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Es war einmal … Die Murgtalbahn Teil 1

geschrieben von: K.Matthias Maier

Datum: 09.06.19 11:31

Am 31. Mai 1869 wurde der erste Abschnitt der Murgtalbahn von Rastatt nach Gernsbach eröffnet. Da dieses 150jährige Jubiläum bislang weder in der Fachpresse noch durch irgendwelche Veranstaltungen vor Ort gewürdigt wurde, soll es doch zumindest hier im Hifo Erwähnung finden.

Die Zurückhaltung vor Ort ist in Gernsbach möglicherweise mit dem in diesem Jahr stattfindenden 800-Jahre-Stadtjubiläum zu erklären. In Rastatt und Gaggenau, mit ihren großen Werken der Daimler AG, dürfte die Motivation, die Bahn zu feiern, auch recht gering gewesen sein. Zudem ist die parallel zur Murgtalbahn verlaufende B 462 als Pilotprojekt für die Ausstattung von Straßen mit Oberleitung für LKW auserkoren, ein weiterer möglicher Grund eine elektrifizierte Eisenbahnstrecke nicht zu feiern. E-Mobilität ist eben ein Thema der Automobilindustrie.

Nach diesen Ab- und Ausschweifungen aber wieder zurück zum Thema: Über die Geschichte der Murgtalbahn sind ja schon etliche Publikationen erschienen, auch bei Wikipedia gibt es einen kostenlosen Überblick über die Geschichte der Murgtalbahn: [de.wikipedia.org]

Der Bau der 58 km langen Murgtalbahn Rastatt – Freudenstadt zog sich über 59 Jahre hin. Nach der Eröffnung des ersten Abschnitts Rastatt – Gernsbach, folgte am 1.Mai 1894 der Abschnitt bis Weisenbach und am 15.6.1910 war Forbach erreicht. Fünf Jahre später war dann Raumünzach mit seiner Baustelle für die Schwarzenbachtalsperre angeschlossen. Auf der württembergischen Seite war bereits am 20. November 1901 der Abschnitt Freudenstadt – Klosterreichenbach eröffnet worden. Es sollte aber bis zum 13. Juli 1928 dauern, bis die Lücke zwischen Baden und Württemberg geschlossen werden konnte. So, und jetzt kann keiner mehr sagen, dass früher alles besser war!

Neben der außergewöhnlich langen Bauzeit der Gesamtstrecke, erscheint mir noch erwähnenswert, dass der Abschnitt Rastatt – Gernsbach – Weisenbach zwar von der Murgtal-Eisenbahn-Aktiengesellschaft gebaut worden war und auch deren Eigentum war, der Betrieb aber von Anfang an von der Großherzoglich Badische Staatseisenbahn durchgeführt wurde. Erst 1904 kaufte das Großherzogtum Baden die Strecke für rund 1,6 Mio Mark.
Die Bauzeit für die 15 km lange Strecke betrug nur neun Monate, ein Indiz dafür, dass der Abschnitt keine besonderen topografischen Herausforderungen stellte. Und so ist es auch, dieser Abschnitt ist relativ langweilig.

In Rastatt beginnt die Murgtalbahn, seit jeher beginnen (und enden) die Züge der Murgtalbahn aber in Karlsruhe. 218 166 hat am 21. Februar 1975, von Karlsruhe kommend, Rastatt erreicht und wird gleich ihre Fahrt ins Murgtal beginnen.

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Kreuzung in Kuppenheim. Zwischen Kuppenheim und Bad Rotenfels liegt die Bahnstrecke direkt neben der Murg, nur durch einen Hochwasserdamm getrennt. 218 152 wartet am 20. September 1974 mit dem E 3601 auf einen entgegenkommenden Zug.

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Heute muss kein Zug mehr in Kuppenheim einen Kreuzungsaufenthalt einlegen, da im Zuge der Elektrifizierung der Abschnitt Kuppenheim – Bad Rotenfels zweigleisig ausgebaut wurde. Betrieblich interessant ist, dass dies eigentlich keine zweigleisige Strecke ist, sondern ein Bahnhof. Der Bahnhof Bischweier, ehemals ein Haltepunkt, mit seinen Bahnhofsteilen Kuppenheim, Bad Rotenfels Schloß und Bad Rotenfels ist somit 4,2 km lang. Am 12. Juni 2002 war eine dreiteilige Stadtbahngarnitur in diesem langen Bahnhof unterwegs.

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Gaggenau, mit knapp 30 000 Einwohnern, ist die industrielle Metropole des Murgtals, wobei das Getriebe- und Achsenwerk der Daimler AG mit 6500 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Stadt und der größte Industriebetrieb im Schwarzwald ist. Dieses Werk sorgte vor allen in den Zeiten als dort noch der „Unimog“ gebaut wurde für ein hohes Frachtaufkommen auf der Schiene. Am 27. Juni 1973 war der Bahnhof in einem größeren Umbau begriffen. 212 213 hatte mit einem Schülersonderzug Gaggenau erreicht und die Kinder schicken sich an, den Zug (und die Lokomotive !!!) zu verlassen. Schülersonderzüge, in den 1970er Jahren, insbesondere im Murgtal, recht häufig anzutreffen, sind auch völlig aus der Mode gekommen. Eigentlich war die Murgtalbahn ja die Domäne der Baureihe 213, ab 1972 dann die der Baureihe 218; Karlsruher 212 kamen jedoch recht häufig auf dem nördlichen Teil vor Sonderleistungen zum Einsatz.



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Seit Juni 2002 ist die Murgtalbahn elektrifiziert und in das „Karlsruher System“ integriert. Seitdem bestimmen sie 2-System-Stadtbahnwagen der AVG das Bild. Gaggenau ist ein moderner Haltepunkt geworden. Die Fahrgäste belohnen das hervorragende Angebot, mit dem Ergebnis, dass sich die Fahrgastzahlen seit Einführung des Stadtbahnbetriebs verfünffacht haben.

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.06.19 11:52.

Es war einmal … Die Murgtalbahn Teil 2

geschrieben von: K.Matthias Maier

Datum: 09.06.19 11:51

Zur Eröffnung des Stadtbahnbetriebs am 15. Juni 2002 brachten einige engagierte Eisenbahner das Kunststück fertig, einen richtigen ICE ins Murgtal zu bringen. Ein fünfteiliger ICE T fuhr damals bis Forbach und stand den weiteren Festtag in Gaggenau zur Besichtigung bereit. Die Murgtäler nahmen an der Eröffnung überaus regen Anteil, es war ein riesiges Volksfest.

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Seit nunmehr zehn Jahren verkehrt von Mai bis Oktober an Sonn- und Feiertagen sowie einigen Samstagen der Murgtäler Radexpress von Ludwigshafen nach Freudenstadt. Als einziger lokbespannter Reisezug auf der Murgtalbahn Rastatt - Freudenstadt ist er eine Attraktion geworden. In dieser Saison wird er übrigens letztmalig lokbespannt verkehren. 111 045, ausnahmsweise auf der Nordseite angekuppelt, bremst sich nach Gaggenau hinein.

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Da ist in Gernsbach wohl was schiefgegangen. 212 091 mit einem Gerätewagen an der nördlichen Ausfahrt von Gernsbach. Das putzige Wärterstellwerk ist leider der Elektrifizierung zum Opfer gefallen.

DK 212 091 001aa.jpg


Von 1966 bis 1972 waren die steilstreckentauglichen V 100 der Baureihe 213 im Murgtal eingesetzt. Sie ersetzten die Dampflokomotiven der Baureihen 50 und 78 im nördlichen Abschnitt und die Baureihen 94.5 und 82 im Steilstreckenabschnitt. Mit der 213 war es nun auch möglich geworden, lokbespannte Reisezüge durchgehend von Karlsruhe nach Freudenstadt zu befördern. 213 335, heute noch bei der NeSA im Einsatz, erreicht von Freudenstadt kommend im Mai 1971 den Bahnhof Gernsbach. Die südliche Ausfahrt des Gernsbacher Bahnhof war mit einem Gruppenausfahrsignal gesichert.

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Soweit der kurze Rückblick auf den ältesten Abschnitt Rastatt – Gernsbach der Murgtalbahn.
Frohe Pfingsten !!!

Re: Es war einmal … Die Murgtalbahn Teil 1

geschrieben von: tram

Datum: 09.06.19 14:19

Ein schöner Bericht der zeigt wie sich dort vieles verändert hat. Trotz aller Romantik zum Besseren. Verfünffachung von Fahrgastzahlen sprechen einfach für sich.
Ob man das nun schön findet das es nun die 420er der AVG statt der 212 oder 218 der DB sind ist Ansichtssache.

Für die Fahrgäste sind leichtes Einsteigen, dichter Takt, Bequiemlichkeit und Klimatisierung das Wichtigste.

Noch Fragen Kienzle?

https://www.nomegatrucks.eu/deu/service/download/no-mega-trucks-logo.jpg

Re: Es war einmal … Die Murgtalbahn Teil 2

geschrieben von: Murgtäler

Datum: 09.06.19 15:17

Hallo

Toller Bericht mit schönen Bildern! Eine Anmerkung hätte ich aber. Das Wärterstellwerk "GW" in Gernsbach ist nicht der Elektrifizierung der Murgtalbahn zum Opfer gefallen, sondern 1996/1997 dem Bau des Straßentunnels "B 462 Gernsbach". Für die Ein- und Ausfädelspuren am nördlichen Tunnelportal wurde Platz benötigt und aus diesem Grund wurde das Stellwerk abgerissen und die Gleise in Richtung Schwarzwaldstraße verschoben. Zum Zeitpunkt des Abrisses war das Stellwerk aber schon ein paar Jahre außer Betrieb, da im Bf Gernsbach Anfang der 90er Jahre ein neues Relaisstellwerk in Betrieb ging.

Viele Grüße und schöne Pfingsten

Re: Es war einmal … Die Murgtalbahn Teil 2

geschrieben von: D45-Schauinsland

Datum: 09.06.19 21:33

Hallo Herr Maier,

vielen Dank für Ihren zweiteiligen Bericht über den unteren Teil der Murgtalbahn mit den vielen interessanten Fotos. Vielleicht denkt ja vor Ort doch noch einer an den runden Jahrestag.
Es fehlen eigentlich nur ein paar Bilder aus der "Vor-V100"- sprich Dampflok-Zeit. Vielleicht kann ja ein anderer Forent dazu noch was nachlegen.

Freundliche Grüße

D45

Re: Es war einmal … Die Murgtalbahn

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 11.06.19 11:49

Hallo Matthias,
danke für Dein Erinnern an dieses Jubiläum!
Mir fällt beim Thema Murgtalbahn allerdings auch zuerst 1928 ein, das Datum der Fertigstellung der Gesamtstrecke. Vielleicht wird die Eröffnung des ersten Teilabschnittes nicht als so bedeutsam empfunden?
Viele Grüße
Stefan

https://abload.de/img/db-251902-4003812-titu8k49.jpg

Re: Es war einmal … Die Murgtalbahn Teil 2

geschrieben von: martin welzel

Datum: 12.06.19 10:25

Moin Matthias,

schöne Bilder mit viel Drumherum! Schade nur, dass heute die Staßenbahnen dort herumfahren - die liebe ich gar nicht, obwohl sie aus unserem Hause stammen.

Danke fürs Zeigen,

Martin
Moin,

ich war noch auf dem letzten Drücker des Dampfbetriebes an der Steilstrecke Baiersbronn - Freudenstadt Hbf und konnte noch die beiden 82er unter Dampf aufnehmen:

82 041 Freudenstadt Hbf 24.4.1966
82 041 Freudenstadt Hbf 24.4.1966 lv.jpg

82 041 Freudenstadt Hbf 24.4.1966 vv.jpg

Später erwischte ich sie vor einem Personenzug bei der Einfahrt in Freudenstadt Stadtbahnhof:

82 041 Einf. Freudenstadt Stadtbahnhof 24.4.1966
82 041 Einf. Freudenstadt Stadt 24.4.1966.jpg

Anschließend gingen wir an die Steilstrecke Baiersbronn - Freudenstadt, wo wir die Bergfahrt eines schweren Eilzuges erleben konnten. Zuglok war 82 040:
82 040 Rampe Baiersbronn-FDS 24.4.1966 vv.jpg

Schublok war 82 041:
82 041 Rampe Baiersbronn-FDS 24.4.1966.jpg

Zum Fahrplanwechsel 1966 wurden die 82-er und 94er von den Steilstreckenloks V 100 ersetzt.

Viele Grüße
Detlef


Zu Bild 1

geschrieben von: VictorPM

Datum: 12.06.19 18:51

Vielen Dank Detlef für diese Bilder mit 82ern :-)

Zu Bild 1, etwas merkwürdig sieht die Kombination Rauchwolke (als würde der Zug vorwärts fahren) und Steuerung (rückwärts) aus...

Die Lok hat sich wohl gerade vor dem Zug gesetzt und es steht etwas Wind :)

Gruß, Victor

NL

Re: Es war einmal … Die Murgtalbahn Teil 1

geschrieben von: SpDrS600

Datum: 13.06.19 16:37

Weil es zum Thema passt.
Im Jahr 1980 wurde ein Projekt vom Land BW initiiert, das Lkw-Aufkommen im Murgtal zu reduzieren und vor allem den Transport von Kies von der Straße auf die Schiene zu bringen. Dazu wurden in Winterlingen eine Verladestation für Kies-Container gebaut, welche dann in Freudenstadt auf Lkw umgesetzt wurden. Es wäre toll, wenn jemand noch Bilder dieser Kieszüge im Murgtal vorzeigen könnte.