DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historisches Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Hallo,

als Ergänzung zum Beitrag über das Emaillierwerk Mellendorf vom User "Rally01", erlaube ich mir einen kleinen Bericht über die Konkurrenz aus Elberfeld. Der Sommer 2019 war einer der heißesten in den letzten Jahren. Nachdem ich mehrere Wochen in Wuppertal zu einem Lehrgang in nicht klimatisierten Räumen verbringen durfte, fand ich dennoch die Lust mich nachmittags u.a. auf die Spuren des Emaillierwerkes Schulze&Wehrmann zu begeben. Diese Werkbezeichnung war mir schon in Jugendtagen auf diversen Schildern der DR aufgefallen.

Zunächst einen kurzen Exkurs in die Firmengeschichte des Werkes. Im Jahre 1893 gegründet, entwickelte sich dieses Unternehmen aus kleinsten Anfängen zur bedeutendsten Emailschilderfabrik des westdeutschen Raumes. Die Erzeugnisse dieses Werkes, lichtechte und wetterbeständige Emailschilder mit dem Gütezeichen Gladiator sind allenthalben ein Begriff für deutsche Qualitätsarbeit. Gegründet wurde diese Firma 1893. Seit 1894 bestanden mit den Zentralstellen von Post und Eisenbahn Lieferverträge; daneben bezogen Bundes- und Kommunalbehörden Verkehrszeichen, Straßentafeln und Hausnummern. Neben Emailschildern aller Art für betriebliche Zwecke verließen farbenprächtige Emailplakate dieses Wuppertaler Werk und dienten der Außenwerbung bedeutender Unternehmen des In- und Auslandes. Ein Sondererzeugnis der Firma Schulze&Wehrmann waren die Fahrplantafeln mit auswechselbaren Emailschildchen, die auf den meisten Bahnhöfen der Bahn und an den Haltepunkten der Postautobusse zu sehen sind. Mit einer Belegschaft von 125 Arbeitskräften und nach gründlicher Um- und Neugestaltung der Betriebseinrichtung ist die Vorkriegskapazität bereits überschritten… (Quelle: Heimatchronik…1951, S.309)

Für die Qualität eines gut erhaltenen Emailschildes (oder auch eines Werbeschildes) ist natürlich auch die fachgerechte Anbringung desselben ausschlaggebend. Zu diesem Zweck haben die Emaillierwerke auf die Rückseiten der Emailleschilder kleine Zettel angeklebt, auf denen Hinweise zur Anbringung der "Emailplakate" aufgedruckt waren. Auch fanden sich Hinweise zur Pflege der Schilder, manchmal auch Empfehlungen, an welcher Stelle man es anbringen sollte. Jedes Emaillierwerk hatte seine eigenen Zettel. Es sollten nur Schrauben und keine Nieten oder Nägel verwendet werden, möglichst mit Blei- oder Lederscheiben als Unterlage. Ebenfalls dürfen die Schrauben nicht zu fest angezogen werden, damit das Email nicht Not leidet. (!)

Am 15.10.1958 wurde das Vergleichsverfahren über die Firma beantragt und am 5.2.1960 nach beendeter Liquidation aufgehoben. Damit endete die Produktion dieses überregional bekannten Betriebes Am Bornberg 88-92 in Wuppertal. Das ursprüngliche Hauptgebäude (1890er Jahre?) mit dem Anbau (Ende 1940er Jahre?) und der rückwärtigen angrenzenden Produktionshalle mit klassischem Sheddach ist immer noch vorhanden. Wenn auch zur Zeit meines Besuches zum überwiegenden Teil offenbar nicht mehr in Nutzung.

In Elberfeld gab es noch ein Emaillierwerk. Das Emaillierwerk Heinrich Peters. Ein Verzeichnis der Emaillierwerke findet sich unter [www.german-picker.com]

Grüße,
Lalu

Hauptgebäude.JPG
(Altes Hauptgebäude im Jahr 2019)

Werkhalle.rechts.JPG
(rückwärtige Produktionshalle im Jahr 2019)

Werkansicht.alt.jpg
(altes Hauptgebäude um 1900)

Hoyerswerda1.JPG
(Seit Jahrzehnten ein Produkt der Firma zuverlässig im "Außendienst", hunderte Kilometer entfernt)

Hoyerswerda2.JPG
(Detail des Schildes)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.02.21 19:14.
Werbeanzeige_1922.jpg
(Firmenwerbung vor dem 2.Weltkrieg)

Messewerbung.jpg
(Firmenwerbung nach dem 2. Weltkrieg)

Rückseite Pflege.jpeg
(Pflegehinweise auf einem Werbeschild)

Rückseite Kakaoschild.jpg
(Eigenwerbung auf einem Werbeschild)

heinrich Peters elberfeld.jpg
(Ein Produkt der Konkurrenz Peters aus Elberfeld)


Ergänzung: Das Grassi Museum in Leipzig hat zur Zeit (verlängert bis nach der Coronazeit) eine interessante Ausstellung zum Thema der Emailschilder. Auch ein entsprechender Katalog ist erhältlich. [www.grassimak.de]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.02.21 19:15.
Hallo Lalu,

eine sehr schöne Eränzung.

Immer wieder erstaunlich, wie aufwändig solche Reklameschilder gemacht wurden.

Darum haben diese Schilder auch oftmals schon um die 100 Jahre auf dem Buckel.

Früher war die Reklame auch nicht nur für ein paar Monate oder Jahre aktuell.



Wünsche Allen einen schönen Wochenstart.
Ralf
Hallo!

Vielen Dank für den aufschlussreichen Beitrag über das Emaillierwerk Schulze & Wehrmann. Der Inhabername Alexander Wehrmann war mir neu.
Ich konnte auf den Schildern meiner Sammlung und auf Fotografien anderer bisher 16 verschiedene Variationen der Herstellersignatur bzw. der Fabrikmarke ausmachen, so dass ein Blick auf diese bereits Schlüsse über den Herstellungszeitraum zulassen (drei angewandte Schriftarten der Schilder außerdem).
Die Eingemeindung Elberfelds in die neue Stadt Wuppertal 1930 kommt noch hinzu, auch diese ist auf den Schildern ja zu erkennen (Wuppertal-Elberfeld, W-Elberfeld oder auch Wuppertal-E.).
Mehr Schilder für die deutsche Eisenbahn dürfte kein weiteres Emaillierwerk gefertigt haben.

Schönen Gruß

Lenny
Liebe Bahnfreunde,

bei der Suche nach guten Fotostellen bei der Hamburger U-Bahn vergangenen September habe ich ein Schild des
erwähnten Herstellers - mit entsprechendem Herstellerhinweis auf dem Schild - auf der U-Bahn Station Hamburg
Sierichstraße als normales Haltestellenschild gesehen und erfüllt dort also auch heute noch den ursprünglichen Zweck.

Wobei zu erwähnen ist, dass es die Hamburger Hochbahn irgendwie gut hinbekommt die Haltestellen zwischen Historie und
modernen Erfordernissen zu gestalten, von daher will ich nicht ausschließen, dass es dort auf anderen Haltestellen auch noch
mehr derartige Schilder gibt.

mfg
tramfan239

Zwei Bilder aus Essen

geschrieben von: Philosoph

Datum: 22.02.21 14:15

Danke für diesen interessanten Beitrag!

DSC05120.jpg


IMG_4889.JPG

Beste Grüße

Carsten

Alle meine Bildbeiträge auf DSO:

Beitragsverzeichnis



Meine Bilder in der DSO-Galerie

DSO-Galerie

Hallo zusammen,

der Klassiker im Sortiment von Schulze & Wehrmann war, wie Lalu bereits im Eröffnungsbeitrag geschrieben hat, die Fahrplantafel mit auswechselbaren emaillierten Elementen, die in einzelnen Kassetten durch Lösen einer einzigen Schraube entnehmbar und vom Bahnhofspersonal individuell dem Fahrplan angepasst werden konnte. Mir sind zwei verschieden Größen der Typen bekannt. Die kleinere mit 29 mm, die größere mit ca. 55 mm Höhe.
Es entzieht sich jedoch meiner Kenntnis, ob jeder Bahnhof seinen eigenen 'Setzkasten' für die Typen hatte. Wenn hier ein Mitleser mehr darüber weiß oder sogar ein Fotos eines solchen 'Setzkastens' hat, darf er hier gerne weitere Infos oder Fotos beisteuern.

Im März 1990 fotografierte ich die Abfahrttafel im Bf Alexisbad. Sie ist die Vertreterin für die 55 mm hohe Version der emaillierten Plättchen.

https://s16.directupload.net/images/210222/w4nd74wa.jpg

Als Vertreterin für die 29 mm - Version soll beispielhaft die Abfahrttafel des Bf Edingen der OEG (Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft) aus dem letzten Betriebsjahr der alten Trasse am Neckar entlang über Neckarhausen dienen.

https://s16.directupload.net/images/210222/zsdk32s5.jpg

Grüße
Bender
Hallo Lalu,

danke, dass dieses interessante Thema hier beleuchtet wird. Die Herstellerangaben auf den Schildern hatte und habe ich auch immer im Auge. Als mit der Bundesbahn Sozialisierter kenne ich natürlich Segor aus Birkenfeld/Nahe. Mellendorf hast du ja schon erwähnt.
Als ich Mitte der 1990er Jahre nach Berlin zog, gab es in der Kreuzberger Taborstraße an einem Haus noch die aus Emaille gesetzte Anschrift der Firma Gottfried Dichanz. Dieser Name findet sich auch häufiger auf Stationsschildern. Bei "german picker" wird Dichanz nicht erwähnt.
Für mich schließt sich dann gleich auch die Frage nach den Normschriften damals an. Wenn Schulze & Wehrmann die deutschen Eisenbahnen so lange belieferte, wechselten ja bestimmt hin und wieder die Schrifttypen. Aber vielleicht führt das auch zu weit.

Danke also für den Thread hier.
Gruß
Emil

Reelsen...(Link)...

geschrieben von: DR01

Datum: 22.02.21 23:59

Schon einmal gezeigt -----> Reelsen

Bei der DB der siebziger Jahre schon selten geworden...
Mehr kann ich leider nicht beitragen...


Gruß...Wolfgang

Zur Bezeichnung von Stellwerken

geschrieben von: Lalu

Datum: 23.02.21 00:16

Emil Oldersum schrieb:
Hallo Lalu,

danke, dass dieses interessante Thema hier beleuchtet wird. Die Herstellerangaben auf den Schildern hatte und habe ich auch immer im Auge. Als mit der Bundesbahn Sozialisierter kenne ich natürlich Segor aus Birkenfeld/Nahe. Mellendorf hast du ja schon erwähnt.
Als ich Mitte der 1990er Jahre nach Berlin zog, gab es in der Kreuzberger Taborstraße an einem Haus noch die aus Emaille gesetzte Anschrift der Firma Gottfried Dichanz. Dieser Name findet sich auch häufiger auf Stationsschildern. Bei "german picker" wird Dichanz nicht erwähnt.
Für mich schließt sich dann gleich auch die Frage nach den Normschriften damals an. Wenn Schulze & Wehrmann die deutschen Eisenbahnen so lange belieferte, wechselten ja bestimmt hin und wieder die Schrifttypen. Aber vielleicht führt das auch zu weit.

Danke also für den Thread hier.
Gruß
Emil
Hallo,

zur Bezeichnung von Stellwerken und den Schriftarten, möchte ich auf die Ausarbeitung von Lars Molzberger hinweisen. Nachzulesen unter: [www.berliner-stellwerke.de]

Grüße,
Lalu