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Rottweil - Tübingen Pfingsten 1970 - Teil 3

geschrieben von: Ralph Hanselmann

Datum: 07.02.20 02:02

liebe HiForisten,

wie angekündigt, hier nun mein dritter Teil des Berichts über den Trip nach Rottweil - Balingen - Tübingen, den ich an Pfingsten vor nun fast 50 Jahren unternahm.

Die ersten beiden Teile sind unter folgenden links zu sehen:

Teil 1
Teil 2


Am Samstag Abend, 16. Mai 1970 war ich von Rottweil nach Stuttgart gefahren, von dort dann am Pfingstsonntag morgen mit dem E2106 nach Tübingen. Wieso ich nicht gleich in Tübingen - das eh viel schöner war - übernachtete, weiss ich heute nicht mehr. In Tübingen angekommen, rannte ich erwartungsfroh aus dem Zug nach vorne, durfte ich doch annehmen, dass der E2106 mit einer P8 nach Horb weiterfuhr. Und tatsächlich, es setzte sich 038 039 vor den Zug und heizte ein, während 3 Gleise weiter 038 057 sich vor dem P4312 nach Ebingen bereit machte. Da dieser Zug nur sonntags fuhr, liess sich die Kombination dieser beiden Züge eben auch nur am Sonntag beobachten.

Bild 1 high noon in Tübingen - links E2106 nach Horb, rechts P4312 nach Ebingen

https://abload.de/img/ba7015b18eljfb.jpg


Bild 2 038 057 legt los mit P4212 nach Ebingen, pünktlich um 10:32

https://abload.de/img/ba7015b20k0kz0.jpg

Nach Abfahrt der beiden Züge überlegte ich, was nun zu tun wäre. Das Wetter war mittlerweile schlechter geworden, und es sollte noch den ganzen Sonntag lang mehr oder weniger ohne Unterbruch regnen. Ich entschloss mich, an die Strecke Richtung Hechingen - Balingen zu fahren und dort ein paar Züge unterwegs aufzunehmen. Ich entschied mich für Mössingen, wohin um 11:15 der E2066 fahren sollte - allerdings mit Diesel...

Offenbar gab es ab einer bestimmten Streckenlänge günstigere Rückfahrkarten, dies wird wohl der Grund gewesen sein, dass ich eine Fahrkarte nach Bad Sebastiansweiler-Belsen (wo der Eilzug gar nicht anhielt) kaufte. Dieser Bahnhof war übrigens einer der wenigen, die wegen der Länge des Namens im Kursbuch nicht ausgeschrieben werden konnten...

Bild 3: Meine Fahrkarten nach Mössingen und Hechingen am Pfingstsonntag 1970

https://abload.de/img/fahrkartentbingenpfin1qj9v.jpg

Wer sich jetzt fragt, wieso ich mit Kinderfahrkarten unterwegs war: Mein Vater war Zugführer bei der SBB, und dies gab den Kindern bis zum Abschluss der Ausbildung das Recht, zum halben Preis im Ausland zu fahren... Was mir heute auch auffällt beim Ticket nach Bad Sebastiansweiler (nebst den bescheidenen Preisen): Der Aufdruck zeigt P2065 an (den es nicht gab), während ich effektiv mit dem E2066 gefahren bin. Auch die Rückfahrt war mit E2075, nicht P2075. Die Schaffner nahmens offenbar nicht immer so genau mit dem Einstellen ihrer Abdruckzangen.

Was ich an dieser Stelle erwähnen möchte: Ich habe mir - leider - nie irgendwelche Notizen gemacht über was, wann und wo ich Fotos gemacht oder einfach besichtigt hatte. Ich war damals der Meinung, ich würde das schon nicht vergessen..... Glücklicherweise aber habe ich meine Fahrkarten in eine Kiste geschmissen, was mir dann 50 Jahre später - zusammen mit den Fotos, Fahrplänen und Internet-Recherchen wie Google Earth, Sonnenstand etc. erlaubte, meine Trips ziemlich genau zu rekonstruieren.

Nun, das Thema Sonnenstand allerdings erübrigte sich an diesem Regentag...

In Mössingen kam ich also um 11:34 an und marschierte sofort zurück Richtung Tübingen, um 11:47 den P4309 abzulichten, der sich zwischen Mössingen und Hechingen mit dem E2066 gekreuzt hatte. Das diesige Wetter gestattete dann nicht einmal, die Loknummer auf dem Bild zu identifizieren....

Bild 4 P4309 verlässt Mössingen Richtung Tübingen

https://abload.de/img/ba7015b26f9jq3.jpg

ich marschierte dann noch etwa 2 km weiter Richtung Tübingen und wartete dort auf die weiteren P8-Züge. Um ca. 12:45 erschien P4318, der nach Mössingen hineinrollte. Ich wechselte dann die Seite, marschierte unter der Bahnlinie hindurch und wartete dort, bis um 13:26 P4317 von Ebingen nach Tübingen angedampft kam. Was ich damals nicht wusste, aber jetzt verifizieren konnte: Es handelte sich um den selben Zug mit 038 057, welchen ich am Vormittag bei der Abfahrt in Tübingen aufgenommen hatte. Dies bedingte allerdings, dass es in Ebingen eine Drehscheibe gab, was wiederum nach einer HiFo-Lektüre klar wurde.

Obwohl die Szenerie wetterbedingt recht trostlos war, haben die Regenfotos doch ihren ganz bestimmten Reiz... Ich tat mich übrigens ziemlich schwer beim Lokalisieren der folgenden beiden Aufnahmen, Bild 6 zeigte dann aber ein paar Häuser und einen Kamin, der offenbar stehengeblieben ist und womit ich das Gebiet nördlich Mössingen identifizieren konnte. Allerdings sieht es heute dort ziemlich anders aus, Gewerbegebiete haben sich ausgebreitet....

Bild 5 P4318 fährt nach Mössingen hinein

https://abload.de/img/ba7015b3258j8h.jpg


Bild 6 P4317 Ebingen - Tübingen mit 038 057 verlässt Mössingen, das Bild wurde auf der gegenüberliegenden Streckenseite von Bild 5 aufgenommen, der Kamin und die Silhoutte im Hintergrund identifizieren den Fotostandpunkt.

https://abload.de/img/ba7015b35cbjre.jpg

Dann hatte ich aber vom Regenwetter genug; ich stampfte nach Mössingen zurück, und da gerade kein Zug fuhr nach Tübingen, machte ich den Umweg über Hechingen; vielleicht erhoffte ich mir da auch eine warme Bahnhofswirtschaft, die es in Mössingen nicht gab. Nach knapp einer Stunde in Hechingen fuhr ich mit dem schon erwähnten E2075 (keine P8-Leistung) wieder nach Tübingen zurück, wo ich um 15:30 eintraf.

In Tübingen war nun ein ausgedehnter BW-Besuch angesagt; es herrschte Sonntagsruhe und volles Haus, und ich konnte völlig ungestört mich dort stundenlang herumtreiben. Der Dauerregen hielt wohl weitere Eisenbahnfreunde fern... Es herrschte eine ausgesprochene Waschküchenatmosphäre, Öl, Regen, Russ und Kohle vermischten sich, die Loks schnuckelten vor sich hin, Dampf zischte aus den verschiedensten Öffnungen und hin und wieder liessen sich gedämpft die Speisepumpen vernehmen...

Auf den folgenden Aufnahmen möchte ich die spezielle Stimmung dieses verregneten Sonntagnachmittags im BW widergeben - es sind die Loks 038 057, 038 156, 038 509, 038 626, 038 772, 64 094, 64 250, 64 518, 64 519 und zwei Loks der Baureihe 50 zu sehen.

Bild 7 Waschküchenstimmung im BW Tübingen

https://abload.de/img/ba7017b10ekk20.jpg

Bild 8 P8, 50er und Bubiköpfe warten auf die nächsten Einsätze

https://abload.de/img/ba7017b12fej4b.jpg

Bild 9 Auch diese beiden P8 dampften still vor sich hin..

https://abload.de/img/ba7017b15d3jfp.jpg

Bild 10 ja, wenn man jetzt noch einmal ungestört sich hier herumtreiben könnte...

https://abload.de/img/ba7017b170rjke.jpg

Bild 11 die Szenerie vom Bekohlungsbunker herunter aufgenommen

https://abload.de/img/ba7017b33ypj2t.jpg

Bild 12 drei 64er verdecken eine P8

https://abload.de/img/ba7017b361ijfp.jpg

Bild 13 Warten vor dem Schuppen auf die nächsten Einsätze

https://abload.de/img/ba7017b37suk6m.jpg

Mittlerweile war es Viertel nach Fünf geworden (auf der unabsichtlich mitfotografierten BW-Uhr dokumentiert), mein SW-Film war fertig und ich entschloss mich, trotz flauen Lichtverhältnissen einen der - für mich - damals eher raren Farbfilme einzulegen.

Mit diesen nun noch farbigen Stimmungsbildern aus dem BW Tübingen möchte ich den heutigen Bericht beenden. Mein Pfingsttrip vor 50 Jahren hatte reichlich Ausbeute und viel intensives Dampf-Erleben gebracht; ich stieg um 20:08 in den Schienenbus nach Horb, dort in den D594 und war über Schaffhausen - Winterthur kurz vor ein Uhr nachts wieder in St. Gallen.

Bild 14 Die Front aus Bubiköpfen und P8 vor dem Lokschuppen - die BW-Uhr dokumentiert die Tageszeit

https://abload.de/img/ba7001b02u3kwo.jpg

Bild 15

https://abload.de/img/ba7001b07axkoh.jpg

Bild 16 zum Abschluss die 038 156 - sie legte offenbar Wert auf eine gewisse Distanz zum Rest...

https://abload.de/img/ba7001b0883jga.jpg


viele Grüsse aus der Schweiz, den nächsten Bericht dann zu einem andern Thema aus einer andern Gegend....

Ralph



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.02.20 00:07.

Re: Rottweil - Tübingen Pfingsten 1970 - Teil 3

geschrieben von: Wizard of Oz

Datum: 07.02.20 02:35

Ein sehr schöner Beitrag, der sich wohltuend von einigen hier fototechnisch teilweise lieblos aufbereiteten Beiträgen aus dieser Zeit und Gegend abhebt! Trotz meiner solchen Gedanken sind diese Beiträge das "Salz in der Suppe" in diesem Forum.

Vielen Dank und beste Grüße
Thomas

Re: Rottweil - Tübingen Pfingsten 1970 - Teil 3

geschrieben von: ET 65 ES 65

Datum: 07.02.20 07:00

Hallo Ralph,

vielen Dank für das Mitnehmen. Die Stimmung kommt wirklich gut rüber.
Wenn ich bedenke, dass ich nicht so weit davon aufgewachsen bin und nichts davon mitbekommen habe...

Gruß, Heinz

Re: Rottweil - Tübingen Pfingsten 1970 - Teil 3

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 07.02.20 07:26

Hallo Ralph,
danke fürs Zeigen dieser sehenswerten Bilder! Da muss ich eine Schüssel unter den Bildschirm stellen ...
Dampf in Tübingen habe ich zwar noch als Kind gesehen, aber nicht mehr selbst fotografiert.

Eine Frage an die Wagen-Experten zum letzten Bild: Gab es die preussischen Güterzug-Begleitwagen auch in braun bei der DB, oder diente das Exemplar schon einem anderen Zweck?
Viele Grüsse
Stefan

https://abload.de/img/db-251902-4003812-titu8k49.jpg

Re: Rottweil - Tübingen Pfingsten 1970 - Teil 3

geschrieben von: martin welzel

Datum: 07.02.20 09:49

Salü Ralph,

Tübingen, wie ich es kenne! Im Bw streckten die lok immer ihren Tender hinaus - so waren eigentlich immer nur solche Aufnahmen möglich, wie hier bei Sonne mit von links nach rechts 050 443 – 051 143 – 038 626 – 038 366 – 038 057 (28.7.70):

http://www.eisenbahnhobby.de/Sueddt70/SW10-14_038057_Tuebingen_28-7-70_S.JPG


Die 064 289 hatte sich erst kurz zuvor verabschiedet:

http://www.eisenbahnhobby.de/Sueddt70/SW10-16_064289_Tuebingen_28-7-70_S.JPG


Trotz des Regenwetters sind Dir sehr gute Aufnahmen gelungen, sogar die Farbbilder zeigen noch Farbe!

Danke fürs Erinnern,

Martin

Re: Rottweil - Tübingen Pfingsten 1970 - Teil 3

geschrieben von: Würzburger

Datum: 07.02.20 11:30

Nun Ralph,

der Wettergott war Dir da gerade nicht gewogen!

Unbeschadet dessen sind Dir tolle Photos gelungen, insbesondere Photo 12 sticht heraus!

Gruß, Thomas

Stimmungsvolle Bilder, Danke!

geschrieben von: Jürgen Stadelmann

Datum: 07.02.20 12:12

Grüß Gott Stefan,

bei dem in "rotbraun" gestrichenen wohl ex pr Pwg muß es sich m.E. um einen "Dienstgutwagen" gehandelt haben, da diese damals in dieser Wagenfarbe lackiert waren - im Gegensatz zu den damals noch dunkelgrünen "Bahndienstwagen".

Grüße Jürgen

Re: Rottweil - Tübingen Pfingsten 1970 - Teil 3

geschrieben von: Olaf Ott

Datum: 07.02.20 20:07

Hallo Ralph!

Deine Aufnahmen aus dem Südwesten haben mich sehr erfreut.

Viele Grüße in die Schweiz!

Olaf Ott

Re: Stimmungsvolle Bilder, Danke!

geschrieben von: Michael Staiger

Datum: 07.02.20 22:22

Hallo Jürgen,

im Sept. 70 begann ich dort meine Lehre und bin dann immer auf dem Gelände rumgestrichen aber der braunen Pwg ist mir nicht aufgefallen, der grüne Materialwagen schon. Das Gleis war von der Fahrleitungsmeisterei, dort standen immer deren Fahrzeuge herum. Es könnte sein daß der Pwg Fahrleitungsmaterial von Plochingen gebracht hatte?

Gruß
Michael

Re: Rottweil - Tübingen Pfingsten 1970 - Teil 3

geschrieben von: Klaus Groß

Datum: 07.02.20 22:25

Hallo Ralph,

auch Teil 3 Deiner Berichtsreihe über die Reise durchs P8-Land gefällt mir sehr gut! Du hast wirklich das Bestmögliche aus der Wetterlage gemacht! Am meisten sagt mir Bild 9 mit den in Dampf gehüllten P8-Tendern zu.

Gruß
Klaus
Sehr schön, Ralph! In dieser Serie gefallen mir die Bilder 5 und 6 bei Mössingen mit der nassen Straße "zielführend" zum Zug besonders gut. Vielen Dank!

Ein halbes Jahr vorher, am 2.11.1969, habe ich auf der Ebinger Strecke ein ähnliches Programm gemacht, ich berichte morgen Abend davon.

Schöne Grüße in die Schweiz!
Reinhard
vielen Dank für die zahlreichen positiven Rückmeldungen! Interessant, dass offenbar ganz unterschiedliche Fotos als Favoriten angesehen werden - mein Lieblingsbild ist übrigens die Nr. 11. Interessant auch, dass ein von mir völlig unbeachteter preussischer Güterzug-Begleitwagen in braun am Rande einer Aufnahme eine angeregte Experten-Diskussion hervorrief. Ich werde also in Zukunft noch mehr auf das 'rundherum' bei den Aufnahmen achten...

beste Grüsse Ralph

Hervorragend zu sehen auf Bild 15 ...

geschrieben von: Jürgen Stadelmann

Datum: 08.02.20 14:20

... sind die vielen Öl-, Ruß- und Drecklachen im Bw Tübingen, neben den 38ern damals auch spezifisch für dieses Betriebswerk. Wenn wir damals vom "Außendienst" nach Stuttgart heimkamen, schaute die Mutter einer meiner Eisenbahnfreunde immer zuerst auf seine Schuhe - "aaha, wareder wieder em Bw Tibinga"!

Grüße Jürgen Stadelmann

Nachsatz: Der Hintergrund dieser Geschichte ist, daß mein Freund nach seinem erstmaligen Besuch im Bw Tübingen daheim auf dem schönen Wohnzimmerteppich eine "ölige Schleifspur" hinterließ, die sozusagen als "Referenzwert" für seine Mutter diente - somit wurden nach jeder Eisenbahn-Exkursion nach der Rückkehr zuerst die Schuhe inspiziert und je nach Zustand des Schuhwerks das Geschehnis "verortet"!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.02.20 22:08.
Lieber Ralph,

herzlichen Dank für Deinen reichhaltigen Beitrag zum Tübinger Dampf 1970.

Deine regennassen Fotos gefallen mir sehr gut, besonders im Bw, wo wirklich dichtes Gedränge herrscht! Ich habe mich ja schon mal als Fan von Regenfotos geoutet. Oft haben diese Aufnahmen durch die Nässe einen besonderen Glanz. Da schauen ziemlich heruntergekommene Loks manchmal richtig fesch aus.

Schöne Grüße
Steffen

Re: Hervorragend zu sehen auf Bild 15 ...

geschrieben von: Michael Staiger

Datum: 09.02.20 00:18

Hallo Jürgen,

die Ölschicht vor dem Dampflokschuppen/Heizhaus sieht schlimmer aus als es war. Musste mal ein Kabel Quer zu den Gleisen unter den Schienen hindurchfädeln, was natürlich bei dem Öldreck bis fast zum Schienenkopf schlimmes erwarten liess. Aber nachdem ich die zähe "Teerschicht" und die oberste Lage Schottersteine entfernt hatte, kam blitzsauberer Schotter hervor. Die "Teerschicht" war eingetrocknetes Heißdampföl, das die Oberfäche so abdichtete daß nichts mehr, weder Öl noch Wasser in den Untergrund eindringen konnte, deshalb auch die vielen Pfützen.
Dennoch war es eine ziemliche Sauerei, da nur ein Teil der Fläche betoniert war um das Eindringen von Öl in den Untergrund zu verhindern, auf Bild 15 ist der Übergang vom Betonboden aufs Schotterbett zu erahnen.
Vor der 038 156 (Bild 10 u. 16) stehen zwei Schlackewagen und der Lagerwagen für Anfeuerholz. Der Brennholzschuppen lag in relativem Abseits in Richtung Flk, wenn ich mal ein bisschen Ruhe brauchte, meldete ich mich ab zur Wartung der dortigen Kreissäge und Holzspaltmaschine ;-)
Bald nach Ende der Dampfzeit wurde ich beauftragt, 2,5m³-Sandbehälter zu bauen um den Sandtturm (Bild10) zu ersetzen. Als die fertig waren, fragte man mich ob ich mir zutrauen, den Turm mit Schlackenkran abzubauen. Mein Meister glaubte, ich würde da hochsteigen und das Ding mit dem Schneidbrenner zu zerkleinern. Sagte naturlich zu, weihte aber nur meinen älteren Kollegen ein, was ich wirklich vorhatte.
Wir holten im Wagenbau-Holzlager eine Anzahl Bodendielen und stapelten die beiderseits der Schienen bis über Schienenkopfhöhe auf. Dann wurden die Schuppenseitigen Beine durchgeschnitten und die Richtung Drehscheibe angeschnitten. Mit einem Seil an einer V100 warfen wir das Gestell dann um und mit den bereitliegenden Schneidbrennern wurden die beiden Schuppengleise innerhalb einer Stunde wieder freigemacht, auf dem nicht mehr genutzten Schlackenwagengleis wurde der Schrott auf Rollwagen gesammelt.
Zunächst erzeugte unsere "Aktion" eine ziemliche Aufregung "Was da hätte passieren können!!!" aber dann musste ich einige Zeit später den Rottweiler Sandturm auf die gleiche Weise umwerfen.
Naja, meine Betriebsschlosserzeit im Bw Tübingen war immer gut für Überaschungen und bleibende Erinnerungen.

Gruß
Michael

Re: Hervorragend zu sehen auf Bild 15 ...

geschrieben von: Jürgen Stadelmann

Datum: 09.02.20 00:58

Guten Abend Michael,

ich lese gerade Deine interessanten Schilderungen, was Du als Betriebsschlosser-(Lehrling) so alles erlebt hast. Mit der Ölschicht bis Du ja bald "auf Du" gestanden, ich dachte auch, daß Dir diese gut in Erinnerung ist. Da hatten wir "feinen" Eisenbahnfreunde es wesentlich einfacher, wir mußten uns nur die Schuhe putzen, dann waren wir wieder "à jour".

Danke für Deine Ausführungen und Grüße
Jürgen