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 04 - Historische Bahn 

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Endlich HiFo-reif – Die erste Zugverfolgungsjagd meines Lebens: mit dem Steinzug von Mokepalin nach Theinzayat




Liebe HiFo-Leser,

da der Freitag diese Woche auf einen Feiertag fällt, kommt heute schon am Donnerstag der nächste Bericht. Im letzten Bericht dieser Berichtsreihe hatte ich vom ersten Besuch im BW von Bago erzählt und ein paar Impressionen von meiner Reise in Richtung Süden gezeigt. Der Besuch im BW Bago hatte das Eisenbahnvirus in meinem Körper wieder zum Ausbruch gebracht und so kehrte ich nach dem Abstecher in den Süden wieder nach Bago zurück. Gerade noch rechtzeitig, wenige Monate später war das Feuer in den letzten Dampfloks dann erloschen.


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Bild 1: Na, seid ihr genauso neugierig wie dieser Junge am Hauptbahnhof Yangon? Ihn traf ich kurz vor der Abreise in Yangon, denn die Anreise nach Bago erfolgte natürlich stilgerecht mit dem Zug.



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Bild 2: Noch schnell ein Blick auf die Uhr. Gleich fährt der Zug los, also schnell…



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Bild 3: … in den Wagen. Eigentlich wollte ich Holzklasse fahren. Beim Bahnhofschef (Ausländer bekommen am normalen Fahrkartenschalter keine Fahrkarten, sie bekommen nur gegen harte Dollars zum mehr als hundertfachen Preis gesonderte Fahrkarten) wollte man mir aber nur Fahrkarten für die erste Klasse verkaufen, da die Holzklasse ausgebucht sei (was sie in Wirklichkeit nicht war).



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Bild 4: Kurz vor der Abfahrt nochmals schnell ein Blick auf den Bahnsteig 1. Auf dem Schild links steht übrigens das burmesische Zeichen für „1“. Die burmesische Schrift orientiert sich am Sanskrit, das Mönche aus Sri Lanka vor rund 2.000 Jahren nach Myanmar brachten.




Die Zugfahrt verlief vollkommen unspektakulär. In Bago wurde ich dann gleich von Mr. Han in Empfang genommen. Nachdem ich mein Gepäck ins Hotel gebracht hatte, ging es gleich wieder ins BW. Meine Genehmigung von vor ein paar Tagen war scheinbar noch immer gültig, ich musste nicht nochmals Eintrittsgeld bezahlen.

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Bild 5: Im BW war aber nichts los, nur YD 964 (Vulcan Foundry 1949, 5728) stand sich die Füße platt.




Der Besuch im BW war also fast ein wenig enttäuschend. Allerdings konnten wir in Erfahrung bringen, dass morgen früh ein Güterzug mit Dampfbespannung von Mokepalin nach Bago verkehren würde. Damit stand das Programm für den morgigen Tag also auch schon fest.

Kurz vor Sonnenaufgang schwang ich meinen Hintern auf Mr. Hans Moped und wir schaukelten die gut 60km in Richtung Mokepalin. Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse und des schwachen Motors benötigten wir dafür über zwei Stunden, die Auffahrten zu zwei Brücken mussten wir sogar schieben. Schließlich aber hatten wir den Bahnhof von Mokepalin erreicht, eine Dampflok war aber weit und breit nicht zu sehen. Zum Glück kannte Mr. Han den Weg zum versteckt gelegenen Mini-BW, das sich hinter einer hohen Hecke und vielen Bäumen versteckte. Mitten in diesem Dschungel fanden sich einige Schrottloks und eine scheinbar betriebsfähige Lok, die gerade ihre Brennvorräte aufgefrischt hatte. Eine kurze Nachfrage beim Personal ergab, dass diese Lok in Kürze einen Steinzug nach Bago bringen würde.

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Bild 6: Zur besseren Einordnung der Lokalitäten zunächst eine Übersichtskarte. Links unten liegt Bago an der zweigleisigen, von Süd nach Nord verlaufenden Hauptstrecke Yangon – Mandalay. Dort zweigt die Strecke in Richtung Süden nach Mawlamyaing (und inzwischen weiter bis Dawei) ab. Diese Strecke führte ursprünglich über Abaya und Nyaungkashe nach Mokepalin. Die Brücke über den Sittoung-Fluss wurde allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört und erst knapp 20 Jahr später weiter nördlich bei Theinzayat wieder aufgebaut (Eröffnungstermin 23.03.1962), der Streckenabschnitt Abaya – Nyaungkashe mutierte zur Stichstrecke. Nachdem die Militärjunta 2005 die Hauptstadt in einer Nacht- und Nebelaktion von Yangon mitten in den Busch Zentralmyanmars verlegte (die neue Hauptstadt erhielt den Namen Naypitaw), sollte auch der Eisenbahnverkehr zentral von Naypitaw aus verkehren. Damit Züge von Naypitaw nach Mawlamyaing nicht in Bago Kopf machen müssen, wurde eine großräumige Verbindungskurve gebaut, die mitten im Nirgendwo am neuen Bahnhof mit dem Namen Satthwa-Gone auf die Strecke Richtung Süden trifft. Die Kurve wurde vermutlich 2008 eröffnet. Die heutige Zugverfolgung wird von Mokepalin nach Theinzayat führen.



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Bild 7: Der Bahnhof von Mokepalin. Leider ohne Dampflok.



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Bild 8: Der Wasserkran ist noch betriebsfähig und wird auch benötigt.



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Bild 9: Die Zufahrt zum Mini-BW, dass sich im Dschungel hinter der Brücke befindet.



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Bild 10: Im winzigen BW steht sie dann: YD 967 (1950, Vulcan Foundry 5731). Sie wird uns am heutigen Tage noch verfolgen, besser gesagt, wir werden sie verfolgen.



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Bild 11: Die Lok nochmals schräg von vorne in Schwarz-weiß. Der Tank im Hintergrund enthält kein Wasser, sondern das Schweröl für die Befeuerung.



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Bild 12: Das Gestänge glänzt in der warmen Morgensonne.



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Bild 13: Die Lokmannschaft bereitet die Lok zur Abfahrt vor und ergänzt nochmals die Brennvorräte. Nicht von dem Holz auf dem Tender irritieren lassen. Die Loks sind ölgefeuert, das Holz dient nur zum anschüren des Feuers.



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Bild 14: Solange das Personal noch die Dampflok abfahrtsbereit macht, schauen wir uns ein bisschen im BW um. Im Gestrüpp findet sich noch YB 518 (1947, Vulcan Foundry 5565). Die Lok hat schon bessere Tage erlebt.



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Bild 15: Hinter YB 518 versteckt sich noch mehr Alteisen im Gestrüpp. Ich wollte mir die Schrottreste dort anschauen, aber das Personal pfiff mich zurück, weil es dort angeblich vor giftigen Schlangen wimmelt.



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Bild 16: Dann schauen wir uns eben YC 626 (1948, Vulcan Foundry 5603) an. Sie wurde wohl erst vor kurzem abgestellt und war noch nicht überwuchert.



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Bild 17: Einen Teil des Gestänges hat man vermutlich bereits ins Ersatzteillager geschafft.



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Bild 18: Eine Drehscheibe gibt es im BW natürlich auch, den Spuren nach wurde sie auch noch genutzt.



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Bild 19: Immer nur Dampfloks ist auf Dauer ja auch langweilig, daher zur Abwechslung mal ein besondere Gefährt. Im Jahre 2007 wurden Züge auf der Strecke südlich von Mawlamyaing nach Dawei immer wieder von Rebellen überfallen, die Frontlinie zu den Rebellengebieten der Karen verlief 2007 nur rund 30km Luftlinie von Mokepalin entfernt. DCA.8513 wurde anfangs der 1950er-Jahre bei Wickham hergestellt und nach Malaysia geliefert, wo es seinerzeit auch massive Überfälle von Rebellen- und Bürgerkriegsgruppen auf Züge gab. Nachdem die Aufstände in Malaysia niedergeschlagen waren, wurden die gepanzerten Triebwagen überflüssig und so gelangten acht Stück 1970 nach Myanmar.



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Bild 20: Als eine Art “Maskottchen stand ST 778 (1948, Robert Stephenson & Hawthorns) im BW herum. Die Farbgebung erinnert mich an eine Spielplatzlok in der Friedrichsau in Ulm, auf der ich als Kind sehr viel Zeit verbracht hatte. Soweit ich mich erinnern kann, war es eine Werkslok (B- oder C-Kuppler). Hat da ein HiFo-Leser vielleicht nähere Infos?



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Bild 21: Betriebsfähig abgestellt fand sich im BW noch YC 629 (1948, Vulcan Foundry 5606). Die Dampfloks haben neben dem Tender auch immer einen geschlossenen Güterwagen angehängt, in dem sich Werkzeug und Aufgleisungshilfen befinden.




Nachdem ich mich lange genug im BW umgesehen hatte, fragten wir die Lokmannschaft, wann sie denn abfahren würden. So richtig schienen sie es selber nicht zu wissen, es sah aber nicht nach einer baldigen Abfahrt aus. Also machte ich mich mit Mr. Han erst einmal auf die Suche nach etwas Essbarem, danach fuhren wir zum Bahnhof Theinzayat, denn direkt hinter Mokepalin verläuft die Bahnstrecke nicht parallel zur Straße, erst vor Theinzayat verlaufen Straße und Schiene wieder parallel. Wir quartierten uns beim Fahrdienstleiter von Theinzayat ein, denn der würde rechtzeitig über Funk erfahren, wenn der Dampfzug in Mokepalin losfahren würde.

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Bild 22: Wie in jedem burmesischen Bahnhof hängt auch in Theinzayat ein Gleisplan. Das nach links oben abzweigende Gleis ist das Anschlussgleis einer Papiermühle. Rechts geht es nach Mokepalin, links nach Abaya.



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Bild 23: Ein zwischenzeitlich durchfahrenden Personenzug mit Dieselbespannung verschmähte ich, dafür fotografierte ich den Fahrdienstleiter mit dem vom Lokführer übergebenen Token.




Die Mittagshitze wurde inzwischen unerträglich und wieder waren fast schon eingedöst, als uns lautes Geknarze aus dem Funkgerät wieder aufweckte. „Steam loco is departing in Mokeplain. Quick, quick!“ waren die Worte von Mr. Han und wir rannten zu seinem Moped, um dem Dampfzug entgegenzufahren. Die erste Dampfzugverfolgung meines Lebens begann. Es war für mich die erste Zugverfolgung und von Eisenbahnfotografie hatte ich seinerzeit keine Ahnung. Erschwerend kam hinzu, dass der Zug in der Mittagszeit im prallen Sonnenschein verkehrte. Daher bitte ein bisschen über die mangelhafte Qualität und die bescheidene Motivwahl entschuldigen! Jeder fängt mal klein an, inzwischen bin ich in Sachen Dampflokfotografie besser geworden.

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Bild 24: Schattenseite, keinerlei Motiv, aber immerhin die Lok nicht abgeschnitten. Mein allererstes Bild einer fahrenden Dampflok.



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Bild 25: Den Nachschuss gönne ich euch auch noch. Die Straße ist neben der Eisenbahn die einzige Verbindung in den Süden Myanmars. Immerhin ist sie geteert und für den vorhandenen Verkehr reicht sie bestens aus wie man sieht.



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Bild 26: Schon wieder Schattenseite und dann auch noch Hochkant!



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Bild 27: Der Versuch eines Motivs.



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Bild 28: Motivversuch in Schwarz-Weiß



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Bild 29: Endlich auch ein bisschen Dampf.



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Bild 30: Hier gönne ich euch auch noch den Nachschuss. Rechts unten wartet übrigens Mr. Han darauf, dass ich gleich wieder als Sozius auf sein Moped springe. Ich hatte übrigens auch einen Helm auf, den ich aus Zeitgründen zum Fotografieren nie abgenommen habe.




Damit endet auch der erste Teil der Dampflokverfolgung. Im nächsten Beitrag setzen wir die Verfolgung dann bis Bago fort. Ich würde mich freuen, wenn ihr bei der Verfolgung wieder dabei sein würdet.


Und als Beweis, dass ich in Sachen Eisenbahnfotografie in den letzten Jahren dazugelernt habe, erlaube ich mir noch einen Hinweis auf meinen aktuellen Beitrag im Auslandsforum zu geben. Dort gibt es nach dem ersten Teilbericht jetzt auch den zweiten Teilbericht mit jeder Menge chinesischem Plandampf aus dem Jahre 2019 zu sehen (einfach auf eines der Bilder oder die Bildunterschrift klicken, dann werdet ihr automatisch zum Bericht weitergeleitet).


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Hier geht’s zum zweiten China-Bericht im Auslandsforum. Dort gibt es diese und noch viel mehr Bilder aus dem Januar 2019 zu sehen.





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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.04.19 13:15.
ist doch gar nicht so schlimm. Mir gefällt der bericht und die Fotos. Man kommt ja nicht so oft nach Myanmar...

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(

Schornstein in Bierfarben

geschrieben von: wernerhardmeier

Datum: 18.04.19 14:54

Hervorragend: Text und Fotos! Vor allem die Farbfotos bringen das ganze Drum und Dran perfekt rüber, Gegenlicht oder nicht, die Welt ist nun mal nicht s/w.

Zur bunten "Spielplatzlok" mit gelbem Schornstein und weisser Krempe: Bei diesem Anblick kriege ich unweigerlich Durst! Eine Schweizer Brauerei hat diese Idee auf die Spitze getrieben und auf ihre feuerlose Dampflok sogar einen Blech-Schornstein in perfekter Bierglasgestalt montieren lassen.
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Prost und schöne Ostern!

Werner



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.04.19 17:30.

ST 778

geschrieben von: 03 1008

Datum: 19.04.19 11:56

Hallo Florian,

besten Dank für den interessanten Bericht! Da Du bei den anderen Loks die Fabriknummern erwähnt hast, hier die Daten zur ST 778: RSH 7357/1949. Die Lok stand auch 2017 noch im "Bw", leider ziemlich verwahrlost und ohne Treib- und Kuppelstangen.

Viele Grüße, Helmut