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 04 - Historisches Forum 

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Moin zusammen……….
Woher der Begriff „Hasenbahn“ für die Strecke Delmenhorst – Hesepe stammt, vermag ich auch nicht zu sagen. Alte Osnabrücker Lokführer erklärten das mit dem Überqueren dies Flüßchens Hase – obwohl dieser nur einmal nordöstlich von Rieste überquert wird. Andere wiederum erklärten es mit dem geringen Zugverkehr, so daß sich Fuchs und Hase dort Gute Nacht sagen können.
Ein kleiner geschichtlicher Ausflug:
Kernstück war zunächst die Verlängerung der von Ahlhorn kommenden Strecke über Vechta hinaus nach Lohne. Kurz vor der Jahrhundertwende wurden nacheinander die Abschnitte Delmenhorst – Vechta, Lohne – Neuenkirchen und weiter bis Hesepe an der oldenburgischen Südbahn in Betrieb genommen. Die Kleinbahn Lohne – Dinklage, Vechta - Cloppenburg sowie die Nebenbahn von Holdorf nach Damme vervollständigen das südoldenburgische Bahnnetz.
Auf den DB Strecken wurde der Reisezugverkehr schon Anfang der 50er Jahre eingestellt. Das Kursbuch vom Sommer 1950 weist vier Zugpaare auf, davon ein GmP, die vermutlich mit VT 75 gefahren wurden: das Bw Oldenburg hatte seinerzeit VT 75 900, 902 und 909 – 911 im Bestand, die allerdings Ende 1954 den Norden verließen. Ersetzt wurden sie durch Neuablieferungen VT 95 (später auch VT 98) , die allerdings auf unserer Strecke nicht mehr zum Einsatz kamen. Zum 18.05.1951 endete der Reisezugverkehr zwischen Ahlhorn und Schneiderkrug und für ein Jahr fuhr noch morgens an Werktagen ein Zug von Schneiderkrug nach Vechta, möglicherweise mit einer V 20 bespannt, von denen seit 1950 bzw 1951 V 20 001, 002 und 005 in Oldenburg beheimatet waren.
Im Güterverkehr konnte sich die Strecke länger behaupten: zwar wurde 1967 der Gesamtbetrieb zwischen Ahlhorn und Schneiderkrug eingestellt, bis 1994 verkehrten aber noch Güterzüge zwischen Schneiderkrug und Vechta, ab 1995 noch für weitere 3 Jahre. Dabei wurde überwiegend Getreide zu den Geflügelaufzuchtbetrieben gefahren. Seit dem 31.12.1998 ist die Strecke endgültig stillgelegt und bis auf den Anschluß zum Fliegerhorst Ahlhorn abgebaut.
Allerdings fällt mir beim Betrachten der Gleispläne von 1958, 1971 und 1982 eine Ungereimtheit auf: im Mai 1937 wurden im Bahnhof Schneiderkrug die Einfahrsignale B in km 9,492 aus Richtung Ahlhorn und C in km 10,570 – wegen der in unmittelbarer Nähe zur Reichsstraße 69 links vom Gleis mit Signal K 2 (Schachbretttafel) aufgestellt. Im Plan von 1958 sind an ihrer Stelle Trapeztafeln eingezeichnet, in den Plänen von 1971 und 1982 wiederum Hauptsignale (in diesem Fall ESig A aus Richtung Ahlhorn und ESig B aus Richtung Vechta mit geringfügig veränderten Standorten). Hat einer der geschätzten Hiforisten dafür eine Erklärung oder gar einen Bildbeweis?

https://live.staticflickr.com/65535/50630090606_8ba37082ec_b.jpg

Der Scan zeigt den südlichen Teil des Bf Schneiderkrug, Zustand 1958



https://live.staticflickr.com/65535/50630191767_8fbd1c4dfd_b.jpg



Im Gleisplan von 1971 ist das Einfahrsignal B aus Richtung Vechta eingezeichnet, ebenso 1982:

https://live.staticflickr.com/65535/50630090446_9aac625a99_b.jpg


Auf diesem Scan ist außerdem noch das Einfahrsignal A aus Richtung Ahlhorn zu sehen, das anderthalb Jahrzehnte nach Abbau des Streckenteils wenig Sinn macht.....


Ähnlich war es im Fall der Strecke Lohne – Dinklage, dessen Hauptaufkommen ebenfalls Getreide zu einem Futtermittelhersteller war. Weitere Kunden waren eine Maschinenfabrik und ein Landhandel. Bis 1990 rechtfertigte das Aufkommen den Einsatz einer Kleinlok im Bahnhof Lohne, so war die 323 176 über Jahre als Stammlok in Lohne stationiert. Ab 1990 übernahm eine V 60 von Osnabrück die Bedienung und nach weiteren 12 Jahren wurde – im Rahmen der Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks in Bramsche die Anschlußweiche ausgebaut.
Die nur sieben Kilometer lange Strecke von Holdorf nach Damme verlor 1952 den Personenverkehr, zwei Jahre bevor die Kleinbahn Lohne – Dinklage das gleiche Schicksal ereilte. Durch die Eisenerzgrube in Damme hatte die Strecke bis 1967 ihr Auskommen, danach sorgte noch ein Landmaschinenhersteller für ein gewisses Aufkommen. 1996 wurde die Strecke stillgelegt und vier Jahre später demontiert.



Nach so viel Text…. noch mehr Text: wenden wir uns dem Güterverkehr im Fahrplanjahr 1976/77 zu:
Eine Osnabrücker V 100 bespannte an Werktagen den Ng 65341 von Osnabrück Rbf (ab 4.23) nach Delmenhorst (an 8.29), der Wagen für Bramsche (4.51/5.03), Lohne (6.10/6.17), Vechta (6.26/7.22) und Wildeshausen (7.49/7.55) mitführte. Die Feinverteilung übernahmen die dort stationierten Kleinlokomotiven. Etwa eine Stunde später (5.14) verließ der Ng 65340 W(Sa) bzw 65342 Sa den Delmenhorster Güterbahnhof . Nach dem Absetzen von Wagen in Wildeshausen (5.57/6.04), Rechterfeld (6.17/36) an W(Sa) bzw Goldenstedt (6.20/6.31) wurde 6.57 bzw 6.46 Vechta erreicht. Um 7.06 ging weiter über Lohne (7.10/7.27), Holdorf (7.42/8.10) ohne Verkehrshalt weiter zum Osnabrücker Rbf.
Nachmittags waren ebenfalls zwei Nahgüterzüge eingelegt:
Ng 65345 W(Sa) Osnabrück Rbf 16.05 – Hesepe 16.40/16.55 – Steinfeld 17.20/17.48 – Lohne 18.05/18.26 – Vechta 18.35/18.52 – Wildeshausen 19.20/37 – Delmenhorst 20.31
Ng 65348 W(Sa) Delmenhorst 16.34 – Wildeshausen 17.13/17.25 – Goldenstedt 17.43/18.03 – Vechta 18.25/18.40 – Lohne 18.50/19.20 – Osnabrück Rbf 20.45
Nur bis bzw ab Vechta fuhren:
Ng 65343 Sa Osnabrück 12.16 – Bramsche 12.43/12.49 – Lohne 13.33/13.40 – Vechta 13.50
Ng 65346 Sa Vechta 14.25 – Lohne 14.35/14.45 – Bramsche 15.28/16.07 – Osnabrück Rbf 16.43
Bei Bedarf fuhren diese beiden Züge bis/ab Delmenhorst:
Ng 65343 B Sa Vechta 14.17 – Goldenstedt 14.27/14.34 – Wildeshausen 14.48/15.02 – Delmenhorst 15.38
Ng 65346 B Sa Delmenhorst 12.36 – Wildeshausen 13.13/13.26 – Ganderkesee 13.47/13.55 – Vechta 14.10

Zur Verteilung der einzelnen Wagen waren in Bramsche je eine Köf 2 und eine Köf 3 des Bw Osnabrück stationiert, deren Einsatzgebiet durch die Awanst Achmer Süd und die Hst Langen zwischen Bersenbrück und Badbergen begrenzt war. In Richtung Delmenhorst oblag ihnen die Bedienung der Tarifpunkte bis Holdorf und der Strecke nach Damme.
Die Köf 2 des Bahnhofs Lohne fuhr nach Steinfeld und natürlich auf der Strecke nach Dinklage.
Vechta verfügte ebenfalls über je eine 323 und 332, wie die Lohner Köf vom Bw Oldenburg. Sie bedienten die Strecke nach Schneiderkrug und fuhren in Richtung Delmenhorst bis Lutten.


https://live.staticflickr.com/65535/50630093281_acff32f2b9_b.jpg




Der Abschnitt Goldenstedt – Dötlingen wurde von der 323 des Bahnhofs Wildeshausen bedient, die Tarifpunkte zwischen Brettorf und Dwoberg gehörten zum Refugium der Köf 2 des Bahnhofs Ganderkesee, wobei zum Wagentausch zweimal bis Delmenhorst durchgefahren wurde.

https://live.staticflickr.com/65535/50629348893_2b0ddf405f_b.jpg




Betriebsstellenkürzel im Bildfahrplan:


Br = Bramsche Hf = Holdorf
Da = Damme AmS = Achmer Süd
He = Hesepe Bs = Bersenbrück
AmN = Achmer Nord Lan = Langen (bei Bersenbr.)
Lo = Lohne Sfd = Steinfeld
Va = Vechta Skg = Schneiderkrug
Ln = Lutten Ha = Hagen (bei Vechta)
Go = Goldenstedt Bela = Anst Bela-Bau
FrP = Anst FreshPac Ah = Awanst Ahmerkamp
Lgf = Langförden Hov = Holzhausen (Vechta)
Wi = Wildeshausen Dö = Dötlingen
Rd = Rechterfeld Brt = Brettorf
Gd = Ganderkesee Dmh = Delmenhorst

Wie schon bei meinen vorhergehenden Beiträge beachtet bitte, daß die Einsatzpläne an Hand der Bildfahrpläne erstellt worden sind. Da nicht immer die Zuglok angegeben ist und mir teilweise die entsprechenden Lokumläufe fehlen, sind Abweichungen vom tatsächlichen Verlauf durchaus möglich. Korrekturen und Ergänzungen sind daher gerne gesehen und sogar erwünscht.

Viel Spaß beim Lesen und ein schönes Wochenende wünscht
Helmut, der Bärtige

Re: Hasenbahn

geschrieben von: kluskurve

Datum: 21.11.20 22:24

Das sagt Wikipedia dazu: Hasenbahnen wurde so genannt,weil sie übetwiegend durch ländliches Gebiet fuhren.
20201121_222227.jpg



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.11.20 22:26.