Die Mauer wäre heute 60 Jahre alt geworden.
Zur "Mauer" gehören aber auch Zäune, die das Territorium der angeblich demokratischen Republik verriegelten, die oft zu kurz kommen, weil immer nur von der Berliner Mauer erzählt wird. Eine kleine diesbezügliche Lücke will ich schließen mit dem Bahnhof Wartha, der verkehrsgünstig gelegen auf mehreren Heimfahrten die Möglichkeit eines Umweges als lohnend erscheinen ließ - wollte ich doch den Werdegang der Geschehnisse um die verhaßte Grenze beobachten und wenn möglich auch dokumentieren.
So sind die nachfolgenden Bilder alle in Tagesrandlagen bei Dämmerlicht entstanden und daher nicht in der gewohnten Qualität.
Zudem möchte ich die Bilder für sich sprechen lassen und nur knapp kommentieren, wo es notwendig ist:
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Eine Anfahrt mit dem damaligen Fuzzymobil (ein früher Passat) zum Bahnhof Wartha, ich wußte nicht, was mich erwartet . . .
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Dieses Terrain kannte ich zu gut aus älterer Zeit: Hier war bis Anfang der Achtziger Jahre die Abfertigung, wenn man in die DDR einreisen wollte. Kaum was ist 1990 im März davon übergeblieben, alle baulichen Anlagen sind verschwunden
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Die ehemalige Hauptstraße von und nach Herleshausen = Westen. Schaut Euch mal den Klotz an, der da rechts liegt: Es ist die Sperrschranke, eine massive Stahlkonstruktion,die bis vor kurzem noch eingebaut war in die links sichtbare Anlage und die bei Bedarf elektrisch ausgefahren werden konnte zur Sperrung der Straße, wenn es ein Flüchtling bis hierhin geschafft haben sollte. Nicht mal ein Berge-Leo wäre hier durchgekommen!
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In der Höhe der Sperranlage gehen wir nach links zu den Gleisen, die bis zur Eröffnung der Förthastrecke eine der Haupt-Transitlinien mit der DDR waren. Der Bahnhof als Solcher wurde 1963 geschlossen, die Bahnsteigüderdachungen abgerissen. Hier fuhren täglich schwere Interzonenzüge, aber noch nicht mit 01.5, es waren wohl hauptsächlich 01 und 22 (Dank für den Hinweis!)
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Etwa derselbe Blick, nur zwei Jahre später: Die Gleise sind neu gemacht, die Signale stehen bereits, Wachttürme aber auch noch. Heute hängt hier Fahrdraht und von "Wartha" erfährt der Reisende nichts mehr
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Reklame für die Baumaßnahme > Wir lesen: "24 Km Eisenach-Gerstungen in 12 Monaten!" DAS ist doch mal ne stolze Leistung! Hätte man DIE Mannschaft nicht nach Berlin einladen sollen zwanzig Jahre später?
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Der Blick zur anderen Seite 1992, Richtung Osten, auf die vom Westen bezahlte Autobahnbrücke. Stellwerk und ehemaliger Kontrollplatz sind verschwunden
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Gleiche Blickrichtung 1990, noch steht das alte Fahrdienstleiter-Stellwerk, aber seine Tage sind gezählt. Wir sehen ein Ausfahrsignal aus dem Kontrollbereich in Richtung Osten
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Ein Bild wahrscheinlich von 1991, noch hat sich nicht viel getan, aber dann gings blitzschnell
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An Grenzzaunresten mal ein Detail: Eine Sicherung für 25 Ampere und 500 Volt! Wenn das die übliche Spannung war für die Sicherung der Grenzzäune fragt man sich wirklich, wie das Manche noch geschafft haben . . .
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Hier kommt der Strom an aus einer Hochleitung, wird im Trafohäuschen heruntertransformiert und dann an die Grenzanlagen weitergeleitet, in der Mitte ein Suchscheinwerfer
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Ein Stück Grenzzaun im Originalzustand, noch nicht abgeräumt. Wir sehen die Stromzuführung in unterschiedlichen Kreisen, einzeln angesteuert
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So sah der Grenzzaun auf langen Strecken aus: Dreidimensional mit Stacheldraht (und Strom) gesichert
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Hier sieht man deutlich eine von vielen Stromzuführungen und die Verteilung
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Ein fast vollständig erhaltener Zaun in der Nähe des Bahnhofs Wartha
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Hier ist schön die dreidimensionale Sicherung zu sehen: Eine Stange nach oben mit Strom- und Meldedrähten und zwei Stangen zu jeder Seite mit Stacheldraht, auch der stellenweise unter Strom oder als Meldeleitung unter Schwachstrom, der nicht sofort spürbar war
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Die Befestigung des Stacheldrahtes. Dafür gab es extra Vorrichtungen aus "Plaste und Elaste aus Schkopau"
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Hätte Jemand von uns da drüber klettern wollen ??
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Man wurde ja frech im März 1990, es konnte nicht mehr viel passieren. Es war eine von einer Form der Anarchchie geprägte Zeit, in der Vopos völlig abgetaucht waren und Wessis (noch) Nix zu sagen hatten, weil es die DDR ja noch gab bis zum Oktober 1990 (nicht 91, wie ich versehentlich schrieb).
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Dieser Schaltkasten war (leider) unspektakulär, aber das konnte man von draußen nicht ahnen. Wie wir jetzt wissen, handelt es sich um eine Telefondose, also ein direktes Kommunikationsmittel: Am gelben Anschluß unten rechts von der Dose konnte ein tragbares Telefon eingestöpselt werden, was sofort eine Sprechverbindung mit dem nächsten Turm ermöglichte (für die Grenztruppen). Dank für den Hinweis!
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Einer der älteren und bestimmt nicht besonders bequemen und wetterfesten Wachttürme am Bf Wartha, der bis weit ins Jahr 91 überlebt hat
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Nun sind wir zurück auf der Straße im März 1990. Ab hier durfte man wieder schneller fahren, wenn man die Kontrolle hinter sich hatte, man befand sich aber noch auf dem Gebiet der DDR und es konnte immer noch Überraschungen geben
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Hier sehen wir links den Schwarz-Rot-Goldenen DDR-Grenzpfahl und einige Arbeiter, die weitere versteckte Reste von Sicherungsanlagen entfernen, von denen die damaligen Befahrer der Straße nichts wußten. Hier konnte man schnell schon die ersten harten Taler loswerden, weil man etwas schneller war als 40. Der rote Staub überall war mir damals bereits ein Rätsel, das ich bis heute nicht habe lösen können
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Noch etwas weiter auf der Straße Richtung Westen. Die Grenzpfähle der Bundesrepublik sind zu sehen. Links das merkwürdige Teil . . .
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. . . war eine Leuchtanzeige für irgendwas und hatte mit der Kontrollabfertigung zu tun, ich habe verdrängt, was dort damals angezeigt wurde
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Und jetzt ein kleines Husarenstückchen. Da hinten steht noch mein Auto, ich bin zu Fuß mal eben in den Westen marschiert und hab mir die Örtlichkleiten genau angesehen, dann eine Entscheidung gefällt . . .
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. . . und (Schwupp) ist die Karre draußen! Ein Passat konnte das!! Durch den Modder an der Seite an den Barrieren vorbeizufahren war eine Sache von drei Minuten. Es war meine erste Grenzquerung ohne Kontrolle und Stempel . . . !
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Einer der BRD-Grenzpfähle nochmal näher betrachtet. Auch die Westschilder waren längst in Sammlerhände gewandert
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Und dieses Bild wirft bei mir Fragen auf: War die Strecke zwischen Wartha und Herleshausen tatsächlich unterbrochen durch Wegnahme von Gleisen oder sind das bereits erste Bau-Maßnahmen zur Neugestaltung der Strecke? Ich weiß es nicht, auch nicht, von wann die Aufnahme wirklich ist, Fenster von März 90 bis Oktober 91 möglich
EDIT: Tatsächlich waren nach den letzten Zugfahrten 1978 auf den letzten Metern DDR-Gelände die Gleise entfernt worden!
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Dieses Schild haben die Sammler übersehen, es war aber auch besonders fest verschraubt (!) - Ich habs auch nicht abbekommen. Rechts die Gleise mit einem sichtbaren Vorsignal für die Einfahrt nach Wartha
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Nochmal wenige Meter weiter: Hier sind wir schon im Bereich des Bahnhofs Herleshausen, den BÜ gibt es vielleicht heute noch, das Stellwerk aber nicht mehr. Die Einfahrt nach Herleshausen aus Richtung Osten ist gezogen und stand so viele Jahre! Das Signal war in Fahrtstellung festgerostet!
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Der Bahnübergang 1990 und . . .
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. . . derselbe BÜ zwei Jahre später ist modernisiert mit Halbschranken
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Der "neue" Blick auf die die gemachte Strecke nach Osten (= Wartha) . . .
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. . . und derselbe Blick im März 1990
Soviel dazu und zum heutigen denkwürdigen Tage!
Wer sich für mehr DDR-Bilder interessiert, dem sei
dies hier empfohlen,
dort wird sich in Kürze auch dieser Beitrag wiederfinden.
Dank für Euer Interesse
Es gibt noch einen passenden Kommentar:
36# (Vor der Wendezeit 1988/06 in Ulm)
4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2021:08:15:00:39:13.