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 04 - Historisches Forum 

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siehe auch:
[CH] Zweiachsige Akkutriebwagen von 1939/49 auf der MIB (1972-77, 33B) [www.drehscheibe-online.de]

Der harte Lauf der zweiachsigen Akkumulatortriebwagen BDa 2/2 4 und 5 führte um 1970 zur Idee, die beiden originellen Triebfahrzeuge der Meiringen - Innertkirchen-Bahn MIB mit Drehgestellen auszurüsten. In Zürich kaufte die MIB vier Drehgestelle von ausrangierten Tramwagen der Bauart Be 4/4 „Elefant“. Weil die Batterien das Ende ihrer Lebensdauer erreichten und nicht einmal mehr zuverlässig für einen ganztägigen Einsatz reichten, stand auch der Umbau auf dieselelektrischen Betrieb zur Diskussion. Die Kraftwerke Oberhasli KWO als Eigentümerin der MIB bestanden jedenfalls darauf, den Bahnbetrieb beizubehalten und keinesfalls auf die Strasse zu verlegen.

Dazu war eine umfassende Sanierung nötig. Genaue Vermessungen führten dazu, dass es entgegen früheren Annahmen sehr wohl möglich war, in den beiden Tunnels der MIB eine elektrische Fahrleitung einzubauen, aus Abstandsgründen (Überschlagsgefahr) aber nicht mit dem hochgespannten Wechselstrom der benachbarten SBB-Brünigbahn, sondern nur mit Gleichstrom 1200 V. Der Occasionsmarkt für Gleichstromfahrzeuge gab sowieso mehr her als jener für meterspurige Wechselstromtriebwagen. Fündig wurde die MIB bei der Oberrheinischen Eisenbahngesellschaft OEG, welche drei Zweirichtungstriebwagen des Herstellers Fuchs Heidelberg mit Baujahr 1952 zum Kauf anbot. Nach einem Besuch in Viernheim samt Testfahrt mit dem Triebwagen OEG 63 war klar, dass die OEG-Bauart „Spitzmaus“ für den vorgesehenen Einsatz besser geeignet war als die vorher ins Auge gefassten Aachener Triebwagen aus der Serie 1101-1105.

Leider waren die Fuchs-Triebwagen nicht einheitlich gebaut. Die 1956 nachgebauten Tw 67-70 unterschieden sich von den 1952 in Betrieb genommenen Tw 63-66 wagenbaulich durch eine leicht breitere Frontscheibe. Und in beiden Teilserien stammte die elektrische Ausrüstung von verschiedenen Herstellern. Die SBB-Werkstätte Meiringen baute 1977 die wagenbaulich und elektrisch identischen OEG-Tw 63 und und 65 für die MIB zu Bem 4/4 6 und 7 um. Der ebenfalls gekaufte OEG 68 konnte nicht in allen Teilen als Ersatzteillager dienen, da seine elektrische Ausrüstung von Siemens stammte. Im Oktober 1976 fotografierte ich die drei im Mai eingetroffenen OEG-Triebwagen 63, 68 und 65 im Freigeländer der SBB-HW Meiringen.
https://abload.de/img/2308_85_mib-oeg63-68-jekxg.jpg

OEG 63 zeigt Heidelberg als Zielbahnhof an, trägt aber einseitig bereits die zu Rangierzwecken montierte +GF+-Kupplung.
https://abload.de/img/2308_85_mib-oeg63-68-d2kfa.jpg

Im Übrigen tragen die OEG-Tw noch ihre gewohnte Schaku.
https://abload.de/img/2308_85_mib-oeg65-68-iijnl.jpg

Kann eigentlich jemand erklären, was die Grossbuchstaben hinter den OEG-Fahrzeugnummern bedeuten? Die in die Schweiz gelieferten Tw trugen die Nummern 63V, 65E und 68E.
https://abload.de/img/2308_85_mib-oeg63-abggtkwr.jpg

OEG 65 macht im Oktober 1976 im Berner Oberland Werbung für scharfe Tropfen, die hierzulande kaum erhältlich sind.
https://abload.de/img/2308_85_mib-oeg65-abgrhjb9.jpg

Die umgebauten Fahrzeuge zeigten den orangen VST-Anstrich, sie unterschieden sich durch einen modernen Einholm-Stromabnehmer, die halbautomatische +GF+-Kupplung und die moderne Charmilles-Druckluftbremse vom Ursprungszustand. Um die mit 15 kV 16 2/3 Hz elektrifizierten Gleise des SBB-Bahnhofes Meiringen befahren zu können, erhielten die OEG-Veteranen ein VW-Notstromaggregat und eben die für ein Zweikraftfahrzeug angemessene Typenbezeichnung Bem 4/4. MIB Bem 4/4 6 ex OEG 63 und Bem 4/4 7 ex OEG 65 kamen Ende 1977 in Betrieb. Vorgängig wurde der Oberbau erneuert, denn die neuen Fahrzeuge waren für 65 anstelle von 30 km/h zugelassen, und der Schienenzustand war gegen 1975 wirklich bedenklich geworden.

Bem 4/4 6 mit Revisionsdatum 30.10.77 in Meiringen. Noch nie habe ich in der Schweiz ein derart gedrängtes Dreieck-Spitzenlicht gesehen…typisch Spitzmaus eben. Der 15 m lange und seit dem Umbau 22 t schwere Zweikraft-Triebwagen bietet 34 Sitzplätze. Der Fahrgastraum strahlt nach wie vor den Charme der frühen Fünfziger aus, mit grünem Kunstlederpolster und viel Furnier.
https://abload.de/img/2308_85_mib-6-m1bxk5a.jpg

Das Publikum hat die ruhig fahrenden, schnellen und bequemen Spitzmäuse mit grosser Freude begrüsst. Endlich waren die Zeiten der mit höchstens 30 km/h schleichenden, holperigen und unbequemen Akkutriebwagen vorbei. BDa 2/2 4 von 1939 steht nach der Inbetriebnahme der Spitzmäuse in Innertkirchen am Prellbock.
https://abload.de/img/2308_85_mib-4-abg1q2jsd.jpg

Im „Kohlendreieck“, dem Aussengelände des SBB-Depots Zürich, bereiten Freiwillige den MIB-Akkutriebwagen auf die Übernahme durch das Verkehrshaus der Schweiz VHS in Luzern vor.
https://abload.de/img/2308_85_mib-4-sbb-zuefbkzu.jpg

Die alte Brücke der Oerliker Linie, der Be 4/6-Triebwagen wie auch der „Chiquita“-Triebzug im Hintergrund gehören längst der Vergangenheit an, nur Re 4/4 II der ersten Serie fahren noch heute vor SBB-Schnellzügen.
https://abload.de/img/2308_85_mib-4-sbb-zuec0kgh.jpg

BDa 2/2 5 dient noch einige Zeit als Notreserve für die beiden Triebwagen ex OEG.
https://abload.de/img/2308_85_mib-5-abg6aykez.jpg

Seine Dienste sind jedoch nicht mehr gefragt. Bevor er eine äussere Auffrischung erhält und dann auf dem Bahnhofareal aufgestellt wird, steht er noch eine Weile hinter dem Depot Innertkirchen.
https://abload.de/img/2308_85_mib-5-dep3sjjxf.jpg

Die MIB-Neuzugänge bewähren sich bestens. Bem 4/4 6 auf der Fahrt von Innertkirchen entlang der Aare nach Meiringen.
https://abload.de/img/2308_85_mib-6-str15wzk09.jpg

Bem 4/4 6 an der Haltestelle Sandsteg.
https://abload.de/img/2308_85_mib-6-s4pbjhm.jpg

Nach kurzem Halt rauscht der alte Fuchs-Triebwagen Richtung Meiringen davon.
https://abload.de/img/2308_85_mib-6-s5vgj07.jpg

Nach der Revision 1989 steht Bem 4/4 6 an seinem üblichen Platz am Güterschuppen Innertkirchen.
https://abload.de/img/2308_85_mib-6-i67m5jez.jpg

Im Hintergrund ist der 1988-96 gemietete Reservetriebwagen BOB ABDeh 4/4 301 zu erkennen.
https://abload.de/img/2308_85_mib-6-bob301-ugj78.jpg

Bem 4/4 7 erreicht, von Innertkirchen kommend, die Haltestelle Sandsteg, April 1978.
https://abload.de/img/2308_85_mib-7-str119hk70.jpg

https://abload.de/img/2308_85_mib-7-s6m0jry.jpg

Ungewohnte Perspektive: Bem 4/47 und der historische Sandsteg, eine schöne Stahlfachwerkbrücke von 1905.
https://abload.de/img/2308_85_mib-7-s11qjvk.jpg

https://abload.de/img/2308_85_mib-7-s273k2j.jpg

Bem 4/4 7 fällt durch seinen nur Seite Meiringen montierten Schneepflug auf, Oktober 1992.
https://abload.de/img/2308_85_mib-7-m60g3kqf.jpg

Nach einer kurzen Pause werde ich Bem 4/4 6 und 7 im Güterverkehr vorstellen sowie den 1998 zum reinen Dieseltriebfahrzeug umgebauten Bm 4/4 6.

Gruss, Werner



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.02.20 16:02.
Hallo zusammen,

Danke für die Bilder in klassischer Alpenumgebung. Habe in 1982 die Strecke abgefahren,
man fuhr sogar im Doppelpack, vorne Triebwagen 7, hinten Triebwagen 6.
Die Besetzung war erkennbar gut.

Gruß von Michael


MIB_10061982_01.jpg

Bild 1: Meiringen, Haltestelle Sandsteg , 10.06.1982 , MIB 7 + MIB 6

Hallo Werner,
die Buchstaben V und E, sowie S standen für die Beheimatung der Fahrzeuge, Viernheim, Edingen und Schriesheim.

Da DSO mein mobiles Endgerät nicht mag, bin ich nicht als "der 1bügler", sondern grammatikalisch korrekter als "Der Einbügler" zu lesen.
Wortlos begeistert!
Danke, Carsten



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.02.20 23:42.

Re: [CH] Einstige OEG-Spitzmäuse auf der MIB (1977-93, 20B)

geschrieben von: thw

Datum: 10.02.20 01:08

Schön die letzte Aufnahme mit dem MIB typischen Wartehaus und der Wiese im Hintergrund. Leider ist keins der Wartehäuser erhalten geblieben und die Wiese ist mittlerweile auch Geschichte.

Thomas
Vor vielen Jahren hab ich die MIB mal angeschrieben, und um Unterlagen zu den Tw gebeten, da damals die Aufarbeitung des Tw 66, der noch bei der OEG vorhanden ist, anstand.
Die Spitzmäuse waren damals bei der MIB gerade verschrottet worden.
Ein paar Tage später bekam ich einen Anruf mit diversen Nachfragen:
"Meinen Sie das Trudi? Nein, den haben wir schon lange nicht mehr.."
Ich hab dann präzisiert und erklärt um was es mir ging.
"Ja, da haben wir noch etwas, aber keine Ersatzteile mehr, wenn Sie da was benötigen."
Das hätte meinen Platzvorrat dann doch eher überstrapaziert, da war ich dann doch froh drum.
Egal, wenig später klingelte die Paketpost bei mir und ein 12kg schweres Paket landete auf meinem Schreibtisch.
Kurz: Die MIB muß den gesamten Aktenbestand bezüglich den Tw ausgeräumt haben, bis hin zu Wartungsprotokollen für das
VW-Notstromaggregat war absolut alles dabei.
Das mußte ich natürlich erstmal sichten.
Interessant war der Briefwechsel bezüglich des Ankaufs, es wurde wohl seitens der OEG nur sehr sparsam kommuniziert,
daß die Tw, wie schon von Werner in seinem hervorragenden Beitrag erwähnt, zwei verschiedenen E-Bauarten (SIEMENS und BBC) angehörten.
Die MIB hat beim Ankauf scheinbar auch nicht richtig hingesehen, jedenfalls gingen einige "giftige" Anschreiben an die
OEG, daß da ja ein SIEMENS-Wagen dabeiwäre, diese hingegen antwortete sinngemäß mit "Sie haben sich die Fahrzeuge doch selber rausgesucht, also sehen wir keinen Grund... etc., etc."
Man war in der Käfertaler Straße 9-11, im "hohen Haus", offensichtlich doch sehr froh, die zum Schluß doch eher ungeliebten
Triebwagen losgeworden zu sein.
Auch die Umbau- und Abnahmeprotokolle der Bremsanlage sind hochinteressant, die Fahrerstände mußten völlig umgebaut werden
um die neuen Bremsventile unterzubringen, auch wurde der Boden des Fahrerstandes höhergelegt, die +GF+Kupplung hatte eine
höhere Einbauposition als die Schaku. Dadurch wurde die ohnehin schon gedrängte Anordnung des Spitzenlichts noch "gequetschter",
das ist an Werners Bildern gut zu sehen, die sogenannte "Mannheimer Kupplung"(Steckdose) fiel mangels Notwendigkeit weg.
Leider hab ich nur einmal, im Sommer 1986, einen der Wagen selber erleben können. Für den "Live-Einsatz" bei der OEG war ich
zu jung, und selbst 1986 blieb es leider beim Standfoto in Meiringen.
https://up.picr.de/37843236cf.jpg

https://up.picr.de/37843237ts.jpg

https://up.picr.de/37843238yh.jpg

Mein Onkel erwischte den 68 "gerade noch so" einmal in Seckenheim.
https://up.picr.de/37843262ri.jpg

Der Tw 66 wurde äußerlich restauriert, fahrbereit ist er jedoch nicht.

Aus der Geschichte der "Spitzmäuse" hab ich noch was ausgegraben:
https://up.picr.de/37843414fv.jpg

https://up.picr.de/37843415jl.jpg

https://up.picr.de/37843416vs.jpg

https://up.picr.de/37843417ey.jpg

https://up.picr.de/37843418fu.jpg

https://up.picr.de/37843420cp.jpg

https://up.picr.de/37843421pk.jpg

http://s1.directupload.net/images/140414/ukfaan2k.jpg

Wat ei wrait ßer ebav is friee from ße liver away.




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.02.20 10:57.
Hallo 1bügler

War grad mal ne Woche weg, so komme ich erst jetzt zum Dankesagen.

Deine Hintergrundinfos zu den OEG-Spitzmäusen sind ausserordentlich interessant. Kein Wunder, gab es einen "giftigen" Briefwechsel MIB-OEG! Schön, dass der jetzt bei dir gut aufgehoben ist.

Bald zeige ich einen zweiten Beitrag zu den MIB-Spitzmäusen, dann mit angehängten Güterwagen.

Gruss, Werner



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.02.20 17:28.