Vorab:
Teil 1:
Schwarzwald (Teil 1, 7 Bilder) und Vennbahn vor 50 Jahren
Teil 2:
Schwarzwald und Südbahn vor 50 Jahren (Teil 2, 15 Bilder) * Das Ende der P8?
Teil 3:
Vor 50 Jahren rund um Eutingen (Teil 3, 17 B): „Bemerkenswerte Leistungen“
Nach dem Tagesprogramm „Dampf & Sonne satt“ am 28. Oktober 1971 im oben verlinkten Teil 3, zwischen Böblingen, Eutingen, Freudenstadt und Horb, liebe Freunde, folgte wieder einmal eine „lange Nacht“ bei meinem Freund G.M. in Stuttgart: dichter Zimmernebel aus Zigarettenqualm, dazu jede Menge Schoko-Riegel (die quadratisch-Praktischen, sie waren ja schon erfunden und längst „der Hit“), Literflaschen-Cola und reichlich Chemiedünste aus Entwickler- und Fixier-Bädern im Duster der spärlich rot-beleuchteten Bilder-Dunkelkammer. „Fenster-auf“ nur bei beißend-peinigender Luftnot, und dann auch nur penibel-kurz, bis die lästig-kalte Spätherbst-Nachtluft wieder für ein Minimum an H2O gesorgt hatte. Gewiß - eine wenig gesundheitsförderliche, fragwürdige Mischung… Und schon ganz und gar nix für die Ohren besorgter Eltern. Doch die blieben bei unseren Jungspund-Touren gottlob ja stets auf Kilometer-weiter Distanz – conditio sine qua non bei diesen Lebens-ertüchtigenden Übungen des Austestens von Grenzen!
Nun gut also: „Gelobt sei, was hart macht!“ - Unverdrossen schnurrte der „Idefix“ am frühen Morgen des 29. Oktober 1971, einem Freitag, wieder über die Autobahn. Die olle „Münchner“, heute heißt sie schon lange A 8 und treibt als Dauerbrenner in Staumeldungen so manchem Motoristen Angstschweiß auf die Stirn, damals gar noch zweispurig und ohne Standstreifen. Gen Osten also, über die frostkalte Schwäbische Alb nach Ulm, und weiter an die „Südbahn“: Neben der P8 stand es inzwischen ja auch für die letzten 003, alle längst auf Ulm konzentriert, gar nicht gut…
Am Bahnhof Einsingen postierte ich mich für den P 3308 Friedrichshafen-Ulm, nach Auskunft der „Dampfgeführten“ an „w“, werktags also, eine 003-Leistung. Und so kam’s denn auch. Die in Teil 2, auf den Bildern 2.8 – 2.10 und 2.12 schon gesehene 003 268 hatte wieder Dienst und beschleunigte den stilreinen „Reichsbahn-Zug“ unter dem Drahtgewirr des Landbahnhofs:
4.1)
4.2)
Beim nahen Kilometer 100 bot das Nebensträßchen nach Gögglingen eine Brücke als Aussichtspunkt, nach der langen Stuttgarter Nacht ideal zum geruhsamen Verweilen für die nächsten Züge. Als erste nahte unter der noch tiefstehenden Morgensonne die Ulmer 052 856 mit langer Dampffahne als Lz Richtung Süden…
4.3)
4.4)
…schon bald gefolgt von ihrer Ulmer Bw-Schwester 052 840 mit einem langen „Gemischten“:
4.5)
Zwischenfrage an Ortskundige: Gibt es das prächtige Ensemble – Schloß? – rechts denn noch?
Nachtrag: Nein, steht nicht mehr. Der Obere Riedhof war auch kein Schloß, sondern hatte eine furchtbare Bestimmung - siehe den link zu Wikipedia, den Alex "Alex TU-TSV-RFHE" in seinem Kommentar unten gesetzt hat.
4.6)
4.7)
Von Süden näherte sich nun die 1943 von MBA, Maschinenbau und Bahnbedarf in Potsdam-Babelsberg, unter der Fabriknummer 14251 gebaute 053 125, eine der ÜK-50er, die irgendwann leider-leider ihren Wannentender verloren hatten, und die bis vor kurzem – Sichtung noch kürzlich, im August - sogar mit einem dieser wenig formschönen, in Ulm gottlob kaum bekannten Kabinentender unterwegs war:
4.8)
Eine Lupen-Vergrößerung des Bildes verriet: Kein Schrottplatz links im Bild, sondern neue LKW. Ein Auslieferungslager von Magirus-Deutz vielleicht? Erneut halte ich in der geneigten Mitleser-Runde Ausschau nach Ortskundigen!
Das Gleis im Vordergrund dient( e ) übrigens nur dem Anschluß von Anliegern aus Industrie & Handel.
4.9)
050 735 tat sich in der Bedienung der Anschlüsse nützlich:
4.10)
Nanu!? Das darf doch gar nicht:
4.11)
„Dampf vor Diesel“! Bei der DB hoch-verpönt, wenn nicht gar verboten…
Die Ulmer 052 203 war’s, die hier die Fenster der Bw-Schwester 215 098 mit Kohlenstaub, Näß-Wasser und Ruß benetzte:
4.12)
Vermutlich aber wurde die 215 defekt abgeschleppt: In meinem Fahrtbericht habe ich nämlich notiert, daß die 052 203 zuvor um 10.24 Uhr „Lz nach Einsingen“ fuhr (nicht fotografiert) und der hier fotografierte Gag 9912 um 10.48 Uhr verspätet vorbeifuhr. Ihr könnt’s unten noch nachlesen (4.18).
Nachtrag: Nein, die 215 war nicht defekt, sondern planmäßig sollte es vor diesem Zug sogar 003 Vorspann vor 50 sein! Siehe meine Ergänzung im Kommentar-Teil
4.13)
Genug von der Brücke! Und Filmwechsel. Das letzte Bild noch schnell „sinnlos“, nämlich ohne Zug verschossen - heute wünschte ich, damals noch viel mehr solcher Sünden begangen zu haben… So ist uns der Blick auf das nette Ensemble des Landbahnhofs Einsingen erhalten geblieben:
4.14)
Die Bahnstation, in der früher, links am Bildrand, öfters auch Z-Loks des Bw Ulm hinterstellt worden waren, ist inzwischen längst aus den letzten Kursbüchern ebenso wie aus Landkarten jüngeren Alters verschwunden. Erneut mögen Ortskundige erläutern, wenn nicht gar fotografisch belegen, wie’s dort heute aussieht!?
Als sich als nächstes die Ulmer 051 543 mit einem weiteren langen Güterzug aus Ulm näherte, war der neue Film eingespult und ich stand wieder an der freien Strecke parat:
4.15)
Aufmerksame Betrachter werden im Hintergrund schon „meine“ Brücke der Bilder 4.3 bis 4.13 entdeckt haben. Und wer sich außerdem mit 50er-Stationierungen befaßt, dem wird vielleicht schon die Assoziation „eine Hessin?“ ins Hirn geschossen sein!? Ganz recht: Die Lok hat’s erst per 1.10.1970 unter das Ulmer Münster verschlagen. Bis dahin war sie in Friedberg (1946, 1948), Hanau (7.48), Frankfurt-Ost, meinem „Heimat-Bw“ Frankfurt 2 (2.1.59 – 29.5.59), Darmstadt und Limburg (20.6.63 – 30.9.70) zuhause.
Nachtrag: Die Fotostelle ist bei Ulm-Donautal, km 98,9, also nicht Einsingen. Danke an Ulrich Budde für den diskreten PN-Hinweis.
Großer Ortswechsel. Über die Wasserscheide Rhein-Donau bei Unteressendorf und über Aulendorf hinaus gen Süden, bis in den Schussen-Tobel nach Durlesbach. Dort ließ ich die 003 268 mit P 3329 Aulendorf – Friedrichshafen vorbeifahren. Unfotografiert! Frag‘ mich jetzt keiner, wieso das denn – ich weiß es nicht (mehr). Erst als sich die Sonne nachdrücklich verabschiedet hatte und die oben, auf den Bildern 4.5 – 4.7 schon gesehene Ulmer 052 840 auf ihrem Rückweg mit einem Güterzug vom „Schwäbischern Meer“, dem Bodensee heraufkam, hob ich wieder die Kamera:
4.16)
…zur Freude der „Schwarzen“, wie man sieht:
4.17)
Und damit war auch mein Tagesprogramm beendet, ich kehrte zurück zu G.M. in Stuttgart, dessen Gastfreundschaft unter der vergangenen langen Nacht nicht gelitten hatte. Der „Fahrtbericht“ sagt nichts darüber, doch ich vermute heute, daß zu späterer Stunde auch die „Frankfurter Truppe“ dort einrückte, zur unchristlich frühen Weiterfahrt am nächsten Morgen in die Alpen-Hütte von Michels Eltern, noch weit bevor der Zeitungsträger durch die nächtliche Gutbrodstraße trottete. Am Anfang von Teil 3 meiner kleinen Berichtsserie über Ende Oktober 1971 hatte ich jenes Eisenbahn-freie Anschlußprogramm übers verlängerte Wochenende schon erwähnt.
Hier jedenfalls schnell noch der Fahrtbericht über den illustrierten Freitag, 29. Oktober:
4.18)
Das Adendum zu den ersten frühen Morgenstunden des Samstag, 30. Oktober, ist noch eines genaueren Hinsehens wert: die beachtliche Runde der im alten „Bw“ Horb zum Schlaf abgestellten Loks! …und die Notiz der 044 463 bei der Durchfahrt durch Sulz: Dahinter verbirgt sich das erinnerungsträchtige Erlebnis der Nebenherfahrt im ollen Ford-Transit der „Alpen-Truppe“ auf der B 14, die auf einige Kilometer dicht am Rottweiler Gleis bleibt und mir und den staunenden Eisenbahn-fernen Mitfahrern den Ohren- und Augenschmaus einer langen „Zylinderverfolgung“ des schweren Ölzugs ermöglichte: Unablässiges Wummer-Gebrüll im Dreiertakt, dazu in kurzen Abständen die Feuer-Beleuchtung der dickwattigen Dampffahne, in kurzer Schaufelfrequenz, wenn der Lokführer dem Heizer die Feuertür „auf-zu“, „auf-zu“, „auf-zu“… bediente. Un-ver-geßlich !
Schöne Grüße aus Aachen –
Reinhard Gumbert
Edit 19.06.2024: Bilder von abload auf picr übertragen
3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2024:06:19:16:40:49.