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alte Ansichtskarte "Göttingen" zum grübeln

geschrieben von: Alibizugpaar

Datum: 13.08.19 00:03

Hallo ins Rund,

ich stöbere regelmäßig nach alten Aufnahmen zu Orten, die meine Lebensstationen waren oder sind, so auch Göttingen.

Unten im Link ist eine Aufnahme zu sehen, die ich dem Kleidungs- und Uniformstil nach in die letzte deutsche Kaiserzeiten verfrachten würde. Dieses Personengrüppchen könnte sich vor 100 Jahren zusammengefunden haben, rund um den 1. Weltkrieg.

Zu sehen ist eine sehr große Bahnhofshalle, eine Bahnhofsuhr, vermutlich ein Treppenabgang und natürlich unverkennbar ein ausgedienter Personenwagenaufbau 'auf dem Trockenen', der kleine Ofenrohre aufgesetzt und Zeichen des Roten Kreuzes bekommen hat. Über diesem Wagen hängt ein kleines Fähnchen und ein (beleuchteter) Schriftzug Göttingen. Dieser verzierte Göttingen-Anzeiger sieht nicht nach einem Wechselschildanzeiger aus, es könnte hier also dauerhaft Göttingen geheißen haben. Bemerkenswert finde ich auch die Bahnsteig(hänge)leuchte, die doch recht schwer wirkt. Vor dem Wagenaufbau ragt links ein zweites Gehäuse ins Bild, mit Welldach aber wohl kein ehemaliges Fahrzeug. Vielleicht ein Bahnsteigsperrhäuschen oder die Bude des Aufsichtsbeamten?

Die Rückseite der Ansichtskarte sagt "Göttinger Erinnerungen an Deutschlands grosse Zeit / 2. Truppen-Erfrischungshalle auf dem Bahnhof", herausgegeben von der Vereinigung Göttinger Papierhändler.

Daß hier nicht der Göttinger Bahnhof zu sehen ist dürfte klar sein. Auf der anderen Seite wirkt der Schriftzug Göttingen auf mich nicht wie hinein retuschiert. Falls es doch eine Retusche ist, wäre es eine der besten, die ich je gesehen habe.

Nun bleibt meine Frage, ob sich jemand diese Situation erklären kann und was es mit Göttingen auf sich gehabt haben könnte? Meine Idee: Der Hauptbahnhof Hannover hatte früher eine imposante Bahnhofshalle, hier zu sehen nach dem Krieg.

[i.pinimg.com]

Könnte es sich vielleicht in Hannover um einen Göttinger Bahnsteig gehandelt haben, von dem aus nur Züge nach Göttingen abgefahren sind? Das erscheint mir aber nicht plausibel, weil es prominentere Fernziele wie Kassel (Cassel), Frankfurt/M, Stuttgart oder München gegeben hätte, zu denen die Züge gefahren sind. Oder gab es zu der Zeit auch entsprechende Bahnsteigschilder Hameln, Braunschweig, Bremen, Hamburg, Bielefeld? Denkbar wäre, daß man aus alter Königlich Hannöverscher Staatseisenbahn-Tradition und Sitte eben doch Göttingen als den wichtigsten 'inländischen' Südbahnhof betrachtet hat.

Aber wie auch immer, lange hin & her - ich verstehe das Foto nicht. Vielleicht könnt Ihr Euch einen Reim drauf machen? Vielleicht kann sogar jemand die Uniformen zuordnen?


Hier die Ansichtskarte:

[www.ansichtskarten-center.de]


Danke und Gruß!

Gruß, Olaf

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Re: alte Ansichtskarte "Göttingen" zum grübeln

geschrieben von: isiko

Datum: 13.08.19 05:37

Hallo,

Göttingen hatte bis kurz nach dem ersten WK eine Bahnhofshalle. Diese wurde mit der Höherlegung der Bahngleise Anfang der zwanziger Jahre jedoch entfernt. In dem Zuge wurden auch die Gleisanlagen vollständig umgestaltet. So trennten sich die beiden Streckenäste nach Eichenberg und Hann Münden ursprünglich direkt südlich hinter der Bahnsteighalle. Nach der Höherlegung trennten sich die Strecken erst jenseits des Flusses "Leine".

Gruß, Ian

Re: alte Ansichtskarte "Göttingen" zum grübeln

geschrieben von: gleis59

Datum: 13.08.19 09:00

Hallo Alibizugpaar,

du kennst die DVD -Alte Stadt im Lebensstrom - Dokumentarfilm, Göttingen 1948, entdeckt und
präsentiert vom Göttinger Tageblatt.
Spieldauer 15 min und SEHENSwert. Vom Theaterbesuch bis zur Teilentstromten 03.10 ALLES dabei.

Grüße
siegfried

Re: alte Ansichtskarte "Göttingen" zum grübeln

geschrieben von: Fdl Uwf

Datum: 13.08.19 18:41

Hallo Olaf,

die Karte zeigt eine Szene vom Bf in Göttingen während des 1. Weltkrieges. Diese Aufnahme befindet sich auch im Buch "Auf Schienen durch die Zeit" auf Seite 63. Das Buch wurde im Jahr 2001 in zweiter Auflage durch das städtische Museum Göttingen herausgegeben.

Die von gleis59 erwähnte CD habe ich mir auch angesehen bei einem Freund. Interessante Aufnahmen sicherlich, doch durch den Zusammenschnitt und teilweise schnellen Szenenwechsel hat mich diese CD nicht begeistert.

Gruß aus HG
Martin

Re: alte Ansichtskarte "Göttingen" zum grübeln

geschrieben von: Alibizugpaar

Datum: 13.08.19 22:28

Da legst di nieder...

Göttingen hatte eine große Halle??? Ufff, ich habe bislang noch nie Hinweise dazu gelesen oder je ein Foto gesehen. Deshalb dachte ich an Hannover und andere Großstadtbahnhöfe rings herum. Gut, dann hat sich das Rätsel aufgelöst - für mich ganz persönlich mit einem wirklichen Paukenschlag. Wenn Euch ein Bildlink zu einer schönen Aufnahme der Halle bekannt ist würde ich mich über einen Hinweis freuen.

Gruß, Olaf

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Re: alte Ansichtskarte "Göttingen" zum grübeln

geschrieben von: Eurocity341

Datum: 14.08.19 00:01

Hallo!

Ich hatte auch ein bisschen gegoogelt und konnte auch nicht feststellen, dass Göttingen eine Bahnsteighalle hatte. Hannover hatte eine und diese wurde bekanntlich im 2. Weltkrieg zerstört.

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser

Re: alte Ansichtskarte "Göttingen" zum grübeln

geschrieben von: Fdl Uwf

Datum: 14.08.19 08:01

Hallo Olaf,
es gab sogar 2Bahnsteighallen bis zur Höherlegung der Gleise.
Melde mich heute am Abend dazu per PN bei Dir und Kai-Uwe.

Gruss aus Göttingen
Martin

Re: alte Ansichtskarte "Göttingen" zum grübeln

geschrieben von: isiko

Datum: 14.08.19 09:43

Hallo,
stimmt genau, es war eine Doppelhalle, die unterschiedliche Größen hatte. Es gibt tatsächlich auch Fotos im Buch "Die Lokhalle" (ISBN 3-924781-38-9). Die Bilder stammen vom städtischen Museum Göttingen.

Auf einer Luftaufnahme von 1909 (Postkarte) kann man die Hallen recht gut erkennen, wenngleich es an Details hapert.

Gruß, Ian
DSC_4488.jpg



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.08.19 09:43.
Eurocity341 schrieb:
Ich hatte auch ein bisschen gegoogelt und konnte auch nicht feststellen, dass Göttingen eine Bahnsteighalle hatte. Hannover hatte eine und diese wurde bekanntlich im 2. Weltkrieg zerstört.


eher über Umwege habe ich das hier gefunden:

[de.wikipedia.org]

Unter -> Deutschland -> Ohne Bahnbetrieb oder abgebrochen findet man unter Punkt 22: :

Göttingen, im Rahmen der Höherlegung der Gleise in den 1920ern abgebrochen

Bilder habe ich aber auch nicht gefunden, aber noch einen Stadtplan von 1920 auf dem eine Halle eingezeichnet ist (bestimmt nicht maßstäblich.
[landkartenarchiv.de]

im Vergleich dazu ein Plan von 1927, da ist der Bahnhof der Gartetalbahn bereits verlegt.
[www.landkartenarchiv.de]

Was mich wundert ist das es keine Postkarten vom Bahnhof Göttingen vor 1920 geben soll.

Gruß

Norbert
Hallo!

Besten Dank für die Aufklärung! Dafür ist ein Forum da, um auch solche Sachen erfolgreich zu klären. So muss ein Forum funktionieren!

Ich wünsche einen angenehmen Abend!

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser
Norbert Bank schrieb:
Eurocity341 schrieb:
Ich hatte auch ein bisschen gegoogelt und konnte auch nicht feststellen, dass Göttingen eine Bahnsteighalle hatte. Hannover hatte eine und diese wurde bekanntlich im 2. Weltkrieg zerstört.


Bilder habe ich aber auch nicht gefunden, aber noch einen Stadtplan von 1920 auf dem eine Halle eingezeichnet ist (bestimmt nicht maßstäblich.
[landkartenarchiv.de]

Vielen Dank für die erfolgreiche Aufklärung des Bahnsteighallen-Themas Göttingen. Nur als kurzer Hinweis zu den Pharus-Plänen: Das Hallen-Symbol ist dort kein Indiz für das tatsächliche Vorhandensein einer Bahnsteighalle. Es ist lediglich das Symbol für Bahnhof.
Viele Grüße aus Hamburg,
Thomas Laube