Liebe Mitforisten,
nachdem es in
Teil 1 darum ging, mit meinen beiden Kindern schienengebunden nach Harrachov zu kommen, sind wir heute vor Ort im Krkonoše (deutschsprachig unter dem Namen Riesengebirge bekannt). Warum wir dort gelandet sind, ist in Teil 1 dokumentiert. Es wird diesmal relativ wenig Eisenbahnbilder geben und nur leichte Andeutungen anderer spurgeführter Verkehrsmittel. In
Teil 3 wird es wieder besser, versprochen.
Anmerkung zu den Bildern
Ich habe eine Familienreise mit Kindern gemacht. Es sind dabei auch einige bahnbezogene Fotos entstanden. Insgesamt ist das aber ein Reisebericht und kein Ergebnis einer Bahnfotografier-Reise. Der
PKP-Faktor dürfte in diesem Beitrag noch deutlich unter 10 liegen. Die Anzahl der galerietauglichen Fotos ist, wie von mir gewohnt, exakt Null - das können andere wesentlich besser als ich.
Anmerkung zu den Ortsnamen
Ich habe konsequent die tschechischen bzw. polnischen Namen verwendet - das sind die, die wir im Alltag erlebt haben. Ausnahmen bestätigen die Regel :)
Wir haben recht schnell festgestellt, dass in Harrachov am Montagabend außerhalb der Saison ziemlich tote Hose ist. Laut diverser Onlinemedien geöffnete Restaurants gab es viele, tatsächlich geöffnete sehr wenige. Um die Ecke von der Pension gab es das Restaurant des
Hotel Centrum, das irgendwas richtig gemacht haben muss: die Kinder weigerten sich fortan, woanders essen zu gehen. Als Versöhnung zur etwas bescheidenen Svíčková aus dem letzten Beitrag deswegen noch zwei wesentlich böhmischere Portionen:
Bild 15: Knödel mit Heidelbeeren. Ich hatte mich zuerst gewundert, warum das dort auf jeder Speisekarte steht. Auf einer Wanderung haben wir dann entdeckt, wie viele Heidelbeeren dort im Wald wachsen und aufgehört, uns zu wundern.
Bild 16: Guláš s knedlíky - Gulasch mit Knödeln. Jegliches Vorurteil zur böhmischen Küche (große Portionen, viel Fleisch, eher wohlschmeckend als ausgewogen) ist hier bestätigt. Ich selbst war ab dem ersten Abend eigentlich permanent leicht überfressen.
An diesen Punkt passt die Beobachtung meiner Tochter: wenn Tschechen essen gehen, essen sie nicht einfach einen Gang. Nein, es gibt zum einen Polevka (Suppe) + Hauptgang + Nachtisch, zum anderen ist eine strenge Getränkeplanung einzuhalten: der Mann trinkt zwei Bier, die Frau eines. Ich habe mich zwischendrin gefragt, ob auch zu sozialistischen Zeiten die Fleischmengen wie heute waren oder ob man damals notgedrungen etwas bescheidener war.
An Sprachkenntnissen genügte initial übrigens "mlúvite němčinu nebo angličinu?" (sprechen Sie Deutsch oder Englisch?), die Kellnerin sprach recht gut Deutsch. Mein leiser Frust, alles umsonst gelernt zu haben, sollte sich aber nicht lange halten.
Wir waren nach der Formel "Wandern + Schwimmbad" dort, und so zogen wir morgens also erst mal los, den Ort erkunden. Es gibt im Grunde genau zwei sehenswerte Dinge in Harrachov: zum einen die stillgelegten Sprungschanzen, zum anderen den Mumlavský vodopád (Mummel-Wasserfall). Die Sklárna (Glashütte) dürfte eine Touristenfalle sein, im Bergwerksmuseum waren wir nicht (vielleicht sind es also doch drei). Nach etwas Umherirren und der Feststellung, dass Komoot nicht immer der Gipfel der Weisheit ist, haben wir die beiden Sehenswürdigkeiten doch noch abgehakt: [
www.komoot.de]
Bild 17: Zugang über das (etwas spätsozialistisch anmutende) Skicentrum Harrachov. Der Blick durch ein Gitter auf die ca. 15m tiefer fließende Mumlava ist schon etwas speziell.
Bild 18: Die Sprungschanzen von unten. In der Realität deutlich beeindruckender als auf dem Foto, ich will mir gar nicht vorstellen, da oben zu stehen und runter zu müssen. Das gelbbraune Gebäude links hat etwas von lost place. Die Seilbahn rechts ist noch in Betrieb, fuhr aber nur am Wochenende - da wir Montag bis Freitag da waren, für uns genau unpassend. Von diesem spurgeführten Verkehrsmittel habe ich deswegen keine weiteren Bilder.
Bild 19: Der Auslaufbereich, vom
lost place aus gesehen. In dem Gebäude saßen wohl die Schiedsrichter.
Nachdem der Nachwuchs sich darüber beschwerte, dass wir fast nur auf geteerten Wegen unterwegs waren, fand sich auf dem weiteren Weg zum Wasserfall dann doch noch etwas Zufriedenstellendes. Der Wasserfall ist nicht wahnsinnig spektakulär, aber doch sehenswert.
Bild 20: Mumlavský vodopád
Die touristische Erschließung des Wasserfalls ist recht extensiv. Vom Parkplatz dürften es ca. 600m zu laufen sein, selbstverständlich auf einem breiten, geteerten Weg. Wer das nicht schafft, kann sich mit einem Touristenbähnchen hochfahren lassen. Für die erschöpften Wanderer gibt es dann vor Ort gleich zwei Bauden (bewirtete Hütten), beide mit Souvenirverkauf. Entsprechend war es ganz gut voll, inklusive der obligatorischen Schulklasse auf Wandertag.
Bild 21: Baude am Mumlavský vodopád, mit Souvenirshop im Untergeschoss.
Ganz ohne Spurführung ging der Tag aber doch nicht zu Ende: wir waren noch auf der
Sommerrodelbahn. Die Fahrt war nett, allerdings haben wir uns über die
Preisgestaltung gewundert - in der Schweiz haben wir knapp die Hälfte gezahlt.
Der nächste Tag sollte etwas anspruchsvoller werden: eigentlich wollten wir zur Elbquelle laufen, haben uns dann aber doch auf die Vosecká bouda (Wosseckerbaude) beschränkt. Die liegt in Sichtweite der Grenze zu Polen, so dass wir über die Grenze weg via Polen und die Zackenbahn eine schöne Rundtour machen konnten. Leider hat Komoot die Aufzeichnung vorzeitig abgebrochen, warum auch immer. [
www.komoot.de]
Bild 22: Wanderweg nach dem Geschmack der Familie. Die Wegmarkierungen waren übrigens durchgehend (auf tschechischer wie auf polnischer Seite) hervorragend. Um falsch zu gehen, musste man schon die Augen zumachen.
Bild 23: Weit ist es nicht mehr bis zur Essens- und Flüssigkeitsaufnahme. Ein Wanderschild mit Preisen drauf habe ich aber, wenn ich mich recht erinnere, noch nie gesehen. Ob sie stimmen, haben wir aber nicht überprüft.
Bild 24: Von der
Vosecká bouda, einer ziemlich großen Baude (alpenländisch: Hütte) nahe des Bergkamms, habe ich leider kein Bild gemach - deswegen muss Wikipedia dafür herhalten. Man kann hier wohl auch übernachten.
Wie erhofft, gab es etwas zu essen und zu trinken. Vor allem Letzteres hatten wir dringend nötig. Die Dame hinter dem Selbstbedienungstresen war selbstverständlich zweisprachig: Tschechisch und Polnisch. Nachdem ich meine überschaubaren Tschechisch-Kenntnisse dann zum dritten Mal an ihr versucht hatte, wurde sie etwas freundlicher.
Wir kamen dann noch mit ein paar deutschen Wanderern aus dem sächsischen Grenzgebiet ins Gespräch. Abgesehen von ein paar Ecken, in denen Sorbisch unterrichtet wird, finden slawische Sprachen im deutschen Schulunterricht dort wohl nicht statt - und wenn, dann höchstens Russisch. Warum man in Sichtweite Polens und Tschechiens Französisch lernen muss, hat sich mir nicht erschlossen. Wenn ich mir überlege, wie man sich (nicht ganz ohne Erfolg) viele Jahre am Oberrhein Mühe gegeben hat, den deutschen Schülern Französisch und den elsässischen Deutsch beizubringen, um den Austausch über die Grenze zu erleichtern, frage ich mich, warum man dort nichts Ähnliches auf die Beine stellt. Im Jahr 31 nach Wegfall der Visumspflicht und 17 nach Wegfall der Grenzkontrollen wäre es doch nichts Verkehrtes, wenigstens die Grundlagen der Sprache des direkten Nachbarn zu kennen.
Bild 25: Die Bergwacht kam uns unterwegs auch noch entgegen. Für uns ein witziger Anblick, für die darauf transportierte Person sicher sehr hilfreich.
Bild 26: Schengengrenze, diesmal zu Fuß. Blick aus Polen nach Tschechien. Irgendwelche Uniformierten waren weit und breit nicht zu sehen.
Bild 27: Bauden können die Polen auch, hier scheinen sie "Schronisko" zu heißen.
Weiter ging es durch eine Sumpflandschaft, anfangs noch mit vollständigen Stegen, nach und nach dann mit immer abenteuerlicherem Wegzustand. Die Wegmarkierungen waren aber stets perfekt.
Bild 28: Am Anfang sah der Weg noch richtig gut aus, auch wenn ein paar der Latten schon etwas wackelten.
Bild 29: Zur Unterhaltung gab es die eine oder andere Steinformation. Wir hatten allerdings nicht sonderlich viel Muße, weil wir rechtzeitig an der Bahn in Jakuszyce sein mussten. Bei Zweistundentakt einen Zug zu verpassen wäre blöd gewesen.
Bild 30: Nicht alle Wegabschnitte waren so gut in Schuss wie der in Bild 28. Streckenweise war es recht abenteuerlich - die Kinder fanden es natürlich toll.
Der Weg ist ansonsten quasi nicht zu verpassen - an der
Schronisko Hala Szrenicka geht es von oben kommend links rein und dann immer geradeaus.
Bild 31: Heidelbeeren, fast so weit das Auge reicht. Das genügt für ein paar Knödel...
Als Belohnung fürs Durchhalten noch zwei Bahnbilder, bevor ich für heute Schluss mache.
Bild 32: Das hier hat mir fast einen Herzinfarkt beschert. Gelbe Schienenfahrzeuge halb neben dem Gleis sind hierzulande ein recht sicheres Indiz für SEV (und darauf hatte nach der Tour definitiv niemand mehr Lust). Allerdings war IDOS der festen Meinung, dass alles ganz regulär fahre. Dem war dann natürlich auch so - der (bis auf eine Hütte und eine Bahnsteigkante infrastrukturfreie) Bahnhof hat zwei Gleise - und es war nur das Überholgleis belegt. Wie die Weichen bedient werden, weiß ich nicht, tippe aber auf ortsbedient. Gekreuzt wird ja in Harrachov.
Bild 33: Teaser für den Folgebeitrag. Mit Zacke!
Danke fürs Dabeibleiben, trotz des minimalen Bahnanteils. Wie schon beim letzten Mal freue ich mich über Rückmeldungen und Kommentare.
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Teil 3]
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2024:07:24:22:05:12.