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? Bahnsteiglängen an der KBS 440 (ex360)

geschrieben von: kts

Datum: 01.08.20 09:51

Hallo miteinander,
ich möchte mal das geballte Fachwissen anzapfen.
An der Kursbuchstrecke 440 waren viele Bahnsteige früher deutlich länger, allerdings gab es auch Unterschiede. Diese an der Bedeutung des Bahnhofs/Haltepunkt festzumachen war mein erster Impuls, allerdings gibt es etliche Bahnhöfe, die da nicht reinpassen wollen. Viele bedeutende Stationen hatten Kantenlängen von über 600m Finnentrop, Altenhundem, Kreuztal, Weidenau um mal ein paar zu nennen, die mir so im Gedächtnis geblieben sind. Andere von niederem Rang hatten nur 200-300m Kantenlänge - hier wären Weidenau Nord, Buschhütten, Eichen, Benolpe Beisspiele. aber es gibt auch Beispiele die aus diesem System rausfallen: Siegen mit 450m, Geisweid mit 720m, Krombach mit 650m, Welschen Ennest mit 680m. Während ich Geisweid als möglicher Aufmarschbahnhof noch nachvollziehen kann , ist Krombach heute aufgelöst und Welschen Ennest hatte weniger Einwohner wie Benolpe. Daher hoffe ich, das hier das geballte Fachwissen meine Wissenslücke füllen kann
freundlicher Gruß
kts

Re: ? Bahnsteiglängen an der KBS 440 (ex360)

geschrieben von: Diesel73

Datum: 01.08.20 12:19

Hallo kts,
schau Dir mal unter "sporenplan.nl" die Gleispläne der BD Wuppertal an. Dort müssten die Bahnsteiglängen aus den 50er Jahren angegeben sein.

Gruß
Diesel73

Re: ? Bahnsteiglängen an der KBS 440 (ex360)

geschrieben von: alte Bahn

Datum: 01.08.20 12:34

Hallo Kts,

früher gab es keine einheitliche Zuglänge für die auf einer Strecke verkehrenden Züge. Alle Züge führten mehr oder wenige Reisezugwagen abhängig von der Nachfrage. Taktfahrpläne gab es nur bei S- Bahnen oder ähnlich wie S- bahnen (Beispiel Schwelm- Wuppertal- Elberfeld - Wuppertal- Vohwinkel).Nach dem morgendlichen Berufsverkehr wurden einige Wagen abgehängt und am späten Nachmittag beigestellt. Wegen der noch nicht bekannten gleitenden Arbeitszeit kam es für wenige Züge zu einer hohen Nachfrage. Auch die Geschäfte hatten weitgehend einheitliche Öffnungszeiten, so das z.B. am Abend die Nachfrage viel kleiner war als heute. Dann fuhren nur noch Schichtarbeiter zum Nachtdienst. Bahnhöfe mit haltenden Schnell- und Eilzügen muussten längere Bahnsteige als andere haben.

In den 1950er Jahren wurden nach Einführung der Schienenbusse zusätzliche Haltepunkte mit kurzen Bahnsteiglängen eingeführt, wo nur Schienenbusse hielten.

Gruß alte Bahn

Re: Wurden länger und heute wieder kürzer

geschrieben von: V80max1

Datum: 01.08.20 12:50

Hallo,


mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit wurden vielfach Bahnsteige verlängert, weil sich die Reisendenzahlen erheblich steigerten und auch der Fernverkehr (Urlaubsreisen) zunahmen.

Mit der beginnenden Rezession Ende der 1980er-Jahre ging es dann auch sowohl im Personenverkehr als auch im Gütervehr stark bergab,geschlossene Unternehmen haben dafür gesorgt, das sich auch viele Menschen in andere Regionen begeben haben und daher zum B. Welschen-Ennest ein "Rentner-Dorf" geworden ist.

mit freundlichen Grüßen aus dem (Nicht mehr Kohlen) Pott

Karl

Re: ? Bahnsteiglängen an der KBS 440 (ex360)

geschrieben von: kts

Datum: 03.08.20 10:54

Die Theorie würde Weidenau Nord und Buschhütten erklären, nicht aber Benolpe und Welschen Ennest, da beide Verkehrshalte bereits aus meinem Archiv in den 1930ern belegt sind. Ich wehre mich übrigens Welschen Ennest als Rentnerdorf zu bezeichnen, meiner Schätzung nach hat das Dorf heute mehr berufstätige Einwohner, wie es in den 1950er überhaupt Einwohner hatte. Ein hoher Anteil der Verkehrshalte an der Ruhr-Sieg Strecke stammt aus der Zeit des Streckenbaus, etliche wurden leider rückgebaut - hier erinnere ich mich persönlich an die aufwendigen Verzierungen der Bahnsteigüberdachung in Krombach - aber das ist ein anderes Thema...
Erklärungen für die Bahnsteiglänge in beispielsweise Kreuztal, wo ein 12 Wagen D-Zug satt Platz hatte habe ich ja recht schnell gefunden, da die Strecke auch als Aufmarschlinie diehnte, wie im EP geschrieben erkläre ich auch Weidenau und Geisweid eher darüber, als wegen der Pendlerzüge. Gegen die Theorie spricht auch die vergleichsweise mickrige Kantenlänge von Siegen. Eil und Nahverkerszüge waren zwar deutlich länger wie heute, aber selten gab es über 10 Wagen am Zug, die wenigsten eingesetzten Lokomotiven hätten die Last insbesondere wegen der Rampe zwischen Altenhundem und Kreuztal mit einer akzeptablen Fahrzeit geschafft.

Re: Wurden länger und heute wieder kürzer

geschrieben von: kts

Datum: 03.08.20 11:49

V80max1 schrieb:
Hallo,


mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit wurden vielfach Bahnsteige verlängert, weil sich die Reisendenzahlen erheblich steigerten und auch der Fernverkehr (Urlaubsreisen) zunahmen.

Mit der beginnenden Rezession Ende der 1980er-Jahre ging es dann auch sowohl im Personenverkehr als auch im Gütervehr stark bergab,geschlossene Unternehmen haben dafür gesorgt, das sich auch viele Menschen in andere Regionen begeben haben und daher zum B. Welschen-Ennest ein "Rentner-Dorf" geworden ist.
offensichtlich bist Du nicht aus der Region, der Strukturwandel war hier deutlich vorher. Die Montanregion Siegerland ist bereits seit Ende der 1970er frei von Kumpel, der letzte Hochofen wurde 1983 rückgebaut. Da die Region bereits auf andere Produkte umgestellt hatte, spürte die Krise Ende der 1980er in der Region nur mit verhältnismäßig geringe Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Bahnverkehr.
Ob die Bahnsteige nach 1919 verlängert wurden, ist mir unbekannt, 1939 waren die meisten bereits auf der Länge, Verkürzt wurde erst seit den 2000er Jahren.

Re: Wurden länger und heute wieder kürzer

geschrieben von: Fahrtanzeiger

Datum: 03.08.20 23:41

Die kurzen Bahnsteige in Siegen könnten an dem Gleisplan dort liegen, dann stand das alte Befehlsstellwerk hinter dem Bstg. Die langen D Züge fuhren wohl über Weidenau?
Viele Grüsse Timo

Bf Siegen

geschrieben von: alte Bahn

Datum: 04.08.20 08:58

Hallo Timo,

zur Zeit der Eöffnung des Bf Siegen trafen hier 2 verschiedene Privatbahnen zusammen. Man sieht noch heute, dass sich die Gleise "hintereinander" befinden und auch das Empfangsgebäude war dadurch fast "doppelt" vorhanden. Lange Bahnsteige befinden sich an Gleis 3 und 55. Deshalb hielten lange D- Züge an diesen Gleisen. Beim Vergleich mit"früher" ist zu bedenken, dass die Gleise um 1980 neue Gleisnummern bekamen.

Gruß Ulrich

Re: Wurden länger und heute wieder kürzer

geschrieben von: kts

Datum: 04.08.20 09:16

Der Bahnhof Siegen leidet bis heute an einem Geburtsfehler. Es handelt sich nicht um einen Bahnhof, sondern um 2 Kopfbahnhöfe, die an der Kopfseite aufeinander treffen, da die Strecken von unterschiedlichen Bahngesellschaften errichtet und betrieben wurden, durchlaufende Züge waren weder geplant noch erwünscht. Nachdem beide Bahngesellschaften unter der KPEV zusammengefasst wurden, schaffte man Verbindungen, die dieses Problem für Güterverkehr lösten und für Personenverkehr schaffte man Lösungen, die das Problem verringerten. Ein geplanter Komplettumbau scheiterte an 2 Weltkriegen und dem Platzmangel, so das der heutige Zustand im Prinzip noch immer die Situation von 1910 wiederspiegelt. Man steigt aus Richtung Hagen und Frankfurt an den Bahnsteigen der Bergisch-Märkischen Eisenbahn aus und aus Richtung Köln an denen der Cöln-Mindener.

Re: Wurden länger und heute wieder kürzer

geschrieben von: Diesel73

Datum: 04.08.20 10:52

Hallo,
meine diversen Zugbildungspläne nennen für die Strecke Hagen-Siegen-Gießen bei Schnellzügen eine maximale Zuglänge von 13 Wagen, die aber kein Zug planmäßig hatte. Für die Zwischenhalte werden aber folgende Einschränkungen gemacht: Letmathe 9, Altena 11, Finnentrop 11, Kreuztal 12, Hüttental-Weidenau 12, Siegen 12, Wetzlar 12. Das heißt der längste Zug hatte planmäßig 9 Wagen.

Gruß
Werner

Re: ? Bahnsteiglängen an der KBS 440 (ex360)

geschrieben von: Robert Gerwig

Datum: 04.08.20 21:46

Hallo KTS,

Deine Angaben zu den Bahnsteiglängen können nicht passen, was sollte wohl zur Dampfzeit ein 600m- Bahnsteig?
Da passen 40 Donnerbüchsen dran! Und dann die Steigungsverhältnisse der Strecke.
9 Schnellzugwagen je 26,40 m benötigen keine 300 m. Größer wird wohl kaum ein Bahnsteig gewesen sein.
Und die Vorkriegswagen waren alle kürzer!

Nix für ungut.
Robert

Re: ? Bahnsteiglängen an der KBS 440 (ex360)

geschrieben von: kts

Datum: 05.08.20 11:41

Hallo Robert,
Ich vermute mal, Du warst nie in der Gegend. Die Länge der Kanten kann man an manchen Stationen heute noch sehen, da bei der Modernisierung in Kreuztal Der Bahnsteig 2/3 sowie in Weidenau die alten Kanten erhalten blieben, es wurde lediglich ein Teil des Bahnsteiges erhöht. (besonders auffällig ist die Länge in Finnentrop - hier ist der alte Bahnsteig etwa genau so lang wie der erhöhte). Der erhöhte Teil reichte aus für eine Sonderfahrt mit einem historischen TEE, was nicht wundert, da die Kantenlänge mit etwa 400m angegeben ist. Es gibt im Internet einige Bilder, die den Bauzustand aus Dampflokzeit belegen, in meinem Archiv finden sich weitere. Züge mit 40 Donnerbüchsen hätte ich gerne mal gesehen, halte ich aber für extrem unwahrscheinlich, allerdings sind an anderen Strecken sogar Kantenlängen von 1000m belegt. Die Erklärung, weshalb solche Bahnsteige gebaut wurden, ist allerdings auch hinreichend belegt - es gab eine Zeit in der die Eisenbahn auch strategische Bedeutung hatte um schnellen Nachschub an Soldaten und Material zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang sei nur erwähnt, das die Strecke am Ende der 1000 Jahren 1933 bis 1945 die letzte durchgängige Bahnstrecke in Nord-Südrichtung war.
Wie ich im EP geschrieben habe erklärt das auch die meisten überlangen Bahnsteige, aber eben nicht alle.
Eine lustige Geschichte am Rande: ich habe erlebt, das ein TF aus Richtung Hagen kommend offensichtlich an den Halt erst durch den Beginn der Bahnsteigkante erinnert wurde. Für die eingeleitete Bremsung reichte der Abstand zum Signal aber problemlos. Ein Blick aus dem Fenster besagte, das alle Türen am Bahnsteig standen, also kein Problem. Die Reisenden haben trotzdem geflucht, der Fahrgastwechsel dauerte auch ein wenig länger, da die Fahrgäste, die einsteigen wollten erst den gesamten Bahnsteig entlanglaufen mussten. Die Zugänge zum Bahnsteig sind an vielen Bahnhöfen der Strecke am Nordende.