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Liebe Kollegen,

ziemlich tief in die Tasche musste ich greifen, um nachfolgendes Bild zu erstehen. Aber es ist ein wirklich bemerkenswertes Exemplar! "Bockelmann & Kuhlo" lautet die einzige Beschrifung. Das ist aber keineswegs der Name der gezeigten Ziegelei, sondern der einer Herforder Maschinenfabik, die um 1900 auch elektrische Feldbahnen gebaut hat.


http://www.burkhard-beyer.net/Bockelmann_001_umgekehrt_1200.jpg


Die Feldbahn steht ganz offensichtlich im Mittelpunkt der sorgfältig arrangierten Aufnahme. In der Mitte ist die Lok mit vermutlich fünf leeren Loren (eine davon gebremst) zu sehen, links die Entladeanlage, rechts mutmaßlich das Streckengleis zur Grube. Die beiden Arbeiter halten sich fest, damit das Bild auch bei einer langen Belichtungszeit scharf wird. Im Hintergrund schauen sich drei Arbeiter neugierig das Schaffen des Fotografen an, während die Ziegelei (mit rauchendem Schornstein) voll in Betrieb ist. Die gesamten Werksanlagen sind nagelneu, Feldbahn und Trockenhaus (rechts) entsprechen dem damals neuesten Stand der Technik. Die Oberleitungstechnik einschließlich der beiden "Abspannmasten" ist sicher nicht zufällig mit auf dem Bild, die Einspeisestelle aber nicht zu sehen. Rätselhaft ist der Schuppen über dem Gleis rechts, vermutlich handelt es sich um einen noch nicht ganz fertigen Lokschuppen.

Wo aber kann das Bild aufgenommen sein? Aus Ostwestfalen-Lippe sind gleich mehrere Ziegeleien bekannt, die zumindest kurzzeitig eine elektrische Feldbahn betrieben. Unter den wohlhabenden Ziegeleibesitzern in Ostwestfalen scheint eine elektrische Feldbahn um 1900 geradezu in Mode gewesen zu sein. Vielleicht war es ja auch die ortsansässige Firma Bockelmann & Kuhlo, die eine sehr erfolgreiche Werbung bei den umliegenden Unternehmen betrieb. Die meisten elektrischen Feldbahnen waren kurzlebig, nur das weithin bekannte Dörentruper Netz in Lippe sollte jahrzehntelang in Betrieb bleiben.

Die Ziegelei Dürrkopp in Bielefeld-Dornberg wäre ein heißer Kandidat für das vorliegende Bild. Leider sind derzeit keine Bilder oder Lageplände des Betriebs bekannt. http://www.schmalspur-ostwestfalen.de

Auch die Ziegelei Bethel hatte für kurze Zeit mal eine elektrische Bahn, aber dazu passt der Hintergrund des Bildes überhaupt nicht. http://www.schmalspur-ostwestfalen.de

Belegt ist ein elektrischer Betrieb ferner bei der Von Borries’schen Güter- und Ziegeleiverwaltung (Gut Steinlake) in Kirchlengern. Hier soll es Pläne geben, die ich aber nicht zur Hand habe. http://www.schmalspur-ostwestfalen.de

Schließlich ist noch die Ziegelei des Rittergutes Rothenhoff in Porta Westfalica-Costedt zu nennen. Aber auch hier passt die Umgebung nur schwerlich. http://www.schmalspur-ostwestfalen.de.

Bei Meyer Holsen soll ebenfalls mal eine elektrische Lok abgestellt gewesen sein, aber die frühen Fotos des Werksgeländes zeigen ein völlig anderes Bild.

Sachdienliche Hinweise sind sehr willkommen!

Beste Grüße

Burkhard
Hallo Burkhard,
ein sehr schönes Foto.
Die Oberleitung macht allerdings einen sehr provisorischen Eindruck.
Die Masten sind einfach nur Baumstämme, man sieht noch überall die Astansätze, und die Ausleger nur einfache Latten?
War die Ziegelei vielleicht schon fertig,bevor die richtigen Masten und Ausleger geliefert werden konnten?

gruß aus der Eifel,
Heinz
Die Masten sind keineswegs provisorisch, die sahen bei den Dörentruper Sand- und Thonwerken in den 1980er-Jahren nicht anders aus ...

Re: Elektrische Feldbahn von "Bockelmann & Kuhlo" in OWL

geschrieben von: Rally01

Datum: 01.08.20 22:25

Hallo Burkhard,

Dörentrup ist es nicht.

Die Lage passt nicht. Rechts wäre dann die Strecke von Lage nach Hameln.

Das Gelände ist viel zu flach.

In der Lok ist auch keine Kabeltrommel für die Bahnübergänge zu sehen.

Welche der anderen in Frage kommenden Ziegeleien, hatte denn um die Jahrhundertwende einen Tunnelofen?

Der vordere Schornstein scheint vom Kesselhaus zu sein. Also insgesamt eine recht kleine Ziegelei, wie man auch am Trockenschuppen erkennen kann.

Grüße Ralf
Guten Abend,

Ziegeleien befinden sich üblicherweise dort, wo es geeignete Tonerden gibt,
das ist in der Regel auf dem Lande abseits der größeren Städte.

Die Stromversorgung auf dem Lande steckte um 1900 aber noch in den
Kinderschuhen bzw. war erst in Planung.

Vermutlich wurde diese Feldbahn mit Gleichstrom betrieben, und Gleichstrom lässt
sich bekanntlich über längere Strecken nur mit großen Verlusten übertragen.
Das würde also voraussetzen, dass hier in der Nähe ein eigenes Kraftwerk
existierte oder die Ziegelei selber einen Gleichstrom-Generator betrieb.

Zur zeitlichen Einordnung: das erste Drehstromkraftwerk Deutschlands wurde
von der AEG gebaut und ging 1897 in Oberschöneweide in Betrieb, damals noch
außerhalb von Berlin. Siehe dazu auch: Landesdenkmal-Datenbank Berlin, Kraftwerk Oberspree

Erst mit der Drehstromtechnik konnten schrittweise Verbundnetze aufgebaut werden,
das ging aber erst im Ersten Weltkrieg im größeren Umfang los.

Vielleicht hilft dies bei der Lokalisierung ?

Edit: kleine Ergänzungen

Viele Grüße aus Berlin, Dieter

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 01.08.20 23:51.
Burkhard Beyer schrieb:
Die Masten sind keineswegs provisorisch, die sahen bei den Dörentruper Sand- und Thonwerken in den 1980er-Jahren nicht anders aus ...
...und ebenso bei Stern & Hafferl, nur die Ausleger waren da etwas aufwendiger gestaltet.

Gruß
Wolfgang-D.
das ist ein sehr interessantes Bild!

Ich nehme an, daß das kleine Gebäude neben der Rampe mit dem separaten Schlot die Kraftstation ist - ganz rechts am Gebäude erkennt man zwei Isolatoren und neben dem Gleis ein singulären Mast. Auch der sehr große Haufen Braunkohle links des Feldbahngleises spricht dafür.

Alle Anlagen sehen sehr neu aus, im Gegensatz zu Ralf denke ich aber eher, daß es eine klassische Ringofenziegelei ist.

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(
Danke...Jahrbuch der Elektrotechnik 1912..



https://i23.servimg.com/u/f23/19/77/15/41/sans_t46.jpg

https://i23.servimg.com/u/f23/19/77/15/41/sans_t47.jpg



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.08.20 10:58.
colin hammonds schrieb:
Danke...Jahrbuch der Elektrotechnik 1912..

Hallo zusammen,

Colin Hammonds hat es gerade genannt: Dörentruper Sand- und Thonwerke GmbH: [www.schmalspur-ostwestfalen.de]
Die Bilder gleichen sich sehr.
Schönen Sonntag und liebe Grüße

Michael
Viermonatskind schrieb:
Colin Hammonds hat es gerade genannt: Dörentruper Sand- und Thonwerke GmbH: [www.schmalspur-ostwestfalen.de]
Die Bilder gleichen sich sehr.
Eigentlich nicht! Typisch für die Dörentruper Loks war ein rechteckiger Bügel von der Breite der Lok, der anstelle von nach unten abgewinkelten Auflaufhörnern beidseitig Höcker an der "Schleifleiste" aufwies, die ein Abgleiten des Fahrdahts verhindern sollten. Weichen konnten so nicht befahren werden.

Lyrabügel waren in Dörentrup nie im Einsatz - also definitiv ein anderer Betrieb.

Gruß
Wolfgang-D.
wolfgang-d. richter schrieb:
Viermonatskind schrieb:
Colin Hammonds hat es gerade genannt: Dörentruper Sand- und Thonwerke GmbH: [www.schmalspur-ostwestfalen.de]
Die Bilder gleichen sich sehr.
Eigentlich nicht! Typisch für die Dörentruper Loks war ein rechteckiger Bügel von der Breite der Lok, der anstelle von nach unten abgewinkelten Auflaufhörnern beidseitig Höcker an der "Schleifleiste" aufwies, die ein Abgleiten des Fahrdahts verhindern sollten. Weichen konnten so nicht befahren werden.

Lyrabügel waren in Dörentrup nie im Einsatz - also definitiv ein anderer Betrieb.

Gruß
Wolfgang-D.
Hallo Wolfgang,
vielen Dank für den Hinweis. Ich habe von den Masten, dem Lokomotivkasten und der Verortung "OWL" darauf geschlossen, aber ich bin kein Fachmann und bin gespannt, ob das Rätsel gelöst wird. Diese Stromabnehmer-/Schleifleistenbauart habe ich noch nie zuvor gesehen und das Nichtbefahrenkönnen von Weichen erscheint doch sehr unpraktisch. [www.die-zugfolgestelle.de]
Danke und Grüße

Michael
Doch, Weichen konnten auch in Dörentrup befahren werden. Es musste nur immer rechtzeitig kurz an der gut sichtbaren Leine gezogen werden, um den abzweigenden Fahrdraht zu umgehen. Meist werden die Fahrdrähte aber so locker gewesen sein, dass sich der Bügel auch ohne Korrektur "zurecht ruckelte" – zumindest bei Befahrung der Weiche in einer Richtung.

Viele Grüße

Burkhard
Na, so ähnlich habe ich es mir vorgestellt.
Dabei ist dieses pragmatische Verfahren keineswegs nur als "Feldbahn-Provisorium" zu verstehen - in den letzten Jahren des Drehstrombetriebs in Oberitalien legten die Lokführer lieber die Bügel bei Einfahrt in die Bahnhöfe ab, als wegen Fahrdrahtsalats nicht wieder hinaus zu kommen...

Gruß
Wolfgang-D.

Re: Elektrische Feldbahn von "Bockelmann & Kuhlo" in OWL

geschrieben von: Rally01

Datum: 02.08.20 19:00

Hallo Burkhard,

Außerdem hatten wir ja auch immer eine "Plattschüppe" dabei.
Damit konnte man den Fahrdraht ja auch hochdrücken,wenn er z.B. beim
Richtungswechsel im Weg stand. Bei 220 V Gleichstrom konnte der Schüppen Stil auch ruhig feucht sein....

Die Dörentruper Lorenbahnen


Grüße
Ralf

Re: Elektrische Feldbahn von "Bockelmann & Kuhlo" in OWL

geschrieben von: X73900

Datum: 02.08.20 21:03

Hallo,

vielen Dank für das interessante Bild!

wolfgang-d. richter schrieb:
Eigentlich nicht! Typisch für die Dörentruper Loks war ein rechteckiger Bügel von der Breite der Lok, der anstelle von nach unten abgewinkelten Auflaufhörnern beidseitig Höcker an der "Schleifleiste" aufwies, die ein Abgleiten des Fahrdahts verhindern sollten.
Ich möchte zunächst klarstellen, dass ich keinerlei Kenntnisse zum Dörentruper Betrieb habe und bitte daher vorab alle Fachleute und Ortskundigen um Nachsicht, falls ich etwas falsches schreibe. Das eingestellte Bild hat mich trotzdem so stark interessiert, dass ich die sehr interessante Website [www.schmalspur-ostwestfalen.de] durchstöbert habe. Dort ist auch eine Festschrift des Dörentruper Betriebs von 1926 eingestellt. 1926 scheinen mir die Bügel nicht diese Höcker zu haben, sondern erinnern doch stärker an einen Lyrabügel, auch wenn es keineswegs der Bügel aus dem eingestellten Foto ist. Waren also über die Jahre unterschiedliche Bügeltypen im Einsatz?

Link zur Festschrift: [www.schmalspur-ostwestfalen.de]

Direktlink auf ein Bild:

https://www.schmalspur-ostwestfalen.de/imgs/DSTW/750-25JahreDSTW010.jpg

Gruß
X73900
Es ist durchaus möglich, dass es in Dörentrup eine Entwicklung bei den Stromabnehmern gab. Wie groß der Anteil von Bockelmann & Kuhlo an den dortigen Loks war, ist ja auch nach wie vor unklar. Gut möglich, dass sich die frühe Form nicht bewährt hat und durch die selbst konstruierte "sicherere" Variante ersetzt wurde. Der von mir gezeigte Lyrabügel stellt zweifellos höhere Ansprüche an die Fahrleitug, bei zu wenig gespanntem Fahrdraht rutscht dieser leicht seitlich weg. In der Sandgrube mit den ständig wechselnden Gleislagen war das vermutlich keine sehr betriebssichere Variante. Bevor jetzt die Frage kommt warum man sich eine elektrische Bahn in der Sandgrube überhaupt angetan hat: Der hochwertige Sand durfte nicht verunreinigt werden, Dampflock und Pferde kamen da nicht in Frage.

Viele Grüße

Burkhard

Bitte mal weiter denken!

geschrieben von: cw

Datum: 02.08.20 22:08

Das ist ein schönes und interessantes Foto, und danke an Burkhard fürs hier mit uns Teilen!

Die Ziegelei muss aber nicht in Ostwestfalen-Lippe sein, und erst recht nicht unbedingt in Dörentrup, nur weil es dort ähnliche Loks des gleichen Herstellers gab.

Aber bedenkt bitte, dass so eine Firma nicht nur den näheren Umkreis beliefert haben muss. Mit ihren Kirchenglocken-Antrieben war die Firma Bockelmann & Kuhlo ja auch mindestens deutschlandweit vertreten.

Weiter kommen wir hier vielleicht, wenn zufällig das Ziegeleigebäude identifiziert werden kann, oder sonst noch eine Quelle auftaucht.

Weiß denn jemand, in welchem Zeitraum Bockelmann & Kuhlo überhaupt bestand, oder noch besser, in welchem Zeitraum sie Feldbahnloks bauten?

Christopher

Re: Bitte mal weiter denken!

geschrieben von: Dieter Weißbach

Datum: 02.08.20 22:27

... vielleicht hilft der Hinweis von Burkhard weiter, dass der elektrische Betrieb trotz des höheren Aufwandes
eingerichtet wurde, um den hochwertigen Sand (oder auch andere hochwertige Erden) nicht zu verunreinigen.
Mir fällt da spontan feines Porzellan ein.

Viele Grüße aus Berlin, Dieter

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