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Wahlkampfsonderzüge (m 5 B)

geschrieben von: alte Bahn

Datum: 15.09.21 14:36

Hallo,

wegen des gegenwärtigen Wahlkampfs zur Bundestagswahl erinnere ich an die Wahlkampfsonderzüge vor bald 40 Jahren.

Früher verkehrten vor den Bundestagswahlen „Wahlkampfsonderzüge“. Die Parteien reisten in Sonderzügen, die ihnen während einer Reise mehrere Unterbrechungen für Wahlkampfauftritte ermöglichten. Diese Züge konnten auch an kleinen Bahnhöfen halten und während der Nacht schliefen die Mitreisenden im Schlafwagen, die oft an stillen Orten mehrere Stunden standen, um genügend Ruhe zu ermöglichen. Zu einem Wahlkampfsonderzug gehörten Schlaf-, Speise- und Gesellschaftswagen.
Die Gesellschaftswagen ermöglichte die Vorbereitung der Auftritte und Gespräche mit Journalisten. Die Speisewagen sorgten für Essen und Getränke und einem „größerem“ Umfeld Aufenthalt im Vergleich zu den engen Schlafwagenabteilen.

Im Internet fand ich ein Schreiben der SPD Bundestagsfraktion an Journalisten, um sie zur Mitfahrt im Wahlkampfsonderzug 1986 einzuladen. Ich zitiere aus diesem Schreiben:
„6. November 1986 Wahlkampfsonderzüge mit Johannes Rau, Willy Brandt und Hans-Jochen Vogel.
Zum Auftakt des SPD Wahlkampfes für die Bundestagswahl im Januar 1987 werden Johannes Rau, Willy Brandt und Hans-Jochen Vogel mit Bundesbahn Sonderzügen eine Reihe Veranstaltungen besuchen.
Den Start macht Johannes Rau vom 20. bis zum 22. November 1986 mit den Stationen Rheine, Meppen, Leer, Norden, Oberhausen, Viersen, Aachen, Waldshut, Lörrach, Freiburg und Karlsruhe.
Vom 28. bis 30. November 1986 fährt ein Sonderzug mit Hans-Jochen Vogel zu Veranstaltungen in Mannheim, Ludwigsburg, Plochingen, Donauwörth, München, Mühldorf, Straubing.
Vom 2. bis 4. Dezember 1986 fährt Willy Brandt nach Neustadt (Weinstraße), Böblingen, Reutlingen, Oberndorf, Villingen und Konstanz.
Vom 5. bis 7. Dezember 1986 fährt Hans-Jochen Vogel zu Veranstaltungen in Eltville, Darmstadt, Backnang, Schwäbisch Hall, Neckarelz und Bürstadt.
Wie in früheren Wahlkämpfen haben sie auch diesmal die Gelegenheit die Politiker auf ihren Reisen zu begleiten. In den Sonderzügen steht allerdings nur eine beschränkte Übernachtungskapazität zur Verfügung. Deshalb möchten wir Sie bitten sich rechtzeitig anzumelden.“

Die Fahrplananordnung (Fplo) 1697 der BD Nürnberg für 24. Bis 26. Februar 1983 und Fplo 2323 der BD Stuttgart für den 26. Februar 1983 geben Einblick auf diese Fahrten. Die Reisestelle der HVB (Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn) trat als Besteller der Züge auf und stimmte mit den beteiligten Bundesbahndirektionen (BD) den Ablauf der Sonderzugfahrten, Stellung von Personal, Wagen, Lokomotiven usw. ab.
1- Wahlkampfsonderzug Fplo 1697 BD Nürnberg Titel Seite 1.jpg

2- Wahlkampfsonderzug 1983 -Fplo1697 - Seite 2.jpg


Wegen der vorgegebenen „Zuglaufüberwachung“ wurde der Fahrtverlauf nicht nur durch die Zugüberwachung (Zü) auf wichtigen Hauptstrecken überwacht, sondern auch auf Nebenfernstrecken und Nebenbahnen durch die Oberzugleitung (Ozl) der Bundesbahndirektionen, wo keine normale Zü vorhanden war. Die Ozl wusste so ständig, wo sich der Sonderzug befand und konnte bei Problemen rasch handeln.
Bei der Bundesbahn kontrollierten Betriebskontrolleure (Bktr) den Dienstablauf für bestimmte Bezirke (je nach Betriebsamt) und trugen zur Unterscheidung Nummern, wie „Bktr 184, Bktr1“ .
Sie begleiteten bestimmte Züge , beobachteten allgemein den örtlichen Betriebsablauf oder bei großen Veranstaltungen mit vielen Sonderzügen (Züge für Demonstranten, „Rhein in Flammen“).
Während der Abstellung blieben die Zugloks für Heizung und Energieversorgung am Zug.
Die Abkürzung „Zub“ bedeutet Zugbegleitpersonal. Wenn nur ein besonderer Zugführer eingeteilt war, hieß es 1/0 oder 1:0 = vordere Zahl = Zugführer, hintere Zahl = Anzahl der Schaffner

3- Wahlkampfsonderzug Fplo 1697 BD Nür -S.3.jpg

Bei längeren Reisen reichte das Wasser für Speisewagen und Schlafwagen nicht aus, dann musste die DSG an bestimmten Bahnhöfen die Wagen „bewässern“, wie man das damals nannte.
Der mitreisende wagentechnische Begleiter konnte Zwischenreinigungen der Wagen veranlassen.
Damals fielen die Fäkalien aus den Reisezugtoiletten während der Fahrt auf die Gleise. Die Toiletten durften während Haltes nicht benutzt werden. Für besondere Zwecke hatte die Bundesbahn „Fäkalienbehälter“, die während längerer Halte unter die Toilettenfallrohre gestellt wurden und vor der Abfahrt wieder beseitigt werden mussten

4- Wahlkampfsonderzug 1983 -S.4.jpg

Nach Fplo 1697 der BD Nürnberg war die Fahrzeit für Lok BR 112 Hg 140 km/h berechnet.
5- Wahlkampfsonderzug Fplo 1697 BD Nür -S.5.jpg

Fortsetzung folgt



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.09.21 14:36.