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[CZ] Ihr seid schuld! Teil 4: Auf nach Prag!

geschrieben von: l0wside

Datum: 25.07.22 11:48

Liebe Mitforisten,

wie in Teil 1, Teil 2 und Teil 3 beschrieben, war ich nach Pfingsten mit den Kindern per Bahn im Krkonoše unterwegs. Da Prag mehr oder weniger auf dem Rückweg lag, wollte ich als Kontrast zu unserem doch sehr ländlichen Urlaubsort noch wenigstens einen Tag v Praze verbringen und dem Nachwuchs wenigstens einen kleinen Eindruck der Goldenen Stadt zu geben.

Anmerkung zu den Bildern
Ich habe eine Familienreise mit Kindern gemacht. Es sind dabei auch einige bahnbezogene Fotos entstanden. Insgesamt ist das aber ein Reisebericht und kein Ergebnis einer Bahnfotografier-Reise. Die Anzahl der galerietauglichen Fotos ist, wie von mir gewohnt, exakt Null - das können andere wesentlich besser als ich.

Anmerkung zu den Ortsnamen
Ich habe konsequent die tschechischen Namen verwendet - das sind die, die wir im Alltag erlebt haben. Ausnahmen bestätigen die Regel :)


Um von Harrachov in die Hauptstadt zu kommen, gab es zwei realistische Möglichkeiten: per Bus (2 Stunden) oder per Bahn (4 Stunden). Das Votum der Kinder war eindeutig, kein "Beförderungsmittel unterster Schublade". Also eine Gondeltour über tschechische Nebenbahnen, was mir gar nicht so unrecht war. Auch ich fahre lieber Zug. Also so:
Harrachov . . ab 9.57 Os 2653 (CD)
Tanvald . . . an 10.23
. . . . . . . ab 10.27 Os 26207 (Arriva)
Železný Brod .an 10.53
. . . . . . . ab 10.57 R1067 (Arriva)
Stará Paka. . an 11.25
. . . . . . . ab 11.30 Sp 1808 (CD)
Chlumec n.C . an 12.25
. . . . . . . ab 12.28 R 928
Praha hl.n. . an 13.46


Auf einer Karte sieht das so aus:
https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213090021-8d2d519f.jpg
Ein bisschen mit der Kirche ums Dorf ist das ja schon, kein Wunder ist der Bus wesentlich schneller.

Die Fahrer des Ortsbusses hatten immer lieber auf mein Geld verzichtet als sich mit mir unterhalten zu müssen. Umso stolzer war ich, diesmal dem Busfahrer Fahrkarten entlocken zu können. Leider habe ich seither wohl meinen Geldbeutel aufgeräumt - aber fürchterlich interessant sind die Kassenzettel-Teile nun auch nicht. Wir landeten also mal wieder am altbekannten Kreuzungsbahnhof Harrachov.

https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213085929-d8006530.jpg
Bild 52: Selbst mich stört die Beleuchtung an diesem Bild, und ich bin nicht anspruchsvoll. Man nehme dafür zur Kenntnis, dass die CD in Anbetracht des nahenden Wochenendes eine Doppeltraktion geschickt hat.
Interessanter als die wohlbekannten RegioShuttle sind die Tücher auf den Schwellen. Wozu dient das? Schutz vor Schotterflug? Bei den gefahrenen Geschwindigkeiten nur mäßig plausibel.

Die Fahrt über die Zubačka war eher von "darf ich einen Film schauen", "bekomme ich was zu trinken" usw. geprägt - wobei ich zugeben muss, dass der Blick aus dem Fenster meistens entweder Tannen oder Tunnelinnenseite zeigte. Von außen ist die Strecke vermutlich spektakulärer als aus dem Zug. Eine Führerstandsmitfahrt (allerdings in Gegenrichtung und im Winter) gibt es unter [youtu.be].

Da wir alle 30 bis 60 Minuten einen Umstieg eingebaut hatten, wurde es auch nicht allzu langweilig. Wir testen mal den ersten Umstieg in Tanvald. Bei der Einfahrt nach Tanvald hatte ich den Eindruck, dass es hier mal eine Menge Industrie gab, von der nur noch Ruinen übrig sind. Aber das kann natürlich täuschen.

https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213085927-ae8a8065.jpg
Bild 53: Taktknoten an tschechischem Landbahnhof. Ganz links (neben dem Zaun) vermutlich der SEV nach Smržovka plus zwei weitere Busse, dann ein 628 (oder 845?) mit unbekanntem Ziel, dann der Desiro in DB-Rot als unser Arriva-Zug nach Železný Brod. Nach Železný Brod sind es übrigens 26 Minuten für 17 km.

https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213085927-32853968.jpg
Bild 54: Dass das Tschechien ist, merkt man tatsächlich nur an der Sprache des Plakats. Und natürlich am Vorhandensein eines Zugbegleiters.

An den Umstieg in Železný Brod erinnere ich mich nicht, wohl aber an das Gefährt, das hier als Rychlik (Schnellzug) unterwegs war. Leider weiß ich nicht, was "Wanderdüne" auf Tschechisch heißt, aber wir bekamen doch tatsächlich einen 628 (oder 845?) serviert, ebenfalls von Arriva. Die Zugehörigkeit zum DB-Konzern war nicht nur an der Lackierung (hat man hier Reste der Türkis-Phase von Regio aufgebraucht?), sondern insbesondere am Sauberkeitszustand zu merken. Während die CD eigentlich immer saubere Züge hatte, kam ich nicht umhin, den 628 aus dieser Perspektive von innen zu verewigen:
https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213090017-83a95171.jpg
Bild 55: DB-Konzern und Sauberkeit. Sah aus, wie von DB Regio rund um Stuttgart gewohnt - alles jenseits von Durchfeudeln und Müll einsammeln ist schon schwere Instandhaltung.

https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213090018-931f322c.jpg
Bild 56: Der stillgelegte Zielanzeiger wurde pragmatisch durch ein laminiertes Stück Papier ersetzt. Tut natürlich auch, ist für den 628-Gewohnten aber erst mal schwierig zu entdecken. Um nicht nur zu meckern: an dem heißen Tag war der bereitgestellte Wasserspender eine gute Idee.

Zum Abschluss der türkisen Phase blieb dann noch ein Geldbeutel im Zug liegen. Auf meine freundliche Mail bekam ich eine so prompte wie freundliche Antwort, ich möge doch meine Telefonnummer mitteilen. Seither ist Funkstille...vermutlich hat der neue Besitzer Gefallen daran gefunden. An Geld waren vielleicht 50 Kronen drin. Warum muss ich auf jeder Reise etwas verlieren?

https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213085920-2bc1a1c0.jpg
Bild 57: Tschechien, Landbahnhof, nächste Runde: Stará Paka. Im Hintergrund unser D 1067 (D wie duna - natürlich stand im Fahrplan R 1067) weiter nach Pardubice, der türkise Desiro ist vermutlich die Gegenleistung zu unserer Wanderdüne, für die Brotbüchse würde ich mal auf den kurzen Hüpfer nach Lomnice tippen. Auch hier sind die Tücher über den Schwellen befestigt.

War bisher die Auslastung mehr oder weniger ordentlich gewesen (irgendwo zwischen 30% und 60%), wurde es diesmal voll. Ich hatte ja leise auf eine Brotbüchse gehofft, aber da steht meine Jungfernfahrt nach wie vor aus. Wir bekamen dafür die tschechische Antwort auf den 628: einen 843.
https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213085925-95b17fb0.jpg
Bild 58: Warum Antwort auf den 628? Der 843 ist ein Dieseltriebzug ohne Klima mit öffenbaren Fenstern in Hochflur - allerdings jünger als selbst die 628.4. Im Zug war es rappelvoll, draußen war es heiß - dank geöffnetem Fenster und überschaubaren Geschwindigkeiten war es dann aber doch ganz angenehm.

In Nový Bydžov fand am Bahnhof noch irgendeine historische Show mit Bahnfahrzeugen und Waffen statt. Keine Ahnung, was das war - leider habe ich kein Bild gemacht und auch im Netz nichts dazu gefunden. Sah eher nach Jahrhundertwende aus, aber ich bin kein Experte für derartige Themen.

Der Umstieg in Chlumec war - wie alle anderen übrigens auch - quer über die Gleise. Wir hatten Verspätung, entsprechend war ich etwas unentspannt. Weil wir aber weder im Reich der DB noch bei den SBB sind, sondern im tendenziell etwas entschleunigteren tschechischen Bahnbetrieb, wartet der R auf uns. Für Bilder hat es aber nicht mehr gereicht. Es war gut, dass ich reserviert hatte, sonst hätten wir gestanden. Mit alleine wäre es recht egal gewesen, aber dem Nachwuchs nicht unbedingt.
Die nachträgliche Reservierung in der ČD-App war übrigens gar nicht so einfach. Letztendlich musste ich mir die Ticketnummer merken und in einer anderen Maske (der gleichen App) wieder eintippen, dann bekam ich auch die Reservierung. Komisch, sonst ist die App eigentlich ziemlich gut designt.

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https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213090026-bf301bef.jpg
Bild 59: Wirklich schwer ist ja nicht zu erraten, wo wir nun sind. Vor 10.00 Uhr kann man sogar noch über die Karlův most laufen, ohne totgetreten zu werden.

Untergebracht waren wir in Smíchov, quasi die Schäl Sick, das Bad Cannstatt oder das Harburg Prags (meinetwegen auch Rive Gauche, was sogar inhaltlich stimmt). So lange man sich nicht gerade auf den Busbahnhof verirrt, ist das ziemlich schick geworden. Allerdings ist Prag auch preislich definitiv auf westeuropäischem Niveau. Die Pizzeriabetreiber konnte ich mit "Parlate italiano?" übrigens prima aus der Fassung bringen ;)
Um die Ecke unserer Unterkunft war das Novy Smíchov, ein riesiges Einkaufszentrum, was bei unserer Versorgung durchaus hilfreich war. Was ich bei der Reise unter anderem gelernt habe, ist, dass alle Lexikoneinträge zu "Potraviny" falsch sind. Im Lexikon steht "Lebensmittel". Richtig wäre "Alkohol- und Zigarettenladen mit alibimäßigem Lebensmittelangebot und mit vietnamesischem Betreiber".

Der Reichtum und die Schönheit Prags sind gigantisch, und ich hätte problemlos eine ganze Woche dort zubringen können. Allerdings machten uns zwei Dinge einen Strich durch die Rechnung: es war kochend heiß, und man wurde von Touristen mehr oder weniger überrannt. Der Hüftschuss im Veitsdom muss pars pro toto reichen:
https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213085829-64494af6.jpg
Bild 60: Touristen in übergroßer Menge. Mit den Touristen ist es wie mit dem Stau: jeder regt sich darüber auf, ist aber selbst Bestandteil des Problems. Die letzte Kirchenbesichtigung, bei der es dermaßen voll war, hatte ich auf dem Mont St. Michel.

Weiter noch ein paar lose Beobachtungen und natürlich Straßenbahnen in Prag. Empfehlen kann ich übrigens die Dachterrasse der Lucerna-Passage - erst geht man unter dem Wenzel auf dem überkopf hängenden Pferd durch, dann kann man mit dem Paternoster hochfahren, und mit Glück ist die Dachbar in Betrieb. Den Tipp habe ich mehrfach gelesen, trotzdem waren wir die einzigen Nicht-Tschechen oben.
Für Empfehlungen in Prag immer gut ist übrigens der Honest Guide auf YouTube. Das Blog hier [hierdadort.de] hat mich zur nächsten Reiseidee inspiriert, aber dafür muss ich erst mal die Zeit finden.

https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213090025-35337c3b.jpg
Bild 61: Metro Prag, hier an unserer Heimatstation Anděl. Die Metro-Stationen sind eigentlich ganz schick geraten (wenn ich da an Rom oder Mailand denke...), und im Gegensatz zu meinem letzten Besuch 1990 kann ich nun auch die bekannte Ansage "Ukončete, prosím, výstup a nástup, dveře se zavírají" nicht nur mitsprechen, sondern auch verstehen. 1990 gab es aber noch kein prosim.

Über den Gleisen hängt etwas, was wie Fahrdraht aussieht, aber definitiv keiner ist. Kann mir jemand verraten, was das darstellen soll? Ein Stromabnehmer daran würde sofort beschädigt.

Vor einer Weile war hier im Forum gefragt worden, wo denn noch Nadeldrucker im Einsatz seien. Für Prag kann ich das definitiv bestätigen. Am ersten Tag habe ich etwas zu großzügig Fahrkarten gekauft, die Kinder fahren eh kostenlos. Bei 60 Kc aber verschmerzbar.
https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213090026-d33b97ce.jpg
Bild 62: Nadeldrucker im Einsatz. Die Tageskarte ist in etwa so teuer wie in Stuttgart.

Hatte ich schon erwähnt, dass es heiß war? Bis zu einem Punkt, wo beide Kinder sich weigerten, das Hotel zu verlassen. Ich war etwas enttäuscht, aber nachvollziehbar war es.
https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213090024-3b3e0ef9.jpg
Bild 63: Immerhin tut die Stadtverwaltung was. Sie schickt Sprengwagen durch die Gegend und kühlt damit - ja was eigentlich? Hier vermutlich die Gleise. Andere Exemplare haben eher eine Dusche in der Breite verteilt. Der Effekt war überschaubar, aber insbesondere mein Sohn fand es toll.

https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213085921-1c204a12.jpg
Bild 64: Tatra T3 (vermute ich mal) in Smíchov. Im Hintergrund das gigantische Einkaufszentrum Novy Smíchov.

https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213090024-b7e65748.jpg
Bild 65: Einen Touri-Hotspot müsst ihr noch aushalten. Tančící dům, das Tanzende Haus. Mir war bisher gar nicht bewusst, dass das fast direkt an der Moldau steht. Der Grünstreifen davor ist komplett niedergetrampelt, damit auch ja jeder das beste Foto macht.
Da macht man sich schon seine Gedanken, was der Tourismus eigentlich mit der Stadt anrichtet. Wenn alles überfüllt ist, überall Touris im Weg herumstehen (oder Schlimmeres), die Preise in den Restaurants durch die ganzen zahlungskräftigen Besucher steigen und man keine Wohnungen mehr bekommt, weil alles per AirBnB vermietet wird, kann man sich schon fragen, wem der ganze Touristenrummel eigentlich nutzt. Und ja, natürlich waren wir hier Teil des Problems.

https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213085914-ed5d5fd4.jpg
Bild 66: Ich war zwar noch nie in San Francisco, musste aber beim Anblick dieses Gefährts an die Cable Cars dort denken. Ist aber (wie auch der selbstbewussten Anschrift zu entnehmen) ein tschechisches Gefährt, vermutlich aus den Zwanzigern. Weiß jemand Genaueres? Selbst die tschechische Wikipedia-Seite ist diesbezüglich ziemlich dünn.

https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213085917-8c4b1beb.jpg
Bild 67: Der Wenzelsplatz - kein schönes Foto, aber man erahnt die Dimensionen des gigantischen Platzes. In der Mitte zwei alte Straßenbahnen, die heute als Café dienen, wenn ich mich recht erinnere. Könnte der gleiche Typ wie der 2172 oben sein, aber da fehlt mir die Kompetenz.

https://bilder.familie-gauger.de/upload/2023/12/13/20231213085920-34cdabb0.jpg
Bild 68: Der 8271 zeigt seinen Tatra-Hintern, während ihm der niederflurige 9341 entgegenkommt. Das müsste ein Škoda 15 T sein. Die Fahrzeuge sind mir nur insofern in Erinnerung geblieben, als die Klimaanlage funktionierte. Das war bei unserem Aufenthalt dort ein relevantes Kriterium.

Über die Rückfahrt nach Stuttgart habe ich mich hier schon ausgelassen, insofern spare ich mir das. Ich hätte gerne noch viel mehr aus der Goldenen Stadt zu berichten gehabt, aber die mangelnde Zeit, die Hitze, die Touristenmassen und die irgendwann sehr überschaubare Motivation der Kinder haben mehr nicht zugelassen. Im Nachhinein hätte ich mir den Besuch wahrscheinlich besser gespart, dann wären wir entspannter zurückgekommen. Vielleicht schaffe ich ja mal ein verlängertes Wochenende dort, dann aber zu einer Zeit mit weniger Rummel und Hitze.

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Fazit
Als Bahnland habe ich Tschechien als sehr positiv erlebt, ein bisschen wie eine gemütlichere Ausgabe der Schweiz. Insbesondere die ČD haben ihre Züge einwandfrei in Schuss, und trotz diverser kleinerer Verspätungen unterwegs haben wir nicht einen Anschluss verpasst. Und Můj vlak (die App der ČD) ist zum einen nahezu perfekt eingedeutscht, zum anderen habe ich sie als benutzerfreundlicher als den DB Navigator empfunden. Mit kleinen Ausnahmen, siehe oben.
Und zum Land insgesamt: nachdem ich 20 Jahre nicht mehr dort gewesen war, kann ich nur sagen: Hut ab davor, wie die Tschechen ihr Land seit dem Ende des Sozialismus renoviert und vorangebracht haben. Es gibt sicher auch Ecken, die man nicht gesehen haben muss, aber an denen kamen wir nicht vorbei. Ich werde sicher wiederkommen, fragt sich nur, wann ich die Zeit dafür finde. Ob ich die Kinder noch mal zu einer Reise nach Prag überreden kann, ist fraglich - aber auch so gehen uns die Reiseziele nicht so schnell aus.

Preislich sind die Zeiten, als Tschechien ein billiges Reiseland war, vorbei. Das Preisniveau ist, wenn man nicht in Prag ist, immer noch unterhalb des aus Westeuropa Gewohnten. Der Unterschied ist aber eher bei 20%-30%, nicht mehr aus unserer Sicht lächerlich billig. Für das Land ist das aber etwas Gutes, sonst hätte sich kein Wohlstand entwickeln können. Letzte Woche war ich noch in Budweis (nicht per Bahn), dort haben die Firmen wohl Probleme, genügend Leute zu finden.

Zur Sprache: mit ein Ziel war ja, meine theoretischen Sprachkenntnisse mal an die Frau und den Mann zu bringen. Mit irgendwas um die 500 Wörter kommt man nicht sonderlich weit (ganz wichtig: Prominte, nerozumim heißt "Tut mir leid, ich verstehe nichts"). Gemerkt habe ich dann, dass das reine Vokabellernen nicht reicht. Während die Konjugation der Verben mindestens im Präsens keine größeren Geheimnisse birgt, sind die Deklinationen der Nomen der reine Horror. Wer glaubt, dass Französisch zum Schüler ärgern erfunden wurde, hat sich nie mit Tschechisch beschäftigt. Allerdings hat das eher meinen Ehrgeiz geweckt. Mal sehen, wie weit ich noch komme. Für verwirrte Blicke kann man mit "ich lerne freiwillig Tschechisch" jedenfalls prima sorgen.


Danke an alle, die bis hier durchgehalten haben!



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2024:07:24:23:03:59.

Re: [CZ] Ihr seid schuld! Teil 4: Auf nach Prag!

geschrieben von: granitschädel

Datum: 25.07.22 12:46

Hallo!

Die Stoffbahnen zwischen den Gleisen dienen wohl der Aufnahme von Betriebsflüssigkeiten.
Bild 61: Die Leitung dient meines Wissens der Telekommunikation, quasi ein Telefonkabel
Bild 64: Das ist ein T3, allerdings mit modernem Wagenkasten,sieht also nur alt aus. Zudem ein T3PLF "Wana=Wanne", wegen des Niederflureinstieges in der Mitte.
Bild 66: Ringhoffer-Tatra, von 1928

Für Prag reicht noch nicht einmal eine Woche, um sich alles herausragend Interessante anzusehen, zudem gibt es im Umland auch noch viele Burgen und andere schöne Orte. (Zum Glück wohne ich so nah dran, dass sich ein Tagesausflug lohnt). Der Prager Semmering und die Bahnstrecke durch das Sázavatal (tlw. mit alten Doppelstockwagen und Bardotka) sind zu empfehlen. Tschüss
Der granitschädel



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2022:07:25:12:55:51.

Re: [CZ] Ihr seid schuld! Teil 4: Auf nach Prag!

geschrieben von: richardF

Datum: 25.07.22 14:25

Danke. Das hat mir alles gefallen. Irgendwann fahren wir wieder nach Prag und CZ.

Bild 64. Ist das nicht Andel?

MfG Richard

Zu den Ortsnamen

geschrieben von: Bahnhofsvorstand

Datum: 25.07.22 15:07

Vielleicht wäre es doch noch besser gewesen, neben den tschechischen Ortsnamen auch noch die deutschen (zumindest mit Querstrich) hinzuzufügen.

In Deutschland haben wir so viel heimatvertriebene Sudetendeutsche und ihre Nachfahren. Mit den tschechischen Ortsbezeichnungen können diese meistens nicht so viel anfangen bzw. haben die Mühe, diese den deutschen Ortsnamen zuzuordnen; viel informativer wären hier ergänzend wohl die - alten - deutschen Ortsnamen. Vielleicht nur beispielshaft aus der Heimat meiner Vorfahren z. B. Mankovice/Mankendorf, Odry/Odrau, Novi Jecin/Neutitschein, Bartosovice/Partschendorf, Studenka/Stauding, Opava/Troppau etc. etc.

Zu den Ortsnamen - Hinweis der Moderation

geschrieben von: Sören Heise (Mod)

Datum: 25.07.22 15:35

Moin.

Bahnhofsvorstand schrieb:
Vielleicht wäre es doch noch besser gewesen, neben den tschechischen Ortsnamen auch noch die deutschen (zumindest mit Querstrich) hinzuzufügen.

Ob sie das machen, entscheiden alle, die Beiträge schreiben, für sich. Entsprechende Diskussionen haben wir schon oft geführt, weshalb sie diesmal bitte ersatzlos ausfällt, danke! :-)

Und ein Dankeschön auch für den Reisebericht! Gab es einen Grund, dass ihr ab Železný Brod so gefahren seid und nicht nach Turnov und von dort per Schnellzug direkt nach Prag?

Viele Grüße
Sören

Re: [CZ] Ihr seid schuld! Teil 4: Auf nach Prag!

geschrieben von: tomx3

Datum: 25.07.22 18:48

Sehr schöner Bericht wieder, vielen Dank.

Den sich bewegenden Kafka-Kopf habt ihr nicht angesehen? :-)

l0wside schrieb:
Dass das Tschechien ist, merkt man tatsächlich nur an der Sprache des Plakats.
Und dann auch noch eines für ein grenzüberschreitendes Ticket. :-)


Zitat:
Zum Abschluss der türkisen Phase blieb dann noch ein Geldbeutel im Zug liegen.

An Geld waren vielleicht 50 Kronen drin.

Na, na. Das sind mindestens zwei gezapfte Biere oder fünf Toilettenbesuche. :-P

Zitat:
Was ich bei der Reise unter anderem gelernt habe, ist, dass alle Lexikoneinträge zu "Potraviny" falsch sind. Im Lexikon steht "Lebensmittel". Richtig wäre "Alkohol- und Zigarettenladen mit alibimäßigem Lebensmittelangebot und mit vietnamesischem Betreiber".

Kenne ich auch nur so. Ist (bis auf die meist viatnameischen Betreiber in CZ) quasi das Gegenstück zum polnischen "sklep spożywczy", wobei man bei dem neben dem gewohnten Alkohol- und Zigarettenangebot besonders in abgelegenen Orten auch noch überraschend über Bedienungstheken mit Wurst und Käse stolpern kann.

Zitat:

Die Metro-Stationen sind eigentlich ganz schick geraten (wenn ich da an Rom oder Mailand denke...), und im Gegensatz zu meinem letzten Besuch 1990 kann ich nun auch die bekannte Ansage "Ukončete, prosím, výstup a nástup, dveře se zavírají" nicht nur mitsprechen, sondern auch verstehen. 1990 gab es aber noch kein prosim.

Schön ist besonders, wenn du eine Station erwischt, die noch über Rolltreppen sowjetischer Bauart verfügen, da bist du mindestens doppelt so schnell die steilen Treppen oben bzw. unten.

Wo schon neuere Fahrtreppen eingebaut sind geht es gemächlich zu - EU-Richtlinien sollen wohl Neuzulassungen mit den Geschwindigkeiten nicht zulassen.


Zitat:
Vor einer Weile war hier im Forum gefragt worden, wo denn noch Nadeldrucker im Einsatz seien. Für Prag kann ich das definitiv bestätigen

In Ústí nad Labem und Liberec ebenso. Während das Design in Ústí dem der Prager Fahrkarten stark ähnelt bekommt man in Liberec einfach nur ein bedrucktes Stück weißes Papier (auf der Rückseite mit dem Logo der Verkehrsbetriebe).


Zitat:

Vielleicht schaffe ich ja mal ein verlängertes Wochenende dort, dann aber zu einer Zeit mit weniger Rummel und Hitze.

Zweiteres geht sicher, ersteres könnte schwierig werden. Selbst im November und Dezember kenne ich die Altstadt nur mit sich gegenseitig durch die Stadt schiebenen Touristenmengen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2022:07:25:19:57:18.

Re: [CZ] Ihr seid schuld! Teil 4: Auf nach Prag!

geschrieben von: EBA55413

Datum: 25.07.22 19:36

Ahoj und vielen Dank auch für diesen Teil des Berichtes. Zur geplanten Reiseverbindung Harrachov-Prag: soche knappen Umstiege würde ich in DE niemals wagen. Aber ich CZ selbst "erfahren " und weiß: "das kann man auf jeden Fall so machen ".
Zum Thema Reservierung in der ČD App. Es geht einfacher: eine Verbindung suchen und dann auf den Ticketpreis klicken. Im nächsten Schritt das eigentliche Ticket abwählen und nur das Extra der Reservierung auswählen. Dann bekommt man alleine die Reservierung. Man kann meistens (bei Inlandszügen) sogar aus den grafischen Wagengrundrissen ganz bequen direkt seinen bevorzugten Platz auswählen. Dann weiter zum Bezahlvorgang und man erwirbt nur die Reservierung. Das geht auch für mehrere Personen in einem Buchungsvorgang.
Liebe Grüße
Gunther.

P.S. Zum leidigen Ortsnamen- Thema.
Meine Mutter ist auch eine Sudetenland Vertriebene und "somit bin auch ICH" auch ein solcher Nachfahre. Dennoch: Mir persönlich sind alleine die heutigen CZ Namen wichtig, da ich mich dort in der heutige Zeit bewege und ich mich dort heute orientieren möchte.
Meine Mutter interssiert sich nicht für DSO
Ich halte diese "doppelte Namens-Schreiberei" bezüglich der guten Lesbarkeit, gerade bei längeren Textbeiträgen, für sehr nachteilig. Also bezüglich der Ortsnamen im Ursprungsbeitrag aus meiner Sicht alles richtig gemacht.

Es leben alle Völker, die sehnend warten auf den Tag, dass unter dieser Sonne die Welt dem alten Streit entsag! Frei sei dann jedermann,
nicht Feind, nur Nachbar mehr fortan!

(Text aus der slowenischen Hymne)

Re: [CZ] Ihr seid schuld! Teil 4: Auf nach Prag!

geschrieben von: 19FT1

Datum: 25.07.22 22:13

Hallo und vielen Dank für die Fotos,


zu den Wassersprengwagen habe ich noch eine Bemerkung; früher war es üblich (auch in der DDR in den Großstädten), dass im Hochsommer die Straßen mit derartigen Sprengwagen genässt wurden und das waren Skoda- Fahrzeuge. In Paris habe ich das auch in den 1990iger Jahren auch gesehen (aber da wurde gleichzeitig die Hundekacke weggespült). Ob es dazu zu einer Abkühlung kam, kann ich nicht belegen, aber mir vorstellen.

viele Grüße

Re: [CZ] Ihr seid schuld! Teil 4: Auf nach Prag!

geschrieben von: 1418

Datum: 25.07.22 22:34

Moin,
Zitat:
In Nový Bydžov fand am Bahnhof noch irgendeine historische Show mit Bahnfahrzeugen und Waffen statt. Keine Ahnung, was das war - leider habe ich kein Bild gemacht und auch im Netz nichts dazu gefunden. Sah eher nach Jahrhundertwende aus, aber ich bin kein Experte für derartige Themen.
Schau mal da: [www.csol.cz]
Unter dem Begriff "Legiovlak" sollte auch die Forensuche hier weiterhelfen, war vor einigen Wochen oder wenigen Monaten erst Thema (wohl im Bereich Karlovy Vary).

MfG 1418
Hallo,

vielen Dank für diesen vierteiligen Reisebericht! Gerade mit Kindern muss man ja die Prioritäten öfter mal anders setzen. Deshalb: Großen Respekt, was ihr da gemeinsam absolviert habt! Den Kindern scheint es insgesamt gefallen zu haben, vielleicht wächst da ein neuer Eisenbahnvirus heran? Der Grundstein für weitere Eisenbahntouren "in Familie" scheint gelegt zu sein...

Ich versuche ja auch immer, nicht eisenbahnaffine Menschen für dieses Verkehrsmittel zu begeistern, da ist Tschechien (oder die Slowakei) wirklich bestens geeignet (auf höherem Preisniveau natürlich auch die Schweiz).

Vielleicht klappt es auf der nächsten Tour ja mit Brotbüchsen ;-) Zum Nachschauen ist [sledovani.55p.cz] vielleicht hilfreich. BR 810 wäre dann das Objekt der Begierde.

Die grafischen Tageskarten der Fahrt sind Dir gut gelungen. Aber Du weißt jetzt sicher auch, welche Schweine-Arbeit dahinter steckt :-) Ich werde diesen Aufwand weiter betreiben, weil die grafische Darstellung den Fahrtverlauf deutlich transparenter macht. Und das jenseits irgendwelcher Diskussionen über deutsch/tschechisch/polnische Bezeichnungen der Orte/Bahnhöfe. Die ehemaligen deutschen Namen werde ich auch weiterhin parallel zur aktuellen Bezeichnung verwenden, wenn es sinnvoll ist.

Freundliche Grüße aus Leipzig von
Ralf

Meine Reiseberichte: [www.drehscheibe-online.de]
Danke für die wie immer zahlreichen Rückmeldungen. So macht das Schreiben Spaß!

In 8-10 Jahren sind die Kinder dann so groß, dass ich vielleicht mal ein paar Reiseziele länger ansteuern und von dort Homeoffice machen kann. Dann ist hoffentlich auch für Prag genug Zeit. Wobei Rom mich auch noch mal reizen würde. Bis dahin werden die diversen Reisen alle eher oberflächlich bleiben. Ist halt so.

richardF schrieb:
Zitat:
Bild 64. Ist das nicht Andel?
Genau, das ist Anděl - mit zwei Straßenbahn- und einer Metrohaltestelle ein recht großer Umsteigeknoten.

Sören Heise (Mod) schrieb:
Gab es einen Grund, dass ihr ab Železný Brod so gefahren seid und nicht nach Turnov und von dort per Schnellzug direkt nach Prag?
Ja: die CD-App hatte das so ausgeworfen. Tiefere Gedanken dazu hatte ich mir ehrlich gesagt nicht gemacht - für mich sind das alles im wahrsten Sinne des Wortes böhmische Dörfer.

tomx3 schrieb:
Den sich bewegenden Kafka-Kopf habt ihr nicht angesehen? :-)
Ach, wir haben es nicht mal zur Astronomischen Uhr am Altstädter Markt geschafft. Beziehungsweise erst am Sonntag um 8.00 Uhr. Der Tod ist in Prag aber erst ab 9.00 unterwegs ;)

tomx3 schrieb:
Schön ist besonders, wenn du eine Station erwischt, die noch über Rolltreppen sowjetischer Bauart verfügen, da bist du mindestens doppelt so schnell die steilen Treppen oben bzw. unten.
An die erinnere ich mich noch von meinem ersten Pragbesuch, da waren die noch aus Holz. Ein paar ziemlich fixe gibt es aber immer noch, ich habe mir aber nicht gemerkt, wo.

E 44 051 schrieb:
Den Kindern scheint es insgesamt gefallen zu haben, vielleicht wächst da ein neuer Eisenbahnvirus heran? Der Grundstein für weitere Eisenbahntouren "in Familie" scheint gelegt zu sein...
Ja, den Kindern hat es definitiv gefallen, das Problem war eigentlich nur die Affenhitze in Prag. Wir fahren auch diesmal mit dem Zug in den Familienurlaub, allerdings ist ein Elternteil dann fürs Auto mit dem Gepäck zuständig, die anderen drei Familienmitglieder nehmen den Zug. Wenn es einen benutzbaren Gepäckversand gäbe und der Anschluss in Bergen auf Rügen nicht eine Lachnummer wäre, wäre das Auto vielleicht auch dieses Jahr zu Hause geblieben. Auch Autoreisezüge sind ja leider Geschichte (wobei ich kein Liegewagenfan bin).
Bei der nächsten Tour mit Kindern muss ich dann schauen, wie ich einen Schlafwagen eingebaut bekomme. Von Prag nach Stuttgart wäre eigentlich eine perfekte Relation, leider gibt es einen solchen Zug nicht.
Moin,

danke für die Antwort auf meine Frage. Hätte ja sein können, dass es eine bewusste Wahl war, z. B. wegen Bauarbeiten.

Die Mischung für euren Sommerurlaub finde ich ganz praktisch. Die Kinder erleben schon was, lernen gleichzeitig weiter das Zugfahren. Sie quengeln im Auto nicht "Sind wir bald da?" und ausserdem habt ihr dann das Auto vor Ort.

Viele Grüße
Sören
l0wside schrieb:
In 8-10 Jahren sind die Kinder dann so groß, dass ich vielleicht mal ein paar Reiseziele länger ansteuern und von dort Homeoffice machen kann.

Ach, in dem Alter fahren Sie dann vielleicht mit dir freiwillig zum Haltepunkt Varnsdorf Pivovar Kochour.

Da stehen die Brotbüchsen direkt vor der Brauerei (und man kann im stationären Schlafwagen übernachten).

https://abload.de/img/img_20190314_161958alk6a.jpg


Zitat:
Ja: die CD-App hatte das so ausgeworfen.
Vermutlich war der App die Umstiegszeit zu gering. :-)

Sowas kenn ich von kurz vor der tschechischen Grenze: In Seifhennersdorf gibt es einen (offiziellen) Anschluss unter 2 Buslinien, die zur selben Minute im Fahrplan stehen. Das macht keine Fahrplan-App mit, das wird gar nicht erst angezeigt.

Zitat:
Wenn es einen benutzbaren Gepäckversand gäbe

Man liest hier öfter, Hermes würde sowas machen. Gab es nicht erst kürzlich einen Bericht hier, wo jemand sich sein Gepäck von Hermes an den kroatischen Campingplatz hat liefern lassen?



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2022:07:26:15:30:05.

Re: [CZ] Ihr seid schuld! Teil 4: Auf nach Prag!

geschrieben von: AAW

Datum: 27.07.22 01:05

l0wside schrieb:
[Harrachov] Man nehme dafür zur Kenntnis, dass die CD in Anbetracht des nahenden Wochenendes eine Doppeltraktion geschickt hat.
Das ist so selten nicht. Es konnten auch schon Dreierpacks gesehen werden.

Zitat:
Interessanter als die wohlbekannten RegioShuttle sind die Tücher auf den Schwellen. Wozu dient das?
Die sieht man in CZ in vielen Gleisen vorwiegend in Bereichen mit längerer Standzeit von Dieselfahrzeugen. Grund wurde ja schon genannt.

Zitat:
Bild 53: Taktknoten an tschechischem Landbahnhof. Ganz links (neben dem Zaun) vermutlich der SEV nach Smržovka plus zwei weitere Busse, dann ein 628 (oder 845?) mit unbekanntem Ziel, dann der Desiro in DB-Rot als unser Arriva-Zug nach Železný Brod. Nach Železný Brod sind es übrigens 26 Minuten für 17 km.
Der tschechisierte 628 fuhr als nächster Schnellzug von Tanvald nach Prag (anderthalb Stunden später). Mit dem wäret ihr aber gähnend langweilig ohne jeglichen weiteren Umstieg eine Stunde später in Prag gewesen.

Zitat:
Bild 57: Tschechien, Landbahnhof, nächste Runde: Stará Paka. ..., der türkise Desiro ist vermutlich die Gegenleistung zu unserer Wanderdüne, ... Auch hier sind die Tücher über den Schwellen befestigt.
Da die Schnellzüge dort nicht kreuzen, war der Desiro der Bummelzug nach Liberec (aber dennoch Gegenzug).

Zitat:
In Nový Bydžov fand am Bahnhof noch irgendeine historische Show mit Bahnfahrzeugen und Waffen statt. Keine Ahnung, was das war - leider habe ich kein Bild gemacht und auch im Netz nichts dazu gefunden. Sah eher nach Jahrhundertwende aus, aber ich bin kein Experte für derartige Themen.
Auf der Seite der Stadt gibt's das Plakat dazu:
https://www.novybydzov.cz/assets/Image.ashx?id_org=10716&id_obrazky=63158

Zitat:
Bild 63: Immerhin tut die Stadtverwaltung was. Sie schickt Sprengwagen durch die Gegend und kühlt damit - ja was eigentlich? Hier vermutlich die Gleise. Andere Exemplare haben eher eine Dusche in der Breite verteilt. Der Effekt war überschaubar, aber insbesondere mein Sohn fand es toll.
Ist es nur das Abkühlen? Oder soll so auch der trockene Straßen-/Feinstaub befeuchtet und gebunden werden? Ich weiß es nicht ...

Zitat:
Bild 64: Tatra T3 (vermute ich mal) in Smíchov. Im Hintergrund das gigantische Einkaufszentrum Novy Smíchov.
Das paßt, wurden die T3-Urahnen dieser Wanne (aka T3R.PLF) doch ebendort hergestellt ...

Zitat:
Bild 66: Ich war zwar noch nie in San Francisco, musste aber beim Anblick dieses Gefährts an die Cable Cars dort denken. Ist aber (wie auch der selbstbewussten Anschrift zu entnehmen) ein tschechisches Gefährt, vermutlich aus den Zwanzigern. Weiß jemand Genaueres? Selbst die tschechische Wikipedia-Seite ist diesbezüglich ziemlich dünn.
Die Ringhofferwagen sahen über mehrere Jahrzehnte ziemlich ähnlich aus. Details zu dem Wagen wurden ja schon genannt. Nostalgie-Ringlinie 42 übrigens.

Zitat:
Bild 67: Der Wenzelsplatz ... In der Mitte zwei alte Straßenbahnen, die heute als Café dienen, wenn ich mich recht erinnere. Könnte der gleiche Typ wie der 2172 oben sein, aber da fehlt mir die Kompetenz.
Das Ensemble des "Café Tramvaj" besteht aus einem Ringhoffer-Triebwagen und einem "Mitteleinstiegsbeiwagen":
20220630 DSC_0648-kl3.jpg
Von der Pflasterung her könnte man meinen, daß sich dort tatsächlich eine schmale frühere Haltestelleninsel befand ...

Zitat:
... Das müsste ein Škoda 15 T sein. Die Fahrzeuge sind mir nur insofern in Erinnerung geblieben, als die Klimaanlage funktionierte.
Wobei nicht alle 15T klimatisiert sind - m.W. nur die zweite Hälfte der 250 gelieferten "Klapperschlangen".

Zitat:
Preislich sind die Zeiten, als Tschechien ein billiges Reiseland war, vorbei. Das Preisniveau ist, wenn man nicht in Prag ist, immer noch unterhalb des aus Westeuropa Gewohnten. Der Unterschied ist aber eher bei 20%-30%, nicht mehr aus unserer Sicht lächerlich billig. Für das Land ist das aber etwas Gutes, sonst hätte sich kein Wohlstand entwickeln können. Letzte Woche war ich noch in Budweis (nicht per Bahn), dort haben die Firmen wohl Probleme, genügend Leute zu finden.
Wenn man in Relation setzt, daß Prag eine der (einkommens-)reichsten Städte (die Einkommensspreizung dürfte ähnlich enorm sein) der EU ist, empfinde ich das Preisniveau nicht abgehoben - eher moderat.

Zitat:
Danke an alle, die bis hier durchgehalten haben!
Danke für den Bericht ... ;-)



tomx3
Zitat:
Zum Abschluss der türkisen Phase blieb dann noch ein Geldbeutel im Zug liegen.
An Geld waren vielleicht 50 Kronen drin.
Na, na. Das sind mindestens zwei gezapfte Biere oder fünf Toilettenbesuche. :-P
2 Bier dafür dürfte in Prag mittlerweile schwierig werden. 5 Klogänge in U-Bahnhöfen (den dortigen Bedprfnisanstalten wohlgemerkt) bekommt man noch, aber im Bahnhof (egal ob Hbf oder Masaryk) nur halb so viele .. ;-)



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2022:07:27:01:22:49.

Re: [CZ] Ihr seid schuld! Teil 4: Auf nach Prag!

geschrieben von: jazzkosch

Datum: 27.07.22 14:55

Gruß ahoj!

Danke für dieses echt nett und kurzweilig verfasstes Bildbericht!
Auch die Ausführungen zur modernen sustainability of tourism fand ich schön - Prag ist ja davon im größten Maße betroffen, und Budapest holt gerade mit Volldampf auf...
Zitat
Bild 61: ...Über den Gleisen hängt etwas, was wie Fahrdraht aussieht, aber definitiv keiner ist. Kann mir jemand verraten, was das darstellen soll? Ein Stromabnehmer daran würde sofort beschädigt.
Das ist der Linienleiter für den KW/UKW-Zugfunk. Irgendwie muss man die Trägerfrequenzen durch die Röhren schieben - von sich aus wollen sie´s meist nicht.
Im Gleisbereich sollten noch zwei weitere Linienleiter liegen, welche die lokale ATO TrainSWing LZA mit Daten versorgen.

Zitat
Bild 54: Dass das Tschechien ist, merkt man tatsächlich nur an der Sprache des Plakats. Und natürlich am Vorhandensein eines Zugbegleiters.

Leider weiß ich nicht, was "Wanderdüne" auf Tschechisch heißt, aber wir bekamen doch tatsächlich einen 628 (oder 845?) serviert, ebenfalls von Arriva. Die Zugehörigkeit zum DB-Konzern war nicht nur an der Lackierung (hat man hier Reste der Türkis-Phase von Regio aufgebraucht?), sondern insbesondere am Sauberkeitszustand zu merken. Während die CD eigentlich immer saubere Züge hatte, kam ich nicht umhin, den 628 aus dieser Perspektive von innen zu verewigen:
Hier habe ich ein wenig überlegen müssen, und meine, es ist etwas durcheinander gekommen, denn sichtbar ist eine astreine Desiro-Decke :)

Die AusWanderdünen, welche innen türkis sind, habe ich noch als recht frisch und aufgeräumt in Erinnerung, da die behutsame Modernisierung für den Fernverkehrsbetrieb nicht allzulange zurück liegt. Nur mit der Farbe ist es wirklich ultra-penetrant. Ein Glück, dass DB Regio sein Außen-CI nicht noch innen konsequent anwendet!

Viele Grüße, tk
https://iili.io/Khf75Xt.png




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2022:07:27:14:56:24.
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