Liebe Mitforisten,
wie in
Teil 1 und
Teil 2 beschrieben, war ich nach Pfingsten mit den Kindern per Bahn im Krkonoše unterwegs. Nach einem höchst mageren Bahnanteil beim letzten Mal wird es diesmal wieder mehr.
Vielen Dank übrigens für eure netten und positiven Rückmeldungen! So macht es wirklich Spaß, Reiseberichte zu schreiben.
Anmerkung zu den Bildern
Ich habe eine Familienreise mit Kindern gemacht. Es sind dabei auch einige bahnbezogene Fotos entstanden. Insgesamt ist das aber ein Reisebericht und kein Ergebnis einer Bahnfotografier-Reise. Der
PKP-Faktor dürfte in diesem Beitrag vielleicht so auf 30 kommen, was für meine Verhältnisse sehr hoch ist. Die Anzahl der galerietauglichen Fotos ist, wie von mir gewohnt, exakt Null - das können andere wesentlich besser als ich.
Anmerkung zu den Ortsnamen
Ich habe konsequent die tschechischen Namen verwendet - das sind die, die wir im Alltag erlebt haben. Ausnahmen bestätigen die Regel :)
Damit niemand behauptet, wir hätten uns nur ungesund ernährt: es gab auch (durchaus essbaren) Salat. Der sah dann zum Beispiel so aus:
Bild 34: Gesundes Essen im Riesengebirge. So etwas gibt es!
Wer sich einen tschechischen Skiort nicht so recht vorstellen kann, bekommt hier einen Vorgeschmack.
Bild 35: Fleißiger Senior. Das Fahrzeug sah nicht aus, als sei es nur in historischer Mission unterwegs. Ganz rechts das spätsozialistische Skicentrum und die Sprungschanzen, davor die Reste eines abgebrannten und abgerissenen Hauses.
Dahinter dann die Möglichkeit, Geld in Neubauten zu investieren. Preise sind
hier leider keine zu finden, aber die Beispielfinanzierung spricht von 6 Mio. Kronen, das wären ca. 240.000 EUR. So weit zum Thema "Tschechien ist billig" - eine schnelle Recherche im Bayerischen Wald hinterlässt den Eindruck, als sei der bei Neubauten auch nicht teurer. Ob nun Zwiesel oder Harrachov attraktiver ist, darf jeder für sich entscheiden.
Mein Vorschlag, einen zweiten Versuch zur Elbquelle zu unternehmen und damit ein drittes Mal am Mumlavksý Vodopád vorbeizulaufen, wurde mit Zweidrittelmehrheit abgelehnt (und der Gegenvorschlag "Schwimmbadtag" per väterlichem Veto gekippt). Also in die Gegenrichtung: nach Kořenov. Die Tschechen und die Schwaben haben ja die Tendenz zur Verniedlichung gemeinsam. Das macht nicht mal vor Eisenbahnen Halt: die Zahnradbahn zwischen Tanvald und Kořenov nennt sich Zubačka, zu deutsch das Zähnchen. Als Stuttgarter übersetze ich das hemmungslos mit "Zacke". Den Begriff "Zackenbahn" gibt es an der gleichen Linie übrigens auch, aber erst im weiteren Verlauf auf ehemals deutscher Seite.
Also auf gen Westen, erst mal durch Harrachov quälen (mäßig attraktiv), dann am Bahnhof vorbei, weiter über die Jizera und durch den Wald nach Kořenov.
Bild 36: Eigentlich heißt der Bahnhof ja schon lange Harrachov, aber die zugehörige Siedlung Mýtiny. Immerhin steht nicht Tkacze oder gar Strickerhäuser dran. Bis 1958 war der Bahnhof noch polnisch.
Bild 37: Der Weg durch den Wald zum Bahnhof ist eigentlich ganz angenehm. Einen Koffer will ich hier aber definitiv nicht schleppen müssen.
Bild 38: Der Weg zum Bahnhof kann verwirrend sein. Viersprachige Verbotsschilder hat man auch nicht alle Tage, und zu den im Urlaub neu gelernten Vokabeln gehört jedenfalls
Zakázán.
Bild 39: Die Elisabeth-Hütte (Chata Elizabeth) scheint nicht mehr buchbar zu sein - vermutlich ist sie vor nicht allzu langer Zeit abgebrannt. Scheint in Harrachov ab und an vorzukommen, siehe oben.
Nach ein paar Kilometern durch den Wald (davon gibt es reichlich in der Gegend) kommt man dann nach Kořenov. Naja, jedenfalls so halbwegs - der Ortsteil ist vermutlich Polubny, und man muss dort nicht unbedingt gewesen sein.
Bild 40: Allerdings ist der Iserhof sehr schön renoviert, einschließlich der deutschen Beschriftung. Stand heute sieht er mehr nach privatem Wohnhaus aus.
Aber das war ja nicht unser Ziel, sondern der Bahnhof mit dem darin befindlichen Museum.
Bild 41: Beim Betrachten dieses Bildes habe ich mir überlegt, wie viele Minuspunkte das AWT dafür wohl vergeben hätte :)
Bild 42: Der ehemalige Bahnhof Polaun, heute Kořenov, ist für seine verkehrliche Bedeutung zwei Nummern zu groß. Er war mal Grenzbahnhof zwischen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich, dann zwischen der Tschechoslowakei und dem Deutschen Reich. Nach 1945 fuhr erst mal gar nichts, und dann ab 1963 nur noch Züge nach Harrachov. Bis 1945 endete hier auch die deutsche Fahrleitung, von der ich aber keinerlei Spuren mehr gefunden habe. Auf der anderen Seite ging es dann mit der Zahnradbahn weiter. Die Zahnschiene ist wohl noch da, gefahren wird im Regelbetrieb aber nur mit Reibung.
Der Hausbahnsteig sieht aus, als könnte er direkt ins Sozialismus-Museum. Gehalten wird aber an dem, was wir als Gleis 2 bezeichnen würden - mehr oder weniger eine Schüttung am Gleis. Für die Fans historischer Eisenbahnromantik nahezu perfekt. Für moderne Bahnsteige muss man eben eins weiter nach Harrachov.
Bild 43: Da die Bahn nicht nach den Kriterien von DB Netz minimalisiert wurde, findet hier auch noch Güterverkehr statt. Die Spuren der Holzverladung an der Ladestraße waren jedenfalls unverkennbar. Ob der Güterschuppen ganz hinten noch irgendeinen Zweck erfüllt, weiß ich nicht.
Bild 44: Das müsste, wenn ich richtig recherchiert habe, ein M 240 (heute 820) sein. Zahnrad haben die Fahrzeuge zwar wohl nicht, aber Mg-Bremse für die Steilstrecke. Das sind Beiwagen zu den M 240. Haben die auch Mg? Sinnvoll wäre es ja.
Gekommen waren wir aber für das kleine, sehr liebevoll gestaltete Museum. Die (ausführlichen) Texte waren zwar fast vollständig auf Deutsch übersetzt, wofür ich sehr dankbar war. Allerdings war auch die Dame an der Kasse darüber froh, dass ich ein paar Brocken Tschechisch zusammenbekam, denn sonst hätten wir Hände und Füße einsetzen müssen.
Meine Frage, ob ich Fotos machen dürfe, wurde freundlich bejaht. Sonst wäre der Beitrag hier auch schon zu Ende.
Bild 45: Der Nachwuchs-Fahrdienstleiter. Das Museum hat eine ziemlich große Sammlung, und ohne Kinder hätte ich noch wesentlich mehr Zeit dort verbracht. Was der braune Kasten links sein soll, weiß ich leider nicht.
Bild 46: Das Stellwerk scheint mir recht überschaubar zu sein -
es ist ein Gleisplan zu erahnen, der aber Kořenov nicht abbildet (zu Harrachov würde er passen) allerdings werden hier wohl nur die Signale gestellt und die Sicherheit über ein Schlüsselwerk hergestellt. Obenauf liegen Befehlsblöcke.
Es gab zeitweise Versuche, mit einem Düsentriebwerk aus einer Mig das winterliche Schneeräumen zu beschleunigen. Da dabei auch der Schotter geräumt wurde, hat man das wohl recht schnell wieder bleiben lassen. Die Winter scheinen recht schneereich zu sein, im Winter 1986/87 stürzte in Kořenov das Dach des Lokschuppens unter der Schneelast ein. Heute ist wohl die polnische Seite fürs Schneeräumen zuständig.
Bild 47: Ein Großteil des Museums besteht aus derartigen Text-/Bildtafeln, unten hängen dann die Übersetzungen. Für die Kinder leider eher mäßig spannend, für mich als interessierten Erwachsenen sehr informativ. Man kann halt nicht immer alles haben.
Bild 48: Auch wenn diese Materialsammlung etwas unorganisiert wirkt, ist das Museum sehr aufgeräumt. Das Lüfterrad ist beeindruckend. Was die am Boden liegenden Klemmen und das Teil neben der Heizung (mit der Kurbel) sind, haben wir erfolglos gerätselt. Beschriftet war das nicht, der Bildschirm nicht in Betrieb.
Bild 49: Ganz stimmt meine Aussage nicht, dass es keine Spuren der Fahrleitung auf heute tschechischer Seite mehr gibt. Ein bisschen was ist noch übrig und hier recht hübsch dekoriert. Vermutlich haben das tschechische Eisenbahner in den 60ern bei der Renovierung der Bahnlinie gerettet und in einem dunklen Keller eingelagert. Der Rest, damals schon 50 Jahre alt, dürfte im Schrott gelandet sein -
die Elektrifizierung begann bereits 1911.
Bild 50: 2006
ist M240.021 abgebrannt (
weiterer Link). Der war wohl vorher vom BW Tanvald restauriert worden, dürfte in diesem Zustand dann aber schlicht auf dem Schrott gelandet sein. Ursache war wohl ein technischer Defekt.
Bild 51: Zum Abschluss noch eine Infotafel für die Freunde von
EdisonEdmondson-Fahrkarten.
Wer in der Gegend ist, dem kann ich
das kleine Museum nur empfehlen. Mindestens Freitag bis Sonntag ist es das ganze Jahr geöffnet, im Sommer täglich. Wer mag, kann wohl auch
im Lokschuppen historische Fahrzeuge besichtigen - darauf haben wir aber verzichtet.
Im
nächsten Teil geht es dann per Bahn nach Prag. "Papa, warum fotografierst du eigentlich die ganze Zeit Straßenbahnen?"...
6-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.08.25 17:10.