04 - Historisches Forum
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Die Moselbahn – damit ist selbstverständlich nicht die Staatsbahnstrecke von Koblenz nach Trier gemeint, sondern die rechts der Mosel verlaufende private Kleinbahn von Trier nach Bullay mit insgesamt 101 km Länge. Diese Privatbahn firmierte als Moselbahn AG unter dem Dach der Deutschen-Eisenbahn-Gesellschaft (DEG). Betrieblicher Mittelpunkt war etwa auf halbem Weg das Moselörtchen Andel, heute ein Stadtteil von Bernkastel-Kues. Ab 1961 wurde die Strecke schrittweise stillgelegt, zunächst wie üblich der Personenverkehr, dann aber bis 1968 auch der Gesamtverkehr, abgesehen von einigen Anschlussgleisen im Stadtbereich von Trier.
Da sich HS immer schon auch für Privatbahnen interessierte und er über die "Bellingrodt-Connection" um die Stilllegungspläne wusste, unternahm er rechtzeitig zwei Fahrten an die Moselbahn, wobei es ihm vor allem um die dort anzutreffenden Lokomotiven ging.
Bild 1
Der erste Besuch am 30.09.57 startete in Trier mit einer Aufnahme der Lok 227 DEG. Eine Lok mit spezieller Vergangenheit:
Sie gehörte zu einer Serie von fünf Loks, die 1935 und 37 von Krupp an die Braunschweigische Landeseisenbahn (BLE) geliefert wurden. Mit der Verstaatlichung der BLE 1936 gelangten die Maschinen zur DRG, die sie als 75 601 – 605 einreihte. Nach dem Krieg verblieben alle Loks im Westen bei der DB, die sie aber schnell wieder loswerden wollte. Der Verkauf erfolgte bereits 1946/47. 75 602 – 605 übernahm die Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft (DEG), wo sie die Betriebsnummern 226, 227, 224 u. 225 erhielten (in dieser Reihenfolge). Über die Braunschweig-Schöninger Eisenbahn (BSE) kam die Lok 227, ex 75 603, im Jahr 1954 schließlich zur Moselbahn, gefolgt von der 226 im Jahr 1959.
Bild 2
Danach ging es mit dem Zug nach Andel, wo ihn Lok 145 MB erwartete; eine ELNA 2, geliefert 1929 von Hohenzollern unter der Fabriknummer 4678 direkt an die Moselbahn.
Bild 3
Ja, diese Lok wollte er unbedingt erwischen: Die letzte aktive Mallet Lok der Moselbahn, 66 MB.
Die Herkunft dieser Maschine ist (mir) nicht ganz klar, denn Hütter nennt in seinen famosen Beiträgen zur Lokomotivgeschichte als einzige in Frage kommende Mallet die Loknummer 9m (Hohenzollern 1600/1902), während auf dem Foto eindeutig die Nummer 66 MB zu lesen ist.
Bild 4
Aus den Anfangsjahren der Moselbahn stammte die bereits ausgemusterte Lok 10 Moselbahn (Humboldt 169/1902).
Die baugleiche Lok 11 MB (Humboldt 168/1902) gelangte übrigens über die TWE und Oderbruchbahn zur DR, wo sie die Nummer 70 6401 erhielt.
Bei der zweiten Tour zur Moselbahn am 10.10.59 hatte HS zum ersten Mal überhaupt einen Diafilm in der Kamera. Alle Aufnahmen entstanden in Andel.
Bild 5
Da war zunächst die 143 MB, die gerade mit ein paar Güterwagen in Andel eintraf. Die Lok ist unverkennbar eine ELNA 2 (Hohenz. 4606/1927)
Bild 6
Auch 144 MB ist eine ELNA 2 aus der gleichen Serie, Hohenz. 4607/1927. Die Lok scheint kalt abgestellt zu sein, aber dabei so günstig platziert, dass sie genau zwischen zwei kleinen Hütten auf dem Bahnsteig (?) abgelichtet werden konnte.
Bild 7
Und schließlich noch einmal die Lok 145 MB, jetzt aber in Farbe.
Bild 8
Zum Abschluss gab sich noch einmal eine ex BLE-Lok die Ehre: Lok 226 DEG, ex DB 75 602, ex BLE 46, Krupp 1500/1935.
Bild 9
Ein weiteres Foto entstand im Verlauf der Rangiermanöver in Andel am 10.10.59.
Gerne hätte HS ja auch noch eine Pfalzbahn P5 erwischt, von denen die Moselbahn von der DRw die Loks 77 004, 008 und 012 übernommen hatte. Aber dafür kam auch er zu spät, da Ausmusterung bereits 1952/53 erfolgte.
Dieselloks gab es damals noch nicht bei der Moselbahn. Wohl aber diverse Diesel-Triebwagen, von denen HS allerdings ganz gegen seine spätere Gewohnheit keinen einzigen aufgenommen hat.
Ich hänge mich deshalb mit einem eigenen Bild aus der absoluten Frühzeit meines fotografischen Schaffens an, genau genommen von meinem 3. Diafilm.
Bild 10
Bei einer Klassenfahrt nach Tier war am 08.06.66 Zeit für gerade einmal vier Fotos im Hbf. Eines davon zeigt einen Zug der Moselbahn, der im Vorfeld des Bahnhofs irgendwelche Rangiermanöver ausführte. Um was für Fahrzeuge es sich handelte - ???
Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.
Edit: Halter-Kürzel bei den ELNAs nach Hinweis von Uwe Breitmeier von DEG in MB geändert. Danke Uwe. Außerdem ELNA 5 in ELNA 2 geändert.
4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:10:25:14:59:06.
geschrieben von: D.Kunen
Datum: 24.10.20 20:15
Guten Abend
Sehr guter Bericht mit hervorragenden Bildern.
Die Lok 10 so mein Kenntnisstand sollte erhalten werden, für den Denkmalsockel. Bin mir aber nicht sicher ob diese Information Wasserdicht ist.
VG und schönes Wochenend
Dietmar Kunen
Blocksiesel
das sind aber feine Aufnahmen, die Herbert da angefertigt hat :)
Zur Mallet - Jens Mertes LV Listen geben auch nur diese Daten zur Hoh 1600 an:
Hoh 1600 aus 1902
Type Mosel
B'Bn4vt
1435mm
neu Württembergische Nebenbahnen AG für Filderbahn "2" /
1906 Moselbahn "9mn" (1960 a)
Diue Nummernschilder "66 MB" erscheinen mir sehr neu und sauber auf den Bildern, so daß eine Umzeichnung durchaus noch möglich war
RUHRKOHLE - Sichere Energie
seit dem 24.II.2022 bittere Wahrheit in Europa
Lieber Ulrich,
besten Dank für die interessanten Bilder der Moselbahn von Herbert Schambach. Da gab es ja ein Sammelsurium verschiedenster Loks! Gar nicht auszudenken, wenn die noch fahren würden. Dann würde ich diese schöne Gegend endlich auch mal kennenlernen.
Schöne Grüße
Steffen
Hallo Ulrich, was für ein toller Beitrag.
Zum Beiwagen kann ich nichts beitragen, der Esslinger dürfte der VT 64 sein, später VT 114 bei der SWEG. Dieser hatte 1978 noch 1 vercromten Lampenring, allerdings auf der anderen Seite.
Der VT 66 hatte Doppellampen.
Er endete so: 2001 und 2004 in Gaildorf West
Viele Grüße
Horst
Hallo Herbert und Ulrich,
sagenhaft, was Ihr beide hier zeigt!
Die Moselbahn war mir bisher hauptsächlich als Ursprung einiger Esslinger Triebwagen ein Begriff. Daß sie auch diese interessanten Dampflokomotiven besaß, war mir nicht bekannt.
Viele Grüße
Stefan
Moin Ulrich,
da hast Du ein sehr interessantes Nischenthema ausgegraben und mit den tollen Fotos von Herbert Schambach und höchst informativem Text zu einem sehens- und lesenswerten Beitrag aufbereitet! Ich zähle 6 Dampfloks mit einer beachtlichen Vielfalt von Achsanordnungen von einer Bahn, die selbst in Maedels "Liebe alte Bimmelbahn" nur mit einem Bild von einem Dieseltriebwagen vorgestellt wird. Ob das der gleiche ist, wie auf Deinem Bild 10, habe ich nicht ergründen können; die Lampenanordnung ist anders.
Gruß
Klaus
Hallo Zusammen,
danke für den tollen Bericht über die Moselbahn aus einer Zeit, als ich noch nicht aktiv in Sachen Eisenbahn war.
Ich erlaube mit noch den Hinweis, daß die ELNA´s 143, 144 und 145 das Kürzel MB auf den Nummernschildern zeigen. Diese Loks waren Eigentum der Moselbahn. Dagegen waren die 226 und 227 Eigentum der Konzernmutter DEG und an die MB vermietet, weshalb sie das Kürzel DEG auf den Nummernschildern tragen.
Diese Zusammenhänge wurden mir klar, als ich 1972 die ELNA 6 Nr. 184 DEG von der DEG ab letztem Standort Rinteln (RStE) gekauft habe. Im Betriebsbuch der 184 DEG war nämlich auch eine Abschrift des Mietvertrages zwischen DEG und RStE eingeheftet. Ausführlicheres über solche Hintergründe und aus der Anfangszeit der Museumsbahnscene wird von mir mit einer Veröffentlichung im Herdam-Verlag gerade vorbereitet.
Mit freundlichen Grüßen
Uwe Breitmeier
Hallo Ulrich,
vielen Dank für das von Dir angefertigte Foto der MB im Trierer HBF. Interessanterweise steht auf dem Trittbrett des Beiwagen (möglicherweise VB 133 mit dem typischen zweifarbigen Rot-Elfenbein-Anstrich) der Schaffner als Rangierer. Der VT kommt vom Trierer Abstellbahnhof und fährt rückwärts in Gleis 13. Diese Szene erinnert mich an die Situation des früheren MB-Endbahnhofs in der Holzstraße. Die in Richtung Bullay startenden Züge wurden an den als Bürgersteig fungierenden Bahnsteig geschoben und dabei stand der Schaffner auf dem letzten Wagen mit einer Glocke, um die Autofahrer zu warnen. In der Anfangszeit der Bahn gab es in der Holzstraße sogar ein Umsetzgleis, so dass das "Reinschieben der Züge" entfallen konnte.
Ein "Nischenthema" ist die Mosel(tal)bahn bestimmt nicht.
Was könnte dies heute eine großartige Museums-, Touristen- und moderne Stadtbahn sein.
Lasst mir meine Träume!
Liebe Grüße
Helmut
Es lebe das Saufbähnchen (Moseltalbahn Trier-Bullay)!
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:10:27:04:21:09.
geschrieben von: Siersrod
Datum: 25.10.20 13:35
Hallo Herbert, hallo Ulrich,
herzlichen Dank für diesen wunderschönen Beitrag.
Ich bin ja nur Modelleisenbahner, aber als solcher habe ich mich auch schon mit ELNA Loks beschäftigt.
Die Nummerierung der Loks geht ja wohl noch auf die Fa. Lenz u. Co. zurück. Demnach wurden ELNA 2 ab 141 beschriftet (mit dem Kürzel der Bahn, bzw des Eigners) und die schwereren ELNA 5 ab 151, also müßte es sich hierbei um Typ 2 handeln.
Gruß
Jürgen
geschrieben von: Siersrod
Datum: 25.10.20 13:56
Hallo Ulrich,
die Moselbahn besaß drei "Esslinger", die Nrn. 63, 64 und 66. Bei dem Beiwagen handelt es sich wahrscheinlich um VB 144, 146 oder 147. Alle Von Beuchelt 1910 - 1919 und umgebaut 1957 - 1961. Quelle Gerd Wolff, DKP
Gruß
Jürgen
geschrieben von: ludger K
Datum: 25.10.20 14:27
Hallo Ulrich!
Danke für die schönen klassischen Loktypenbilder. Ich bin erstaunt, wie unbekannt die MB in der "Fachwelt" ist. Da wird über diese und jene Nummer und Abkürzung gerätselt, man wußte ja gar nicht, daß es da auch Dampfloks gab, es wird die eine oder andere Quelle genannt, wo die MB mal beiläufig erwähnt oder auch mal ein wenig näher beschrieben wird, aber kein Wort vom eigentlichen, in mehreren Auflagen erschienenen und heute hoch gehandelten Standardwerk über die Moselbahn Trier - Bullay, woraus alle Antworten hierauf hervorgehen. Sehr merkwürdig!
Viele Grüße
Ludger
geschrieben von: ohneEisen
Datum: 25.10.20 14:31
Hallo und vielen Dank an den Fotografen und den der sie zeigt,
bei diversen Radtouren längs der Windungen dieses deutschen Menderes habe ich mir oft vorgestellt, wie das früher da zuging, und von solchen Szenen geträumt.
Auch ich glaube, Loks mit solch winzigen Kesselchen können nur ELNA 2 sein. Der von der
ELNA 5 ist entschieden dicker.
Gruß aus Köln
Heiner
Ja, die ELNAs sind natürlich Typ 2 - ich habe den Text inzwischen korrigiert.
Wie mir das passieren konnte, ist auch nicht klar - alle Fotolisten und sonstigen Unterlagen beinhalten auch die richtige Angabe ELNA 2.
Wenn man aber auch nicht alles doppelt und dreifach querliest ...;-((
Ulrich B.
Hallo Jürgen,
der T oder VT 66 kann es wegen der Lampenanordnung nicht sein, wie bereits geschrieben.
Zu den Beiwagen:
Der 147 kann es nicht sein (umgebaut 1956 aus C4i 46) da grüne Farbgebung - Foto in: Kenning / Simon, Die Moselbahn Trier-Bullay, S.171,Nordhorn 2003
Die Beschäftigung mit der Mosel(tal)bahn bleibt spannend.
Gruß Helmut
Es lebe das Saufbähnchen (Moseltalbahn Trier-Bullay)!
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:10:25:15:35:57.
Diesen Youtube link zum Thema, möchte ich nennen:
[
www.youtube.com]
Beste Grüße,
schottergelb
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:10:25:17:41:25.
(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
geschrieben von: Rolf_BN
Datum: 25.10.20 22:29
Vielen Dank für den tollen Bericht und die einzigartigen Fotos. Ein letztes Stück Gleis der Moselbahn findet sich übrigens, halb zugeteert, im Bereich des Parkplatzes am ehemaligen Bahnhof Neumagen-Dhron.
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:10:25:22:29:44.
Hallo Rolf,
Gleisreste der Moselbahn findet man nicht nur in Neumagen, sondern an verschiedenen Stellen in Bullay. Das MB-"Denkmal" in Bullay ist zu einem Parkplatz umgestaltet worden und meistens durch parkende Autos verdeckt, aber es gibt ja die Informationstafel.
Weitere Gleisreste fand ich vor Jahren noch in der Trierer Holzstraße und in einem Baumarktgelände beim Güterbahnhof Trier Nord.
Zum teil gut erhalten sind die Bahnhofsgebäude von Bullay(Wohnhaus), Merl (Straußwirtschaft), Zell (Weinstube), Enkirch (Wohnhaus), Erden, Mülheim (Wohnhaus), Ruwer (Wohnhaus).Das ehemalige Bahnhofsgelände in Bullay wird zur Zeit durch Wohnhäuser "überbaut".
Das Bahnhofsgebäude Mehring versuchen die Eigner zu restaurieren, doch da wird noch eine Menge Wasser die durch Staustufen gebändigte Mosel hinunter fließen.
Gruß Helmut
Meine HP zur MB
[
www.helmutreichelt.eu]
Es lebe das Saufbähnchen (Moseltalbahn Trier-Bullay)!
Zunächst einen herzlichen Dank für die Präsentation dieser Bilder.
Die erwähnte Lok 11 war, wie auch im Video gezeigt, bis fast zum Schluß bei der Moselbahn.
In meiner Familie hatte sie einen besonderen Erinnerungswert, da mein Vater 1959 auf der Lok 11 seine Heizerprüfung abgelegt hat.
Ich habe in diesem Sommer versucht, noch Spuren der Modelbahn zu finden. Dies war vielfach nur durch Bild- und Kartenmaterial möglich.
Grüße aus Berlin
Schienenknecht
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