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Frage zum Gleisanschluss des Hefe-Werks in Hameln

geschrieben von: Lurchi

Datum: 21.11.20 23:54

Hallo!

Dies ist mein erster Beitrag, und irgendwie vermisse ich den "Neuzugänge stellen sich vor" - Bereich, den es in anderen Foren gibt?!? - Egal: Ich habe hier in letzter Zeit schon öfters mitgelesen und mich insbesondere über die Beiträge zur VEV und zur Strecke Lage-Hameln gefreut, danke dafür. Besonders eisenbahnverrückt bin ich eigentlich nicht, aber mich interessiert die Geschichte (und auch das aktuelle Geschehen) der Bahn in meiner Heimatregion, dem Weserbergland. Besonders viel Wissenswertes kann ich wohl selbst nicht beitragen, aber vielleicht gute Fragen stellen und interessante Themen starten.
Hier also ein erster Versuch: In Hameln gab es ja das Anschlußgleis des Firmengeländes "Hefe & Sprit" oder "Hefe-Werke", heute "Hefehof". Reste davon existieren heute noch auf dem Gelände. Ich dachte immer, dieses Gleis sei nie über das Areal hinausgegangen. Nun habe ich einen alten Stadtplan entdeckt, der eine Verlängerung um mehr als einen halben Kilometer bis zum Tönebön-See zeigt (dort war meines Wissens mal eine Ziegelei):

Hefehof.jpg
Kann das stimmen? Gab es dort wirklich mal Eisenbahn?
Hallo „Lurchi“,

dann willkommen im Kreis der derjenigen, die sich aus ihrem „Nurleser-Status“ heraustrauen.



Ich interpretiere diese „Fortführung“ [susudata.de] nicht als Normalspur-, sondern als schmalspuriges Werksbahngleis von mutmaßlich 600 mm, wie bei so vielen anderen Ziegeleibahnen auch.

Den Überdeckungsgrad damals™/heute kannst Du mit dem Schieberegler oben rechts verändern.




Gruß

Walter

Re: Frage zum Gleisanschluss des Hefe-Werks in Hameln

geschrieben von: QJ 7002

Datum: 22.11.20 11:29

Hallo Lurchi,

in Hameln aufgewachsen, habe ich die Gleise zu den Hefe&Sprit-Werken so um 1970 mal erkundet, weil Wagen dorthin oder von dort noch mit Dampfloks der Baureihe 50 zugestellt und abgeholt wurden. Alle Gleise endeten an Prellböcken oder Kopframpen, von einer Weiterführung in Richtung Tönebon war nichts zu sehen. Wenn es mal dorthin weiterging, dann in Form einer Feldbahn, wie unser Mikado-Freund schon schrieb.

Beste Grüße

Martin


051 291 auf dem Weg zum Hamelner Hafen, die Gleise rechts führten zu den Hefe&Sprit-Werken.

Hameln-Hafen.jpg



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.11.20 13:10.

Re: Frage zum Gleisanschluss des Hefe-Werks in Hameln

geschrieben von: Lurchi

Datum: 22.11.20 15:28

Na, da hat sich das Anmelden ja schon gelohnt, auch wegen des Fotos....
Die Feldbahn-These klingt plausibel, denn bei susudata.de (sehr interessante Seite!) sieht man, dass das Gleis ja im Norden ebenfalls in einer Ziegelei ("Zgl.") endete, die ihrerseits Anschluß zu den Normalspurgleisen hatte. Also war das Gleis wohl vielleicht so eine Art werksinterne Bahn zwischen zwei Ziegelei-Betriebsstätten. Auch die weiter westlich gelegene Ziegelei (Ohsener Straße) scheint ja Feldbahn-Gleise gehabt zu haben.

Re: Frage zum Gleisanschluss des Hefe-Werks in Hameln

geschrieben von: Fdl Uwf

Datum: 22.11.20 20:35

Hallo Lurchi,

auch von mir ein Willkommen hier im Forum.

Habe in meiner Sammlung eine Kopie des Gleisplanes von Hameln aus dem Jahr 1954. Darin ist ein Anschlussgleis zur Ziegelei Tönebön eingezeichnet, von welchem dann der Anschluss zum Hefe-Werk abzweigt. Es sind normalspurige Gleise.

Gruß
Martin

Ja und Nein ...

geschrieben von: Teckel

Datum: 22.11.20 23:45

Hallo zusammen,

um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich hier mal ein Foto dieses Bereiches von der Übersichtskarte des Bf Hameln von 1934 (mit einzelnen Änderungen bis 1954 fortgeführt) angehängt. Die regelspurigen Anschlussgleise zu den Hefe- u. Spritwerken und zur Ziegelei Tönebön zweigten damals getrennt über die Weichen 165 u. 166 vom Hafengleis ab. Das Weiche des Tönebön-Gleises lag etwa an der Stelle, wo Martin ("QJ 7002") das obige Foto von der 50er gemacht hat, kurz vor dem BÜ Hastenbecker Weg. Die von Lurchi angefügte Karte scheint in diesem Bereich etwas davon abzuweichen, indem sie den Abzweig hinter den BÜ verortet. Die Ziegeleigebäude lagen dort, wo heute die Kuhlmannstraße verläuft und auch noch etwas südwestlich davon (siehe susudata-Karte). Die Anschlussgleise endeten aber im Bereich der Ziegelei und dienten zur Abfuhr der Ziegeleierzeugnisse. Tönebön besaß aber noch die Ziegelei weiter südlich im Bereich der heutigen "Töneböns-Teiche". Das sind die gefüllten ehemaligen Tongruben, aus denen damals die Rohstoffe gewonnen worden sind. Zu diesem Werksstandort führte aber kein Regelspurgleis, sondern wie von Walter ("Mikado-Freund") oben schon vermutete schmalspurige Werksfeldsbahn, die u. a. auch die Aufgabe hatte, die Rohstoffe zum Werk neben dem zukünftigen Hefehof zur dortigen weiteren Verarbeitung zu liefern. Letztere Informationen erhielt ich von meinem 1973 verstorbenen Großvater, der in den 1930er Jahren bei Tönebön beschäftigt war und mir den Bereich um die Teiche (wo er eine Angelerlaubnis hatte) anlässlich mehrerer Spaziergänge zeigte.


P1150401.JPG

Es grüßt der Teckel

Re: Ja und Nein ...

geschrieben von: Lurchi

Datum: 23.11.20 19:04

Ich denke, damit sollte bezüglich des Gleises zum Tönebönsee alles klar sein, danke.
Die zeichnerische Darstellung in den Bereichen "Hefe & Sprit" und "Tönebön" ist aber vermutlich unmaßstäblich, oder? Ich nehme nämlich an, dass die größere Drehscheibe weiter entfernt lag, etwa im Bereich des heutigen Büromöbelgeschäfts. Das würde für mich erklären, warum dort früher (80er Jahre) immer ein einsamer Kesselwagen rechtwinklig zur Kuhlmannstraße stand, obwohl die eigentlichen Gleise ja parallel zu dieser verliefen, Wenn ich damit richtig liege, stand der Waggon auf dem Gleis, dass auf dem Plan am "p" von "Spritwerke" endet.

So ist bzw. war es ...,

geschrieben von: Teckel

Datum: 23.11.20 22:13

... genau da, wo heute die Zufahrt zum Hefehof von der Kuhlmannstr. aus ist, lag das Gleis zur Fa. "Beeke und Bleibaum", ein Futtermittelwerk, zu dem auch Kesselwagen mit Melasse kamen, eben über die besagte Drehscheibe. Und Du hast auch Recht bezüglich der zeichnerischen Darstellung im Bahnhofsplan, der ist nämlich zu seinen "Rändern" hin verzerrt, das Blatt durfte ja nicht zu groß werden. Die andere Drehscheibe zum Hastenbecker Weg hin lag direkt neben dem noch heute dort stehenden ehemaligen Kontorgebäude, an dessen südwestlicher Ecke immer noch ein Gleisstück im Pflaster liegt. Das direkte Zufahrtsgleis von der Hafenbahn zur Drehscheibe verschwand aber bereits in den 60er Jahren, so dass diese Drehscheibe nur noch aus Richtung Hefehof angefahren werden konnte. Die danach schon seltene Zuführung von Waggons zum nordöstlichen Gleis besorgte bis Ende der 60er Jahre übrigens eine auf dem Gelände wohnende Fuhrunternehmerin mit einem ihrer Schimmel (!). Ein Foto vom "Pferdebahnbetrieb" hängt übrigens neben einigen anderen historischen Bildern in der Fotogalerie in der "Hefehof-Mall", ein Stückchen hinter dem Bio-Markt.

Es grüßt der Teckel

Re: So ist bzw. war es ...,

geschrieben von: Lurchi

Datum: 28.11.20 21:52

Wo Du das mit den Pferden schreibst, fällt mir ein, dass wir früher als Kinder auf dem Weg zum Südbad immer an der nordwestlichen Ecke der Kuhlmannstraße an Pferden vorbeigegangen sind. Möglicherweise waren das ja noch die Überbleibsel der "Pferdebahn"......
Zur ursprünglichen Fragestellung habe ich mittlerweile auch noch etwas herausgefunden. Und zwar, dass die Feldbahngleise zum südlicheren Teil der Ziegelei schon vor dem Anschluß des Hefewerks an die "große" Eisenbahn existierten. Das zeigt zumindest dieser Ausschnitt einer Karte von 1897, gefunden unter http://maps.mapywig.org/m/German_maps/series/100K_KDR_Generalstabskarte/DRMC/KDR100_310_Hameln_ca1897_DRMC5820310c.jpg:
1897.jpg
Interessant ist (für mich) auch, dass das heutige Anschlussgleis der Müllverbrennungsanlage schon so früh existierte. Der Bereich "Kgr.", in dem es endet, könnte wohl eine Kohlegrube gewesen sein?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 28.11.20 23:56.

... oder Kalkgrube? (o.w.T)

geschrieben von: Wolfgang Sorger

Datum: 29.11.20 00:16

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Mich interessiert vieles - und alles rund um das Bw Bestwig!

Weder eine Kohle- noch Kalkgrube, sondern ...

geschrieben von: Teckel

Datum: 02.12.20 23:00

... eine Kiesgrube war dort um diese Zeit. Wenn man heute auf der Hastenbecker Landstr. entlangfährt, sieht man, dass es etwa gegenüber der Einmündung der Straße "Langes Feld" rechter Hand relativ steil hinuntergeht. Dort ist ja auch die zzt. gesperrte LKW-Zufahrt zur MVH/Altholzverwertung. Das gehörte früher alles einmal zu einer riesigen Sand- und Kiesgrube, die auch ein Anschlussgleis bekam. Die Sandgrube (Fa. Hinse) existierte sogar noch bis in die 60er Jahre hinein, deren Zufahrt ging gleich hinter dem KVG-Gelände rechts ab. Sie hatten damals neue Henschel-Hauber-Kipper und -Pritschenwagen im Einsatz. 1912 wurde das Kraftwerk Wesertal z. T. auf dem Gelände gebaut, nur die Sandgrube blieb danach noch bestehen. Auch die inzwischen verfüllten Kraftwerks-Kühlteiche lagen auf dem Kiesgrubengelände.

Es grüßt der Teckel

Zu den Pferden ...

geschrieben von: Teckel

Datum: 02.12.20 23:36

Ja, Du vermutest es völlig richtig: Bis in die 80er Jahre hinein befand sich im Gebäude, das zur Kuhlmannstr./Ecke Guter Ort liegt, ein Pferdestall. Die Pferde gehörten einer Fuhrunternehmerin, Margarethe hieß sie, soweit ich noch weiß (den Nachnamen habe ich leider vergessen). Sie hatte auch zwei Schimmel, mit denen sie zuletzt noch eine vorhandene Hochzeitskutsche bespannte. Sie kleidete sich dazu ganz passend in weiß. Den Betrieb führte sie schon seit jungen Jahren, in den 60ern und auch noch zu Anfang der 70er war sie sogar vom Güterbahnhof aus zugange. Irgendwo existieren auch noch Bilder im Netz, ich finde sie nur gerade nicht. Es gibt auch eine facebook-Gruppe (Hameln- heute und früher) mit vielen historischen Bildern, da bin ich aber nicht drin.

Es grüßt der Teckel