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Tarnscheinwerfer an 03 096?

geschrieben von: 50 4011

Datum: 30.06.20 10:41

Hallo zusammen,

bei der Eisenbahnstiftung ist gibt seit kurzem ein Bild der 03 096 von 1967, welche auf dem Rauchkammertritt eine mir unbekannte Apperatur aufgesetzt hat. Vom aussehen her könnte es sich dabei um einen Tarnscheinwerfer handeln. Weshalb soetwas in den 1960ern jedoch an einer Dampflok sein sollte, erklärt sich mir nicht.

Vielleicht weiß ja von euch jemand mehr dazu und kann hier die Lösung liefern.

Viele Grüße



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 30.06.20 10:42.

Re: Tarnscheinwerfer an 03 096?

geschrieben von: BahnfanFritzlar

Datum: 30.06.20 11:14

Für mich sieht das eher wie eine Klingel oder Glocke aus.
Vermutung
Ansonsten kann ich nix zu beitragen

Re: Tarnscheinwerfer an 03 096?

geschrieben von: Bäderbahn

Datum: 30.06.20 11:38

Bei der Eisenbahnstiftung finden sich auch Bilder vom Juli 1968 bei denen diese Apparatur nicht mehr da ist.

Bäderbahn

Re: Tarnscheinwerfer an 03 096?

geschrieben von: Cargoknipser

Datum: 30.06.20 11:53

Das sieht wie eine Elektroglocke aus, so wie sie einstmals an jedem Fahrzeug der Wehrmacht montiert war.

Warum die an eine Reko 03 angebracht wurde, dürfte rätselhaft bleiben.

VG Günter



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 30.06.20 12:22.

Re: Tarnscheinwerfer an 03 096? - Infrarotkamera

geschrieben von: RobRobertson

Datum: 30.06.20 14:19

Hallo!

Eine Ausschnittsvergrößerung mit Bildbearbeitung "Heller" erhellt den Zweck:


03-096.jpg

Das sieht tatsächlich aus wie die Halterung für eine Infrarotkamera. In der Mitte scheint mir die Öffnung für die Optik zu sein. Oder vielleicht ist es sogar die Linse selbst und die Kamera installiert? Dann könnte der "Helm" einfach nur dem Schutz der Kamera dienen.

03 096 war bekanntlich eine von drei "Regierungsloks" der BR 03, die bis zur Ablösung durch drei V 180 die Sonderzüge der DDR-Regierungen beförderten. Sie waren mit besserem Lagermaterial ausgerüstet und auch sonst up to date. Jede zusätzliche Sicherheitsmaßnahme zum Schutz der "führenden Genossen" wurde in der DDR auch angewendet, bis hin zur Vollsperrung von Autobahnen, wenn der "Generalsekretär des ...." mit seiner Karawane unterwegs war.

Laut Troche "Baureihe 03" wurde die eigentliche Kamera erst unmittelbar vor der "Staatsfahrt" angebaut und sofort nach Beendigung wieder entfernt. Um welche Bauart von Infrarotkameras es sich bei der 03 handelt, geht aus dem Buch nicht hervor. Es könnte sich einerseits um sowjetische Militärtechnik handeln, um ein DDR-Produkt (Robotron baute welche) oder andererseits um einen das Embargo unterlaufenden illegalen Import von "Westware". Auf jeden Fall war es sehr sensible Technik der 60-er Jahre, was die Aussage im Troche-Buch unterstreicht.
Möglicherweise finden sich im EK-Buch "DDR-Führung auf Reisen" weitere Hinweise dazu.

Interessant wäre es zu erfahren, ob und wenn ja wo, Infrarotkameras auf Führerständen anderer Bahnverwaltungen eingesetzt wurden/werden.

Mit Besten Grüßen

RobRobertson

Re: Tarnscheinwerfer an 03 096? - Infrarotkamera

geschrieben von: Wuhlheider

Datum: 01.07.20 14:32

Hallo,

mit dieser nicht-EDV-Nummer versehene Lok muss also vor 1970 fotografiert worden sein.
Damals gab es noch keine CCD-Bildsensoren, schon gar nicht in Serienproduktion. Das Prinzip wurde zwar in der DDR (Werk für Fernsehelektronik Berlin) erfunden, aber die Patente wurden von der Partei als nutzlos erachtet und an die Fa. Fairchild verkauft. Diese entwickelten die Sache dann weiter, bis zu den heutigen Sensoren in Digitalkameras und Smartphones.

Eine elektronische Kamera damals, war also auf Röhrentechnik aufgebaut. Dies wäre größer geworden, als das Teil auf dem Foto.
Bleibt also eine mechanische Kamera. Diese hätte dann aber große Rollen mit dem Filmmaterial haben müssen, die dann vielleicht so alle 10 Minuten gewechselt werden müssten. Dazu allerdings hätte der Zug halten müssen, oder jemand hätte während der Fahrt nach vorne klettern müssen.
Wenn es also eine Kamera war, die dort untergebracht war, dann wohl eine mechanische Kamera, die alle paar Sekunden ein Foto gemacht hätte. Aber wozu das?

Robotron und (kleine) Computer gab es damals noch nicht.

Vielleicht war das eher ein Infrarot-Scheinwerfer? Das normale Spitzensignal war ja nicht besonders hell. Vielleicht wurde die Strecke mit besagtem Scheinwerfer besser ausgeleuchtet. Und auf dem Führerstand der Lok (oder in einem der Begleitwagen) war ein Infrarot-Nachtsichtgerät vorhanden? Da wäre nämlich mehr Platz gewesen.

Meine Gedanken zu der Frage ...

Edit:
Robotron wurde am 01.04.1969 gegründet. Damals befassten die sich mit Großrechnern (z.B. den R300).


Ich glaube nur was ich sehe. Seit dem ich fernsehe glaube ich alles !





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 01.07.20 14:34.

Echt?

geschrieben von: Enno

Datum: 01.07.20 15:48

Wuhlheider schrieb:
Damals gab es noch keine CCD-Bildsensoren, schon gar nicht in Serienproduktion. Das Prinzip wurde zwar in der DDR (Werk für Fernsehelektronik Berlin) erfunden, aber die Patente wurden von der Partei als nutzlos erachtet und an die Fa. Fairchild verkauft. Diese entwickelten die Sache dann weiter, bis zu den heutigen Sensoren in Digitalkameras und Smartphones.
Davon habe ich noch nie gehört. Auch nicht im Fernsehen. Drum mag ich es nicht glauben, freue mich aber über die Nennung einer belastbaren Quelle für diese Aussage. Bis dahin mag dieses gelten?
[www.digitalkameramuseum.de]

Re: Echt?

geschrieben von: Goldtop 57

Datum: 01.07.20 18:19

Wozu sollte dort eine Infrarotkamera angebracht werden? Oder überhaupt eine Kamera? Was könnte man damit fotografieren wollen? Wer wechselt den Film? Bei einer Kamera würde ich auch ein normal großes Objektiv erwarten, nicht so ein kleines Loch, wie man es auf der Vergrößerung erahnen kann.

FÜR eine IR-Kamera würde der Schirm sprechen, der den Film vor der von der Rauchkammer kommenden Wärme schützen könnte.
Eine normale Kleinbildkamera, wie die DDR sie zu der Zeit schon in guter Qualität herstellen konnte, konnte man auch damals schon mit einem IR-Film und einem entsprechenden IR-Sperrfilter versehen, damit konnte man entweder Falschfarben- oder SW-Infrarotbilder machen. Nur - wozu?

Das einzige, was mir einfallen will, ist, dass die paranoide FÜhrung des Staates damit die Wärmestrahlung von nachts an der Bahnstrecke lauernden westlichen Spionen oder Saboteuren einfangen hätte können. Und was dann? Nach Stunden könnte man den Film entnehmen, entwickeln lassen, dann noch die Bilder zuordnen zu den Streckenkilometern, bis dahin sind alle Leute längst weg. Ne, das kann es nicht sein.

Jemand noch Ideen, was der Sinn sein könnte?

Grüße von
Oliver



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 01.07.20 19:13.

Re: Echt?

geschrieben von: RobRobertson

Datum: 01.07.20 19:49

Hallo!

Im Troche-Buch ist wörtlich von einer "Infrarotkamera" die Rede mit einem Anzeigemonitor auf dem Führerstand.
Eine "Kamera" im Sinne einer optischen Aufzeichnungsmaschine war das sicher nicht, "Infrarotscheinwerfer" trifft es wohl besser, wie sie in Panzern und sonstigen größeren Militärfahrzeugen bereits Standard waren.
Bei Dampfloks hatte die Frontbeleuchtung ohnehin nur den Charakter von Positionslichtern, eine Ausleuchtung der Strecke konnte damit auf Grund der zu geringen Leuchtkraft nicht erfolgen. Da machte eine zusätzliche Sicherung für die "führenden Genossen" schon Sinn.
Selbst die neuen Reflektor-Scheinwerfer, die die Deutsche Bundesbahn für ihre Dampfloks eingeführt hatte, dienten nur der besseren Sichtbarkeit der Vorsignalbaken, Grenzzeichen und sonstigen unbeleuchteten Signalzeichen.
Auch bei Diesel- und E-Loks ließ sich der reguläre Bremsweg von 400 Metern auf Nebenbahnen nur schwer, von 1.000 Metern auf Hauptstrecken gar nicht vollständig ausleuchten. Bei Gegenständen im Gleis konnte der Lokführer nur noch erkennen, was da im Gleis liegt, aber nur in den seltensten Fällen noch rechtzeitig anhalten. Das dürfte sich bis heute nicht geändert haben.

Zur DDR-Infrarotkamera siehe hier, leider ohne Angabe zum Zeitpunkt der Entwicklung:

https://www.robotrontechnik.de/index.htm?/html/sonstiges/optik.htm

Beste Grüße aus Berlin von Rob



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 01.07.20 19:51.

Re: Echt?

geschrieben von: teile

Datum: 01.07.20 19:56

Aber was sollte eine Kamera unter dieser Haube bei dem möglichen Blickwinkel überhaupt sehen? Eine mechanische Kamera hätte man sicherlich mit viel besserem Blickfeld viel versteckter einbauen können. Was die IR- Kamera angeht: Vielleicht ja auch nur ein IR- Sensor/ Bewegungsmelder mit dem man den vom Führerstand aus nicht einsehbaren Bereich wozu auch immer überwachen wollte? Könnte man evtl. auch mit einem dummen Sensor Leben abseits der Bahnstrecke registrierem, um es dann vom Zug aus mit einer richtigen IR-Kamera zu fotografieren?

Grüße
Thomas

Re: Echt?

geschrieben von: Goldtop 57

Datum: 01.07.20 20:56

Die verlinkte IR-Kamera war Stickstoffgekühlt und arbeitete bei -196°C. Das ließ sich wohl kaum an der Lok anbringen...

Re: Echt?

geschrieben von: Wuhlheider

Datum: 01.07.20 22:46

Enno schrieb:
Davon habe ich noch nie gehört. Auch nicht im Fernsehen. Drum mag ich es nicht glauben, freue mich aber über die Nennung einer belastbaren Quelle für diese Aussage. Bis dahin mag dieses gelten?
[www.digitalkameramuseum.de]
Eine belastbare Quelle kann ich leider nicht benennen.
Anfang der 1980-er arbeitete ich im Werk für Fernsehelektronik.
Wir fingen 1981 mit der Produktion von CCD-Zeilen an, auf Basis einer Lizenz von Fairchild.

Anfang der 1960-er Entwickelte man im WF Fotodioden und Fototransistoren. U.a. "stolperte" man dabei über die Möglichkeit, Lichtempfindliche Sensoren in Zeilen oder Matrizen zu "organisieren". Und damit hätte man dann eben Kameras oder Sensoren bauen können.
Das Prinzip ließ sich das Entwicklerteam patentieren.
Auf Antrag (in der DDR musste ja jede Entwicklung von der Staatsführung genehmigt werden, damit auch Mittel bereitgestellt werden konnten) lehnte die Partei ab, weil man solches nicht gebrauchen konnte. Später dann, wie schon gesagt, verkaufte die "zuständige staatliche Stelle" das / die Patent(e) an Fairchild.

Woher ich das weiß?
Im WF hatte ich mit der Messtechnik für o.g. CCD-Zeilen zu tun. Dabei lernte ich auch die Entwickler kennen, die die DDR-Fototransistoren und Fotodioden entwickelten, und die seinerzeit die Patente einreichten, welche dann verkauft wurden. Entsprechend stinksauer waren sie, als sie auf Lizenz das fertigen durften, was sie seinerzeit (die Grundlagen dazu) erfunden hatten.
Es gab auch Patente zur Flüssigkristall-Technologie, welche nach Japan verkauft wurden, weil diese Patente "keine ökonomische Effektivität" besaßen. Allerdings hatte ich mit diesen Leuten nicht persönlich zu tun.

Bis zum Ende der DDR wurden dann auch CCD-Matrixen hergestellt (auch Fairchild-Lizenzen), mit denen dann Kameras gebaut wurden. Eine der ersten Anlagen übrigens, die mit CCD-Zeile arbeitete, war die Vergussanlage im Kabelwerk Schwerin. Dort sicherten zwei Sensoren die gleichmäßige Ummantelung von Kabeln. Ein Sensor vor der Vergussanlage, ein Sensor danach, bestimmten die Dicke des Kabels.

Es gab dann auch noch Projekte, die im WF geheim waren. U.a. ein Sensor, der Polarkoordinaten bestimmte. Im Klartext, ein Soldat richtet einem Laserstrahl von seinem Helm auf das Ziel. Wenn die Waffe (Handfeuerwaffe) erkennt, dass ihre Ausrichtung mit dem Laserstrahl übereinstimmt, wird der Schuss freigegeben.
Wie gesagt, das waren Projekte in Entwicklungsabteilungen in gesonderten Werkteilen. Zutritt nur mit Magnetkarte für besondere Personenkreise. Davon erfuhr man erst nach 1990, was dort so ablief.

Sorry für so viel OT.

Betreffs der ominösen Infraroteinrichtung:
Vielleicht sollte damit festgestellt werden, ob sich Gegenstände oder Personen im Gleis befanden? Oder der Abstand zum Vorzug?

Es gab bei Staatsfahrten ja immer drei Züge: Der Vorzug, der Hauptzug und der Nachzug. Der Vorzug war quasi das Himmelfahrtskommando, falls etwas gesprengt oder sabotiert werden solle, so hätte dieser Vorzug dran glauben müssen.
Der Hauptzug war dann auch mit zwei Loks bespannt (der Vorzug nur mit einer Lok) und von vorne (Vorzug) und hinten (Nachzug) abgesichert.
Und dann kam der Nachzug, der meistens (ich habe niemals was anderes gesehen) durch den SVT des Verkehrsministers realisiert wurde. Diese drei Züge kamen unmittelbar hintereinander gefahren. Ich weiß gar nicht mehr, ob im Blockabstand oder auf Befehl ohne Blockdeckung. Die Fahrstraßen waren eh' durch Weichenschlösser gesichert, auf den Stellwerken waren Stasi-Leute, die die Schlüssel der Weichenschlösser verwahrten.
Vielleicht war ja also die Infraroteinrichtung eine Art Abstandsradar, damit der Hauptzug konstant 1 km (oder so ähnlich) Abstand zum Vorzug einhielt? Die Lampen einer Lok leuchteten niemals so eine Entfernung aus. Infrarot hätte dies möglich gemacht. Wobei, in Bögen und Kurven wäre auch mit IR der "Sichtkontakt" abgebrochen.

Aber, der Gedanke kam mir gerade, vielleicht war das ja eine Beleuchtung für das DDR-Emblem auf der Rauchkammertür, welches bei Staatsfahrten angebracht war?

MfG


Ich glaube nur was ich sehe. Seit dem ich fernsehe glaube ich alles !

Re: Echt?

geschrieben von: Matthias Muschke

Datum: 03.07.20 06:42

Hallo,

Ich halte ja vieles für möglich, aber nicht dass das fahren im Raumabstand aufgegeben wurde!

MfG

"Damit auch ich was zu meckern habe: Ich finde immer die künstliche Dampfentwicklung durch Abblasen an den Zylindern fürchterlich. Sicher gibt das für den ambitionierten Laien tolle Fotos, den Sound jedoch zerstört es vollkommen. :-("

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Re: Tarnscheinwerfer an 03 096?

geschrieben von: Gartenbahner

Datum: 03.07.20 17:15

Hallo 50 4011,

bei ebay gibt es ein Foto der 03 096 von 1968:

[www.ebay.de]

Foto 20x30+10x15+Datei DR 03 096 Berlin Tiergarten 1968 #D01623

Das Anbauteil ist auch auf dem Foto zu sehen.

Mit freundlichen Grüßen

Gartenbahner (Andre)