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Nach dem letzten Teil meines Reiseberichtes im Raum Tarragona (https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,10640570) bin ich schon beim letzten Teil angelangt. Der Beginn wird bis auf die kurze Weiterreise nach Barcelona recht bahnarm, dafür reich an katalanischer Folklore. Zum Schluss liegt aber mit der Heimreise durch die Pyrenäen der Fokus wieder auf der Bahn.

Tag 12: Tarragona – Barcelona

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Am Freitagmorgen muss ich Abschied von Tarragona nehmen. Ich hätte durchaus noch Ideen gehabt mich ein paar Tage länger in Tarragona zu beschäftigen. Thomas hatte mir bei der Reiseplanung klar zu verstehen gegeben, dass irgendwann mal genug ist und er vor Ankunft seiner Eltern als nächster Besuch ein paar Tage Ruhe möchte. Das ist durchaus verständlich und nachdem ich auf das Sofa ausweichen musste, kommt mir die Abreise aber gar nicht so Unrecht. Ab heute bin ich aber wieder mit vollem Gepäck unterwegs.
Da seine Eltern mit dem Auto kommen, hat mir Thomas angeboten, etwas von meinem Zug wie zum Beispiel die Bettwäsche bei ihm zu lassen. Da ich das Zeug dann aber irgendwann aus Oberschwaben abholen müsste, lehne ich doch dankend ab und quäle mich einfach durch. Taschen- und andere Messer sind auch kein Problem, da keine Sicherheitskontrolle mehr ansteht.
Weit fahre ich heute nicht. Ich werde noch zwei Nächte in Barcelona bleiben. Ich fahre gemütlich am Vormittag los. Dabei befördert mich wieder ein Zug wie am Vortag der erste Zug nach La Plana. Beim dritten und letzten Mal fahre ich zwischen Tarragona und Barcelona entlang der Küste dann auch endlich mal bei Tageslicht. Die Strecke gefällt mir richtig gut.

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Nach Ankunft am Bahnhof Passeig de Gràcia führt mich mein erster Weg zu meinem Hostel, um mein Zeug loszuwerden. Danach gehe ich zur nahegelegenen Sagrada Familia, nur stilecht mit Baukran. 2026 sollte die Kirche eigentlich nach über 100 Jahren Bauzeit fertiggestellt werden, aber offiziell wegen Einnahmeausfällen wegen der Coronapandemie verzögert sich die Fertigstellung erneut.

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Gegenüber der Kirche ist ein kleines Museum zum FC Barcelona mit kostenlosem Eintritt. Eigentlich ist es aber überwiegend mehr Fanshop als Museum. Bei den ausgestellten Plakaten entdecke ich dieses vom Landesmeisterpokal 1991. Heute wäre diese Paarung völlig undenkbar. Als Pfälzer und natürlich auch FCK-Fan werde ich da wehmütig und ein wenig traurig, diese Zeiten nicht mit erlebt zu haben.

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Noch etwas weiter ist das Krankenhaus Hospital de Sant Pau, dass zwar nicht von Gaudí stammt, aber trotzdem als Meisterwerk des katalanischen Modernismo (Jugendstil) zum UNESCO-Welterbe gehört.

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Von Gaudí finden sich in der Nähe meines Hostels noch zwei weitere markante Bauten: die Casa Milo …

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… und direkt bei dem Bahnhof Passeig del Gràcia die Casa Battló. Beide kosten je über 30 € Eintritt und toppen damit sogar noch die Sagrada Familia mit 25 €. Das finde ich stark übertrieben und ich verzichte dankend auf einen Besichtigung des Inneren.

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Von dort gehe ich über die Hauptstraße La Rambla in die Altstadt. Ein sehr schöner Platz ist die Placa Reial.

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Im Herzen der Altstadt ist der historische Palast der Könige von Aragon, in dem heute das Museum für Stadtgeschichte ist. Diese werde ich am nächsten Morgen besichtigen.

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Am Abend gerate ich in die Feierlichkeiten zum Fest der Stadtpatronin Santa Eulalia. Entweder ich habe, in Südeuropa ein besonderes Geschick, zufällig in solche Feste mit religiösem zu geraten oder sie sind hier einfach deutlich häufiger als bei uns in Deutschland. Anfang Dezember 2022 gerieten Chris und ich in bei unserer Südosteuropatour in Bari in die Feierlichkeiten zum Fest des heiligen Nikolaus (…). 2019 in der Karwoche geriet ich in Enna auf Sizilien in die Prozessionen der Settimana Santa.
Nun wieder zurück zu Barcelona und Santa Eulalia. Im Nachhinein habe ich natürlich die Hintergründe des Fests recherchiert. Eulalia war eine Märtyrerin, die unter Kaiser Diokletian im zarten Alter von 13 oder 14 das Martyrium erlitt. Möglicherweise existierte sie auch gar nicht und ist nur ein Plagiat der heiligen Eulalia von Mérida, deren Heiligenlegende große Parallelen aufweist.
Ich lasse ich dann einfach mal treiben und folge dem Umzug mit den Figuren durch die Altstadt Barri Gòtic.

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Schließlich kommen wir am Vorplatz der gotischen Basilika Santa Maria del Mar an. Auf ihrem Vorplatz befindet sich ein Denkmal für die Gefallenen bei der Belagerung Barcelonas 1714 im Spanischen Erbfolgekrieg. Der Krieg entbrannte 1700 nach dem kinderlosen Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II. zwischen dem französischen Thronprätendenten Philipp V., ein Enkel des Sonnenkönigs Ludwig XIV. und Urenkel des vorletzten spanischen Königs, und dem österreichischen Prätendenten Karl aus dem Haus Habsburg, der später Kaiser und Vater der berühmten Maria Theresia wurde.
Barcelona war die Hochburg der österreichischen Seite und ihr Fall bedeutete den Sieg der Franzosen. Die siegreichen Franzosen schafften mit dem Ziel der Zentralisierung viele Autonomierechte der spanischen Regionen ab, insbesondere vom österreichtreuen Katalonien. Deshalb wird dieses Datum heute als Ende der katalanischen Autonomie betrachtet. Ähnlich ging es den Katalanen nochmal nach dem Spanischen Bürgerkrieg, wo sie als Hochburg der Republikaner wieder auf der Seite der Verlierer standen und unter Franco weitere Repressionen erdulden mussten.
Obwohl eigentlich ein kirchlicher Feiertag, scheint das heutige Fest einen nationalistisch-katalanischen Bezug zu haben. Am Denkmal geben Schützen in historischer Tracht mehrere Schüsse ab.

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Danach treten wir in die Basilika ein und die Großfiguren, die Laies, folgen wenig später. Neben dem Mann und der Frau sind auch ein Löwe und ein Adler dabei.

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Wenig später wird dieser Adler einen Tanz aufführen. Laut meiner Recherche erlebe ich mit dem sogenannten Ball dell’Àliga einen der Hochpunkte der gesamten Feierlichkeiten. Da habe ich wohl ziemliches Glück gehabt.

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Später am Abend gehe ich auf dem Weg zum Hostel noch einen Umweg über die Sagrada Familia.

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Tag 13: Barcelona

Am nächsten Tag habe ich ein ambitioniertes Besichtigungsprogramm vor mir. Auf dem Weg ins Barri Gotic schaue ich in eine Kirche rein, die im Kreuzgang Hühner hält. Wer meinen letzten Reisebericht kennt, weiß, dass mir das sehr sympathisch ist. ;-)

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In der Innenstadt treffe ich schon wieder auf eine Prozession.

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Dann besichtige ich das Museum für Stadtgeschichte in der alten Königsresidenz, vor der ich schon gestern Abend stand. Die Ausstellung spannt mehr oder weniger zusammenhängend den Bogen von römischen Ausgrabungen im Keller über die mittelalterliche Geschichte der Stadt bis zu recht gewöhnungsbedürftigen Exponaten.

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Danach wird die Kathedrale besichtigt. Im Keller ruht der Sarkophag derheiligen Eulalia, die ursprünglich in der Basilika Santa Maria del Mar von gestern Abend lag.

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An der Stirnseite wird ihr Martyrium am Kreuz dargestellt.

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Für einen nicht zu hohen Eintritt kommt man auf das Dach der Kathedrale.

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Geflügelhaltung in Kreuzgängen scheint eine lokale Tradition zu sein. Hier in der Kathedrale sind es 13 weiße Gänse. Hier ist die Begründung, dass Eulalia vor ihrem Tod Gänse gehütet haben soll.

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Danach komme ich in das Rathaus von Barcelona. Wenn ich mich recht erinnere, kam ich nur rein, weil zu Santa Eulalia Tag der offenen Tür war. Hinter der eher unspektakulären neoklassizistischen Fassade (Bild 221) versteckt sich deutlich ältere Bausubstanz, allen voran der imposante gotische Sitzungssaal Salón del Ciento.

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Gegenüber liegt der ebenfalls aus dem Mittelalter stammende Palau de la Genralitat, der Sitz der Regionalregierung. Davor läuft gerade eine Kundgebung für die Unabhängigkeit Kataloniens.

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Am Nachmittag fahre ich mit der Metro raus zu Parc Guell von Antoni Gaudí.

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Der Anstieg zum Park ist sichtbar steil.

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Der Park kostet auch Eintritt, aber deutlich weniger als die Häuser Gaudís. Wenig überraschend ist ziemlich viel los.

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Neben den Anlagen Gaudís bietet der Park einen schönen Ausblick über die Stadt. Links steht unübersehbar die Sagrada Familia. Nach Fertigstellung soll ihr Turm den des Ulmer Münsters als höchsten Kirchturm der Welt ablösen.
Deutlich weiter rechts und näher Meer liegt die Altstadt mit der Kathedrale. Diese ist aber nicht nur kleiner, sondern auch weiter weg und nur schlecht zu erkennen.


Tag 14: Barcelona - Toulouse

Am Sonntagmorgen bricht nicht nur mein Geburtstag sondern auch mein letzter Tag in Spanien an. Heute heißt es früh aufstehen, denn ich möchte um 8.30 Uhr zur internationalen Messe in der Sagrada Familia. Diese ist im Gegensatz zu anderen kleineren Messen nicht nur in der Krypta, sondern oben in der Hauptkirche und spart mir die 25 € Eintritt. Bei einer regulären Besichtigung sieht man noch einiges mehr, aber zu diesem Kompromiss bin ich bereit.

Drinnen finde ich die Kirche sehr interessant, aber auch gewöhnungsbedürftig. Im Vergleich zu gotischen Kirchen finde ich die Pfeiler und Außenwände ziemlich massiv und das Innere dadurch überraschend dunkel. Für die geplanten monumentalen Türme über dem Kirchenschiff, ist diese massive Konstruktion aber vermutlich notwendig.

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Ich bin ganz eindeutig nicht der Einzige, der eher wegen des Eintritts im Gottesdienst ist. Deshalb erfolgt vor der Kommunion eine unübliche Durchsage: Es sollen bitte nur getaufte Katholiken, die die Erstkommunion durchlaufen haben, vor zur Kommunion kommen. Dann wird den Anwesenden noch kurz die Bedeutung der Kommunion für uns Katholiken erklärt. Wenig überraschend bleiben viele Besucher anschließend sitzen.
Dann kommt es zum Eklat in meiner Nähe: Einer der Priester schaut aufmerksam in die Menge, geht dann zu einem jungen Mann und nimmt ihm die Hostie ab, die dieser statt zu essen vermutlich als Souvenir mitnehmen wollte.
Nach der Messe habe ich noch Zeit für ein gemütliches Frühstück, bevor ich dann auschecke und gegen Mittag zum Bahnhof Placa de Catalunya gehe. Von dort geht es mit einem Zug der Linie R3 der Rodalies Barcelona in die Pyrenäen Richtung französische Grenze.

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Kurz nach 15 Uhr passieren wir den letzten Halt in Spanien Puigcerdà.

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Wenig später erreichen ich den berühmten Grenzbahnhof La Tour de Carol mit seinen drei Spurweiten. Mit meinem Rodalies aus Barcelona rechts, dem abgestellten Nachtzug nach Paris und dem Train de Cerdagne links gelingt es mir auch direkt, Züge aller drei Spurweiten auf ein Foto zu bekommen.

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Mit dem Train de Cerdagne möchte ich unbedingt auch mal fahren, heute aber nicht.

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Auch den Nachtzug nehme ich heute nicht. Dieser war ei der Buchung schon ziemlich teuer und ich möchte außerdem gerne die Strecke durch die französische Seite der Pyrenäen gerne bei Tageslicht befahren. Deshalb habe ich erst ab Toulouse einen Nachtzug gebucht und fahre bis dort im TER. Auf der anderen Siete des Bahnhofs stehen zwei Régiolis-Triebwägen bereit, die ich beide von innen sehen werde.

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Nachdem ich und auch andere Fahrgäste schon im linken Zug sitzen kommt kurz vor planmäßiger Abfahrtszeit die Durchsage, dass wir in den anderen Zug wechseln sollen.
Mit etwas Verspätung geht es dann los. Bei Abfahrt ist der Zug noch gähnend leer. Bis Toulouse wird er sich aber kontinuierlich füllen und spätestens ab Foix ist es brechend voll.

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Etwas später halten wir im Bahnhof von Andorra, der jedoch außerhalb des Kleinstaates liegt. Dieses Land würde mich auch mal interessieren.

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Während wir uns Toulouse nähern, wird es schon langsam dunkel, aber da sind wir zum Glück schon aus den Bergen raus. Da alles geklappt hat, bin ich viel zu früh in Toulouse und habe noch mehrere Stunden zu vertrödeln. Mit meinem umfangreichen Gepäck, habe ich keine Lust, ins Zentrum zu gehen. Den Weg habe ich von 2018 als gar nicht so kurz in Erinnerung. Zum Abendessen gibt es in Bahnhofsnähe einen Taco Francais.
Da in der Bahnhofshalle ziemlich viel los ist und wie in Frankreich üblich die Gleisnummer meines Zugs noch nicht bekannt ist, suche ich mir irgendeinen schön leeren Bahnsteig, wo ich mich in Ruhe hinsetzen kann und nicht dauernd auf mein Gepäck achten muss. Nach einiger Zeit kommt eine Rangierlok angefahren und zieht einen Nachtzug an meinen Bahnsteig. Jackpot! Das ist mein Zug und ich muss mit dem ganzen Gepäck nicht mehr den Bahnsteig wechseln.

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Doch da habe ich die Rechnung leider ohne die SNCF gemacht. Wie so oft in Frankreich soll die Ticketkontrolle schon am Bahnsteigzugang erfolgen. Dafür räumen zwei SNCF-Mitarbeiter den Bahnsteig und wollen auch mich wegschicken. Ich erkläre ihnen, das sich ein Ticket für den Zug habe und frage mit Verweis auf mein schweres Gepäck ganz freundlich, ob sie mich auch nicht direkt jetzt kontrollieren könnten. Als Antwort bekomme ich den vermutlich beliebtesten Satz von SNCF-Mitarbeitern („C’est pas possible.“) und ich muss runter in die Unterführung. Wenige Minuten später beginnt die Kontrolle und ich bin wieder oben. Das ist die immer kundenorientierte und freundlcihe SNCF, wie ich sie kenne und liebe.
Glücklicherweise werden wegen der Coronapandemie auch 6er-Abteile im Liegewagen nur mit 4 Fahrgästen belegt, was schon bei der Buchung bekannt war. Das mittlere Bett bleibt frei und ich kann es mit meinem Gepäck belagern. Mit 6 Mann im Abteil wäre es wirklich eng geworden.

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Tag 15: Paris - Pirmasens

Nach einer relativ kurzen Nacht kommen wir kurz vor 7 Uhr in Paris Austerlitz an.

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Nachdem ich es mit Mühe und Not geschafft habe, mich durch das Drehkreuz der Metro zu quetschen bin ich wenig später am Gare de l’Est.

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Beim Einstieg in den TGV nach Saarbrücken kommt es nochmal zu einem Problem mit meinem Ticket. Schon früher war mir aufgefallen, dass auf dem Ticket kein Sitzplatz angegeben ist, was eigentlich nicht möglich sein sollte. Ein Mitarbeiter am Infostand empfiehlt mir, durch die Bahnsteigsperre zu gehen. Nach dem Einscannen werde an der Bahnsteigsperre mein Wagen und Sitzplatz angezeigt. Ich zweifle diese Information zu Recht an. Nichts in dieser Art passiert.
Da im TGV keine Reservierungsanzeigen existieren und ich keine Lust habe, dreimal den Platz wechseln zu müssen, frage ich am Bahnsteig einen französischen Zugbegleiter. Der antwortet mit der beliebten Antwort („C’est pas possible!“) und will sich weigern, mich mitzunehmen. Aus seiner Sicht muss mein Ticket eine Fälschung sein. Einen Bug im Buchungssystem der DB kann er sich nicht vorstellen.
Dann kommt glücklicherweise sein deutscher Kollege zu unserer Diskussion und sieht die Sache nach Schilderung meiner Situation deutlich entspannter. Er vermutet wie ich einen Bug im Buchungssystem. Inzwischen war noch ein weiterer Fahrgast mit Reiseziel Landau und dem gleichen Problem dazu gekommen. Der deutsche Zugbegleiter sagt uns einen Wagen, in dem wenig reserviert ist und lässt uns zum Entsetzen seines französischen Kollegen rein.
Nach einem weiteren Umstieg in Saarbrücken in die RB nach Pirmasens bin ich dann gegen Mittag pünktlich in Pirmasens Nord.

Nach diesem kleinen Aufreger zum Schluss möchte ich mich für euer Interesse bedanken. Die nächsten Reiseberichte sind schon in Planung, mit dabei auch wieder Spanien.


Meine Reiseberichte und Bahnen in der Südwestpfalz:
[www.drehscheibe-online.de]




4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2024:04:23:21:33:50.
Hallo Eric,

mit etwas Zeit habe ich mir jetzt die beiden letzten Teile mal gegeben und möchte mich stellvertretend für die ganze Reihe nochmal für die Eindrücke bedanken!

Die Fahrt über Latour d. C. ist jedenfalls immer wieder schön zu sehen und weckt doch sehr schöne Erinnerungen an meine Reise 2019 im Liegewagen am offenen Fenster bis zum Sonnenuntergang irgendwo hinter Foix (und dem Versteckspiel mit dem Schaffner, weil das öffnen der Fenster im Flur ist natürlich "pas possible").

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… und direkt bei dem Bahnhof Passeig del Gràcia die Casq Battló. Beide kosten je über 30 € Eintritt und toppen damit sogar noch die Sagrada Familia mit 25 €. Das finde ich stark übertrieben und ich verzichte dankend auf einen Besichtigung des Inneren.
Diese Dinger waren 2018, als ich mal etwas länger für klassisches Sightseeing in Barcelona war, schon arg überteuert und sind seitdem nochmal überproportional teurer geworden. Allerdings ist Barcelona spätestens nach Corona rund ums Jahr so dermaßen überlaufen, dass man ihnen "prohibitive Eintrittspreise" eigentlich nicht übel nehmen kann. Du warst ja noch zu einem Zeit "während Corona" da, ich behaupte, da waren die Massen noch erträglicher, aber leer war es offenbar auch nicht. Vielleicht war es trotzdem ein guter Zeitpunkt zum Barcelona-Besuch...

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Am Abend gerate ich in die Feierlichkeiten zum Fest der Stadtpatronin Santa Eulalia. Entweder ich habe, in Südeuropa ein besonderes Geschick, zufällig in solche Feste mit religiösem zu geraten oder sie sind hier einfach deutlich häufiger als bei uns in Deutschland.
Ich denke eher letzteres, gefühlt zumindest.
Am 26.08. traf ich dieses Jahr in Bilbao auf genau die gleiche Art von "Puppen". Meiner Recherche nach handelte es dabei um einen Tag der "Großen Woche von Bilbao (Aste Nagusia)" Feierlichkeiten zu Ehren der Schutzpatronin Virgen de Begoña. Sah alles ähnlich aus wie auf deinen Fotos ;-)

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Der antwortet mit der beliebten Antwort („C’est pas possible!“) und will sich weigern, mich mitzunehmen. Aus seiner Sicht muss mein Ticket eine Fälschung sein. Einen Bug im Buchungssystem der DB kann er sich nicht vorstellen.
Deren Arroganz ist schon immer wieder erstaunlich. Einzelfälle sind es jedenfalls nicht. Nun, das mit dem Gepäck ist nervig, bringt einen aber nicht um. Wenn einem in Paris aber die Mitfahrt verwehrt wird, ist das aber schon eine ordentliche Nummer. Da hat man dann möglicherweise einen erheblichen Schaden (ich denke auch an möglichen Verdienstausfall, wenn man an dem Tag wie so oft nicht mehr anderweitig weg kommt, weil "complet"). Viel Spaß dann dies mit der DB im Nachgang glatt zu bügeln.

Zur Aussage, er könne sich einen Fehler im Buchungssystem nicht vorstellen: ich erinnere mich doch vage, aber recht zuverlässig an einen Thread, in dem es um vom SNCF-Buchungssystem ausgegebene Liegewagentickets ohne Abteil-/Liegennummer ging. Ich lasse das mal so stehen ;-))

VG
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