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 04 - Historisches Forum 

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Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Hej allihopa,

heute möchte ich meine Reihe über die Trauntalbahn mit dem ersten Teil über den Bahnhof Ruhpolding
fortsetzen.

Zum Zeitpunkt der Eröffnung im August 1895 verfügte der Bahnhof Ruhpolding nur über drei Gleise.
Das EG stand (und steht bis heute) westlich der Bahnanlagen. Am Gleisende befand sich auf der Ost-
seite ein Lagerhaus, am Südende von Geis 1 eine Rampe. Der stark zunehmende Reisezugverkehr in
den 30er Jahren machte eine Erweiterung der Gleisanlagen erforderlich. Mit dem Geis 4 wurde eine
Umfahrungsmöglichkeit für die relativ langen KDF-Sonderzüge geschaffen. Da dieses Gleis wegen der
Lagerhäuser nicht besoders weit nach Süden gelegt werden konnte, mußte die Einfahrweiche dafür
ziemlich weit im Norden eingebaut werden. Zum Hinterstellen der Sonderzüge wurden darüberhinaus
noch zwei Abstellgleise verlegt (die späteren Gleise 6 und 7). Das Gleis 5 ist wohl erst nach der
Elektrifizierung dazugebaut worden. Auf einer schon mehrfach veröffentlichten im Jahre 1957
entstandenen Aufnahme von Dr. G. Scheingraber, welche die Freilassinger E32 16 mit einem Personenzug
im Ruhpoldinger Bahnhof zeigt, verlaufen dort, wo später das Gleis 5 zu liegen kam, noch Stelldrähte. Auf
dem Gleisplan von 1964 hat der Ruhpoldinger Bahnhof dann jedoch seine für etwa 20 Jahre bestehende
Ausdehnung erreicht:

zz 1200  Rpd 1964.png


Interessanterweise waren signalgeregelte Ausfahrten nur von den Gleisen 2 bis 4 möglich. Die
Absicherung von Gleis 2 erfolgte durch ein einflügeliges, die der Gleise 3 und 4 durch je ein
zweiflügeliges Formhauptsignal:

zz 1201  E44 086  1978-12-02  Ruhpolding.jpg


Meinem Spezl Christoph aus Ruhpolding verdanke ich diese Aufnahme vom Südende des Bahnhofs
Ruhpolding, auf dem noch die Reste des längst aufgegebenen Lagerhauses zu sehen sind. Um den
Zwölfwagenzug komplett vor das Ausfahrsignal zu bekommen, mußte die 110 341 an den Prellbock
ansetzen!


zz 1202  110 341  198X-00-00  Ruhpolding.jpg


Der Niedergang des einst so geschäftigen Bahnhofs Ruhpolding wurde mit der Einstellung des Turnus-
verkehrs im Jahr 1982 eingeläutet. Die nicht mehr benötigten Gleise 5 bis 7 wurden daher 1985 stillgelegt
und die Weiche 13 örtlich verschlossen. Drei Jahre später rückte eine Abbaukolonne an, um diese Gleise
herauszureißen. Richtig übel wurde es in der unseligen Mehdorn-Ära, als die Gleisanlagen von Neben-
bahnen auf das minimal Notwendige reduziert wurden. Für Ruhpolding wäre zunächst sogar noch ein
zweigleisiger Bahnhof vorgesehen gewesen. Da die Gemeinde jedoch das komplette Areal südlich des
Empfangsgebäudes als Parkfläche haben wollte und sich zudem herauskristallisierte, daß die geplante
Ortskernumgehungsstraße nicht um Ruhpolding herumführen, sondern innerhalb der Ortschaft durch
den Schloßbergtunnel verlaufen würde, blieb letztendlich (wie an vielen anderen Nebenbahnen auch)
nur ein Stumpfgleis übrig. Im März 2002 sind die Abrißarbeiten bereits voll im Gange:

zz 1203  Ruhpolding 2002-03-14.jpg


Auf dieser Zeichnung ist zu sehen, wie sich das ehemalige Bahngelände in Ruhpolding "entwickelt" hat;
alle entfernten Gleise sind rot eingezeichnet:

zz 1204  Rpd 2020.png

Fortsetzung in Kürze! Eventuelle Antworten bitte erst nach Fertigstellung dieses Beitrags posten, um ihn optisch
nicht auseinanderzureißen. Merci!
Der Beginn der Bauarbeiten für den Schloßbergtunnel zog sich dann aber doch noch ein paar Jahre hin.
Als es schließlich endlich so weit war, mußte der Bahnsteig eine Zeit lang nach Norden verlegt werden,
um den Tunnelbau nicht zu behindern. Mein Spezl Christoph hat diese Situation im August 2007 fest-
gehalten:

zz 1205  Rpd 2007-08-00.jpg


Im August 1982 war die Welt am Ruhpoldinger Bahnhof noch in Ordnung. Es lagen noch alle sieben
Gleise und wie gut 20 Jahre gewohnt brummte eine E44G mit ihren Nahverkehrszügen auf der Trauntal-
bahn hin und her. Ferienbedingt besteht die Garnitur aus nur drei Wagen:

zz 1206  E44 086  1982-08-23  Ruhpolding.jpg


Fast vom selben Fleck aus entstand Anfang Juni 2020 diese Aufnahme. Links hinter dem Baum ist gerade
noch der Turmmast zu erkennen, der sich im oberen Bild angeschnitten am linken Bildrand befindet.

zz 1207   e44 086  1982.jpg


Vom Prellbock des Gleises 3 aus bot sich im November 1982 dieser Blick auf den 702 137 und die
141 013 mit ihrem Nahverkehrszug:

zz 1208  702 137  1982-11-02  Ruhpolding.jpg


Knapp 38 Jahre später befindet sich diese Stelle mitten auf einem Parkplatz:

zz 1209.jpg


Fortsetzung in Kürze - eventuelle Kommentare bitte erst nach Fertigstellung des Beitrags posten, um diesen optisch
nicht auseinanderzureißen. Merci!
Am 13. Juni 1977 schiebt E44 086G ihren Nahverkehrszug aus dem Ruhpoldinger Bahnhof hinaus. Auf
Gleis 4 wartet die Münchner 141 030, um einen Leerreisezug zur Behandlung nach Freilassing zu bringen:

zz 1210   E44 086  1977-06-13  Ruhpolding.jpg


Nur anhand des Hügels im Hintergrund ist zu erahnen, daß es sich bei diesem Foto hier tatsächlich um
den selben Standort handelt:

zz 1211.jpg


Am 04. Mai 1978 waren vier Sonderzüge nach Ruhpolding eingelegt, die mit den Lokomotiven 111 052,
111 063, E16 09 und 110 456 bespannt waren. Um die Trassenbelegungen zu reduzieren, waren die Züge
der 111 052 und der E16 09 zusammenrangiert worden - am rechten Bildrand ist ein Wagen des soeben
einlaufenden Zuges zu sehen, der mit der 110 456 bespannt war:

zz 1212  111 052  1978-05-04  23.jpg


Fortsetzung in Kürze; eventuelle Kommentare bitte erst nach Fertigstellung des Beitrags posten, um diesen optisch
nicht auseinanderzureißen. Merci!
Auf dem Gelände der damaligen Hinterstellgleise verläuft heute die Rampe der Ortskernumgehung
zum Schloßbergtunnel hinunter. Als Orientierungshilfe dient der Ausläufer des Rauschberges links
im Hintergrund:

zz 1213.jpg


Im Jänner 1978 lief der Ruhpoldinger Wendezug wegen Weichenarbeiten in Traunstein für mehrere Tage
gedreht - also mit der Lok Richtung Norden. Der Zug ist soeben in Ruhpolding eingefahren; rechts steht
ein geschlossener Güterwagen an der Stückguthalle. Im Hintergrund erhebt sich der Rauschberg, links
ist gerade noch ein Eck des Zwiesels zu erkennen:

zz 1214  E44 086  1978-12-02  Ruhpolding 1.jpg


Die Berge stehen natürlich 42 Jahre später noch genau so da wie früher, ansonsten ist jedoch mit
Ausnahme der Häuser im Hintergrund nichts so geblieben, wie es auf der Aufnahme mit der alten
E-Lok zu sehen ist:

zz 1215.jpg


Damit möchte ich den ersten Teil meiner Vorstellung des Bahnhofs Ruhpolding abschließen. Im nächsten
Teil werden wir noch Einiges an Sondezügen zu sehen bekommen.

Ha det bra!

Euer Woife
Hallo,

noch bejammenswerter als in Ruhpolding ist ja zwischenzeitlich die Situation im nahegelegenen Waging. Auch dort wurde der Bahnhof zu einem Hp degradiert mit nur einem Stumpfgleis (dessen Länge lässt nicht mal mehr 628-Doppeltraktionen zu, besonders bemerkenswert bei den alljährlichen Christkindl-Sonderfahrten am Heiligen Abend).

Das Bahnhofsgebäude in Waging wurde an privat veräußert und in der schönen Sommerhalle eine Elektrowerkstätte eingerichtet. Es besteht jetzt nur noch ein kleines Wetterschutzhäuschen am wesentlich verschmälerten Bahnsteig. Traurig, diese Situation. Turnussonderzüge wie bis 1979 üblich und Güterverkehr kann selbstverständlich nicht mehr verkehren.

Gruß
Danke für diesen Bericht aus heimatlichen Gefilden. Ich kann mich noch an die ehemalige umfangreiche Gleisanlage erinnern.

und mit etwas guten Willen hätte man trotz Ortskernentlastungsstraße ein zweites Gleis belassen können. Gerade wegen des Zusatzverkehrs an den Biathlonweltcupwochenenden wäre ein zweites Gleis ein Segen.

Baden-Württemberg: Wir können Alles außer Flügeln!
Hallo Woife,

ich habe den Anblick des puren Elends im Mai 2016 zu Gesicht bekommen. Eine Verkehrswende stellt man sich in der Tat anders vor. Der Endbahnhof eines beliebten Ferienortes auf ein Gleis zurecht zustutzen kann ich nur als kurzsichtig werten.

Was ich mich bis heute beim Anblick meines damals gemachten Fotos frage ist, wieso niemand die Möglichkeit in Betracht gezogen hat, das Areal zwischen Parkplatz und Bahnsteig für ein verkürztes Stumpfgleis nutzbar zu machen (gerade so lang, damit wenigstens eine ET 426 oder VT 628 dort Platz findet).

Viele Grüße und herzlichen Dank für Deine kurzweilige Zeitreise
Rüdiger

2016-05-10_027__Ruhpolding.JPG

Echtes Kontrastprogramm [1B]

geschrieben von: 144.5

Datum: 29.06.20 18:20

Hallo Woife,

danke für diese Doku des Niedergangs.

Das Fahrgastaufkommen scheint zumindest an den Wochenenden sehr gering zu sein, so zumindest mein Eindruck aus dem letzten Sommer.

Die schwedische Fahne im Teil II / 3. Bild ist aber kein Überbleibsel des letzten internationalen Biathlonwettbewerbs ;-)

Gruß
144.5



https://abload.de/img/bf_ruhpolding_00165k1i.jpg
Bild 1: Bf Ruhpolding mit 426 am Sa, 01.06.2019

Sammelantworten 2020-06-29

geschrieben von: E-Lok-Woife

Datum: 29.06.20 20:14

Hej allihopa,

merci für Euere Antworten auf meine Beschreibung des Ruhpoldinger Bahnhofs.

@ Bahnhofsvorstand: in der Tat ist es bedauerlich, was aus dem Waginger Bahnhof geworden ist. Leider ist das in Deutschland aber kein Einzelfall...

@ SPS: gerade wegen des Biathlonverkehrs hätte man ja ursprünglich ein zweites Gleis mit Umfahrungsmöglichkeit belassen wollen. Letztendlich hatte die Gemeinde Rpd daran jedoch kein übermäßiges Interesse, da die nutzbare Parkfläche dann deutlich kleiner geworden wäre und der Straßentunnel länger (und damit teuerer) hätte ausfallen müssen.

@ Rüdiger: für das kurze Stumpfgleis hat seitens der Lokalpolitik nirgends jemand Interesse gehabt.

@ Peter: das unten an der Schwedenfahne hängende Fahrzeug werden wir später noch einmal zu sehen bekommen... :-)


Ha det bra!


Euer Woife
Hallo Woife,

Du hast mit tollen Fotos die Entwicklung des Bahnhofs Ruhpolding dokumentiert; der Damals-heute-Vergleich ist wirklich eindrucksvoll! Ich möchte allerdings den in mehreren Kommentaren benutzen Begriff "Niedergang" ein wenig relativieren: mir ist ein im Stundentakt angefahrener Bahnhof mit nur einem Kopfgleis allemal lieber, als ein mehrgleisiger Bahnhof ohne jeden Verkehr!

Gruß
Klaus

Der Niedergang ist relativ [1 Link]

geschrieben von: 144.5

Datum: 30.06.20 05:13

Hallo Klaus,

eine Relativierung des Begriffs Niedergang ist sicherlich gerechtfertigt!
Der Fahrplan ist deutlich besser als zur Bundesbahnzeit (wenn auch für manche Zwecke immer noch absolut unbrauchbar), Züge und Bahnhöfe sind weitgehend für mobilitätseingeschränkte Personen geeignet (vgl. touristisches Realpublikum) und der Bf Ruhpolding macht einen gepflegten und aus historischer Sicht behutsam behandelten Eindruck.

1) Was die touristische Nachfrage anbelangt, darf ich auf ein Video verweisen, das ich vor einiger Zeit schon mal eingestellt hatte (enthält auch Sequenzen zur Bahn).

Unter unserem Himmel, Damals in Ruhpolding, BR Fernsehen, 19.02.2017
[www.br.de]

Berge, frische Luft und eine tschechische Nancy Sinatra sind heutzutage zu wenig.

2) Der Rückzug des Güterverkehrs aus der Fläche ist ein weiteres (generelles) Thema. Die Waldbahn Ruhpolding - Reit im Winkel, als Zubringer, wurde bereits 1931 für den Güterverkehr eingestellt.

Bezüglich der beiden Aspekte verstehe ich, dass man zum Begriff Niedergang neigt, besonders, wenn man dort aufgewachsen ist.

Was die Nutzung der Bahn anbelangt, oftmals fast allein sitzend in einem modernen Zug, muss ich leider an den weit verbreiteten Kauf von Billigfleisch denken.

Gruß
144.5

Merci für den Filmlink!

geschrieben von: E-Lok-Woife

Datum: 30.06.20 08:29

Hej Peter,

merci für den Filmlink! Einiges davon kenne ich durchaus noch so...

Ha det bra!

Woife