Hallo zusammen,
im Rahmen einer Dienstreise nach Coimbatore hatte ich auch die Gelegenheit, die Nilgiri Railway zu besuchen und auf der Rückfahrt sogar eine Stunde mitzufahren. Danke an unseren Fahrer, der sich am Sonntagmorgen in aller Herrgottsfrühe am Bahnhof anstellte, um Fahrkarten für uns zu ergattern. Natürlich hat sich das in seinem Trinkgeld niedergeschlagen.
Hinweis: die Bilder sind im Rahmen einer Reise mit Kollegen entstanden und haben nur dokumentarischen Charakter. Von einer Aufnahme in die Galerie sind sie so weit entfernt wie die Nilgiri Railway von der Furka-Bergstrecke.
Auf der Hinfahrt konnte ich die Kollegen zu einem Stop am Bahnhof in Mettupalayam überreden. Das ist ein Inselbahnhof, wir sehen zuerst die elektrifizierte Staatsbahnstrecke (mit Reisezeiten, die gegenüber dem Auto locker konkurrenzfähig sind).
Bild 1: Mettupalayam, Ausgangspunkt der Nilgiri Railway
Bild 2: ...und noch mal von der Schmalspurseite. Frühaufsteher können um 6:15 in Coimbatore losfahren, hier um 7:15 umsteigen und sind 5 Stunden später in Ooty (bei einer Streckenlänge von 46 km). Da ist das Auto dann klar schneller.
Bild 3: Direkt daneben befindet sich das BW. Dass täglich mit Dampf gefahren wird, sieht man den Gebäuden deutlich an. Auch der Wasserkran ist nicht historische Dekoration, sondern vermutlich täglich in Gebrauch. Bei unserem Besuch allerdings herrschte völlige Stille auf dem Gelände. Wir konnten frei herumspazieren, niemand störte sich an uns.
Bild 4: Der Oberbau ist eine wilde Mischung aus Modernität (Betonschwellen, Schienenbefestigung ähnlich zu KS) und Historischem (geschraubte Schienenstöße, Handweichen). Insgesamt sah es sehr gepflegt aus, mit einigen landestypischen Abweichungen von unseren westeuropäischen Vorstellungen.
Bild 5: Rollmaterial war natürlich auch vorhanden. Die beiden (süd)indischen Kollegen versuchten sich daran, die Beschriftung auf Hindi zu lesen. Dort steht wohl "Southern Railways." Was das für eine Lok ist?
Vermutlich eine SLM aus Winterthur, womit sich der Kreis zur Furka-Bergstrecke schließt.
Bild 6: Nochmals aus anderer Perspektive. Für die Bahn sollten wohl noch neue Dampflokomotiven bestellt werden, dann kam aber Covid-19 dazwischen.
Bild 7: Die Signalisierung ist unverkennbar englisch. Ganz klargeworden ist mir die Zugsicherung allerdings nicht - bei einem Zug am Tag dürfte der als Sperrfahrt unterwegs sein, alternativ würde noch ein Token-System passen. Das Signal sah aber sehr gepflegt aus. Kann jemand Aufklärung leisten?
Bild 8: Noch mal ein Überblick über das BW-Gelände.
Bild 9: Wagenmaterial war auf dem BW-Gelände nicht zu sehen. Allerdings stand auf dem Parkplatz dieser wohl historische Wagen, nur echt mit den indisch vergitterten Fenstern. Die Kupplung schauen wir uns nachher noch genauer an.
Rechts im Bild noch ein sehr indisches Transportmittel, eine Rickshaw oder Tuktuk. Das eine oder andere Startup bastelt wohl gerade daran, die Dinger zu elektrifizieren. Das wäre in jeder Hinsicht ein Fortschritt, auch wenn die Fahrer das zusätzliche Drehmoment sicher sofort für noch ambitioniertere Überholmanöver nutzen werden.
Bild 10: Wir machen einen großen Sprung nach Ooty. Das heißt eigentlich Udhagamandalam, aber das wissen selbst viele Inder nicht. Oder wie es die Kollegen ausdrückten: es wäre eine prima Frage für eine Fernseh-Rateshow, wie Ooty denn offiziell heißt.
Dieses Gebäude ist der Bahnhof, der einigermaßen am Ortsrand liegt. Wobei Ortsrand relativ ist, denn indische Ortschaften tendieren dazu, sich eher unorganisiert in die Gegend auszubreiten. In den letzten Jahren hat es wohl erste Versuche einer Bauleitplanung gegeben, aber bis die im Ortsbild sichtbar wird, dürfte es noch einige Generationen dauern. Bei der Aufnahme des Bildes rutschte ich mit dem Schuh in eine Art Abfluss, was diesem nicht unbedingt gut tat. Indien ist zwar seit meinem letzten Besuch vor vier Jahren definitiv sauberer geworden, aber die Maßstäbe sind dennoch ganz anders als bei uns.
Bild 11: Ein Fahrplanaushang gehört natürlich auch zu einem Bahnhof. Für vier Zugpaare am Tag ist der ganz schön voll geraten. Wir haben nur den oberen Abschnitt bis Conoor genutzt, der im Reibungsbetrieb mit Diesellokomotiven betrieben wird.
Bild 12: Das ist eine
YDM-4, die wohl mit Biodiesel läuft.
Bild 13: Vor dem Einsteigen in den Zug werfen wir aber noch einen Blick auf die Schienen. Diese Interpretation von Bibloc-Schwellen kannte ich so auch noch nicht. Leider habe ich mir nicht angeschaut, wie genau die Gleise auf den Schwellen befestigt sind.
Vor dem Zaun waren (nicht im Bild) zwei Teenager-Pärchen damit beschäftigt, herumzualbern und sich gegenseitig - Generation Instagram lässt grüßen - zu fotografieren. Dass die Eltern für ihre Kinder die Ehepartner aussuchen, ist zwar wohl immer noch üblich, aber auch nicht mehr die einzige akzeptierte Variante. Tempora mutantur.
Bild 14: Den Kalauer "vom Kuppeln zur Kupplung" spare ich mir jetzt mal. Dennoch gibt es hier, wie oben versprochen, eine Detailaufnahme der Fahrzeugkupplung. Das nennt sich wohl
"Norwegian Coupling", einen deutschen Begriff dafür habe ich nicht gefunden. Für die leichten Züge genügt das auch. Leider habe ich genau so fotografiert, dass man nicht sieht, wie der Haken gegen Herausschnappen gesichert wird.
Bild 15: Wir saßen in der 2. Klasse, was dazu führte, dass wir dann endgültig die einzigen Weißen weit und breit waren. Das störte aber niemanden, auch wenn die Konversationsversuche beiderseits etwas bemüht blieben. Dank Reservierungspflicht hatte jeder einen Sitzplatz, aber etwas eng war es trotzdem, und nach einer Stunde von Ooty nach Conoor reichte es dann auch. Die Strecke ist eingleisig, zwischen Ooty und Conoor befindet sich der Ausweichbahnhof Aravankadu.
Dort oben in den Bergen auf über 2000 m Höhe kann es auch in Südindien empfindlich kalt werden. Wir saßen am Samstagabend mit den indischen Kollegen bei ein paar Bier zusammen, was für alle Beteiligten sehr schön war. Da war der Pulli dann definitiv von Vorteil.
Bild 16: Leider nur durch die Fensterscheibe: Bahnübergang, ebenfalls in Aravankadu. Die Beschriftung auf dem Bahnhofsschild ist übrigens auf Tamil, Hindi und Englisch. Meine Ambitionen, Hindi wenigstens lesen zu lernen, habe ich schnell wieder aufgegeben - 44 Buchstaben waren mir zu viel. Aber immer noch besser als Tamil, das kennt über 200 Buchstaben und Ligaturen.
Bild 17: Die Landschaft unterwegs ist recht ansehnlich, und die Bahn hat doch so einige Kunstbauten erfordert. So auch diese Brücke - leider auch ein Foto durch die Scheibe.
Bild 18: Angekommen in Conoor. Die Wagen sind im Hintergrund zu sehen, unserer war ein klassischer Abteilwagen à la
Centoporte. Beim rein touristischen Betrieb und angesichts dessen, dass Arbeitskräfte in Indien immer noch verhältnismäßig billig sind, ist das aber kein Problem. Übrigens macht sich in Tamil Nadu die gut laufende Wirtschaft inzwischen bemerkbar, Arbeitskräfte sind nicht mehr so billig, wie sie einmal waren. Dafür gibt es Binnenmigration aus Nordindien, wo die Arbeitslosigkeit höher ist.
Bild 19: Nochmals eine Aufnahme der Wagen. Das hier dürfte ein Halbgepäckwagen sein, aber für detaillierte Untersuchungen war keine Zeit. Wenig überraschend standen vor dem Bahnhofsausgang massenhaft Taxifahrer auf Kundenfang. Auch das ist ein Indiz für den zunehmenden Wohlstand: es waren viele Touristen in Ooty, allerdings ausschließlich Inder. Das sind alles Leute, die sich das leisten können. Natürlich gibt es immer noch viel Armut, aber eben nicht nur das.
Bild 20: Zum Schluss dann aber doch noch ein landestypisches Transportmittel: diese Rickshaw wird wohl von einem Muslim betrieben. Ob er sich irgendwann noch einen richtigen Audi leisten kann?
Vielen Dank fürs Mitkommen!
Max
Auch dank des Forums bin ich ein bisschen in Europa herumgekommen. Damit ihr auch etwas davon habt:
Meine Reiseberichte
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2024:07:24:22:09:22.