DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historisches Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Seiten: 1 2 All Angemeldet: -
Es gibt ein paar Fragen, mit denen ich mich schon eine ganze Weile beschäftige, ohne zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen. Mir wurde die sehr ernsthafte Frage gestellt, ob die Reichsbahn der DDR Dampfloks als Devisenbringer eingesetzt hat und ich wurde um Details und Recherche-Grundlagen gebeten.

Anfang der 19- Achtziger Jahre gab es plötzlich wieder vereinzelte Dampflok-Einsätze mit Personenzügen, die betrieblich nicht notwendig waren, da genügend moderne Loks zur Verfügung standen. Auch damals schon hielt sich hartnäckig das Gerücht, es seien DEVISENBRINGER, die DR habe also bewußt und in hohem Auftrage mehrere Loks am Leben erhalten, um Eisenbahnfans aus der ganzen Welt zu Reisen in die DDR zu animieren - Und "konvertierbare Währung" dort zu lassen.

Nach der Wende war nirgendwo zu lesen, ob dies wirklich der Hintergrund für 23 1113, 86 001 und 86 501 (und Andere) war oder ob es dafür vielleicht auch ganz andere Gründe gab.


Gibt es irgendwo belastbares Material zur Frage

Hat die DDR/DR Dampfloks zu Werbezwecken (Deviseneinnahmen) eingesetzt?

Gibt es Unterlagen/Informationen dazu?
Wo wäre ein Recherche-Ansatz zu finden?


Die drei Protagonisten, die immer wieder genannt wurden in diesem Zusammenhang:


https://up.picr.de/42783942pi.jpg
23 1113 (Decin 1981) vom Bw Nossen


https://up.picr.de/42783977zc.jpg
86 001 Schlettau- Crottendorf


https://up.picr.de/42786463sc.jpg
86 501 ebenfalls Schlettau- Crottendorf



Und dies war der Starzug in diesem Themen-Umfeld:

Der E944 Riesa- Dessau (-Magdeburg)



https://up.picr.de/42786465ae.jpg
23 1113 mit E944 nach Dessau
im Februar 1983 bei der Ausfahrt in Riesa


Ist hier Jemand, der Erhellendes dazu beitragen kann?


Vielen Dank im Voraus!


Dank für Euer Interesse

Re: ? DDR-Frage: Dampfloks als Devisenbringer ? (m4B)

geschrieben von: dtlwinkler

Datum: 07.01.22 19:43

Hallo, Hans,
ob es dazu "amtliche" Belege gibt, weiß ich nicht. Fakt ist, dass die DR ja durchaus eine sehenswerte Museumslokflotte hatte. Dass die natürlich nicht bloß dazu da war, gelegentlich für "lau" ein paar Züge für (nicht zahlende - weil eben nichts bezahlt wurde - Fans) zu fahren ist auch klar. Der Gedanke, dass man Sonderzüge mit zahlender Kundschaft aus dem nichtsozialistischen Wirtschaftssystem (und den entsprechenden Deviseneinnahmen) damit fahren konnte, spielte natürlich eine nicht unbedeutende Rolle und wurde auch so - wenigstens im Kleingedruckten - propagiert. Das uferte ja dann auch dazu aus, dass die 18 201 als ölgefeuerte Lok fast ausschließlich nur noch gegen Devisen im Einsatz war. Ansonsten kamen ja diese Loks ohnehin nur zu Sonderfahrten oder eben mal als Planbespannung z. B. bei Strecken- oder Bahnhofsjubiläen oder in seltenen Fällen zum Abfahren der Gewährleistung zum Einsatz, das war aber dann auch Abhängig vom Interesse und Wohlwollen der jeweiligen Direktionen bzw. Bw'en.
Bei den anderen Loks waren die Planeinsätze in den 80er Jahren ja eher dem Kraftstoffmangel geschuldet, wobei es natürlich auch hier Dienststellen gab, die gleich "hier" riefen und andere, die sich mit allen Mitteln dagegen wehrten. Das Bw Aue nahm eben seine 86er und ersetzte damit eine 110er und Nossen die 23 1113, die dann m. W. zwei 110er (oder war es eine 118?) ersetzte. Es wurden ja dann auch immer mal z. B. mit 86 049 Planzüge bespannt, ohne dass das groß publik gemacht wurde. Weder die noch 86 501 und 333 waren übrigens jemals Museums- oder Traditionsloks, das waren immer Betriebs- (tw. Heiz-)loks, die eben manchmal oder auch mal längere Zeit zum Zugdienst herangezogen wurden.

Also: natürlich wurden die betriebsfähigen Museumsloks (und ein paar andere) auch unter dem Aspekt "Deviseneinnahmen" betrieben, die planmäßigen Einsätze (wegen Mangel an Dieselkraftstoff) sind aber nicht unter diesem Aspekt zu sehen. Was sollte das auch bringen? Die paar Leute, die da kamen, werden kaum die Kosten mit den paar Mark Mindestumtausch und Versorgung (Essen, Hotel, Sprit) gedeckt haben

Wenn schon, dann wurden Sonderfahrten angeboten (meist irgendwelche Rundfahrten mit Rheingold-, "Orient-Express"- oder DB-Vorkriegsschnellzugwagen oder dem Zwickauer bzw. Veltener oder Erfurter Traditionszug), bespannt mit vielen dazu passenden oder nicht passenden Lokomotiven des Museums- und z. T. auch Betriebsparkes. Da gab es natürlich welche für Fans (dafür wurden zumindest Ende der 80er auch gelegentlich Planzüge mit Dampf bespannt), das meiste war aber - wie schon an den Wagen erkennbar, eher für gut betuchte Besucher, denen dann z. B. auch ein Besuch in der Semperoper in Dresden geboten wurde. Denen war es natürlich egal, was vorn dran hing, Hauptsache Dampf. Und die waren sicher auch bereit, "gutes Geld" zu zahlen.

Re: ? DDR-Frage: Dampfloks als Devisenbringer ? (m4B)

geschrieben von: oaf

Datum: 07.01.22 19:53

Hallo,

die DR hat in den achtziger Jahren in West-Berlin sog. Informationsfahrten durchgeführt, siehe z.B. hier:
[www.drehscheibe-online.de]
[www.drehscheibe-online.de]
[www.drehscheibe-online.de]
[www.drehscheibe-online.de]

Gruß
oaf

Allgemeines Devisenerbringen

geschrieben von: Alibizugpaar

Datum: 07.01.22 20:01

Der von Dir angesprochene Umstand würde sich jedenfalls sehr gut ins allgemeine Großbild einfügen, denn zur Devisenbeschaffung waren ja alle Wirtschaftszweige sehr streng angehalten. Von Industrieprodukten wie Chemie über Haushaltswaren und Kleidung, Kameras, Schallplattenspieler und Modellbahnen für West-Supermärkte. Die Lebensmittelversorgung und Müllentsorgung Westberlins. Das besonders auf Westtouristen ausgelegte Reiseangebot in Städte wie Dresden oder Potsdam, ins feine Neptun-Hotel Warnemünde oder Kreuzfahrten mit dem 'alten neuen' West-Traumschiff unter DDR-Flagge, das Reiseprogramm der Interflug ab Schönefeld mit Ikarus-Pendelbus ab Westberlin, Zugreisen ab Berlin Ostbahnhof z.B. nach Kopenhagen, die DM-Subventionen der Bundesrepublik zum Unterhalt der Transitautobahnen nach Westberlin (und trotzdem machten die Fahrbahnen das billige 'Kar-ton Kar-ton Kar-ton' Geräusch) und sehr vieles mehr wie die Intershops und der Genex-Katalog rauf und runter. Oder der heimliche Weiterverkauf von eigentlich für die DDR bestimmten sowjetischen Erdöl in die BRD, was der große rote Bruder aber schnell spitz bekam und daraufhin den Preis für die DDR erhöhte. Nicht zu vergessen der Mindestzwangsumtausch und natürlich der sehr beschämende Häftlings-Freikauf.

Money money money money money money...

Vielleicht gibt Dir diese Seite einen Hinweis: "Die Traditionspflege wurde bei der Reichsbahn sehr ernst genommen. So begann man frühzeitig damit, historisch wertvolle Lokomotiven für eine Museumskarriere aufzuheben. Später bemühte man sich, außer diesen von jeder Dampflokbaureihe ein Exemplar als Museumslok vorzuhalten. (...) Die DR selbst feierte die Strecken- oder Bahnhofsjubiläen gern mit Sonderzügen und Fahrzeugausstellungen, auch hier gab es jedes Jahr Anlässe. Schließlich merkte man, daß man mit Dampfsonderfahrten auch Eisenbahnfreunde aus dem Westen in die DDR locken konnte und damit Einnahmen in harter Währung erzielte. Bis heute profitieren wir von dem Traditionsbewußtsein der Reichsbahn, denn viele "Stars der Schiene" wären sonst längst den Weg alles alten Eisens gegangen."

[www.altmarkdampf.de]

Gruß, Olaf

(,“)
< />
_/\_

♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥
♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Zu dieser Zeit gab es auch in der DDR eine Öl-Krise!

geschrieben von: bw_halle_g

Datum: 07.01.22 20:02

Da hat man sich unter der Parole "Traktion mit Tradition" die Welt schön geredet. Das war auch die Zeit wo man als Lokomotivführer schnell mal zur politischen Erziehung auf der Heizer-Seite landete. So begeistert war der größte Teil der Lokomotivführer da nicht, wie das immer wieder gern dargestellt wurde. In manchen Dienststellen waren das regelrechte "Straf-Bataillone". Für die, die es traf, hatte das nichts romantisches. Allerdings haben die Lokpersonale in diesen Dienststellen die Einnahme-Quelle erkannt und auch genutzt (Siehe Saalfeld, etc.). Mancher blieb dann auch deswegen länger oder nur deswegen auf Dampf. Aber gewollt hat das eigentlich in den meisten Dienststellen keiner. Manche Dienststellen machten auch eine Art Bewährungszeit für Lokführeranwärter daraus.

Ich finde es es immer wieder traurig in der Rückschau, dass die DR sich selbst diesen altbackenen Nimbus des VEB "Dampflokomotive" verpasst hat. Dieses teilweise rückschrittliche Denken hat dazu geführt, das sie unsere Generation verloren haben. Und was noch schlimmer ist, dieser Geist schwebt noch heute zum Teil durch östliche Niederlassungen.

Wie relevant sind Schweizer Meinungen?

[www.spiegel.de]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.01.22 23:33.
So begeistert war der größte Teil der Lokomotivführer da nicht, wie das immer wieder gern dargestellt wurde.

Ja, ein DR-Dampflokführer hatte mal in einem YT-Video mit gekniffenen Augen zurück geblickt, daß die DDR-Braunkohle teilweise so schäbig war, da hätte man auch mit Torferde feuern können.

Gruß, Olaf

(,“)
< />
_/\_

♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥
♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥
Ja, mich hat im September 1984 diese Lok in das Arbeiter- und Bauernparadies gelockt.

https://img.fotocommunity.com/auf-alte-technik-ist-verlass-36cf18ac-8245-4a79-80c5-9d9a481b20ac.jpg?height=1000


Die war auf einmal wieder für einige Wochen im Plandienst tätig.

Viele Grüße
Thomas
Hallo Hilger,

ja natürlich wurden mit den Dampfloks auch mittelbar Devisen erwirtschaftet. Aber Hauptzweck war das nie, allein aus diesem Grund erhalten wurde die Loks nicht.
So manche Lok wurde so gut wie ehrenamtlich vor der Verschrottung gerettet und am Ende sogar irgendwo versteckt, bis auch die "hohen Herren" Sinn in der Erhaltung der Eisenbahngeschichte erkannten. Es passierte halt nicht alles nur von "oben". Von den hier engagierten Eisenbahnern hat wohl keiner an Devisen gedacht, da diese ja sowieso der Staat kassiert hat.

Viele Grüße aus der Lausitz

Re: ? DDR-Frage: Dampfloks als Devisenbringer ? (m4B)

geschrieben von: maaslijn

Datum: 08.01.22 08:37

Hallo,
Ich habe mal gehört, dass in den 80er Schiffsladungen Kohle aus Angola kamen, die (nur) für die 86er geeignet war und so deren Leben verlängerte. So konnte auch importierter Diesel (Devisen) eingespart werden.
Gruss aus NL
Rob
Hallo Rob!

Das mit der Problemkohle stimmt, allerdings kam diese nicht aus Angola, sondern meines Wissens aus Mozambique. Ob diese Kohle lediglich nur für die BR 86 geeignet war, weiß ich nicht. Jedenfalls hatte die Kohle einen sehr hohen Salzgehalt und war daher generell nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Mit freundlichem Gruß
Lilo



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.01.22 09:38.

Re: ? DDR-Frage: Dampfloks als Devisenbringer ? (m4B)

geschrieben von: saum13

Datum: 08.01.22 11:19

Um die gestellte Fragen zu beantworten-bedarf es der Klärung der Zusammenhängen zur Funktionsweise der Volkswirtschaft der DDR.

Ein Ansatz sind die Literatur von Andre Steiner und Jens Roesler - beide beschreiben sehr intensiv den zeitlichen Ablauf der Entwicklung und den Niedergang der Volkswirtschaft zw. 1949 und 1989.

Jeder Wirtschaftszweig in der DDR mußte nach einer Planung, eine bestimmte Menge Devisen für den Staatshaushalt erbringen. Das traf auch für die DR zu. In der Rückschau kann ich nur behaupten, das der Erhalt von Dampfern eher den wirtschaftlichen Problemfällen geschuldet war. Zum Beispiel die BR95 im Bw Kamenz war eine Heizlok-ich glaube bis zum Ende der DDR. Der Erhalt ist wohl eher von unten als von oben passiert. Sehr viel Enthusiasmus haben die da von unten erbracht. Die da oben hatten damit zu tun, die Wirtschaft am Leben zu erhalten. Gut,wenn da ein paar Devisen wegen ein paar Touristen abgefallen sind-war man sicher glücklich.

Der Schienenverkehr war der bedeutenste Transportzweig mit allen ..auch lächerlichen Auswüchesen...Güterstraßenbahn oder der Vorschlag wieder Holzvergaser bei Autos. Es gab schon massiven Ärger, wenn der Transport mit dem LKW statt mit der Eisenbahn erfolgte. (Vieles ist passiert, weil..es gab ja nüscht.)

Damals haben die Werktätigen dafür gearbeitet oder gekämpft oder resigniert, damit es irgendwie weitergeht. Der Erhalt der Dampfer für Devisen - halte ich heute in der Beurteilung eher für eine Luxusvorstellung.

saum



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.01.22 13:20.

Re: ? DDR-Frage: Dampfloks als Devisenbringer ? (m4B)

geschrieben von: DuKabina?!

Datum: 08.01.22 11:22

Moin Hilger,

ich glaube kaum, dass man damals in derartigen Dimensionen gedacht hat.

Anfang der 80er gabs ja schließlich folgende ökonomische Zwänge:

Der große Bruder hatte längst spitz gekriegt, dass u. a. die DDR das "billige" Erdöl der Freunde in den Raffinerien veredelte und nicht nur für die eigene Wirtschaft verbrauchte, sondern gegen Devisen in den Westen vertickte. Darüber war man in Moskau not amused.

Folglich zogen die Sowjets die Rohölpreise an, so in Richtung Weltmarktniveau. Folglich war das auch ein Grund der Abstellung der ölgefeuerten Dampfloks. Bei denen kam ja noch dazu, dass man Anfang der 80er die Möglichkeit hatte, den früheren Rest der Erdölverarbeitung weiter zu verwenden und das schwere Bunkeröl durch Kracken weiter aufzuspalten und anders als nur zum Verfeuern zu verwenden.

Aber wegen der nun geänderten Bedingungen bezüglich des Bezugs von Rohöl musste auch die DR Dieselkraftstoff sparen. Damit wurden dort, wo es ging, Dampfloks für Dieselloks eingesetzt. In dieser Folge wurde zum Beispiel im Bw Glauchau die fast zwei Jahre andauernde Dampfpause beendet. Und dieser Umstand war auch Grund, weshalb dann ein enormer Kraftaufwand in die Wege geleitet wurde, die Streckenelektrifizierung, die Jahrelang ausgesetzt war, weil man auf V-Loks setzte, mit Hochdruck wieder zu betreiben.

Diese ökonomischen Zwänge haben den Verantworlichen bei der DR gewiss unruhige Nächte beschert haben aber nicht zu der Idee geführt:

Hey, lasst uns sämtliche Rußkübel einsetzen und den Tourismus aus dem NSW ankurbeln.

Ich glaube, wer an diese Kausalität glaubt, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

Und mal ganz ehrlich, betrachtet man die Einreisen der Hardcoredampflokfans in die DDR ist diese Anzahl im Bezug zu touristischen Einreisen in die DDR wohl nicht mal im Promillebereich abzubilden.

Grüße
Jens

... We are not there yet, we have lost our soul, the course has been set, we're digging our own hole, we're going backwards, armed with new technology, going backwards, to a caveman mentality ...
Music and Lyrics Martin L. Gore (Depeche Mode; Album "Spirit" von 2017, Song "Going backwards"); dem ist leider nichts hinzuzufügen
Lieber Hans,

natürlich waren die Dampfloks auch Devisenbringer. Es gab einige Reisen durch die DDR, nur für Menschen aus dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgegebiet (NSW). Ich erinnere mich an mehrtägige Touren mit dem hist. Rheingold usw. 1988 machte die INTAFLUG eine mehrtägigige Reise mit dampfbespannten Zügen durch die DDR und nicht zuletzt spülten die "Plandampf"-Veranstaltungen - wenn auch nach der Wende - Devisen in die leeren Kassen, Bsp. Rbin Garn Okt. 1990 in Thüringen. Auch der Verkauf von Loksins NSW brachte einige D-Mark ins Land der Mark der Notenbank.

viel Grüße CM Peters, früher mal aus Ringelheim :-)

Re: ? DDR-Frage: Dampfloks als Devisenbringer ? (m4B)

geschrieben von: Mar-ko

Datum: 08.01.22 12:25

Die Thematik wurde schon mal beim EK Verlag nebenbei behandelt in einer Heftausgabe, als es und den Erhalt von Museumslokomotiven ging. Das war nicht der Hauptgrund, aber ein schöner Nebeneffekt, der auch in die Planung einfloss. Denn die Deviseneinnahmen hatten sich binnen kurzer Zeit für die DR vervierfacht.

VG Mar-ko

Re: ? DDR-Frage: Dampfloks als Devisenbringer ? (m4B)

geschrieben von: DuKabina?!

Datum: 08.01.22 12:32

held-der-arbeit schrieb:
Lieber Hans,

... nicht zuletzt spülten die "Plandampf"-Veranstaltungen - wenn auch nach der Wende - Devisen in die leeren Kassen, Bsp. Rbin Garn Okt. 1990 in Thüringen. Auch der Verkauf von Loksins NSW brachte einige D-Mark ins Land der Mark der Notenbank.

viel Grüße CM Peters, früher mal aus Ringelheim :-)
Selten so nen Stuß gelesen.

A) wo brauchte die DR damals noch Devisen. Im Oktober 1990 war im Gebiet der ehemaligen DDR was nochmal gesetzliches Zahlungsmittel?
B) Im Oktober 1990 war mit der ehemaligen DDR noch gleich was passiert?

Ab zurück in den Geschichtsunterricht.

C) Glaubst Du im Ernst, dass mit den Plandampfaktionen die DR so richtig fett geworden ist?

Wenn ja, hast Du das damalige Prinzip der Plandampfveranstaltungen nicht ganz kapiert.

Robin Garn und andere Organisatoren haben mit der DR besprochen, welche Leistungen für einige Tage "verdampft" werden können. Die DR nannte den Preis des damit verbundenen Mehraufwandes und dann gab es in Eisenbahnkurier und anderen Presseerzeugnissen Aufrufe zum Plandampf mit der Bennenung einer Deadline, an der die Deckung der Summe erreicht sein musste.

Wenn ich mich noch an Viva Magistrale I erinnere, muss ich sagen, dass das damals eher ein symbolischer Beitrag war und man zwischen Magdeburg und Berlin mit dem "Ticket" die Dampfzüge sogar noch benutzen konnte.

So und wie ist es da möglich gewesen, "Devisen in die leeren Kassen" zu spülen. Vor allem, welche leeren Kassen sollen das im Oktober 1990 gewesensein?

... We are not there yet, we have lost our soul, the course has been set, we're digging our own hole, we're going backwards, armed with new technology, going backwards, to a caveman mentality ...
Music and Lyrics Martin L. Gore (Depeche Mode; Album "Spirit" von 2017, Song "Going backwards"); dem ist leider nichts hinzuzufügen

Re: ? DDR-Frage: Dampfloks als Devisenbringer ? (m4B)

geschrieben von: 1418

Datum: 08.01.22 13:58

Moin,
Zitat:
Diese ökonomischen Zwänge haben den Verantworlichen bei der DR gewiss unruhige Nächte beschert haben aber nicht zu der Idee geführt:

Hey, lasst uns sämtliche Rußkübel einsetzen und den Tourismus aus dem NSW ankurbeln.

Ich glaube, wer an diese Kausalität glaubt, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

Und mal ganz ehrlich, betrachtet man die Einreisen der Hardcoredampflokfans in die DDR ist diese Anzahl im Bezug zu touristischen Einreisen in die DDR wohl nicht mal im Promillebereich abzubilden.

Perfekt auf den Punkt gebracht.
Der andere Kram wie Rheingold/Orient-Express/Berlin-Rundfahrt u.ä. war nicht das, was eingangs gefragt wurde. Gleichwohl dürften das die einzigen tatsächlich zur Devisenbeschaffung durchgeführten Dampflokeinsätze gewesen sein.
Alles andere wie die 35 1113 nach Dessau oder die 86er nach Crottendorf stand einzig im Sinne der Kraftstoff-Einsparung. Da zählte einzig ein Ergebnis in nicht verbrauchten Litern. Ob sich das finanziell auch nur ansatzweise rechnete (2 statt 1 Lokpersonal, erhöhter Instandhaltungs-Aufwand der Dampf- gegenüber der Diesellok, Import der Steinkohle*), wage ich stark zu bezweifeln. Aber das Motto "Wir sparen jeden Pfennig - koste es, was es wolle" war allgegenwärtig, und die Dieseleinsparung war Trumpfkarte und stach andere Argumente aus.

* = Wäre mit neu, daß in den 80er Jahren noch irgendeine DR-Dampflok im Streckendienst mit Braunkohle(-Briketts) befeuert wurde. Heizloks/Dampfspender lasse ich mal unberücksichtigt.

1418

Re: ? DDR-Frage: Dampfloks als Devisenbringer ? (m4B)

geschrieben von: 118 104

Datum: 08.01.22 19:48

Hallo.

1418 schrieb:
...
Alles andere wie die 35 1113 nach Dessau oder die 86er nach Crottendorf stand einzig im Sinne der Kraftstoff-Einsparung. Da zählte einzig ein Ergebnis in nicht verbrauchten Litern. Ob sich das finanziell auch nur ansatzweise rechnete (2 statt 1 Lokpersonal, erhöhter Instandhaltungs-Aufwand der Dampf- gegenüber der Diesellok, Import der Steinkohle*), wage ich stark zu bezweifeln. Aber das Motto "Wir sparen jeden Pfennig - koste es, was es wolle" war allgegenwärtig, und die Dieseleinsparung war Trumpfkarte und stach andere Argumente aus.
Ich denke die Dieseleinsparung hat eine Einsparung bei den Devisen, mit denen das russische Erdöl bezahlt werde musste, gebracht. Personal und Instandhaltung konnte man ja in DDR-Mark abrechnen.

Gruß Gunnar -> http://abload.de/img/118104-995kow.jpg
So richtig grausam war die Kohle aus dem Donezbecken und aus Mosambik. Erstere erzeugte mehr Schlacke als Dampf und bei letzterer hatte selbst der Schotter einen höheren Heizwert.

Der Vorteil einer Paprika gegenüber dem Menschen ist dass man ihre Hohlheit mit Hack füllen kann.

Nicht nur Dampfloks zur DK-Einsparung

geschrieben von: MD 612

Datum: 08.01.22 22:04

DuKabina?! schrieb:
Aber wegen der nun geänderten Bedingungen bezüglich des Bezugs von Rohöl musste auch die DR Dieselkraftstoff sparen. Damit wurden dort, wo es ging, Dampfloks für Dieselloks eingesetzt.
Nicht nur das. Man erinnere sich an die Einsätze von E44 im Rangierdienst u.a. in Gaschwitz und Weißenfels, wo damit jeweils eine V60 durch eine E-Lok ersetzt wurde (und sich die zuständigen Bw Leipzig West und Weißenfels der inoffiziellen Pflicht der Wiederinbetriebnahme mindestens einer Dampflok zur Dieseleinsparung entzogen...).

Gruß Peter

Das Leben ist kurz. Nimm dir Zeit für Meer!
Verfasser unbekannt

Re: ? DDR-Frage: Dampfloks als Devisenbringer ? (m4B)

geschrieben von: Ladehilfe

Datum: 08.01.22 22:12

01 118, 50 1002, 50 2740 und 58 311 wären solche Loks. 1952 wurden auch 5 E 18 an die Bundesbahn verkauft. E 18 28, 34 und 44 vom Bw Leipzig und E 18 24 und 048 vom Bw Weißenfels. Schalck-Golodkowsky wollte auch die 99 162 versilbern aber die Jungs von der Komerziellen Koordinierung waren zu blöd mal in den Lokschuppen von Ilfeld zu schauen. Die Lok Spreewald kam von der Spreewaldbahn nach Bruchhausen-Vilsen. 75 501 vom Bw Zittau ging 1977 ans DDM. Habe ich was vergessen? Wenn ja bitte ich um Ergänzung.

Der Vorteil einer Paprika gegenüber dem Menschen ist dass man ihre Hohlheit mit Hack füllen kann.
Seiten: 1 2 All Angemeldet: -