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 04 - Historisches Forum 

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Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Hallo Allerseits,

hier die weiteren Kurzmeldungen des Jahrganges 1902 aus dem Bezirk der (späteren) Bundesbahndirektion Hamburg. Sie stammen aus der „Preetzer Zeitung“ – die damalige Lokalzeitung meiner Heimatstadt (erschien 3 x wöchentlich). Aus aktuellem Anlaß hatte unser Stadtarchiv lange Zeit geschlossen. Nachdem ich hier -----> [www.drehscheibe-online.de] zunächst nur die Monate Januar - April präsentiert hatte, folgen nun die Monate Mai - August. Wenn nichts dazwischen kommt, folgen die Monate September - Dezember in ca. zwei Wochen.


1. Mai
• Doppeltheilige Rückfahrkarten sollen in nächster Zeit von der Fahrkartenausgabe in Neumünster nach Rendsburg und Wankendorf versuchsweise zur Einführung kommen. Die neuen Karten sind in der Mitte zusammengefaltet und bestehen somit aus 2 Abschnitten, von denen der eine für die Hinfahrt, der andere für die Rückfahrt bestimmt ist.

6. Mai
• Am Bahnübergang bei der Linienstraße in Neumünster wurden Sonnabend mit dem leeren Hagenower Zuge Rangirbewegungen vorgenommen, als bei der dort befindlichen Weiche plötzlich ein Personenwagen aus den Schienen sprang und sich bedenklich zur Seite neigte. Durch eine im selben Augenblick vorüberfahrende Rangirmaschine wurden dem Wagen das Trittbrett zertrümmert, sowie einige weitere Beschädigungen zugefügt. Mannschaften der Hauptwerkstatt bewirkten die Aufgleisung und die Überführung des beschädigten Wagens nach der Reparaturwerkstatt. Durch diesen Unfall erhielten einige Züge Verspätungen.

7. Mai
• Die Kiel-Flensburger Eisenbahngesellschaft beabsichtigt im Spätsommer in Flensburg mit dem Bau eines neuen Personenbahnhofes zu beginnen. Derselbe soll in den Anlagen südlich von dem jetzigen Empfangsgebäude zu stehen kommen. Die oberen Stockwerke sollen zu Beamtenwohnungen eingerichtet werden. Bei dem jetzigen nahe dem Handelshafen erbauten Empfangsgebäude, dessen Kellerräume bei Hochwasser ständig unter Wasser stehen, machen sich erhebliche Senkungen bemerkbar.

10. Mai
• Für den Personenverkehr auf der Strecke Altona – Bönningstedt der Kaltenkirchener Eisenbahn will man anstatt des ungenügenden Bahnverkehrs jetzt Automobil-Omnibusse in Dienst stellen. Dieselben haben Raum für 34 Passagiere und ihre Anschaffungskosten sind auf ca. 35 000 Mk. veranschlagt.

20. Mai
• Die Direktion der Eutin-Lübecker Eisenbahn-Gesellschaft hat dem Weichenwärter Fiehn, der am 5. d. M. den Zusammenstoß des Eutiner Zuges mit dem Travemünder Zuge (der Lokomotivführer des letzteren hatte das Haltesignal nicht beachtet) dadurch verhinderte, daß er schnellstens für den Eutiner Zug das Haltesignal stellte und dem Lokomotivführer des letzteren durch Schwenken mit der Mütze auf die Gefahr aufmerksam machte, eine Belohnung von 50 Mark aushändigen lassen. Der Lokomotivführer Gerhardt, der die Warnungszeichen sofort bemerkte und Gegendampf gab, erhielt eine Belohnung von 30 Mark.

22. Mai
Auch die Lokomotiven haben ihre Sprache.
So bedeutet ein mäßig langer Pfiff „Achtung“, und er wird abgegeben, so oft sich die Maschine in Bewegung setzt, bei Durchfahrt des Schnellzuges durch eine Station, bei der Einfahrt in einen Tunnel, bei Wegübersetzungen oder zur Warnung von Personen, die sich auf der Strecke befinden. Das aus mehreren kurzen, schnell hintereinander abgegebenen Pfiffen bestehende Signal befiehlt „Bremsen fest“, während ein langer Pfiff, dem zwei kurze folgen, „Bremsen los“ verlangt. Muß der Zug vor der Stationsscheibe angehalten werden, so sagt die Signalpfeife „Halt“, und zwar drückt sie dies durch mehrere lange und kurze Pfiffe aus, die fast jammernd klingen.
Beunruhigend für die Passagiere ist ein Signal, daß aus mehreren gedehnten, abwechselnd hohen und niederen Tönen besteht; es ist der Ruf um Hilfe. Bei Begegnungen von Zügen auf der Strecke wird ein kurzer Begrüßungspfiff gewechselt.

27. Mai
Die neuen Hamburger Bahnhofsanlagen.
Wenn auch schon hin und wieder Nachrichten über das wirklich großartige Werk der neuen Bahnanlagen in Hamburg in die Öffentlichkeit gekommen sind, so dürften die nachstehenden Mittheilungen doch allgemeines Jnteresse erwecken.
Die großartigen Anlagen, die alle bisherigen Bahnhofsbauten in Deutschland in den Schatten stellen, gehen zum Theil ihrer Vollendung entgegen. Längere Strecken des neuen Bahndamms sind schon fertiggestellt. Die Schwierigkeiten bei diesem Bau sind wohl größer, als sie je bei einem ähnlichen Werke gewesen sind. Es muß gleichzeitig der sehr bedeutende Eisenbahnverkehr vollständig aufrecht erhalten und der neue Bahnkörper geschaffen werden, beides auf demselben schmalen Gelände. Die Bauarbeiten und Absperrungen sind für die Anwohner und Passanten nicht angenehm; man erträgt aber diese Übelstände ohne allzu vieles Murren, weil nun die so viele Jahrzehnte hingeschleppte Hamburger Eisenbahn-Misere endlich ihrem Ende entgegengeht. Die Verbindungsbahn durch die Stadt über die Lombardbrücke bleibt bestehen, wird aber ganz umgestaltet. Sie wird in vier Gleisen ausgebaut, von denen zwei dem Stadt-, die andern dem Fernverkehr dienen. Der Damm der Verbindungsbahn wird auf Brücken über die Straßenzüge weggeführt; die jetzigen Bahnhöfe Sternschanze und Dammthor fallen weg, und an ihre Stelle treten neue an der Schanzenstraße und ebenfalls am Dammthor, aber an einer nördlicheren Stelle. Von den Fernbahnhöfen fallen ganz fort der am Klosterthor und der Berliner (dieser wird schon am 1. Oktober 1902 geschlossen). Der Lübecker bleibt nur als Güterbahnhof erhalten; der Hannoversche endlich wird bestehen bleiben, aber nur für den Sonntagsverkehr mit der Umgebung und für Militärtransporte benutzt werden.
Die Einführung der Berliner und Lübecker Gleise in den Körper der Verbindungsbahn macht die umfangreichsten Niveau-Brückenbauten und dergleichen nöthig. Der ganze Personenverkehr sämmtlicher in Hamburg und Altona einmündenden Bahnlinien ist künftig an die Verbindungsbahn angeschlossen.
Der neue Zentral-Personenbahnhof wird nicht weit vom Klosterthor zwischen dem Glockengießerwall und der Kirchenallee errichtet. Er besteht in der Hauptsache aus einer langgestreckten riesigen Glas- und Eisenhalle, die in drei Schiffe zerfällt. Gebaut wird nach dem System des Frankfurter Bahnhofs, aber mit durchgehenden Gleisen, weshalb man auf Treppen vom Querperron zu den Gleisperrons wird hinabsteigen müssen. Die Halle durchlaufen zwölf Gleise mit Personen- und Dienstbahnsteigen dazwischen. Die mittleren acht Gleise überdacht ein eiserner Bogen von 73½ Meter Breite, dessen höchster Punkt 36½ Meter über den Schienen liegt (der Kölner Zentralbahnhof ist 25, der Frankfurter 28,6, der Bremer 28,8 Meter hoch). An dieses Mittelschiff schließen sich zwei Seitenschiffe, die je zwei Gleise in sich fassen und 20½ Meter breit sind. Die Gesammtbreite des Bahnhofs beträgt 114½ Meter, während er 175 Meter lang ist. Die Abmessungen übertreffen die aller bis jetzt ausgeführten Bahnhofsgebäude.
Auf dem Gelände des Zentralbahnhofs ist man vorläufig erst mit Erdarbeiten beschäftigt. Die Ausführung aller Arbeiten wird noch eine Reihe von Jahren in Anspruch nehmen.
• Der für den Bahnbau Kiel-Rendsburg erforderliche Grund und Boden ist jetzt von der Staatsverwaltung fest angekauft, soweit die Bahnstrecke Rendsburg bis Brandsbek in Betracht kommt. Für die Bahnstrecke Brandsbek bis Kiel wartet man noch auf die Entscheidung des Ministers, ob die Linie Brandsbek–Steinfurth–Meimersdorf–Kiel beibehalten, oder ob die Linie durch das Gut Quarnbek ausgebaut werden soll. Erst in neuerer Zeit hat der Minister wieder eingehenden Bericht über die beiden in Frage kommenden Bahnstrecken eingefordert.
Bis zur Station Brandsbek wird die Bahn über Osterrönfeld–Kreuzkathe geführt.

30. Mai
• Gestern fand in Kirchbarkau eine vom landwirthschaftlichen Verein zusammenberufene Versammlung statt, in welcher über die Frage des Baues einer Kleinbahn von Wankendorf über Barkau nach Preetz mit daran anschließender Verbindung nach Lütjenburg verhandelt werden sollte. Die Versammlung war zahlreich besucht, und wurde dadurch das große Jnteresse, welches dieser Linie entgegengebracht wird, bekundet. Auch die Stadt Preetz war in der Versammlung durch den Bürgermeister, die gesammten Mitglieder der städtischen Kollegien, sowie noch andere Bürger vertreten.
Seitens des gleichfalls anwesenden Landraths wurde nach Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden des landwirtschaftlichen Vereins ein Referat über das bisher in dieser Angelegenheit Geschehene erstattet, wobei er dem Bedauern darüber Ausdruck gab, daß der bereits im Jahre 1898 angeregte Bau dieser Kleinbahn sich durch das Aufwerfen der Bahnlinie Kiel–Wankendorf–Segeberg so lange verzögert worden sei. Nachdem nun die Aussicht, jene Vollbahnlinie gebaut zu sehen, endgültig beseitigt ist, wäre es an der Zeit, dieser Bahnlinie wieder näher zu treten und möglichst bald eine Entscheidung des Kreises darüber herbeizuführen, ob dieselbe als Kreisbahn gebaut werden sollte.
Nachdem vom Amtsvorsteher in beredten und überzeugenden Worten die Nothwendigkeit des Baues dieser Bahn für die durchschnittenen ländlichen Bezirke dargelegt worden war, wurde von dem Bürgermeister der Stadt Preetz hervorgehoben, daß ein Anschluß der Kleinbahn an die Hauptbahn Kiel–Lübeck nicht etwa, wie von einigen Personen erstrebt wird, in Raisdorf oder gar Elmschenhagen, sondern in Preetz stattfinden müsse.
Durch den Vertreter der Baufirma Lenz & Comp. in Stettin wurde darauf noch Aufschluß über einige technische Punkte gegeben, und wurde nach weiteren Verhandlungen die Frage „Soll eine Kleinbahn Wankendorf–Barkau–Preetz gebaut werden?“ zur Abstimmung gestellt, und ergab sich dabei einstimmige Annahme dieser Frage durch die Versammlung.

3. Juni
• Bei der Kleinbahn Flensburg–Satrup–Rundhof fand am Sonnabend die polizeiliche Abnahme und am Sonntag die Betriebseröffnung der ganzen Bahnstrecke statt.

10. Juni
• Mit neuartigen Eisenbahnwagen 4. Klasse werden auf der Strecke Hamburg – Kiel Versuche gemacht. Diese Wagen haben die Thüren an den Längsseiten und weisen im Jnnern drei zusammenhängende Sitzreihen auf. An den Seiten befinden sich einige Stehplätze.

19. Juni
• Gelegentlich der Revision einer kleinen Bahnstation in der Nähe von Husum seitens eines Verkehrsinspektors aus Kiel ergab sich in der Stationskasse ein Fehlbetrag. Der Verkehrsinspektor ließ den jungen Mann, welcher die Kasse führte, sofort verhaften, und da an dem Orte kein Untersuchungsgefängniß war, ins Spritzenhaus einsperren. Hier blieb der „Defraudant“ zwei Tage.
Jnzwischen ergab die nochmalige Revision nicht nur nicht ein Manko, sondern ein Plus in der Kasse. Der unschuldig Verhaftete wurde sofort wieder auf freien Fuß gesetzt, verfiel aber infolge der durch eine Verhaftung ausgestandenen Aufregungen in eine hochgradige Nervosität, die ihm die Ausübung seines Dienstes nicht zuließ. Der an seiner Gesundheit geschädigte junge Mann macht nun den Eisenbahnfiskus für die Folgen verantwortlich und verlangt eine Entschädigung von 50 000 Mk.
Zunächst ist der Beamte der königlichen Nervenklinik in Kiel überwiesen; man ist auf das Gutachten derselben gespannt.
-----> Defraudation = Unterschlagung

27. Juni

• Jn den nächsten Tagen wird in Neumünster mit dem Umbau des Empfangsgebäudes begonnen werden. Der Umbau erstreckt sich im Wesentlichen nur auf eine Verbreiterung der Eintrittshalle und die Verlegung der Fahrkartenausgabe auf die der jetzigen Ausgabestelle gegenüberliegenden Seite. Die Zahl der Schalter wird um zwei vermehrt, so daß in Zukunft vier Schalter in Betrieb genommen werden können. Die übrigen baulichen Veränderungen bestehen nur in Verlegung und Erweiterung der Räume der Bahnhofsrestauration. Jm Großen und Ganzen wird das Empfangsgebäude bleiben wie es zur Zeit ist.

8. Juli
• Bei der Erteilung der Konzession für den Bau der Eisenbahn Barmstedt – Oldesloe hat der Minister sich das Recht des Ankaufs der Bahn durch den Staat vorbehalten. Die Stadt Oldesloe hat den Wunsch ausgesprochen, daß die Bahn in den dortigen Staatsbahnhof münden möge. Diesem Wunsche wird entsprochen werden.

13. Juli
• Zwei Güterwagen mit Eiskühlvorrichtung für Buttersendungen sind auf Anregung der Jnteressenten nunmehr in den Betrieb eingestellt worden. Dieselben treffen vorläufig jeden Sonntagabend von Kiel und Heiligenhafen kommend in Neumünster ein und gehen nachts 1 Uhr 10 Minuten weiter nach Hamburg.
Von da nimmt der eine Wagen die Richtung Berlin, Magdeburg, Halle, Leipzig, Dresden, der andere die Richtung Köln. Zuladungen sind gegen Zuschlag von 20 Pfg. für je 50 Kilogramm Butter gestattet.

14. Juli
• Die bekannte rote Zugführertasche, das Erkennungszeichen des zugführenden Beamten bei den zur Personenbeförderung dienenden Zügen, soll bei den Staatsbahnen verschwinden. An deren Stelle tritt ein roter, breiter Lederriemen mit Schnalle und Signalpfeife, welcher gleich der bisherigen Tasche über Schulter und Brust getragen wird.

15. Juli
• Das Eisenbahnunglück auf dem Bahnhof Halstenbek am 18. Oktober v. J. stand dieser Tage, nachdem das Reichsgericht der Berufung der Staatsanwaltschaft stattgegeben hatte, abermals vor der Strafkammer in Altona zur Verhandlung. Der Staatsanwalt hält den Angeklagten, Stationsassistenten R., der Fahrlässigkeit für schuldig, da er trotz der schwierigen Bahnverhältnisse wohl im Stande war, sich genau zu orientieren, und beantragt eine Gefängnisstrafe von drei Monaten gegen ihn. Der Verteidiger plädierte aus tatsächlichen und rechtlichen Gründen auf Freisprechung des Angeklagten. Das Gericht kam wiederum zu der Erkenntnis, daß dem Angeklagten eine Fahrlässigkeit zur Evidenz* nicht nachgewiesen sei und spricht ihn wiederum kostenlos frei.
Evidenz = überwiegende Gewissheit

21. Juli

• Für den Verkehr von Berlin nach Gremsmühlen ist eine Neuerung in Kraft getreten, indem vom 18. ds. Mts. der von Berlin kommende D-Zug in Gremsmühlen hält. Für den Verkehr nach der holsteinischen Schweiz dürfte diese Änderung im Fahrprogramm des D-Zuges wertvoll werden, da den Berliner Sommerfrischlern hierdurch Gelegenheit gegeben wird, diesen herrlichen Punkt in wenig mehr als vier Stunden erreichen zu können.

23. Juli
• Gestern abend wurde vom Zug 5 der Kiel-Schönberger Bahn, ab Schönberg 6 Uhr 58 Minuten, auf der Preetzer Chaussee ein zweispänniges Fuhrwerk erfaßt und überfahren. Der Knecht August Jhms, wurde heruntergeschleudert, er erlitt eine Kopfwunde und wurde besinnungslos vom Platze getragen. Die Maschine entgleiste und hängt über die Böschung. Das Gleis wurde verbogen und dem ersten Wagen (Frachtwagen) wurde die Stirnwand eingedrückt. Vom Zugpersonal und von den Passagieren wurde niemand verletzt. Letztere gingen zu Fuß nach Gaarden und fuhren mit der elektrischen Bahn nach Kiel. Die Verwaltung hofft, heute abend den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Wie wir hören, ist der Knecht Jhms nicht lebensgefährlich verletzt.

24. Juli
• Wie der „Herold“ mitteilt, ist der Unfall auf der Kiel-Schönberger Bahn infolge Scheuwerdens der Pferde des überfahrenen Fuhrwerks verursacht. Der Schaden an dem Geleise ist wiederhergestellt; dagegen bedarf die Lokomotive einer größeren Reparatur.
• Auf der Eisenbahn-Güterstelle in Glückstadt herrscht in dieser Zeit ein äußerst lebhafter Verkehr, hervorgerufen durch den Massen-Export der in der Umgegend gezüchteten, bekannten „Glückstädter Kartoffeln“. Täglich geht eine größere Anzahl Waggons mit dieser in der ganzen Provinz stark begehrten Ware ab. Die Hauptabsatzorte sind Kiel, Flensburg, die Nordseebäder Sylt, Föhr usw.

29. Juli
• Der Kreistag in Schleswig hat den Bau der Kleinbahn Süderbrarup – Kappeln über Wagersrott, Scheggerott (möglichst nördlich), Rabenkirchen und Faulückfeld beschlossen.

31. Juli
• Ein mit Eisenbahnschienen beladener Wagen fuhr in Flensburg in einen auf dem Bahnhof stehenden, aus Satrup eingetroffenen Personenzug hinein, dessen Jnsassen die Wagen eben verlassen hatten; ein Wagen des Zuges wurde zertrümmert und ein anderer aus dem Geleise geworfen. Zwei Bahnbeamte wurden erheblich verletzt. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden.
• Ein sehr einfaches und zweckmäßiges Verfahren zur Feststellung der Fahrgeschwindigkeit der Züge hat die königliche Eisenbahndirektion Stettin ihren Dienststellen empfohlen. Wenn man nämlich die Zahl 720 durch die Anzahl der Sekunden, die der Zug gebraucht, um 200 Meter zurückzulegen (von einem Kilometerstein auf derselben Bahnseite bis zum nächsten) dividiert, so erhält man die Anzahl der Kilometer, die der Zug in der Stunde zurücklegt.
Werden zum Beispiel für die Strecke von Kilometerstein 20,0 bis Kilometerstein 20,2 (= 200 Meter Entfernung) 12 Sekunden gebraucht, so hat der Zug eine Geschwindigkeit von 720 : 12 = 66 Kilometer in der Stunde.
Das Verfahren ist geeignet, auch von den Fahrgästen angewendet zu werden. Wer Langeweile und gute Augen hat, um die Kilometersteine im Vorbeifliegen zu erkennen, versuche es einmal.

1. August
• Der gestrige Unfall in Flensburg auf dem Bahnhof der Kreiseisenbahn ist auf die Fahrlässigkeit des Vorarbeiters der Bahnmeisterkolonne zurückzuführen, der beim Verschieben des ins Rollen gekommenen Güterwagens die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln außer Acht ließ. Der Vorarbeiter ist auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Haft genommen worden.
• Die Kaiserin ist mittags 1 Uhr per Sonderzug in Eckernförde eingetroffen und hat in einem Salonwagen der Kappelner Bahn die Reise nach Grünholz fortgesetzt zum Besuche des Herzogs Friedrich Ferdinand und Gemahlin.

5. August
• Wie die „Schleswiger Nachrichten“ erfahren, wird in Schleswig jetzt ein Projekt ausgearbeitet, um unter Hinzulegung eines Teils der Königswiesen eventuell unter Verlegung und Neubau des jetzigen Bahnhofsgebäudes der Angler Bahn dort genügenden Raum für den Einlauf der verschiedenen Bahnen, für Lokomotivschuppen und Reparaturwerkstatt zu schaffen.

14. August
• Der Lokomotivführer Hartmann wurde wegen Überfahrens des Haltesignals, wodurch beinahe ein Zusammenstoß zweier Züge erfolgte, vom Landgericht zu Lübeck u drei Monaten Gefängnis verurteilt.

16. August
• Die Straßenbahn-Aktien-Gesellschaft in Schleswig ist in einer am Montag abgehaltenen Sitzung aufgelöst und die Bahn damit endgültig in die Hände der Stadt übergeben worden.

17. August
• Der wegen der Bahnhofsbauten in Hamburg notwendige Abbruch des Berliner Bahnhofs (über dessen Gelände hohe Viadukte führen sollen, welchen die von Süden kommenden Eisenbahnzüge dem zukünftigen Zentralbahnhof zuleiten) wird zum Frühjahr 1903 Verkehrserschwerungen zur Folge haben. Da der Hauptbahnhof voraussichtlich nicht vor Herbst 1904 fertiggestellt werden kann, so ist man augenblicklich daran, als Ersatz für den jetzigen Berliner Bahnhof einen vorläufigen Bahnhof an der Lippeltstraße zu bauen, der den Verkehr aufnehmen soll, der jetzt auf dem Berliner Bahnhof einmündet. Dieser Aushülfsbahnhof ist weiter hinaus in den Vorort Hammerbrook zurückgeschoben und erfreut sich keiner guten Verbindung mit dem Mittelpunkte der Stadt. Die D-Züge und die Schnellzüge, die als Anschlußzüge für den Verkehr nach dem Norden gedacht sind, werden indessen auch fernerhin während des Umbaues über die Stationen der Verbindungsbahn nach Altona durchgeführt werden. Die neuen Bahnhöfe Dammtor und Schanzenstraße hofft man bestimmt zum Frühjahr 1903 in Gebrauch nehmen zu können.

19. August
• Wie kurzsichtig doch die Bewohner von Bordesholm gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts gewesen sind, daß sie sich den Vorteil haben entgehen lassen, Bordesholm an Chaussee und Eisenbahn anzuschließen. Es war damals geplant, die von Altona nach Kiel führende Eisenbahn durch den Ort zu legen, doch einige hohe Herren, welche für ihre idyllische Ruhe fürchteten, wußten zu veranlassen, daß der Bahnhof 2 Kilometer vom Ort entfernt angelegt wurde.
Heute wird dies bitter empfunden. Wie viele Personen auswärts haben nicht täglich in Bordesholm geschäftlich zu tun, da sich hier Landratsamt, Amtsgericht und Oberförsterei befinden, und um wie vieles würden alle diese es bequemer haben, wenn der Bahnhof unmittelbar am Ort läge. Auch der Fremdenverkehr würde viel bedeutender sein, wenn nicht immer erst die 2 Kilometer lange Strecke und darüber zurückzulegen wäre.

21. August
• Wegen zweier Küken hatte die Pferdebahn in Schleswig auf dem Stadtweg einen halbstündigen Aufenthalt zu erleiden. Einen auf den betr. Wagen befindlichen Landmann waren aus einem mitgeführten Korbe zwei Küken entschlüpft, die sich sofort über den Stadtweg verbreiteten und alsbald wegen des Geschreies, daß sie anstimmten, lästig zu werden begannen. Kein Wunder, daß alles trachtete, sie wieder in den Korb zu bekommen, und so ging die wilde Jagd los, an der sich auch die Jnsassen der Pferdebahn lebhaft beteiligten. Nach vieler Mühe gelang es dann endlich, die Ausreißer wieder zu ergreifen. Darauf konnte die Pferdebahn ihren Weg fortsetzen, um ihre an der Weiche schmerzlich wartende Kollegin zu erlösen.

23. August
• Dem Lübecker Bahnnetze ist eine neue Linie angeschlossen. Nachdem die Besichtigung und Abnahme der Bahn nach Schlutup durch die zuständigen Behörden erfolgt und zur Zufriedenheit ausgefallen war, fand am Mittwoch die feierliche Eröffnung des Betriebes statt.

28. August
• Ein Güterwagen der Bahnstrecke Kiel–Schönberg mußte am Sonnabend kurz vor der Haltestelle Klausdorfer Weg ausrangiert werden. Der Wagen war mit in Stroh verpackten glasierten Tonwaren beladen und das Stroh vermutlich durch Funken der Lokomotive in Brand geraten. Das Feuer wurde mit der Dampfspritze der in unmittelbare Nähe belegenen Hanf- und Drahtseilfabrik von Andresen gelöscht. Der Zug hatte hierdurch einige Minuten Verspätung.

30. August
• Jn dem am Mittwoch mittag von Jtzehoe nach Altona fahrenden Zuge kam es zu einer erregten Szene. Jn einem Abteil gerieten zwei Arbeiter in Streit, der rasch in Tätlichkeiten ausartete. Einer der Streitenden zog sein Messer und versetzte seinem Gegner einen Stich in die Brust. Mitreisende zogen die Notleine. Jn Tornesch wurde der Täter verhaftet.



Gruß Alberto



Das dritte Ditteljahr 1902 findet Jhr hier -----> [www.drehscheibe-online.de]

Den Jahrgang 1901 (1. Halbjahr) findet Jhr hier -----> [www.drehscheibe-online.de]

Den Jahrgang 1901 (2. Halbjahr) findet Jhr hier -----> [www.drehscheibe-online.de]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:10:04:11:34:13.
Danke, Alberto, dass Du Dir immer wieder diese Mühe machst, die doch sehr interessanten Eisenbahn-historischen "Schlaglichter" zusammenzutragen!

Gerade heute morgen hatte ich mir noch Gedanken über den roten Schulterriemen der Zugführer gemacht - am 14. Juli 1902 hat der also seinen zeitlichen Ursprung!

Und hierzu:

"Werden zum Beispiel für die Strecke von Kilometerstein 20,0 bis Kilometerstein 20,2 (= 200 Meter Entfernung) 12 Sekunden gebraucht, so hat der Zug eine Geschwindigkeit von 720 : 12 = 66 Kilometer in der Stunde. "

hätte der gestrenge Herr Lehrer zu damaliger Zeit im Rechenunterricht ob des falschen Ergebnisses sicherlich sogleich den Rohrstock eingesetzt... ich komme hier nur auf 60...

Viele Grüße,
Hartwig Lendt
... ich komme hier nur auf 60...


Hallo Hartwig,

oh ... tatsächlich. Aber es stand so in der Zeitung (wahrscheinlich ein Satzfehler).

-----> [www.klauserbeck.de]

Gruß Alberto
Hallo Alberto,

vielen Dank für deinen Beitrag, es ist immer sehr interessant die Zeitungsartikel zu
lesen.

Bleib gesund, Grüße Michael

Achtung User jagt V100, E10 und 50Kab Bilder.