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Hallo,

soweit ich das verstanden habe, war die DR-Baureihe 24 für den Nebenbahndienst geplant gewesen. Eingesetzt wurde sie bei der Reichsbahn überwiegend in östlichen Direktionen, daher auch der Spitzname "Steppenpferd". Nun stellt sich mir die Frage, welche Länderbahnbaureihen durch die 24 abgelöst oder unterstützt werden sollten, da es bei den preußischen Staatsbahnen keine Lokomotive vergleichbaren Typs gegeben hat? Generell scheint mir eine Schlepptenderlok, die explizit für den Nebenbahndienst konstruiert wurde, etwas ziemlich exotisches gewesen zu sein? Was ließ bei der Reichsbahn plötzlich den Bedarf für eine Nebenbahn-Schlepptenderlokomotive auftreten, den die Länderbahnen 90 Jahre lang nicht hatten?

Beste Grüße und vielen Dank für eure Antworten
Aquilifer
Die pr. P6 käme der 24er recht nahe.

Allerdings sollte, soweit ich weiß, die 24 nicht spezielle Baureihen ersetzen, sondern den Park der Nebenbahnloks modernisieren, beschleunigen und wirtschaftlicher gestalten, da oft auf den Nebenbahnen ältere Bauarten wild durcheinander eingesetzt wurden. Auch wurden Hauptbahnloks, welche auf den Hauptstrecken nicht mehr ausreichten, weil zu langsam oder zu schwach, auf den Nebenbahnen abgefahren. Dadurch ergab sich eine Vielzahl unterschiedlicher Baureihen in oft geringen Stückzahlen, was die Ersatzteilhaltung und die Instandhaltung verteuerte.
Im Prinzip alles was (nicht nur auf preuß.) Nebenbahnen so rumfuhr und sein Alter erreicht hatte.

In der Literatur liest man, dass der Spitzname "Steppenpferd" nicht aus der Lokführerriege stammt, sondern ein Begriff der Modellbahnindustrie sei.

Ich empfehle das aufschlussreiche Baureihen-Buch vom EK.

Meint die E10 444

längere Strecken fahren

geschrieben von: Hans-von-E94

Datum: 04.05.21 09:15

So habe ich es auch noch im Gedächtnis.

Die 24er war eine Neukonstruktion, um einen längeren Umlauf zu ermöglichen, längere Strecken zu fahren, um nicht ständig Vorräte aufnehmen zu müssen.

Gruß,
Hans

http://www.lokschilder.info/Galeriebilder/DRo/tn_E94114NAlB_Supersatz_jpg.jpg

Hallo,

für die langen Strecken in Ost- und Westpreußen soll sie angeblich konstruiert sein. Aber dort gibt es keine Steppe.

Gruß
Horst
Aquilifer schrieb:
Was ließ bei der Reichsbahn plötzlich den Bedarf für eine Nebenbahn-Schlepptenderlokomotive auftreten, den die Länderbahnen 90 Jahre lang nicht hatten?

Die Vorläufer waren teilweise uralte C-Schlepptenderloks, die sich aber für den Reisezugverkehr nur beschränkt eigneten. Ohne die BR 24 wäre die BR 53 in ihren verschiedenen Spielarten noch viel länger und zahlreicher im Reichsbahnbestand verblieben.

Gruss, Werner

Heute schon.

geschrieben von: Nietenreko

Datum: 04.05.21 10:18

Insbesondere im russischen Teil des früheren Ostpreußens ist die Versteppung der Landschaft doch sehr weit fortgeschritten. Dafür gibt es die meisten Eisenbahnstrecken, auf denen die BR 24 damals zum Einsatz kam, heute nicht mehr. Hier [www.susudata.de] kann man sich das anschauen.

Hinweis: Beitrag kann Spuren von Ironie enthalten.

Aquilifer schrieb:
Hallo,

soweit ich das verstanden habe, war die DR-Baureihe 24 für den Nebenbahndienst geplant gewesen. Eingesetzt wurde sie bei der Reichsbahn überwiegend in östlichen Direktionen, daher auch der Spitzname "Steppenpferd". Nun stellt sich mir die Frage, welche Länderbahnbaureihen durch die 24 abgelöst oder unterstützt werden sollten, da es bei den preußischen Staatsbahnen keine Lokomotive vergleichbaren Typs gegeben hat? Generell scheint mir eine Schlepptenderlok, die explizit für den Nebenbahndienst konstruiert wurde, etwas ziemlich exotisches gewesen zu sein? Was ließ bei der Reichsbahn plötzlich den Bedarf für eine Nebenbahn-Schlepptenderlokomotive auftreten, den die Länderbahnen 90 Jahre lang nicht hatten?

Beste Grüße und vielen Dank für eure Antworten
Aquilifer
Hallo,

es gab sehr wohl eine Vorgängerbauart in Preußen: Die P 6, später Baureihe 37, ebenfalls 15 Tonnen Achsdruck und 90 km/ Höchstgeschwindigkeit. Und da diese in immerhin 275 Exemplaren beschaffte Bauart nicht sonderlich befriedigte, musste ein Ersatz her...

Beste Grüße

Martin

Beispiel: 24 Bw Treysa

geschrieben von: erikelch

Datum: 04.05.21 14:14

Hallo zusammen,

beispielsweise setzte das Bw Treysa seine 24er von in den 1930er und 1940er Jahren auf folgenden längeren Stecken ein:

Knüllwaldbahn Treysa - Oberaula - Niederaula - Bad Hersfeld (62 Kilometer)
Kanonenbahn Treysa - Homberg (Efze) - Malsfeld - Waldkappel - Eschwege - Schwebda - Geismar - Leinefelde (130 Kilometer).

Beim durchgängigen Einsatz einer Tenderlok (Baureihe 64 oder 86) wäre da mehrmals Wasserfassen angesagt, vielleicht sogar Kohlenachladen.

Viele Grüße und bleibt gesund!
erikelch
QJ 7002 schrieb:
Hallo,

es gab sehr wohl eine Vorgängerbauart in Preußen: Die P 6, später Baureihe 37, ebenfalls 15 Tonnen Achsdruck und 90 km/ Höchstgeschwindigkeit. Und da diese in immerhin 275 Exemplaren beschaffte Bauart nicht sonderlich befriedigte, musste ein Ersatz her...

Beste Grüße

Martin
Dass die P6 nicht sonderlich befriedigte ist mir neu. Zumindest in Ostpreußen (und in Pommern) hat sie ein Vierteljahrhundert klaglos Dienst getan.
Dort ist sie auch die Universallok gewesen, als die sie im west- oder mitteldeutschen Mittelgebirge nicht geeignet war.
Da scheint auch viel Vorurteil durch Lokomotivästheten, deren Ansprüchen sie nicht genügte, hineingetragen worden sein.

Es gab auch noch die G5.4 in ähnlichen Diensten, deren vereinzelt auf Heißdampf umgebauten Exemplare der 24 praktisch (bis auf die Geschwindigkeit) gleichwertig waren.
Als Ausleihe war auch die bayerische 1'C (54.14-16) auf den langen Heidestrecken unterwegs, auch eine ähnliche Leistungsklasse.
Vielleicht kann jemand die Vorgänger der 24 im Schwarzwald benennen? Badische VIb? Die VIc waren wahrscheinlich zugkräftiger.

Gruß
Wolfram
... zumal die 24er in Nord- und Nordwestdeutschland, im Südwesten (Schwarzwald) und eben in Pommern und Ostpreußen eingesetzt wurden,
in jedem Bw meist in nur geringen Stückzahlen.

95 Lok BR24 konnten z.B. nicht 275 P6 ersetzen ....

Dies mal so ganz allgemein.

E10 444

BR 24 in Bayern

geschrieben von: Jürgen K.

Datum: 04.05.21 15:52

Hallo zusammen,

interessant, daß die 24er oft erstmal mit Ostpreußen assoziiert wird. Ost- und Südostbayern waren in den Dreißigern ebenfalls typische Einsatzgebiete für die BR 24, bei den BW Landshut und Plattling. Von Plattling aus sind sie u. a. bis Rosenheim durchgelaufen, das sind etwa 140 km. Die Landshuter Maschinen kamen bis Freilassing. Auf diesen Strecken sind vorher bayerische BVI und Pt 2/3 (BR 70) gelaufen, wobei die 70er auch noch zu Zeiten der BR 24 eingesetzt worden ist.
Einer Legende (Stockklausner ?) zufolge soll die Bezeichnung "Steppenpferd" von den Freilassinger Eisenbahnern stammen. Oder vielleicht doch aus dem Märklin-Katalog ;-) ?
Viele Grüße

Jürgen
E10 444 schrieb:
... zumal die 24er in Nord- und Nordwestdeutschland, im Südwesten (Schwarzwald) und eben in Pommern und Ostpreußen eingesetzt wurden,
in jedem Bw meist in nur geringen Stückzahlen.

95 Lok BR24 konnten z.B. nicht 275 P6 ersetzen ....

Dies mal so ganz allgemein.

E10 444
...wobei wir nicht vergessen dürfen, dass über 100 preußische P 6 nach dem Ersten Weltkrieg als Reparationsabgaben in aller Herren Länder gingen und so dem Bahnbetrieb in Deutschland nicht mehr zur Verfügung standen. Hinzu kommen sicherlich noch weitere Kriegsverluste.

Grüße

Martin
Nach den ersten Serie erfolgten ja Anfang der 1930er Jahre regelmäßig Neulieferungen an die Reichsbahn. Mitte der 1930er Jahre klaffte eine große Lücke in der Beschaffung, wie bei vielen anderen Baureihen zu dieser Zeit auch auch. Erst 1938 bis 40 wurden dann nochmals Loks gebaut. Die Beschaffung der BR 24 wurde ja nicht weiter verfolgt, sondern lief wie einige andere Baureihen einfach zu Beginn des Zweiten Weltkriegs aus. Daraus einen Misserfolg oder Bedarfslosigkeit herzuleiten, würde ich nicht wagen. Eher brauchte man ja viele Fahrzeuge für schwerere, aber langsamere Züge. Da ist die BR 24 einfach das falsche Zugpferd.
Hallo,

die Strecke war mir auch spontan eingefallen.
Die war ja auch als Hauptbahn trassiert worden.
Allerdings gab es dort wenige durchgehende Zuege und die hatten, in Richtung Leinefelde, in Eschwege einen Aufenthalt
von gut 20 Minuten. In Gegenrichtung war das wenig anders .
Bei vielen Verbindungen wäre Wasserfassen auf keinen Fall ein zeitliches Problem gewesen.
Die Reisegeschwindigkeit betrug zwischen Treysa und Eschwege im Mittel 33,6 km/h.
Zwischen Eschwege und Leinefelde waren es knapp 38 km/h.
Die 6 Wagenzuege die in der Zwischenkriegszeit dort fuhren, machten auch keine 24er erforderlich (zwischen Eschwege und Leinefelde
fuhren ja oft genug Lok der BR 57 (ex G10) vom BW Niederhohne.
Da bleibt alleine das Argument des Kohlenvorrates.

Gruß

Norbert
Von 1928 bis 1965 waren Lok BR 24 beim Bw Rahden beheimatet und auf den Strecken Herford - Rahden - Sulingen - Bassum und Nienburg, zT. auch Diepholz - Sulingen - Nienburg im Einsatz. Dort hat sie preußische P 4 , umgezeichnet DR Baureihe 36 ersetzt. Auch kamen rund um Rahden abgängige Länderbahn Schnellzugloks (S 1) zum Einsatz. Die Streckenlängen erforderten hier Schlepptenderlokomotiven. Die durchfahrene z.T. einsame flache Landschaft paßt auch zur Bezeichnung Steppenpferd.