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Krane unter Dampf – ein besonderes Betriebsbuch

geschrieben von: sukram01

Datum: 28.06.20 19:44

Trotz der nach wie vor aktuellen Corona-Pandemie (derentwegen wir unser Museum seit nunmehr 4 Monate geschlossen halten), hat Pater Daniel eine neue Monatsgeschichte für unsere Webseite verfasst:

* Krane unter Dampf – ein besonderes Betriebsbuch

200701_image001.jpg

Zitat
Von einem der letzten Dampfkranwagen der DB blieb eine Akte erhalten, zusätzlich stellten Eisenbahnphotographen ihre Bilder zur Verfügung – sehen Sie mehr:
Viel Spaß beim Lesen :-)

--
Markus

Edit: Linkflick

Museumsbahnhof Lette im Netz:
[www.bahnhof-lette.de]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 28.06.20 19:45.

Re: Krane unter Dampf – ein besonderes Betriebsbuch

geschrieben von: Weinertfan

Datum: 29.06.20 09:32

Hallo Markus,

sehr interessant der Beitrag, besonders die Fotos über die Bergung der 44-er. Auch für Modelleisenbahner unbedingt sehenswert.

Vielen dank,
Gruß Knut.
Hallo Markus,
den Beitrag von Daniel können auch wir auch noch um einige Bilder ergänzen. Am 08.10.1966 kam es kurz vor dem Bf Dortmund-Aplerbeck zu einen Unfall, an dem drei Lokomotiven beteiligt waren und ein Dampfkran im Einsatz war. Über diesen Unfall hatten wir im Jahre 2013 schon einmal ausführlich im Hifo berichtet, aber die Bilder von der Unfallstelle, sowie auch viele Textpassagen sind darin leider nicht mehr enthalten.
Insofern fügen wir Deinem Beitrag noch einmal die Bilder des Unfalls und den kompletten Text zum Unfallgeschehen bei.

https://abload.de/img/002-lageunfallstelle1kjpu.jpg

https://abload.de/img/015-50314-mmz-g.schfefyk95.jpg

https://abload.de/img/016-50314-mmz-g.schfemmkia.jpg
https://abload.de/img/017-50314-mmz-g.schfejrkjp.jpg

https://abload.de/img/018-50314-mmz-g.schfed9kmv.jpg

https://abload.de/img/019-50314-mmz-g.schfemoj3g.jpg

https://abload.de/img/023-50321-mmz-g.schfel7ke3.jpg

https://abload.de/img/024-50321-mmz-g.schfejljy8.jpg

https://abload.de/img/025-50321-mmz-g.schfeikknq.jpg

Menschliches Versagen führte
zu dem schweren Zugunglück

Es ist Freitag, der 07.Oktober 1966.
An diesem herbstlichen Nachmittag bereiteten sich die Personale; Lokführer Rudolf Vogel (65) und sein Heizer Helmut Hochgeschurz (34), um 16:02 Uhr in der Lokdienstleitung des Bw Dortmund Rbf auf ihren Dienst nach Ottbergen vor. Für die Beiden an und für sich ein Tag wie jeder Andere auch; hingegen sorgte eine Zugfahrt nach Ottbergen durch das schöne, herbstliche Weserbergland auch immer wieder für eine Abwechselung zu der sonst so üblichen alltagsgrauen Kulisse des Ruhrgebietes. Dem Dienstplan nach war vorerst ein mit Schotter beladener Dienstgüterzug (Dstg 8013) von Dortmund Rbf nach Ottbergen zu fahren. Hinterher ist eine Ruhepause von zwei Stunden vorgesehen, bevor der Dienst dann mit der Rückleistung als Vorspannlok vor dem Gdg 6486 in Do-Hörde und einer sich anschließenden Lz-Fahrt zum Bw Dortmund Rbf enden sollte. Um 16:53 Uhr setzt sich die 50 1631 (Heimat-Bw Wanne-Eickel) mit dem 950 t schweren Dstg 8013 in Gleis 26 des Bf Dortmund Rbf mit hartem Auspuffschlag in Bewegung. Auf der althergebrachten Stammstrecke ging es über Huckarde Süd – Dortmunderfeld – Hörde –Aplerbeck – Holzwickede – Unna – Soest – Paderborn - Bad Driburg weiter nach Ottbergen. Nach den Eintragungen im Fahrtbericht gab es keine wesentlichen betrieblichen Beeinträchtigungen während der Fahrt. Mit einer für Güterzüge geringfügigen Verspätung kam der Zug um 20:26 Uhr in Ottbergen an. Die Lok wurde vom Zug abgekuppelt und zum Bw gefahren. Während die 50 1631 für die Rückleistung auf der Drehscheibe gewendet werden musste und ihre Vorräte an Kohle und Wasser aufnahm, befanden sich der Lokführer Rudolf V. und sein Heizer Helmut H. bereits in der im Empfangsgebäude des Bf Ottbergen untergebrachten DB-eigenen Kantine zur dienstplanmäßigen Pause.

Gegen 21:55 Uhr begab sich das Personal wieder zu seiner Lok, denn der Gdg 6486 war bereits im Zulauf von Salzgitter vorgemeldet. Nachdem die Vorspannlok 50 1631 vor die Zuglok 50 314 (Heimat-Bw Dortmund Rbf) gespannt wurde, verließ der 2000 Tonnen schwere Zug nach vereinfachter Bremsprobe um 22:47 Uhr den Bahnhof Ottbergen.
Inzwischen ist Samstag, der 08. Oktober und ohne nennenswerte Halte durchfährt Gdg 6486 bereits den Bf Unna.

Währenddessen (01:58 Uhr) meldet der Fdl Holzwickede den vorausfahrenden Frachtenzug Dg 6940 (Soest-Wanne-Eickel) mit der Abfahrtzeit 02:00 Uhr an den Fdl Dieter O. in Sölde ab.
Um 02:02 Uhr meldet Fdl Dieter O. in Sölde den Dg 6940 mit der voraussichtlichen Durchfahrtzeit 02:07 Uhr an den Fdl in Aplerbeck weiter.
Zeitgleich geht beim Fdl in Holzwickede der Rückblock für den Frachtenzug Dg 6940 ein.
Der schwere Erzzug Gdg 6486 erreicht Holzwickede und wird vom Fdl mit der Abfahrtzeit 02:08 Uhr nach Sölde abgemeldet.
Um 02:13 Uhr kommt der Gdg 6486 vor dem Ausfahrtsignal des Bf Sölde zum Halten, da von dem vorausfahrenden Frachtenzug Dg 6940 noch kein Rückblock beim Fdl in Sölde eingegangen ist.
Um 02:15 Uhr befragt Fdl Dieter O. in Sölde den Fdl in Aplerbeck, ob der Dg 6940 schon in Aplerbeck durch ist, da immer noch keine Rückblockung vorliegt.
Mit der Uhrzeit 02:16 Uhr meldet der Fdl Karl-Ludwig F. (37) in Aplerbeck, an den Fdl in Sölde, dass er eine Blockstörung habe und der Dg 6940 aber schon längst durch ist.

Ein verhängnisvoller Irrtum, wie sich wenig später noch herausstellen sollte.

Fdl Dieter O. in Sölde trägt die mündliche Rückmeldung des Dg 6940 mit 02:16 Uhr in sein Zugmeldebuch ein. Lokführer Rudolf V. von der Vorspannlok 50 1631 steht zu diesem Zeitpunkt immer noch am Signalfernsprecher in Höhe des Ausfahrtsignals im Bf Sölde und nimmt um 02:20 Uhr fernmündlich den schriftlichen Befehl zur Vorbeifahrt am Halt zeigenden Ausfahrtsignal des Bf Sölde entgegen. Anschließend geht Lokf. Rudolf V. zurück auf die Lok.
Unterdessen meldet sich um 02:23 Uhr der Lokf. Stefan Winkler (64) vom Dg 6940 am Signalfernsprecher „J 1/2“ des Bf Aplerbeck beim Fdl „Apf“ und fragt nach, wann es denn endlich weiter ginge. Der Fdl Karl-Ludwig F. unterrichtet ihn kurz über eine Blockstörung und es ginge auch gleich weiter.

Um 02:24 Uhr setzt sich der Erzzug Gdg 6486 am ASig in Sölde langsam in Bewegung.
Zu diesem Zeitpunkt diktiert der Fdl in Aplerbeck dem Lokf. Stefan W. des Dg 6940 noch den schriftlichen Befehl „A“ zur Vorbeifahrt am Halt zeigenden Einfahrtsignal „J 1/2“ des Bf Aplerbeck.
Es ist jetzt 02:27 Uhr.
Unaufhaltsam nähert sich der Erzzug Gdg 6486 dem Bahnübergang (Bü) Schlagbaumstraße als Lokführer Rudolf V. das Einfahrtvorsignal „J“ in km 178.117 mit der Signalstellung Vr0 wahr nimmt und leitet eine Betriebsbremsung des Zuges ein. Es ist stockdunkel und der Bü, der in einer Kurve liegt, lässt keinen Blick auf den Zugschluss des dahinter stehenden Frachtenzuges Dg 6940 zu.
Der Heizer Nikolas Joseph (47) des Dg 6940 ist noch auf der Lok und ahnt nichts von dem herannahenden Gdg 6486.
Unterdessen diktiert der Fdl „Apf“ dem Lokf. Stefan W. am Signalfernsprecher „J 1/2" des Bf Aplerbeck jetzt die neue Abfahrtzeit 02:28 Uhr mit.

In diesem Augenblick fährt mit 52 km/h der Gdg 6486 bei km 177.530 auf den dort stehenden Dg 6940 auf.
Durch die ungeheuerliche Kollision wird der „festgebremste“ Dg 6940 um gut zehn Meter über seinen ursprünglichen Halteplatz hinaus gedrückt. Durch die Wucht des Aufpralls erlitt der Heizer Nikolaus J. auf der 50 321 Prellungen und wurde glücklicherweise nur leicht verletzt. Sein Lokführer Stefan W. vom Bw Wanne-Eickel, der noch neben dem Fernsprechkasten stand, blieb unverletzt.

Der Lokf. Rudolf V. (65) vom Bw Dortmund Rbf auf der 50 1631 wurde durch den Aufprall und durch das herabstürzen seiner Lok von dem zehn Meter hohen Bahndamm schwer verletzt. Er hatte seinen Platz an der rechten Seite des Führerhauses, als sich die schwere Lok in die Kesselwagen des vor ihm stehen Güterzuges bohrte. Nach seiner eigenen Aussage hing er mit dem Kopf nach unten und aus dem Tender fielen die Kohlen auf ihn herab. Überall um ihn herum war nur Dampf und er hatte nur einen Gedanken: „Fort.“ Es gelang ihm trotz seiner Verletzungen sich aus seinem eisernen Gefängnis zu befreien und in panischer Angst schleppte er sich über Schotter und Gleise auf die andere Seite des Bahndamms. Dort fanden ihn 20 Minuten nach dem Unglück die Männer der Feuerwehr und brachten ihn aufgrund seiner komplizierten Verletzungen in das Hörder Hüttenhospital. Sein Heizer Helmut H. (34) ebenfalls vom Bw Dortmund Rbf kam dabei ums Leben. Die Personale der Zuglok 50 314 (Bw Dortmund Rbf) mit Lokf. Wilhelm Eggers (59) und seinem Heizer Gerhard Lüttgen (46) beide vom Bw Hamm verstarben ebenfalls noch an der Unfallstelle.

Die Anwohner der umliegenden Wohnhäuser berichteten von einem ohrenbetäubenden Lärm bei der Kollision der beiden Züge und sie wurden dadurch sprichwörtlich aus dem Schlaf gerissen. Ein riesiger Dampfpilz und dauernd anhaltendes Pfeifen der verunfallten Lo-komotive 50 314 boten um 03:15 Uhr immer noch ein schauriges Bild. Überall zischte und brodelte es. Die Lage war zunächst recht unübersichtlich und erschwerte den sofort herbeigerufenen Rettungskräften die Arbeit sehr. Um die ersten Rettungsmaßnahmen einzuleiten mussten zunächst große Scheinwerfer aufgestellt werden um die Unfallstelle auszuleuchten. Die herbeigerufene Schutz- und Bahnpolizei sicherte nun weiträumig die Unfallstelle ab. Schaulustige wurden zur Vorsicht ermahnt, da durch die umgestürzten Kesselwagen auch Explosionsgefahr bestand. Im gleißenden Scheinwerferlicht begannen noch in der Nacht die Bergungsarbeiten. Zu den Einsatzkräften vor Ort gehörte auch der 1. Betriebsingenieur Oberamtmann Karl Bierwirth vom Betriebsamt Dortmund der auch sofort die Leitung der äußerst schwierigen Bergungsaktion koordinierte.

Um 03:50 Uhr fand ein Polizeibeamter die zerrissene Mütze eines Lokführers. Wenige Meter davon entfernt lag der Tote. Es war, wie sich später herausstellte, Hauptlokführer Wilhelm Eggers.
Um 04:30 Uhr mussten die Bergungsarbeiten zunächst eingestellt werden, da die auf der ausgelaufenen Erzladung liegende Lok zu rutschen begann. Erst am frühen Morgen war das gesamte Ausmaß der Tragödie zu erkennen. Ohne schweres Gerät war die Lage hier aussichtslos. Mit dem als dringlichen Hilfszug herbeigerufenen 90-tonnen Dampf-Kranzug des Bw Dortmund Bbf konnte mit einer systematischen Aufräumaktion begonnen werden.
Vorangehend wurde am Sonntagmorgen die Vorspannlok 50 1631 geborgen. Nachdem die Lok auf das Streckengleis Aplerbeck - Sölde gestellt wurde, erfolgte anschließend der Abtransport nach Holzwickede zur vorübergehenden Abstellung. Nach Bergung der 50 314 fanden die Rettungskräfte dann auch gegen 19:00 den verstorbenen Lokf. W. Eggers und seinen Heizer G. Lüttgen, die beide unter der Lok eingeklemmt, gelegen haben.

Wie unerbittlich das Schicksal sein kann, bezeugt die Aussage von Lokf. W. Eggers, der wenige Tage zuvor in seinem Freundeskreis noch erzählt hat, dass er am Montag, den 10.10.1966 seinen letzten Zug fahren würde und anschließend, nach fast 40 Dienstjahren in den wohlverdienten Ruhestand versetzt werde. Sein langjähriger Heizer G. Lüttgen war erst noch am Donnerstag beim seinem Arzt gewesen und dieser empfahl ihm, einige Tage auszusetzen. Gerhard L. fühlte sich aber nicht krank genug, um seinem Dienst fernzubleiben.

Nach und nach konnte die Unfallstelle geräumt werden, ständig beobachtet von vielen Schaulustigen. Bereits am Abend konnte ein erster Streckenabschnitt schon wieder für den eingeschränkten Zugverkehr freigegeben werden. Nur die zerfetzten Kesselwagen zeugten anschließend noch von dem schweren Unglück. Sie wurden in den folgenden Tagen an Ort und Stelle mit Schneidbrennern zerschnitten und dann abtransportiert. Neben den getöteten Fahrpersonalen hat der Unfall auch einen Sachschaden von mehr als einer halben Million D-Mark gefordert. Über 100 Züge waren ausgefallen. Zwischenzeitlich wurde ein gut funktionierender Schienenersatzverkehr zwischen Hörde und Holzwickede eingerichtet. Umleitungen erfolgten auch über die Strecke Hörde - Abzw Heide - Schwerte - Holzwickede.
________________

Wie kam es zu dem Unfall?

Der Fdl Karl-Ludwig F. war volltrunken auf seinem Posten eingeschlafen. Vom Telefonanruf eines Kollegen geweckt, der wissen wollte, ob der Güterzug schon durch sei, hatte F. geantwortet: „Ja, der Zug ist durch“.
Nach dem Ergebnis der Blutuntersuchung hatte F. einen Blutalkoholgehalt von 2,68 Promille. Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass der Fahrdienstleiter vor dem Unfall mehr getrunken haben muss, als er bislang zugegeben hat. Eine Stunde nach dem Unglück wurde der Fdl F. festgenommen und zum Verhör in die Polizeiwache an der Hohen Straße gebracht.

Das Verhör ergab:
Friederich, der in den vergangenen Tagen ständig Nachtdienst von 21:00 bis 06:00 Uhr gehabt hatte, gab zu, am Freitag „einiges getrunken“ zu haben. So auch zwischen 16:00 und 18:30 Uhr, als er nach dem Mittagschlaf eine Gaststätte aufgesucht hatte. Wie viel Bier er in dieser Zeit getrunken hat, konnte nicht festgestellt werden. Um 19:44 Uhr fuhr er von seinem Wohnort Holzwickede nach Aplerbeck. Er hatte noch Zeit bis zum Dienstantritt und kaufte sich in der Bahnhofsgaststätte eine Flasche Bier. Als um 23:17 Uhr der letzte Zug kurz vor Mitternacht passiert hatte, ging er um 24 Uhr in den Bahnhof, um, wie üblich, abzuschließen.
In der Gaststätte genehmigte er sich noch „zwei bis drei“ Glas Bier. An seinem Arbeitsplatz „schlummerte“ er dann ein.

Der leitende Staatsanwalt, Heinz W. meint, es sei nicht ausgeschlossen, dass F. vom Gericht der Absatz 2 des Paragraphen 51 zur Unfallzeit zugebilligt werde. Das würde bedeuten: Der Mann war nicht zurechnungsfähig, als er den Erzzug passieren ließ, obwohl die Strecke durch einen Güterzug blockiert war. Der Leiter der Bergungsaktion, Oberamtmann Karl Bi., der nach dem Unglück als erster mit F. sprach, hatte jedoch keinesfalls den Eindruck gehabt, dass der Fahrdienstleiter betrunken gewesen sei. „Der Mann war nur furchtbar müde“. Eine Zeugin hatte der Kripo jedoch erzählt, dass man F. selbst reichlichen Alkoholgenuss niemals habe anmerken können.
Der Fahrdienstleiter F. wurde wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und wegen Transportgefährdung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft billigt dem Beschuldigten eine Toleranz von mindestens 2,5 und höchsten 2,8 Promille zu. Der Prozess fand vor der großen Verkehrsstrafkammer des Dortmunder Landgerichtes statt.
Über den Ausgang des Verfahrens gab es bislang keine nachweisbaren Informationen. Es ist aber davon auszugehen, dass er in allen Anklagepunkten für schuldig gesprochen wurde und auch anschließend disziplinarrechtlich seines Amtes enthoben wurde.

Der schwerverletzte Lokf. Rudolf V. (65) musste einen längeren stationären Aufenthalt im Krankenhaus über sich ergehen lassen. Auch er wäre, wie sein Kollege Wilhelm E. vom Bw Hamm kurze Zeit später pensioniert worden. Seine letzte Fahrt hatte er sich bestimmt auch ganz anders vorgestellt.
Nach seiner Genesung hat er keine Lok mehr gefahren und wechselte nahtlos in den Ruhestand.

Zeitzeugen-Informationen:
G. Schäfer
Ga Do Rbf / Do-Hörde
K. Brede Lokf. Bw Do Bbf
E. Zimmerers † Lokf. Bw Do Rbf
V. Zimmerers † Lokf. Bw Hamm
M. Simon † Lokf. Bw Do Rbf
W. Mertin Lokf. Bw Dortmund Rbf
W. Vedder Lokf. BwDortmund Rbf
H. Dillenhöfer † DVst Bf Do-Hörde
W. Vatheuer † Amtslehrer BA Dortmund

Zum Abschluss noch das Unfallbild einer Flankenfahrt im Bahnhof Dortmund Rbf mit der 50 1243 aus dem Jahre 1959.
Auch hier war dann ein Dampfkran im Einsatz.

https://abload.de/img/dso2050201243941158mmnhjlm.jpg

Gruß
Der Dortmunder
Michael
http://fs2.directupload.net/images/150427/l5bxue39.png
Sachliche Kritiken zum eigentlichen Thema sind ausdrücklich erwünscht.

Guten Abend Michael, Dein Unfallbericht liest ziemlich gruselig ;-( und fast könnte man eine neue Monatsgeschichte daraus machen - daher besten Dank für Deine Ergänzung.

--
Markus

Museumsbahnhof Lette im Netz:
[www.bahnhof-lette.de]
Hallo und vielen Dank für dien Beiztrag, dessen Inhalt gleichwohl mehr als traurig ist. Wie der Zufall so spielt, sind mir gerade kürzlich erst Zeitungsfotos von der Beerdiging des Hammer Lokführers Eggers in die Hände gefallen, er war in meinem Heimat-Stadtteil eine recht bekannte Größe. Der Zufall will es, dass der katholische Nordenfriedhof tatsächlich unterhalb der Hammer Bahnanlagen liegt, bevor sie Lippe und Kanal überqueren...

Viele Grüße vom Hammenser.
Hallo Michael,
danke ganz herzlich für diesen eindrucksvollen Beitrag!!
Ich kann mich dunkel erinnern - es war wohl einer meiner ersten Zeitungsausschnitte - das Bild einer beschädigten Lokführermütze auf einem Trümmergewirr.
Wo habe ich bloß diesen Ausschnitt gelassen?
Dein Bericht ist sehr lesenswert. 3x50er auf den Schrotthaufen, sie wurden ja alle ausgemustert nach dem Unfall, was kein Wunder ist - bei der Wucht des Unglücks.
Viele Grüße
Daniel

Eisenbahnmuseum "Alter Bahnhof Lette (Kr Coesfeld"
[www.bahnhof-lette.de]
Das könnte der Bericht im "Westf#lischen Anzeiger und Kurier" gewesen sein, da ist ein solches Foto zu sehen. Allerdings ist dort kein Fotonachweis vermerkt. Ich schaue morgen noch einmal nach der Originalseite.

Viele Grüße,

Markus Meinold

Gefunden!

geschrieben von: sukram01

Datum: 07.07.20 17:10

Hallo zusammen, Pater Daniel bat mich, diesen Originalfund vom August 1969 hier hochzuladen:

Dortmund-Aplerbeck 1969.jpg


Zitat
Der Artikel von Michael über das schreckliche Unglück in Dortmund Aplerbeck weckte in mir gleich die Erinnerung an einen meiner frühesten aufgehobenen Zeitungsausschnitte. Siehe da! Er fand sich noch.Hier das Bild mit der beschädigten Dienstmütze von einem der Dampflokpersonale.
Beste Grüße
Daniel

--
Markus

Museumsbahnhof Lette im Netz:
[www.bahnhof-lette.de]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.07.20 17:11.