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 04 - Historisches Forum 

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Seiten: 1 2 All Angemeldet: -
Hej allihopa,

mit dem neunten Teil meiner DSG-Erinnerungen geht die kleine Serie heute zu Ende.

Anfang September war bereits deutlich zu bemerken, daß mit Ausnahme von Bayern in
allen Bundesländern die Ferien schon zu Ende waren. In die Nachtzüge waren keine
zusätzlichen Bc mehr eingestellt und die Belegung der Stammliegewagen hatte spürbar
nachgelassen. Am 05. 09. war ich wieder einmal für eine Tour nach Belgrad eingeteilt.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in Jugoslawien nur noch aus dem fahrenden
Zug herauszufotografieren; die im warmen Morgenlicht im Bahnhof Vinkovci vor sich
hinräuchelnde 33 209 ließen mich diesen Vorsatz jedoch schnell über den Haufen
schmeißen. Ein schneller Blick nach draußen: nix Uniformiertes zu sehen. Paßt! Raus
aus dem Zug, schnell über zwei oder drei Gleise gehüpft und die Lok fotografiert:

0906  033 209  1980-09-06  Vinkovci.jpg


Das war schon einmal gutgegangen. Etwas weiter hinten war die 441 031 am Umsetzen;
die Maschine mußte also auch noch sein:

0906  441 031  1980-09-06  Vinkovci.jpg


Beim Aufnehmen dieser E-Lok wurde ich jedoch schon wieder argwöhnisch beäugt (siehe
rechts neben dem Pufferteller) und kaum war die 441er an mir vorbeigefahren wurde ich
auch schon angeplärrt. Es war also an der Zeit, sich möglichst hurtig vom Acker zu machen
und ich war erleichtert, daß sich der Zug unmittelbar nach meinem Einsteigen wieder in
Bewegung setzte.

In Star blieb unser Zug so schön in der Sonne stehen, daß ich spontan beschloß, auch hier
noch eine Aufnahme zu wagen. Der Bahnsteig befand sich auf der sonnenabgewandten
Seite und so konnte mich bei meinem subversiven Tun niemand beobachten. Auf Höhe der
Lok mußte ich leider feststellen, daß sich ein unschöner Quertragwerksschatten über die
Lokfront zog - fotografiert habe ich den Zug trotzdem:

0906  441 009  1980-09-06  Star.jpg


Aus naheliegenden Gründen schenkte ich mir in Belgrad jegliche Fotografiererei - trotz
des schönen Wetters nahm ich nicht einmal Trambahnen auf. Man weiß ja nie, was man
da womöglich versehentlich Verbotenes fotografiert...

Auch auf der Rückfahrt war mein Liegewagen eher spärlich belegt - es würde also eine
eher umsatzarme und ruhige Fahrt werden - dachte ich zumindest. Mitten in der Nacht
wurde es auf einmal richtig laut im Nachbarwagen. Es stellte sich schnell heraus, daß
eine auffallend bunt gekleidete Frau im Mittelpunkt des ganzen Geschreis stand, die
man wohl in Flagranti beim Bestehlen von schlafenden Fahrgästen erwischt hatte. Als
wir eine gute halbe Stunde später im nächsten etwas größeren Bahnhof stehenblieben,
wartete dort bereits die Miliz auf uns. Vom Fenster des Seitengangs aus konnte ich den
wenig zimperlichen Umgang der Polizisten mit der Diebin auf dem Weg zu ihrem
Fahrzeug beobachten. Ein in meinem Bc mitfahrender Österreicher zog mich dann jedoch
vom Fenster weg und meinte nur, daß man bei solchen Vorgängen lieber kein allzu
großes Interesse zeigen sollte.

Vier Tage später stand eine Tour nach Berlin auf meinem Dienstplan. Die Wetterprognose
ließ kaum brauchbare Fotobedingungen erwarten: es sollte zwar trocken bleiben, mit
Sonne brauchte ich jedoch nicht zu rechnen. Doch ich hatte schon eine Idee, wie ich den
Tag trotzdem gut würde nutzen können. Den Anstoß dafür hatte mir ein Kollege geliefert,
der es fertiggebracht hatte, sämtliche mitgeführten TDD-Boxen als "Bayernfrühstück"
an den Mann zu bringen. Dies gedachte ich noch etwas auszubauen. Bereits im Vorfeld
hatte ich mir von einem Spezl einen kleinen Karton mit CSU-Aufklebern besorgt und den
Schriftzug unterhalb des Löwen und der Raute abgeschnitten:

0912.jpg


Diese Aufkleber nahm ich dann auf die Berlintour mit. Beim Beladen meines Bc orderte
ich zusätzlich zu den fünf ohnehin vorgesehenen TDD-Boxen weitere 30 Stück. Dafür
wurde ich zwar angemault (Was soll der Scheiß? Die bringst Du doch nie los und dann
mußt Du das Zeug wieder retournieren!) - letztendlich bekam ich jedoch die gewünschte
Menge an den Wagen geliefert. Während der Nachtfahrt überklebte ich dann auf allen
TDD-Schachteln das DSG-Kleeblatt mit "Löwe und Raute". In meinem wie gewohnt
aufgebauten Frühstücksabteil hatte ich vor der Ankunft in Berlin schon einmal sechs
oder sieben Schachteln verkaufen können - mit dem Rest hatte ich jedoch etwas anderes
vor. Es gab in Berlin seinerzeit ein paar Ecken, in denen Straßenhändler alles mögliche
mehr oder weniger legal anboten; in Berlin wurden dies damals ziemlich locker gesehen.
Ich hatte meine bayerische Kurze mit Karohemd sowie einen kleinen Klappstuhl dabei
und setzte mich nun mit den gestapelten TDD-Schachteln einfach zu den fliegenden
Händlern dazu - vor mir ein Schild: "original bayerische Brotzeit für nur 14,50 DM".
Es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Interessenten einfanden. Interessanterweise
lautete die erste Frage nicht "ist das eine echte bayerische Brotzeit?", sondern stets
"sind sie wirklich ein echter Bayer?" - und damit war alles geklärt. Bayern hatte für die
Anfang der 80er Jahre noch eingemauerten West-Berliner irgendwie etwas Exotisches
an sich und so dauerte es nur eine gute Stunde, bis die knapp 30 TDD-Boxen restlos
weg waren. Ich hatte damit nicht einmal welche für die Rückfahrt übrig!

Bei der Ankunft in München stand - was eher ungewöhnlich war - ein DSG-Kontrolleur
am Bahnsteig. Es war der selbe, der mir ein paar Wochen vorher wegen meiner
Zivilkleidung im Liegewagen einen Einlauf verpaßt hatte. Es war offensichtlich, warum
er erschienen war: er wollte schauen, wie viele TDD-Boxen wieder in´s Lager zurück-
gehen würden. Er ließ sich jedoch nichts anmerken, als er registrierte, daß bis auf ein
paar Getränkedosen und ein paar Kaffeetüten nichts mehr da war.

Fortsetzung in Kürze - eventuelle Kommentare bitte erst nach Fertigstellung des Beitrags posten, um ihn optisch
nicht auseinanderzureißen. Merci!






1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:09:27:20:28:16.

mit der DSG auf Europatour (9): YU, D (B, WHV, HH)

geschrieben von: E-Lok-Woife

Datum: 24.09.20 10:44

In der zweiten Septemberhälfte ergaben so gut wie keine Gelegenheiten für brauchbare
Eisenbahndias mehr. Es regnete zwar selten, war aber fast überall stark bewölkt bis
bedeckt. Die vom 16.09 bis zum 18.09. angesetzte Tour nach Oldenburg/Wilhelmshaven
brachte mir zumindest eine schön beleuchtete V100 ein - anhand der Bewölkung im
Hintergrund ist aber deutlich zu erkennen, in welche Richtung sich das Wetter entwickelte:

0917  DE  212 115  1980-09-17  Wilhelnshaven.jpg


Bereits einen Tag nach der Ankunft in München hatte der Einteiler eine Fahrt nach Rijeka
für mich angesetzt. Nachdem der Zug für die Tagabstellung in die Nähe des Bws rangiert
worden war, fotografierte ich aus dem Wagenfenster meines Dienstabteils die 362 007,
bevor ich mich schlafen legte:

0920  YU  362 007  1980-09-20  Rijeka.jpg


Als ich kurz nach Mittag aufwachte, hatte es zugezogen; wenig später setzte leichter
Regen ein. Mit weiteren Fotos wurde es alo nichts mehr.

Nach der Rijeka-Tour gab es fünf Tage nichts zu tun. Am 26. September war ich dann
zum ersten Mal zur Bereitschaft eingeteilt. Dieser Dienst gefiel mir nicht besonders.
Fiel nämlich kein Kollege aus, war die Schicht zwischen 21:30 und 22:00 zu Ende. Das
hieß für mich im Klartext: zwei Stunden Anfahrt, fünf Stunden bezahlter Dienst, zwei
Stunden Rückfahrt. Tatsächlich waren an diesem Tag alle Liegewagenschaffner zum
Dienst erschienen und so wurde ich um kurz vor 22:00 h nach Hause geschickt. Was
jetzt? Der nächste Zug nach Traunstein würde erst um kurz nach halb zwölf gehen. Ich
überlegte, ob ich auf eine Preßmaß und ein Hendl auf die Wiesn hinausgehen sollte; da
wäre ich zu Fuß in 20 Minuten draußen gewesen. Alleine hatte ich dazu aber auch keine
große Lust und so genehmigte ich mir stattdessen in der DSG-Kneipe neben dem HBF
zwei schnelle Halbe Bier. Damit erreichte ohne größere Hektik meinen Zug. Am nächsten
Tag stellte sich heraus, daß die Kneipe gegenüber der Wiesn die deutlich bessere Wahl
gewesen war - am Haupteingang war an diesem Abend noch ein Bombenanschlag
verübt worden.

Meinen letzten Dienst versah ich vom 27. bis 29. September auf dem Zugpaar D880/881;
also noch einmal Hamburg. Die Nachtverbindungen auf der Nord-Süd-Strecke waren von
Sonntag auf Montag auch außerhalb der Ferien gut belegt, ich hatte aber dennoch für die
Rückfahrt ein komplett leeres Abteil "für alle Fälle" zurückhalten können. In Hannover
schien es, als ob ich es für ein Trinkgeld würde nutzen können: ein Fahrgast aus dem
Schwäbischen fragte mich, ob ich bis Augsburg ein Abteil für ihn alleine zur Verfügung
hätte. Ich wies ihm daraufhin wunschgemäß die unterste Liege im letzten Abteil des
Wagens zu. Beim Bezahlen drückte er mir dann achtzehn einzelne Markstücke in die Hand
(Die Liegekarte kostete damals exakt 18,- DM) und meinte, er wolle jetzt bis Donauwörth
seine Ruhe haben, ich solle ihn dort wecken. Das war ein dicker Hund: das letzte freie
Abteil weg und nicht einen Pfennig Trinkgeld! Es verstand sich von selbst, daß ich
die Entgegennahme des Fahrscheins "vergaß" und später den Zugbegleiter zum
Kontrollieren in sein Abteil schickte. Etwa eine Stunde danach kam ein Mann zu mir in´s
Dienstabteil und fragte vorsichtig an, ob ich eventuell noch ein paar freie Liegen für seine
Familie und sich haben würde; seine Frau mit dem kleinen Kind und seine Mutter würden
im Sitzwagen keine Ruhe finden. Aber selbstverständlich hatte ich noch etwas frei! Und
so bekam mein Augsburger Fahrgast irgendwo hinter Göttingen Gesellschaft...
Aufzuwecken brauchte ich ihn in Donauwörth nicht mehr - das hatte das Kind schon
weitaus vorher erledigt. Die giftigen Blicke, mit denen er mich beim Aussteigen in
Augsburg bedachte, werde ich nie mehr vergessen.

Da ich für den 01. Oktober meine Einberufung zur Bundeswehr bereits in der Tasche hatte,
stand fest, daß dies meine letzte Fahrt für die DSG gewesen war. So brachte ich noch am
Ankunftstag in München meine Dienstsachen zurück - lediglich für die Nuß schrieb ich
eine Verlustmeldung. Sie sollte mir noch jahrelang auf Bahnreisen gute Dienst erweisen,
bis sie mir Ende der 90er Jahre von einem FS-Zugführer abgenommen wurde. Ich hatte
damit zu seinem Mißfallen in einem ziemlich vollen Zug unser von drei Personen genutztes
Abteil während unseres Speisewagenaufenthaltes zugesperrt, damit wir unser Gepäck
unbeaufsichtigt zurücklassen konnten.

Eigentlich wäre ich nach der Bundeswehr gerne noch eine Zeit lang für die DSG gefahren,
mein Berufleben ging jedoch ab 1983 in eine andere Richtung. Meine drei Monate als
Liegewagenschaffner habe ich jedoch sehr genossen und ich denke bis heute noch gern
an diese spannende Zeit zurück. Ich bedauere es lediglich, in mein Tagebuch nur die
fotorelevanten Notizen eingetragen zu haben. Erst vor Kurzem habe ich ein interessantes
Buch von Armin Gärtner (die Reise- und Arbeitswelt der 70er Jahre) in die Hand
bekommen; er ist ein paar Jahre vor mir als Liegewagenbetreuer für die DSG gefahren. Er
hat aus seiner DSG-Zeit viele Originaldokumente, Fahr- und Laufpläne und sogar die
Wagennummern seiner Liegewagen aufbewahrt - alles Sachen, die bei mir komplett weg
sind. Ganz abgesehen davon habe ich beim Lesen dieses Buches neidvoll festgestellt, daß
von der BZL Dortmund aus wesentlich interessantere Strecken bedient worden sind als von
uns inMünchen.

Ha det bra!

Euer Woife

Bearbeitung: Korrektur einer Satzstellung



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:09:24:16:43:41.

lesenswerte Reihe - danke! (o.w.T)

geschrieben von: 012 055-0

Datum: 24.09.20 10:50

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
...es grüßt im 3/4 Takt
https://abload.de/img/012055-0fyug0.jpg
.
Fototaschenbilder bitte an diesen Beitrag anhängen:[www.drehscheibe-foren.de]


Woife, ich danke Dir sehr für Deinen durchgehend kurzweiligen Mehrteiler und freue mich, das ich auf diese Art und Weise als Außenstehender einen Blick "hinter die Kulissen" werfen durfte.

Es hat Spaß gemacht - mit Grüßen aus dem Norden

Helmut

Meine bisher erschienenen Beiträge findet ihr in meinem Inhaltsverzeichnis hier: [www.drehscheibe-online.de]

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bitte hier klicken!

Re: mit der DSG auf Europatour (9): YU, D (B, WHV, HH)

geschrieben von: Tssd43

Datum: 24.09.20 12:21

Hallo,

vielen 'Dank für Deine Reihe, die war sehr interessant.

Ich selbst bin in der Niederlassung Frankfurt 1990/1991 als Liegewagenbetreuer unterwegs gewesen. Wir sind Touren nach Paris, Ventimiglia, Rimini, Stuttgart - Hamburg und später auch noch Prag gefahren. Sonderdienste nach Florenz/Rom und Mailand waren auch dabei. Im Winter gab es Zusatz - Touren Hamburg oder Puttgarden - München - Hamburg/Puttgarden (jeweils mit außer Dienst - Fahrten nach Puttgarden oder Hamburg), für die NL Köln bin ich einmal Köln - Berlin - Aachen gefahren und für die NL Dortmund Dortmund - Villach mit einem Autoreisezug. Ich habe an den Zielbahnhöfen längst nicht so viele Fotos gemacht. Das hatte sich da nicht so ergeben. Die Zeit als solche möchte ich aber nicht missen, die Arbeit hat richtig Spaß gemacht und erst mal die Kollegen der DSG untereinander waren richtig kameradschaftlich. (In Ventimiglia waren wir am Wochenende oft mit mehr als 5 Liegewagenbetreuern am Strand. Auch die Zugbegleiter der DB und der europäischen Bahnen waren immer echte Kollegen. Für mich war es wunderbar mit dem Zug durch Europa zu fahren und dafür auch noch entlohnt zu werden. Wenn der Wagen richtig mit 60 Personen belegt war und kurz vor 7:00 Uhr in Paris alle noch mit Kaffee versorgt werden sollten, war da schon eine Menge zu tun.

Und vor dem "Kontrolleur" aus München hatten wir Frankfurter alle Respekt.

Nochmals vielen Dank, Deine Berichte haben bei mir wieder so viele Sachen in Erinnerung gebracht!

Gruß

Tom
tolle Berichte!

In Berlin warst ja sehr geschäftstüchtig... ;-)

Was war eigentlich in so einer Frühstücksbox drin und was kostete sie regulär bei der DSG?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:09:24:12:49:07.
Hallo Woife,

Dein heutiger Beitrag ist wieder ein Genuss! Neben den schönen Fotos aus Jugoslawien (Du warst ja ganz trotz problematischer Erlebnisse noch ganz schön mutig) und dem sehenswerten 211-Bild aus Wilhelmshaven mit dem Karstadt im Hintergrund (habe ich selber so leider nie aufgenommen) gefällt mir besonders die Geschichte von der "echt bayrischen Brotzeit" in Berlin! Nebenbei: die Gewinnspanne würde mich auch interessieren!

Gruß
Klaus

Re: mit der DSG auf Europatour (9): YU, D (B, WHV, HH)

geschrieben von: ICE

Datum: 24.09.20 18:35

Moin Woife,

grandiose Reihe! Die Sache mit den CSU-Boxen hätte auch das Finanzamt interessiert. Mutig, bei so vielen Juristen hier im Forum, das zu outen. Ist aber wohl verjährt. Der Freund meiner Schwester fuhr auch Liegewagen von München aus und hat wohl öfter den Bc alleine von Rom nach Neapel und zurück reisen lassen und sich in Rom einen schönen Tag gemacht. Als Beute gab es Cynar, einen leckeren Artischockenschnaps, der nach Hustensaft schmeckte.

Grüße - Helmut (ICE)

Re: mit der DSG auf Europatour (9): YU, D (B, WHV, HH)

geschrieben von: ralf8119

Datum: 24.09.20 20:59

Guten Abend,
vielen Dank für diese tolle Erlebnis Rei(s)he. Schade das es nun damit zu Ende ist. Ich habe alle Teile genossen. Ja das war noch Reisen.

Merci

Mit freundlichen Grüßen

Ralf

Re: mit der DSG auf Europatour (9): YU, D (B, WHV, HH)

geschrieben von: WN

Datum: 24.09.20 21:40

Vielen Dank für´s mitnehmen!
Eine wirklich interessante und vor allem unterhaltsame Beitragsserie. Das war ein sehr erlebnisreicher Sommer für dich. Erstaunlich, dass man dich trotz des unfreiwilligen Aufenthalts in Beograd noch zwei Mal nach ex Jugoslawien schickte.

Eine Frage noch zur Frühstück bzw. Bayern Brotzeit Box. Wofür steht dieses TDD?

Viele Grüße, Thomas
E-Lok-Woife schrieb:
Hej allihopa,
...

In Star blieb unser Zug so schön in der Sonne stehen, daß ich spontan beschloß, auch hier
noch eine Aufnahme zu wagen. Der Bahnsteig befand sich auf der sonnenabgewandten
Seite und so konnte mich bei meinem subversiven Tun niemand beobachten. Auf Höhe der
Lok mußte ich leider feststellen, daß sich ein unschöner Quertragwerksschatten über die
Lokfront zog - fotografiert habe ich den Zug trotzdem:
...


Star = Stara Pazova



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:09:24:22:43:06.

Re: mit der DSG auf Europatour (9): YU, D (B, WHV, HH)

geschrieben von: nikola

Datum: 24.09.20 22:59

JŽ 362-007 fünf Jahre später in Zagreb.
03.JPG
04.JPG
05.JPG
06.JPG
08.JPG
Foto: Zdravko Horvat
Hallo Woife,
lieber DSG-Kollege,

schade, dass Du 1980 nur drei Monate bei der DSG gearbeitet hast. Wer weiß, was Du alles noch erlebt hättest, wenn Du nach Deiner Bundeswehrzeit wieder eingestiegen wärst.

Ich habe aus der Sammlung von D. Backhaus - ebenfalls ehemaliger DSG-Kollege, der mir die Unterlagen für eine Publikation über die DSG zur Verfügung gestellt hat - die Anweisung für den Liegewagendienst D1393/1392) des Liegewagens München - Belgrad im Sommer 1981 gescannt. Das passt zu Deinem letzten Bericht.

DSG BZL München Liegewagendienste 001.jpg


DSG BZL München Liegewagendienste 002.jpg

Viel Spaß bei der Lektüre

Armin
Vielen Dank für diese sehr unterhaltsame Serie. Mehr als alle Fotos haben mich die Geschichten begeistert. Heutzutage würden die Frühstücksboxen mit dem DSG-Logo bei ebay wahrscheinlich ähnlich hohe Verkaufserlöse erzielen, wie damals in Berlin im Straßenverkauf als bayerische Devotionalien.

Gruß

Detlev

Danke!

geschrieben von: murzinger

Datum: 26.09.20 19:38

Lieber Woife,
vielen Dank für die tolle Serie! Zehn Jahre später habe in meinen sechs Jahren bei SBG und WL nicht ein Bruchteil dessen erlebt, was Du in einem Sommer erlebt hast. War trotzedem eine tolle Zeit!
Grüße,
Jens
Hallo Woife,

auch von mir ganz herzlichen Dank fürs Erinnern und mitnehmen -
ein regelmäßiges Highlight bei DSO in den letzten Wochen!


Viele Grüße



Hark

Sammelantworten

geschrieben von: E-Lok-Woife

Datum: 27.09.20 17:57

Hej allihopa,

merci Euch allen für Euere Reaktionen hier im HiFo und als PM an meine eMailadresse. Es
freut mich sehr, daß die kurze Serie doch einigen Anklang gefunden hat. Danke auch für
die Ergänzungen in Form der DSG-Dienstanweiseung und der Bilder aus Zagreb; in diesem
Bahnhof habe ich selber nie eine 362er erwischt - und eine DB-V60 schon gleich zwei Mal
nicht. Bedanken möchte ich mich auch für die Richtigstellung des Ortsnamens Stara Pazova - ich hatte mir damals nur "Star" notiert. Die Diarahmen werde ich bei nächster Gelegenheit
umbeschriften.

In der Tat habe ich in den drei Monaten wirklich viel erlebt. Subjektiv betrachtet kommt mir
diese Zeit spannender und ereignisreicher vor als die danach folgenden drei Jahre bei der
Bundeswehr. Das liegt aber sicher auch daran, daß mir die Arbeit mit Bahnbezug natürlich
mehr zugesagt hat als die Bw - obwohl ich dort deutlich weitergekommen bin als es mir bei
der DSG je möglich gewesen wäre.

Die Kollegialität war sowohl innerhalb der DSG, als auch in Verbindung mit dem Bahnpersonal
stets sehr hoch, was ich sehr geschätzt habe.

"TDD" steht für die "Tischlein-deck-dich"-Frühstücksbox der DSG. Darin enthalten waren aus
meiner Erinnerung zwei Scheiben Knäckebrot, zwei Scheiben Batscheider-Fabrikbrot, ein
kleiner Zwieback, je eine Minidose Marmelade, Streichwurst und Streichkäse, ein kleiner
Butterquader und eine Tüte Pulverkaffee. Kulinarisch war diese Zusammenstellung sicher
kein Highlight und ich gehe sehr stark davon aus, daß ein nicht unerheblicher Teil des Inhalts
aus Konservierungsstoffen bestand - anders hätte das Zeug die Temperaturschwankungen
und oft stundenlangen Unterbrechungen der Kühlkette nicht so gut überlebt. Allerdings
kann ich mir nicht vorstellen, daß eine ungeöffnete TDD-Box aus den 80er Jahren heute bei
eBay wirklich etwas bringen würde. So lange hätten die Konservierungsstoffe sicher nicht
gewirkt - ich möchte mir gar nicht vorstellen, was da beim Öffnen einer solchen Schachtel
heute zum Vorschein kommen würde. GRUSEL!!!

Auf die TDD-Boxen habe ich in Berlin knapp 6,- DM draufgeschlagen. Nicht vergessen darf
man dabei aber, daß es für den Absatz der DSG-Ware ja auch noch 10% Verkaufsprovision
gab! Der Abstecher in´s Straßenhändlerleben hat sich also durchaus gelohnt... Sorgen
wegen der Finanzbehörde mache ich mir da nach 40 Jahren aber sicher keine mehr - eher
daß sich einer der Käufer von damals nachträglich bei mir meldet...

Auf die in zwei PN angesprochene "Preßmaß" hier ein möglichst sachlicher Erklärungsversuch:
eine Preßmaß ist ein mit Bier gefülltes bayerisches Trinkgefäß aus Glas oder Steingut mit
einem Flüssigkeitsvolumen von einem Liter, welches in erheblich geringerer als der
ortsüblichen Zeitspanne ausgetrunken wird. Die Konsumierung einer Preßmaß ist dann
angesagt, wenn sich die Abfahrtszeit eines zu erreichenden öffentlichen Verkehrsmittels
bedrohlich nähert oder wenn der Zapfschluß einer gastronomischen Einrichtung unmittelbar
bevorsteht und die Absicht besteht, vor diesem Zeitpunkt noch eine weitere Maß zu bestellen.

Daß ich nach meinem Belgradabenteuer noch zwei Mal nach Jugoslawien geschickt wurde,
war eigentlich gar nicht vorgesehen - zumindest hatte mir mein damaliger Personalchef bei
der Belehrung mitgeteilt, daß ich nicht mehr nach Jugoslawien kommen würde. Ich gehe
daher davon aus, daß einfach kurzfristig kein anderer Betreuer zur Verfügung gestanden ist.

Ha det bra und Euch allen einen schönen Sonntag Abend noch!

Euer Woife

DSG-Angebot Tischlein deck dich - Frühstück

geschrieben von: Armin Gärtner

Datum: 27.09.20 19:46

Hallo Woife,

das nachfolgend in den beiden Bildern angegebene bzw. gezeigte TDD kostete 1979 6,40 DM.

Muijsers DSG  Minibar März 1979 002.jpg
Bild 1 zeigt die Preisangaben

Muijsers DSG  Minibar März 1979 001.jpg
Bild 2 zeigt das TDD neben anderen Angeboten.

Es bestand aus mehreren, einzel verpackten Brotsorten, Butter, Konfitüre, Lebewurst, Kaffeepulver und noch einigen anderen verpackten Zutaten. Das TDD beinhaltete sehr viel Verpackungs(-müll). Unter den Umständen ging es halt nicht anders.

Zumindest im Sommer wechselten Butter und Leberwurst in den Liegewagen mehrfach den Aggregatzustand von fest zu flüssig und wieder zu fest......, wenn sie nicht gekühlt wurden bzw. die Wagen lange in der Sonne standen und der Kühlschrank ausgeschaltet war.

Lt. FLyer V 525 mb/Abteil vom September 1982 kostete das TDD bereits 8,30 DM.

Armin
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