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Mein Besuch bei der Oberen Kochertalbahn 1999

geschrieben von: namsos

Datum: 02.05.21 16:58

Hallo zusammen,

1999 ging es bei meinen Streckenbereisungen in die Zielgerade, es fehlten nur noch einige wenige Strecken in Baden-Württemberg. Dazu gehörte auch die Obere Kochertalbahn Gaildorf West - Untergröningen. Der Fahrplan war seinerzeit für WEG-Verhältnisse durchschnittlich, aber samstags fuhr damals nur ein Zugpaar. Das wollte ich in ein Bahnwochenende im Süden einbinden, was das Ganze in der Planung beschleunigte, war die Meldung, daß mittelfristig die Betriebseinstellung der Strecke geplant war.

Die WEG-Strecke Gaildorf West - Untergröningen wurde 1903 auf ganzer Länge eröffnet, der unmotiviert erscheinende Endpunkt sollte auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg eigentlich Durchgangsstation werden, aber ein Weiterbau unterblieb auch da. Sinkende Transportleistungen bewogen die Betriebsleitung der WEG, ab Mitte der 90er Jahre über eine Stillegung der Strecke nachzudenken.

Am 13.11.1999 machte ich mich mit dem D 1999 Hamburg - Stuttgart auf den Weg über Nacht in den Süden. Der Nachtzug war ausnahmsweise pünktlich und ich lief in den Tiefbahnhof des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Die S-Bahn nach Backnang setzte sich in Bewegung, aber in Winnenden ertönte eine Durchsage "Wegen Bauarbeiten verzögert sich die Weiterfahrt um 20 Minuten." Sehr ärgerlich, hatte ich doch in Backnang gerade mal drei Minuten Umsteigezeit. In Backnang war nach der deutlich verspäteten Ankunft meiner S-Bahn der Zug Richtung Gaildorf natürlich weg und ich mußte umplanen. Die Bereisung der Strecke wollte ich auf jeden Fall durchführen und so überlegte ich, direkt nach Untergröningen zu fahren, um wenigstens die Rückleistung mitnehmen zu können. Dazu schnappte ich mir im Bahnhof Backnang einen Flyer der Dampfzüge auf der Oberen Kochertalbahn und begab mich zum Taxistand. Der angesprochene Fahrer des ersten Gefährts konnte allerdings mit dem Zielort Untergröningen nichts anfangen, entsprechend präsentierte ich ihm den Flyer, wo auf der Rückseite die Anfahrtsmöglichkeiten beschrieben wurden. Daraufhin durfte ich einsteigen, bekam aber den Hinweis, daß das teuer werden würde, schließlich sollten es knapp 50 Kilometer Taxifahrt werden. Beeilen mußten wir uns nicht, entsprechend hielten wir noch einmal an einem Geldautomaten, damit ich dem Fahrer nach der Fahrt die fällig gewordenen 120 DM in die Hand drücken konnte. Am Bahnhof Untergröningen angekommen hatte ich genug Zeit, mich umzusehen und konnte auch ein paar Bilder machen, nebenbei gab es auch in einem Laden Postkarten für meine Sammlung mit dem Namen der Gemeinde, zu der Untergröningen gehört und die die für Etymologen interessante Reihe von fünf Konsonanten namens btsgm enthält [de.wikipedia.org]

ugr1.jpg

Bahnhof Untergröningen, hier mal ein Bildvergleich früher und heute [www.drehscheibe-online.de]

Ich lief kurz vor der Abfahrt zum Triebwagen und bekam eine Fahrkarte für eine Mark, auf Nachfrage erfuhr ich, daß gerade eine Sonderaktion laufen würde. Das war nicht das einzige Bonbon meines Besuchs, auch mangels weiterer Fahrgäste konnte ich mit dem freundlichen Personal ausmachen, an den Zwischenstationen zum Fotografieren aussteigen zu können. Anschließend ging die Fahrt los Richtung Gaildorf West.
ugr2.jpg

Bahnhof Laufen, bis hierhin gab es von Untergröningen aus nach der Stillegung einen Draisinenverkehr.

Da ich mich nun schon als Eisenbahnfreund zu erkennen gegeben hatte, gab es noch ein Extra von den freundlichen Eisenbahnern, denn ich durfte ab nun vorne beim Fahrer mitfahren.

ugr3.jpg

Bahnhof Sulzbach, hier liegen heute keine Gleise mehr.

ugr5.jpg

Bahnhof Gaildorf Stadt

ugr4.jpg

Gaildorf West, Endstation

In Gaildorf West angekommen, bedankte ich mich herzlich bei den Eisenbahnern und fuhr über Backnang, Marbach, die Schusterbahn und erstmals nach Reaktivierung Herrenberg - Tübingen sowie nach Bad Urach, bevor ich in Radolfzell Quartier bezog. Am nächsten Tag besuchte ich Stockach und die SWEG-Strecken nach Oberharmersbach-Riersbach sowie nach Ottenhöfen, bevor es wieder in die Heimat ging.

Im Mai 2000 gab es einen Zusammenstoß auf der Oberen Kochertalbahn zwischen einem Triebwagen und einer Lok eines Güterzuges, was zum Anlaß dazu genommen wurde, den Personenverkehr einzustellen. 2004 wurde die Gesamtstrecke gesperrt, und 2009 der Mittelabschnitt abgebaut. Ob der Draisinenverkehr zwischen Laufen und Untergröningen noch existiert, habe ich noch nicht herausgefunden, auf jeden Fall findet auf keinem Teilstück mehr Betrieb statt.

Re: Mein Besuch bei der Oberen Kochertalbahn 1999

geschrieben von: TobiBaum

Datum: 02.05.21 17:42

Guten Abend,

vielen Dank für den schönen Bildband!

Die Kochertal Draisine gibts noch, die Fahrt ist ganz nett aber es gäbe schönere Streckenabschnitte ganz zu schweigen von einem richtigen Eisenbahnbetrieb.
Infos vom Betreiber gibts hier
[www.uhlbachhof.de]

Beste Grüße, Tobias

Re: Mein Besuch bei der Oberen Kochertalbahn 1999

geschrieben von: 20PSLok

Datum: 02.05.21 18:58

Hallo,

Vielen Dank für den schönen Bericht und die Bilder.
Offensichtlich verkehrte damals das einzige samstagliche Zugpaar Gaildorf -> Untergröningen -> Gaildorf. Das Depot war aber in Untergröningen, übernachtet der TW in Gaildorf im Freien oder gab es jeweils noch eine Gegenleistung die als Güterzug zählte und nicht im öffentlichen Fahrplan stand?

Grüße
20PsLok



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.05.21 19:02.

Re: Mein Besuch bei der Oberen Kochertalbahn 1999

geschrieben von: Schwellenleger

Datum: 02.05.21 20:40

Hallo Namsos,

danke für die interessante Geschichte zu den Bildern. Dass Du dafür sagar kräftig in die Reisekasse gegriffen hattest, um mit dem Taxi Zugersatzverkehr von Backnang nach "Ug" machen zu können, ist heute "ein Lob wert"... ;-)



Tja, die Stillegung der Strecke und die oft nur als halbherzig zu bezeichnenden "Bemühungen" zur Rettung der Bahn sind schon eine eigene Geschichte. Man hätte sicherlich etwas daraus machen können, aber wenn - die Orte vor Ort nicht wollen, der Bahnbetreiber absolut nicht will, mit der Organisation dann zum Bsp. ein bereits etwas "tütteliger", ehemaliger Ortsvorsteher aus einem anderen Gebiet betraut wird, und und und .... und dann auch kein Frachtaufkommen zu erkennen ist, tja dann - dann kann man nichts mehr machen. Außer Betrieb vorübergehend einstellen und die Strecke liegen lassen. ( Wobei klar ist, daß auch das Geld kostet.. ) .

Bei G - U kam noch hinzu, daß:
- die Strecke in einem schlechten Unterhaltungszustand war. So wurden z.Bsp. zwei Jahre vor der Einstellung im hinteren Abschnitt in mehreren Kurven neue Schwellen und Schienen samt K-Befestigung eingebaut. Die "geraden" Abschnitte dazwischen blieben im alten Zustand mit maroden Holzschwellen und teils auch noch einfacher Hf-Befestigung... Und die Brücke zwischen Schönebürg und Bröckingen... da stelle ich mal gelegentlich ein paar Bilder ein.
- Die Güterkunden fielen weg. U.a. der Holzhandel in Laufen, der "unbedingt" den Gleisbereich für sein Werkareal benötigte und zudem auch nicht mehr auf die Bahn verladen wollte. Er würde ohne das Grundstück seinen Laden zumachen können. Er bekam das Grundstück und machte kurz darauf seinen Laden zu... ( Insolvenz ).
- Der Betrieb in Ug machte "Druck", weil er erweitern müßte, aber nur in Ug dazu Platz fände => das Bahngelände...

Somit wundert es nicht, daß irgendwann die Gemeinden sich für die Entwidmung aussprachen.
( das ist alles nur eine "Kurz-Zusammenfassung" der Ereignisse vor und hinter der Bühne, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. )

Und: ich kann Dir versichern, daß auch die Gleise im "vorderen" wie auch im "hinteren" Bereich des stillgelegten Abschnittes im Jahre 2009 abgebaut wurden... ;-) Das noch brauchbare Material ging an mehrere Bahnbetriebe, u.a. Schienen an die Brohltalbahn, Schwellen u.a. an die Bundeswehr für ihr Anschlußgleis in Delmenhorst und mehrere andere.

Herzliche Grüße an die Elbe,
Uwe

Re: Oberen Kochertalbahn 1996 (+2B)

geschrieben von: alf.me

Datum: 02.05.21 21:24

Danke für die Eindrücke.
Leider war ich nur einmal an dieser Bahn gewesen.
1996 wohnte ich noch nicht sooo weit weg, so das es möglich war, sehr sehr früh aufzustehen, um bei "Licht an" Vorort zu sein.
Ich hatte dann am 15.10.1996 das Glück, dass der VT36 alz Zug Nr. 18 noch einige Holzwagen mitzunehmen hatte.
462-001.jpg

Aber nicht nur der VT war zu sehen, auch die V125 war mit den Holzschnitzelwagen beschäftigt.
462-011.jpg

Und in Untergröningen stand noch die V122 abgestellt.


Gruß
alf.me