DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historisches Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.

Als der Lindwurm durch Worms fuhr (20 Bilder)

geschrieben von: Harald Dinges

Datum: 13.09.20 19:26

Hallo!

Unter der Bezeichnung „Aktion Lindwurm“ oder auch „Operation Lindwurm“ lief der Abtransport von 102.000 Giftgasgranaten aus der Westpfalz zum Nordseehafen Nordenham.

Beginnend am 26.7.1990 wurden an 28 Werktagen insgesamt 560 Container mit Giftgasgranaten von einem US-Militärdepot bei Clausen (Nähe Pirmasens) mit Lkw nach (Bruchmühlbach-) Miesau gebracht. Dort wurden die Container gesammelt und in der Zeit vom 12.9.1990 bis zum 18.9.1990 auf Waggons verladen und nach Nordenham gefahren. In Nordenham erfolgte die Verladung auf zwei Schiffe, die die gefährliche Fracht zum Johnston-Atoll im Pazifik brachten, wo man die Granaten unschädlich machte.

Ab 12.9.1990 verkehrten täglich drei Züge, die über Ludwigshafen, Worms, Gießen, Kassel und Nienburg den Hafen Nordenham erreichten. Es gab zwar auch Ausweichstrecken für eventuelle Störfälle (z.B. entlang der Mosel), die aber nicht genutzt wurden. Bespannt waren die Züge mit jeweils zwei Loks der Baureihe 218 in der damals aktuellen orientroten Farbgebung, nur am 18.9. war mit 218 394 auch eine beige-türkise Lok im Einsatz.

Die Abfahrt des ersten Zuges sollte jeweils gegen 17 Uhr in Miesau sein, die beiden anderen Züge folgten im Abstand von wenigen Minuten. Zug 1 und 2 beförderten die Wagen mit den 20-Fuss-Containern und die Begleitmannschaft, Zug 3 war der Rettungszug mit Lazarettwagen, Gerätewagen und Spürpanzern. Die Wagen trugen an der Seite eine Nummerntafel von 1 bis 100, wobei nicht alle Nummern vergeben waren.
Die 218 blieben bis Kassel am Zug, dort übernahmen dann jeweils Hagener 218 den Weitertransport. Als Lokzug fuhren anschließend die sechs abgelösten 218er zurück nach Kaiserslautern.

Für diejenigen, die sich etwas tiefer mit dem Thema beschäftigen möchten, kann ich diese drei Links empfehlen:

1. Wikipedia: [de.wikipedia.org]

2. Docu Center Ramstein: [www.dc-ramstein.de]

3. Bahnpolizei mit vielen Bildern: [bahnpolizeiderdb.de.tl]

Zur Überwachung der Züge und des Transportweges waren über 10.000 Mann der Länderpolizeien, des Bundesgrenzschutzes und der Bahnpolizei eingesetzt. Brücken über die Bahn wurden 15 Minuten vor Eintreffen der Züge gesperrt. Alle Straßen und Feldwege entlang der Gleise wurden intensiv bestreift. Ob das Fotografieren in Gleisnähe jetzt direkt verboten war oder nur „nicht erwünscht“, weiß ich heute nicht mehr. Später habe ich erfahren, dass es tatsächlich Platzverweise für Fotografen gegeben hat.

Um Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen, wählte ich als Fotopunkt das Gleisdreieck südlich des Wormser Bahnhofsvorfeldes. Man musste dazu ca. 80 Meter über das Gelände eines Möbelhauses gehen. Das war aber kein Problem, man kannte mich und ich hatte die Erlaubnis.
Um 17.35 Uhr hatte ich „Einsatzbeginn“, und ich fotografierte mich mit Loks der Baureihen 103, 110, 120, 140, 141 und 150 schon mal warm. Etwa um 18.45 Uhr bemerkte ich, dass kein Verkehr mehr über die einsehbaren Brücken stattfand. Nach einiger Zeit kam dann ein Hubschrauber entlang der Strecke von Ludwigshafen geflogen. Jetzt sollte es eigentlich gleich losgehen. Aber der Hubschrauber blieb über mir stehen wie festgeschraubt. Während ich mir dachte „hoffentlich ist die Radau-Kiste bald weg“, sah ich zwei Bahnpolizisten aus Richtung Bahnhof auf mich zu rennen. In der einen Hand hielten sie die Mütze und in der anderen Hand hatten sie ein Funkgerät. Als der erste mich erreicht hatte, rief er: „Ei, das sind ja sie. Das hätten wir uns gleich denken können!“ Und ins Funkgerät schrie er: „Den kennen wir. Das geht in Ordnung!“
Endlich verschwand der Hubschrauber. Die Ruhe kehrte wieder ein und man erklärte mir: „Da oben hockt der Häuptling drin. Der ist wegen ihnen ganz aufgeregt.“ „Gut“, sagte ich, „ich verschwinde dann gleich.“ Ich bekam die Antwort: „Nein, bleiben sie hier, das ist jetzt okay. Tschüss!“ Und sie gingen zurück zum Bahnhof. Da hatte ich Glück gehabt, dass mich die Männer von der Wormser Bahnpolizeiwache kannten. Nur deshalb gibt es jetzt auch die nachfolgenden Bilder.

Bild 1: Es war 18.58 Uhr, als am 12.9.1990 der erste Giftgaszug mit der Zugnummer Dgm 99011 und den Loks 218 387 und 218 373 durch Worms rollte. Das Gleis im Vordergrund gehörte zur stillgelegten Bahnstrecke Worms – Offstein.

https://abload.de/img/zz1image04522183872185pj3y.jpg

Bild 2: Nachschuss auf den umgebauten Umbauwagen. Der Fensterabstand verrät, dass er mal ein AB3yg war. Zum Zeitpunkt der Aufnahme hieß er Pwg und hatte die Wagennummer 3. Die Beobachtungskanzel war besetzt; wie die von innen aussieht, zeigt ein Bild in dem oben angeführten Bahnpolizei-Link.

https://abload.de/img/zz2image0453pwgmitdacg9jmx.jpg

Bild 3: So sahen die Wagen mit den Giftgas-Containern aus. Oben links an der Hauswand sieht man Werbung für das Möbel- und Einrichtungshaus RHEINMÖVE. Wer aus der Umgebung kommt und das entsprechende Alter hat, wird sich vielleicht noch an Chris Howland erinnern, der jahrelang auf dem Radio-Sender SWF3 im Werbeblock vor den Nachrichten die magischen Worte sprach: „Rheinmowe in Woorms – da muss man hin!“ Im Jahr 2002 wurde das Möbelhaus RHEINMÖVE geschlossen, Chris Howland hat es bis 2013 geschafft.

https://abload.de/img/zz3image0454containermqj0y.jpg

Bild 4: Um 19.04 Uhr kam Dgm 99012 mit den Zugloks 218 383 und 218 372. Das Bild ist weitgehend identisch mit Bild 1, ich habe mich trotzdem fürs Zeigen entschieden. Im Hintergrund sieht man die Neusatzbrücke, die wie die beiden anderen Brücken über die Bahn in Worms rund eine halbe Stunde lang gesperrt war.

https://abload.de/img/zz4image0455218383218majw8.jpg

Bild 5: Wieder ist ein Pwg mit Dachkanzel im Zug, dieser trägt die Wagennummer 43. In seinem früheren Leben war er ein B3yg.

https://abload.de/img/zz5image0456pwgmitdacwvj73.jpg

Bild 6: Ein Fahrzeug der Bundeswehr. Zur Bedienung dieser Fahrzeuge waren auch Bundeswehr-Soldaten im Zug.

https://abload.de/img/zz6image0457militr-lkt1jer.jpg

Bild 7: Als letzter erschien um 19.12 Uhr der Begleitzug mit der Zugnummer Dgm 99013. Vorgespannt waren 218 379 und 218 386. Er bestand u.a. aus 17 ehemaligen Schnellzugwagen, die speziell für diesen Einsatz eine Rettungs- und Lazaretteinrichtung erhalten hatten, zwei Gerätewagen MDy und Transportwagen mit Gasspürpanzern der Bundeswehr.

https://abload.de/img/zz7image0458218379218gokot.jpg

Bild 8: Ein ehemaliger Halbgepäckwagen war auch dabei.

https://abload.de/img/zz8image0459gaszugiii6djfl.jpg

Bild 9: Die letzten zehn Wagen des Begleitzuges. Die beiden MDy-Gerätewagen hatten die Nummern 90 und 91.

https://abload.de/img/zz9image0460gaszugiiiwejuy.jpg

Bild 10: Das Zugende. Wagen 98 und 99 trugen die Gasspürpanzer, Wagen 100 die Absetzrampe für die Fahrzeuge. Beinahe hätte mir die am linken Bildrand gerade noch erkennbare 103 201 den Begleitzug zugefahren. Oben warteten die Verkehrsteilnehmer darauf, dass die Brücke endlich wieder freigegeben wird.

https://abload.de/img/zz10image0461sprpanzednj72.jpg

Bild 11: Am 14.9.1990 ging es erneut auf Lindwurm-Pirsch. Als Fotopunkt wählte ich die Wormser Eisenbahnbrücke, hessische Seite. Um niemanden nervös zu machen, versteckte ich mich hinter Bäumen und kam erst dann heraus, als der Hubschrauber vorbei geflogen war. Eine Uhrzeit habe ich diesmal nicht notiert, es wird wieder um 19 Uhr gewesen sein, als der Dgm 99011 mit den Zugloks 218 369 und 218 371 auf der Brücke erschien.

https://abload.de/img/zz11image0464218369212jjzs.jpg

Bild 12: Seitenbild von den Loks. Während die vordere 218 369 als vermutlich einzige die Loknummer über dem DB-Keks trug, hatte die 218 371 die Loknummer unter dem Keks stehen.

https://abload.de/img/zz12image046721836921kgkql.jpg

Bild 13: Bei den Wagen 1 und 2 fiel auf, dass ihnen die beige Zierlinie über dem Längsträger fehlte.

https://abload.de/img/zz13image0468bmworms-00jij.jpg

Bild 14: Für den Dgm 99012 hatte ich den Fotopunkt um etwa eine Zuglänge weiter in Richtung Hofheim/Ried verlegt. Mit Loknummern kann ich diesmal leider nicht dienen.

https://abload.de/img/zz14image0469gaszugiie0jye.jpg

Bild 15: Den Begleitzug Dgm 99013 erwartete ich nach erneutem Fotopunkt-Wechsel am Ortseingang von Hofheim/Ried. Dort wanderten dann 218 383 und 218 373 auf das Dia.

https://abload.de/img/zz15image0472a218383237jvg.jpg

Bild 16: Nachschuss mit dem alten Einfahrsignal von Hofheim. Auch schon lange Geschichte. Am Schluss lief wieder Wagen 100 mit seiner Absetzrampe.

https://abload.de/img/zz16image0473gaszugiik5k89.jpg

Bild 17: Leider konnte ich nur noch am 16.9.1990 dem Lindwurm nachstellen. Was an diesem Tag los war, weiß ich heute nicht mehr. Jedenfalls verpasste ich den ersten Zug, dafür wurde mir der zweite zugefahren. Fotopunkt war Worms, Im Winkel. Immerhin konnte ich den schon von Bild 5 bekannten Pwg mit der Wagennummer 43 noch einmal ablichten.

https://abload.de/img/zz17image0474apwggasz24jl4.jpg

Bild 17a: Das Auge des Gesetzes hatte mich erfasst.

https://abload.de/img/zz17image0474bpwggasznxjla.jpg

Bild 17b: Ich habe mal die Nummer vergrößert, weil vielleicht jemand Interesse daran hat.

https://abload.de/img/zz17image0474cpwggaszh6jwy.jpg

Bild 18: Wagen 48 fotografierte ich auch noch, er hatte zwei 20-Fuss-Container der US-Armee geladen.

https://abload.de/img/zz18image0475acontainm1j4i.jpg

Bild 18a: „Do not use forklifts“.

https://abload.de/img/zz18image0475bcontain9okor.jpg

Bild 19: Der Begleitzug war mit 218 387 und 218 373 bespannt und fuhr um 19.01 Uhr an mir vorbei. Wie damals üblich, war das Spitzenlicht am Tag nicht angeschaltet.

https://abload.de/img/zz19image0476218387219ujc1.jpg

Bild 20: Der Nachschuss war schließlich mein letztes Bild vom Lindwurm.

https://abload.de/img/zz20image0477gaszugii70jfy.jpg


Wer möchte, der kann sich den Lindwurm auch noch bei Youtube in einem kurzen Film ansehen.

Hier ist der Link: [www.youtube.com]


Der Abtransport der C-Waffen verlief störungsfrei. Er soll über 100 Millionen DM gekostet haben.


Gruß

Harald

Re: Als der Lindwurm durch Worms fuhr

geschrieben von: Zp9b an Gleis 9 3/4

Datum: 13.09.20 20:01

Ja,ja, die "Lindenstraße" ...

... was für ein (Personal-)Aufwand mancherorts getrieben wurde. Damals herrschte Aufbruchstimmung; den "bösen Feind im Osten" gab's nicht mehr, islamistischer Terror war hierzulande noch unbekannt und alle waren froh, daß das Giftzeugs endlich weggebracht wurde.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.09.20 20:03.

Re: Als der Lindwurm durch Frankenthal fuhr.

geschrieben von: Andreas Rossel

Datum: 13.09.20 21:09

Hallo Harald,

danke für deinen tollen Beitrag zu dieser für die Pfalz und Deutschland sehr wichtigen Sache. Mit dem verschwinden dieser Giftwaffen war die Welt damals wieder etwas friedlicher geworden.
Ich habe das auch verfolgt, war aber nach meinem Urlaubsende irgendwie ohne drive für solche Sachen. Und deshalb habe ich mich nur mal dazu aufraffen könnenam 14 September bei Frankenthal in der großen Kurve ein paar Aufnahmen zu machen. Und das auch noch mit Polizeischutz, als einer der Giftzüge vorbeigefahren kam.

Viele Grüße

Andreas


DB218-967-23.jpg
218 362/366 am 14 September 1990 bei Frankenthal Studernheim in der großen,auch heute noch so fotografierbaren Kurve.

Re: Als der Lindwurm durch Worms fuhr (20 Bilder)

geschrieben von: v100fan

Datum: 14.09.20 07:25

Hallo Harald,

deine Bilder dieser schrecklich faszinierenden Züge sind einfach großartig.

Was direkt auffällt: man könnte meinen es wäre immer der gleiche Zug. Aber tatsächlich gibt es Unterschiede in den Zusammenstellungen.
In Lautern scheint man alle verfügbaren orientroten 218 dafür abgezogen zu haben. Die „todbringenden“ Züge waren alle auf Hochglanz gebracht um bei dem damals riesigen Medieninteresse ein gutes Bild abzugeben.

Wenn man bedenkt wie kritisch der Inhalt eines jeden Containers war, sind die späteren Castor-Transporte ein ziemlich harmloser Spaß. Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass der Inhalt der Gasgranaten eines Containers schon für die chemische Vernichtung einer Großstadt ausgereicht hätte.

Vielen Dank Harald für diese Dokumentation, die heute 30 Jahre später wahrhaft aus einer anderen Zeit zu stammen scheint.

Viele Grüße von Steffen
------ Exoten der Epoche IV ------
Exoten der Epoche IV - Beitragsverzeichnis
[www.drehscheibe-online.de]

Mit Kakadu, blau-beigem 515 und vielem mehr...

Re: Als der Lindwurm durch Worms fuhr (20 Bilder)

geschrieben von: Peter

Datum: 14.09.20 08:34

Hallo!

Vielen, vielen Dank fuer diesen tollen Beitrag!

Dieser Transport war in mehrfacher Weise besonders: Die Anfuhr von Pirmasens nach Miesau erfolgte z. T. auf den noch nicht fertiggestellten Abschnitten der Autobahn und der Transport war auch rechtlich "Neuland".

Ein inzwischen verrenteter (und damals beteiligter) hoher Mitarbeiter der U. S. Armme erzaehlte mir vor Jahren, dass dieser Transport fuer viele Kopfschmerzen sorgte, weil nach deutschem Recht eben auch eine Transportversicherung noetig war (darauf bestanden u. a. die Kommunen entlang der Strecke), die U. S. Army aber (wie auch die Bundeswehr) eigentlich Selbstzahler ist - was aber in der internationalen Zusammenarbeit ohne Belang war.

Da das U. S. Haushaltsrecht aber Ausgaben fuer Versicherungen ausdruecklich verbietet (denn man ist ja Selbstzahler ...), gab es Aerger mit Bund, Laendern und Kommunen, denen das fuer den Schadenfall nicht ausreichte. Und so sei extra fuer die Transporte Rechtsgeschichte geschrieben worden, indem die Strategen in Washington eine Ausnahme ermoeglichten und aberwitzig grosse Summen fuer Versicherungen bewilligten, damit dieser Transport erst stattfinden durfte.

Gluecklicherweise ist damals bei den diversen Transporten und Verladungen alles gut gegangen. Obwohl in dem Zusammenhang berichtet wurde, dass damals sogar ein (U. S.- ?) Hubschrauber, der die Strecke vor dem Transport abflog, abgestuerzt sei.

Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.
(Merke: Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer)

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind: Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen - und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten. Seit einiger Zeit biete ich sogar (gegen einen kleinen Obolus) auch Patenschaften fuer meine Fehler an.

Re: Als der Lindwurm durch Worms fuhr (20 Bilder)

geschrieben von: Schwellenleger

Datum: 14.09.20 09:56

Hallo Harald,
Du machst mir mit diesem Beitrag gleich in mehrfacher Hinsicht ein große Freude! Herzlichen Dank dafür.

Ohne jetzt allzuweit ins Thema einsteigen zu wollen.. Der abgebildete 4-achsige Faun / Ziegler der Bundeswehr-Feuerwehrtruppe diente mit seinem Löschschaumvorrat im Falle eines Falles zum Niederhalten austretender Gasdämpfe.

Auf jeden Fall war es gut, daß Du damals in Worms bereits "polizeibekannt" warst... ;-) ...sonst hätten wir heute diese interessanten Bilder nicht.

@ Peter: das mit dem Absturz sollte stimmen. Im Zuge anderer Recherchen durfte ich vor Jahren einen damals hohen Verantwortlichen der Arbeitertruppe ( deutsche Zivilangestellte ) interviewen, die damals mit dem Verladen "der Ware" betraut waren. Dabei berichtete er auch näheres zu den "ausergewöhnlichen Vorfällen" im Zusammenhang mit dieser Operation. Im Internet gibt es eine Liste eines US-Amerikaners über die Lebensläufe aller für das (US-) Militär gebauten Heli´s - da sind auch Bilder vom Wrack und die Auflistung der Besatzung dabei. ( Hatte ich vor Jahren mal gesehen, finde leider die Seite auf die Schnelle nicht.. )

Herzliche Grüße
Uwe
Moin,

einen Hinweis mit Frage habe ich noch zu diesem Wagen hier:

https://abload.de/img/zz8image0459gaszugiii6djfl.jpg

Man erkennt schön die diversen Funkantennen auf dem Dach, die mich an einen BPR (Baggage-Passenger-Radio = "Halbgepäckfunkwagen") erinnern.
Allerdings kannte ich bisher hauptsächlich Wagen mit Steildach und / oder anderer Gepäckraumtür.
Siehe dazu auch: [www.familie-linberg.de]

Auf der verlinkten Seite zum Bahnpolizei-Einsatz kann man auch schöne Innenaufnahmen des Funkraums finden.

Möglich erscheint natürlich auch, dass man BDm der DB mit entsprechenden Funkantennen und Funkräumen nachgerüstet hat. Leider fand ich darauf bislang keinen Hinweis.

@Harald: könntest du einen größeren Ausschnitt von o.a. Bild mit der Wagennummer so ähnlich wie beim Pwg einstellen?


Nachtrag: Der Pwg mit der Nummer 50 80 09-29 051-3 existiert sogar noch bei der Stadt Blumberg:
[www.privat-bahn.de]

Einige dieser baugleichen Wagen wurden an die Eisenbahnfreunde Nahetal verkauft und dort verliert sich die weitere Spur.

Viele Grüße von Steffen
------ Exoten der Epoche IV ------
Exoten der Epoche IV - Beitragsverzeichnis
[www.drehscheibe-online.de]

Mit Kakadu, blau-beigem 515 und vielem mehr...




4-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.09.20 10:30.

BDms 272, 50 80 82-40 056-7 (m1B)

geschrieben von: rolf koestner

Datum: 14.09.20 12:16

..




Bild 01: Es war der DB BDmn 272, 50 80 82-40 056-7, Heimatbahnhof Kaiserslautern, (ex DB 51 80 82-40 056-6).
W. Ballon fotografierte den Wagen am 09. April 1991 im AW Krefeld Oppum:


https://abload.de/img/bdms272056krefeldoppuinj25.jpg



Vorne kann ich an der Tür lesen: "Wegen Funkkabel hier nicht entkuppeln" und über dem vorderen Achslager am Rahmen: Antennenhöhe 4540 mm über SO. Die beschriftung neben der hinteren Tür wurdew bereis entfernt. Was stand dort?


Edit: Der Wagen soll dann bei Krupp-Verkehrstechnik gelandet sein und die Nummer 50 80 09-40 056-7 erhalten haben, wobei dann die Kontrollziffer falsch wäre. Statt der "7" müßte dann dort eine "2" stehen!


Sehr interessanter Beitrag mit sehr interessanten Bildern!



Bis neulich - natürlich im HiFo

Rolf Köstner


In eigener Sache:

Ich komme derzeit nicht dazu alle PN zeitnah zu beantworten. Immer wieder bekomme ich Anfragen, ob ich nicht alte Beiträge neu bebildern kann. Wenn es in mein Konzept passt gerne. Aber inzwischen habe ich mich dazu entschlossen, alte Beiträge nur noch in Verbindung mit neuen Beiträgen zu reaktivieren, sofern ein Zusammenhang besteht. Leider ist ein anderes Vorgehen aus Zeitgründen nicht mehr möglich. Hin und wieder Ausnahmen bestätigen eher die Regel.




3-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.09.20 15:41.

Re: Als der Lindwurm durch Worms fuhr (20 Bilder)

geschrieben von: Peter

Datum: 14.09.20 12:20

Hallo!

Schwellenleger schrieb:
Zitat:
@ Peter: das mit dem Absturz sollte stimmen. Im Zuge anderer Recherchen durfte ich vor Jahren einen damals hohen Verantwortlichen der Arbeitertruppe ( deutsche Zivilangestellte ) interviewen, die damals mit dem Verladen "der Ware" betraut waren. Dabei berichtete er auch näheres zu den "ausergewöhnlichen Vorfällen" im Zusammenhang mit dieser Operation. Im Internet gibt es eine Liste eines US-Amerikaners über die Lebensläufe aller für das (US-) Militär gebauten Heli´s - da sind auch Bilder vom Wrack und die Auflistung der Besatzung dabei. ( Hatte ich vor Jahren mal gesehen, finde leider die Seite auf die Schnelle nicht.. )
Vielen Dank fuer die Bestaetigung!

Noch'n paar Links zu der Aktion:
[www.dc-ramstein.de]
[www.dc-ramstein.de]
[rlp.museum-digital.de]
[www.drehscheibe-online.de]
[www.spiegel.de]

Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.
(Merke: Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer)

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind: Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen - und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten. Seit einiger Zeit biete ich sogar (gegen einen kleinen Obolus) auch Patenschaften fuer meine Fehler an.

Re: BDms 272, 50 80 82-40 056-7 (m1B)

geschrieben von: v100fan

Datum: 14.09.20 14:17

Hallo Rolf,

vielen Dank für die Ergänzung. Hier findet man ganz wenig zu dem Wagen: [www.reisezug-wagen.de]

Der Umbau soll in den 1980ern erfolgt sein. Hast du hier genauere Infos? War der Umbau exklusiv für derartige Einsätze oder gab es einen anderen Anlass zum Umbau mit Funktechnik?

Da man in jedem Zug solche Wagen sieht - wie viele davon gab es?

Viele Grüße von Steffen
------ Exoten der Epoche IV ------
Exoten der Epoche IV - Beitragsverzeichnis
[www.drehscheibe-online.de]

Mit Kakadu, blau-beigem 515 und vielem mehr...




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.09.20 14:21.
rolf koestner schrieb:
Es war der DB BDm 272, 50 80 82-40 056-7, W. Ballon fotografierte den Wagen am 09. April 1991 im AW Krefeld Oppum. Vorne kann ich an der Tür lesen: "Wegen Funkkabel hier nicht entkuppeln" und über dem vorderen Achslager am Rahmen: Antennenhöhe 4505 mm über SO. Die Beschriftung neben der hinteren Tür wurde bereis entfernt. Was stand dort?
Am anderen Ende steht ebenfalls die A-Höhe über SO, allerdings angegeben mit "4540 mm": [www.drehscheibe-online.de] (8. Bild)

Hier noch der mit dem 056 zusammengekuppelte 51 80 82-40 117-7 am selben Tag, Wagennummer ist bereits durchkreuzt. Hier steht am Packende ebenfalls "4540 mm" sowie "Anstrich 5.82 AW Om R2":

http://www.lokfotos.de/fotos/1991/0725/13036.jpg


Desweiteren war auch der BDm 271 (51 80 82-40 007-0) anwesend. Bei ihm ebenfalls "4540 mm" sowie die Kreideaufschrift "abstellen 38" am Packende:

http://www.lokfotos.de/fotos/1991/0725/13040.jpg


Ob diese 3 "Lindwurmwagen" mit den 3 Giftgaszügen im Einsatz waren (oder zumindest die beiden BDms 272?) oder rein zufällig alle 3 Wagen nach Abstellung zum selben Zeitpunkt im AW Oppum anwesend waren?


Dann habe ich noch diesen Pwg (50 80 09-29 059-6, RTC, ex B3yge) in Rheydt Hbf; er war aber offenbar nicht bei den Giftgastransporten dabei:

http://www.lokfotos.de/fotos/1993/0912/19650.jpg

Nobbis Lokfotos
http://www.lokfotos.de/br.gif
Nach 5 Jahren aktualisiert: Meine HiFo-Beiträge

Re: Als der Lindwurm durch Worms fuhr (20 Bilder)

geschrieben von: engine404

Datum: 14.09.20 15:15

Hallo,

die Umbauwagen mit Kanzel stammen von der Britischen Rheinarmee. In den 70iger und 80iger Jahren standen in Münster am Albersloherweg vor der Yorkkaserne immer mehrere dieser Wagen.

[www.1zu160.net]

Gruß
Martin
(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
In eigener Sache:

Ich komme derzeit nicht dazu alle PN zeitnah zu beantworten. Immer wieder bekomme ich Anfragen, ob ich nicht alte Beiträge neu bebildern kann. Wenn es in mein Konzept passt gerne. Aber inzwischen habe ich mich dazu entschlossen, alte Beiträge nur noch in Verbindung mit neuen Beiträgen zu reaktivieren, sofern ein Zusammenhang besteht. Leider ist ein anderes Vorgehen aus Zeitgründen nicht mehr möglich. Hin und wieder Ausnahmen bestätigen eher die Regel.

Auch durch Darmstadt-Kranichstein

geschrieben von: Dampffrosch

Datum: 14.09.20 15:47

Hallo Harald,

schön dass Du an diese Aktion vor 30 Jahren erinnerst.
Die Züge kamen auch durch Darmstadt-Kranichstein und am 15. und 16.09.1990 war dort Dampflokfest. Die Durchfahrt wurde dann natürlich mit der Dampfpfeife von 44 404 "begleitet" :-).

Gruß aus Pampanga
Horst



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.09.20 15:49.

Re: Als der Lindwurm durch Worms fuhr (20 Bilder)

geschrieben von: Jörn

Datum: 14.09.20 20:07

Sehr schöner Bericht mit vielen Details - auch von den Fahrzeugen. Am 15.09.1990 war ich natürlich auch unterwegs, konnte aber ganz offen und unbehelligt vom - damals noch existierenden Hausbahnsteig - in Gernsheim meine Fotos machen. Vielleicht waren "die Hessen" nicht so pingelig wie "die Rheinhessen".

Gut, dass das Zeug weg ist!

Danke fürs Zeigen
Jörn.

Hey, Farmer,
tu das Gift weg.
Gib mir Flecken auf Äpfeln,
aber lass mir die Vögel und die Bienen.
(Joni Mitchell, aus „Big Yellow Taxi“, 1970)


Die gewünschte Bildvergrößerung

geschrieben von: Harald Dinges

Datum: 14.09.20 22:07

Hallo!

Vielen Dank für alle Zuschriften!

Bild 21: Für Steffen habe ich den BDm von Bild 8 vergrößert. Leider ist die Fahrzeugnummer nicht zu erkennen.

https://abload.de/img/zzzimage0459agaszugiiquji5.jpg

Bild 21a: Pixel-Matsch.

https://abload.de/img/zzzimage0459bgaszugiijkjx4.jpg

Bild 22: Da bei Bild 13 nur ein Ausschnitt zu sehen war, soll hier das komplette Bild mit den Wagen 1 (BDm) und 2 (Bm) gezeigt werden. Beide Wagen sind ohne Zierlinie am Längsträger.

https://abload.de/img/zzzzimage0468abmwormsxmkgr.jpg

Bild 23: Diesmal wurde der BDm vergrößert.

https://abload.de/img/zzzzzimage0468bbdmwor0ejdr.jpg


Weil die Hubschrauber hier Thema waren: Auf deutscher Seite wurden in RLP sechs Hubschrauber beim Lindwurm eingesetzt. Zwei Hubschrauber vom Typ BO 105 der rheinland-pfälzischen Polizei waren für Videoübertragungsaufgaben und als Einsatzmittel des Polizeiführers im Einsatz. Der Bundesgrenzschutz stellte drei Transporthubschrauber vom Typ "Puma", die für kurzfristige Transporte von Reservekräften bereit gehalten wurden. Ebenfalls vom BGS war ein Helikopter vom Typ "Alouette" mit der Aufgabe "Aufklärung und Verkehr" beschäftigt.

Gruß

Harald

Re: Als der Lindwurm durch Worms fuhr (20 Bilder)

geschrieben von: kato

Datum: 15.09.20 11:42

Schwellenleger schrieb:
Zitat:
Ohne jetzt allzuweit ins Thema einsteigen zu wollen.. Der abgebildete 4-achsige Faun / Ziegler der Bundeswehr-Feuerwehrtruppe diente mit seinem Löschschaumvorrat im Falle eines Falles zum Niederhalten austretender Gasdämpfe.
Ergänzend dazu noch zur Komplettierung: Bei den beiden 3-achsigen MAN-LKW auf den Flachwagen zwischen den Spürpanzern und dem Feuerwehrfahrzeug handelt es sich um Dekontaminationsfahrzeuge "E-Kfz" der Bundeswehr-ABC-Abwehrtruppe, die über Anlagen zur Dekontamination von Gelände verfügen.

Re: Die gewünschte Bildvergrößerung

geschrieben von: v100fan

Datum: 15.09.20 17:05

Vielen Dank für die Ergänzung, Harald!

Damit gab es neben dem gezeigten BDms mit blauem Rahmen und Zierstreifen auch mindestens einen mit schwarzem Rahmen (nicht genau zu erkennen, aber wahrscheinlich) und ohne Zierlinie.
Dass es neben dem BDm auch noch ein Bm in dieser Ursprungsvariante von 1974 bis 1990 geschafft hat, ist schon eine große Ausnahme.

Viele Grüße von Steffen
------ Exoten der Epoche IV ------
Exoten der Epoche IV - Beitragsverzeichnis
[www.drehscheibe-online.de]

Mit Kakadu, blau-beigem 515 und vielem mehr...
(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
In eigener Sache:

Ich komme derzeit nicht dazu alle PN zeitnah zu beantworten. Immer wieder bekomme ich Anfragen, ob ich nicht alte Beiträge neu bebildern kann. Wenn es in mein Konzept passt gerne. Aber inzwischen habe ich mich dazu entschlossen, alte Beiträge nur noch in Verbindung mit neuen Beiträgen zu reaktivieren, sofern ein Zusammenhang besteht. Leider ist ein anderes Vorgehen aus Zeitgründen nicht mehr möglich. Hin und wieder Ausnahmen bestätigen eher die Regel.