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 04 - Historisches Forum 

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Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Hallo,
hier ein besonderes "Schmankel" - viel Spaß beim Lesen:

Augsburger Abendzeitung
Dienstag, 16. April 1850
Nro. 106
München, 14. April. In der "Wienerzeitung" Nro. 84 vom 7. l. Mts. findet sich von Seite des k. k. österreichischen Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Bauten die Ausschreibung eines Preises von 20,000 Stück vollwichtiger kaiserlicher Dukaten für die entsprechende Construktion einer zu Transporten auf der Eisenbahn über das Sömmering=Gebirg (Semmering; Walter) geeigneten Locomotive. Bei der k. k. Gesandschaft dahier liegen das betreffende Programm so wie die dazu gehörigen Beilagen zur Einsicht der sich hiefür Interessirenden bereit. (A. Z.)

Die Bayerische Landbötin
Mittwoch, 16. Juli 1851
Nr. 168
Oesterreich. Die Probefahrten über den Semmering haben am 8. Juli begonnen. Mit der aus der Maffei'schen Maschinenfabrik bei München hervorgegangenen Lokomotive wurde der Anfang gemacht, welche bei Steigen und Krummungen sammt einer Kraft von 800 Zentner 3 Meilen in der Stunde zurücklegte.

Die Bayerische Landbötin
Freitag, 15. August 1851
Nr. 194
Auf der Gloggnitzer=Bahn fanden auf der Strecke von Payerbach bis Pettenbach mit Steigungen von 1 : 40 und 1 : 45, dann mit einer Krümmung von 100 Klafter Radius mehrere Vorbereitungsfahrten statt, und zwar befuhr dieselbe: am 4. d. die Lokomotive "Maffei" mit einer Bruttoladung von 1850 Zentner; Schnelligkeit der Fahrt: drei Meilen in der Stunde. Tags darauf die Lokomotive "Coqueril" mit einer Bruttoladung von 2000 Zentner; Fahrgeschwindigkeit 2 1/2 Meilen. Am 6. Aug. abermals die Lokomotive "Maffei"; Bruttoladung 2600 Zentner; Fahrschnelligkeit 1 1/8 Meilen. Lokomotive und Tender sind in der Bruttoladung nicht begriffen.

Die Bayerische Landbötin
Donnerstag, 21. August 1851
Nr. 199
Aus Gloggnitz, 14. Aug. wird der "Augsb. Postz." über die Probefahrten der um den ausgesetzten Preis concurirenden Dampfmaschinen geschrieben: Die bisher unternommenen Fahrten reichen hin, das Endresultat der Versuche mit einiger Wahrscheinlichkeit vorhersagen zu können. Es ist, wie sich nach den gemachten Proben herausstellte, kaum zweifelhaft, daß die bayerische Maschine aus der Fabrikstätte des Hrn. Maffei den ersten Preis erlangen werde! Die Leistungen dieser Lokomotive sind bis zu diesem Augenblick die vorzüglichsten; sie langte bei der letzten Probefahrt trotz einer ungeheuren Belastung 9 Minuten früher, als bestimmt, an Ort und Stelle an. Die belgische Maschine, welche sich großen Zutrauens von Seite der Kunstverständigen zu erfreuen hatte, mußte seit den ersten Versuchen bereits der Bavaria weichen. Die beiden übrigen concurrirenden Maschinen, nämlich die Wiener und die Neustädter, können nur mit Mühe in Gang gebracht werden und bewegen sich höchst schwerfällig.

Die Bayerische Landbötin
Mittwoch, 27. August 1851
Nr. 204
Oesterreich. Auf der Gloggnitzer Bahn haben auf der Strecke von Payerbach bis ans Ende der Probestrecke bei Eichberg am 19. August kommissionelle Probefahrten mit der 8=rädrigen Lokomotive aus der Fabrik des Hrn. Günther in Neustadt stattgefunden. Hiebei ergab sich bei einer Bruttolast von 2350 Zentner bei der Bergfahrt eine durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit von 1 1/2 Meilen. Am 20. wurde die Reihe der kommissionellen Preisfahrten und zwar mit der Lokomotive "Bavaria" aus der Fabrik des Hrn. v. Maffei begonnen. Von 8 Uhr Früh bis 3 1/2 Uhr Nachmittags wurden mit dieser Maschine sechs Fahren gemacht, und sämmtlich als gelungen erklärt. Hiebei war die konstante Bruttolast 3065 Zentner, ohne Tender, die durchschnittliche Geschwindigkeit der Fahrt niemals unter zwei Meilen und bei der letzten Fahrt über 2 1/2 Meilen.

Augsburger Anzeigblatt
Donnerstag, 28. August 1851
Nro. 235
Heute wurde hier das vollständige Resultat der Probefahrten bekannt, welche die Locomotive "Bavaria" aud der Maffei'schen Fabrik auf der Gloggnitzer Eisenbahn zu machen hatte. Mit einer Last von 3075 Zentnern, wurden (bei sechs Fahrten) am 20. d. 2 1/2 Meilen in der Stunde gemacht, und mit 3400 Zentnern am 21. d. 2 3/4 Meilen per Stunde, damit bei einer dreizehnten Fahrt am 22. d. mit 4000 Zentnern 1 3/4 Meilen - während nach dem Programm nur 1 1/2 Meilen mit einer Last von 2500 Zentnern zu machen gewesen wären; das erzielte Resultat ist sonach ein überaus günstiges, zumal sämmtliche Fahrten ohne irgend eine Störung vorübergingen. Ein Hauptpreis für Maffei ist daher gewiß.

Die Bayerische Landbötin
Donnerstag, 28. August 1851
Nr. 205
Die Lokomotive "Bavaria" hat bei der am 22. ds. Vorgenommenen Fahrt eine Bruttolast von 4000 Zentner mit einer durchschnittlichen Fahrgeschwindigkeit von 1 3/4 Meilen, von Payerbach bis Eichbach, ganz regelmäßig hinaufgezogen.

Die Bayerische Landbötin
Dienstag, 9. September 1851
Nr. 215
Aus Payerbach wird geschrieben: Am 29. v. M. gegen 8 Uhr Morgens ging, bei Fortsetzung der Preisfahrten auf dem Semmering, die Lokomotive "Neustadt" mit einer Last von 2700 Zentner von Payerbach ab, jedoch nicht in Begleitung der Kommission, sondern allein, um noch in aller Eile eine kleine Vorprobe zu erzielen. Oberhalb Payerbach jedoch fingen die Räder ihr gewöhnliches Schleifen (Umdrehen ohne Vorwärtskommen) wieder an, und nach dem zweiten Tunnel blieb die Maschine abermals stecken, ohne weiter kommen zu können. Sie mußten unverrichteter Sache wieder zurück nach Payerbach. Die Proben wurden bis zum 1. Sept. verschoben, an diesem Tage nahm die Lokomotive die Last von 2500 Zentner auf, blieb aber unterwegs gänzlich stecken. Das schlechte Wetter ward als Grund der unglücklichen Fahrt angegeben. - Am 2. Septbr. legte die Lokomotive "Wiener=Neustadt" fünf gelungene Fahrten zurück.

Die Bayerische Landbötin
Sonntag, 14. September 1851
Nr. 220
Aus Payerbach schreibt man: Am 6. Septb. wurden mit der Lokomotive aus Wiener Neustadt 3 Fahrten von Payerbach bis Eichberg vorgenommen. Bei der ersten Fahrt war die Bruttolast 2526 Ztr., die mittlere Geschwindigkeit 2 25/100 Meilen, der Holzverbrauch 25 Bündel; bei der zweiten Fahrt die Bruttolast 2534 Ztr., die mittlere Geschwindigkeit 2 1/100 Meilen, der Holzverbrauch 27 Bündel; bei der dritten Fahrt betrug die Bruttolast 2540 Ztr., die mittlere Geschwindigkeit 1 93/100 Meilen, und der Holzverbrauch 31 Bündel. Mit der Lokomotive "Bavaria" wurde ebenfalls eine Fahrt mit 3304 Ztr. Vorgenommen, wobei aber zwei Tenderräder nicht mitgekuppelt waren; die Maschine gleitete mehrmals und mußte wegen gesprungener Wasserpumpe die Weiterfahrt einstellen.

Münchner Neueste Nachrichten
Donnerstag, 18. September 1851
Nro. 261
r München, 17. Sept. Die Lokomotive Bavaria hat den von der k. k. östereichischen Regierung ausgeschriebenen Preis von 20,000 Stück Dukaten nun wirklich errungen und die Preis=Ertheilung wird am 18. oder 19. Sept. stattfinden.

Die Bayerische Landbötin
Donnerstag, 18. September 1851
Nr. 223
Aus Payerbach wird geschrieben: Man hatte bis jetzt von mehreren Seiten der Lokomotive "Bavaria" dem Vorwurf gemacht, daß sie ihre Hauptproben nur bei ganz günstigem Witterungsverhältnissen abgelegt habe. Um auch diesen Vorwurf zu widerlegen, wurden am 10. d. bei dem ungünstigen Wetter mit der Bavaria mehrere interessante Fahrten unternommen, die vollkommen gelungen sind. Die angehängte Last betrug 3403 Zentner, die mittlere Geschwindigkeit 2,28 Meilen für die Stunde.

Augsburger Postzeitung
Freitag, 19. September 1851
Nr. 257
München, 17. Sept. Die Locomotive Bavaria des Hrn. v. Maffei hat bei der Preisbewerbung auf dem Semmering den ersten Preis anerkannt erhalten. (N. M. Z.)

Die Bayerische Landbötin
Freitag, 19. September 1851
Nr. 224
* Die gestern zuerst von der "Landbötin" mitgetheilte Nachricht, daß die Lokomotive "Bavaria" auf der österreichischen Semmering=Staatsbahn den ersten Preis mit 20,000 Dukaten zuerkannt erhalten habe, verbreitete unter der hiesigen Bevölkerung die freudigste Theilnahme, um so mehr, als die große Mehrzahl derselben Hrn. v. Maffei diese glänzende Würdigung einer langen mühevollen Laufbahn von Herzen vergönnt, und sich dabei auch mit größtem Stolze dieses Sieges, als Bayern insbesondere ehrend, bewußt ist. Ohne Frage ist der innere Werth dieses industriellen Sieges weit über den Geldwerth des Preises zu setzen, wie denn auch schon erneute bedeutende Bestellungen in der Fabrik des Hrn. v. Maffei eingelaufen sein sollen.

Die Bayerische Landbötin
Sonnabend, 20. September 1851
Nr. 225
* München, 18. Sept. Der Sieg, welchen die Lokomotive "Bavaria" über die anderen Preiskonkurrenten errang, gereicht nicht nur der Maffei'schen Maschinenfabrik zur größten Ehre, sondern veranlaßt freudige Betrachtungen über den Zustand der deutschen, insbesondere der bayerischen Industrie. - Das Etablissement von Seraing ist seit bedeutend längerer Zeit im Gange, als das v. n. Maffei; ersteres hatte diese lange Reihe von Jahren hindurch Gelegenheit, in allen Einzelheiten des Maschinenbaues die vollkommensten und sichersten Erfahrungen zu machen, indem es fast alle entstehenden Eisenbahnen und Geschäfte, die durch Dampf betrieben werden sollten, mit Maschinen versah. Hiezu kamen noch die außerordentlichen Geldmittel, welche demselben in Folge dieses bedeutenden Absatzes zu Gebote standen. Hat ja sogar der belgische Staat, als dieses großartige Geschäft ohne John Cocerill's Verschulden in momentanes Stocken gerieth, durch rasche und nachhaltige pekunäre Unterstützung seinen Fortbestand gesichert.
Diesem mächtigen Conkurrenten gegenüber war es gewiß ein schwieriger Kampf und doch gelang es der Maffei'schen Fabrik, den Preis zu erringen. Wir fühlen uns nicht berufen, Vergleichungen zwischen den beiden Etablissements anzustellen und beruhigen uns, über das immer gedeihlichere Aufblühen der Maffei'schen Fabrik damit, daß auf allen befahrbaren Eisenbahnen mehr und mehr der Name "Maffei" an den Lokomotiven gelesen zu werden beginnt. Es ist um so erfreulicher, einen vorliegenden Beweis zu haben, was in Bayern für ein Maschinenbau geleistet werden kann, als noch vor nicht zu vielen Jahren die Meinung eine allgemein verbreitete war, jede nur etwas größere und mehr complizirte Maschine könne einzig nur aus England, mindestens Belgien bezogen werden, und so begrüßen wir denn in dem Siege der Bavaria über ihre Mitbewerber den Anfang zum Sturze des ebenso mächtigen als unheilvollen, ja schmählichen Vorurtheils, ausländische Fabrikate ständen in unerreichbarer Höhe von uns.

Augsburger Abendzeitung
Montag, 22. September 1851
Nro. 265
München, 20. Sept. Zu Ehren des Hrn. v. Maffei, wegen des mit der Lokomotive Bavaria errungenen Siegs wird dem Vernehmen nach, im Laufe der nächsten Woche von mehreren hiesigen angesehenen Bürgern ein großes Diner im "bayerischen Hof" gegeben werden.

Münchner Neueste Nachrichten
Dienstag, 23. September 1851
Nro. 266
** München, 22. Sept. Eine telegr. Dep. aus Wien, 21. Sept. 10 Uhr Vorm., berichtet die eben dort stattgefundene Preisvertheilung für die Locomotiven, welche die Semeringbahn überschritten: I. Preis: Bavaria (aus der Maschinen=Fabrik unseres hiesigen Mitbürgers Hrn. J. v. Maffei); II. Neustadt (von Günther in Weimar=Neustadt); III. Seraing (von Cockerill u. Comp. in Seraing bei Lüttich); IV. Vindobona (aus der Maschinen=Fabrik der k. k. priv. Gloggnitzer=Eisenbahn).

Die Bayerische Landbötin
Mittwoch, 24. September 1851
Nr. 228
Dem Fabrikbesitzer Ritter v. Maffei wird, als Anlaß des Sieges der Lokomotive "Bavaria" am Semmering, nächsten Donnerstag von Seiten des hiesigen Stadtmagistrats und der Bürgerschaft ein Festessen von 200 Gedecken im Bayerischen Hofe veranstaltet.

Augsburger Abendzeitung
Donnerstag, 25. September 1851
Nr. 268
** München, 24. Sept. (Korresp.) - Diesen Abend veranstalten die Arbeiter der Maffei'schen Fabrik aus Anlaß des der "Bavaria" gewordenen Preises dem Hrn. v. Maffei einen Fackelzug mit Musik. Morgen ist das ihm zu Ehren von den "Vätern unserer Stadt" im "Bayerischen Hofe" veranstaltete Diner, an welchem (trotz der hohen Preise von 6 Gulden pr. Couvert) gleichwohl zahlreiche Personen sich betheiligen.

Münchner Neueste Nachrichten
Freitag, 26. September 1851
Nro. 269
** München, 25. Sept. Gestern Abend brachten die sämmtlichen Arbeiter der Maschinenfabrik des Herrn v. Maffei aus Veranlassung des Sieges seiner "Bavaria" ihrem hochgeehrten Fabrikherrn einen glänzenden Fackelzug. In Mitte dieses an 400 Gasflambeaux zählenden Zuges folgten in drei Wagen deren Deputation und zwei Musikcorps. Vor dem Wohnhause des Herrn v. Maffei (Promenadeplatz) angelangt, kam ein auf den Gefeierten, der sich in ihre Mitte begeben hatte, für diese Festgelegenheit verfaßtes Gedicht zum Vortrage, das mit dreimaligem Hoch auf denselben schloß. Hr. v. Maffei erwiederte in freundlichen Worten die ihm eben bezeugte innige Theilnahme und brachte am Schlusse ein "Hoch" seinen Arbeitern aus, das hundertfachen Widerklang fand. Der Abend vereinigte dieselben hierauf zu einem fröhlichen Gelage im Prater. - Heute Vorm. ward aus gleicher Veranlassung dem Herrn v. Maffei auf dem Rathhause vor den versammelten Collegien des Magistrates und der Gemeindebevollmächtigten, als ein ehrendes Anerkennungszeichen seiner patriotisch=industriellen und zahlreichen Verdienste um die Stadt, die seit lange nicht verliehene goldene Bürgermedaille auf feierliche Weise durch den I. Bürgermeister Hrn. Dr. Bauer überreicht. Das bezügliche Ehrendiplom ist von der Meisterhand des rühmlichst bekannten Calligraphen Hrn. Portner. Des Nachm. fand zu Ehren des Gefeierten in dem festlich dekorirten Saale des "Bayer. Hofes" das schon mitgetheilte, von dem Magistrate weiters veranstaltete Festmahl statt, bei welchem sich sämmtliche H.H. Staatsminister, der Hr. Reggs.=Präsident v. Bening, sämmtliche Magistratsglieder und viele der hiezu eingeladenen Mitbürger betheiligten.

Augsburger Postzeitung
Sonnabend, 27. September 1851
Nr. 265
München, 26. Sept. Bei dem gestern im Bayerischen Hof Hrn. v. Maffei zu Ehren gegebenen Festmahl wurde demselben von dem Ministerpräsidenten Hrn. v. Pfordten der Verdienstorden der bayerischen Krone nebest einem höchst schmeichelhaften Handschreiben Sr. Maj. des Königs überreicht.

Münchner Neueste Nachrichten
Dienstag, 30. September 1851
Nro. 273
** München, 29. Sept. Samstags gab Hr. v. Maffei seinen Arbeitern und deren Familienangehörigen ein brillantes Fest in den schönen Lokalitäten des Praters. König Max hatten dem, in Anerkennung der großen Verdienste um die bayer. Industrie dieser Tage mit dem Ritterkreuze des Civil=Verdienstordens der bayer. Krone dekorirten Fabrikherrn inzwischen den höchst ehrenden Auftrag ertheilt, bei Anlaß dieses Festes dem Direktor des Eisenwerkes Hirschau, Herrn Joseph Hall, die diesem wohlverdienten Manne verliehene Civil=Verdienstmedaille persönlich zu überreichen. Welch enthusiastische Aufnahme diese kgl. Auszeichnung unter der 7 - 800 Menschen zählenden Versammlung gefunden, läßt sich leicht ermessen.

Die Bayerische Landbötin
Dienstag, 30. September 1851
Nr. 233
* Von den zahlreichen ausgesuchten Gerichten bei dem Festmahle, welches viele hiesige Burger Hrn. v. Maffei zu Ehren gaben, erregte besondere Aufmerksamkeit eine kunstvoll gefertigte Konfiture, welche die Lokomotive "Bavaria" darstellte, ein Werk, das in seiner Art ebenfalls preiswürdig erschien, und der Gemahlin des Gefeierten übermacht wurde.

Die Bayerische Landbötin
Sonntag, 5. Oktober 1851
Nr. 238
Die "Ost=Deutsche Post" meldet aus Wien: Der Nachricht, welche aus München hieher kam, daß dem Erbauer der Lokomotive Bavaria, Ritter v. Maffei, als Sieger bei der Befahrung der Semmeringbahn, ein Fackelzug gebracht und ein Festmahl gegeben wurde, haben wir eine andere Nachricht entgegenzusetzen. Die Ausfolgung der Prämie kann einstweilen nicht stattfinden. Die drei Dukatenpartien, welche zur Absendung an den Meister bereit lagen, müssen wieder in Cassa zurückgelegt werden. Es wurde nämlich vom Ingenieur Bormer, dem Besitzer eines ausschließlichen Privilegiums, wegen Beeinträchtigung Beschwerde beim Ministerium eingeführt.

Die Bayerische Landbötin
Mittwoch, 8. Oktober 1851
Nr. 240
* Wie bereits gemeldet wurde, ist die Verabfolgung der Prämie der Lokomotive "Bavaria" durch einen Zwischenakt verhindert, da der Ingenieur Bodmer, sich berufend auf sein Privilegium, welches ihm den ausschließlichen Gebrauch der Erfindung sichere, sich beeinträchtigt glaubte und deshalb gegen die Verfertiger der Preislokomotiven Beschwerde beim öst. Ministerium geführt hat. Ein österreichisches Journal glaubt, daß hier das Recht wirklich auf der Seite des Klägers sei; wir sind indessen anderer Meinung. Nach den österreichischen Gesetzen werden Privilegien auf kürzere oder längere Zeit ertheilt; jedes Privilegium ist aber für den Inhaber nach §§. 7 und 8 des Priv. Ges. vom 31. März 1832 aufzuheben, wenn sich herausstellt, daß die Mittel oder Verfahrungsarten dem allgemeinen Staatsinteresse entgegen sind; jedes Privilegium erlischt für den Inhaber, wenn bessere Produkte anderwärts geliefert werden. Warum hat der Ingenieur Bodmer nicht Besseres, Trefflicheres geleistet, als die "Bavaria". Entweder wollte er nicht, oder konnte er nicht; war das erstere der Fall, so findet der erste Satz des Gesetzes Anwendung, daß sein Privilegium aufgehoben ist; konnte er nichts Besseres liefern, als "Bavaria" so erlischt das Privilegium von selbst. Deshalb und im Interesse der bayerischen Industrie ist es Pflicht eines Jeden so viel als möglich dahin zu arbeiten, daß die Privatinteressen eines österreichischen Spekulanten an dem wohlbegründeten Rechte unseres sehr verdienten Landsmannes Hrn. Ritter v. Maffei scheitern, und die ihm zuerkannte Prämie alsbald ausgehändigt werde.

Augsburger Abendzeitung
Dienstag, 28. Oktober 1851
Nro. 301
** München, 27. Oktbr. (Korresp.) - Der Unternehmer Hr. v. Maffei befindet sich zur Zeit in Wien, wo bekanntlich die Auszahlung des Preises für sein Lokomotiv "Bavaria" auf Schwierigkeiten gestoßen ist.

Augsburger Abendzeitung
Freitag, 7. November 1851
Nro. 311
München, 6. Nov. Hr. v. Maffei ist von seiner Reise nach Wien zurückgekommen und zwar hat dieselbe den günstigen Erfolg gehabt, daß die auf Veranlassung zweier Besitzer sogenannter Privilegien gegen die Ausbezahlung des Preises von 20,000 Dukaten für die Sieger=Lokomotive bei dem österreichischen Handelsministerium erhobenen Beanstandungen zuletzt gehoben worden und die Verpflichtungen, welche von der österreichischen Regierung bei Ausschreibung der Preisbewerbung eingegangen wurden, endlich erfüllt worden sind. (Volksbötin.)

Augsburger Postzeitung
Mittwoch, 12. November 1851
Nr. 311
München, 6. Nov. Hr. v. Maffei ist von der Reise nach Wien gestern hierher zurückgekehrt und es wurde demselben dort der wohlverdiente erste Preis mit 20,000 Stück Ducaten nicht nur ohne weitere Beanstandung ausbezahlt, sondern es wurde dem Vernehmen nach bei demselben noch einige Locomotiven für die Semmeringbahn bestellt.

Augsburger Anzeigblatt
Freitag, 14. November 1851
Nro. 313
München, 14. Nov. Die Verdienste des Hrn. Joseph Ritter v. Maffei etc. um die vaterländische Industrie, welche bereits von Seiner Majestät dem Könige, der Staatsregierung und der Gemeinde, deren Zierde er ist, in würdiger Weise geehrt worden sind, hat der Centralverwaltungsausschuß des polytechnischen Vereins für das Königreich Bayern durch Ertheilung des höchsten Preises, welchen derselbe zu verleihen hat, ausgezeichnet, indem er heute Mittags 12 Uhr dem Gefeierten die goldene Vereins=Medaille mit einem Huldigungsschreiben durch eine Deputation überreichen ließ.

Augsburger Abendzeitung
Sonnabend, 27. September 1851
Nro. 270
** München, 26. Sept. (Korrespondenz.) Bei dem gestrigen Festmahle zu Ehren des Hrn. v. Maffei wurde diesem von Sr. Excell. Dem Hrn. Ministerpräsidenten v. d. Pfordten im Aufrage Sr. Maj. des Königs der Civilverdienstorden mit einem sehr schmeichelhaften Handschreiben überreicht. Nachdem der I. Bürgermeister den ersten sinnreichen Toast auf das Wohl des Königs ausgebracht, ergriff der Hr. Ministerpräsident das Wort und brachte vor, wie unser König, als Allerhöchstderselbe diesen Sieg der vaterländischen Industrie vernommen, sogleich das Ministerium beauftragt habe, zu berichten, was zu Ehren dieses Mannes von Seite seiner Mitbürger geschehe, indem Se. Majestät zugleich den Entschluß ausdrücken, auch Ihrerseits dessen Verdienst auszuzeichnen. - Es verdient hier bemerkt zu werden, daß der Civilverdienstorden nun zum Erstenmale einem Bürger verliehen wurde. (Hr. v. Maffei ist bereits Besitzer des St. Michael= und eines sächsischen Ordens.) Der Gefeierte anwortete auf die ihm gebrachten Trinksprüche einfach und sinnig und war zumal von der ihn auszeichnenden Ueberraschung des Königs tief erschüttert; seine Toaste galten dem Wohle der Stadt und dem Vaterlande. Ein herzlicher Ton verherrlicht das bis Abends 8 Uhr dauernde Festmahl, bei welchem zu den übrigen Ministern sich auch noch der Kriegsminister Hr. v. Lüder gesellt hatte. - Von dem ausgezeichneten Arrangement geschah schon gestern Erwähnung; von den zahlreichen exquisiten Gerichten erregte besondere Aufmerksamkeit eine kunstvoll gefertigte Konsture, welche die Lokomotive "Bavaria" darstellte, ein Werk, das in seiner Art ebenfalls preiswürdig erschien. Es wurde der Gemahlin des Gefeierten übermacht, welcher, obgleich nicht anwesend, von dem Regierungsfinanzdirektor Hrn. v. Aschenbrenner ein Hoch ausgebracht wurde. Die dem Hrn. v. Maffei dargebrachten Huldigungen finden in den Herzen unserer ganzen Bevölkerung den wärmsten Widerklang.

Walter
Hallo Walter,

neugierig, wie ich halt bin, habe ich mir die Frage gestellt, wie denn die Lok wohl ausgesehen haben mag. Über ein bekanntes online-Lexikon bin ich dabei auf dieses pdf gestoßen: „Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereins“ №. 21 vom November 1851: [opus.kobv.de] (<Edit:> es kann sein, dass der Browser dann fragt, was man jetzt vorhat </Edit>) dessen Seite 17 zwei Zeichnungen der Lok enthält. Falls das also noch jemand wissen möchte …




Gruß

Walter



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.06.20 22:03.
Aber anscheinend war die Lok dann letztlich doch nicht toll wie sie am Anfang wohl schien.
Mikado-Freund schrieb:
Hallo Walter,

neugierig, wie ich halt bin, habe ich mir die Frage gestellt, wie denn die Lok wohl ausgesehen haben mag. ...
Die Lokomotive ist abgebildet in Dingler‘s Polytechnisches Journal 124. Band, 1852 das es zum Beispiel hier:
[dingler.culture.hu-berlin.de]
als Digitalisat gibt.

Beschreibung:
[dingler.culture.hu-berlin.de]


Abbildung:
[dingler.culture.hu-berlin.de]




https://up.picr.de/38888298wp.jpg



Aus heutiger Sicht also ähnlich der Schweizer SCB Ec 2/5 mit Stütztender.

.

Danke für die Zeichnung

geschrieben von: Enno

Datum: 28.06.20 08:54

Jetzt ist auch klar, was mit "dass der Tender nicht mit lief" gemeint ist.

Versuch einer Zusammenfassung aus Literatur und Wikipedia zur "Bavaria":

Die überragende Zugkraft der "Bavaria" liess sich nur erreichen, indem die Tenderachsen und die Achsen des vorlaufenden Drehgestells über Ketten mit angetrieben wurden, Achsfolge also B'B+C.

Die Ketten hielten der Dauerbeanspruchung aber nicht stand. Schon am Verlauf der Probefahrten wurde die Antriebskette zum Tender entfernt, und als B'B+3 bewegte sich die Zugkraft der "Bavaria" im Bereich der Mitbewerberinnen. Das steht so in einem der Zeitungsausschnitte.

Als nur kurze Zeit nach dem Wettbewerb auch noch die vordere Antriebskette schadhaft geworden war, entsprach die "Bavaria" als 2'B-Schlepptenderlok mit dreiachsigem Tender in keiner Weise mehr den Anforderungen am Semmering.

Die Südbahn kaufte die Lok für das erwähnte Preisgeld, verzichtete aber bald auf die Erneuerung der schadanfälligen Ketten und stellte die unnütz gewordene "Bavaria" ab.

Die aus heutiger Sicht grösste Leistung von Maffei im Zusammenhang mit der "Bavaria" war der Bau eines Dampfkessels, der über längere Zeit auf Bergfahrt genügend Dampf für sieben Antriebsachsen lieferte. Der Maffei-Kessel leistete stationär noch viele Jahre wertvolle Dienste.

Danke für die (einmal mehr!) tolle Zeitungsausschnittsammlung und beste Grüsse

Werner
Hallo, Mikado-Freund,

Hier eine Skizze der Lok aus "Hundert Jahre Krauss-Maffei", 1937

Bavaria.jpg

Vielleicht interessiert's noch jemanden.


Grüße,


e_u