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 04 - Historisches Forum 

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Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Moin zusammen……….

Gewissermaßen als Ergänzung zur oldenburgischen Südbahn betrachten wir heute die Nebenbahn Rheine – Quakenbrück. In den 1930er Jahren wurde hier in großem Umfang Kleinlokomotiven eingesetzt um die Durchschnittsgeschwindigkeit der Nahgüterzüge zu steigern. Daher wurden ab 1931 den Bahnhöfen Altenrheine, Spelle, Beesten, Freren, Fürstenau und Bippen jeweils eine Kleinlok des Bw Rheine P zugeteilt, die die Feinverteilung der Güterwagen übernahmen. Im einzelnen waren dies die Kb 0006 – 0009 und 0011, die bereits nach 2 Jahren durch die Kö 0065 – 0067 auf den Bahnhöfen Altenrheine, Beesten und Freren ersetzt wurden.
Da unsere Strecke mit ihrem südlichen Abschnitt Duisburg – Rheine eine Alternative für die Verbindung vom Ruhrgebiet zum Marinehafen Wilhelmshaven darstellte, begann ebenfalls in den 30er Jahren die Verbesserung der signaltechnischen Sicherung. So wurden zwischen Mai 1939 und März 1940 auf den Bahnhöfen Settrup, Beesten, Nortrup und Fürstenau Ausfahrsignale in Betrieb genommen, bereits zwei Jahre zuvor wurde auf allen Bahnhöfen Einfahrvorsignale aufgestellt.
In Vergessenheit dürften auch die drei Kreuzungsbahnhöfe Lulle (km 144,4), Bockraden (km 152,7) und Mimmelage (160,5) geraten sein: ihre (Wieder)-Inbetriebnahme erfolgte in der ersten Hälfte des Jahres 1937, zwei Jahre wurden auch hier Ausfahrsignale aufgestellt. Spätestens Ende der 1940er Jahre dürften diese drei Bahnhöfe wieder außer Betrieb genommen und zurückgebaut worden sein.
Falls sich jemand auf Spurensuche begeben möchte, folgt eine kleine Wegbeschreibung (erstellt mit Google Earth und dem Michelin Routenplaner: vom Ortsteil Dalum der Gemeinde Bippen fährt man nordwestlich in Richtung des Sultholz bis zur zweiten Weggabelung. Hier trennen sich Heuweg und Sültemühle, später dann Ölmühle und nach jeweils 1,5 bis 2,2 Kilometern auf eine Querverbindung zwischen den beiden Wegen: westlich davon befand sich der Kreuzungsbahnhof Lulle.
Etwas nordöstlich von Bippen liegt die Gemeinde Kettenkamp und verläßt man diese in nordwestlicher Richtung auf der Straße „Großer Moordamm“, gelangt man nach etwa einem Kilometer zu einem Waldstück, in dem sich der Betriebsbahnhof Bockraden befand.
Bleibt noch Mimmelage: fährt man von Badbergen über Vehs nach Groß Mimmelage, kreuzt man am ehemaligen Hp Vehs die Bahntrasse. Links davon, in südwestlicher Richtung, befand sich der Kreuzungsbahnhof Mimmelage.
Nach diesem – eigentlich nicht gewolltem - Ausflug in die Geschichte geht es nun mit den Kleinlokeinsätzen und dem Nahgüterverkehr weiter.






Der Einsatzplan ist nach den Bespannungsangaben des Bildfahrplans Blatt 27 und Blatt 22 erstellt, gültig ab 27. September 1976. Da nicht bei allen Zügen die Baureihe angegeben ist, sind die Angaben im Einsatzplan nicht verbindlich anzusehen

https://live.staticflickr.com/65535/50625048027_96346a637d_b.jpg




Betriebsstellenkürzel im Bildfahrplan:

Q = Quakenbrück Bme = Bartmannsholte Sp = Spelle Bee = Beesten
Fre = Freren RE = Anst Rekers Eisenwerk
Bu = Anst Burs Fü = Fürstenau (Han)
Bip = Bippen Ge = Anst Gerling
Nt = Nortrup




Je eine Köf 2 stellte das Bw Rheine für die Bahnhöfe Spelle und Fürstenau. Neben den üblichen Rangierarbeiten in den Bahnhöfen waren die mittlerweile zu Anschlußstellen degradierten Bahnhöfe Beesten, Freren, Settrup, Bippen und Nortrup zu bedienen, ferner noch die Anst Rekers, Burs und Molkerei Altenlünne bei Spelle und die Anst Gerling bei Fürstenau. Die weiteren Einsätze der Quakenbrücker 332 habe ich bereits in einem anderen Beitrag erläutert, daher schenke ich es mir hier
Die Zuführung der Wagen erfolgte von Rheine mit einer 260: zum Absetzen der Wagen wird nur in Spelle und Fürstenau gehalten. Die Wendezeit in Quakenbrück betrug am Samstag eine halbe Stunde, bevor es nach Rheine zurückging. Dabei wurden nur in Fürstenau Wagen aufgenommen. Von Mo-Fr dauerte der Aufenthalt in Quakenbrück etwa 3 Stunden und daher ist anzunehmen, daß in dieser Zeit ein Üg-Paar nach Bartmannsholte und zurück gefahren wurde. Dabei erfolgte vermutlich der Wagenaustausch der Gag 58482 Mi (Misburg – Essen/O) bzw Gag 58483 Di+Fr (Essen/O – Misburg) zwischen Essen (Old) und Bartmannsholte. So verkehrte Üg 69313 nur an Mo+Di+Do+Fr bis Bartmannsholte, an Mi fuhr die Lok als Lz 86624 nach Quakenbrück.
Abends an W(Sa) befuhr die V 60 nochmals den kurzen Abschnitt bis Spelle, um die von der Köf aus Richtung Freren eingesammelten Wagen nach Rheine zu bringen.
Wann die Fürstenauer Kleinlok ihr Arbeitsgebiet vermag ich nicht zu sagen, es müßte Mitte der 80er Jahre gewesen sein. Die Speller Köf konnte sich immerhin bis Anfang 1990 behaupten. Nur der Vollständigkeit halber möchte ich noch den Dg 54581 von Rheine Rbf nach Oldenburg Rbf erwähnen, der bei Bedarf an W von der Lü-Gruppe der BD Hannover eingelegt wurde. Wurde früher eine 50er als Zuglok angeführt, war es nun eine 220, wobei natürlich auch der Einsatz einer 211 oder 216 möglich war. Einen Gegenzug gab es übrigens nicht.

Wie immer sind Korrekturen, Ergänzungen und auch Fotos herzlich willkommen

Einen schönen Abend wünscht
Helmut, der Bärtige



Moin Helmut,

vielen Dank für Deinen Rückblick auf den Güterverkehr der Strecke Rheine - Quakenbrück, der auch für mich einige interessante Neuigkeiten zutage gebracht hat. Bis zur Auflösung des Panzergrenadierbatallions in Fürstenau hatte der südliche Abschnitt eine gewisse Bedeutung für den Militärverkehr. Neben den turnusmäßigen "Ausflügen" zu Manövern auf Truppenübungsplätzen innerhalb Deutschlands, fuhren jeweils zu Quartalsbeginn reine Militärreisezüge mit den neu eingezogenen Rekruten via Rheine nach Fürstenau. Diese Züge wurden Mitte der 1970er Jahre meistens mit 042 vom Bw Rheine bespannt; nach dem Dampfaus kamen 211, 216 oder 220 hier zum Zuge. Besonders filmreife Szenen wurden im Bf. Beesten sowie nördlich davon auf freier Strecke im März 1979 gedreht (siehe BahnEpoche Nr. 35).

Auf dem Abschnitt Spelle - Rheine wickelt die RVM schon seit einigen Jahren die Betriebsführung mit einem recht ansehnlichen Güterverkehr ab, u.a. über das vor ein paar Jahren neu gebaute Anschlussgleis zum Hafen Venhaus (Kies, Betonfertigteile, Getreide). Wie es im Bf. Spelle heute aussieht, zeigt das nachstehende Foto.

Beste Grüße,
Klaus

IMG_7809a.jpg



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.11.20 23:50.

Re: Streckenliste Rheine - Quakenbrück im Winter 1975

geschrieben von: StwSn

Datum: 20.11.20 19:26

Zu Deinem wieder einmal interessanten Beitrag steuere ich mal die Streckenliste bei:


StrLi Rheine-Quakenbrück I.jpg
StrLi Rheine-Quakenbrück II.jpg
VbzdBfpl Rheine-Quakenbrück.jpg
Moin Klaus,

vielen Dank für Deinen Hinweis auf "Y-Reisen" . Mir war zwar bekannt, daß Fürstenau Bundeswehrstandort war; nicht aber, daß zu Quartelsbeginn die Soldaten mit Sonderzügen anreisten. Auch wußte ich nicht, daß per Bahn ins Manöver gefahren wurde.

Nochmals danke und einen schönen Abend

Helmut
Moin Stw Sn,
auch Dir herzlichen Dank für Deine Ergänzung durch die Streckenliste vom Sommer 1975. So läßt sich der Zeitpunkt der Umwandlung von Nortrup in eine Anst auf die Planperiode Winter 1975/76 bzw Sommer 1976 eingrenzen. Ab da erfolgte die Bedienung Nortrups als Sperrfahrt von Quakenbrück, zu deren Bespannung bis zu deren Abzug die in Quakenbrück stationierte 236 vom Bw Oldenburg herangezogen wurde.

Nochmals vielen Dank und Grüße

Helmut, der Bärtige