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Hallo zusammen,

heute mal ein außergewöhnliches Thema " Entseuchungsanstalten der Eisenbahn " Wie kommt man auf so ein Thema wird sich mancher Fragen ? nun ganz Einfach. Vor zwei Jahren war ich mal wieder beim Suchen bei Zvab im Internet nach einem Eisenbahnbuch. So bin ich beim Suchen auch auf das Buch " Die Technik und Wirtschaft der Hygiene im Tierversand bei der Deutschen Reichsbahn von 1934 " gestoßen. Ich dachte mir was es nicht alles gibt an Eisenbahnliteratur, also Buch bestellt weil ich einfach Neugierig war. Das Buch hat insgesamt 216 Seiten für ein Randthema der Eisenbahn schon viel.

Einführung der Entseuchung nach Gesetzesgrundlage bei der Eisenbahn Auszug aus der DV 616 Entseuchungsvorschriften :

https://s12.directupload.net/images/201230/658a2wfr.jpg

Die Entseuchungsvorschrift von 1944 galt bei der Deutschen Bundesbahn bis 1974 und wurde durch einen kompletten Neudruck Gültig vom 1 März 1974 an ersetzt. Sammlung S.B

im Reichsgesetz betreffend die Beseitigung von Ansteckungsstoffen bei der Viehbeförderung auf Eisenbahn vom 25 Februar 1876 ( RGBL S. 163 )

Ausführungsbestimmungen des Bundesrates hierzu ( Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 16 Juli 1904, RGBL S 311 )

Bestimmungen des Bundesrates über die Beseitigung von Ansteckungstoffen bei der Beförderung von lebenden Geflügel auf Eisenbahnen ( Bekannmachung des Reichskanzlers vom 17 Juli 1904, RGBL S 317, für Bayern : Bekanntmachung des Staatsministeriums des Innern und des Staatsministeriums für Verkehrsangelegenheiten vom 24 August 1904, G u. DBL G 494 )

Ausführungsvorschriften des Bundesrats zum Viehseuchengesetz vom 7 Dezember 1911 ( Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 25 Dezember 1911, RGBL 1912 S 3 )

Anlage C zur EVO und Anlage I zum Internationalen Eisenbahngütertarif ( Klasse VI )

Richtlinien für die amtstierärtzliche Überwachung der Viehladestellen.

In der DV 616 Entseuchungsvorschrift , Gültig vom 1 März 1974 an sind nach der Gesetzesgrundlage noch hinzu gekommen :

Verordnung über die Beseitigung von Ansteckungsstoffen in Eisenbahnwagen bei Tiertranporten im Verkehr mit dem Ausland vom 18 August 1966 ( BGBI. I S. 1363 )

Viehseuchengesetz in derr Fassung der Bekanntmachung vom 27. Februar 1969 ( BGBI I S. 158 ), zuletzt geändert durch gesetz vom 7 August 1972 ( BGBI I S. 1363 )

In der DV 616 Entseuchungsvorschriften ; Ausgabe 1944 Steht unter den Vorbemerkungen Das Gesetz verpflichtet die deutschen Eisenbahnen ( einschließlich Kleinbahnen ) zur Reinigung und Entseuchung solcher Eisenbahnwagen, Geräte Ladestellen und Rampen, die bei der Beförderung von lebenden Tieren oder von bestimmten fäulnisfähigen, übelriechenden oder ekeleregenden Stoffen benutzt worden sind. Unter Entseuchung versteht man die Verfahren, durch die alle Ansteckungsstoffe vollständig getilgt werden.

Man unterscheidet :

einfache Entseuchung mittels Sodalösung die aus mindenstens 3 kg Soda auf 100 Liter Wasser hergestellt ist und wenigstens 50 Crad heiß sein muß.
Zur späteren DB - Zeiten entfiehl die einfache Entseuchung.

verschärfte Entseuchung ist eine 3 % ige Lösung einer Krefollschwefelmischung oder eine 2 1/2 % ige Lösung hochwertiger wasserlöslicher Chlortalkpräparate mit einem Mindestgestgehalt von 70 % an aktivem Chlor zu verwenden.

Waschung ist mit heißem Wasser durchzuführen

Vor der Entseuchung müssen die Wagen in allen Teilen gereinigt werden. Die Reinigung besteht aus entfernen des Streu, Dünger, Reste von Anbindesträngen und Federn.

Nun einige Auszüge ( Auswahl ) aus dem Buch " Die Technik und Wirtschaft der Hygiene im Tierversand bei der Deutschen Reichsbahn von 1934 " Gleisplanskizzen der Entseuchungsanstalten Sammlung S.B

https://s12.directupload.net/images/201230/cdrzssxj.jpg


https://s12.directupload.net/images/201230/8pu6g73u.jpg

https://s12.directupload.net/images/201230/whisnab5.jpg

https://s12.directupload.net/images/201230/a7s7vgo5.jpg

https://s12.directupload.net/images/201230/gbnpu6rf.jpg

https://s12.directupload.net/images/201230/ygwh8sdb.jpg

https://s12.directupload.net/images/201230/tvqybbyv.jpg

https://s12.directupload.net/images/201230/dn23tk4s.jpg

Solche Gleisplanskizzen sind doch auch was für den Modellbahner, solch eine Entseuchungsanstalt hat auch nicht jeder auf der Modellbahn.


https://s12.directupload.net/images/201230/g43t3uxp.jpg

Übersichtskarte der Entseuchungsanstalten Stand 1934

Die Bezettelung der Wagen die zu entseuchen sind eine kleine Auswahl davon :

https://s12.directupload.net/images/201230/x6fej9p8.jpg

Sammlung S.B

https://s12.directupload.net/images/201230/y5ncm8py.jpg

Sammlung S.B

https://s12.directupload.net/images/201230/ced4rwnp.jpg

Sammlung S.B

https://s12.directupload.net/images/201230/zkphgddm.jpg

Sammlung S.B

https://s12.directupload.net/images/201230/l7f945s3.jpg

Sammlung S.B

https://s12.directupload.net/images/201230/iu2pbmes.jpg

Sammlung S.B

Nach den Statistatischen Angaben der Deutschen Bundesbahn für 1951 gab es noch 77 Entseuchungsanlagen.
Nach den Statistatischen Angaben der Deutschen Bundesbahn für 1970 gab es noch 28 Entseuchungsanlagen.

Das war mein Spezial Hifo Beitrag fürs Jahresende 2020. Man könnte noch mehr schreiben zum Thema, deshalb soll das hier auch nur eine grobe Abhandlung sein. Trotzdem sind Ergänzungen zum Thema in Wort und Bild Willkommen

Gruß von S.B aus dem Nordschwarzwald bei Freudenstadt

Viehwagenentseuchung: Auch in Waldbröl ein Thema

geschrieben von: Ulrich Clees

Datum: 30.12.20 21:46

Hallo S.B,

danke, dass Du dieses interessante Thema aufwirfst!

Auch für Waldbröl im Oberbergischen Land hatte dieses Thema eine Bedeutung; eine Stützmauer als letztes Relikt kann man noch heute sehen.

Bedarf für die Viehwagenwäsche bestand durch den Waldbröler Markt, der bis zu 23mal im Jahr stattfand. Zu seiner Blütezeit in den dreißiger Jahren wurden dort jährlich 16.000 Stück Großvieh und 8.500 Schweine gehandelt. Der Großteil von ihnen kam mit der Reichsbahn über die Wisser- und die Wiehltalbahn, ein Teil mit der Rhein-Sieg Eisenbahn durchs Bröltal und sicherlich auch einige mit der Kleinbahn Bielstein - Waldbröl.

Am Staatsbahnhof Waldbröl wurde schon kurz nach dem Streckenbau eine Viehwagenwäsche gebaut: Es wurde ein eigenes Gleis parallel zur Bahnhofseinfahrt angelegt (auf einer Rampe mit Stützmauer, da die Einfahrt in einem Gefälle liegt – diese Stützmauer ist bis heute erhalten und wurde vor gut zehn Jahren vom Förderkreis zur Rettung der Wiehltalbahn saniert), außerdem wurden ein eigener großer Wassertum, ein Lagerraum für Desinfektionsmittel und ein Aufenthaltsraum für die Rangierer gebaut; auch ein Miststapelplatz durfte natürlich nicht fehlen.

Der Reichs- und Bundesbahner Raimund Wehner, Zeitzeuge der Märkte der dreißiger Jahre, lässt das, was Deine Dokumente nüchtern ausdrücken, lebendig werden: "Am Tage vor dem Markt treffen die Tiere, meistens Rinder, mit zwei Sonderzügen, einer aus Hagen, der andere aus Betzdorf oder dem Westerwald in Waldbröl ein. Ver­einzelt kommen Viehwagen auch mit Perso­nenzügen. Die Tiere stammen, in G-, Gr- oder V- Wagen verladen, u.a. aus Westfalen, Oldenburg, Ostpreußen und dem Nie­derrhein. Nach der Entladung mittels Lade­brücken an Kopf- und Seitenrampe erfolgt der Abtrieb in Herden in die Stallungen, die sich in der Nähe des Marktplatzes befinden. Fast alle Gastwirte hatten Viehställe und boten auch Zimmer zur Übernachtung für Händler und Käufer an. ... Die leeren Wagen wurden von der Rangier­lok, die für diesen Tag mit besonderen Auf­gaben versehen war, zur Wagenwäsche befördert und dort ausgemistet. Wie auf einem Bauernhof wurde ein riesiger Mist­haufen angelegt.
Die Verladung und Abfuhr erfolgte nach dem Markttag. Nach der groben Reinigung kam die Entseuchung an die Reihe: Wagen und Trenngitter wurden mit heißem Wasser und Chemikalien über Schlauchleitung und Druckrohr ausgewa­schen; alles in Handarbeit. Wasserlieferant war dabei die erwähnte Lok. Das Abstellen der behandelten Wagen erfolgte bei geöff­neten Türen und Luken in Gleis 5. Diese Prozedur wiederholte sich mehrmals, da ca. 30 Wagen und mehr zu 'entsorgen' waren.
Die Eisenbahner in Waldbröl hatten reichlich Arbeit zu versehen. Am Vormittag die Bereit­stellung der Wagen in der Ladestraße sowie an der Kopf- und Seitenrampe mit den ent­sprechenden Ladebrücken. Die Wagen wer­den dann, entsprechend den gängigen Ziel­bahnhöfen, gut sichtbar mit Kreide beschrif­tet. Stroh wird verteilt. Gegen Mittag treffen die ersten Tiere, diesmal von Helfern am Strick geführt, zur Verladung ein. Es folgen die Formalitäten wie Feststellung der Tier­gattung, Einstufung in Gewichtsklassen wegen der Frachtberechnung, Eintragung in den Tierfrachtbrief mit Angaben über Stück­zahl, Wagen-Nr. usw. Hierfür steht ein mo­biles Stehpult zur Verfügung. Ein Tierarzt ist auch anwesend.
Während auf dem Markt um den Verkaufspreis gehandelt wurde, setzt sich jetzt das Feilschen um Klassifizierung und somit günstigere Tarife fort. Zwischen­zeitlich werden beladene Wagen abgezogen und leere bereitgestellt. Es kommen immer mehr Tiere zu den Verladeeinrichtungen. Händler, Treiber, Bahnpersonal und Schau­lustige bevölkern die Szene. Das Stimmen­gewirr der Menschen, das Blöken der Tiere, die Kommandos der Verlader und Rangierer, verbunden mit den Achtungspfiffen der Dampflok, ergeben eine unvergeßliche Sinfo­nie."

Die Rhein-Sieg Eisenbahn fuhr schon im 19. Jahrhundert an Viehmarkttagen einen speziellen Fahrplan. Soweit rekonstruierbar, wurde aus dem morgendlichen GmP ein reiner Personenzug, denn er hatte deutlich kürzere Fahrzeiten. Das lässt darauf schließen, dass wegen des Viehaufkommens ein eigener Güterzug fuhr. Wie die Kleinbahn Bielstein - Waldbröl Viehwagen gereinigt hat, weiß ich nicht – hätte ich es doch Herrn Wehner gefragt. Denkbar ist, dass sie die Reichsbahn-Viehwäsche mitbenutzte, schloss ihr Bahnhof doch direkt an den Staatsbahnhof an. Die Rhein-Sieg Eisenbahn, die in Waldbröl getrennt von den Normalspurbahnen lag, jedenfalls beorderte alle ihre Wagen zur Reinigung zentral nach Hennef.

Das Ende des florierenden Marktes wurde durch das im Januar 1937 erlassene Berufsverbot für Viehhändler jüdischen Glaubens besorgt. 1949 wiederbelebt, erlangte der Markt seine alte Bedeutung im Großviehandel nicht mehr.

Mit dem Ende des Marktes als Großviehumschlagplatz wurde die Viehwagenwäsche überflüssig und abgerissen – bis eben auf die Stützmauer.

Viele Grüße
Uli
Mal wieder ein Beitrag ganz nach meinen Geschmack. Mal was anderes als der tausendste Aufguss der 44er in Bw Rheine, gähhn!!!

Wer hat eigentlich die Reinigung bezahlt? Nach meinen Verständnis sollte doch der Kunde die Wagen entsprechend gereinigt dem Eigentümer zurückgeben. Oder war die Reinigung schon im den Beförderungsentgelten eingepreist?

Auf der Karte mit den Standorten der Entseuchungsanlagen wird auch der Bahnhof Berlin Nordbahnhof (ab 1950 Eberswalder Straße ) aufgeführt. Ich habe bis dato noch nie explizit nach solchen Anlagen geforscht. Nun wurde ich neugierig, ob die Pläne solche Anlagen verzeichnen. Und siehe da: ich wurde fündig (Plan Stand 1929).

Die Gleise 45-46 sind mit "Viehwagenwäsche" bezeichnet. Ich gehe stark davon aus, dass es sich um diese Anlage handelt. Interessant auch für mich, weil ich solche Infrastrukturbereiche eines Bahnhofs bisher nicht beachtet habe.


https://www.berliner-stellwerke.de/images/DSO/Nbf-1929.jpg

http://www.berliner-stellwerke.de/images/Logo Berliner Stellwerke_120px.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:12:30:22:01:25.

RBf Nürnberg

geschrieben von: Bullok

Datum: 30.12.20 22:56

Hallo S.B,

auch von mir ein herzliches Dankeschön für dieses interessante, aber auch etwas "anrüchige" Thema !

Besonders informativ sind für mich die eingesetzten Chemikalien und die baulichen Gegebenheiten.

Sehr schön auch die Skizzen der verschiedenen Entseuchungsanlagen und deren Erläuterungen.
Nicht immer konnte am rationellsten umgesetzt werden. Da mußte man wohl oft aus baulichen Gegebenheiten Kompromisse eingehen.
Wie mußte man sich eigentlich seinerzeit das Entleeren der Dunggruben vorstellen ? Ging das meist per Muskelkraft (eine äußerst unangenehme Vorstellung), oder hatten man auch schon in den 30er/40er Jahren Krananlagen dafür ?

Bisher habe ich mich zugegebenermaßen noch nicht wirklich mit dieser Thematik beschäftigt.

Ich möchte daher nur hier ein paar Bilder sowie einen Zeitungsartikel präsentieren, die die Entseuchung im Nürnberger RBf zeigen.

Konkret geht es um die hier bei google maps [www.google.de] zu sehende Anlage, die wohl noch existieren müßte.

Im April 1996 habe ich diese Anlage von Osten her aufgenommen:
Apr 96,1,20,RB Entseuchung RBf Nbg.jpg


Und etwas näher:
Apr 96,1,22,RB Entseuchung RBf Nbg.jpg


Die folgende Aufnahme entstand im Oktober 1996 und ist von der Westseite aus aufgenommen worden:
Okt 96,10,2,GST, Nürnberg Rbf, Bereich Märzfeld Harfe , Ents.jpg


Dieses Schild hing am oben zu sehenden Kamin der Anlage:
Okt 96,10,3,GST, Nürnberg Rbf, Bereich Märzfeld Harfe , Ents.jpg



In diesem in den Nürnberger Nachrichten am 2.2.1995 erschienenen Artikel über einen bevorstehenden Personalabbau bei der DB AG sieht man ein Archivfoto, das während einer Waggonreinigung in dieser Anlage entstanden ist:

Personalabbaupläne DBAG 2.2.1995.jpg


Zum heutigen Zustand dieser Wagenreinigungsanlage, wie man heutzutage vielleicht besser sagen sollte, kann ich leider nichts sagen. Evt wird sie noch gelegentlich genutzt.


Schöne Grüße

Ralph
Ich habe vor sehr langer Zeit auch mal 3 Wochen in der Reinigung&Desinfektion gearbeitet. Die Dienststelle war in einem alten Bahnhofsgebäude an einer Anschlussbahn situiert. Dort arbeiteten 5 bis 6 Leute und wir 2 Helfer in Normalschicht. Nachts wurden arbeitstäglich 10 bis 30 leere Viehwaggons bereitgestellt. Ein Heizer kochte im Kesselhaus Wasser. Zunächst wurde mit Schaufel und Besen Altstroh, Mist und Fäzes aus dem Waggon in eine Lorry geschippt. Wenn die Lorry voll war, schoben wir diese auf dem Schmalspurgleis zur Kompostgrube und kippten oder schaufelten den Unrat raus. Dann wurden die Waggons innen gründlich mit heißem Wasser unter Zuhilfenahme eines Gartenschlauchs ausgespritzt. Ein großer Keks Wirkstoff oder Wirkstoff-Gemisch wurde in einer großen Gießkanne gelöst.
Das Solid muss ortho-Kresol als Wirkstoff
enthalten haben, denn die Lösung roch nach Phenol. Mit der Desinfektionslösung wurde der hölzerne Waggonboden vollständig bespült und die Waggoninnenwände mit Scheuerbesen und Wischlappen benetzt. Danach wurde der Waggon als gereinigt gekennzeichnet. Wir gedachten der Tiere, die zuvor mit diesem Waggon zur Schlachtbank befördert wurden. Zum Schichtende war noch genügend heißes Wasser vorrätig, sodass wir duschen konnten, um anstandslos mit der Straßenbahn nach Hause oder zur Freizeit fahren zu können. Über Nacht wurden die gereinigten Waggons von einer Rangierlok wieder abgefahren.

PF 2021 - astrachan
Das nenne ich einen bereichernden authentischen Beitrag, so richtig aus dem Leben, klasse!

Beste Grüße
Thomas
Hallo,

auch heute noch ist der Begriff „Viehwäsche“ nicht ganz restlos aus dem Bahnalltag verschwunden. In Meiningen z.B. weiß jeder ortskundige Lokführer welche 3 Abstellgleise mit „Viehwäsche“ gemeint sind. Auch die ESTW-Umstellung konnte diese ortsübliche Bezeichnung nicht verdrängen. Eines wird planmäßig vom SKL belegt und die anderen beiden täglich von der SüdThüringenBahn benutzt. Die Viehwagenwäsche wurde damals allerdings nicht wegen eines Schlachthofes eingerichtet. Vielmehr war die nur wenige Schritte entfernte Kaserne [kbk-architekten.de] (heute Justizzentrum) das entscheidende Kriterium. Damals gab es noch keine LKWs o.ä. und Pferde waren für das Militär sehr wichtig. Und somit wurden diese auch mit der Eisenbahn transportiert.

Grüße,
Lalu

Re: RBf Nürnberg

geschrieben von: S.B

Datum: 31.12.20 09:56

Hallo Ralph,

Danke für die Ergänzungen deiner Bilder von Nürnberg Rbf mit der Entseuchungsanlage. Wenn ich ehrlich bin sehe ich solch eine Entseuchungsanlage zum ersten mal im Bild.

Gruß von S.B aus BA/WÜ

Re: RBf Nürnberg

geschrieben von: Michael Staiger

Datum: 31.12.20 12:08

Hallo Stefan,

auch in Reutlingen gab es Entseuchungsanstalten. Zunächst befand sie sich direkt gegenüber dem Empfangsgebäude, dann seit der Bahnhofserweiterung im Rangierbahnhof an der Sondelfingerstrasse. Dort lagen noch bis vor ein paar Jahren Sandsteinblöcke als Schienenauflagen.
Leider hab ich grad keinen digitalisierten Plan, ill mal sehen das nachzuholen und hier einzufügen.
Die Entseuchungsanlagen waren einst sehr wichtig und sind es auch heute noch, nur eben nun für Strassenfahrzeuge.
Es gab übrigens auch Desinfizierungsanlagen für Reisezugwagen.

Gruß aus https://share-your-photo.com/img/7a468ead84_album.jpg
Michael

Entseuchungsanlage in Worms (3 Bilder)

geschrieben von: Harald Dinges

Datum: 31.12.20 12:48

Hallo S.B!

Vielen Dank für das Einstellen dieses interessanten Beitrages!

Beim Stadtarchiv Worms, Lichtbildstelle, gibt es unter der Nr. M18542 ein Luftbild der Eisenbahnanlagen in Worms. Es muss um 1960 aufgenommen worden sein. Darauf ist die Entseuchungsanlage zu sehen.

Bild 1: Bildausschnitt. Die Entseuchungsanlage befindet sich in Bildmitte. Man sieht darauf auch die Güterwagen, in denen die Tiere transportiert wurden. Der leichte Hügel links, in beiger/hellbrauner Farbe und teilweise schon überwachsen, war die Lagerungsstätte für die aus den Wagen entfernte Einstreu.

https://abload.de/img/zz1m18542bwwormswestspokkd.jpg

Bild 2: Dasselbe Bild, etwas vergrößert.

https://abload.de/img/zz2m18542bwwormswestskgj1g.jpg

Bild 3: Und dann gibt es noch das Bild eines Viehtransportwagens, der dort zu einem anderen Zeitpunkt gestanden hat, und dessen Bauart mir schon lange Rätsel aufgibt. Ich kann leider noch nicht mal erkennen, wie viele Achsen er hat. Es ist der Wagen in Bildmitte mit dem hellen Fleck auf dem Dach. Vielleicht kann ein Leser dieses Rätsel lösen?

https://abload.de/img/zzzzzzm24269viehtrans2wka6.jpg

Gruß

Harald

Re: Entseuchungsanlage in Worms (3 Bilder)

geschrieben von: S.B

Datum: 31.12.20 13:18

Hallo Harald,

Danke für die Bilder der Entseuchungsanlage Worms. In dem oben schon von mir erwähnten Buch " Die Technik und Wirtschaft der Hygiene im Tierversand bei der Deutschen Reichsbahn von 1934 " kommt was darin vor zur Entseuchungsanstalt Worms . Leistungsfähigkeit : 42 Güterwagen in 9 Stunden. Zur Erzeugung von Warmwasser gab es einen Warmwassererzeuger der aus einem ausgemusterten G 7 - Lokkessel bestand mit Baujahr 1908 und wurde 1925 in der Entseuchungsanstalt Worms eingebaut.

Gruß von Stefan aus dem Nordschwarzwald

Entseuchungsnachschub am Dienstagmorgen. (1 Scan)

geschrieben von: Olaf Ott

Datum: 31.12.20 13:35

Lieber Stefan!

Besten Dank für dein umfangreiches Material zu diesem Nischenthema.
Es hat mir Freude bereitet.

Als kleiner Dank etwas Nachschub für die Entseuchung. Montag war immer der größte Auftriebstag am Schlachthof, sodaß
Dienstagfrüh zur Entseuchung abgefahren wurde.

11224-68.jpg
Hannover 18/68

Komm gut ins Neue Jahr!

Olaf Ott
Im Chemnitzer Produktenbahnhof müsste es an den Gleisen 61 bis 63 eine Entseuchungsanlage gegeben haben. Gleis 62 war auch der Anschluss vom Schlachthof. Vielleicht hat jemand Material darüber. Danke

GBf Coburg

geschrieben von: Bullok

Datum: 01.01.21 11:37

Hallo allerseits,

ich habe nocheinmal in meinen Bilderkartons gewühlt, da ich anhand der Karte über Standorte von Entseuchungsanstalten in Deutschland auf die Stadt Coburg gestoßen bin.
Schließlich fiel mir ein, daß ich dort vor knapp 26 Jahren einmal so eine eigenartige Betonwanne nebst Seiten- und Kopframpe festgehalten habe.

Tatsächlich muß es sich dabei um die ehem. Entseuchungsanlage gehandelt haben.

Deren Standort ist sogar noch heute bei google maps [www.google.de] zu erkennen.

Coburg besaß bis vor wenigen Jahren am Güterbahnhof einen städtischen Schlachthof [de.wikipedia.org] .

Ich habe im März 1995 dem dortigen Güterbahnhof einmal einen Besuch abgestattet.

Vom Stellwerk am nördlichen Ende des GBf habe ich in Richtung Süden dieses Bild gemacht.
Mär 95,2,26,RB GBf Coburg.jpg

Das linke und bereits zurückgebaute Gleis führte zur Entseuchung.

Nun von unten dieses Bild:
Mär 95,3,1,RB GBf Coburg.jpg


Und hier die erwähnte Betonwanne mittlerweile ohne Gleis.
Mär 95,4,14,RB GBf Coburg.jpg


Das ganze nocheinmal insgesamt:
Mär 95,4,16,RB Gbf Coburg.jpg


Dank der Einleitung von S.B und der schönen Beschreibung von astrachan ist mir nach all den Jahren endlich der Sinn des Feldbahngleises klar geworden, das links entlang der Betonwanne entlangführt: hier muß wohl die Kipplore entlanggeschoben worden sein, um mit dem dem ganzen Unrat aus den Viehwaggons befüllt worden zu sein.

Der Coburger Schlachthof befand sich am Ende diesen Anschlußgleises, das hier so pittoresk zwischen den Fachwerkschuppen hindurchführt.
Mär 95,4,11,RB GBf Coburg.jpg

Außerdem zweigte kurz vor dem Schlachthof noch der Anschluß zum ehem. Gaswerk ab, der über die Itz führte.


Schöne Grüße und Euch allen ein gutes und vor allem gesundes Jahr 2021 !

Euer Ralph



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2021:01:01:11:48:18.