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München - Salzburg 1854

geschrieben von: Walter aus Bayern

Datum: 01.08.20 19:36

Hallo,
und weiter geht es:

Münchner Neueste Nachrichten
Sonntag, 1. Januar 1854
Nr. 1
** München, 31. Dec. - Der Kaiser von Oesterreich hat gestern Abend nach 10 Uhr mittelst Extrabahnzugs die Rückreise nach Wien - über Hof, Leipzig und Prag - angetreten.

Augsburger Tagblatt
Montag, 23. Januar 1854
Nr. 23
Vermischte Nachrichten
München, 17. Jan. An der Eisenbahnbrücke über die Isar bei Großhesselohe arbeiten gegenwärtig 1200 Personen. Ein Pfeiler hat bereits die nöthige Höhe von 100 Fuß erreicht. Der Ausbau der übrigen drei Pfeiler sowie der beiden Widerlager steht voraussichtlich bis zum kommenden Herbst zu erwarten.

Augsburger Tagblatt
Donnerstag, 9. Februar 1854
Nr. 40
Vermischte Nachrichten.
Die erste Strecke der Münchener=Salzburger=Eisenbahn von München bis an die Isar nach dem Vergnügungsplatze Großhesselohe, die bis auf die Schienenlegung fast fanz vollendet ist, soll bis Ostern dem Betrieb übergeben werden. Zu Anfang des Sommers, und wahrscheinlich noch vor Beginn der Industrie=Ausstellung, wird die Bahnstrecke von Schweinfurt bis Würzburg in Betrieb gesetzt werden können, da die Arbeiten daselbst schon sehr weit gediehen sind.

Münchner Neueste Nachrichten
Dienstag, 14. März 1854
Nr. 73
* München, 13. März. Gestern wurde an der Eisenbahnbrücke bei Menterschwaig ein schönes Fest gefeiert. Nachdem den ganzen Winter hindurch Tag und Nacht, auch bei der strengsten Kälte, gearbeitet worden und die schwere Fundirung der neuen zur Erweiterung der Brücke dienenden Theile soweit gediehen ist, daß jetzt wieder an drei Stellen mit Mauern begonnen werden kann, so wurde dieser Zeitpunkt als angemessen erachtet, an dem neuen Pfeiler den ersten Stein mit einem frommen Spruch, dem sich ein Toast auf den erhabenen Gründer solcher landesnützlichen Bauwerke anreihte, einzusenken. Die Gerüste um die Baugrube waren einfach, aber schön geschmückt und das Ganze von einer zahlreichen Menschenmenge, die das schöne Frühlingswetter ins Freie gelockt hatte, sehr belebt.

Augsburger Postzeitung
Montag, 10. April 1854
Nr. 98
Die Eisenbahnstrecke von hier bis Großhesselohe, die erste Strecke der München=Salzburger Eisenbahn, naht der Vollendung, denn man ist bereits mit dem Legen der Schienen beschäftigt.

Augsburger Postzeitung
Freitag, 5. Mai 1854
Nr. 122
Von Rosenheim wird gemeldet, daß der Bau der dortigen Eisenbahnbrücke über den Inn rasch voranschreitet. Die sechs Pfeiler dieser riesigen Brücke sind bereits fundirt.

Augsburger Postzeitung
Montag, 29. Mai 1854
Nr. 146
§ München, 28. Mai. Es ist vor wenigen Tagen in öffentlichen Blättern behauptet worden, die Subscriptionen zum Eisenbahnanlehen würden in bisheriger Weise fortdauern. Dies ist unrichtig. Schon vor einigen Tagen hat das Staatsministerium der Finanzen beschlossen, daß das 4 1/2 procentige Anlehen mit dem 31. l. Mts. geschlossen wird und nur die Annahme von Eisenbahnanlehen zu 4 pCt. (Arrosivanlehen) bis auf weiteres stattfindet. In denselben Blättern wurde behauptet, die bayerischen Eisenbahnbauten würden auch in nächster Zeit in dem bisherigen Umfange fortgeführt. Auch dieses ist unrichtig. Die Mittel zur Vollendung der Mainstrecken sind geschaffen - wenn auch mit Opfern - man muß es doch der Staatsregierung herzlich danken, denn wäre der Ausbau der Westbahn ins Stocken gerathen, der Staat würde sicherlich mehr als zehnfachen Schaden erlitten haben. Anders verhält es sich aber mit dem Bau der München=Salzburger Bahn. Dieser ist bereits factisch beschränkt bis auf jene Arbeiten, welche die längste Zeit erfordern; die Erdarbeiten sind eingestellt. Wer einen Blick auf die Verhältnisse Oesterreichs wirft, findet erklärlich, daß es bei der längeren Fortdauer derselben den vertragsmäßigen Stipulationen zum Anschlusse bei Salzburg nicht wohl nachkommen kann. Was ist zu thun? Gewiß, kein Vernünftiger wird hiezu Ja sagen. Es kann daher gar nicht befremden, wenn in nächster Zeit die Arbeiten auf der Salzburger Linie österreichischer= und bayerischerseits gänzlich eingestellt werden. Anzeichen hiefür sind genug da.

Augsburger Abendzeitung
Donnerstag, 8. Juni 1854
Nr. 159
- e München, 6. Juni. - Der Bau der großen steinern Brücke über die Isar bei Hesselohe geht mit raschen Schritten vorwärts, da die bedeutenden Unterbauten vollendet sind, und gewährte der Anblick der vier Riesenpfeiler, die sich bereits über 60 Fuß hoch aus dem Wasserspiegel erheben, den zahlreichen Lustwandlern während der verflossenen Feiertage im Hinblick auf die bald über diesen Abgrund hinübergleitende Eisenbahn ein eigenthümliches Vergnügen. Der Bau fesselt in der That in jeder Beziehung unsere Aufmerksamkeit. Aus dem wenigstens 150 Fuß tiefen Isarthal mit schroffen, wild bewachsenen Abhängen, an deren Rand wir nur schwindelnd uns nahen, steigen die kolossalen Bauten herauf, welche als Pfeiler einer wie es scheint selbst dem gewaltigsten Anstoße des angeschwollenen Flusses widerstehenden Brücke dienen sollen. Um den Besuchern den Uebergang über die Isar schon jetzt zu gestatten, so wie auch um die gewaltigen Steinmassen von den hohen Ufern nach dem Platze ihrer Bestimmung zu befördern, ist neben den Brückenbauten eine hölzerne Interimsbrücke aufgeschlagen, von welcher aus man das ganze Staunen erregende Werk, so wie die zur Erleichterung und Vereinfachung der Arbeit errichteten Maschinen bequem übersehen kann. Eine Treppe von 150 Staffeln führt vom rechten Ufer bis zur hölzernen Brücke die noch bedeutend über den Wasserspiegel sich erhebt.

Augsburger Postzeitung
Montag, 12. Juni 1854
Nr. 159
Ein Stück der Münchener=Salzburger=Bahn ist fertig. Es ist die Strecke von hier nach dem zwei Stunden entfernten Großhesselohe. Die Eröffnung derselben findet nächsten Freitag, am Tage des Patrons (Benno) der Stadt München und des ehemaligen Herzogthums Bayern, statt. Großhesselohe ist bekanntlich ein stark besuchter, reizend gelegener Vergnügungsort. Dort wird die kolossale Eisenbahnbrücke mit hundert Fuß hohen Pfeilern über die Isar gebaut. Einstweilen führt eine provisorische Brücke über den Fluß. Die Eisenbahn dorthin dürfte sich einer um so größeren Frequenz zu erfreuen haben, als das jenseitige Ufer eine der schönsten Partien über die Menterschwaige nach München zurück bietet.

Münchner Neueste Nachrichten
Donnerstag, 15. Juni 1854
Nr. 166
** München, 14. Juni. - Die von einigen Bl. gebrachte Nachricht, daß die Bahnstrecke von hier bis Großhesselohe diesen Freitag dem Betriebe übergeben werde, können wir als verfrüht bezeichnen. Der Tag solcher Eröffnung ist auch heute noch nicht bestimmt.

Augsburger Abendzeitung
Sonnabend, 17. Juni 1854
Nr. 168
München, 16. Juni. Die von öffentlichen Blättern auf heute angekündigte Strecke der München=Salzburger Eisenbahn bis Großhesselohe fand nicht statt und wird wahrscheinlich erst im Laufe der künftigen Woche die erste Probefahrt auf besagtem Bahnabschnitt vor sich gehen können. Die Arbeiten auf einem großen Theil der Bahn werden, namentlich in der Gegend von Rosenheim und Traunstein, fortwährend eifrig betrieben, insbesondere ist der Brückenbau bei letztgenanntem Orte in schönstem Gange. Es hat allen Anschein, daß bayerischer Seits nichts vernachlässigt wird, um die Bahn der Vollendung nahe zu bringen, wenn auch die Annäherung von österreichischer Seite gewährten Hoffnungen zu allgemeinem Bedauern in die Ferne gerückt sind.

Augsburger Postzeitung
Dienstag, 20. Juni 1854
Nr. 167
§ München, 18. Juni. Meine kürzliche Mittheilung über die baldige Einstellung der Arbeiten auf der München=Salzburger= und Rosenheim=Kufsteiner=Bahnstrecke hat durch eine Ministerial=Verfügung theilweise Bestätigung gefunden. Es sind nämlich die Eisenbahnsectionen Fischbach, Prien und Teisendorf zu sistiren und das Personal dieser Stellen zur Projection der München=Landshuter= resp. Nürnberg=Regensburger Linie zu verwenden.

Augsburger Postzeitung
Dienstag, 20. Juni 1854
Nr. 167
Nachdem man schon am Freitag die Bahnstrecke nach Großhesselohe in Betrieb setzen wollte, haben sich neuerdings Schwierigkeiten ergeben, wonach die Eröffnung um mehrere Tage hinausgerückt wird.

Augsburger Abendzeitung
Freitag, 23. Juni 1854
Nr. 174
München, 22. Juni. Gestern fand die erste Probefahrt auf der Bahnstrecke von hier nach Großhesselohe statt, und wurde die Eröffnung für das Publikum auf nächsten Samstag festgesetzt. Abgesehen von der Frequenz der Ausflüge nach den beliebtesten Luftplätzen Menterschwaig, Grünwald, Großhesselohe, Pullach etc., die eine reiche Ernte für diese kleine Bahnstrecke in Aussicht stellen, dürfte Letztere auch lucrativ werden durch den erleichterten Verkehr mit dem uns hiedurch näher gerückten Oberlande und seinem Reichthum an Naturprodukten aller Art. Daß der Weiterbau auf dem jenseitigen Isarufer nach Kräften fortgesetzt wird, liegt im allgemeinen Interesse. Eine recht wohlthuende Wirkung nach vielen Seiten hin übt auch die erst theilweise hergestellte München=Starnberger Eisenbahn, deren Weiterbau von Pasing nach Planegg so eifrig betrieben wird, daß die Vollendung der ganzen Bahn wohl noch vor der angesetzten Frist zu Stande kommen wird.

Münchner Neueste Nachrichten
Samstag, 24. Juni 1854
Nr. 175
** München, 23. Juni. Morgen Samstag wird die Eisenbahnstrecke von hier bis Großhesselohe vorerst nur für Personenbeförderung eröffnet. Täglich finden drei Fahrten hin und zurück, mit jedesmaligem Anhalten in Mittersendling statt, und zwar Abfahrt von hier: Früh 8 Uhr, Nachm. 3 Uhr und Abends 7 Uhr, und von Großhesselohe zurück: Früh 8 Uhr 40 Min., Nachm. 3 Uhr 40 Min. und Abends 7 Uhr 40 Min. Fahrzeit von hier bis Mittersendling 10 Minuten, bis Großhesselohe 20 Min. Fahrpreise: bis Mittersendling I. Wagen=Klasse 12 kr., II. Kl. 9 kr., III. Kl. 6kr.; bis Großhesselohe I. Kl. 21 kr., II. Kl. 15 kr., III.. Kl. 12 kr. Bei dieser Gelegenheit machen wir auf das zunächst der Anhaltsstelle Mittersendling gelegene freundliche Thalkirchen aufmerksam, woselbst die bekannte, gut bestellte Gastwirthschaft, mit schönem, schattigen Garten, auf das zweckmäßigste und eleganteste neu restaurirt wurde. Dasselbe gilt für die über der Isar gelegene Menterschwaige.

Augsburger Abendzeitung
Sonntag, 25. Juni 1854
Nr. 176
München, 24. Juni. Heute Morgen 8 Uhr fand die Eröffnung der Eisenbahnstrecke von hier nach Großhesselohe statt. Die Fahrt wurde in 20 Minuten zurückgelegt. Der Vorstand der Generaldirektion der königl. Verkehrsanstalten, Herr Ministerialrath Freiherr von Brück, nebst einigen anderen Mitgliedern der genannten Behörde wohnten der Eröffnungsfahrt bei. Trotz der unfreundlichen Witterung hatte sich an der Haltestelle zu Mittersendling und zu Großhesselohe selbst eine große Menge eingefunden und harrte vor dem reich mit Kränzen und Fahnen geschmückten Stationsgebäude der Ankunft des Zuges. Zu Mittersendling wurde derselbe auch mit Böllerschüssen begrüßt. Herr Generaldirektor Frhr. v. Brück nahm dort die Lokalitäten des Stationsgebäudes in Augenschein, dann in Großhesselohe die provisorische Haltestelle. Nach einem Aufenthalte von 20 Minuten wurde die Rückfahrt angetreten, und nach 9 Uhr langte der Zug in München wieder an.

Münchner Neueste Nachrichten
Sonntag, 25. Juni 1854
Nr. 176
** München, 24. Juni. - Die mehrseitige Angabe, daß der Weiterbau dieser Bahn (München - Salzburg; Walter) gänzlich eingestellt, ist unrichtig; nicht alle Bausektionen wurden aufgehoben, jene zu München, Holzkirchen, Rosenheim und Traunstein verbleiben in Thätigkeit.

Augsburger Postzeitung
Montag, 26. Juni 1854
Nr. 172
München, 24. Juni. Gestern wurde die Eisenbahn von hier nach Großhesselohe eröffnet. Eine weitere Strecke der München=Salzburger Bahn wird erst dann in Betrieb gesetzt werden können, wenn die großartige Eisenbahnbrücke über die Isar vollendet ist, was freilich vor einem Jahre nicht der Fall seyn dürfte, obwohl an derselben fortwährend sehr thätig gearbeitet wird, und der Bau auch schon, was das Mauerwerk betrifft, ziemlich weit gediehen ist.

Augsburger Postzeitung
Montag, 26. Juni 1854
Nr. 172
München, 25. Juni. Die gestern eröffnete Eisenbahnstrecke von hier bis Hesselohe wurde bei der günstigen Witterung am heutigen Tage so außerordentlich stark vom Publikum benützt, daß mehrere Extrazüge nothwendig waren und nicht nur alle vorhandenen Personenwagen, sondern auch Viehtransportwagen angehängt werden mußten, um das fahrlustige Publikum befriedigen zu können; viele Personen mußten dessen ungeachtet schon am Bahnhofe wieder umkehren, da es ihnen bei dem starken Andrang und der ganz ungeeigneten Localität zum Billetverkauf nicht möglich war, eine Fahrkarte zu bekommen.

Augsburger Abendzeitung
Dienstag, 27. Juni 1854
Nr. 178
Nur auf der Eisenbahnstrecke von Rosenheim bis Salzburg hat eine theilweise Einstellung der Arbeiten zeitweise stattgefunden, während auf der Strecke von Rosenheim nach Kufstein - München = Kufstein = Innsbrucker = Bahn - dies nicht der Fall ist, vielmehr werden auf dieser Strecke die Arbeiten nach wie vor fortgeführt werden.

Augsburger Abendzeitung
Donnerstag, 29. Juni 1854
Nr. 180
Die Einstellung der Arbeiten auf der München=Salzburger Eisenbahnlinie ist nun eingetreten. Die beiden Bausektionen Prien und Teisendorf werden sofort, die Sektion Traunstein Ende dieses Jahres aufgelöst. Bis dahin wird nämlich der Bau der Eisenbahnbrücke über die Traun so weit fortgeschritten seyn, daß eine Beschädigung durch Hochwasser nicht mehr zu befürchten ist. Die Sektionen München, Holzkirchen und Rosenheim auf der München=Rosenheimer, dann die Sektion Fischbachau auf der Rosenheim=Kufsteiner Linie bleiben, da diese Linien auf jeden Fall baldmöglichst zur Ausführung kommen sollen, wenn auch die Rosenheim=Salzburger Strecke auf längere Zeit ausgesetzt bleiben würde.

Münchner Neueste Nachrichten
Sonntag, 2. Juli 1854
Nr. 183
** München, 1. Juli. - Mit heute ist abermals ein neuer Fahrtenplan für die bayer. Eisenbahnen, die inzwischen eröffneten Bahnstrecken von hier bis Großhesselohe und von Schweinfurt bis Würzburg enthaltend, ins Leben getreten.

Augsburger Postzeitung
Mittwoch, 5. Juli 1854
Nr. 181
München, 3. Juli. Auch die neuerlichen Angaben in der Allg. Zeitung "daß die Arbeiten von Rosenheim nach Kufstein" nach wie vor fortgeführt werden, kann ich Ihnen als vollständig grundlos bezeichnen. Es geht ja dieses schon aus der Auflösung der an der Strecke von Rosenheim nach Kufstein gelegenen Eisenbahnbausection Fischbach selbstverständlich hervor. Nur von hier nach Rosenheim bleiben die Arbeiten weniger beschränkt, während sie auf allen anderen Linien lediglich den wichtigsten Bauobjecten zuzuwenden sind. Schon längst ist dieß so allgemein bekannt, daß man nur staunen muß, wie gegentheilige Angaben auftauchen können.

Augsburger Postzeitung
Mittwoch, 29. November 1854
Nr. 327
Die bereits erwähnte Interpellation des Fürsten Wallerstein in Betreff der Salzburger Eisenbahn lautet im Wesentlichen: "Im Frühjahr 1852 beantragte die Staatsregierung den Bau einer Eisenbahn von München über Rosenheim nach Salzburg und einer Zweigbahn nach Kufstein. In den beigefügten Beweggründen und im Laufe der Verhandlungen bezeichnete sie dieß Unternehmen nicht nur als "wünschenswerth", sondern als "eigentlich nothwendig", als "schlechthin unvermeidlich"; auch that sie wiederholt dar, wie der Bau sofort in Angriff genommen werden müsse, da nach dem Vertrag, welcher eher am 21. Juni 1851 zwischen Bayern und Oesterreich abgeschlossen worden, die Vollendung auf den 1. März 1856 festgestellt sey. Nie wurde ein Regierungsvorschlag einmüthiger und freudiger begrüßt. In der That handelte es sich um eine Lebensfrage unseres Wohlstandes und unserer Bedeutsamkeit in Handelsbeziehungen. Es handelte sich um Erhaltung oder Untergang des hochbedeutsamen südlichen Landtransits nach dem Osten, um jene große Verkehrsader, welche die Früchte unseres Fleißes einerseits über Bruck a. d. Mur nach Ungarn, den südslavischen Ländern und dem adriatischen Meer, andererseits durch Tirol nach Verona führen soll, von wo aus ihm bald die Verbindung mit den vier großen Handelsplätzen Triest, Venedig, Genua und Livorna offenstehen wird.
Ueberdieß verkannte man das große Opfer nicht, welches Oesterreich durch den directen Bau von der Reichsgränze bis Bruck a. d. Mur brachte. Man würdigte es, daß mittelst dieser Verbindung unsere Güter die Concurrenz mit den österreichischen zu halten vermögen, während der ungeheuere Umweg von Salzburg über Linz und Wien nach demselben Bruck von wegen der fast verdoppelten Transportkosten eine solche Concurrenz thatsächlich zur Unmöglichkeit machen würde. Man erblickte in dem Zugeständnis Oesterreichs die segensreiche Frucht der unerschütterlichen Hingebung, womit Bayern in den sturmbewegten Tagen von 1848 und 1849 an der großdeutschen Tragweite Idee festgehalten; man erblickte in demselben den Beweis eines innigen Verständnisses unserer Regierung mit der des Kaisers Franz Joseph; man freute sich, unser Land durch eine neue materielle Bürgschaft von unberechenbarer Tragweite mit jenem alten Kaiserstaate verknüpft zu sehen, auf welchen unsere Politik durch die Gestaltung der jüngsten Jahrzehnte unabweislich und unwiderruflich hingewiesen ist; man wünschte unserer Regieurng aufrichtig Gück zu dem errungenen Erfolge, so wie zu ihrer daraus hervorleuchtenden richtigen Auffassung jener Lehre, aus welcher allein Deutschlands verjüngte Größe und europäische Machtstellung zu entquellen vermag. Einstimmig kam daher der Beschluß zu Stande, wodurch die Kammer den Bau der Salzburger und Kufsteiner Bahn votirte, das bevoranschlagte Baucapital von 16 Millionen 900.000 Gulden bewilligte, die Staatsregierung zur Conzessionnierung einer Aktiengesellschaft mit 25jähriger Zinsgarantie u.s.w. ermächtigte, und für den Fall eines Baues aus Staatsmitteln dem Finanzminister einen Anlehencredit von 10 Millionen eröffnete.
Schon am 7. Mai 1852 wurde das Gesetz publiciert, und die Arbeiten begannen sofort. Im letzten Sommer aber wurden dieselben plötzlich eingestellt, und neuestens wird ein sancitonirtes österreichisches Eisenbahnnetz veröffentlicht, worin von der Salzburg=Brucker Bahn gar keine Erwähnung mehr geschieht, also der bayerische Verkehr wirklich auf die ungeheure Krümmung über Linz und Wien verwiesen wird. Eine solche Erscheinung kann nicht umhin, die tiefste Bestürzung zu erzeugen; namentlich fühlen sich die altbayerischen und schwäbischen Gebietstheile in dem Mark ihrer Interessen ergriffen. Man fragt sich, was muß geschehen seyn, damit ein in gegenseitiger Herzlichkeit zu Stande gebrachtes Ergebnis plötzlich also zu zerrinnen vermag? Man forscht, ob etwa die Wechselbeziehung beider Regierungen erkaltet, ob Oesterreich vielleicht zu der Ansicht gelangt sey, Bayerns Freundlichkeit sey zu wankend, sie zeige sich in dem jetzigen welthistorischen Moment zu wenig entschieden und thatbereit, um ein Zugeständnis wie jenes aufzuwiegen, das dem bayerischen Handel und Verkehr sogar auf Kosten der eigenen Kaiserstadt begünstigen wollte. Man bringt die erschütternde Thatsache unwillkürlich in Verbindung mit jener beklagenswerthen Folge deutscher Zweispaltung, welche das zu einer welthistorischen Rolle berufene Mitteleuropa in unfruchtbaren Erörterungen und Canzleispitzfindigkeiten sich abmühen läßt, während die Welt in ihren Angeln bebt. Man bringt sie in Verbindung mit den notorischen Schwankungen deutscher Politik, vermöge deren Deutschland in dem Augenblicke disputirt, wo blutige Würfel über die Frage rollen, ob Sebastopol am schwarzen Meer ein ewig drohendes Arsenal des nordischen Kolosses zu bilden habe, und ob derselbe eiserne Wille, der seit Jahrzehnten im Widerspruch mit feierlichen Verträgen durch gewaltsames Unterbinden der Donaumündungen dreißig Millionen Deutsche von der Benützung ihres eigenen Stromes ausschloß, von ferner das schwarze Meer in einen russischen See und die "freie Donauschifffahrt" thatsächlich in einen leeren Schall verwandeln dürfe; - man bringt jene Thatsache in Verbindung mit Schwankungen, vermöge deren wir kaltblütig zusehen, wie eine unbestreitbar auch für deutsche Interessen kämpfende Heldenschaar Gefahr läuft, gegenüber der Uebermacht in rühmlichen Siegen zu verbluthen; - mit Schwankungen, welche den Wohlstand wie den Handel und Wandel der mitteleuropäischen Bevölkerung aufzehren, nicht etwa um diesen Bevölkerungen mit Wahrscheinlichkeit die Wechselfälle des Krieges zu ersparen, sonder aller Berechnung nach, um dieselben durch einen noch verderblichen bewaffneten Frieden zuletzt dennoch dem Entscheidungskampfe zuzuführen, und, um es dahin zu bringen, daß der Kern unseres Welttheils, der beim Beginn der Verwicklungen durch ein einmüthiges Auftreten den ganzen Zusammenstoß hätte meistern können, im entscheidenden Moment als Spielball, vielleicht sogar zum neunundneunzigstenmal als Zahler der sich einigenden Gegner auf dem Schauplatz erscheine. That je dem Lande Gewißheit Noth, so ist es hier der Fall. Ich erlaube mir daher an das Ministerium folgende Fragen: 1) Ist die München Salzburg=Brucker Bahn aufgegeben? 2) Ist jedenfalls die München Kufstein=Bozen Veroneser Bahn in ihrer vollen Ausdehnung gesichert? 3) Wird jedenfalls diese letztere innerhalb des vertragsmäßigen Termins vollendet? 4) Ist auf das Bauen duch eine Privatgesellschaft verzichtet? 5) Ist das Anlehen zu 10 Millionen realisirt, und bis zu welchem Betrage? 6) Ist der bisher für den Bau nicht verwendete Theil des Anlehens seinem Zwecke vorbehalten und sonach baar vorhanden?"

Münchner Neueste Nachrichten
Sonntag, 3. Dezember 1854
Nr. 337
°+ München, 2. Dez. (22. Sitzung d. Kammer d. Abgeordneten.).....
Fürst Wallerstein hatte kürzlich das Handelsministerium interpellirt: Ob die München = Salzburg = Brucker Bahn aufgegeben, ob jedenfalls die München = Kufstein = Bozen = Veroneser BAhn in ihrer vollen Ausdehnung gesichert sey und innerhalb des vertragsmäßig festgesetzten Zeitpunktes vollendet seyn werde , - ob auf das Bauen durch eine Privatgesellschaft verzichtet, - ob das Anlehen zu 10 Millionen realisirt und der bisher für den Bau nicht verwendete Theil der Realisirung seinem gesetzlichen Zwecke reservirt, sonach baar vorhanden sey? Heute antwortete Ministerpräsident Frhr. v. d. Pfordten darauf: die kaierl. österreichische Regierung habe untem 12. Mai l. J. erklärt, daß sie die Bahn von Salzburg bis an die bayerische Grenze baue, da sich aber die Ausführung der Bahn von Salzburg nach Bruck als kaum möglich zeigt, sie eine Modifikation des Vertrags von 1850 wünsche, und zur Zeit hierüber noch Unterhandlungen gepflogen werden. Die Eisenbahn von Kufstein nach Innsbruck will die österr. Regierung bis zum vertragsmäßigen Zeitpunkte vollenden, aber eine vertragsmäßige Verpflichtung zum Bau der Bahn von Innsbruck nach Bozen bestehe nicht, und sie ist im Vertrag von 1850 nur für den Fall vorgesehen, wenn ihre Ausführung technisch möglich erscheint. Von den im Ganzen zum Eisenbahnbau bewilligten 48 Mill. Gulden seyen bis zum 1. Okt. 1854 über 42 Mill. realisirt und dem Zwecke entsprechend, mit nur zwei Ausnahmen, verwendet worden. Diese betreffen die Instandsetzung der Donaudampfschifffahrt, wozu die durch das Gesetz vom Nov. 1853 bewilligten Summen aus dem Eisenbahnbaufonde verwendet, und die Bestreitung der Kosten für die allgem. deutsche Industrie=Ausstellung, welche die Regierung auf ihre Verantwortung gleichfalls aus diesem Fond vorschußweise unternommen habe. Außer diesen zwei Fällen fand keine andere Verwendung der bewilligten Summen, als lediglich für den Eisenbahnbau statt. - .....

Augsburger Tagblatt
Mittwoch, 13. Dezember 1854
Nr. 342
Für die Wiederaufnahme des wegen Terrain=Schwierigkeiten sistirten Baues der München=Salzburger Eisenbahn soll insorferne wieder einige Hoffnung seyn, als von der österreichischen Regierung ein neuer Bauplan in München eingetroffen ist, welcher jene Schwierigkeiten zu beseitigen verspricht.

Walter

Re: München - Salzburg 1854

geschrieben von: Breitspur

Datum: 01.08.20 20:52

Wieder einmal vielen Dank für das einstellen der Artikel Walter!
Freue mich jedes Wochenende auf die Fortsetzung der Artikelserie.

Grüsse aus Russland,
Christian