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 04 - Historisches Forum 

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siehe auch:
[CH] SBB-Brünigstrecke 1977-85, Deh 4/6 901-906 in Grün (31B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] SBB-Brünigstrecke 1977-85, Deh 4/6 907-911 in Grün (26B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] SBB-Brünigstrecke 1977-85, Deh 4/6 912-916 in Grün (23B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] SBB-Brünigstrecke 1977-82, Deh 4/6 mit Güterzügen (28B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] SBB-Brünigstrecke 1979-82, die Berglokomotiven "Muni" von 1954 (29B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] SBB-Brünigstrecke um 1980, Rangiertraktoren Te I 198-199 von 1941 (15B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] SBB-Brünigstrecke um 1980, Rangiertraktoren Te III 201-203 von 1962 (16B) [www.drehscheibe-online.de]
[CH] SBB-Brünigstrecke um 1980, thermische Traktoren von 1929-66 (12B) [www.drehscheibe-online.de]

Die 1888/89 von der Jura - Bern - Luzern-Bahn JBL eröffnete und 1890 durch Fusion an die Jura - Simplon JS übergegangene Brünigbahn Lüzern - Meiringen - Brienz wählte für ihre Personenwagen wie die Appenzellische Strassenbahn St. Gallen - Gais und die Berner Oberland-Bahn BOB das von Adolf Klose für gemischte Zahnrad- und Adhäsionsbahnen ersonnene System von dreiachsigen Personenwagen mit seitenbeweglicher Mittelachse, auf der das Bremszahnrad sass. Das war ein grosser Fehler, denn schon die 1890 eröffnete Visp - Zermatt-Bahn VZ nahm ausschliesslich komfortable, vierachsige Drehgestell-Personenwagen in Betrieb. Die einheitlich nur 9,78-9,82 m langen Brünig-Dreiachser waren von Anfang an als arge Rumpelkisten verrufen, trotzdem wurden sie bis 1909 in grosser Zahl beschafft: 20 Wagen 1. Klasse, 8 Wagen 1./2. Klasse, 28 Wagen 2. Klasse, 6 Wagen 2./3. Klasse und 31 Wagen 3. Klasse.

Das Missverhältnis von 56 Wagen der beiden Polsterklassen zu 6 gemischten und nur 31 Wagen der Holzklasse illustriert die ursprüngliche Zweckbestimmung der Brünigbahn für den gehobenen Tourismus. Aus heutiger Sicht ist kaum mehr nachvollziehbar, dass auf der Bergstrecke Giswil - Brünig - Meiringen bis 1899 gar keine 3. Klasse angeboten wurde. Ein überraschend grosser Teil der Personenwagen besass keine Heizung, da diese Fahrzeuge nur in der Sommersaison Verwendung fanden. Der Winterbetrieb über den Brünigpass wurde erst mit der Verstaatlichung 1903 aufgenommen.

Die verbliebenen dreiachsigen Personenwagen erhielten nie die 1941 eingeführte, halbautomatische +GF+-Kupplung. Sie wurden bis spätestens 1955 abgebrochen, zu Güter- und Dienstwagen umgebaut oder an andere Bahnen verkauft. X3 9954 (links) geht auf C3 653 ex B3 223 von 1892 zurück, X3 9952 auf C3 637 ex B3 214 von 1889. Seit der Elektrifikation 1941 dienen die einstigen Personenwagen 2. Klasse als Fahrleitungsmontagewagen.
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Bobinenwagen X3 9962 wurde 1940 aus dem Untergestell des 1939 ausrangierten C3 664 ex A3 38 von 1901 hergerichtet.
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Das Jahr 1916 markiert eine ganze Reihe von epochalen Verbesserungen für die Brünigbahn: Endlich kam die langersehnte Verlängerung von Brienz nach Interlaken Ost in Betrieb, auf den Talstrecken wurde der Rollschemelverkehr mit normalspurigen Güterwagen aufgenommen, und die ersten vier Drehgestell-Personenwagen kamen in Betrieb. AB4 151-152 und B4 251-252 waren den Passagieren der beiden Polsterklassen vorbehalten. 1924/25 kamen die heizungslosen Sommerwagen A4 51-52, AB4 153-154, B4 253-260 und C4 801-804 in Betrieb. Zu diesen 20 Vierachsern gesellten sich 1927-36 die mit Dampfheizung versehenen Ganzjahreswagen AB4 171-172 (mit Seitengang in der 1. Klasse), BC4 451-460 und C4 805-833. Im Vorfeld der Elektrifikation wurden 1939/40 noch die letzten Vierachser in traditioneller Bauart mit verblechtem Holzkasten und offenen Plattformen in Betrieb genommen: B4 261, BC4 463-464 und C4 834-835. Die Wagen ab Baujahr 1935 fielen durch ihre Längsträgerschürzen auf.

Bis 1949 wurden sämtliche Abteile 2. Klasse von der Sitzteilung 2+2 auf 1+2 umgebaut, und 1947-54 wurden neun Wagen der Polsterklasse auf 3. Klasse umgebaut. Anlässlich der Klassenreform 1956 verteilten sich die 66 Brünigbahn-Vierachser mit offenen Plattformen und Baujahr 1916-40 auf zehn Wagen 1. Klasse A4 153-154, 171-172 und 256-261 mit je 36 Plätzen, zwölf gemischte Wagen AB4 451…464 mit 12 Plätzen 1. Klasse und 39 Plätzen 2. Klasse sowie 44 Wagen 2. Klasse B4 796-839 mit 48-60 Sitzplätzen. Dieser Bestand blieb bis zur Ablieferung der Einheitswagen bestehen. 1967-1970 wurden sämtliche Brünigbahn-Vierachser mit offenen Plattformen ausrangiert, verkauft oder zu Brünigbahn-Dienstwagen umgebaut.

A 259 von 1925 und B 827 von 1933 blieben nach ihrer Ausrangierung 1969/70 noch viele Jahre auf einem Abstellgleis in Interlaken Ost stehen.
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Einzelporträt des in Interlaken Ost abgestellten B 827. Die von Anfang an als Wagen 3. Klasse gebauten B 801-835 besassen sieben Mittelgangabteile und ein Halbabteil Seite Interlaken, das ergab 60 Sitzplätze.
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Die Umbauwagen B 796-800 und 834-839 besassen dagegen nur 48 bzw. 56 Sitzplätze in sechs oder sieben Abteilen, je nach Herkunft als einstiger AB4/B4 oder BC4.

A 260 von 1925 harrt in Meiringen auf sein Schicksal.
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Der in Meiringen abgestellte X4 9980 geht wahrscheinlich auf den 1969 ausrangierten B 817 von 1931 zurück.
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Ein unbekanntes Vierachser-Untergestell dient in Meiringen als Lagerwagen für die Zisterne des 1966 ausrangierten SBB-Kesselwagens P 533812 (Baujahr 1942).
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Im Mai 1969 wurden SBB AB 463-464 von 1939 an die BOB verkauft, wo sie noch kurze Zeit als AB 221-222 liefen. Der Wagenkasten von BOB AB 221 ex SBB AB 463 stand noch sehr lange hinter der BOB-Werkstätte Zweilütschinen. Längsträgerschürzen und das arg verwitterte SBB-Grün wiesen auf die Herkunft als Brünigbahn-Vierachser der Baujahre 1935/40 hin.
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Die BOB hatte im Juni 1968 auch die mit Schürzen versehenen SBB B 830 und 833 von 1935/40 übernommen und für kurze Zeit als BOB B 271-272 verwendet. Sie wurden schon vor meinem ersten Besuch in Zweilütschinen ausrangiert und abgebrochen.

SBB B 805 von 1927, B 808 von 1928 und B 815 von 1930 konnten im August 1969 an die Jurabahnen CJ verkauft werden, wo sie als B 721-723 im Spitzenverkehr und für Gesellschaftsfahrten zum Einsatz kamen. CJ B 721 und 722 hinter Gepäcktriebwagen De 4/4 403 auf der Fahrt zum alljährlichen Pferdemarkt in Saignelégier.
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Im Februar 1969 kaufte die Freiburger GFM für ihr Meterspurnetz die Wagen SBB 801 von 1926, 806 von 1927, 811 und 813 von 1930 sowie 819-822 von 1931/32. Sie kamen als GFM B 241-248 in Betrieb und lösten die GFM-Zweiachser im werktäglichen Schülerverkehr ab. Während des grossen Pfadfinderlagers in den Sommerferien 1980 stiessen die GFM-Wagen ex Brünig jedes Wochenende über MOB-Gleise bis nach Zweisimmen vor, hier hinter MOB ABDe 8/8 4004.
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Zwischen Mai und Oktober 1968 kaufte die Solothurn - Zollikofen - Bern-Bahn SZB die Brünigbahnwagen SBB B 831 von 1935 und B 834-835 von 1940. Diese Schürzenwagen kamen als SZB B 315-317 in Betrieb. Sie erhielten die Steuerleitung für den Einsatz in Pendelzügen. B 315 in Bätterkinden.
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B 317 erlebte gar den Umbau zum Speisewagen „Pendlerpintli“. Br 317 in Jegensdorf.
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Schürzenwagen B 829 von 1935 ging im September 1968 als B 40 an die benachbarte Luzern - Stans - Engelberg-Bahn LSE. Er wurde 1989 zum letzten regelmässig eingesetzten Personenwagen mit offenen Plattformen der Schweiz. Noch 1992 erhielt er eine Hauptrevision mit Neuanstrich. LSE B 40 im Bahnhof Luzern, Sommer 1993.
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1888-1915 nahmen JBL, JS und SBB auf den normierten, dreiachsigen Untergestellen 15 Gepäckwagen F3 1501-1515 in Betrieb. F3 1501 von 1888 gelangte schon 1932 als X3 9980 in den Bestand der Dienstwagen. 1951 wurde er ausrangiert und an die PTT verkauft, die ihn ab 1956 als Postwagen Z3i 90 auf der Appenzellerbahn AB einsetzte. 1973 wurde er zum Magazinwagen AB X3 808. Das gewölbte Dach und die Leichtmetalltore stammen vom Umbau 1956.
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Noch weitgehend im Originalzustand zeigt sich der einstige F3 1504 von 1888, der ab 1949 auf der BOB als F3 56, später als Stückgutwagen K 56 im Einsatz war.
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F3 1507 von 1889 wurde 1950 zum Hilfswagen X3 9983 (links) umgebaut. Spätestens bei dieser Gelegenheit erhielt er ein neues Dach. 1929 kamen die 11 m langen, dreiachsigen Gepäckwagen F3 1531-1532 in Betrieb, sie wurden 1950 zu Vierachsern F4 1651-1652 umgebaut, dabei wurde auch der Kasten modernisiert. Werkzeugwagen X4 9998 (rechts) entstand 1969 aus F4 1562 ex F3 1532 von 1929.
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Eine ähnliche Modernisierung durchliefen 1950 die dreiachsigen Gepäckwagen Fr 1511, 1514 und 1515 von 1908/16. 1968 wurden sie an die BOB verkauft, wo sie als D 521-523 zum Einsatz kamen. BOB D 523 ex SBB F4 1553 ex F3 1511 in Zweilütschinen.
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1904 stationierte die Post die vier dreiachsigen Postwagen Z3i 331-334 auf der Brüniglinie. Ab 1930 hiessen sie PTT Z3o 61-64. 1943/49 wurden drei dieser Postwagen vom Brünig abgezogen und nach gründlicher Modernisierung als zweiachsige Postwagen Zi 56 und Zo 56 auf der BAM in Morges und auf der BA in Biasca wieder in Betrieb genommen, der dritte endete als geschlossener Güterwagen K 107 auf der FART in Locarno. Einzig Z3o 64 wurde weiterhin am Brünig verwendet und zu diesem Zweck verlängert und mit Drehgestellen ausgerüstet. Z4o 64 blieb bis 1972 als Reserve-Postwagen in Betrieb und wurde dann zum Werkzeugwagen X4 9978. X4 9978 ex Z4o 64 ex Z3i 334 von 1904 im Bahnhof Kaiserstuhl OW.
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Hinter X4 9978 folgen ein früherer Personenwagen und der Diesel-Bahndiensttraktor mit gemischtem Adhäsions- und Zahnradantrieb Tmh 986.
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Die meisten Fotos vom Aussichtswagen A 101 von 1939 und von den 1945 eingeführten Mitteleinstiegwagen der Leichtmetallbauart sind leider noch nicht digitalisiert, das gilt auch für die Güterwagen der Brünigbahn. Deshalb breche ich die Berichterstattung über die interessante SBB-Schmalspurbahn an dieser Stelle ab, um sie nach Vorliegen weiterer Scans fortzusetzen.

Von verschiedener Seite bin ich gebeten worden, doch bald einmal die SBB-Seetalstrecke und ihre besonderen Fahrzeuge vorzustellen. Somit ist das nächste, recht umfangreiche Thema gegeben.

Gruss, Werner
Lieber Werner

Danke einmal mehr für Deine interessante und ausführliche Berichterstattung. Als Ergänzung zeige ich hier noch ein Bild der 1955 von der Brünigbahn erworbenen beiden Dreiachser, welche ihr Gnadenbrot als B3 13 und 14 bei der Biasca - Acquarossa Bahn (BA) bis zu deren Betriebseinstellung im Jahr 1973 verzehrten. Eingesetzt wurden sie praktisch nur als Verstärkung an Hochbetriebstagen, machten jedoch bis zum Schluss zumindest äusserlich einen gepflegten Eindruck.

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Gruss, Hans
Hallo Werner,

danke für Deinen Beitrag über die Brünigbahnwagen, haben wir bei der Härtsfeldbahn doch einen der Dreiachser im Einsatz. So schlecht sind seine Laufeigenschaften nicht, da haben wir schlechtere Wagen. Der X 808 der AB ist übrigens bei der Museumsbahn Amstetten - Oppingen untergekommen und steht als Lagerwagen im Bahnhof Amstetten

Gruß Werner






1-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.11.20 20:27.