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? Rohbraunkohle als Brennstoff in DDR-Betrieben ?

geschrieben von: Bullok

Datum: 06.10.19 19:32

Hallo allerseits,

mich würde einmal interessieren, ob es zu Zeiten der DDR üblich war, Rohbraunkohle in Betrieben zu verfeuern, oder ob diese die Braunkohle vorwiegend brikettiert erhalten haben.
Ich meine mich an einen Fernsehbericht Anfang der 1990er Jahre zu erinnern, in dem ein ostdeutscher Betrieb vorgestellt worden ist, in dem Rohbraunkohle vermischt mit Sägespänen in die Heizöfen wanderte.
Wurde die Rohbraunkohle, wenn Gleisanschluß vorhanden, einfach in offenen Güterwagen angeliefert ? Gab es in den Firmen spezielle Umschlaganlagen dafür, oder mußte häufig sogar per Hand entladen werden ?

Es wäre schön, wenn der eine oder andere seine Erinnerungen dazu schildern könnte !

Vielen Dank für Antworten im Voraus !


Schöne Grüße

Ralph
Hallo Ralph!

Anfang der 1990er Jahre gab es die DDR bereits nicht mehr - sollte eigentlich bekannt sein. Am 3. Oktober 1990, 00:00 Uhr vereinigten sich die beiden Staaten BRD und DDR in der Form, das die bis dahin existierende DDR der Bundesrepublik beitrat.

Zur eigentlichen Frage (Rohbraunkohle u Sägespäne) kann ich allerdings nichts beitragen. Beispielsweise geben die historischen Unterlagen des BKK Schwarze Pumpe diesbezüglich nichts her.

Mit freundlichem Gruß

Helmut

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Re: ? Rohbraunkohle als Brennstoff in DDR-Betrieben ?

geschrieben von: Bäderbahn

Datum: 06.10.19 19:50

Ich kenne eine LPG ohne Gleisanschluß in der Rohbraunkohle verfeuert wurde. Die Kohle wurde mit Traktor und Kipp-Hänger vom Güterbahnhof abgeholt (Verladung dort mit Förderband), zum Heizhaus der LPG gefahren und dort dann abgekippt. Vom Kohlenbansen in den Ofen war Handarbeit.

Bäderbahn

Re: ? Rohbraunkohle als Brennstoff in DDR-Betrieben ?

geschrieben von: IVK fan

Datum: 06.10.19 19:56

Hallo

Auch bei uns im VEB ESDA Thalheim BT.....wurde Rohbraunkohle verfeuert, an den Blumenerdehaufen kann ich mich noch bestens erinnern.

LG Andreas

Re: ? Rohbraunkohle als Brennstoff in DDR-Betrieben ?

geschrieben von: Bullok

Datum: 06.10.19 19:58

Hallo Helmut,

ich vergaß zu erwähnen, daß der Fernsehbericht noch zu Zeiten der DDR gedreht worden ist.

Grüße

Ralph
Bullok schrieb:
Es wäre schön, wenn der eine oder andere seine Erinnerungen dazu schildern könnte !
Hallo,

an stückige Rohbraunkohle in offenen E- Wagen kann ich mich noch vage erinnern. Welche Betriebe die bekommen haben, weiß ich aber nicht. Die Entladung mit einem Mobilbagger lief über die örtliche BHG, also das, was heutzutage Raiffeisen ist. Ein Betrieb mit Gleisanschluss bekam regelmäßig Braunkohlestaub. Die Emils waren, soweit ich mich erinnere, auch nicht abgedeckt.

Gruß Thomas
Ich habe 1989/90 in einem Krankenhaus in Rothenburg(Neiße) geheizt. Wir feuerten ein Gemisch aus Briketts und Rohbraunkohle, die in Form ungesiebter Stückkohle ankam. Geliefert mit Kipper-LKW vom Güterbahnhof aus, wo sie mittels Bagger und Förderband aus E-Wagen entladen wurde.
Vor der Bereitung des Mischgutes, welches wir von Hand auf ein Förderband schaufelten, sortierten wir die dicksten Brocken und Wurzeln aus. Wurzeln waren Reste der braunkohlebildedenden Pflanzen, die sich trotz Inkohlung recht gut erhielten.
Das Förderband entlud sich in eine Trichterlore, die auf einem Feldbahngleis über die Feuerluken der Kessel gerollt wurde.
Die aussortierten Wurzeln kamen nachher über die untere Feuertür durch Handwurf in den Kessel.
Bei großer Kälte mischten wir noch Steinkohle in das Mischgut.
Die Krankenschwestern wussten anhand der jeweiligen Zimmertemperatur genau, welcher Heizer Dienst hat...

Die Arbeit war körperlich schwer und hat mir in dieser Zeit trotzdem große Freude bereitet. Wir sahen manche Schicht aus, wie die Teufel. Das Ausschlacken erfolgte mittels Kratzen, Schürhaken und Schaufel.
Immerhin konnte ich so den Armeedienst umgehen.

Helge
Die Masse der Heizkraftwerke und der Industriekraftwerke erhielt Rohbraunkohle, die in der Regel in den damaligen Selbstentladewagen OOt zugeführt wurde, Waggonkipper für die normalen Zweiachser waren da auch vertreten. Das waren im Jahr weit mehr als 30 Millionen Tonnen. Richtung Süden war damit bei den Zügen auf nicht elektrifizierten Strecken Vorspann üblich. Kleinere Betriebe/Einrichtungen bekamen je nach Planerfüllung in den Brikettfabriken oder plötzlichen Exportaufträgen in das NSW aber schon mal Braunkohle statt Brikett geliefert und standen dann verärgert vor einem Entlade- und Lagerplatzproblem - und die bekamen die Braunkohle auch schon mal in normalen offenen Güterwagen statt Selbstentladewagen geliefert. Waggonkipper gab es natürlich auch, Kranentladung mit Greifer war aber sehr weit verbreitet. Und den Zusatzverdienst beim manuellen Entladen haben die Beschäftigten der betroffenen Einrichtungen zumeist sehr gern mitgenommen. Da haben sich aber auch Schüler und Studenten Geld verdient.
Braunkohle hatten wir in Masse noch für Jahrzehnte - Erdöl und Erdgas musste importiert werden und dass auch aus der UdSSR zu Weltmarktpreisen.

Re: ? Rohbraunkohle als Brennstoff in DDR-Betrieben ?

geschrieben von: Bullok

Datum: 06.10.19 20:09

Hallo Bäderbahn,

interessant das mit dem Förderband.

Ist die Rohbraunkohle denn in E-Wagen angeliefert worden ?

Ich denke einmal, daß Rohbraunkohle in Fc-Wagen schlecht entladen werden kann.

Stand dann ein Bagger oder ähnliches zur Verfügung ?


Schöne Grüße

Ralph
Wenn ich richtig orientiert bin, war der Einsatz von Rohbraunkohle nicht nur üblich, sondern ist Betrieben und Einrichtungen ab einem bestimmten Zeitpunkt oktroyiert worden. Sie durften nur (noch) einen geringeren Teil Briketts einsetzen, um ein Feuer in Gang zu bekommen, in dem dann die Blumentopferde verheizt werden konnte.

Bei Betrieben mit Gleisanschlüssen war die Lieferung per Einzelwagen natürlich üblich und da bei kleineren Heizhäusern die Entladung mittels Bagger. Dabei war man auch nicht gerade zimperlich; Wagenbeschädigungen durch den Greifer waren zeitweise ein kritisches Thema.

Wo die Einrichtungen für deren Entladung vorhanden waren, wurde die Kohle natürlich in Fcs-Wagen geliefert. Richtige Großanlagen bekamen geschlossene Fal-Züge, ähnlich wie im internen Kohlebahnnetz.
Als Schüler habe ich mir einige Mark als Heizer in einer Internatsschule dazu verdient.
"Mutterboden" musste dort auch verheizt werden, war eine Hundearbeit und es fiel unendlich viel Asche an.
Brikett usw. "bewahrte" man sich für richtig kalte Tage auf, damit man ausreichend Wärme produzieren konnte.
Es war schon schwierig, die Rohkohle zu verheizen, denn sie taugte hervorragend dazu, ein Feuer zu ersticken.
Und - oft hatte man bei der Lieferung nur eine Wahl: Mutterboden oder gar nix.
Angeliefert wurde der Dreck ganz offiziell vom VEB Kohlehandel.

Re: ? Rohbraunkohle als Brennstoff in DDR-Betrieben ?

geschrieben von: bss

Datum: 06.10.19 20:55

Hallo zusammen,

ja, es war sehr üblich mit Rohbraunkohle zu heizen. Bis zum Ende der 70'er Jahre waren auch Heizanlagen auf Öl und Gasbasis vorhanden.( Stadtgas).
Mit Beginn der Energiekrise zu Beginn der 80'er Jahre wurden viele dieser Anlagen stillgelegt und durch Kohleheizanlagen ersetzt.
So wurde z.B. das Heizwerk des NVA Flugplatz Cottbus1982 von Ölfeuerung auf Rohkohlefeuerung umgebaut. Dem Heizwerk verdankten die letzten drei Kilometer Spreewaldbahn ihre Existenz.
Normalspurwagen mit Heizöl und Triebwerkstreibstoff wurden auf Rollwagen einmal am Tag mit der V10c zum Flugplatz gefahren.
Durch die Umstellung auf Rohkohlefeuerung wuchs der Transportbedarf und konnte mit der Kleinbahn nicht mehr effektiv bewältigt werden und so wurden diese drei Kilometer umgespurt und fortan mit einer Lok BR 106 aus dem Rangierbezirk 3 des Bf Cottbus bedient.
Brikettfeuerung gab es in den großen Industiefeuerungsanlagen selten. Die Brikett wurden für die Versorgung der Bevölkerung, die Gasbetriebe , Kokereien gebraucht.
Rohkohle wurde meißt in Fal, E und Ea Wgen gefahren.
Diese Rohkohlezüge verließen den Bahnhof Sabrodt mit seiner Siebanlage im Stundentakt. Allein in Richtung Frankfurt/Oder Vbf fuhren planmäßig 4 Züge täglich Sabrodt.
Es gäbe da noch viel mehr zu berichten, aber als Antwort auf die Frage sollte es erst mal reichen.

Viele Güße aus der Niederlausitz

Re: ? Rohbraunkohle als Brennstoff in DDR-Betrieben ?

geschrieben von: Bäderbahn

Datum: 06.10.19 21:29

Ja, es waren E-Wagen. Den Bagger gab es nur, wenn die LPG den mitgebracht hat (oder man sich mit anderen Empfängern abgestimmt hat). Wenn kein Bagger da war, kam die Kohle von Hand mit der Schaufel auf das Förderband.

Bäderbahn
Hallo!

Bei der Verwendung der Rohbraunkohle muss unterschieden werden zwischen Großanlagen wie Kraftwerken und "Normalverbrauchern".
In Braunkohlekraftwerken ist es üblich, Rohbraunkohle (RBK) zu verwenden, weil die Kosten für die Brikettherstellung höher sind als die entstehenden Zusatzkosten des größeren Mengenaufkommens und damit eines größeren Ascheanfalls. Bei der kontinuierlichen Zuführung der Rohbraunkohle entsteht auch nicht das Problem, dass das Feuer verlöschen kann.
Bei Kleinverbrauchern, wo sonst nur aller paar Stunden Briketts nachgeworfen werden mussten, konnte das schon passieren. Bei Briketts reichte eine Restglut, damit sie sich bei guter Luftzufuhr wieder entzündeten. Mit RBK musste erst wieder ein Grundfeuer aus Briketts hergestellt werden, ehe sie verwendet werden konnten. Und die Menge der Briketts war limitiert. Deshalb war jedes Ausgehen des Feuers zu vermeiden, was gerade in Übergangszeiten mit warmen Mittagstemperaturen dann doch öfters geschah.
Dass RBK auch an Kleinverbraucher wie Betriebe und Institutionen geliefert wurden, geschah ab Anfang der 80er Jahre. Da musste Heizöl ersetzt werden und die Kapazitäten der Brikettfabriken reichten nicht mehr aus, um die zusätzlich geförderte Kohle zu verarbeiten.
Auch die Reichsbahn musste bei der Gebäudeheizung seit dieser Zeit auf RBK umstellen. Auf unserem Bahnhof hieß das, dass die Räume des Empfangsgebäudes und das Wärterstellwerk mit RBK beheizt wurden, nur das Befehlsstellwerk und die im Wald gelegene Abzweigstelle durften weiterhin Briketts verwenden. Die Fahrdienstleiter sollten sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können.
Allerdings war das bei uns nur eine recht kurze Zeit - 1985 und 1986. Ab Winter 1987 gab es wieder genügend Briketts. Ob das daran lag, dass die Reichsbahn manchmal privilegiert wurde oder die Kapazitäten der Brikettherstellung ausgebaut worden waren, weiß ich nicht.

Mit Besten Grüßen aus Berlin

RobRobertson

Re: ? Rohbraunkohle als Brennstoff in DDR-Betrieben ?

geschrieben von: Posten 60

Datum: 06.10.19 22:10

Moin zusammen,

Nach dem Schneewinter 78/79, der Ölpreisanpassung der Sowjetunion und dem Wegfall der polnisch/schlesischen Steinkohle 1981
blieb als Brennstoff ja nicht mehr viel Auswahl übrig für LPG-Stallanlage und Schulheizhaus.
War schon bißchen paradox in Nordwestmecklenburg: Rohbraunkohle mit miesem Heizwert von Sabrodt in einzelnen E-Wagen
nach Bobitz. Dort für BHG(Raiffeisens arme Ostverwandschaft) als Bezirksreserve auf Halde gepackt.
Der selbe Emil tags drauf mit Hochmoortorf aus Drispeth beladen. Ein Bagger T 174 schaffte einen E-Wagen in 20 min zu be/entladen.
Der Torf war für Dresdner Gärten nach Ottendorf-Okrilla bestimmt.
Der Brennwert der Güter war wohl fast identisch. Steinkohle aus Amerika über Lübeck für EKO Eisenhüttenstadt hingegen fuhr zeitgleich Richtung Osten, während Benzin mit 98 Oktan und Heizöl aus Schwedt auf dem Nachbargleis Richtung Hamburg rollte.
Das Bobitzer Schulheizhaus jedenfalls musste mit Rohbraunkohle und alten Schulmöbeln befeuert werden.
Die Brikettpressen in den Kohlerevieren waren wohl längst am Ende ihrer Laufzeit und in strengeren Wintern völlig
überfordert, die Rohbraunkohle für 10 lange Jahre in Heizloks und Betrieben selbst an der Ostseeküste wichtiger Energieträger.

Gruß Nils
...diesen Anblick konnte ich im Winter 1992/1993 von der Oberschöneweider Wasserstraße
genießen.
Rauchend hieß hier: Alle Luken waren auf, die Berge gingen hoch über die Schließlinie hinaus.
Der Kahn hatte nur geringsten Freibord. Die RBK war ja erst im Hafen von KW eingeladen
worden. Dennoch reichte diese Zeit aus, dass der Dreck anfing, innere Wärme weit über
Außentemperatur zu entwickeln, die um die Frostlinie herum lag. Wahrscheinlich eine Folge
der Sauerstoffversorgung beim streuschüttnden Umladen, so dass kalte Oxidation entstand.
Wäre auch nicht der erste Fall gewesen, dass die RBK sich unterwegs selbst entzündet hätte...

Schade, hatte keine Kamera dabei.


Das Theater der Freundschaft in Lichtenberg heizte bis 1994 mit RBK und Lauchhammer Halbsteinen.
Ob die RBK noch in der Nachwendezeit dort geliefert worden ist, weiß ich nicht. Jedenfalls wurde alles
diese Zeug nach der Heizungsumstellung von der SBV (Senatsbrennstoffversorgung) abgefahren.
Für den Transport der einfach auf den Hof geschütteten Brennstoffe zum Einsatzort im Keller dienten
Hunte, die vorne eine Achse mit zwei starren Rädern und hinten ein lenkfähiges Rad hatten.

Beste Grüße
VB995

Die Wagengestellung hatte wohl ihre Haken...

geschrieben von: Thomas Wedekind

Datum: 07.10.19 19:51

Sonderkorrespondent schrieb:
Bei Betrieben mit Gleisanschlüssen war die Lieferung per Einzelwagen natürlich üblich und da bei kleineren Heizhäusern die Entladung mittels Bagger. Dabei war man auch nicht gerade zimperlich; Wagenbeschädigungen durch den Greifer waren zeitweise ein kritisches Thema.
Wo die Einrichtungen für deren Entladung vorhanden waren, wurde die Kohle natürlich in Fcs-Wagen geliefert. Richtige Großanlagen bekamen geschlossene Fal-Züge, ähnlich wie im internen Kohlebahnnetz.

So sollte es an sich sein. Das Heizkraftwerk Jena, an dem so etwa die halbe Stadt hing, bekam beim Braunkohle-Umbau 1979-82 (vorher reiner Schwerölbetrieb) das komplette Sortiment Entladeanlagen: eine Tiefentladung für die Selbstentlader, eine Kippanlage für E-Wagen und noch einen Brückenkran mit Greifer. Wobei ich nicht weiß, wie oft die letzten beiden Anlagen wirklich genutzt wurden, da waren sie erstmal. Man wollte wohl ums Verrecken Versorgungsprobleme vermeiden. Wobei es auch noch die Redundanz durch die Ölanlage gab, die nicht abgebaut worden war und in kalten Wintern durchgehend, sonst wetterabhängig mitbetrieben wurde.

Gruß Thomas
Irgendwann so um 1984 oder 1985 hatten wir in Staßfurt eine ganz merkwürdige krümelige Steinkohle. Warf man die auf, färbte sich der Abgasstrom nur ganz kurz grau und das war's. Beim Blick in die Feuerbüchse sah man zusammenbackende "Kohleinseln" mit tiefen "Canyons" dazwischen, durch die nur kalte Luft kam. Ich sagte dazu immer "Kuchen-und-Löcher-Kohle". Die Löcher zuzuwerfen, war vergebliche Liebesmüh'. Davon backten die "Kuchen" nur noch größer zusammen und die Löcher entstanden schnell an anderen Stellen. Ich behalf mir dann immer nach der "einmal-schippen-dreimal-kratzen-Methode". Wenn sich wieder eine schöne "Kuchen-und-Löcher-Landschaft" gebildet hatte, nahm ich die Kratze und "harkte" wie im Sportunterricht die "Weitsprunggrube" einmal. Dann gab's auch Dampf. Bald hatten sich wieder "Kuchen" und "Löcher" gebildet, und man mußte wieder mit der Kratze "durchharken". So ging das noch ein drittes Mal, bis man wieder Brennstoff aufwerfen mußte. Die Lokführer fragten schon spöttisch: "Na, fahren wir heute mit geschipptem Dampf oder mit gerührtem Dampf?".

Zur versuchten Abhilfe und um die vor sich hin rottende Rohbraunkohle im Bansen (worin ein junger Walnußbaum mit metertiefer Pfahlwurzel herrlich gedieh) loszuwerden, wurde eine 1:3-Mischung von RBK und der komischen Krümelsteinkohle angeordnet.
Das war nun erst recht großer Mist, denn die Rohbraunkohle war unter sehenswerter Funkenbildung längst zum Schornstein hinausgeflogen, bevor sie ihren Restheizwert auf dem Rost entwickeln konnte.

Auf dem Dampfspender - der 01 024 - hingegen, welcher an eine hohe Esse angeschlossen war, funktionierte das mit der "Blumenerde" wegen des sehr gleichmäßigen Zuges, wegen eines "toten Feuerbetts" aus Schottersteinen und wegen der nur moderaten Dampfentnahme ganz gut.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.10.19 23:50.

Kleinkessel

geschrieben von: Sonderkorrespondent

Datum: 07.10.19 22:58

RobRobertson:
Auch die Reichsbahn musste bei der Gebäudeheizung seit dieser Zeit auf RBK umstellen. Auf unserem Bahnhof hieß das, dass die Räume des Empfangsgebäudes und das Wärterstellwerk mit RBK beheizt wurden, nur das Befehlsstellwerk und die im Wald gelegene Abzweigstelle durften weiterhin Briketts verwenden. Die Fahrdienstleiter sollten sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können.
Allerdings war das bei uns nur eine recht kurze Zeit - 1985 und 1986. Ab Winter 1987 gab es wieder genügend Briketts. Ob das daran lag, dass die Reichsbahn manchmal privilegiert wurde oder die Kapazitäten der Brikettherstellung ausgebaut worden waren, weiß ich nicht.
Man hat es bei solchen kleinen Kesseln der Preisklasse Einfamilienhaus halt wieder aufgegeben. Ohne nennenswerten Anteil Briketts funktionierte es dort sowieso nicht. Das Gemurre war es in diesem Fall halt nicht wert.

Bei Zimmeröfen hat man es aber nicht auch noch versucht, oder etwa doch?
Hallöchen

Die Bahnverladung des Tagebau Zwenkau hat zur Ölkrise Anfang der 1980er Jahre reagiert und eine Siebanlage installiert. Korngröße +50mm . Damit fliegt auch im O-Wagen bei 60 km/h(Rbd Halle) nichts davon.
Täglich ein Zug, 4- aber überwiegend 2-Achser waren es im 55678 . Über Neukieritzsch, auch Geithain(durch ZOBE), nach Engelsdorf Westberg. Und dort wurde der Ganzzug in seine einzelnen Wagen zerlegt da jedes kleine Heizwerk auf diese Rohbraunkohle wartete.
Ich erinner mich noch täglich an zwei Wagen nach Taucha.

Es ist verjährt, aber wenn Briketts für Stellwerke benötigt wurden so hat man eine Wagengruppe im Richtungsgleis absichtlich auf einen Vierachser auflaufen lassen und nach dem Aufspringen der Seitentüren waren wieder 15 Tonnen als Vorrat da zu liegen. Türen zu und fort.

Grüße
Bahn-Stephan



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.10.19 23:14.

Brikettfabriken

geschrieben von: Sonderkorrespondent

Datum: 07.10.19 23:10

Posten 60:
Die Brikettpressen in den Kohlerevieren waren wohl längst am Ende ihrer Laufzeit
Kann man in Knappenrode und in Domsdorf bestaunen.

1983 kam dann auch noch in Plessa die Brikettfabrik angeflogen. In Senftenberg war eine 1978 ganz abgebrannt, eine andere hatte 1986 der Tagebau Meuro geschluckt – die Braunkohlewirtschaft der DDR fing also schon an, sich selbst aufzufressen ...

Advent, Advent, der Kohlendreck brennt

geschrieben von: Sonderkorrespondent

Datum: 07.10.19 23:29

VB995 schrieb:
Wäre auch nicht der erste Fall gewesen, dass die RBK sich unterwegs selbst entzündet hätte...
Brennende Güterwagen waren in der Tat fast schon Alltag.

Immer sehr beliebt auch sich selbständig machende Blumentopferde. Wenn sie in bestimmter Beschaffenheit ins Gleis rieselte, konnte auch das gern mal anfangen zu brennen.

Eine ganz besonders schöne Variante waren sich öffnende Fal-Wagen. Vorzugsweise natürlich bei der Fahrt über Weichen, denn da gibt es schön was zu zerkloppen. Ein Bunkerzug hat mal den Bahnsteig in Radebeul West (oder einem anderen Bahnhof im Raum Dresden) beliefert. Zum Glück hatte kurz vorher ein Personenzug die im Berufsverkehr zahlreich erschienenen Leute eingesammelt. Andersherum wäre das wohl nicht ohne Personenschaden abgegangen.

Der ungefilterte Kommentar eines Reichsbahnrats über die sog. Kollegen vom Braunkohlenkombinat: „Die müßte man alle einsperren!!“


VB995 schrieb:
Das Theater der Freundschaft in Lichtenberg heizte bis 1994 mit RBK und Lauchhammer Halbsteinen.
Ob die RBK noch in der Nachwendezeit dort geliefert worden ist, weiß ich nicht.
So manche Kohlenheizung hat sich auch noch länger gehalten. Aber hatte man wirklich irgendwo auch noch nach der Wende Blumentopferde bestellt, ohne vom Heizer mit der Schaufel verprügelt zu werden?

Na ja...

geschrieben von: Peter

Datum: 08.10.19 11:58

Hallo!

Sonderkorrespondent schrieb:
So manche Kohlenheizung hat sich auch noch länger gehalten. Aber hatte man wirklich irgendwo auch noch nach der Wende Blumentopferde bestellt, ohne vom Heizer mit der Schaufel verprügelt zu werden?
Na ja - im Prinzip hat sich das Problem sehr schnell geloest.
Bei der Stadtwirtschaft gab es allein in einer Niederlassung drei Heizer, die schichtweise fuer Heizung und Warmwasser (speziell fuer die Duschen) sorgten und die eine sehr anstrengende Arbeit zu verrichten hatten (Braunkohle wurde im Hof abgekippt und dann per Schaufel und Schubkarre durch den Hausflur in den Heizraum am Gebauedeende geschafft, wo abgekippt (zwischengelagert) bzw. verfeuert wurde).

Diese Arbeit wurde im Zuge der Wende quasi als erste durch Gasheizung und Thermostat-Ventile ersetzt - die rueckengeschaedigten Kollegen gingen in die (verdiente) Rente.
Und so sah es in anderen Betrieben ja ebenfalls aus - Technik war preiswert verfuegbar, die Heizer-Arbeit ohnehin nie beliebt, da regelte sich das.
Die Luft in den Staedten war in kuerzester Zeit recht sauber.

Gruss
Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind. Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten. Zudem biete ich Patenschaften fuer meine Fehler an.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.