Istrien – eine kroatisch-slowenische Sommerwoche
Mal wieder ein Reisebericht von mir - Los geht's mit Teil 1:
Vorwort:
Zusammen mit Nico, einem guten Freund, sollte es im Juliurlaub mal wieder etwas weiter weg gehen. Mir war wichtig, irgendwo am Meer zu sein, um auch den Erholungsfaktor zu haben. Zudem wäre natürlich eine Gegend mit beständigem Wetter gut. Die Wahl fiel dann einmal mehr auf Istrien. Ich mag die Halbinsel schon immer – durch die geplante Sanierung der Strecke ist außerdem fraglich, was zukünftig von der dortigen Eisenbahnromantik noch übrig bleibt. Auf Istrien fahren nur langweilige und jetzt zum Teil sogar moderne Triebwagen? Unten in Split brüllen doch die GM-Diesel? Mag sein, aber erstens ist Istrien dieses Jahr zum ersten Mal komplett graffitifrei (das hätte vor zehn Jahren nie jemand für möglich gehalten), zweitens wollte ich die modernen Koncar-VT noch mit alter Infrastruktur haben und drittens reizt mich Dalmatien momentan nicht so sehr, denn die Nachtzüge fahren mir zu früh und die Güterzüge sind ohne Systemzugriff zu unberechenbar.
Nachdem Nico noch nie an der Koperrampe war, wollten wir dort auch noch zwei Tage verbringen – die Lebensdauer der Strecke neigt sich ja auch dem Ende zu.
Samstag, 12.07.
Los ging's gegen 12 Uhr, kurz darauf hatte ich schon Nico bei sich daheim eingeladen. Die Fahrt verlief ruhig und bis auf einen kurzen baubedingten Stau auf der B15n auch völlig problemlos. Traditionell sollte die erste Pause in Laufen sein. Dort gibt es am Ortsausgang eine Tankstelle mit Rastmöglichkeit und guten Leberkassemmeln, die ich vor einigen Jahren mal für mich entdeckt hatte.
Während ich so auf der Bank saß und in meine Semmel biß, flatterte auf Whatsapp die Nachricht von einem Vereinskollegen herein. Anbei ein Bild aus unserem Museumstriebwagen mit dem Kommentar „ist das Dein Stativ?“. Oh verdammt! Wir waren am Wochenende davor unterwegs und ich hatte wirklich mein Stativ im Esslinger vergessen – aufgefallen war mir das nicht, weil ich die ganze Woche kein Foto gemacht hatte. Und jetzt? Urlaub ohne Stativ? Eine Horrorvorstellung... Kurzerhand wurde umgeplant und ein Zwischenstop im Europark in Salzburg vorgesehen, wo es einen MediaMarkt geben sollte. Die Auswahl dort ist erwartungsgemäß recht begrenzt gewesen – meine übliche Marke Manfrotto hatten sie natürlich nicht im Sortiment und die Hama-Knarz-Kurbel-Stativ sind auch nicht das Gelbe vom Ei. Schließlich konnte ich halbwegs zufrieden ein Cullmann Rondo 480M erwerben, das zwar leider einen Kugelkopf hatte, aber sonst halbwegs stabil wirkte.
Jetzt war die Welt wieder in Ordnung... neuer Eigentümer eines tollen Cullmann Rondo 480M.
Nachdem wir durch den Spaß insgesamt gut eine Stunde verloren hatten, ging es direkt auf die Tauernautobahn auf dem Weg in den Süden. Der Verkehr war ruhig und so ging es sich ohne weitere Pause aus, daß wir um ziemlich genau 20 Uhr unser erste Ziel, Buzet, erreichten. Wir hatten für die erste Übernachtung bewußt das dortige Hotel Fontana ausgewählt, da man hier bis spät in die Nacht problemlos anreisen konnte, was nicht bei allen Privatunterkünften so möglich ist. Zudem lag es strategisch recht günstig aus Richtung Slowenien her.
An der Rezeption wurde uns für's Abendessen die Pizzeria Jezic (mit dem lustigen Igel als Logo) empfohlen, die wir auch direkt aufsuchten. Gestärkt vom Abendessen stand nun noch ein kleines Spaziergang hinauf in die Altstadt von Buzet an. Auch wenn das Städtchen im Vergleich zu den üblichen Touri-Hotspots recht ruhig ist, sorgte Livemusik für die passende Urlaubsstimmung. Zurück im Hotel nervte uns dann aber erstmal ein in regelmäßigen Abständen „tutender“ Vogel – eine Zwergohreule wie wir dann herausfanden. Trotzden konnten wir nach der langen Fahrt gut einschlafen.
Sonntag, 13.07.
In der Nacht zog mal ein kurzes Gewitter über Buzet hinweg, in der Früh lachte uns dann aber die Sonne an. Überraschend, denn eigentlich war der Sonntag nicht sonderlich gut angesagt. Nachdem auf der Strecke nach Pula am Wochenende nur sehr spärlicher Verkehr ist, hatten wir bis auf eine Ausnahme heute keine Fotos geplant.
Nach dem Frühstück wollten wir zunächst in Baredine beim jahrelang bekannten Olivenbauern vorbeifahren und Öl einkaufen.
Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Wegweise nach Groznjan vorbei. Das hübsche Künstlerdorf kannte Nico noch nicht und so machten wir noch spontan einen Abstecher dorthin. Gegen 11 trafen wir dann bei „Agro Millo“ ein – wie schon bekannt, durften wir die verschiedenen Olivenölsorten probieren und schließlich natürlich auch kaufen. Die Preise waren zwar mal wieder gestiegen (20€ für 0,75l), aber das beste Öl der Welt bekommt man eben auch nicht jeden Tag.
Geplant war nun, gemütlich in den Süden zu fahren, um gegen 14 Uhr den neuen Direktzug Pula – Zagreb in Zminj zu fotografieren. Bei dieser Leistung kommt neuerdings ein Flirt Diesel der SZ bis Pula und es gibt eine Stelle, wo der Zug sogar im Licht läuft. Überraschend war das Wetter dann aber noch immer besser als gedacht und wir waren zeitig dran, also ließ ich Nico nachsehen, ob denn zufällig einer der wenigen sonntäglichen Nahverkehrszüge mittags laufen würde – und siehe da, kurz nach 12 in Kanfanar, das würde passen.
Also fuhren wir dann die Autobahn hinunter (die zweite Mirna-Brücke wächst auch langsam – mal sehen, wann sie befahrbar sein wird) und stellten uns am Einfahrsignal von Kanfanar auf. Dabei hatte ich dann erstmal mit meinem neuen Stativ bzw. besser gesagt dem Kugelkopf zu kämpen (wie kann man mit sowas arbeiten)...
Das erste Sonnenbild war dann im Kasten – und gleichzeitig mein erstes Foto eines fahrenden Koncar in Istrien.
Wir prüften dann erstmal die Situation in Zminj und weil noch Zeit war, schauten wir im nahegelegenen Bahnhof Sveti Petar u Sumi vorbei. Noch gibt es hier die bekannte gemütliche Szenerie mit der Hebelbank vom Stellwerk am Hausbahnsteig. Ob das nach der Modernisierung noch so sein wird?
Das Stellwerk von Sveti Petar u Sumi.
Leider verschlechterte sich nun das Wetter. Was tun? Auf Sonne pokern und den Flirt am im Licht liegenden, aber relativ beliebigen Motiv in Zminj machen? Oder hier in Sveti Petar bleiben und den typisch istrischen Bahnhof mit dem slowenischen Flirt ohne Sonne umsetzen? Wir entschieden uns für letzteres.
Nachdem der Hintergrund recht dunkel, der Vordergrund aber überraschend hell war, wurde das Bild sogar halbwegs ansehnlich: 610 019 auf seinem weiten Weg von Pula nach Zagrab in Sveti Petar u Sumi.
Nun war das Fotoprogramm für heute aber wirklich durch. Wir fuhren nach Okreti bei Kanfanar, um unsere Unterkunft für die nächsten Tage zu beziehen: Das Gartenhaus Helena. 2017 war ich dort schonmal und hatte es als richtig toll in Erinnerung und auch diesmal wurde der Eindruck wieder bestätigt: Die Vermieter sind suuuuuper nett und das kleine Häuschen im Garten der Vermieter bietet einfach alles, was man so braucht.
Die frühere Strecke nach Rovinj führte übrigens mehr oder weniger direkt am Grundstück entlang...
Und nach Rovinj fuhren wir dann auch: Zunächst um an einem nördlich der Stadt gelegenen Strand mit Blick auf die tolle Ortskulisse zu baden und anschließend natürlich die Stadt selber anzuschauen. Und zwischen diesen beiden Punkten gab es Abendessen in einem Restaurant, das sich im alten Bahnhofsgebäude von Rovinj angesiedelt hatte. Auch ohne Eisenbahn war so die zweite Tageshälfte rundum gelungen.
Natürlich ist Rovinj mit Touris total überlaufen, aber mir gefällt die Stadt so gut, daß bei jedem Istrienurlaub ein Besuch dort Pflicht ist.
Rovinj – immer wieder einen Besuch wert.
Zurück in der Unterkunft ließen wir den Abend auf der Terrasse unseres Gartenhauses ausklingen. Und wer war natürlich wieder zu hören? Richtig, eine Zwergohreule...
Montag, 14.07.
Und dann war er da, der erste Fototag. In der Früh sollte es noch etwas wolkig sein, weshalb eigentlich geplant war, erst um 9 Uhr zu starten, doch beim Aufstehen zeigte sich der Himmel überraschend blau und so legten wir an Tempo zu und fuhren doch noch etwas früher raus. Ziel war Vodnjan, wo ich von Matthias eine Umsetzung mit dem Vorsignal gesehen hatte, die ich mal mit Hochstativ probieren wollte.
Als wir uns dort aufbauten kam auf einmal ein anderes Auto angefahren aus dem auch zwei Leute (offenbar Vater und Sohn) mit Kameras ausstiegen: aus Österreich!
Auch die bewährten Schweden laufen noch in Istrien – und zwar sauber! 7122 008 am Einfahrvorsignal von Vodnjan.
Als nächstes wollten wir nach Borut und den Koncar wieder einholen, der uns in Vodnjan in den Rücken gefahren war. Über die Autobahn kein Problem. Als wir diese in Cerovlje verließen, öffnete sich die Schranke jedoch, ohne daß wir bezahlt hatten. Alle Versuche, Geld in den Automaten zu kriegen, scheiterten, also fuhren wir dann einfach so durch... Am Bahnhof Cerovlje fiel uns auf, daß mittlerweile sämtliche Signale abgebaut sind. Auch Borut scheint mittlerweile unbesetzt zu sein, hier sind die Signale aber noch vorhanden. Die Züge fahren an den haltzeigenden Esig vorbei wie es schon aus Roc bekannt ist.
Der Standpunkt gegenüber vom Bahnhof war zwar eigentlich ganz gut, aber aufgrund des hohen Grases nur relativ spitz umzusetzen.
7023 005 hält auf dem Weg nach Buzet in Borut.
Für die Rückfahrt hatte ich mir eine Stelle oberhalb von Roc ausgedacht, die ich 2023 mal mit dem Istra gemacht hatte. Oben angekommen mußten wir jedoch feststellen, daß der direkte Blick mittlerweile zugewachsen war. Abhilfe konnte aber immerhin mit dem Hochstativ geschaffen werden:
Die Rückfahrt des Koncar paßten wir zwischen Roc und Rocko Polje ab.
Nachdem wie im Viewfindr (der absolut zuverlässigen Wetterapp) angekündigt Quellwolken aufzogen und dann sowieso die vierstündige Zugpause auf der Strecke beginnen würde, wollten wir den Zug als Taxi Richtung Süden nutzen und uns dann ein schönes Plätzchen am Meer suchen. Zu überholen ist der Zug (leider) relativ leicht. Zunächst postierten wir uns bei Heki, wo allerdings die Fotowolke voll zuschlug. Also weiter hinterher nach Vodnjan ans Einfahrsignal. Hier trafen wir auch die Österreicher wieder...
Einige Kilometer weiter und über eineinhalb Stunden nach dem Bild in Roc passierte der Zug dann das Einfahrsignal von Vodnjan.
Wie deutlich zu erkennen, hielten sich die Quellwolken wie üblich von der Küste fern. Von Vodnjan sind es nur ein paar Kilometer hinüber nach Fazana, wo ein wunderbarer Badestrand mit nahegelegenen Parkplätzen, Strandbar usw. keine Wünsche offen läßt. Hier ließen wir es uns nun gut gehen.
Als dann langsam die nächsten im Licht liegenden Zugfahrten näherrückten, überlegten wir, wo wir hinfahren könnten. Unsere Wahl fiel erneut auf Heki, das sich auch von der Nachmittagsseite umsetzen läßt.
Hier ergab sich bei der Abfahrt von der Autobahn wieder ein Problem: Diesmal wollte der Automat die in Vodnjan gezogene Karte nicht lesen. Die Telefonhotline konnte aber erstaunlich gut helfen – schnell mal die Nummern auf der Karte auf englisch diktiert und schon erschien der passende Preis im Display.
7122 008 passiert den zweiten Haltepunkt der Ortschaft Heki. Bei meinem ersten Besuch hier im Jahr 2011 war das kleine Bahnwärterhäuschen noch deutlich besser erkennbar.
Die Quellwolken lösten sich nach und nach auf (wie vom Viewfindr vorhergesagt) und wir konnten auch wieder planen, etwas weiter nach Norden vorzustoßen. Von meinem letzten Urlaub hatte ich noch die Brücke beim Paziner Wasserfall offen, die damals nur mit einem voll beschmierten Schweden gelang. Wer weiß, wie lange die kurzen Triebwagen hier noch fahren – für einen langen Koncar eignet sich das Motiv jedenfalls nicht. Auch wenn wir nur etwas über eine halbe Stunde dort bleiben wollten, mußten wir natürlich die vollen 5€ Parkplatzgebühr für die Tageskarte bezahlen. Schön ist es dort unten am Bachlauf auf den im Wasser liegenden Steinen aber schon!
Endlich mit einem sauberen VT im Kasten: Die Brücke beim Paziner Wasserfall.
Als nächstes Motiv hatte ich wieder den Bahnhof Borut ausgesucht. Den abendlichen Blick von etwas weiter oben hatte ich schon seit meinem ersten Besuch im Fokus, jedoch aufgrund des sonst immer in dieser Zeitlage in Gegenrichtung fahrenden Istra nie umgesetzt. Heute sollte es soweit sein und der dreiteilige Koncar wirkt hier auch deutlich besser als der kurze Schwede.

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Blick auf den Bahnhof Borut. Im Hintergrund die Autobahn und die Einfahrt in den Ucka-Straßentunnel.
Für den abendlichen Schweden von Pula her hatte ich jetzt keine offene Stelle mehr, passen würde er aber gut an der „Standardstelle“ bei Rocko Polje mit der Ucka im Hintergrund. Nico hatte das Motiv noch nicht. Oder aufgrund der sich doch viel schneller als erwarter auflösenden Wolken rüber durch den Tunnel an die Strecke Rijeka – Pivka? Dort hatte ich mit einem Motiv bei Opatija-Matulj seit 2011 noch eine Rechnung offen. Wir riskierten es. Den Nachtzug würden wir zwar nicht mehr schaffen, aber der Schnellzug nach Ljubljana ging sich aus. Überraschend kam dieser zwar dann als Flirt daher und nicht wie von mir erwartet als lokbespannter Zug, aber egal – das Motiv mit der Krk-Brücke war endlich gelungen!
Beim vierten Anlauf in 14 Jahren hat es endlich geklappt: Das Motiv an der Einfahrt Opatija-Matulj mit der Krk-Brücke im Hintergrund.
Etwas weiter sollte von einem Autobahnrastplatz aus noch eine weitere Perspektive auf die Brücke möglich sein – und ein Nahverkehrszug würde auch noch folgen. Also probieren...
Man steht dort am Gehweg des Autobahnrastplatzes und fotografiert über das dortige Geländer – völlig easy, aber lang nicht so romantisch, wie das Bild vorgaukeln möchte.
Zwar war das Seitenlicht schon etwas knapp, aber sonst hat alles gepaßt: 6112 013 klettert die Rampe von Rijeka her rauf.
Leider hatte Nicos Kamera Akkuprobleme, so daß sie im entscheidenden Augenblick nicht auslöste. Mist. Den ursprünglichen Plan, die Küstenstraße zurück zu fahren, verwarfen wir und fuhren wieder auf die Autobahn. Der gesamte Abschnitt zwischen Rijeka und dem Ucka-Tunnel wird gerade vierspurig ausgebaut, vom Ucka-Tunnel selber ist die zweite Röhre 2024 eröffnet worden, jedoch wird wohl gerade die alte Röhre saniert, weshalb man wie gewohnt im Gegenverkehr durch den Tunnel fährt. Doch so weit kamen wir erstmal gar nicht. Mitten in der Autobahnbaustelle war auf einmal Stillstand. Stau. Es ging gar nichts mehr. Auffällig war auch, daß keine Autos mehr vom Berg runter entgegenkamen. Nach einer halben Stunde nerviger Warterei lief der Verkehr dann wieder an. Ohne, daß auch im weiteren Verlauf irgendwo ein Grund für den Stau ausgemacht werden konnte.
So langsam bekamen wir aber dann doch Hunger und deshalb steuerten wir gleich nach dem Tunnel die Konoba Ema in Vranja an. Eine hervorragende Wahl! In diesem alten Dorfwirtshaus wird gibt es frisch gekochte, leckere Speisen – und zum Nachtisch sogar Kuchen!
Reichlich spät erreichten wir an diesem Abend unsere Unterkunft und fielen nach kurzer Diskussion über das Programm für den Folgetag ins Bett.
Hier geht's zu Teil 2: [
www.drehscheibe-online.de]
Viele Grüße
Tobias
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2025:07:28:14:45:38.