DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historische Bahn 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Test-Forum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.

Zeitungsartikel Januar 1918

geschrieben von: Walter aus Bayern

Datum: 01.12.19 19:35

Hallo,
heute geht es nur um den Januar 1918 - es gab in diesem Monat einfach zu viel Erwähnenswertes:

Münchner Neueste Nachrichten
Donnerstag, 3. Januar 1918
Nr. 3
Morgen=Ausgabe
München, 2. Januar
Klagen des Münchner Milchhandels über Verkehrsschwierigkeiten. Aus einer Reihe von Zuschriften entnehmen wir folgende übereinstimmende Beschwerden: Die Milchbeförderung nach München wickelt sich auf Anordnung des Eisenbahnverkehrsamtes in letzter Zeitin der Hauptsache so ab, daß die früh gemolkene Milch mit den zwischen 10 und 1 Uhr eintreffenden Vormittagszügen, die abends gemolkene Milch mit den letzten Abendzügen nach München befördert wird, die fahrplanmäßig spätestens bis nachts 1 Uhr hier eintreffen. Die Milchhändler fahren früh nach 3 Uhr zu den Bahnhöfen, um die mit den Nachtzügen eingetroffene Milch abzuholen und diese den Kleinhändlern so rechtzeitig zuzustellen, daß diese ihre Kundschaft in den Morgenstunden versorgen können. Die mit den Vormittagszügen eintreffende Milch wird dann nachmittags an solche Milchfrauen verteilt, die früh keine Milch erhalten haben.
Als ein großer Mißstand wird es nun von den Großhändlern empfunden, daß fast täglich 2 - 4 Stunden vergehen, bis die Milchwaggone an den Milchladehof gebracht werden. Abgesehen davon, daß die Milch bei strenger Kälte in ungeheizten Waggonen durch das lange Herumstehen so gefriert, daß sie aus den Kübeln fast nicht herauszubringen ist und in ihrer Beschaffenheit leidet, müssen Pferde und Dienstpersonal der Großhändler oft in schneidender Kälte täglich stundenlang am Milchladehof warten, bis die Milch endlich in Empfang genommen werden kann. Durch dieses Warten verzögert sich aber naturgemäß auch die Versorgung der kleinen Geschäfte, in und vor denen die Hausfrauen dann oft vergeblich auf die Milch warten. Durch diese Verzögerung ergibt sich aber weiter dann der schwere Mißstand, daß auch die leeren Milchkübel nicht mehr rechtzeitig an die Milchladehöfe zur Rückbeförderung an die Landwirte gebracht werden können. Diese müssen dannn zur Abholung der leeren Kübel wieder extra zum Bahnhof fahren - diese Extrafahrt müssen die Münchner Milchhändler bezahlen - oder sie schicken den einen Milchanfall überhaupt nicht fort.
All diese Mißstände könnten aber beseitigt werden, wenn die zuständigen Stellen dem Rangierdienst in dieser Sache ihre besondere Aufmerksamkeit widmen und dafür sorgen würden, daß wenigstens die Milchwagen in der vorgeschriebenen Rangierzeit von 40 Minuten nach Eintreffen des Zuges an den Milchladehof gebracht werden.
Es müßte auch Aufgabe der Eisenbahndirektionen München und Augsburg sein, den Vollzug ihrer Verordnungen über die Milchbeförderung nach München schärfer zu überwachen. Dann wird es nicht mehr vorkommen,daß jede Woche mehrmals drei Milchwagen, die bis Buchloe schon gefüllt sind, mit dem Personenzug befördert werden, während der vierte Wagen der gleichen Strecke einfach an den nächstfolgenden Güterzug angehängt wird; dieser Zug hat in der Regel 2 - 4 Stunden Verspätung und außerdem 40 - 50 Wagen, deren Auseinander=Rangierung selbstverständlich viel mehr Zeit beansprucht, als beim Personenzug. Ein von Grafing mit dem Vorortzug am Ostbahnhof eintreffender Milchwaggon soll vom Ostbahnhof mit einer Rangiermaschine zum Süd= und Hauptbahnhof befördert werden; statt dessen wird dieser Waggon wöchentlich zwei= bis dreimal an irgend einen Zug angehängt und kommt mit 3 - 4 Stunden Verspätung nach dem Hauptbahnhof.

Münchner Neueste Nachrichten
Montag, 7. Januar 1918
Nr. 11
Abend=Ausgabe
München, 7. Januar. - * Zwei Kriegsgefangene überfahren. Zwischen der Hauptwerkstätte und dem Hauptbahnhof ereignete sich heute Montag früh ein schwerer Unfall. Eine dem Bahnmeister unterstellte Arbeitergruppe italienischer Kriegsgefangener befand sich auf dem Wege zur Arbeitsstelle, als ein einfahrender Vorortszug daherrollte. Ein Gefangener sprang beim Ausweichen in das Gleis des einfahrenden Zuges, wurde überfahren und getötet, ein zweiter Gefangener wich in der gleichen Richtung aus, wurde vom Zuge erfaßt und zur Seite geschleudert. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Wege ins Lazarett verschied. Die Ursache des Unfalles wird darauf zurückgeführt, daß die Italiener gewohnt sind, links auszuweichen.

Münchner Neueste Nachrichten
Mittwoch, 9. Januar 1918
Nr. 15
Abend=Ausgabe
München, 9. Janaur. - * Beriebseinschränkung auf der Isartalbahn. Nachdem schon in den letzten Monaten sehr fühlbare Einschränkungen im Betrieb der Isartalbahn vorgenommen werden mußten, wird nach Mitteilung der Lokalbahn=Aktiengesellschaft infolge vollständiger Unterbrechung in der Kohlenzufuhr ab Freitag, 11. Januar, eine weitere weitgehende Einschränkung erforderlich, die darin besteht, daß auf der Strecke München - Bichl nur mehr ein Zugspaar verkehrt. Bichl ab 7.12 Uhr früh, München ab 7.11 Uhr abends. Man kann also in der Richtung Bichl nur abends fahren, von Bichl nach München nur morgens. Ein weiteres Zugspaar verkehrt zwischen München und Wolfratshausen. Ab München 9.15 vorm., ab Wolfratshausen 7.49 abends.
Die elektrischen Züge bis Grünwald und zurück können bis auf weiteres noch durchgeführt werden. Die Mitnahme von Sportgeräten jeder Art ist ausgeschlossen. Die Betriebseinschränkung wird mit besserer Kohlenzufuhr wieder aufgehoben.

München - Augsburger Abendzeitung
Freitag, 11. Januar 1918
Nr. 19
Morgenausgabe
st. Sperrung von Bahnstrecken wegen starker Schneeverwehungen. Der Kriegswinter 1917/18 besitzt anscheinend den Ehrgeiz, seinen bei uns in wenig rühmlichen Andenken stehenden Kollegen vom Vorjahre noch um ein erhebliches zu übertreffen. Seit vielen Wochen übt er ein zum Teil noch strengeres Regiment aus als sein Vorgänger; er brachte uns Sturm und Kälte, starken Schneefall, Eisgang und Schneeverwehungen in lustiger Abwechslung und vermehrte dadurch außerordentlich alle die naturgemäß bestehenden vielen Schwierigkeiten, unter denen wir hinsichtlich der Heizungs= und Beleuchtungsfrage, der Verkehrsverhältnisse usw. an und für sich schon leiden.
Die in der Nacht zum Donnerstag aufgetretenen Schneefälle haben auf einer Anzahl von Bahnstrecken zu einer vollständigen Verwehung der Gleise und nun auch zu Betriebseinstellungen geführt. So mußte vorläufig der Verkehr auf den Strecken Buchloe = Kempten, Augsburg = Donauwörth, Kempten = Ulm, sowie auf einer Reihe von Lokalbahnstrecken, wie Dachau = Altomünster, Mering = Weilheim, Gessertshausen = Türkheim, Krumbach = Mindelheim, Gundelfingen = Sontheim, Pfaffenhausen = Kirchheim, Bobingen = Kaufering, Augsburg = Haunstetten, Augsburg = Welden eingestellt werden. Auf der Strecke München = Buchloe wird der Verkehr aufrechterhalten. Die Schnellzüge München = Lindau fallen vorerst aus. Die Schnellzüge zwischen Treuchtlingen und München, die bisher über Augsburg gelaufen sind, werden über Ingolstadt umgeleitet. Infolge dieser Verkehrsstörungen mußten auch einige Vorortzüge ausfallen.
Auch von auswärts liegen Nachrichten über ganz gewaltige Massenschneefälle vor. Über Baden, Elsaß und Württemberg gehen seit 36 Stunden ungewohnt heftige Schneestürme, welche in der verfolssenen Nacht ihren Höhepunkt erreichten und vielfach Verkehrsstörungen hervorriefen. Die Eisenbahnzüge erlitten nach allen Richtungen stundenlange Verspätungen. In der Rheinebene ist der Schnee teilweise bis 1 1/2 bis 1/2 Meter hoch angeweht. Im Schwarzwald toben Schneestürme, welche an Gewalt alles in den letzten zehn Jahren dagewesene übertreffen. Der Verkehr von einem Schwarzwalddorf zum andern ist vielfach nicht möglich, da meterhohe Schneewehen die Wege und Zufahrtstraßen sperren.

Münchner Neueste Nachrichten
Samstag, 12. Januar 1918
Nr. 20
Morgen=Ausgabe
München, 11. Januar. - * Die Verkehrsstörungen infolge der Schneewehen. In der Schalterhalle des Hauptbahnhofes herrschte am Freitag tagsüber ein großes Gedränge. Die Einstellung verschiedener Züge veranlaßte viele Reisende, umzukehren; auch zahlreiche Soldaten befanden sich darunter. Die Einstellung der Züge und die Wiederaufnahme des Verkehrs wurde jeweils auf einer großen schwarzen Tafel in der Schalterhalle bekanntgegeben. Auch an der alten Bahnhofsperre wurden die Aenderungen auf hochgezogenen schwarzen Tafeln mit Kreideschrift mitgeteilt. Trotzdem zeigten sich viele Reisende unschlüssig; sie wollten begreiflicherweise wissen, wann der Vekehr auf der oder jener Strecke wieder aufgenommen werde. Die Bahnangestellten mußten einen Sturm von Fragen über sich ergehen lassen. Die Züge nach Augsburg und Tölz konnten am Nachmittag bereits abgefertigt werden, der erste Zug nach Ingolstadt ging um 4.57 Uhr nachmittg ab, da es bald gelungen ist, ein Geleise zwischen Röhrmoos und Dachau freizumachen. Der erste Schnellzug nach Ulm verließ München um 5.25 Uhr nachmittag. Auch der Urlauberzug nach dem Westen um 5.30 Uhr konnte wieder verkehren. Der Nachmittagszug von Holzkirchen, der um 2.54 Uhr eintreffen sollte, kam mit fast dreistündiger Verspätung an; die Maschine mußte sich durch mannshohen Schnee durcharbeiten. Der Berliner Schnellzug, der am Donnerstag um 1/2 10 Uhr abend fällig war, traf am Freitag nachmittag um 4 Uhr in München ein; er war in Ingolstadt liegen geblieben. Die Strecke nach Landshut ist noch gesperrt, dagegen ist der Vorortsverkehr nach Schleißheim offen.
Auf der Strecke wird überall eifrig gearbeitet, um die Geleise frei zu machen; Soldaten sind auf allen Strecken tätig. Die Arbeit wird dadurch erschwert, daß der Sturm immer wieder neuen Schnee auf die Fahrbahn wirft.

München - Augsburger Abendzeitung
Samstag, 12. Januar 1918
Nr. 21
Morgenausgabe
* München, 11. Januar
Schneewetter - Verkehr - Milchversorgung
Störungen im Zeitungsbetrieb
* Die gewaltigen Störungen im Eisenbahn= und Postverkehr verursachten nicht nur der textlichen Herstellung unserer letzten Ausgaben erhebliche Schwierigkeiten, sondern beeinträchtigten auch in besonderem Maße ihre Zustellung. Wir bitten daher unsere Leser, diese durch die ungewöhnlichen Schneefälle und Schneeverwehungen hervorgerufenen Störungen im Bezuge der "M.=A. A." zu entschuldigen. Wird sind mit größter Sorgfalt bemüht, eine geordnete Zustellung unserer Zeitung zu ermöglichen. Diese wird aber - trotz aller Anstrengungen unserer Versandabteilung - erst mit einem einigermaßen geregeltem Eisenbahnverkehr wieder durchgeführt werden können.
*
Durch die auch am Freitag größtenteils noch andauernden Schneeverwehungen sind im Verkehr so mißliche Verhältnisse eingetreten, wie sie seit Jahren nicht mehr zu verzeichnen waren. Nicht nur in den Stationen und im Rangierbetrieb, sondern ganz besonders auf den freien Strecken hatte der Bahnverkehr weiter sehr zu leiden. Wohl ist militärische Hilfe nach allen Richtungen abgegangen, doch wird es immerhin Tage dauern, bis die zahlreichen stillgelegten Linien alle wieder dem Verkehr übergeben werden können.
Auf der Strecke nach Ulm konnten die Schneeverwehungen bei Olching - Maisach und bei Augsburg - Oberhausen soweit beseitigt werden, daß am Freitag abend der um 5 Uhr 25 Min. vom Hauptbahnhof nach Straßburg abgehende Schnellzug sowie der Urlauberzug nach dem Westen und ein Personenzug abgefertigt werden konnten. Auf der Strecke nach Ingolstadt wurde als erster Zug wieder der am Freitag nachmittag 4 Uhr 57 Minuten abgehende Schnellzug nach Bamberg abgefertigt. Der Abendschnellzug nach Berlin über Augsburg - Donauwörth - Treuchtlingen mußte wegen der noch nicht behobenen Schneeverwehungen zwischen Augsburg und Donauwörth über Ingolstadt geleitet werden. Die Strecken München - Landshut und Tutzing - Kochel konnten trotz militärischer Hilfeleistung noch nicht freigemacht werden. Der Samstag=Morgenschnellzug nach Lindau wird voraussichtlich verkehren können.
Durch die Einstellung ganzer Linien und das Einwehen von ganzen Zügen ist nunmehr auch die Milchversorgung Münchens direkt gefährdet. Eine große Molkerei, die hauptsächlich den Osten Münchens zu versorgen hat, erhielt bereits am Donnerstag 5000 Liter Milch zu wenig angeliefert, am Freitag erhielt diese Molkerei noch viel weniger Milch, da auf der Holzkirchener Strecke der Milchzug stecken geblieben war. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei einer Anzahl anderer Molkereien, soddaß in vielen Milchgeschäften am Freitag Milch nur für Kinder abgegeben werden konnte.
Die Verhältnisse im Straßenbahnverkehr hatten sich bis Freitag abend noch nicht gebessert. Die eingeschneiten Wagen auf der Grünwalder, Pasinger und Holzapfelkreuther Linien konnten bis Freitag abend noch nicht flott gemacht werden, da die Schneeverwehungen den ganz Tag über andauerten. Der Betrieb auf den Außenstrecken der schon genannten Linien mußte weiter ruhen. Der Arbeiterverkehr nach und von Milbertshofen und Freimann konnte nur teilweise durchgeführt werden. Am Samstag wird der Straßenbahnbetrieb, wie wir auf Erkundigung hin erfahren, genau so durchgeführt werden wie am Freitag. Die Einschränkung von 9 - 11 Uhr und von 1 - 4 Uhr, die wegen des Eisganges der Isar angekündigt war, fällt vorläufig weg. Auch für den Sonntag dürfte der Kurswagenbetrieb durchgeführt werden, wenn nicht neuerdings stärkerer Eisgang eintritt. In der Forstenriederstraße= und in der Landsbergerstraße liegen seit Donnerstag mehrere Fuhrwerke eingeweht fest, darunter auch ein Automobil der Sanitätskolonne. Auch diese Fahrzeuge konnten bisher noch nicht flottgemacht werden.
Auch im Eisenbahndirektionsbezirk Augsburg haben, wie aus den obigen Mitteilungen schon hervorgeht, die Massenschneefälle starke Störungen im Zugsverkehr zufolge. Auf der Strecke Donauwörth - Augsburg blieb der bereits Donnerstag abend fällige Personenzug 721 zwischen Gablingen und Gersthofen in den Schneemassen stecken und konnte bis jetzt nicht freigemacht werden. Schnellzug D 58 wurde an der Liegestelle angehalten, um den Reisenden die Möglichkeit des Umsteigens zu bieten. Soweit von dieser Möglichkeit kein Gebrauch gemacht wurde, mußten die Reisenden die Nacht über im Zuge auf der Strecke verbleiben, da wegen der in den benachbarten Stationen liegen gebliebenen Güterzüge das Gleis in beider Richtung gesperrt war. Ganz besondere Schwierigkeiten bietet der Umstand, daß in den Bahnhöfen und besonders in Augsburg Hbf. sämtliche Weichen infolge des starken Schneetreibens immer wieder verweht werden und fortgesetzt geräumt werden müssen. Wegen des andauernden Schneetreibens ist bis auf weiteres der Gesamtverkehr auch auf den Strecken Dinkelscherben - Thannhausen, Kellmünz - Babenhausen, Kempten - Pfronten, Kempten - Isny, Biessenhofen - Markt Oberdorf - Lechbruck (Füssen) unterbunden.
Zwischen Dinkelscherben und Gabelbach ist gestern nachmittag infogle starker Schneeverwehungen die Lokomotive des durchgehenden Güterzuges entgleist, sodaß eine Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs eintrat. Die Reisenden von Ulm in der Richtung nach Augsburg und München konnten nur bis Burgau fahren. Zwischen Westheim und Augsburg ist der Verkehrr infolge Schneeverwehungen gänzlich gesperrt.
Die Linie Kempten - Ulm kann zwischen Kempten und Illertissen nicht bedient werden. Zwischen Illertissen und Neu=Ulm ist soweit als möglich Pendelverkehr. Auf der Strecke Augsburg - Buchloe waren vorgestern zwischen den Stationen Inningen und Bobingen zwei Güterzüge im Schnee stecken geblieben, so daß die beiden Doppelbahngleise zunächst gesperrt waren. Durch die zur Hilfeleistung abgegangenen Militärmannschaften wurde das Buchloe - Augsburg=Gleis freigemacht und gegen Mittag die Aufnahme des eingleisgen Betriebes ermöglicht. Der Zugsverkehr auf der Strecke Augsburg - Donauwörth wird voraussichtlich im Laufe des Tages wenigstens auf einem Gleis wieder aufgenommen werden können.

Augsburger Postzeitung
Sonntag, 13. Januar 1918
Nr. 21
Vorabendblatt
Die Einschränkung des Personenverkehrs.
Zu den bevorstehenden neuen Eisenbahneinschränkungen wird dem "Lok.=Anz." von eingeweihter Seite geschrieben: Die durch den Krieg bedingten Schwierigkeiten im Eisenbahnbetrieb bestehen fort und verschärfen sich außerordentlich unter dem Einfluß ungünstiger Witterungsverhältnisse. Ganze Kohlenindustriegebiete, aus denen sonst überwiegend auf dem Wasserwege befördert wurde, fallen jetzt ausschließlich der Eisenbahn zu. Eine Abhilfe kann durch weitere Einschränkungen des Güterverkehrs nicht mehr erreicht werden, weil zur Zeit ohnehin nur dringende Güter befördert werden, die für die Kriegswirtschaft und für die Volksernäherung erforderlich sind. Es muß erneut und unverzüglich eine Einschränkung des Personenverkehrs erfolgen. Diese wird am 18. Januar beginnen mit dem ausschließlichen Zweck, über das bisher Erreichte hinaus Maschinen, Personal und Wagen durch Fortfall von Personenzügen freizubekommen und die Abwicklung des Güterverkehrs, dem unbedingt Vorrang einzuräumen ist, zu fördern. Es ist nötig, den Zusammenhang zwischen dem Reiseverkehr und der erforderlichen Kriegsführung immer wieder klarzustellen und darauf hinzuweisen, was die Eisenbahnen leisten müssen, wenn wir den Krieg gewinnen wollen.
Man hat sich nun entschlossen, den gesamten Reiseverkehr vom 18. Januar ab um etwa 25 000 Zugskilometer täglich zu verringern, was etwa einer Verminderung der laufenden Züge um 5 vom Hundert entspricht. Da man aber annimmt, daß auch diese Einschränkungen nocht nicht den Ansprüchen der Landesverteidigung und der Versorgung der Bevölkerung gerecht wird, so wird man, die entgültige Zustimmung der Heeresverwaltung vorausgesetzt, auch zu einer Aufhebung der Urlaubsfahrten auf die Dauer von 14 Tagen für die letzte Hälfte des Januar greifen müssen. Man verkennt das Bedauerliche dieser Maßnahme nicht, gerade sie aber verspricht für das Wohl der Bevölkerung einen Erfolg, da die Zugsbenützung durch die Urlauber jetzt etwa 50 vom Hundert des gesamten Reiseverkehrs ausmacht.
Wie wir dazu erfahren, wird voraussichtlich auf den bayerischen Eisenbahnen eine weitere Einschränkung des Personenzugsverkehrs nicht stattfinden, dam man hierin ohnehin bis an die Grenze des Zulässigen gegangen ist.

Münchner Neueste Nachrichten
Sonntag, 13. Januar 1918
Nr. 22
Einzige Ausgabe
München, 12. Januar. - Der Verkehr auf der Isartalbahn istt wie die Betriebsleitung mitteilt, vollständig gesperrt. Morgen, Sonntag verkehren am Vormittag nur in ganz beschränktem Maße Motorwagen bis Pullach, am Nachmittag wahrscheinlich bis Grünwald. Der Betrieb der Dampfzüge ist eingestellt. Wie lange die Sperre dauert, kann nicht angegeben werden.

Augsburger Neueste Nachrichten
Dienstag, 15. Januar 1918
Nr. 12
* München, 15. Januar. - Die Störungen im Bahnverkehr konnten im Laufe der letzten Stunden etwas behoben werden. Auf allen gestörten Strecken sind Militärabteilungen, die Landbevölkerung von den benachbarten Ortschaften, und das Eisenbahnpersonal tätig, um die besehenden Verkehrshindernisse sobald wie möglich zu beseitigen. Der Wind hat sich an vielen Stellen gelegt. Auf manchen Strecken sind noch drei bis vier Güterzüge hintereinander eingeschneit. Die wenigen in München angekommenen Züge tragen deutlich die Spuren der überstandenen Schwierigkeiten. Sie waren bis zu den Wagendächern hinauf voll Schnee.

München - Augsburger Abendzeitung
Mittwoch, 16. Januar 1918
Nr. 28
st. Zusammenstoß zweier Güterzüge. Zwischen Milbertshofen und Moosach stießen am Dienstag kurz nach sieben Uhr abends auf der eingleisigen Strecke der Münchner Ringbahn zwei Güterzüge, die in entgegengesetzter Richtung fuhren, aufeinander. Mehrere Güterwagen gerieten in Brand, so daß die Feuerwehr ausrücken mußte. Der Materialschaden ist groß. Verschiedene Bahnbedienstete wurden verletzt, darunter vier schwer, die ebenso wie drei leichtverletzte ins Krankenhaus gebracht wurden. Sofort nach Bekanntwerden des Unfalles ging vom Hauptbahnhof ein Hilfzug an die Unfallstelle ab.

Münchner Neueste Nachrichten
Mittwoch, 16. Januar 1918
Nr. 28
Abend=Ausgabe
München, 16. Januar. - * Der Eisenbahnzusammenstoß zwischen Moosach und Milbertshofen, über den wir bereits berichtet haben, erfolgte mit solcher Wucht, daß die Maschinen hoch auf stiegen und mehrere Wagen ineinander geschoben wurden. Vier Wagen, die Zement, Biskuit u. a. enthielten, wurden fast vollständig zerstört, zwei weitere Wagen schwer beschädigt. Ein Bremser wurde durch den Zusammenstoß, der sich etwa 1 Kilometer außerhalb Moosachs ereignete, von der Maschine geworfen, an anderer Bremser wurde eingeklemmt. Ein Packwagen geriet dadurch in Brand, daß der darin aufgestellte geheizte Ofen umfiel. Das Feuer konnte in kurzer Zeit gelöscht und dadurch die Gefahr von zwei angehängten Spirituswagen abgewendet werden.
Verletzt wurden, wie schon mitgeteilt, insgesamt sieben Personen, und zwar Gefreiter Georg Niedermaier, Prellungen an der rechten Brustseite; Heizer Josef Merk, Wunde oberhalb eines Auges, Prellungen am Kopf und an einem Vorderarm; Stationsdiener Franz Hilmer aus Moosach, Rippenbruch, Verbrühungen an einer Hand, Luxation des rechten Armes und Oberschenkels; Wagenwärter Firtz Wildgruber, Magenquetschungen, und Bremser Philipp Singele, Quetschungen und Prellungen. Die Verunglückten wurden mit dem Hilfszug nach München gebracht. Die Sanitätskolonne, die unter Leitung des Kolonenführers Freiherrn v. Stromer mit zwei Aerzten und 24 Mann einschließlich der Rettungsmannschaft der Eisenbahn an der Unfallstelle erschienen, schaffte den verunglückten Soldaten in das Lazarett in der Zollhalle, die übrigen Verunglückten in die Chirurgische Klinik. An der Unfallstelle hatten sich außerdem ein Bahnarzt und Abteilungsvorsstände der Eisenbahndirektion eingefunden, die die Aufräumungsarbeiten leiteten.
Der von München, über Moosach nach Milbertshofen fahrende Güterzug hatte in Moosach die Genehmigung zur Weiterfahrt erhalten; auf der eingeleisigen Strecke kam ihm dann ein Güterzug vom Gaswerk Moosach entgegen.

Münchner Neueste Nachrichten
Dienstag, 22. Januar 1918
Nr. 39
Abend=Ausgabe
München, 22. Januar. - * Kleine Chronik. Am Montag abend 9 Uhr wurde im Bahnhof Pasing der Postbote Simon Rohrbacher, der mit dem Postkarren über das Gleis fuhr, von einem nach Augsburg fahrende Personenzug erfaßt und zur Seite geschleudert. Der verunglückte, der einen Oberschenkelbruch, einen Schlüsselbeinbruch und Verletzungen am Kopf erlitt, wurde vom Starnberger Bahnhof durch die Sanitätskolonne in die Chrirugische Klinik gebracht.

München - Augsburger Abendzeitung
Donnerstag, 24. Januar 1918
Nr. 44
Abendausgabe
München, 24. Januar.
Schnaufpause der Eisenbahnen
Die gesamten deutschen Eisenbahnen haben am 22. Januar ihren ersten Kriegsurlaub angetreten, der sich auf 14 Tage erstrecken wird. Dieser Urlaub besteht, wie schon gemeldet, darin, daß der gesamte Militärurlaub auf die genannte Zeitspanne gesperrrt ist. Das bedeutet eine ganz gewaltige Entlastung der Eisenbahnen, denn der Militärverkehr hat zuletzt in Bayern etwa 60 Prozent des Eisenbahnverkehrs überhaupt betragen.
Diese Pause muß ausgenützt werden und zwar - so ist aus einem vom 21. Januar datierten Erlaß des bayerischen Verkehrsministers von Seidlein zu ersehen - in zweifacher Hinsicht: einmal, um vollkommene Beseitigung der noch vorhandenen Verkehrsstockungen durch Räumung der überfüllten Rangierbahnhöfe, Ermöglichung eines regelmäßigen Zugverkehrs und planmäßige Verwendung des toten und lebenden Materials herbeizuführen, und weiter durch Ausbesserung der überanstrengten Lokomotiven und reparaturbedürftigen Wagen.
Die vierzehntägige Entlastung des Eisenbahnverkehrs war unbedingt notwendig, denn die dienstliche Inanspruchnahme des Eisenbahnpersonals war seit Monaten weit über das zulässige Maß hinaus gegangen, sie mußte, das wird ausdrücklich in dem verkehrsministerlichen Erlasse betont, wieder auf das den Vorschriften entsprechende Maß abgemindert werden. Nicht zuletzt durch diese Ueberanstrengung, verbunden allerdings mit der mangelhaften Ernährungsmöglichkeit, war ja auch der Gesundheitszustand des Eisenbahnpersonals zuletzt auf eine Tiefe gekommen, wie er bisher noch nicht zu verzeichnen war. Ohne gesundes Personal aber keine Sicherheit des Verkehrs! Wenn gerade nach dieser Richtung die Schnaufpause der Eisenbahn richtig ausgenützt wird, dann darf, um mit dem Erlasse zu reden, erhofft werden, daß sowohl der durch die außerordentlichen dienstlichen Anforderungen verursachte hohe Krankenstand des Fahrpersonals, als auch der hohe Ausbesserungszustand der Lokomotiven zurückgehen wird; denn für die letzteren wird bei planmäßigem Lauf der Züge das zur Behebung kleinerer Mängel erforderliche Stillager in der Heimat und in der Umkehrstation wieder verfügbar sein."
Der Erlaß schließt mit folgendem Appell an das gesamte Eisenbahnpersonal:
"Das angestrebte Ziel wird sich erreichen lassen, wenn das gesamte Personal die Wichtigkeit und Dringlichkeit der gestellten Aufgabe voll erfaßt und von dem festen Willen durchdrungen ist, sie durch verständnisvolle Zusammenarbeit zu lösen."
Ist dies der Fall, dann wird sich die gesamte Betriebslage zum Besten der Allgemeinheit wieder bessern.

München - Augsburger Abendzeitung
Donnerstag, 24. Januar 1918
Nr. 44
Abendausgabe
Die Einführung der 4. Wagenklasse in Bayern
Schon seit langem beschäftigt sich die Oeffentlichkeit in Bayern mit der Frage, ob die 4. Wageklasse auch auf den bayerischen Staatseisenbahnen eingeführt werden soll. Im letzten bayerischen Landeseisenbahnrat wurde von dem Verkehrsminister bereits darauf hingewiesen, daß die vierte Wagenklasse auch in Bayern kommen wird und kommen muß, aus dem einfachen Grunde, weil die Einheitlichkeit der Personentarife die Einheitlichkeit in der Beförderungsart zur Voraussetzung hat.
Am 1. April kommen nun die neuen Tarife, die wir wiederholt behandelt haben, zur Einführung, damit ist auch die Einführung der vierten Klasse in Bayern gegeben. Diese Einführung bringt auf den bayerischen Nebeneisenbahnen Veränderungen mit sich. Die Züge der Nebenbahnen werden mit Einführung der 4. Klasse aus Wagen dieser und nach Bedarf auch aus Wagen 2. Klasse gebildet. Die dritte Wagenklasse fällt damit für die bayerischen Nebenbahnen überhaupt aus.
Für die Mitführung der 2. Wagenklasse ist der bisherige Stand maßgebend. Eine Nachprüfung des Bedarfes findet vorläufig nicht statt. Je nach den Erfahrungen bleibt aber eine weitere Einschränkung der 2. Wagenklasse auf Nebenbahnen, auf denen zurzeit nur die dritte Wagenklasse geführt wird, ist nicht in Aussicht genommen.
Folgende Ausnahmen sind vorgesehen: Salzburg - Freilassing - Bad Reichenhall - Berchtesgaden 1., 2., 3. und 4. Klasse; Garmisch=Partenkirchen - Mittenwald - Landesgrenze 1., 2. und 3. Klasse; Tutzing - Penzberg - Kochel - Schliersee - Bayrischzell 2., 3. und 4. Klasse.
Berchtesgaden - Schellenberg = Landesgrenze; Berchtesgaden - Königsee; Kaufbeuren - Biessenhofen - Marktoberdorf - Füssen; Immenstadt - Sonthofen - Oberstdorf; Garmisch=Partenkrichen - Griesen - Landesgrenze. Für diese letzten fünf 2. und 3. Klasse. Auf der Strecke Garmisch=Partenkirchen - Griesen - Landesgrenze wird während des Krieges überhaupt nur die 3. Klasse geführt.
Daß bei den oben genannten Nebenbahnen Ausnahmen vorgesehen sind, liegt wohl in den Strecken begründet, die Badeverkehr haben.

Das nun folgende Unglück bei Schleißheim habe ich bereits früher ausführlich behandelt; hier nun ein Zeitungsbericht der noch nicht veröffentlicht wurde:

München - Augsburger Abendzeitung
Freitag, 25. Januar 1918
Nr. 46
Abendausgabe
* München, 25. Januar
Schwerer Eisenbahnunfall bei Schleißheim
Bei dem von Berlin kommenden D=Zug, der um 11 Uhr vormittags in München hätte eintreffen sollen, gerieten kurz vor der Einfahrt in die Station Schleißheim zwei Wagen in Brand. Mehrere Personen sind tödlich verunglückt, etwa 8 bis 10 Personen schwer und eine größere Anzahl leicht verletzt. Die Ursache des Brandes ist noch unaufgeklärt.
So lautete die erste hier eingetroffene kurze Nachricht über das schwere Unglück, das dem Berliner Schnellzug bei der Station Schleißheim zugestoßen ist.
Unser st=Berichterstatter meldet weiter:
Bei der Station Schleißheim ereignete sich heute vormittag 10 1/4 Uhr ein schwerer Eisenbahnunfall. Kurz bevor der von Berlin kommende D=Zug in die Station einfuhr, gerieten aus bisher nicht genau ermittelter Ursache zwei Wagen des Zuges plötzlich in Brand, und zwar so, daß bei Wagen in wenigen Sekunden in Rauch und Flammen gehüllt waren. Man hatte den Eindruck, als ob eine Explosion stattgefunden hätte. Der Insassen des Zuges bemächtigte sich eine ungeheure Aufregung.
Als der Zug zum Stehen gebracht war, wurde sofort mit der Rettung der in den beiden Wagen befindlichen Reisenden begonnen, soweit man überhaupt Hilfe leisten konnte. In den brennenden Wagen, in denen die Insassen um den Ausgang ins Freie kämpften - einzelne sprangen auch zu den Fenstern hinaus - spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Mehrere Tote konnten bald geborgen werden, ebenso brachte man auch eine Anzahl Schwer= und Leichtverletzter aus den brennenden Wagen. Von den Verletzten wurden 11 Soldaten und 10 Zivilpersonen, die teils leicht, teils schwer verletzt sind, mit dem Rest des Schnellzuges gegen Mittag nach München gebracht. Von der Station München=Hauptbahnhof ging sofort ein Hilfszug mit Sanitätsmannschaften an die Unfallstelle ab.
Das Unglück wurde durch einen Reisenden verursacht, der noch nicht ermittelt und sehr wahrscheinlich umgekommen oder schwer verletzt ist. Dieser hatte, soweit bisher bekannt ist, eine gefüllte Benzinflasche im 5. Wagen des Zuges an die Heizung gestellt. Durch die Explosion des Benzins wurde der ganze Wagen im Innern blitzartig in Flammen gesetzt, möglicherweise explodierte dann auch noch der Gasbehälter des Wagens. Gleich darauf griff das Feuer nämlich auch auf den nachfolgenden sechsten Wagen über. Der Zug wurde sofort von Reisenden durch Ziehen an der Notbremse gestellt. An der Rettungsaktion beteiligten neben Bahnbediensteten und unverletzten Reisenden auch bald Einwohner von Schleißheim und vor allem auch Mannschaften des Flieger=Ersatzbataillons Schleißheim, die mit Automobil eintrafen und sofort mit dem Abtransport der Verletzten begannen. Von München traf nach einiger Zeit ein Hilfszug mit Sanitätsmannschaften, Aerzten und Beamten der Eisenbahndirektion, der Betriebs=, Bau= und Maschineninspektionen, Arbeiter usw. an der Unfallstelle ein. Ebenso auch die Münchner Berufsfeuerwehr mit einem Lösch= und einem Rettungsfahrzeug. Ein weiterer Hilfszug ging um 1/2 12 Uhr von München=Hauptbahnhof nach Schleißheim ab. Die Verletzten, etwa 40 an der Zahl, die zum Teil geradezu gräßliche Brandwunden erlitten hatten, wurden zunächst auf eine Wiese gelegt, wo alsbald das Samariterwerk begann. Eine im Zuge befindliche Krankenschwester legte sofort einer großen Anzahl von Verwundeten Notverbände an. Zwei Frauen wurden bald tot aus den Wagen gebracht.
Die beiden Wagen, zwei 3. Klasse=Wagen, sind vollkommen ausgebrannt, besonders der eine, indem die Explosion entstanden war. Es wäre möglich, daß sich in diesem noch Tote befinden. Die ersten vier Wagen des Zuges blieben unversehrt, auch der Schlafwagen konnte abgehängt und gerettet werden. Der Unfall ereignete sich zwischen Lohhof und Schleißheim, kurz vor der Einfahrt in letzter Station. Es handelt sich um den D=Zug 26, der um 9.48 Uhr vormittags in München eintreffen sollte und 3/4 Stunden Verspätung hatte. Nach den letzten Feststellungen sind 3 Personen getötet und zwar der Soldat Paul Doll vom 24. Fuß=Art.=Regt., geb. in Neustrelitz und ein weiterer Soldat und eine Frau, deren Namen noch nicht ermittelt sind.
Der Ballon, der expoldiert ist, enthielt nach Angabe eines Soldaten der den Transport desselben nach Augsburg hätte besorgen sollen, eine hochexplosive Masse, sogenannte Gummilösung.

Münchner Neueste Nachrichten
Mittwoch, 30. Januar 1918
Nr. 53
Morgen=Ausgabe
München, 29. Januar. - * Kleine Chronik. Auf der Isartalbahn fuhr am Dienstag abend 6 Uhr im dichten Nebel bei Posten Nr. 1 in der Nähe des alten Wasserturmes der von Wolfratshausen kommende Zug Nr. 84 von rückwärts auf einen Rangierzug auf. Durch den Anprall wurden mehrere Wagen demoliert. Zwei Personen, darunter eine Lageristin, wurden verletzt; diese erlitt innere Verletzungen. Die Strecke kann eingleisig befahren werden.

München - Augsburger Abendzeitung
Mittwoch, 30. Januar 1918
Nr. 54
Morgenausgabe
R. Die neuen bayerischen 4.=Klasse=Wagen werden gegenwärtig zwecks Einreihung ab 1. April in die Zugsgarnituren der bayeriscchen Staatsbahn in den Hauptwerkstätten der Eisenbahndirektionen sowie in den Betriebswerkstätten in Schweinfurt vorbereitet. Es erfolgt zu diesem Zweck der Umbau der ältesten 1. bis 3.=Klasse=Wagen in der Weise, daß darin größere Endabteile geschaffen, in der Mitte Abteile herausgenommen und an den Seiten Sitzbänke angeordnet, im dadurch freigewordenen Mittelraum Anhaltestangen an der Wagendecke angebracht werden, so daß dort Stehplätze zur Verfügung stehen. Außerdem wird eine Anzahl neuer Wagen, die in den Nahpersonenzügen bisher verwendet waren, umgezeichnet. Die Wagen, die eines Neuanstrichs bedürfen, erhalten für die 4. Klasse graue Farbe. Neue Wagen werden später nach einem neuen Muster ähnlich dem der 4. Klasse=Wagen in Preußen usw. gebaut. Vorerst sind für Bayeren 2400 Wagen 4. Klasse nötig.

Walter

Zur 4. Klasse

geschrieben von: Eurocity341

Datum: 01.12.19 20:52

Hallo!

Die 4. Klasse war damit in Bayern dann etwa 10 Jahre präsent. Bereits 1928 wird diese wieder abgeschafft und die Wagen in die 3. Klasse aufgenommen.

Ganz weg war die 4. Klasse aber damit noch lange nicht. Bei einigen Strecken in Serbien und Bosnien wird diese Klasse bis etwa 1940 zu finden sein. Siehe: [www.deutsches-kursbuch.de] (Strecke 780).

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser