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 04 - Historisches Forum 

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Aus dieser Kurve flog die wenige Wochen alte 103 106-1 am 21.Juli 1971 mit 120 KM/h aus der Kurve (siehe Link zum Zeitungsbericht)
[www.badische-zeitung.de]




Landesarchiv_Baden-Wuerttemberg_Staatsarchiv_Freiburg_W_134_Nr._028918_Bild_1_(5-530175-1).jpg
Die noch recht neue 103 106-1 hatte sich überschlagen und kam neben einem Neubau auf dem Dach zu liegen.
103 106-1 Rheinweiler 21. Juli 1971 - Nachlass Karl Jackl0311b.jpg
Die Lok zerlegte sich in Ihre Einzelteile
103 106-1 Rheinweiler 21. Juli 1971 - Nachlass Karl Jackl0312b.jpg

Überall im Markgräflerland heulten die Luftschutzsirenen an diesem schönen Sommertag kurz nach dem Mittagessen.
Rettungswagen vom Deutschen Roten Kreuz und aus der Schweiz , Feuerwehren aus Rheinweiler und Umgebung und von den Stützpunktwehren Müllheim, Lörrach, Weil am Rhein und von der Berufsfeuerwehr Freiburg
sowie Bundeswehr,Französische Armee und das THW eilten zum Unglücksort.
103 106-1 Rheinweiler 21. Juli 1971 - Nachlass Karl Jackl0313b.jpg

Heute erinnert ein Gedenkstein am südlichen Ortseingang von Rheinweiler an die Opfer und das Zugunglück vom 21. Juli 1971
P1080296.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.07.21 19:43.
Lieber Reinhold,

ein schauriges Unglück. Trotzdem vielen Dank für das Erinnern an den 50. Jahrestag.

Als ich im September oder Oktober 1971 ins AW München-Freimann kam, um ein zuvor gekauftes Betriebsbuch einer ausgemusterten Ellok abzuholen, machte der damalige Stofflagerverwalter mit mir einen kleinen Rundgang durch das AW. Wir kamen dabei auch an mehreren Flachwagen vorbei, auf die die vollkommen zertrümmerte 103 106 verladen war. Man hatte sie mit Planen abgedeckt. Als wir da und dort drunter schauten, kam ein höherer Herr und verscheuchte uns mit barschen Worten. Der Zustand der Trümmerteile ließ ahnen, welches schreckliche Ausmaß dieser Unfall hatte.

Schöne Grüße
Steffen
Hallo Reinhold,
ja, 1971 war ein Katastrophen-Jahr für die DB: Aitrang, Rheinweiler und Dahlerau: 97 Tote bei diesen 3 Unfällen.

Aitrang: [de.wikipedia.org]
Rheinweiler: [de.wikipedia.org]
Dahlerau: [de.wikipedia.org]

Rheinweiler war vom Unfallverlauf dabei fast eine Doublette von Aitrang (bis auf den Folgeunfall des Schienenbusses).
Trotz kleinerem Zug mit weniger Fahrgästen, gab es durch Eigenheiten des Schweizer Triebzuges dort mehr Tote.

Das Beste an den Unfällen war, das man daraus gelernt hat.
Aitrang und Rheinweiler wären heute durch Geschwindigkeitsüberwachung der PZB nicht mehr möglich, Dahlerau wegen Stillegung.
Leider passieren Unfälle wie Dahlerau immer noch - zuletzt in Bad Aibling - aber wegen grober Fahrlässigkeit des Fdl:
[de.wikipedia.org]

Spanien hatte 2013 sein Rheinweiler:
[de.wikipedia.org]

Trauriges Jubiläum, meint ein nachdenklicher Robert.
Hallo zusammen,

von einem Amtslehrer wurde berichtet, die Lok.soll irgend einen "technischen Fehler" gehabt haben. Näheres sagte oder wusste er nicht. Beim Beifahren der Lok an den Zug soll die Lok sich "merkwürdig" verhalten haben und der Lokführer wollte es melden. Der Fahrdienstleiter soll die Bemerkung geäußert haben: "Ja ihr Lokführer könnt mit der neuen Lok nicht umgehen."
Was wirklich mit der BR 103 damals war entzieht sich meiner Kenntnis. Aber es passt irgendwie zu dem Verhalten des höheren Herren.

Gruß aus Pampanga
Horst
Hallo,

Wenn du die Links gelesen hättest, wüsstest du das Aitrang wohl eher nicht durch die PZB verhindert worden wäre...
In Rheinweiler gab es gestern eine Gedenkfeier, bei der auch Opfer und Kinder von Opfern aus Amerika und Schweden anwesend waren.

MfG

"Gibt es zwei- bzw. dreiachsigen Reko-Wagen der DR (Bage, Baage, Dage oder Bagtre), die die gleiche Breite aufweisen, wie die vierachsigen Reko Wagen z. b. der zuvor genannten Hersteller? Also schmaler sind, als die Wagen von Piko und Roco!
Viele mögen die 1-1,5 mm breitenuntershcied nicht stören und mich wiederum ist es egal, welche breite nun die Maßstabsgereue ist - mir wäre nur wichtig, dass die Personenzugwagons der DR in meiner Zugkombi ziemlich gleichbreit sind..."

🤦‍♂️😂🤷‍♂️

Quelle: Stummiforum..

[www.stummiforum.de]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.07.21 08:46.
Hallo,

bis heute sind die Ursachen dieses schrecklichen Unfalls nicht aufgeklärt.
Im Zentrum der Untersuchungen stand die neuartige AFB-Steuerung die vermutlich in dieser Lok nicht richtig funktionierte. Daraufhin wurde diese Steuerung in allen 103ern stillgelegt.
Sie hatte wohl selbsttätig, ohne dass der Lokführer noch eingreifen konnte, anstatt auf 70km/h abzubremsen auf 135km/h beschleunigt.
Ich glaube die 135 km/h im EK-Buch über die 103 gelesen zu haben, wo der Unfallhergang genau beschrieben wurde. Ich werde diesen Wert nochmals nachprüfen.
Die Entgleisungsgeschwindigkeit liegt in dieser engen Kurve bei 100 km/h.
Ein weiterer ungeklärter Punkt ist die Frage, warum der sehr erfahrene Lokführer die starke Beschleunigung nicht wahrnahm und keine Bremsung mehr einleiten konnte. Es wurde deshalb vermutet, dass der Lokführer vielleicht einen Herzinfarkt erlitten habe. Was die Obduktion des Lokführers ergeben hat, darüber gibt es m.W. nach keine Informationen.

Gruß

Ralf
Hallo Ralf,

dann passt das, was ich an Steffen Lüdecke angehängt habe.
Der Amtslehrer war kein Techniker. Die Lok soll, seiner Aussage nach, etwas heftig an den Zug beigefahren sein, eine Art "Hoppser" gemacht haben. Der Lokführer wollte angeblich auch die Lok tauschen. Die Bemerkung des Fahrdienstleiters (Ihr könnt mit den neuen Loks nicht umgehen) hat ihn offenbar veranlasst doch zu fahren.


MfG
Horst
Hallo Horst,
diese Information, dass die Lok schon vorher Mucken gemacht hatte, ist für mich sehr interessant und neu. Wenn das so stimmt, scheint eine falsch verstandene Lokführerehre Grund für das Unglück gewesen zu sein. Eine allzu menschliche Fehlleistung.
Wie ich von einem leider schon verstorbenen Lokführer weiß, der Anfang der 70er seine Lokführerausbildung machte, vermied man anfangs auf der 103 zu fahren. Sie galt als kompliziert und im Störungsfall stand man dann als junger Lokführer unter besonderem Druck, die Lok wieder zum Laufen zu bringen.


Eine weitere Anekdote zu einem äußerst glimpflich verlaufenen 103 Unfall möchte ich hier noch beisteuern.
Vor einigen Jahren kam ich auf einer Geburtstagsfeier mit einem älteren pensionierten Lokführer ins Gespräch. Als ich ihm verriet, dass ich großer Bahnfan sei, freute er sich darüber und erzählte, dass er der Lokführer der 103 gewesen war, die durch den berüchtigten Monsieur X bei 140kmh durch die von ihm gelösten Schwellenschrauben mit der 103 und ihrem Schnellzug den Schienenweg verließ, der an dieser Stelle in einem leichten Bogen verlief und dann durch das Feld pflügte. Wie durch ein Wunder kam die 103 und alle folgenden Wagen nach ca. 300m Bremsweg im Acker aufrecht zum Stehen.
Es wurden weder der Lokführer noch Fahrgäste ernsthaft verletzt.
Dass die 103 auch geländegängig war, hatte man vorher ja nicht ahnen können😀.

Gruß

Ralf

Edit: Die 103 hatte in der Unglückskurve von Rheinweiler sogar auf 140kmh beschleunigt!!



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.07.21 15:39.

Bitte was ist denn ein „Amtslehrer“?

geschrieben von: Ralph1408

Datum: 22.07.21 20:53

Googles wissen dazu nichts. Wer klärt auf?
Danke und Gruß
Ralph1408

Re: Bitte was ist denn ein „Amtslehrer“?

geschrieben von: Bahnhofsvorstand

Datum: 22.07.21 21:21

Ralph1408 schrieb:
Googles wissen dazu nichts. Wer klärt auf?
Danke und Gruß
Ralph1408
Wäre wohl die Bezeichnung für "Trainer" in der heutigen Bahnzeit.

Aber wäre nicht "Amtslehrer" wie zu Zeiten der Deutschen Bundesbahn die seriösere Bezeichnung?

Re: Bitte was ist denn ein „Amtslehrer“?

geschrieben von: stefan p.

Datum: 22.07.21 22:34

Hallo Ralph1408,

bei der Deutschen Bundesbahn gab es unterhalb der Direktionsebene die sogenannte Ämterebene. Dazu gehörten u.a. die Betriebsämter, Maschinenämter und Generalvertretungen. Zumindest bei den Betriebsämtern und den Generalvertretungen gab es Beamte des gehobenen nichttechnischen Diensts, die die verschiedenen Unterrichte (regelmäßige Fortbildungsunterrichte (rFU, heute als FIT-Unterrichte (FIT = Fachliche Information und Training) bekannt) und Ausbildungsunterrichte) als Lehrer durchführten. Diese wurden als "Amtslehrer", manchmal auch je nach Fachrichtung als "Betriebslehrer" und "Verkehrslehrer" bezeichnet. Ergänzt wurden die Ausbildungsunterrichte durch sogenannte Praxistrainings, die von Beamten des mittleren Diensts als "Praxistrainer" begleitet wurden. Im Bereich der Instandhaltung gab es analog dazu "Amtslehrer" des gehobenen technischen Diensts, die auf Ämterebene angesiedelt waren, "Amtslehrer" waren, aber gerne auch entsprechend ihrer Fachrichtung als "Signallehrer" etc. bezeichnet wurden.

Noch vor Gründung der DB AG wurden die Amtslehrer dann zentral von der Direktion geführt, blieben aber meistens am Sitz des Amts sitzen und zumindest im Bahnbetrieb war der Amtsbezirk auch der Zuständigkeitsbereich.

Nach Gründung der DB AG wurden die "Praxistrainer" des Bahnbetriebs dann nur noch als "Trainer" bezeichnet und die "Amtslehrer" hießen (zumindest bei uns) nur noch "Lehrer".

Mittlerweile werden beim heutigen Bildungsdienstleister der DB AG (DB Training) nur noch "Trainer" beschäftigt, die bei Seminaren für die Fortbildung die Nachfolger der "Lehrer" sind. Die FIT-Unterrichte im Bahnbetrieb haben zumindest bei der DB Netz AG die Bezirksleiter übernommen, die ihre eigenen Mitarbeiter regelmäßig unterrichten. Die Funktion der damaligen "Praxistrainer" im Betriebsdienst-Praxistraining hat sich verändert und deren Aufgaben werden zumindest bei der DB Netz AG heute durch "Ausbildungs-Fach-Koordinatoren" (AFK) übernommen, die eben zur DB Netz AG und nicht zu DB Training gehören. Bei der DB Netz AG gibt es heute in der Instandhaltung neue "Praxistrainer", die als Experten aus Ihrer Fachrichtung die FIT-Unterrichte der Instandhaltung durchführen und auch fachliche Begleitung vor Ort leisten.

Zurück zu den Amtslehrern: Diese wurden zu Bundesbahnzeiten auch als Fachleute in ihrem Bereich angesehen und waren auch Ansprechpartner für Betriebspersonale und andere Funktionen, wenn es um fachliche Fragen ging. Auch Dienststellenleiter haben damals beim Amtslehrer Rat gesucht. Teilweise haben die Amtslehrer neue Prozesse und die Umsetzung neuer Regelwerke in der Örtlichkeit begleitet, also auch die Außenstellen besucht. Besondere Aufgabe für uns Betriebslehrer waren immer Inbetriebnahmen neuer Stellwerke, bei denen die Bediener des zukünftigen Stellwerks in die Technik des neuen Stellwerks eingearbeitet werden mussten, ohne dass das Stellwerk schon fertiggestellt war. Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme musste der Betrieb dann auch sofort anlaufen können. Diese Herausforderung war immer etwas besonderes und so sind diese Stellwerke auch immer "Kinder der Amtslehrer" gewesen, also es gab eine besondere Verbindung des Amtslehrers zu diesem Stellwerk.

Ich hoffe, ich konnte Dir das Berufsbild des "Amtslehrers" etwas näher bringen.

Freundlicher Gruß
Stefan P. (ehemaliger Amtslehrer, Betriebslehrer, Lehrer, Trainer - in dieser Reihenfolge, je nach Organisationsform des Arbeitgebers)

Spur 0 - was sonst?

Meine Beiträge im HiFo: [www.drehscheibe-foren.de]

Aitrang

geschrieben von: wiesentäler

Datum: 22.07.21 23:00

Hallo

Im Artikel der Badischen Zeitung steht, dass der Unfall in Aitrang ebenfalls von einer 103 verursacht wurde...

Viele Grüsse vom Wiesentäler

Bitte immer in Fahrtrichtung pfeifen

Re: Bitte was ist denn ein „Amtslehrer“?

geschrieben von: Ralph1408

Datum: 22.07.21 23:08

Hallo Stefan,
vielen Dank für die ausführliche Erläuterung, mit der auch ein bahninteressierter Laie etwas anfangen kann.
Gruß
Ralph

Bundesbahnschule Karlsruhe

geschrieben von: Dampffrosch

Datum: 23.07.21 04:02

Hallo zusammen,

da möchte ich noch nachtragen, dass dies während meiner Ausbildung auf der Bundesbahnschule in Karlsruhe war. Die gibt es, wie viele andere auch heute nicht mehr.
Eine Bemerkung meinerseits: Damals wurde noch anders ausgebildet als heute.

MfG
Horst

Ohne Fahrdraht 🤔

geschrieben von: Dampffrosch

Datum: 23.07.21 04:10

Hallo ins Wiesental,

die Strecke wurde doch erst vor einiger Zeit elektrifiziert.
Die wird etwas verwechselt.

Gruß
Horst

Re: Ohne Fahrdraht 🤔

geschrieben von: Susi Dengler

Datum: 23.07.21 06:23

Die Allgäubahn über Kempten ist bis heute nicht elektrifiziert.

Re: Bitte was ist denn ein „Amtslehrer“?

geschrieben von: BW Haltingen

Datum: 23.07.21 07:00

Moin, also das mit dem Monsier X stimmt. Zum Glück ist aber keine 103 mit ihrem D-Zug entgleist

Re: Aitrang

geschrieben von: BW Haltingen

Datum: 23.07.21 07:01

Man muss nicht alles glauben was in der Zeitung steht.

Re: Aitrang

geschrieben von: e32

Datum: 23.07.21 08:10

BW Haltingen schrieb:
Man muss nicht alles glauben was in der Zeitung steht.
Und im Fernsehen gezeigt wird.
Die Medien sind ein "Manipulierinstrument" geworden.
Jüngstens Beispiel:
[www.derwesten.de]

Zum Glück ertappt worden.

Re: Ohne Fahrdraht 🤔

geschrieben von: Dampffrosch

Datum: 23.07.21 08:29

Oh - Danke für den Hinweis.
Seiten: 1 2 All Angemeldet: -