Hallo zusammen,
während Bilder aus Belgien im Auslandsforum nicht so selten sind, kann ich mich nicht daran erinnern, jemals Fotos des Nahverkehrs in Brüssel gesehen zu haben. Unsere diesjährige Herbstreise (mit Kindern und Großeltern) führte, nachdem wir
letztes Jahr in Italien waren, diesmal nach Amsterdam und Brüssel. Mit je anderthalb Tagen Zeit und vier Familienmitgliedern im Schlapptau war keine Zeit für gute Bilder, aber immer noch besser als keine.
Hin- und Rückfahrt von Stuttgart übrigens unspektakulär per ICE, bis auf +30 auf der Rückfahrt ohne weitere Vorkommnisse. Ich entschuldige mich routinemäßig schon im Voraus für themenfremde und qualitativ bescheidene Bilder. In Brüssel habe ich mich mangels belastbarer
FlämNiederländischkenntnisse auf die französischen Bezeichnungen beschränkt.
In
Amsterdam habe ich kein einziges Nahverkehrsmittel fotografiert. Allerdings kann ich zum besten geben, dass es verhältnismäßig preisgünstige 24h-Karten für Kinder (4 EUR) gibt, die aber nur am Schalter verkauft werden. Am IJ-Ausgang von Centraal kann man sie erwerben, wenn man genug Geduld mitbringt.
Das Ein- und Auschecken in allen Verkehrsmitteln klingt ja erst mal gut, ist aber faktisch an stärker frequentierten Haltestellen vor allem bei Bussen ein echter Zeitfresser. Bis 30 Leute gepiepst haben, sind schnell 2 Minuten vorbei. Einmal haben wir erlebt, dass der leere Bus alle Türen offen hatte und das anwesende Kontrollpersonal trotzdem alle zur ersten Tür geschickt hat.
Um Amsterdam nicht ganz bildlos davonkommen zu lassen, noch dieses Grachtenfoto:
Links im Bild übrigens das sehenswerte Hausbootmuseum. Ansonsten war Amsterdam, wie ich es in Erinnerung hatte: nett, aber eher unspektakulär. Was die Touristenströme dort wollen, weiß ich nicht. Wollen die alle nur legal Gras rauchen und sich auf De Wallen umschauen?
Von Amsterdam nach Brüssel haben wir auf den Thalys verzichtet und den Kooperations-IC von SNCB und NS genommen. Während die NS mich diesen nicht buchen ließ (ich hätte ein Konto anlegen müssen, und dafür ging nur eine NL-Adresse - dann habe ich das Interesse verloren), hat die SNCB recht unkompliziert eine Fahrkarte verkauft. Das eingesetzte Wagenmaterial ist allerdings mit Kunstleder und recht angejahrten Wagen (was ist das eigentlich?) nicht eben begeisternd, vor allem, wenn man 3 Stunden darin verbringen muss.
Von
Brüssel hatte ich dagegen bisher kein Bild, und das war ein Fehler. Architektonisch ist die Stadt in etwa, als hätte man Washington DC genommen und dort die Düsseldorfer Altstadt eingepflanzt. Einen solchen Hang zum Gigantismus gibt es noch nicht mal in Rom oder Paris, und die haben beide die Bescheidenheit nun auch nicht gepachtet. Der Justizpalast sieht aus der Ferne aus, als hätte man ein H0-Modell in eine Spur N-Anlage gesetzt - und Ähnliches gilt auch für den Triumphbogen am Cinquantenaire, den Königspalast, ... Aber insgesamt bietet die Stadt damit einiges Sehenswertes, was über das "ganz nett" von Amsterdam hinausgeht.
Manneken Pis kennt jeder, aber kennt ihr auch
Änneken Jeanneke Pis?
In Brüssel gibt es an Nahverkehr den Nahverkehr der SNCB, den wir nicht genutzt haben und der in unserer Tageskarte der STIB wohl auch nicht inklusive gewesen wäre. Die STIB (Société des Transports Intercommunaux de Bruxelles) betreibt den Nahverkehr, der aus Metro, Pre-Metro, Straßenbahn und Bussen besteht. Nach unserem Eindruck macht sie dabei einen recht brauchbaren Job. Ich habe mir Mühe gegeben, von jedem Transportmittel wenigstens ein Foto zu machen.
Beginnen wir mit der Metro. Ich binde mal das Streckennetz von Wikipedia ein, um einen gewissen Überblick zu bekommen. Das Stadtzentrum ist innerhalb der Quasi-Ringlinie.
Auf der Linie 1 und 5 (die sich im Zentrum eine Strecke teilen) fährt modernes, hochfluriges Wagenmaterial. Das hier müsste ein M7 sein, Hersteller CAF. Hier an der Haltestelle Schuman, mitten im Europaviertel.
Auf der Linie 6 geht es etwas altertümlicher zu. Das hier sollte ein M5 sein. Ich habe schon lange keine Flip-Dot-Anzeigen mehr gesehen, aber hier fahren noch welche durch die Gegend.
Im Innenraum geht es genauso abwaschbar-hässlich wie in Mailand zu. Die Zugzielanzeiger im Inneren sind ebenfalls Flip-Dot, sie zeigen ganz politisch korrekt das Fahrtziel im Wechsel
FlämNiederländisch und Französisch an. Was sie leider nicht beherrschen, ist die Anzeige der nächsten Haltestelle. Dann muss man eben aus dem Fenster schauen - oder es wie meine Kinder machen, sie haben immer ganz fleißig Haltestellen mitgezählt.
Olfaktorisch sind die Metro-Haltestellen vor allem in der Innenstadt leider kein reiner Quell der Freude. An mindestens einer Stelle je Station stinkt es garantiert nach Urin. Bäh. Ansonsten sind sie aber durchaus gepflegt.
Wir bleiben im Untergrund, machen aber mit der Pré-Metro weiter. Das ist eine Unterpflasterstraßenbahn, jedenfalls in der Innenstadt. Die Haltestellen ähneln stark den Stuttgarter Haltestellen, die die Umstellung auf Stadtbahn mitgemacht haben - eingestiegen wird am Tiefbahnsteig, obwohl die Haltestelle im Grunde hochflurig ausgelegt ist. Ich habe mir sagen lassen, die in Köln seien die Bahnsteighöhen ähnlich abwechslungsreich...
Auf den Linien fahren Flexity Outlook, die dort als T3000 und T4000 bezeichnet werden. Eigentlich ganz angenehme und moderne Fahrzeuge.
Auch die oberirdische Straßenbahn wird mit diesen Fahrzeugen betrieben. Das hier ist an der Place Royale, rechter Hand der Königspalast. Man mag es etwas größer in Brüssel...
Ebenfalls zu erwähnen sind die Busse (hier einer
pars pro toto an der Station Merode).
Man beachte auch das in 80er-Jahre-Game-Optik gehaltene Plakat mit der Botschaft "Spiele nicht mit deinem Leben". Ob das die Jugendlichen heute noch anspricht?
Last not least ist auch der Aufzug zwischen Unter- und Oberstadt ein öffentliches Verkehrsmittel. Er führt von den Marolles (quasi das Kreuzberg Brüssels) hoch zum Justizpalast. Auch dieses Bild ist von Wikipedia.
Wer nun Hunger bekommen hat, dem kann ich helfen. Diät halten in Brüssel muss echt schwer sein, die belgische Küche hat ihren Ruf nicht von ungefähr.
Mit Käse überbackene Muscheln sind übrigens nicht zu empfehlen. Da kann man die Muscheln geschmacklich auch einfach weglassen. Aber die Frites waren gigantisch.
Neben
Moules Frites sind auch die
Gaufres (Waffeln) zu empfehlen. Die gibt es fast an jeder Straßenecke. Rechts übrigens noch mal der Königspalast.
Danke fürs virtuelle Mitkommen, auch wenn es letztendlich recht oberflächlich ausgefallen ist. Reiseführer ist halt ein verdammt anstrengender Job und die Bilder nur Nebenprodukt. Falls ich (ggf. auch im Straßenbahnforum) einen Brüssel-Beitrag übersehen habe, bitte ich um Nachsicht.
Mir hat die Stadt jedenfalls sehr gut gefallen, ich würde auch jederzeit noch mal hinfahren. Der Verzicht aufs Auto fiel nicht schwer, der MIV in Brüssel wirkt tatsächlich ziemlich katastrophal.
Ach so, noch eine Hotelempfehlung: wir waren im Novotel Bruxelles Midi. 200 m vom Bahnhof weg, relativ neu, sauber und bezahlbar. Die Zimmer mit den ungeraden Nummern gehen nach hinten raus, das ist von Vorteil.
Viele Grüße, Max
EDIT: Korrekturen von Rian eingearbeitet, danke dafür!
Auch dank des Forums bin ich ein bisschen in Europa herumgekommen. Damit ihr auch etwas davon habt:
Meine Reiseberichte
3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2024:07:24:22:08:49.