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 04 - Historisches Forum 

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Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Liebe Hobbykollegen und Freunde,

beginnen wir mit dem 2. Februar 1965:

1)

https://abload.de/img/14-4_0114723048_f-ginask0w.jpg

01 147 und 23 048 rauschen mit einem unbekannt gebliebenen D- oder Eilzug auf der Main-Weser-Bahn Kassel-Gießen-Frankfurt durch die Ginnheimer Niddawiesen auf die Mainmetropole zu. Die ungeliebten E-Masten stehen bereits entlang der Strecke, auch der Fahrdraht hängt schon – es sind die letzten Monate vor dem Wechsel zum Planwechsel Winter->Sommer auf elektrischen Betrieb. Da konnte beim Fotografieren natürlich keine Rücksicht aufs Wetter mehr genommen werden. Bloß - daß „Mitziehen“ nicht jede defizitäre Belichtungseinstellung ausgleicht, mußte ich leider erst noch lernen…


Am 15. Februar 1966 war die 50 1796, eine früh Ausgemusterte aus dem Bestand des Bw Frankfurt 2, mein Opfer, als sie in den heimischen Hauptgüterbahnhof einfuhr:

2)

https://abload.de/img/37-15a_501796f2_einffj1k1q.jpg



25. Februar 1967 am Abzweigbahnhof Frankfurt West:

3)

https://abload.de/img/55-18_441315ks_ffmwesbukzd.jpg

Die Kasseler Öllok 44 1315 nimmt mit einem der wenigen verbliebenen Dampf-Güterzüge und einer seltsamen Güterzug-Garnitur Anlauf nach Gießen-Kassel. Die Bahnhofsinfrastruktur ist bis hin zum Detail des überdachten Fahrradständers (noch) komplett.



Der Februar 1968 sah mich nicht mit dem Fotoapparat an der Strecke, so müssen wir gleich auf 1969 springen:

4)

https://abload.de/img/101-24_6500165018_bwdg0jlg.jpg

Das Bw Darmstadt war am 22. Februar noch Heimat einer Reihe von 65ern, einschließlich der erst- und der letztgebauten.


Auch 1970 müssen wir überspringen. So kommen wir mit dem 28. Februar 1971 zur Crailsheimer 044 557, die bei winterlichem Wetter von Schwäbisch Hall her kommend beim Weiler Scheppach, km 99,8, ihrem Heimatbannhof zustrebt:

5)

https://abload.de/img/142-14a_044557cr_b.scw2jnz.jpg





Der 13. Februar 1972 führte 050 920 und 094 186 im Bahnhof Goslar beim „Liliput-Signal“ zusammen, als die Einheitslok den EK-Sonderzug aus Hildesheim an die Preußische zur Weiterfahrt nach Altenau im Harz übergab:

6)

https://abload.de/img/178-a019_050920gs09417ujdf.jpg



Der 11. Februar 1973 zeigte im Bw Ehrang drei Baureihen in sonntäglicher Ruhe. Doch die Feuer sind nachmittags schon vorbereitend für den Montag angelegt:

7)

https://abload.de/img/258-2_div.loks_bwehraz3kt3.jpg



An einem sonnigen Februartag 1974 – meine Buchführung hatte inzwischen die Tagesdetails eingespart – brachte die Heilbronner 052 713 einen Militärzug von Lauda nach Crailsheim. Hier rollt die Fuhre unter neugieriger Begleitung auf der parallelen Bundesstraße 292 durch den Haltepunkt Elpersheim:

8)

https://abload.de/img/352-032_052713hndgm_eb1j0q.jpg



Der 15. Februar 1975 war letzter Betriebstag der bereits ausgemusterten 038 772, die mit Ausnahmegenehmigung aber noch einen Sonderzug von Hannover nach Uelzen fahren durfte:

9)

https://abload.de/img/75-02-15_01_038382ek-zlkh0.jpg

Hier sehen wir die Fuhre zwischen Soltau und Munster. Ulrich Budde hat schon einmal ausführlich über die Fahrt berichtet: “ P8-Abschiedsfahrt am 15.02.75“.


19. Februar 1976 in Berlin. 01 0509 überquert mit D 337 im westlichen Ortsteil Kohlhasebrück den Teltow-Kanal:

10)

https://abload.de/img/76-02-19_001_010509d3uzk8i.jpg



Das Jahr 1977 sah mich am 28. Februar an der Hamburg-Lübecker Schiene südlich von Ahrensburg, wo mir mit E 3035 bei km 47,1 dieser von 220 026 geschobene Wendezug mit zwei Doppelstockwagen der ehemaligen Lübeck-Büchener Eisenbahn vor die Kamera geriet:

11)

https://abload.de/img/77-02-28_001_220026e3z5jgh.jpg



Fast an gleicher Stelle, jedoch ein Jahr später, erstrahlte der Morgen des 19. Februar 1978 in außergewöhnlich schönem Winterkleid. 220 009 komplettierte das Bild mit E 3039 südlich von Ahrensburg bei km 45,8:

12)

https://abload.de/img/78-02-19_006_220009e3e5j3u.jpg


Wir überspringen die Folgejahre mit Sonderzügen, Plandampf oder auch oft ganz ohne Eisenbahn. Und kommen schließlich zum 15. Februar 2020:

13)

https://abload.de/img/2020-dscii0230_hanau.nbjnx.jpg

Matthias Maier hat beim Treffen einiger Freunde im ehemaligen Bw Hanau die äußerlich aufgearbeitete 38 1772 festgehalten, auf den Tag genau 45 Jahre nach ihrer letzten Fahrt unter Dampf, siehe oben Bild 9). Hier im alten Bw Hanau haben die Aktiven des Vereins Museumseisenbahn Hanau e.V. eine stattliche Anzahl von Museumsfahrzeugen gesichert, arbeiten sie nach und nach auf und kümmern sich auch um Loks anderer Eigentümer wie etwa die 01 150. Ein lohnender, interessanter Besuch!

…und dann, nur vier Tage später, der Schock: „Hanau.“ Wir hatten bei der Organisation unseres Treffens die Option, das große Hotel gegenüber der Shisha-Bar zu buchen, in der das schreckliche Geschehen seinen Anfang nahm. Doch wir haben uns dagegen entschieden, auch weil’s in „so einer ungewohnten Umgebung“ lag, die uns Unbehagen bereitete: das fremdländische Publikum auf der Straße, diese dicken PS-Boliden, diese Bar gegenüber…

Warum erzähle ich davon?

Nun, für drei Anmerkungen:

Erstens: Was für ein Glück wir hatten! – Bloß… - war unser Glück wirklich sooo groß? Eher doch wohl nicht: Denn gerade wir waren und sind aus der politischen Richtung, aus der die verblendeten Schüsse kamen, kaum gefährdet. Schließlich sind wir, der in Hanau zusammengekommene Freundeskreis, ja rassisch unbedenklich, auch religiös und beruflich unauffällig. - !? – Leute, wie absurd ist das denn!? Was sind das für Kriterien, die über Leben und Tod entscheiden können!?

Jedoch, ich bekenne - zweitens: Auch wir hatten uns dort ja zurückgezogen, „…unheimliche Gegend, das fremdländische Publikum und so…“. Toleranz, Umgang mit Ungewohntem und Akzeptanz versus „Rückwärts-Blick bewahren und Augen zu“? Ganz klar, welche Seite da gezogen hat, auch bei mir selbst.

Will heißen, drittens: Das Entsetzen anläßlich Halle, Kassel, Hanau pp ist gut & richtig. Doch solange wir es darüberhinaus nicht auch zum Anlaß nehmen, uns selbst an die eigene Nase zu fassen und zu überdenken, ob und wo überall auch wir selbst schon mal die Gedanken- und Gefühlswelt unangetastet lassen, die, zusammen mit vielen weiteren Umständen freilich, den Nährboden für diese unfaßbaren Exzesse hergibt – solange dürfen wir uns auch nicht bequem auf den Fingerzeig auf „diese anderen“ zurückziehen… Darum - machen wir’s doch besser: Reflektieren, wo wir selbst gerade stehen, selbst und selbstkritisch justieren, und dann Flagge zeigen gegen Intoleranz und Nationalismus, gegen die törichte-tumbe Unterteilung der Welt in „Wir“ und „Die Andersartigen“! Und zwar nicht erst, wenn uns Schüsse wie die in Halle, Kassel und Hanau erschüttern.

So meine Gedanken zu „Hanau“. Nach allen Sonntagsreden. Das war und ist mir jetzt mal wichtig, auch hier. Bei aller Freude an unserem gemeinsamen Hobby.


Schöne Grüße aus Aachen –
Reinhard Gumbert

Danke!

geschrieben von: Klaus Habermann

Datum: 21.02.21 20:38

Guten Abend Reinhard,

Danke für Deine Worte. Auch für die Bilder dahin, die zeigen, wie absurd und knapp manchmal die Wege verlaufen.

Die Hauptsache Deines Beitrages ist jedoch neben dem eigenen Nachdenken, dass Du über das Nachgedachte in der Öffentlichkeit sprichst und damit einen Schritt gehst, zu dem viele vielleicht nicht den Mut haben oder den andere vielleicht nicht als so wichtig ansehen, dass er gegangen werden müsste. Meiner Meinung nach ist jedoch genau das Gegenteil der Fall und damit Dein Weg Anregung und Mutmachen sein.

Besten Dank - beste Grüße

Klaus
Hallo Reinhard,

es ist gut und wichtig, dass man sich über solche Situationen Gedanken macht und auch reflektiert, was kann ich als Einzelner beitragen, dass Fremdenhass, Rassismus und sonstige Diskriminierungen reduziert werden. Ganz auszumerzen scheint dieses Manko nicht zu werden, solange es die Menschheit gibt. Es gibt leider genügend Beispiele in der Geschichte, die himmelschreiende Ungerechtigkeiten hervorriefen. Du bist ja als junger Student auch mit Vorurteilen, als Du bei den ersten Vermieter unterkamst, damit konfrontiert worden.

Wichtig finde ich, dass man auch solche Themen anspricht und nur durch überzeugende Argumente und Erklärungen hast Du vielleicht die Chance die "Täter" zu beeinflussen. Oftmals ist ihnen nur durch drakonische Strafen beizukommen, sofern sie dann einsichtig werden. Zum Glück sind die meisten Eisenbahnfreunde friedliche und umgängliche Wesen und freuen sich auf schöne Aufnahmen, tolle (historische) Zugfahrten und netten Anekdoten, an denen Du uns teilhaben ließt.

Grüße aus Karlsruhe

Christian Brückel

N.S. Mein Nachname hat ja auch was mit "Verbinden" zu tun.

Gruß
TEE-Rheingold

Aktiv auch auf [www.zug-archiv.de], hier finden Sie alles über den Fahrplan "Ihr Zug-Begleiter (IZB)", "Ihr Fahrplan (IFP)" oder "Ihr Reiseplan (IRP)"

ebenfalls..

geschrieben von: hagen

Datum: 21.02.21 21:23

..Dank für Deine Bilder, aber vor allem Dank für Deine Worte.

Man schweigt doch viel zu häufig zu Wichtigem und allzu oft gewinnt das vordergründige Gefühl die Oberhand gegenüber dem rationalen Gedanken. Durch das Schweigen fühlen sich Manche dann, im Glauben im Sinne der schweigenden Mehrheit zu handeln, zu ihrem Tun legitimiert..

Die deutsche Geschichte insbesondere der vergangenen hundert Jahre gibt genug schlechte Beispiele her, wir haben die Möglichkeit daraus zu lernen..


Gruß aus der Pfalz,

Hagen
Lieber Reinhard,

schön, dass du Deine Gedanken aufgeschrieben hast. Beim lesen deines Berichts stutzte ich - ohne das Ende zu kennen - unwillkürlich über den Satz: „Doch wir haben uns dagegen entschieden, auch weil’s in „so einer ungewohnten Umgebung“ lag, die uns Unbehagen bereitete: das fremdländische Publikum auf der Straße, diese dicken PS-Boliden, diese Bar gegenüber…". Ich dachte: Mhm, was kommt jetzt wohl, warum bereitete den Organisatoren „fremdländisches Publikum" unbehagen und was heißt das?
Insofern unterstreiche ich Deine Quintesenz, insbesondere unter „zweitens" und „drittens"!

Alles Gute nach Aachen,

Jens
Danke, du spricht mir aus der Seele, auch indem du klar zu deinen Zweifeln stehst, die so mehr oder weniger alle von uns haben.

Viele Grüsse!
Matthias
Hallo Reinhard,

das sind mutige und ehrliche Worte. Vereinfacht ausgedrückt, so meine Interpretation, hattet Ihr keinen Bock auf die finstere Gegend und Boliden. Worin bestand das Problem mit Boliden? Wir haben uns vor wenigen Stunden mit einem Ehepaar - 85 Jahre, Niederländer - unterhalten, die sich dann in die engen Sitze des Ferrari California quälten. Ist ein derartiges Verhalten nicht Normalität und Selbstschutz? Wie würde ich mich in gewissen Ecken von Johannesburg oder Los Angeles verhalten? Würde ich hier ernsthaft meine Toleranz in Zweifel ziehen? Weshalb sollte ich mir nicht eine schönere und zumindest angstfreiere Gegend gönnen, wenn der Geldbeutel dies hergibt?

Was bewirkt es, wenn ich mich selbst an die Nase fasse, Flagge zeige und mich selbst justiere? Was bedeutet dies konkret? Zugegeben, ich lebe hier in einer ruhigen Wohngegend, bebaut mit Einfamilienhäusern, großen Gärten, drei Autos stehen vor der Tür und die Rotweinflaschen im Regal. Wenn ich jetzt Forderungen stelle und Ratschläge erteile, ernte ich sicherlich ungeteilten Beifall. Es erfordert keinen Mut, denn ich wohne in einem "Rotweingürtel" und nicht im Problemviertel in Duisburg oder Berlin. Ich habe daher gut reden.

Die Forderung nach Toleranz wäre in meiner persönlichen Situation leicht erhoben und erfordert keinen Mut. Wie verhalte ich mich als Vorbild? Wie weit geht meine eigene Toleranz?

Geht die Toleranz, die ich von anderen fordere, so weit, dass ich die Tochter auf eine Brennpunktschule schicke? Hier kenne ich nur Fälle, in denen die Geldbörse für den Privatschulbesuch gezückt wird. Niemand bringt den Mut auf, die tatsächlichen Motive zu benennen.

Wie immer man zu einer Sache stehen mag, sollten den Worten Taten folgen. Ich habe dies bei einem Mitschüler erlebt, der aus Umweltschutzgründen mehrere Jahre täglich 30 Kilometer mit dem Fahrrad fuhr.

Worte sind wie Schall und Rauch. Ändern kann ich nur mich selbst. Neben dem eigenen Handeln / Vorbild erfordert dies absolute Ehrlichkeit. Hieran mangelt es m.E. im Regelfall.

Abschließend sei klarstellend betont, dass ich jegliche Form von Hass und Gewalt verurteile. Meine Gedanken mögen auch nur als Anregung dienen. Mir ist einfach im Alltag die Lücke zwischen Worten und Taten zu groß.

Viele Grüße

Martin
Schöne Bilder, schöne (passende) Worte . . .
Ein weiterer Reinhard-Gumbert-Beitrag erster Klasse!

Alle Achtung ...

geschrieben von: H.R.

Datum: 22.02.21 11:20

... für diesen Beitrag, Reinhard!

Und zwar eine ganz hohe!!

H.

Danke für die Gedanken

geschrieben von: K.Matthias Maier

Datum: 22.02.21 12:17

Lieber Reinhard,

Du schaffst es immer wieder hier im Hifo Akzente, nein Meilensteine zu setzen.
Zum einen, dass Du Deine Bilder wieder mal aus einer neuen, ungewohnten Perspektive - was war eigentlich in den Februars der Jahre xxx - präsentierst und zum anderen, dass Du in diesem Kontext Deine Gedanken zu "Februar" mit uns teilst und uns zum Nachdenken bringst. Dafür vielen Dank.

Gruß
Matthias
Servus Reinhard,

das ist eine schwere, aber eine richtig artikulierte, Kost!

Auch der Hinweis auf die gerade wieder einmal allerorten auftretende "Deutungshoheit" in jeder Beziehung ist sehr richtig!

Gruß, Thomas

Wie ist es um meine eigene Toleranz bestellt?

geschrieben von: Martin J. Krajnc

Datum: 22.02.21 13:16

Zugegeben, der Beitrag bewegt mich auch in der Mittagspause. Wie bereits erläutert, gibt es bei uns kein Problemviertel. Die beiden Bewohner des Nachbarhauses arbeiten als Orthopädin und Chirurg. Sie stammen nicht aus einer fernen Gegend. Eine Forderung nach Toleranz und Flagge wäre für mich eine leichte Übung und erfordert keinen Mut. Auch wäre mir der Jubel sicher. Ich hätte leicht reden.

Vor einem Jahr hat nicht eine einzige Person Flagge gezeigt und die Unterkunft in unmittelbarer Nähe zu der Bar und den Boliden gebucht. Mehr noch, die Toleranz reichte selbst dazu nicht, nur den gegenüberliegenden Anblick zu ertragen. Bei gewissen Ereignissen folgen stets die gleichen Rituale und Forderungen nach Haltung, Gesicht und Flagge. Genügen diese immergleichen Floskeln und die Behauptung, andere Personen hätten den geistigen Nährboden bereitet und mitgeschossen wirklich? Ich meine nicht. Damit erreiche ich keine Veränderung der von mir bemängelten Zustände.

Zur Ehrlichkeit gehört auch die Beantwortung der Frage, ob ich mein sicheres heimisches Viertel gegen einen Brennpunktbezirk tauschen und die Tochter dort zur Schule schicken möchte. Wie sieht es beim nächsten Treffen mit den Hobbyfreunden aus? Wird dann Gesicht gezeigt und das Hotel gebucht? Wird man sich angstfrei vor dem Hotel oder gar auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Beine vertreten können?

Nochmals, ich möchte nur anmerken, dass Worte und Sonntagsreden nicht genügen. Ändern kann ich nur mich selbst und mein Verhalten. Ich ziehe meinen Hut vor Personen, die ihren Worten Taten folgen ließen, auch wenn ich deren Ansichten nicht immer teilen muss.

Viele Grüße

Martin
Lieber Reinhard,

Du beschreibst das Dilemma, in dem unsereiner steckt: einerseits haben Menschen gelegentlich mit Recht Angst vor Fremdem/n, andererseits erwächst aus zuviel Angst Engstirnigkeit und Hass! Innehalten und Nachdenken ist wohl der einzige Weg, sich nicht von irrationalen Ängsten gefangen nehmen zu lassen. Schön, dass Du mit Deinem Beitrag dazu anregst!

Und Deine 13 Februar-Bilder haben es in sich - toll! Warst Du am 13.2.72 nach Altenau mit im Zug?

Gruß
Klaus
Zitat
Warum erzähle ich davon?

Nun, für drei Anmerkungen:

Erstens: Was für ein Glück wir hatten! – Bloß… - war unser Glück wirklich sooo groß? Eher doch wohl nicht: Denn gerade wir waren und sind aus der politischen Richtung, aus der die verblendeten Schüsse kamen, kaum gefährdet. Schließlich sind wir, der in Hanau zusammengekommene Freundeskreis, ja rassisch unbedenklich, auch religiös und beruflich unauffällig. - !? – Leute, wie absurd ist das denn!? Was sind das für Kriterien, die über Leben und Tod entscheiden können!?

Jedoch, ich bekenne - zweitens: Auch wir hatten uns dort ja zurückgezogen, „…unheimliche Gegend, das fremdländische Publikum und so…“. Toleranz, Umgang mit Ungewohntem und Akzeptanz versus „Rückwärts-Blick bewahren und Augen zu“? Ganz klar, welche Seite da gezogen hat, auch bei mir selbst.

Will heißen, drittens: Das Entsetzen anläßlich Halle, Kassel, Hanau pp ist gut & richtig. Doch solange wir es darüberhinaus nicht auch zum Anlaß nehmen, uns selbst an die eigene Nase zu fassen und zu überdenken, ob und wo überall auch wir selbst schon mal die Gedanken- und Gefühlswelt unangetastet lassen, die, zusammen mit vielen weiteren Umständen freilich, den Nährboden für diese unfaßbaren Exzesse hergibt – solange dürfen wir uns auch nicht bequem auf den Fingerzeig auf „diese anderen“ zurückziehen… Darum - machen wir’s doch besser: Reflektieren, wo wir selbst gerade stehen, selbst und selbstkritisch justieren, und dann Flagge zeigen gegen Intoleranz und Nationalismus, gegen die törichte-tumbe Unterteilung der Welt in „Wir“ und „Die Andersartigen“! Und zwar nicht erst, wenn uns Schüsse wie die in Halle, Kassel und Hanau erschüttern.

Moin Reinhard,

dazu nur drei Anmerkungen zu Deinen Anmerkungen:

Erstens: ja, Ihr hattet in gewisser Weise Glück (denn es ist völlig egal, wer Ihr seid oder wie Ihr ausseht - wenn einer wahllos in die Menge schießt, dann bleibt einem nur noch eines: volle Deckung, wenn man dazu noch die Gelegenheit hat! In einer solchen Situation sollte man auf keinen Fall den Helden spielen!).

Zweitens: Es kommt auch darauf an, mit wem man es zu tun hat (der Hinweis auf die PS-Boliden sollte da genügen, es gibt genug Leute, die damit ihr mehr oder weniger ehrlich erworbenes Geld zur Schau stellen). Das hat auch nicht unbedingt etwas mit Toleranz zu tun (um es klar zu sagen: mir sind deutsche Ganoven in keiner Weise sympathischer als nichtdeutsche Ganoven - ich bekomme es im Beruf reichlich mit beidem zu tun).

Drittens: wo Du recht hast... - aber das dürfte wohl das Schwierigste sein!

say their names!

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 22.02.21 19:35

Die Opfer von Hanau:

Gökhan Gültekin, 37
Sedat Gürbüz, 30
Said Nesar Hashemi, 21
Mercedes Kierpacz, 35
Hamza Kurtović, 22
Vili Viorel Păun, 23
Fatih Saraçoğlu, 34
Ferhat Unvar, 22
Kaloyan Velkov, 33
Gabriele Rathjen, 72

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(

DANKE !

geschrieben von: Reinhard Gumbert

Datum: 23.02.21 20:55

Liebe Freunde,


Euch allen, die sich in Kommentaren oder per PN zu meinen Gedanken geäußert haben, und den vielen weiteren, die sie gelesen haben, danke ich herzlich: in allererster Linie dafür, daß Ihr sie wahrgenommen habt.

Mit aufmerksamem Interesse habe ich Eure Kommentare gelesen. Jeden.

Wohltuend natürlich die zustimmenden. Wertvoll aber auch die „Naja, aaaber…“-Überlegungen: Sie geben Anlaß und Gelegenheit, die wahrhaft „schwere Kost“ einmal mehr differenzierend zu überdenken. Was ich für mich interessiert aufgreife!

DANKE.


Beste Grüße aus Aachen – bis bald, und dann gewiß wieder mit „reinen“ Eisenbahn-Themen!
Reinhard

Re: Wie ist es um meine eigene Toleranz bestellt?

geschrieben von: S&H

Datum: 24.02.21 13:08

Hallo,

wie Martin sehe ich die Lücke zwischen empörten Worten und dem tatsächlichen Handeln als zu groß an.
Die Lebenserfahrung zeigt, den meisten Menschen sitzt doch letztendlich das Hemd näher wie der Rock.

Viele Grüsse

Hans Horst

Re: DANKE !

geschrieben von: Regio ZuB

Datum: 24.02.21 13:23

Lieber Reinhard,

es gibt leider immer mehr Zeitpunkte und Orte, die uns das "Nicht vergessen!" mahnen. Doch wer Hanau, Solingen, Halle, Hoyerswerda oder Mölln sagt, muß auch Breitscheidplatz, Dresden und Waldkraiburg sagen. Wir leben in einer Zeit, wo Extremismus aller Art (von recht oder links, Christen oder Muslimen usw.) zur Tagesordnung gehören zu scheint.

Kaum einer fragt nach den Hintergründen. "Extremismus" ist leicht daher gesagt, doch warum haben sich jene Flachzangen radikalisiert? Bekamen sie als Kind die Modellbahn mit dem falschen Stromsystem zu Weihnachten und wurden gehänselt? Stand auf dem Gabentisch gar eine Carrera-Bahn? Sonstwie eine schwere Kindheit? Oder wurden sie zu oft auf DSO in den Trollkäfig verschoben? Ja, ich ziehe das Ganze ins Lächerliche - genauso lächerlich, wie jene Vollhonks sind, die diese unsere Demokratie ablehnen.

Herzliche Grüße
Holger
Hallo Reinhard,

ich schließe mich Dir voll und ganz an und teile das von den Vorschreibern ausgesprochene Lob.

Gut gemacht! Danke!

Viele Grüße aus Berlin!

Christian Hansen