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Hallo.
Nach der riesigen Resonanz auf meinen Beitrag zum Verkehr auf den Yorckbrücken und drum herum
[www.drehscheibe-online.de]
möchte ich hier beschreiben, wie die Durchführung der Bedienungsfahrten, zu dem
fälschlicherweise als Bautzener Straße bezeichnetem Bereich war. Die offizielle Bezeichnung war Dresdener Bahn.
Dieser Bereich des Anhalter Gbf war nur durch Kreuzung der S-Bahnstrecke im Bereich der Abzweigstelle Abm zwischen
den S-Bahnhöfen Yorckstraße und Papestraße (Vorort) erreichbar. Auf der, westlich der S-Bahn gelegenen Seiite
befanden sich im südlichen Bereich der ehemalige Militärbahnhof, der als Gbf. Kolonennenstraße bezeichnet wurde
und die SFM Kol (Signal- und Fernmeldemeisterei Kolonnenstraße). Ich will insbesondere die Bedienung des
nördlichen Bereiches zwischen Abzw Abm und beiderseits der Yorckbrücken beschreiben.

Die Bedienung der Dresdener Bahn war normalerweise nur Montag bis Freitag vorgesehen. Bis zur Übergabe der S-Bahn
in die Betriebsführung der BVG am 9.1.1984 war das Stw Abm im Frühdienst planmäßig mit einem Fahrdienstleiter (Fdl) besetzt.
Damit war es auch möglich, mehrmals zu kreuzen, was für Dienstfahrten der SFM Kol durchaus genutzt wurde.
Es ging in die Zuständigkeit der BVG über und war das einzige Stellwerk, auf dem sowohl Fahrdienstleiter der DR und der BVG
geprüft und zugelassen waren. Die Besetzung erfolgte nun bei Bedarf. In der restlichen Zeit war das Stellwerk in Durchleitbetrieb
geschaltet und die Weichen in Grundstellung zusätzlich mit Weichenschlössern gesichert.

Der eingeteilte Fdl der DR begab sich zunächst zum S-Bahnhof Yorckstraße, um bei der dortigen Aufsicht die Schlüssel für das
Stellwerk und die Weichen, nach Zustimmung des Fdl Ahu (S-Bahnhof Anhalter Bahnhof) entgegen zu nehmen.
Dann erfolgte der Fußweg zum Stw Abm. Dort angekommen, erfolgte die Meldung über die Besetzung und die Zustimmung
zum Aufschließen der Weichen wurde vom Fdl Ahu eingeholt. Dies war deshalb notwendig, da der Fdl Abm hier als Weichenwärter
tätig war und die Durchführung des Verkehrs beim Fdl Ahu lag. Dies Verfahren änderte sich auch durch die Übergabe an die BVG nicht.

Während dieser Zeit wurde die Bedienfahrt im Stellwerksbezirk Abwt zusammengestellt. Nachdem die 6 Weichen aufgeschlossen waren,
erfolgte die Zustimmung zur Fahrt der Bedienfahrt zum Stw Abm.

Hier eine Bedienfahrt im Jahr 1976 auf der Fahrt zum Stw Abm. Üblicherweise wurden für die Bedienfahrten Loks der Baureihe 106 (V60D) eingesetzt.
Ein Wagen wird uns im späteren Teil nochmals begegnen. An der Vielfältigkeit änderte sich über die Jahre nur wenig.
Bild1)
1 1976 Bed Abm.jpg

Hier ein Blick von der Monumentenbrücke. In Richtung Stw Abm gehts nach rechts
Bild 2)
1 1978 Stw Abm-Weiche 5.jpg

Fahrplanmäßig begegneten sich die S-Bahnzüge im Bereich Abm, so dass durch die Bedienfahrten keine Verzögerungen im Ablauf des S-Bahnbetriebes bringen sollten.
Nachdem beide S-Bahnzüge durchgefahren waren, wurde telefonisch die Zustimmung zur Bedienfahrt vom Fdl Ahu eingeholt. Nun musste es schnell und konzentriert gehen:
Der Durchleitbetrieb wurde aufgelöst, die Fahrstaßenhebel zurückgenommen, die Riegel und Weichenhebel bedient, der Hebel für die Rangierfahrstraße eingestellt und festgelegt.
Und am Signal 820 Ra 12 gezeigt.
Hier Signal 820 im Jaher 1998, wo es schon lange keine Bedienfahrten mehr gab und das Ende des Stw Abm in Sicht war.
Bild 3)
1 1998_19.JPG

Auf der Fahrschautafel konnte im Stw Abm verfolgt werden, ob die Fahrt die andere Seite erreicht hat.
Dann hieß es, alles wieder auf Anfang, den ankommenden S-Bahnen die Durchfahrt ermöglichen und den Fdl Ahu informieren.

Nun wartete die Bedienfahrt, um in Richtung Yorckstraße die Fahrtrichtung zu wechseln. Aufnahme im Jahr 1998. Vorher nie dazu gekommen.
Die Telefonbude links, war bis 1984 nicht mehr in Betrieb. Dann wurde der Fernsprecher entwendet und nicht erneuert. Ohne Rangierfunk etwas unkomfortabel.
Deshalb wurde der Ablauf der Bedienfahrten schon bei der Ankunft am Stw Abm besprochen.
Bild 5)
1 1998_13.JPG
Es folgt Teil 2 [www.drehscheibe-online.de]

Teil 3 [www.drehscheibe-online.de]



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.02.21 23:42.
Fand schon immer genial, ein SV-Signal ohne Fahrsperre am Gütergleis, dürfte einmalig gewesen sein.

MfG die Nordsüd S-Bahn

Re: [B] Bereich Yorckbrücken - Stw Abm

geschrieben von: EDK 1000

Datum: 22.02.21 13:49

Nord_süd_bahn schrieb:
Fand schon immer genial, ein SV-Signal ohne Fahrsperre am Gütergleis, dürfte einmalig gewesen sein.
Das war übrigens betrieblich gesehen das Blocksignal der Abzweigstelle. Für die hier beschriebenen Bedienungsfahrten hätte eigentlich ein Signal Ra 11a/Ra12 oder ein Hs gereicht, aber das Signal 820 war auch Startsignal für Zugfahrten von Abm nach Papestraße (Vorortb) mit Vorsignalisierung des Sbk 822 (also Sigbegr. Sv 6 und Sv 8 am Bksig 820). Diese Fahrmöglichkeiten sind zu BVG-Zeiten des öfteren für Az mit Tfz der DR (in der Regel mit BR 106, seltener mit BR 101 für Fahrten Ri NS-Tunnel) genutzt worden, auch der Oberbaumesszug der DR mit BR 118 hatte hier seinen Startpunkt.

Gruß aus Reykjavík
Wulf

Re: [B] Bereich Yorckbrücken - Stw Abm

geschrieben von: Schienenknecht

Datum: 22.02.21 14:43

Das ist durchaus richtig. Ich habe auch kein anderes SV-Signal mit einer vergleichbaren Aufgabe gesehen.

Die Abzweigstelle Abm erfüllte mehrere Aufgaben:
- Kreuzung der S-Bahn zur Dresdener- und Militärbahn / Gbf. Kolonnenstraße.
- Fahrten zu und von den Schuppengleisen des Bw Yorckstraße (neben dem Streckengleis Richtung Yorckstraße) gewesensein, bevor der Nord-Süd-Tunnel in Betrieb ging.
- die Vorort-/S-Bahnstrecke war als Umleiterstrecke des Anhalter Bahnhofs vorgesehen.

In Richtung Yorckstraße durften, nur Loks der BR 100 und 101 fahren. Alle anderen wären für den Tunnel zu hoch gewesen.

Diese Fahrverbindung hatte die BVG zunächst nicht auf dem Schirm. Die Möglichkeit realisierte man jedoch bald, als die DR den Oberbaumesszug für diese Strecke anbot.
Dazu kam die Nutzung der Weichenverbindung während des Pendelverkehrs für die Sanierung des S-Bahnhof Anhalter Bahnhof.

Interessant war das Prozedere für Zugfahrten aus Richtung Papestraße von der S-Bahnstrecke in den Anhalter Gbf..
Bis 1987 war es möglich, den Zug nach Bestätigung der Sicherung des Fahrweges, an der berühmten H-Tafel des Gleises 9 im Bereich Abwt/Ladestraße enden zu lassen.
Die zweite Möglichkeit war das Aufstellen einer Wärterhaltscheibe (Sh 2) im Gleis 122 in Höhe des Stw Abm. Dazu musste der Halt und die Aufstellung des Sh 2 jedoch per Befehl angekündigt werden. Das Signal 821 signalisiert Sv 8 (Fahrt mit 40 Km/h, Halt erwarten!), jedoch war der vorgesehene Halteplatz nicht definiert.



Grüße aus Berlin
Schienenknecht


Re: [B] Bereich Yorckbrücken - Stw Abm

geschrieben von: Nietenreko

Datum: 22.02.21 16:55

Hallo, m. W. wurde das Bw Yorckstraße (der alte Wagenschuppen der Lichterfelder Vorortbahn) mit der Umstellung dieser Bahn auf Stadtbahnsystem und Ausmusterung der alten Züge aufgegeben. Die neuen S-Bahnzüge waren im Bw Papestraße beheimatet, es wurde 1928 extra eine Weichenverbindung am Potsdamer Ringbahnhof zwischen Rinbahnteil und Vorortbahnteil geschaffen, um die vier benötigten Umläufe für die Lichterfelder Strecke von der Ringbahn auf die Vorortbahn wechseln zu lassen. Wenig später erfolgte auch die Verlegung resp. Begradigung des Bf. Yorckstraße, um den Schuppen für die Schnelltriebwagen bauen zu können.

Hinweis: Beitrag kann Spuren von Ironie enthalten.

Gleisanlagen 1997 und 2010

geschrieben von: 475er

Datum: 22.02.21 17:42

Guten Tag,

vielen Dank für die interessanten Darstellungen zur Bedienung dieser Gleise. Eine Bedienung der Gütergleise habe ich selbst leider nie erlebt, kann aber die nachstehenden Aufnahmen beisteuern, die vielleicht einen guten Überblick über die dortigen Gleisanlagen ermöglichen. 1997 gab es noch den im Beitrag beschriebenen Zustand. 2010 waren dann die neuen Fernbahngleise zum Hbf in Betrieb und von den Anschlussgleisen nichts mehr zu sehen. Vielleicht sind die Bilder ja eine schöne Ergänzung.

Viele Grüße,
475er


D_B_Dudenstraße_S 2 zwischen Yorkstraße und Papestraße_475 Frühjahr 1997 IId.jpg

Zustand im Frühjahr 1997, die Anschlussgleise lagen noch. Der Einsatz der 475er im Nord-Süd-Tunnel war in den letzten Zügen.


Berlin 2010 12 18 128a.jpg

Zustand im Jahr 2010

Re: [B] Bereich Yorckbrücken - Stw Abm

geschrieben von: EDK 1000

Datum: 22.02.21 19:19

Schienenknecht schrieb:
... Interessant war das Prozedere für Zugfahrten aus Richtung Papestraße von der S-Bahnstrecke in den Anhalter Gbf..
Bis 1987 war es möglich, den Zug nach Bestätigung der Sicherung des Fahrweges, an der berühmten H-Tafel des Gleises 9 im Bereich Abwt/Ladestraße enden zu lassen.
Die zweite Möglichkeit war das Aufstellen einer Wärterhaltscheibe (Sh 2) im Gleis 122 in Höhe des Stw Abm. Dazu musste der Halt und die Aufstellung des Sh 2 jedoch per Befehl angekündigt werden. Das Signal 821 signalisiert Sv 8 (Fahrt mit 40 Km/h, Halt erwarten!), jedoch war der vorgesehene Halteplatz nicht definiert ...
Ja, das war wirklich immer eine komische Kiste, das war eigentlich sicherungstechnisch nie so ganz sauber. Also am Bksig 821 den Fahrtbegriff zu zeigen ohne das es für das Ziel der Zugfahrt ein fahrtbegrenzendes Signal gab und es hier im hinteren Bereich auch keine Signalabhängigkeit, in welcher Form auch immer, gegeben hat. Hier hätte zu mindestens im Gl 122 ein Signal So 8 (H-Tafel) vor dem So 12 der Weiche 5(?) - am Sig Ra 11a - stehen müssen, oder besser anstelle des Rs ein Hs mit Sigbegriff Gsp 0 bei Fahrt von Pav nach Gl 122. Das ist aber auch bei der BVG nie bis zur letzten Konsequenz gedacht worden, denn der D-Weg hinter einem Hs-Signal hätte ja 50m bis in den Bereich Agb bzw. Abwt mit der Erfordernis einer Bahnhofsblockabhängigkeit gereicht. Und diese Stw waren ja auch nicht mehr durchgehend besetzt.

Gruß aus Reykjavík
Wulf
Danke für diese schönen Geschichten aus Berlin.

Ich bin zu Abm grade noch auf folgendes gestoßen:

[www.berliner-stellwerke.de]

Grüße

-chriz

--
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Re: [B] Bereich Yorckbrücken - Stw Abm

geschrieben von: Schienenknecht

Datum: 24.02.21 01:43

Hallo.
Das war schon richtig. Aber für die wenigen Fahrten wollte keiner diesen Aufwand machen.
Für die BVG war alles vor dem Sig 820 nicht ihre Welt. Und für die wenigen Fälle, wo von oder
zum Gbf was fahren sollte, war ohnehin ein Fdl der Reichsbahn auf dem Stw Abm tätig.
Was sollte da schon sein. Da wurde eben Eisenbahn von Hand gemacht.

Einen Bahnhofsblock zwischen den Stw Abwt und Abm hab ich nicht mehr vorgefunden.
Wenn solche Fahrten öfters gewesen wären, hätte man als Minimalversion eine H-Tafel an das Ra 11a angeschraubt.
Für den Durchrutschweg hätte der Reichsbahn-Fdl ohnehin sorgen müssen. Die W 5 lag ohnehin während der
Besetzung des Stw Agb in Richtung Gleis 122. Hätte in dieser Zeit eine Zugfahrt von Tempelhof zur Post oder umgekehrt
stattfinden sollen, hätten sich diese Fahrten gegenseitig ausgeschlossen.

Einzig ärgerlich war, wenn solche Aktionen auf einem Donnerstag stattfanden. Da war für den
gesamten Ahg, nach der Außerbetriebnahme des Stw Abwt Pfingsten 1987, nur ein Fdl im 12 Stundendienst tätig.
Sonst waren zwischen 10 und 14 Uhr zwei Fdl tätig, von denen einer für die Bedienung das Stw Abm besetzt hat.



Grüße aus Berlin
Schienenknecht