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Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Hallo,

auf diesem Bild ist unzweifelhaft die 17 1051 zu erkennen die keine Tarnaufsätze an den Lampen trägt.
Der Aufnahmeort ist eindeutig im besetzten Polen zu verorten, siehe das kleine Schild über der Tür des Postens in polnischer Sprache.
DRB 17 1051 in XXXXNIKI  1939 besetztes Polen 3_2_0_-_7501_60573 (1).jpg

Quelle, Bildautor und der Public Domainvermerk hier klicken

Demnach soll das hier sein:
Nastawnia stacji kolejowej w Mydlnikach

auf dem Schild auf dem Postendach, lässt sich nach ein bisschen Manipulation die Buchstabenkombination ...LNIKI entziffern .
Kann jemand den Sachverhalt (Aufnahmeort) klären ?
Wie war der weitere "Lebenslauf" der Lok?

Danke und Gruß

Norbert

DRB 17 1051 in XXXXNIKI  1939 besetztes Polen 3_2_0_-_7501_60573 (3).jpg



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.01.21 11:27.

Krakow-Mydlniki? (o.w.T)

geschrieben von: Ae4/7

Datum: 11.01.21 11:38

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Meine Bahnwelt :

[www.flickr.com]

Re: Krakow-Mydlniki?

geschrieben von: lckb-1000

Datum: 11.01.21 11:39

Hei,

Also hier: [www.openstreetmap.org]

Sven

Meine Beiträge Merkbuch Wagen (DV 939d der DR): [www.drehscheibe-online.de]
Hallo, hier Daten zur Lok 17 1051:

Bw Heydebreck/OS. im Aug.1941
Nach 1945 im Bestand der DRo ohne nähere Angaben
Bw Bln.-Rummelsburg am 01.07.1950 (Schadpark)
+ 15.12.1951

Herzlicher Gruß
Karl-Heinz Mühlhans
(lokdata.de)

Re: Link mit polnischen Artikel zu dem Wärterhäuschen

geschrieben von: peter76

Datum: 11.01.21 19:49

Hm, das Gebäude sieht zwar so ähnlich aus, aber die Umgebung passt nicht so richtig:

[goo.gl]
Hallo,
das ist ja auch nicht Mydlniki, sondern Chrzanow. Wahrscheinlich werden die Stellwerke alle nach einem Bauplan gebaut worden sein. Mydlniki kommt aber von der Landschaft (in Richtung Krakau) in etwa hin, wahrscheinlich gibt es das Stellwerk/die Wärterbude aber nicht mehr. Was mich stutzig macht, ist, dass man da ohne Verdunklung fuhr. War man da in Oberschlesien noch überzeugt, dass es dort keine Luftangriffe geben wird?

Re: 17 1051 im besetzten Polen - nur wo ? m.2 B. und 1L.

geschrieben von: ytracks

Datum: 11.01.21 22:17

Kann es nicht auch ein Korridorzug vor dem Krieg sein? das würde das fehlen der Schlitzleuchten und der polnischen Schrift erklären. Der Oberbau ist eher deutsch/preussisch. Mindestens die Weichenlaterne.

Gruß,
Ytracks
Hallo,

Danke für die bisherigen Meldungen zum Thema.

Krakow Mydlniki klingt für mich bisher am plausibelsten.

- Heydebreck ist etwa 150km entfernt, wäre also erreichbar.
- Das "...DLNIKI" Schild scheint schwarz übermalt worden zu sein (von den Polen?), als Tarnmaßnahme zu Kriegsbeginn?
- @ytracks, gäbe es eine Station mit passendem Namen im Korridor ?
- hätte ein deutscher Fotograf solche Bilder im Korridor machen können/dürfen ?
- Die Lok hat weiße Pufferringe und sonstige weiße "Zierlinien"(zumindest links vom linken Puffer) - ab wann galten diese Maßnahmen?

Gruß

Norbert


-
Interessantes Zeitdokument.

Einige Merkwürdigkeiten gibt es auch aus meiner Sicht. Zunächst einmal hat die Lok offenbar eine grosse Beule in der Rauchkammertür.

Es sollte sich um die Zeit nach der Besetzung Polens handeln, denn die Korridorzüge wurden überwiegend durch PKP-Loks gefahren. Ich halte es für unwahrscheinlich, das die DR vor dem deutschen Einmarsch, mit ihren Loks bis Krakau fuhr.

Genau kann man es nicht erkennen, aber ich würde sagen, daß auch die Flanken der Pufferbohle mit weißer Farbe versehen wurden. Das in Kombination mit den Pufferingen würde für einen Luftschutzanstrich sprechen. Das war bestimmt kein Zierrat. Das Fehlen der Verdunkelung wäre dann in der Tat ungewöhnlich. Im ganzen Reich wurde nämlich penibel auf die Einhaltung der Verdunklungsvorschriften geachtet, da machten Mähren und Schlesien - als relativ sichere Luftschutzgebiete- keine Ausnahme.

VG Günter

Re: 17 1051 im besetzten (?) Polen

geschrieben von: dbi

Datum: 12.01.21 08:15

Hallo Norbert, warum bezweifelst Du Marek Tempel’s ausgezeichnete Beschreibung [Szukaj w Archiwach] Nastawnia stacji kolejowej w Mydlnikach = Stellwerk des Bahnhofs in Mydlniki?

Sven’s Verortung [openstreetmap] ist 1,7 km daneben:  Das Stellwerk dürfte ungefähr hier sein: [mapy.cz], denn der Zug fährt durch eine Linkskurve aus dem Bahnhof (Ausfahrtsignale), ergo Richtung Osten.  Rechts steigt das Gelände zu dem 1895–1896 gebauten Infanteriefort 41a „Mydlniki“ der österreichischen „Festung Krakau“ (1846–1913) [fortyck.pl], [Wikipedia]; hinter dem Zug ahnt man Mydlniki’s Empfangsgebäude aus 1925 1847 [Wikipedia]:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/61/Dworzec_Mydlniki.jpg/640px-Dworzec_Mydlniki.jpg
(Foto: Wikipedia User:Ludek, CC BY-SA 4.0)

Das Schild oben auf dem Stellwerk ist keineswegs „schwarz übermalt worden zu sein (von den Polen?), als Tarnmaßnahme zu Kriegsbeginn“, wie Du Dir so fantasievoll ausgedacht hast; es ist einfach ein Emailleschild, wo der Oberteil dunkel verkrustet und die untere Kante durchgerostet ist.  Das alte Telefonbuden-Schild, das ich hier hängen habe, sieht optisch genauso aus.

Rätselhaft ist aber die Bauform des Stellwerks.  Die Hebel zeigen anscheinend schräg nach vorne, wie etwa beim Hebelwerk Siemens, aber die Stellscheiben sind zu klein (für Hebel mit 145° Drehung) bzw. haben falsche Griffe (Hebel für 180° hatten Steigbügelgriffe).  Die Bauart 4079 c der Wiener Firma Stephan v. Götz und Söhne wäre vielleicht eine Möglichkeit, aber dazu kann ich nichts sagen; die habe ich leider nie „live“ gesehen.

MfG, Dennis
__________________

Edit:  Fehlendes „in“ ergänzt; Baujahr 1925 des Empfangsgebäudes gemäß [semaforek.kolej.org.pl] korrigiert.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.01.21 18:53.

Re: 17 1051 im besetzten Polen

geschrieben von: Norbert Bank

Datum: 12.01.21 19:15

dbi schrieb:
Hallo Norbert, warum bezweifelst Du Marek Tempel’s ausgezeichnete Beschreibung [Szukaj w Archiwach] Nastawnia stacji kolejowej w Mydlnikach = Stellwerk des Bahnhofs Mydlniki?


Hallo Dennis,

Danke auch Dir für Deinen Beitrag.

Meine letzte Äußerung würde ich nicht unbedingt als zweifelnd ansehen

Norbert Bank schrieb:
Zitat:
Hallo,

Danke für die bisherigen Meldungen zum Thema.

Krakow Mydlniki klingt für mich bisher am plausibelsten.
Der rauchende Colt fehlte für mich.
Marek Tempels Verortung ist für mich nur bedingt hilfreich. Trotz des wunderschönen polnischen Geburtsnamens meiner Mutter
und meines polnischen Uropas ist meine Kenntnis der polnischen Sprache tendentiell gegen Null.

Die Übersetzung der Seite ins deutsche ergibt folgendes Ergebnis: Bahnhof in Mydlnika .
Den Namen als Suchwort genutzt findet nichts und Niemand im Netz was so aussieht und zu dem Bild oben passt.
Jetzt wo man es weis ist die sprachliche Nähe natürlich erkennbar.
Allerdings hatten die Besatzer es 1939 meistens sehr eilig Ortsnamen "einzudeutschen".
Daher meine Frage - ich wusste es einfach nicht, konnte mit Mydlnika nichts anfangen.
Jemand mit Wissen um und an der polnischen Sprache wundert sich natürlich ob der Unwissenheit des Fragenden - für
denjenigen ist ja alles klar und offensichtlich.

@ (My)dlniki Schild:
Kennst Du Emailleschilder mit den von Dir genannten Verkrustungen ?
Das Emailleschilder (wenn das gezeigte überhaupt eins ist) sich im Laufe der Zeit verfärben können weis ich aus eigener
Anschauung.
Es könnte auch sein, das Bild ist leider nur s/w, das das lediglich ein lackiertes Blechschild ist welches deutlichen Oberflächenrost aufweist ?
Einen Beleg für ein Emailleschild finde ich nicht.
Und solch ein weißes Schild mit schwarzer Schrift kann durchaus als Visierhilfe für Piloten oder Artilleristen genutzt werden.
Und ein orientierungsloser Pilot (gab es durchaus bei Hermann Meier Airlines) kann sich mit solch einem lesbaren Schild durchaus wieder orientieren.
Letztlich ist die Oberflächenveränderung am/auf dem Schild auch egal, für mich war die von mir vermutete, mögliche, schwarze Über-Lackierung nur
ein möglicher Hinweis/Beleg für die Kriegszeit.

Zu den Eigenheiten des Stellwerks kann ich leider nichts beitragen.

Gruß

Norbert





Zitat:

MfG, Dennis

Re: 17 1051 im besetzten Polen - nur wo ? m.2 B. und 1L.

geschrieben von: dooby

Datum: 12.01.21 20:26

Der Pufferteller Warnanstrich ist Teil des Verdunklungs-Warnanstrichs.
Auch die Pufferträger waren weiß umrandet.
Also erst nach Kriegsbeginn üblich.
Die östlichen Reichsteile, und geografisch damit auch das besetzte Polen,
waren erst etwa ab 1942 von alliierten Luftangriffen betroffen.
Von daher ist die fehlende Verdunklung der Leuchten zumindest erklärlich.

Hinweis:Beitrag kann Tippfehler enthalten. Diese sind im allgemeinen unbedenklich und dienen der Kurzweil entsprechender Sucher.Sollten Sie dennoch Unwohlsein empfinden, kontaktieren Sie ihren Arzt oder Apotheker.
Urheberrecht,§ 51 Zitate: Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn 1.einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden,
2.Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden,
3.einzelne Stellen eines erschienenen Werkes der Musik in einem selbständigen Werk der Musik angeführt werden.
Guten Abend Norbert und Dennis,

Diesen Artikel schreibe ich nun zum zweiten Mal, da mich beim Verfassen des ersten Textes plötzlich eine Warnmeldung darüber informiert hat, dass mein Formular nun erloschen sei. Sehr schade, da ist viel Zeit verloren.
Ich probiere es nochmal:


Zunächst vielen Dank für das Auffinden dieses Bildes im NAC.
Es ist eine Rarität, denn es sind nicht viele Betriebsbilder von S10.1 im Raum Oberschlesien überliefert (oder gefunden oder veröffentlicht).
Spontan fallen mir im Buch von Herrn Griebl (s.u.) das Foto der in Wien ausfahrenden 17 1164 nach Heydebreck sowie ein Bild der 17 1051 in Beuthen/OS Hbf 1931 im S10-Buch von Herrn Wenzel ein.

Meine Deutung zur Verortung ist:
Die fotografische Szene findet in Mydlniki - zum Zeitpunkt der Aufnahme in „Mydlniki Ausweiche“ umbenannt - etwa 1940 statt.

Der Bahnhof liegt an der Strecke von Trzebinia nach Krakau und wurde 1847 von der Krakau-Oberschlesischen Eisenbahn gebaut. Diese Strecke ging ab 1958 zur „Kaiser-Ferdinands-Nordbahn“ über und war ab da als durchgehend zweigleisige Hauptbahn ausgebaut.

Der Bahnhof hieß zu österreichischen Zeiten Mydlniki. Nach dem ersten Weltkrieg wurde er durch die neugegründete PKP ab 1925 in „Mydlniki Wymijalnia“ und ab 1935 in „Mydlniki Mijanka“ umbenannt. Im Oktober oder November 1939 wurde er in der Folge des Einmarsches der deutschen Armee in Polen für eine kurze Zeit in „Mydlniki Ausweiche“ umbenannt. Das Ortsschild auf dem Stellwerk ist ziemlich sicher noch aus alten österreichischen Zeiten.

Das Stellwerk ist ein österreichisches Standardbauwerk und in dieser Form auf vielen Abbildungen aus der Zeit der kkÖStB und danach sichtbar. Ebenso ist das Kurbelwerk für die Schranke (welche wir im Rücken des Fotografen verorten) österreichischer Bauart und in dieser Form noch bis heute in einigen Gebieten der ehemaligen K&K-Donaumonarchie auffindbar.

Der Bahnhof liegt in einem langen Bogen. Das Aufnahmsgebäude könnte beim ersten Hinschauen auf der gegenüberliegenden Gleisseite vermutet werden, liegt aber im Bogen auf "dieser Seite".

Ich habe die Position des Stellwerkes markiert:

Mydlniki 1936n.jpg

Vegetation und Bekleidung des Stellwerkers weisen auf den Winter hin.
In dieser Jahreszeit kämen folgende Zugläufe in Frage:
D317 aus Wien über Trzebinia, Durchfahrtszeit etwa 8:30 Uhr
D41 aus Breslau über Heydebreck, Durchfahrtszeit etwa 11:50 Uhr
D451 aus Tschenstochau über Zombkowitz, Durchfahrtszeit etwa 13:30 Uhr
DmW31 aus Breslau über Heydebreck, Durchfahrtszeit etwa 16:40 Uhr

Der wenige Schatten des Stellwerkes lässt die Lichtquelle etwa im rechten Winkel zur Strecke aus der linken Bildseite vermuten - dies wäre in etwa aus Süden, also zur Mittagszeit.
Der D451 kommt wohl kaum in Frage, da ein Dreiecksumlauf Heydebreck-Tschenstochau-Krakau sehr unwahrscheinlich ist. Ganz ausschließen kann man das aber nicht.
Der D317 scheidet wohl wegen des Lichtwinkels aus, der DmW31 lief bereits in der Dämmerung oder gar im Dunkeln.
Sehr wahrscheinlich sehen wir also den Schnellzug D41, der in Heydebreck auf die S10.1 umgespannt wurde und nun noch etwa 10 Km bis zum Ziel in Krakau vor sich hat.

Der Zug hatte im Bahnhof planmässig keinen Halt. Wahrscheinlich wurde er aus betrieblichen Gründen gestellt, fährt nun mit offenen Zylinderhähnen an und geht mit „Ausfahrt langsam“ ins Gegengleis.

Wäre das nachvollziehbar?

Quellen:
Reichskursbuch vom 5.5.1941
Scharf: Eisenbahnen zwischen Oder und Wechsel
Horn: Die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn
Stockklausner: Dampfbetrieb in Alt-Österreich
Griebl: Dampfbetrieb in Österreich 1935-44
Wenzel: Die preussische S10-Familie

Viele Grüße
Jürgen Hanelt
Guten Tag in die Runde,

ich habe noch eine Zugbildung hierzu gefunden:


D41.jpg
Ausser dem Pw4ü lassen sich für mich keine weiteren Wagen identifizieren, ein Teil des Zuges liegt ja auch noch im Bogen.

Viele Grüße
Jürgen Hanelt

Klasse und schlüssig recherchiert !

geschrieben von: Norbert Bank

Datum: 18.01.21 14:50

ich kann aber leider nicht weiter erhellendes zum Thema beitragen.
Aber Danke für Deine Mühen, Jürgen .
Das war eine der besten Antworten seit langem, hier im Forum.

Gruß

Norbert

P.S. im NAC gibt es, wenn es Dich interessiert,noch weitere altösterreichische Dampflok zu sehen.

Re: Klasse und schlüssig recherchiert !

geschrieben von: bw nürnberg rbf

Datum: 18.01.21 16:54

Hallo Norbert,

vielen Dank für den Zuspruch, über den ich mich freue.

Das NAC durchzuforsten, habe ich noch nicht geschafft - das liegt noch vor mir :-)
Mein Interessensgebiet erstreckt sich auf die ehemaligen östlichen Provinzen Schlesien, Posen, Pommern, Ost- und Westpreussen - die heute in Polen und der russischen Föderation liegen.
Dieses Gebiet bereise ich seit nunmehr knapp 25 Jahren sehr intensiv und habe deshalb ein wenig Ortskenntnisse erwerben können.
Einige kleine Bespiele liegen auf meiner website [www.eisenbahn-photographie.art]
Die S 10.1 fährt knapp ausserhalb des Gebietes, doch man kann ja mal ein Auge zudrücken...

Beste Grüße
Jürgen Hanelt
Hallo Jürgen,

prima Recherche, schön präsentiert, ein toller Beitrag!  Nur, die Frage ist, ob die Voraussetzungen (Anfang des Krieges, Planzug, Ausfahrt Richtung Krakau Hbf.) stichhaltig sind?  Ich habe etwas Zweifel.

Zuerst die Fakten:
      1.   Ein Pressefotograf, Gerhard Lehmann,
      2.   vom Zeitungs-Verlag Krakau-Warschau,
      3.   fotografierte in Mydlniki (sagt das Schild jedenfalls),
      4.   aus unbekanntem Anlass
      5.   die Abfahrt (offene Zylinderhähne) Richtung Osten
      6.   an einem zweiflügeligen Formsignal vorbei (darüber später),
      7.   eines Zuges gezogen von 17 1051
      8.   mit einer gebeulten Rauchkammertür (Unfallschäden?) und
      9.   mit abblätternden weißen Ringen auf den Puffern, aber
     10.  ohne Verdunkelungsschirm an den Frontlaternen und
     11.  ohne Spitzensignal (keine Falschfahrt)
     12.  vor einer Garnitur von Reisezugwagen.

Ad 7.  Lok 17 1051 war laut [Karl-Heinz Mühlhans] August 1941 in „Heydebreck O.S.“ stationiert, was gut zu Jürgens Vorschlag für einen Laufweg passen würde:
     D41:  Breslau (Wrocław) — „Heydebreck O.S.“ (Kandrzin, Kędzierzyn) — Krakau (Kraków).

Ad 9–10.  Verdunkelung:  Abblätternder weißer Ring an den Puffern:  Dort, wo die Lok stationiert ist, gab es mal Verdunkelung.
Laternen ohne Abschirmung:  Es gibt dort keine Verdunkelung mehr.
Naheliegende Folgerung:  Die Aufnahme entstand kurz nach dem Kriegsende.  Dagegen spricht aber:

Ad 2.  Der Pressekonzern:  „Zeitungs-Verlag Krakau-Warschau, G.m.b.H.“:
     • wurde an 15.10.1939 vom Generalgouverneur gegründet, um Zeitungen und Zeitschriften zu veröffentlichen [szukajwarchiwach.pl].
     • hatte Nebenstellen in Warschau, Lublin, Radom, Częstochowa (Tschenstochau), Kielce und Lwów (Lemberg) [UMCS] (Seite 251).
     • die Krakauer Zeitung erschien vom 12.11.1939 bis 19.01.1945; insgesamt 47 cm Regalplatz (dünn!) [loc.gov].
     • der Verlag publizierte auch Amtsblätter, Chroniken, ein Almanach, ein Branchentelefonbuch [wordcat.org]
        sowie „Das Generalgouvernement“ (Presseorgan der dt. Behörden im GG) [UMCS] (Seite 253).
     • druckte für die NSDAP „Das Vorfeld“ (Schulung für dier Parteimitglieder) [UMCS] (Seite 255).
     • der Betrieb endete, als „die Deutschen aus Krakau flohen“ (sic!) [szukajwarchiwach.pl].

Die Quellen sagen nicht, wann genau der Zeitungs-Verlag aufgelöst wurde, aber ich kann kaum glauben, dass der Betrieb über das Kriegsende hinaus fortgeführt wurde.  Da das Foto aus dem Firmenarchiv stammt, muss es vor der Kapitulation aufgenommen worden sein.

Siehe auch:  Piotr Kołtunowski, „Die deutsche Presse im besetzen Polen 1939–1945. Die Hitlerpropaganda gegenüber dem Generalgouvernement“, in: Annales Universitatis Mariae Curie-Skłodowska (Lublin, Polonia) vol. LI, pp. 249–269 (1996), [UMCS].

Ad 1.  Der Fotograf:  Eine Google-Suche nach Gerhard Lehmann hatte keinen Erfolg.

Ad 3.  Name des Bahnhofs:  Jürgens Liste der Namensänderungen ist mit Vorsicht zu genießen.  Für die Kriegszeit geben verschiedene Quelle widersprüchliche Namen an, siehe Anhang.

Ad 6.  Ausfahrtsignal:  Wird ausführlich im nächsten Beitrag über Signalanlagen behandelt, hier nur kurz meine Interpretation:

Es handelt sich um sygnał 2b der polnischen Signalvorschriften E1 1930 (entspricht Signal 8b der ESO 1907, „Fahrt frei für ein abzweigendes Gleis“), d.h. Ausfahrt Richtung Kraków Olsza (die heutige KBS 100), nicht Richtung Kraków Główny/Krakau Hbf.

Das impliziert, dass das Foto frühestens am Eröffnungsdatum dieser Umgehungsbahn aufgenommen sein kann, also frühestens 18.02.1943 laut [atlaskolejowy] bzw. 01.01.1942 laut [pl.wikipedia].

Welche Zuggattung ist es überhaupt?  Planzüge würden nicht Krakau Hbf. umfahren (außer bei Streckesperrungen).  Könnte es ein Fronturlauberzug sein?

Ad 4.  Anlass des Fotos:  Es ist mit Sicherheit kein Gelegenheitsfoto (Snapshot).  Der Fotograf steht auf dem Bahngelände zwischen den Schranken (Stelldraht links).  Er wird seinen Presseausweis dem stramm stehenden Weichenwärter vorgelegt haben müssen.

Es ist quasi ein gestelltes Foto.  Wozu brauchte ein Zeitungs-Verlag, der der Regierung des Generalgouvernements nahe stand, dieses Foto?  Man kann viel Spekulieren, etwa „Erster Zug der Umgehungsbahn“ (oder „erster Zug nach Kriegsende“:–), aber das bleibt Spekulation, — genauso rätselhaft wie die fehlende Verdunkelung.

MfG, Dennis
Anhang:  Umbenennungen des Bahnhofs
Der Bahnhof hieß zu österreichischen Zeiten Mydlniki. Nach dem ersten Weltkrieg wurde er durch die neugegründete PKP ab 1925 in „Mydlniki Wymijalnia“ und ab 1935 in „Mydlniki Mijanka“ umbenannt. Im Oktober oder November 1939 wurde er in der Folge des Einmarsches der deutschen Armee in Polen für eine kurze Zeit in „Mydlniki Ausweiche“ umbenannt.
Der Anfang von Jürgens Liste stimmt sicherlich, aber für die Zeit der Besetzung geben andere Websites teilweise widersprüchliche Daten.

A.  [semaforek.kolej.org.pl] (zeigt auch Gleispläne 2012, 2015, 2020):
Name
Gültig
von – bis
Mydlniki Wymijalnia 1925 – 1927
1930 – 1934
Mydlniki Mijanka 1935 – 1939
Mydlniki Ausweiche 1939 – 1940
Mydlniki 1941 – 1942

B.  [mapa.bazakolejowa.pl] wie A, mit recht viel Chaos (passt nicht zu C / D):
Name
Gültig von
Mydlniki Wymijalnia 1925
Mydlniki Mijanka 1935
Mydlniki Ausweiche nach 1939-09-01
Mydlniki Wymijalnia 1941
Mydlniki 1945-03
Kraków Mydlniki 1973

C.  [malopolskie.atlaskolejowy.pl] (archive.org 2014-10-23) wie A mit einer Fortsetzung:
Name
Gültig
von – bis
Mydlniki Wymijalnia 1925 – 1934
Mydlniki Mijanka 1935 – 1939
Mydlniki Ausweiche 1939 – 1940
Mydlniki 1941 – 1942
Mydlniki Wymijalnia 1943 – 1945
Mydlniki 1945 – 1971
Kraków Mydlniki 1972 – 2021

D.  [atlaskolejowy.net] wie C mit einer Einfügung:
Name
Gültig
von – bis
Mydlniki Wymijalnia 1925 – 1934
Mydlniki Mijanka 1935 – 1939
Mydlniki Ausweiche 1939 – 1941
Mydlniki Wymijalnia 1941 – 1941
Mydlniki 1941 – 1943
Mydlniki Wymijalnia 1943 – 1945
Mydlniki 1945 – 1973
Kraków Mydlniki 1973 – 2021

Fahrkarte-01.12.39-Krakow-Mydlniki-Wymijalnia-109x202px.png  Faktencheck:  Jemand bot (18.01.2021) auf [allegro] diese Edmonson’sche Fahrkarte zum Verkauf an.
Stempel 01.12.39, Personenzug (Pociąg osobowy) von Kraków nach Mydlniki Wymijalnia, 8 km, Preis zł. 00,40.
Laut allen Umbennenungslisten hieß der Bahnhof damals Mydlniki Ausweiche.  Was stimmt nun wirklich? — Wir werden es wahrscheinlich nie wissen.

 — Edit:  Tippfehler korrigiert.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.01.21 21:53.
Zitat:
"Ad 9–10. Verdunkelung: Abblätternder weißer Ring an den Puffern: Dort, wo die Lok stationiert ist, gab es mal Verdunkelung.
Laternen ohne Abschirmung: Es gibt dort keine Verdunkelung mehr.
Naheliegende Folgerung: Die Aufnahme entstand kurz nach dem Kriegsende. Dagegen spricht aber:"

Das 1940 im besetzten Polen Verdunkelung unnötig war, weil es keine alliierten Luftabgriffe gab.
Die RAF hatte grade erst einen Überraschungsangriff auf Hamburg geschafft. Zu mehr reichte es nicht,
weil die USA noch nicht alliiert waren.
Das änderte sich erst ab 1942.

Hinweis:Beitrag kann Tippfehler enthalten. Diese sind im allgemeinen unbedenklich und dienen der Kurzweil entsprechender Sucher.Sollten Sie dennoch Unwohlsein empfinden, kontaktieren Sie ihren Arzt oder Apotheker.
Urheberrecht,§ 51 Zitate: Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn 1.einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden,
2.Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden,
3.einzelne Stellen eines erschienenen Werkes der Musik in einem selbständigen Werk der Musik angeführt werden.