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 04 - Historisches Forum 

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Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Auf der Seite des Eisenbahnmuseums Bochum habe ich einen Blog-Beitrag für den Monat Juni erstellt, der sicherlich auch hier interessierte Leser finden wird:

Im Jahr 1884 wurde die Oleftalbahn von Kall über Gemünd, Olef, Schleiden (Eifel), Oberhausen (Eifel) und Blumenthal (Eifel) nach Hellenthal eröffnet. Vorläufig stillgelegt wurde die Strecke am 15. Oktober 1944 aufgrund starker Beschussschäden - insbesondere bei den Bahnhöfen, den Brücken sowie dem Gemündener Tunnel wies die Bahn erhebliche Zersörungen auf. Erst vier Jahre später konnte die Bahn wiedereröffnet werden: Der Abschnitt von Kall nach Oberhausen (Eifel) am 10. Juli 1948 (für den planmäßigen Verkehr) und der Abschnitt von Oberhausen (Eifel) nach Hellenthal am 14. Dezember 1948 - so die Angaben in der Literatur.

http://eisenbahnmuseum-bochum.de/wp-content/uploads/2021/06/2021_06_001.jpg

Der Eröffnungszug mit der Aufschrift "Hurra! die Flitsch ist wieder da! 8.7.1948".


http://eisenbahnmuseum-bochum.de/wp-content/uploads/2021/06/2021_06_002.jpg

In Schleiden wurde der prall mit Honoratioren gefüllte Zug von einer großen Menschenmenge erwartet.


http://eisenbahnmuseum-bochum.de/wp-content/uploads/2021/06/2021_06_003.jpg

Auch in Oberhausen (Eifel) war die Ankunft des Zuges "das Ereignis".


http://eisenbahnmuseum-bochum.de/wp-content/uploads/2021/06/2021_06_004.jpg

Zu einem "Gruppenfoto mit Lok" versammelten sich schließlich noch einmal alle "Offiziellen".


http://eisenbahnmuseum-bochum.de/wp-content/uploads/2021/06/2021_06_005.jpg

Doch nun wird ein wenig rätselhaft: Aus einer zweiten Bilderserie stammen die letzten beiden Bilder. In Hellenthal hatte man ein großes Banner aufgehängt: "Der Luftkurort Hellenthal dankt der Bundesbahn". Doch wenn man der erst 1949 gegründeten "Bundesbahn" dankte, kann diese Aufnahme nicht anlässlich der Eröffnung des Schreckenabschnitts nach Hellenthal im Dezember 1948 erfolgt sein!


http://eisenbahnmuseum-bochum.de/wp-content/uploads/2021/06/2021_06_006.jpg

Und schließlich noch der Sonderzug am Bahnsteig in Hellenthal. Die Lok trägt noch die Beschilderung "Deutsche Reichsbahn" - die "Bundesbahn" kann also noch nicht sonderlich "alt" gewesen sein. Doch was war der Anlass für diesen Sonderzug - vermutlich im Jahr 1949? Wer kann das Rätsel lösen?

1948 bis Oberhausen und erst 1949 bis Hellenthal (1 Bild)

geschrieben von: fzx2

Datum: 02.06.21 20:52

Hallo,

die Eröffnung des Teils bis Hellenthal war nicht 1948, sondern 1949.
Hier ein Bild vom Eröffnungszug mit Datum 14.12.1949:

https://abload.de/img/eroffnungkall-hellentk4kc9.jpg
Gruß
Alex



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.06.21 11:39.
Hellental war bis in die 1950er Lokbahnhof des Bw Euskirchen, mit Lokschuppen, Werkstatt und Kohlenbansen. Auf der Strecke spielte der Güterverkehr immer eine übergeordnete Rolle, er überlebte den Personenverkehr um viele Jahre. Es gab von daher auf dieser Strecke zig Gleisanschlüsse. Besonders hervorzuheben wäre hier der Ausweichanschlußstelle Höddelbusch mit Kopframpe kurz vor Schleiden zum Verladen von Panzern, die dort auch mehrfach im Jahr verladen wurden. Von dort aus fuhren die Panzer dann über eine separate Straße weiter bis zum Militärübungsglände Vogelsang. Vogelsang war ein Militärübungsplatz der belgischen Armee. Gelegentlich traf man dort auch schon mal bis zu drei Militärzüge gleichzeitig, die nacheinander be- oder entladen wurden. Ebenso markant sind der kurze Gemünder Tunnel und die Ortsdurchfahrt Olef, wo Züge nur mit Schrittgeschwindigkeit quer über den Dorfplatz fahren dürfen. Zwischen Anstois und Gemünd werden fast alle Bahnübergänge nur mit Pfeiftafeln gesichert, diese liegen auch recht kurz bei einander. In diesem Bereich findet man dann auch die Gemünder Brauerei. In den 1960-ern gab es dort für einige Jahre verschiedene Haltepunkte mit recht kurzen Bahnsteigen, an denen gerade ein Schienenbus dran passte. Ebenfalls pendelten für einige Zeit auch Jünkerather Schienenbusse mit Jünkerather Lokpersonalen von Hellental bis Mülheim (Eifel).


Beste Grüße
Bernd



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.06.21 22:55.

Re: 1948 bis Oberhausen und erst 1949 bis Hellenthal

geschrieben von: RV

Datum: 03.06.21 10:35

Hallo,
scheinbar wurde die Strecke zwei mal wieder eröffnet, einmal im Juli 1948 und ein zweites mal im Dezember 1949, wobei es ein sehr kalter Juli gewesen sein muß, denn die Herren sind sehr gut verpackt mit Anzug und Mantel.
Die Lok im Juli dürfte eine 86 ÜK sein, im Dezember evtl 86 538 vom Bw Düren.

Grüße
Rüdiger
Die Eröffnung der Strecke fand nach dem Krieg in zwei Etappen statt:

Am 08. Juli 1948 von Kall (Anschluss an die Eifelstrecke) bis (Schleiden) Oberhausen. Ab dem 09.Juli 1948 fand dann Regelbetrieb statt. Die Wiedereröffnung wurde als Operation "Olef" bezeichnet.
Hier Fahrplananordnung der RBD Köln zur Eröffnung:

https://abload.de/img/img_3709kcjlw.jpg



Und dann hier die Anweisung des Reichsbahnbetriebsamtes Euskirchen zur Wiederaufnahme des regulären Zugverkehrs ab dem 09. Juli 1948:

https://abload.de/img/img_3706t2khh.jpg
https://abload.de/img/img_37078fj2d.jpg

https://abload.de/img/img_37086wj0z.jpg
Dann fand -nach weiteren Wiederherstellungsarbeiten auf der Reststrecke- die Eröffnung von Oberhausen bis Hellenthal am 14. Dezember 1949 statt.
Dazu wurden Seitens des Kreises Schleiden und der Eisenbahndirektion Köln die örtlichen Würden- und Amtsträger eingeladen:

https://abload.de/img/img_3711fuj41.jpg

https://abload.de/img/img_371031j6p.jpg
Aber auch zur Aufnahme des regulären Betriebes ab dem 15. Dezember 1949 gab es eine entsprechend Anweisung des Betriebsamtes Euskirchen:

https://abload.de/img/img_3703xgjt3.jpg

https://abload.de/img/img_3704eck1f.jpg

https://abload.de/img/img_3705lrjxs.jpg
Und zum Abschluss noch ein Bild zum -nach dem Krieg- neugebauten Bahnhofsgebäudes von Blumenthal:

https://abload.de/img/egblumenthalyhk7k.jpg
2002 präsentierte sich das Gebäude fast unverändert, nur inzwischen ist es ein Wohnhaus

https://abload.de/img/apr28_65l2j1a.jpg

Herzliche Grüße

Alex Klein
Hallo Kla.., äh Bernd (sorry!),

auch wenn Du es sicherlich ebenfalls in deiner Sammlung hast (oder hast diese inzwischen verkauft, wie man mir berichtet?), hier der Fahrplan zu den Schienenbussen von Hellenthal nach Mülheim/Eifel.
Hintergrund war, dass man den Bewohnern einen vereinfachte Anfahrt in die Kreisstadt Schleiden bieten wollte.

https://abload.de/img/img_3701orkyq.jpg
https://abload.de/img/img_37023kjyb.jpg
Gruß
Alex Klein
Den ersten Zug zur Wiedereröffnung der Oleftalbahn 1948 von Kall nach Oberhausen zog ein Lok der Baureihe 86 des Bw Düren. Den zweiten Zug zog dann 1949 eine Lok der Baureihe 74 des Bw Euskirchen. Wiedereröffnung in zwei Akten? Zur Wiederherstellung des Teilabschnittes Kall - Oberhausen hatte man etwa 1,5 km Gleis samt Unterbau kurz vor Hellental für die Instandsetzung des vorderen Streckenteil bis Oberhausen benutzt, da zu dieser Zeit halt Gleis- und Oberbaumaterialien knapp waren und es weitaus wichtigere Bauvorhaben gab, wie eine Nebenbahn wieder herzustellen. Von daher entschloß man sich die Strecke Kall - Hellental dann in zwei Etappen wiederzueröffnen. Daneben mussten man ja auch noch einige Brücken wieder instand setzen.

Beste Grüße
Bernd

Zuglok des Eröffnungszugs nach Hellenthal am 14.12.1949

geschrieben von: 03 1008

Datum: 03.06.21 19:22

... war 74 838, Bw Euskirchen (Kemp: Eisenbahnchronik Eifel, Band 2, S. 129)

Viele Grüße, Helmut
Schöne Bilder aus einer vergangenen Zeit.

Wie sieht es denn aktuell mit der Oleftalbahn aus ? Werden die Gleisschäden von der RSE reapariert und wann kann man wieder mitfahren ???

Die Nebenbahn von Kall nach Hellenthal

geschrieben von: eifelindianer

Datum: 03.06.21 23:39

Zur Glanzzeit gab es auf der Nebenbahn Kall - Hellental 69 Wege- und Straßenübergänge. Das waren für eine 17,5 km kurze Eisenbahnstrecke eine ganze Menge Gefahrenpunkte. Bahnhöfe gab es in Gemünd, Schleiden, Blumenthal und Hellental. Am Gemünder Tunnel gab es den einzigsten Schrankenposten auf dieser Strecke, weil dort die Bundesstraße den Schienenweg kreuzte und damit dann entsprechend viel Verkehr dort her fuhr. Später verlegte man die Bundesstraße zwar, der Bahnübergang blieb jedoch weiter erhalten.
Auch wenn man sich bereits ab Kall auf einer Nebenbahn befand, so war es noch mal ein ganz anders Gefühl wenn man sich dann hinter Schleiden befand, in Oberhausen die Bundesstraße letztmalig querte, dann den Bahnhof Blumenthal durchfuhr um kurz darauf in den Bahnhof Hellental einzufahren. Ein ebenso seltsames Gefühl war es, wenn man mit Schrittgeschwindigkeit mit seinen Panzerzügen in Olef an der Kirche vorbei fuhr und mit Schrittgeschwindigkeit den dortigen Dorfplatz überquert. Im Bereich Mauel, etwa bei der Gemünder Brauerei, überquerte man etliche Bahnübergänge, die zwar durch die Andreaskreuze gesichert wurden und jedoch zusätzlich mit Pfeiftafeln versehen waren. Ein wahres Pfeifkonzert in diesem Streckenbereich.
Insgesamt ist die Oleftalbahn zwar eine romantische Nebenbahn, die von Einem jedoch, aufgrund einiger markanter Gefahrenpunkte, stets die volle Aufmerksamkeit verlangt.


Beste Grüße
Bernd



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.06.21 09:38.
Vielen Dank für die zahlreichen ergänzenden Informationen - insbesondere freue ich mich, dass die "Eröffnungsproblematik" in so perfekter Art und Weise gelöst werden konnte.
Dem Vernehmen nach sind die Schäden an der Strecke nicht unerheblich, so dass mit einer Wiederinbetriebnahme nicht so schnell gerechnet werden darf.