein einzige unangenehme Situation (wir sind allerdings schon viel im Maghreb gereist und meinen, Personen und Situationen realistisch einschätzen zu können). Gefährlich für uns war ein Geisterfahrer auf einer Autobahnabfahrt in Algier, aber das ist keine spezifische algerische Gefahr, denn so etwas passiert auch in Kiel oder Kalkutta. Grundsätzlich ist die Frankfurter Hauptwache wahrscheinlich weniger gut bewacht als die algerische Sahara!



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 30.07.26 11:23.
Vielen Dank für den schönen Bericht, der alte Erinnerungen in mir aufkommen ließen. Damals fuhr ich mit der Bahn nach Sizilien, mit der Fähre nach Tunis und mit der Bahn über Algier nach Tanger und der Fähre nach Algeciras un der Bahn wieder nach Hause. Dies ist leider nicht mehr möglich. Auch ich erlebte seinerzeit eine völlig ungefährliche vierwöchige Reise.

Herzlichen Dank (mB) !

geschrieben von: namsos

Datum: 30.07.26 16:21

Moin aus Lübeck,

ganz herzlichen Dank für den tollen Reisebericht !

Durch Tunesien bin ich 2015 gefahren, als ich den Lezard Rouge besuchen wollte. Hin ging es dank mieser Zugverbindung morgens mit dem Flieger von Tunis nach Tozeur, ab dort mit einem Taxi nach Metlaoui. Von dort kam ich nach Rückkehr mit dem Museumszug mit einem Bus nach Tunis zurück, mit der Bahn hätte es schon von den Fahrzeiten her nicht funktioniert.
Und in Algerien war ich 2014, dort nutzte ich die Zugverbindung Algier - Oran und zurück, das klappte reibungslos, auch wenn der Zug bei der Hinfahrt aus irgendeinem Grund über eine Stunde auf freier Strecke stehenblieb. Das Land samt der beiden Städte habe ich als sehr sehenswert in Erinnerung behalten und die Leute extrem freundlich.

DSCN0116.JPG

Mein Zug nach Oran im Bahnhof Agha, einem Vorort von Algier

DSCN0132.JPG
In der 1. Klasse

DSCN0144.JPG

Bahnhof Oran

DSCN0147.JPG

Bahnhof Oran Schalterhalle

DSCN0150.JPG

Bahnhof Oran von außen

Bei meiner Tour durch Algerien war ich durchweg allein unterwegs und hatte nirgendwo Probleme. Ärgerlich fand ich lediglich den Duty-Free am Flughafen Algier, denn da gab es algerischen Wein, den ich gerne mitgenommen hätte, aber da ich in Paris umsteigen mußte, war das nicht möglich. Woanders im Land gab es den nicht zu kaufen.

Viele Grüße aus Lübeck

Re: Herzlichen Dank (mB) !

geschrieben von: Corpet Louvet 1906

Datum: 30.07.26 17:49

Geh mal in Frankreich beim Algerier Deines Vertrauend Couscous essen. Vorher kurz auf die Speisekarte schauen, ob der Laden 'trocken' ist oder nicht. Im letzteren Fall solltest Du Deinen Wein dort bekommen. Ist aber meist teurer als der französische.

Beste Grüße

Christian
HGe 4/4 " schrieb:
Danke für den Bericht. Eine Frage: Ist der Lézard Rouge wieder in Betrieb ?
Der Lézard Rouge war vor einem Jahr wieder in Betrieb: [youtu.be] , wurde anschliessend aber in die Werkstatt geschickt.
tkautzor schrieb:
HGe 4/4 " schrieb:
Danke für den Bericht. Eine Frage: Ist der Lézard Rouge wieder in Betrieb ?
Der Lézard Rouge war vor einem Jahr wieder in Betrieb: [youtu.be] , wurde anschliessend aber in die Werkstatt geschickt.
Wobei ein Phosphatzug in der Schlucht abgestürzt ist - möglicherweise fahren deshalb auch keine Touristenzüge.

Algerien: wobei mir unabhängig voneinander mehrere die dort mit dem Motorrad unterwegs waren erzählten, dass je weiter man von der Küste weg ist die Polizeikontrollen intensiver werden und auch immer länger dauern. Grenzgebiete (bis zu 100 km von der Grenze weg) sind ganz schwierig, teilweise wird Eskorte gestellt.
Peter Johann schrieb:
[...]mit der Fähre nach Tunis und mit der Bahn über Algier nach Tanger und der Fähre nach Algeciras un der Bahn wieder nach Hause. Dies ist leider nicht mehr möglich.
Was ist konkret das Problem? Nur die algerisch-marokkanische Grenze?

M.
Servus,

ja, seit 1994 ist die Grenze zwischen Algerien und Marokko komplett zu.
Und dies für jeglichen Verkehr Schiene und Straße.
Ebenso keine Verbindungen in der Ludt oder zu Wasser.

MfG
Tobi K.
Seinen Luftraum hat Algerien erst 2021 für marokkanische Flugzeuge geschlossen.
Tobi K. schrieb:
Servus,

ja, seit 1994 ist die Grenze zwischen Algerien und Marokko komplett zu.
Und dies für jeglichen Verkehr Schiene und Straße.
Ebenso keine Verbindungen in der Ludt oder zu Wasser.

MfG
Tobi K.
Nicht ganz, es gab kurze Grenzöffnungen für Gefangenenüberstellung.
Martin Sch. schrieb:
Peter Johann schrieb:
[...]mit der Fähre nach Tunis und mit der Bahn über Algier nach Tanger und der Fähre nach Algeciras un der Bahn wieder nach Hause. Dies ist leider nicht mehr möglich.
Was ist konkret das Problem? Nur die algerisch-marokkanische Grenze?

M.
Vermutlich alle Grenzregionen, definitiv aber auch algerisch-tunesische Grenze. Nach einem ganz umständlichen Grenzübertritt (u.a. algerische Versicherung sollte mit algerischem Geld bezahlt werden, offizieller Geldwechsel aber nicht möglich, Schwarztausch wurde dann von den Beamten organisiert) gab es von der Grenze Geleitschutz bis kurz vor Annaba.

In der Sahara lang andauernde Befragungen.
Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Kontakt | Impressum
(c) 2026 - Arbeitsgemeinschaft DREHSCHEIBE e.V.