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 04 - Historisches Forum 

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Im Jahr 1890 eröffnete die „Zittau-Oybin-Jonsdorfer Eisenbahn-Gesellschaft (ZOJE)“ den Betrieb auf der 750 mm-spurigen Strecke Zittau – Bertsdorf – Oybin (später Kurort Oybin) mit der Zweigstrecke Bertsdorf – Jonsdorf (später Kurort Jonsdorf). Die ZOJE hatte eine Streckenlänge von insgesamt gut 16 km, nutzte aber in Zittau knapp 2 km gemeinsam mit der bereits 1884 eröffneten staatlichen 750 mm-Schmalspurbahn von Zittau nach Reichenau (später verlängert über Markersdorf in das böhmische Hermsdorf mit Anschluss an die ebenfalls 750 mm-spurige Lokalbahn nach Friedland im Isergebirge).
Auf den ZOJE-Strecken hatte insbesondere der Personenverkehr, vor allen Dingen der Ausflugsverkehr ins Zittauer Gebirge an Sonn- und Feiertagen, von Anfang an enorme Bedeutung. Der Aufwand für dieses Saisongeschäft war allerdings erheblich und das Unternehmen erzielte „unter dem Strich“ keine oder nur mäßige Gewinne. 1906 wurden die Strecken deshalb an den sächsischen Staat veräußert und kamen später mit Gründung der Deutschen Reichsbahn auch unter deren Dach.

Zur Bewältigung des starken Personenverkehrs wurde der 7,8 km lange Streckenabschnitt Zittau-Vorstadt – Bertsdorf – Oybin 1913 zweigleisig ausgebaut. 1938 lieferte die Waggonfabrik Busch in Bautzen vier schmalspurige Dieseltriebwagen nach Zittau (DR-VT 137 322 – 325). Weitere Fahrzeuge sollten folgen, doch der beginnende 2.Weltkrieg verhinderte das. 1943 wurden die Triebwagen aus Zittau abgezogen, allerdings entgleiste ein Fahrzeug bei der Verladung und wurde beschädigt. Glück für den davon betroffenen VT 137 322, denn er verblieb dadurch in Zittau. Nach dem 2.Weltkrieg wurde der VT wieder eingesetzt, musste allerdings 1964 schadhaft abgestellt werden. Wundersam, dass er im Bertsdorfer Lokschuppen hinterstellt wurde, somit erhalten blieb und nun seit 2007 sogar wieder betriebsfähig ist. Die übrigen drei VT befanden sich nach dem 2. Weltkrieg auf polnischem Gebiet und gelangten in den Bestand der PKP.

Bereits 1943/44 hatte man, wahrscheinlich zur Altmetallgewinnung, das zweite Streckengleis zwischen Bertsdorf und Kurort Oybin demontiert. Dem folgte 1945 der Rückbau des zweiten Gleises zwischen Zittau-Vorstadt und Bertsdorf durch die Rote Armee. Infolge die neuen Grenzziehung nach dem 2.Weltkrieg war die Schmalspurbahn nach Hermsdorf unterbrochen; ein auf deutschem Gebiet in Zittau verbliebenes Reststück (gut 1 km lang) wurde allerdings noch einige Zeit als Anschlussgleis genutzt.
Der Güterverkehr auf der einstigen ZOJE beschränkte sich ab etwa 1970 auf den Abschnitt Zittau – Olbersdorf-Oberdorf, aber der Personenverkehr hatte für den Zittauer Vorortverkehr und natürlich den Ausflugsverkehr ganz erhebliche Bedeutung. Der Weiterbestand der Schmalspurbahn stand daher auch in der DDR eigentlich nicht zur Diskussion. Doch ab Mitte der 1970er Jahre drohte Unheil in Form der für die DDR-Energieversorgung wichtigen Braunkohlevorkommen im Bereich Olbersdorf. Deren weiterem Abbau standen nicht nur Wohngebiete, sondern auch die Schmalspurbahn im Wege. So wurde denn 1981 beschlossen, den Bahnbetrieb 1990/91 einzustellen.

1981 war ich erstmals bei den Zittauer Schmalspurbahnen, weitere Besuche folgten (u.a. im Mai 1989 mein letzter DDR-Besuch mit Visum) allein schon wegen der bevorstehenden Betriebseinstellung.
Die politischen Veränderungen 1989/90 hatten u.a. eine neue Energiepolitik zur Folge und führten dazu, dass auf den geplanten Braunkohleabbau verzichtet wurde – und die Bahn wurde nicht wie geplant stillgelegt. Allerdings ging der mit Rollwagen durchgeführte Güterverkehr massiv zurück und wurde Ende 1993 eingestellt.
Heute ist die seit Ende 1996 unter Regie der kommunalen „Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft mbH (SOEG)“ betriebene Schmalspurbahn ein touristisches Highlight in der Region und erfreut sich eines guten Fahrgastzuspruchs.

In dieser Serie zeige ich eine Auswahl Fotos, die bei meinen Besuchen zwischen 1981 und 1994 entstandenen – also noch zur Reichsbahnzeit. Es beginnt mit Bildern aus dem Bereich der Lokbehandlungsanlagen sowie des Güter- und Abstellbahnhofs in Zittau.

Fortsetzungen folgen.

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Viele Grüße
Dieter



1 Karte.jpg
Auszug Eisenbahnkarte

2 Fahrplan 1986_87.jpg
Kursbuchauszug 1986/87

3 Zittau  Dieter Riehemann 8637_16.jpg
99 1749 mit einem Güterzug neben dem Zittauer Lokschuppen, vor dem die 99 1741 auf ihren nächsten Einsatz wartete. Aufnahme vom 12.07.1986

4 Zittau  Dieter Riehemann 8638_14.jpg
99 1749 (links) und 99 1741 am Lokschuppen Zittau, 12.07.1986

5 Zittau  Dieter Riehemann 9250_11.jpg
Vor dem Lokschuppen Zittau stand am 03.10.1992 die Lok 099 727. Das neue DR-/ DB-Nummernschema für Schmalspurtriebfahrzeuge hatte auch in Zittau Einzug gehalten

Alle Fotos stammen, wenn nichts anderes angegeben ist, von mir und sind urheberrechtlich geschützt.
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10-mal bearbeitet. Zuletzt am 23.10.20 07:24.
6 Zittau  Dieter Riehemann 8637_8.jpg
Lok 99 4532, die vorrangig für den Rangierdienst eingesetzt wurde, am 12.07.1986 leider nur kalt abgestellt in Zittau

7 Zittau  Dieter Riehemann 8144_27A.jpg
99 1735 und (im Hintergrund) 99 1760, Zittau am 27.06.1981

8 Zittau  Dieter Riehemann 8636_74.jpg
99 1741 mit einem Güterzug in Zittau am 12.07.1986, Blick in Richtung Personenbahnhof

9 Zittau  Dieter Riehemann 8637_32.jpg
99 1749 mit Güterzug in Zittau am 12.07.1986

10 Zittau  Dieter Riehemann 8637_42.jpg
99 1749 rangierte am 12.07.1986 in Zittau

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.10.20 07:45.
Da war in Zittau auch auf der anderen Schiene noch Action, überhaupt die Zittauer Industrie war noch am Leben...

Helge

Stimmt

geschrieben von: Peter

Datum: 14.10.20 09:08

Hallo!

Bahnhof Mickten schrieb:
Da war in Zittau auch auf der anderen Schiene noch Action, überhaupt die Zittauer Industrie war noch am Leben...
Stimmt - leider aber auch mit den negativen Begleiterscheinungen: Die Luft war damals zum "in Scheiben schneiden" (zumindest im Winter, wenn der Hausbrand hinzukam), die Kraftwerke in Hirschfelde und auf polnischer Seite bliesen ihren Dreck in die Luft, dass die Waelder starben, und -wie Dieter ja bereits schrieb- der Abbau der Strecke zur Energiegewinnung fuer die Industrie war geplant... Und das Hauptprodukt der Zittauer Produktion, der Ello (LO) war ja auch nicht gerade fuer saubere Verbrennung bekannt.

Es sind eben immer Licht und Schatten beieinander.

Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.
(Merke: Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer)

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind: Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen - und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten. Seit einiger Zeit biete ich sogar (gegen einen kleinen Obolus) auch Patenschaften fuer meine Fehler an.
Hallo Dampflokfreunde,

dem 04.01.1975 habe ich schon entgegengefiebert: War er doch der erste Tag, an dem ich bei der Reichsbahn mit BR 99 fuhr. Da gab es (nur) samstags noch ein für meine Zwecke ideale direkte Busverbindung von Neustadt/Sa. nach Zittau.

Was war die dortige Bahn für eine andere Welt! Bei dem üppigen Zugangebot ging ich teilweise die Strecke entlang bis Oybin, wo noch am Bahnhofsgebäude ein weiteres, bald verschwundenes(Umfahr?)Gleis lag. Ein Märchenland, das eine Masse kleine Traumreisen bot!

Rückblickend ist festzustellen - danach ist auch der Narr klug! - daß ich stattdessen besser mit BR 01 ununterbrochen zwischen Dresden und Berlin hin und her hätte fahren sollen. Die 17,40 Mark der DDR für eine einfache Schnellzugfahrt hätte ich mir gerade noch aus den Rippen schneiden können. Das holte ich in zugiger Führerstandsluft 1976 und 1977 gerade noch rechtzeitig nach.

Im Anhang kommt die 99 1750-1 in Olberndorf - Oberdorf auf dem Weg ins Gebirge angerauscht.

Steam for ever Dampf069
99 1750-1  4.1.75 Olbersdorf-Oberdorf.jpg
Hallo,

die Beiträge von Dieter Riehemann sind immer ein Genuss, danke an dieser Stelle.

War es aber nicht so, dass regelmäßiger Güterverkehr bis Olbersdorf Oberdorf bestand?

Viele Grüße

moehre102
Damals fuhren die Schulkinder auch noch mit der Bahn nach Jonsdorf , zumindestens außerhalb der Mopedsaison , denn die Jonsdorfer sind ja nur das 9 und 10 Schuljahr in Olbersdorf , in die `Eliteschmeide der Oberlausitz` , gegangen .
Rangieren mit der Hechel ( 4532 ) , das war eine schöne Zeit ! Wir waren noch jung und gesund ....
Hallo Dieter,
schön!
Allerdings habe ich noch im Dezember 1989 Güterverkehr in Olbersdorf-Oberdorf fotografiert: [www.drehscheibe-online.de]
Viele Grüße
Stefan

https://abload.de/img/db-251902-4003812-titu8k49.jpg

Moin Dieter,

das Datum 12.07.1986 kam mir gleich sehr bekannt vor! Und siehe gerade da (auf Fotos aus dem Raum Zittau): mein Gedächtnis hat mich nicht getäuscht!

Beste Grüße,

Klaus
Stefan Motz schrieb:
Allerdings habe ich noch im Dezember 1989 Güterverkehr in Olbersdorf-Oberdorf fotografiert: [www.drehscheibe-online.de]

Hallo Stefan,

war mein Fehler - ist korrigiert.

Beste Grüße
Diete

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Hallo Dieter,

vielen Dank für die schönen Bilder aus Zittau.

Die Schmalspurbahn habe ich ebenfalls in den 70er und 80er Jahren kennengelernt, da wir gelegentlich unsere DDR-Verwandtschaft vor Ort besuchten.

Wie war das eigentlich seinerzeit mit dem Fotografieren dort ? Mußte bzw sollte man erst eine Erlaubnis vor Ort einholen, um dort Aufnahmen machen zu können ?
Ich kann mich jedenfalls erinnern, wie ich im April 1989 zusammen mit meinen beiden ostdeutschen Verwandten das Schmalspur-BW "entdecken" wollte. Noch am Zugang vor dem Bahnhofsgebäude kam plötzlich ein Herr aus dem Gebäude getreten, um uns zu verstehen zu geben, daß wir hier nichts zu suchen hätten und hat uns davongejagt.

Wer könnte denn der Empfänger des aufgebockten Ucs-Wagens gewesen sein, den man im Schmalspurgüterzug erkennen kann ?


Schöne Grüße

Ralph
Bullok schrieb:
Wie war das eigentlich seinerzeit mit dem Fotografieren dort ? Mußte bzw sollte man erst eine Erlaubnis vor Ort einholen, um dort Aufnahmen machen zu können ?

Wer könnte denn der Empfänger des aufgebockten Ucs-Wagens gewesen sein, den man im Schmalspurgüterzug erkennen kann ?

Hallo Ralph,

die ersten Zittauer Besuche habe ich mit einer Gruppe gemacht und da waren wir angemeldet. Aber auch bei "Solo"-Touren noch zu DDR-Zeiten hatte ich dort keine Schwierigkeiten - kam wohl immer darauf an, welchen Menschen man vor Ort gerade antraf.

Zum Empfänger des Ucs-Wagens kann ich leider nichts sagen.

Viele Grüße
Dieter

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Die Ucs-Wagen müssten in das Stahlwerk "Georg Schwarz" in Zittau-Vorstadt oder zum Anschluss "Dachpappen-Werner" am Viadukt gegangen sein. In Olbersdorf wurden nur die beiden Anschlüsse des Imprägnierwerkes (vorm. Katz&Klumpp) bedient.
Hallo nocheinmal an Dieter,

da haben wir wohl damals einfach nur Pech gehabt.

Schöne Grüsse

Ralph



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.10.20 18:20.
Hallo,

danke für die Antwort.

Denkbar wäre evt Formsand für das erwähnte Stahlwerk.

Schöne Grüsse

Ralph
Bullok schrieb:

Denkbar wäre evt Formsand für das erwähnte Stahlwerk.

Genau das wurde damit geliefert. Das Werk lieferte Gußteile für den Fahrzeug- und Landmaschinenbau. Dafür brauchte man jede Menge Formsand.

Knut
Hallo,

ich kannte einen Lokführer mit Vornamen Gerd, der dort wohl auch sehr lange gefahren ist (1435mm und 750mm). Er schwärmte mir immer vor, wie abwechslungsreich es dort noch in den 80er-Jahren zuging!

Er hatte noch vor, mich zum Dampflokführer auszubilden. Leider ist er viel zu jung im letzten Jahr von uns gegangen (R.I.P. Gerd). Nach 1990 war ich auch schon mehrere Male dort und habe die Fahrten dort genossen. Die alte Betriebsamkeit hätte ich gerne noch erlebt.

Freundliche Museumsbahner-Grüße
Klaus Röhrich